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Full text of "Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläontologie."

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FOR  THE  PEOPLE 
FOR  EDVCATION 
FOR  SCIENCE 


LIBRARY 

or 

THE  AMERICAN  MUSEUM 

OF 

NATURAL  HISTORY 


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Centralbiatt 

für 

Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

in  Verbindung  mit  dem 

Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

herausgegeben  von 

M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 

in  Marburg,  in  Breslau,  in  Berlin. 


Jahrgang  1913. 

Mit  zahlreichen  Figuren  im  Text. 


STUTTGART. 

E.  Schweizerbart’sclie  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser 
1913. 


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Alle  Rechte,  auch  das  der  Übersetzung,  Vorbehalten. 


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Druck  der  K.  Hofbuchdruckerei  Zu  Gutenberg  (Klett  Hartmann),  Stuttgart. 


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Inhalt. 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Seite 

Ändert.  Hermann:  Inoceramus  inconstans  Woods  und  verwandte 

Arten.  Mit  2 Textfignren 278.  295 

Andree,  K.:  Reine  Translation  oder  abnorme  Knickung  beim  Stein- 
salz ? 696 

Arrhenius,  Sv  ante:  Widerlegung  der  physikalischen  Einwände 

gegen  die  Kohlensäuretheorie 582 

Backlund,  Helge:  Ueber  chemische  Veränderungen  in  mechanisch 

deformierten  Gesteinen 593.  634 

Balss,  Heinrich:  Ueber  fossile  Galatheiden.  Mit  1 Textiigur  . 155 

Bauer,  Max:  Berichtigung 25 

Baumhauer,  H. : Ueber  die  goniometrischen  Verhältnisse,  Aetz- 

erscheinungen  und  Symmetrie  des  Natroliths.  Mit  7 Textfiguren  304 

Beger,  P.  J. : Lamprophyre  im  Lausitzer  Granitmassiv 457 

B e re  k , M. : Zur  Messung  der  Doppelbrechung  hauptsächlich  mit  Hilfe 

des  Polarisationsmikroskops.  Mit  7 Textfiguren  . . 388.  427.  464 

— Berichtigung  und  Nachtrag  zu  meiner  Mitteilung  „Zur  Messung 

der  Doppelbrechung  usw.“ 580 

Berichtigung 192.  288 

Beut  eil,  A. : Die  Zersetzung  des  Hauerits  an  der  Luft  und  die  da- 
durch hervorgerufene  Einwirkung  auf  Silber  und  Kupfer.  Mit 

3 Textfiguren 758 

Boeke,  H.  E:  Bemerkung  über  die  Theorie  von  J.  Johnston  bezüg- 
lich des  Verhaltens  fester  Stoffe  unter  ungleichförmigem  Druck  321 
Born,  Axel:  Ueber  neuere  Gliederungsversuche  im  estländischen 

höheren  Untersilur 712 

Brouwer,  H.  A. : Neue  Funde  von  Gesteinen  der  Alkalireihe  auf 

Timor 570 

Busz,  K.  und  F.  W.  Rüsberg:  Mineralogisch-chemische  Unter- 
suchungen an  Olivin-  und  Melilithkristallen  in  Hochofen- 
schlacken   625 

Cornelius,  H.P. : Geologische  Beobachtungen  im  Gebiete  des  Forno- 

gletschers  (Engadin) 246 

D e e c k e , W. : Georg  Böhm  f 289 

— Paläontologische  Betrachtungen.  III.  Ueber  Echinoiden  . 498.  526 

Diener,  C. : f Friedrich  Teller 119 

Doelter,  C.  und  E.  Dittler:  Bauxit  oder  Sporogelit? 193 

Doss,  Bruno:  Das  Vorkommen  von  freiem  Schwefel  in  Sapropelen  490 

— Ueber  die  Herkunft  des  Naturgases  auf  der  Insel  Kokskär 

im  Finnischen  Meerbusen  nebst  Bemerkungen  über  die  Ent- 
stehung der  Insel 601 

Endeil,  K.:  Ueber  Granatamphibolite  und  Eklogite  von  Tromsö 

und  vom  Tromsdaltind.  Mit  1 Textfigur 129 

— Ueber  die  Entstehung  tertiärer  Quarzite  bei  Herschbach  im 

Westerwald 676 

Erdmannsdörffer.  0.  H. : Ueber  Koenenit  von  Sarstedt.  Mit 

1 Textfigur 449 

Fischer,  Herrn.:  Ein  mariner  (?)  Oolitli  aus  Zentralafrika  . . 112 

Freudenberg,  W. : Flephas  primigenius  Fraasi  Dietrich  und  die 

schwäbische  Hochterrasse 475.  646 

Friedländer,  Immanuel:  Ueber  vulkanische  Erscheinungen  am 

Aetna  und  in  Japan 379 


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Sette 

Gaäl,  St.  v.:  Kurze  Antwort  auf  den  PÄVAi’schen  (?)  Artikel  (Sar- 

matischer  Dacittuff  etc.) 405 

Gagel,  C. : Ueber  das  Alter  der  Moräne  am  Emmerleff-Kliff  und  die 

Beweiskraft  der  „Leitgeschiebe“  für  das  Alter  der  Moränen  . 215 
Gans,  R. : Ueber  die  chemische  oder  physikalische  Natur  der  kolloidalen 

wasserhaltigen  Touerdesilikate  . . . . • 699.  728 

Geinitz,  E. : Zur  Verdeutschung  des  Wortes  „Drumlin“ 676 

Goldschmidt,  V.:  Ueber  Indikatoren  zur  mechanischen  Gesteins- 
analyse und  spezifischen  Gewichtsbestimmung  . • 39 

Goldschmidt,  V.  M , J.  Rekstad,  Th.  Vogt:  Zu  Herrn  J oh. 

Koenigsberger’s  geologischen  Mitteilungen  über  Norwegen  . 324 
Grünling,  F.:  Maucherit  Ni3  As2,  ein  neues  Nickelmineral  aus  den 

Kobaltrücken  des  Mansfelder  Kupferschiefers 225 

Heeger,  W. : Ueber  die  mikrochemische  Untersuchung  fein  ver- 
teilter Carbonate  im  Gesteinsschliff 44 

Hennig,  Edw. : Ueber  Urgon  in  Deutsch-Ostafrika 81 

He  ritsch.  Franz:  Melongena  Deschmanni  R.Hoernes  — Melongena 

Botlcyana  J.  Knett 303 

— Zur  Geologie  des  Jesenkoberges  (Westlicher  Bacher)  ....  610 

— Die  zeitliche  Trennung  der  Deckenschübe  in  den  Ostalpen  . . 614 

Hoel,  Adolf:  Notiz  zu  K.  Schneider:  „Die  vulkanischen  Erschei- 
nungen der  Erde“  498 

Hoffmann,  Guido:  Vergleich  des  unteren  Dogger  im  Schwäbischen 

Jura  mit  dem  von  Hannover.  Mit  1 Textfigur 470 

Hopmann,  P.  Michael:  Einige  Bemerkungen  über  die  Einschlüsse 

im  Leucit-Tuff  der  Kappiger-Ley • 722 

Horn,  Max:  Vorläufige  Mitteilung  über  den  ladinischen  Knollenkalk- 
komplex der  Südalpen 508 

Hundt,  Rudolf:  Die  Eiszeit  im  Frankenwalde.  Mit  5 Textfiguren  146 

— Eine  Ergänzung  zu  „Organische  Reste  aus  dem  Untersilur 

des  Hüttchenberges  bei  Wünschendorf  an  der  Elster“ 180 

Huene,  Friedrich  von:  Ad  notam 480 

— Ueber  die  reptilführenden  Sandsteine  bei  Eigin  in  Schottland  617 
Jooss,  Carlo  H. : Ueber  Limnaea  ( Limnaea  s.  str.)  turnt a Klein 

emend.  Jooss.  Mit  8 Textfiguren 58 

Kaiser,  E.:  Ueber  die  ARRHENics’sche  Theorie  der  Eiszeiten  . . . 769 
Kaemmerer,  Paul:  Versuch  zu  einer  neuen  Deutung  der  Struktur 

des  Meteoreisens  von  Carthage  (Tennessee).  Mit  6 Textfiguren  17 

— Weitere  Studien  über  die  Struktur  des  Meteoreisens  von  Car- 
thage (Tennessee).  Mit  6 Textfiguren 261 

Kessler,  P.:  Zur  jüngeren  geologischen  Geschichte  der  Bitliynischen 

Halbinsel 1 

Killig,  Fr.:  Ueber  eine  Umwandlung  von  Phyllit  in  ein  dichtes 
Paragonitgestein  von  der  Korundlagerstätte  am  Ochsenkopf  in 

Sachsen 203 

Kittl,  Erwin:  Beobachtungen  an  geschmolzenem  Bronzit.  Mit 

1 Textfigur 450 

Koen  igs  b e r g e r , J. : Nachtrag  zur  Notiz  über  einen  anortbositi- 

schen  Gneis  von  Norwegen 25 

— Antwort  auf  die  Bemerkungen  der  Herren  V.  M.  Goldschmidt, 

J.  Rekstad,  Th.  Vogt 520 

— Notiz  über  kristalline  Schiefer  in  Spanien 642 

Kormos,  Th.:  Kleinere  Mitteilungen  aus  dem  ungarischen  Pleistocän  13 

— Zur  Kenntnis  der  Pleistocänablagerungen  in  der  Umgebung  von 

Tata  (Ungarn) 109 

Kowarzik,  Rudolf:  Ueber  zwei  neue  bisher  nicht  beschriebene 

Funde  des  Moschusoclisen  aus  dem  belgischen  Diluvium  . . . 178 


Inhalt. 


V 

Seite 

Kraus,  E.  H.  und  C.  W.  Cook:  Die  Kristallformen  des  Jodyrits 

von  Tonopah,  Nevada 385 

Laub  mann,  11  : Ueber  Pseudomorphosen  von  Quarz  nach  Kalkspat 

aus  den  Flußspatgängen  am  Wölsenberg  in  der  Oberpfalz  . . 353 
Lazarevic,  M. : Zu  Tüöan’s  „Bauxitfrage“ 258 

— Nochmals  „Zu  Tlcan’s  Bauxitfrage“  . . • 600 

Leidhold,  CI.:  Ueber  angeblich  gegenwärtige  tektonische  Be- 
wegungen in  der  Insel  Hiddensee  (Rügen) 139 

Ueber  ein  Vorkommen  von  Fossilien  in  den  Hunsrückschiefern 

der  Gegend  nördlich  von  Oberstein 652 

Leitmeier,  H.:  Bemerkungen  über  die  Unterschiede  in  den  Angaben 

von  Schmelzpunkten  der  Silikate 513 

Löffler,  Richard:  Ergänzende  Beiträge  zur  Kenntnis  des  Grund- 
gebirges im  Ries 752 

Maier,  W. : Berichtigung  über  die  korundhaltigen  Hornfelse  der 

Kontaktzone  des  11t.  Tibidabo  bei  Barcelona 26 

Mare  es,  Friedrich  v. : Jura  und  Kreide  in  der  Umgegend  von 

Sarstedt.  Mit  einer  geologischen  Skizze 346 

Meyer,  Erich:  Die  Diskordanz  diluvialer  Ablagerungen  im  Sam- 

land  und  im  Fläming 561 

Meyer,  Hermann  L.  F. : Kalkalgen  im  Wellenkalk  der  Rhön  . . 402 

— Ueber  den  Zechstein  im  Spessart  und  Odenwald.  Mit  einer 

Kartenskizze 742 

Michel,  H. : Der  Klinoenstatit  der  Meteoriten 161 

— Ueber  das  Auftreten  von  Rhönitbasalten  im  Böhmischen  Mittel- 
gebirge. Mit  2 Textliguren 195 

— Urausscheidungen  und  Einschlüsse  im  Sodalithsyenit  von  der 

Hradlischka  westlich  Großpriesen  a.  d.  Elbe 767 

Mitteilungen  aus  dem  Mineralogischen  Institut  der  Universität  Bonn  : 

20.  Hopmann,  P.  Michael:  Einige  Bemerkungen  über  die 

Einschlüsse  im  Leucit-Tuff  der  Kappiger-Ley 722 

Monsen,  Astrid:  Ueber  die  Packung  tertiärer,  diluvialer  und 

rezenter  Sande  und  das  Porenvolumen  von  Sandsteinen  . . . 242 
Mügge,  0.:  Ueber  die  Größenordnung  der  Gravitations-Anisotropie 

in  Kristallen.  Mit  1 Textfigur 33 

— Zweckmäßige  Indikatoren  aus  Glas 133 

Mylius,  H.:  Entgegnung  an  A.  Tornquist.  Mit  1 Textfigur  . . . 252 
Nacken,  R. : Vergleich  der  optischen  und  der  thermischen  Methode 

zur  Bestimmung  von  Schmelztemperaturen.  Mit  2 Textfiguren  328 
Naumann,  M. : Knickung  der  Würfelfläche  bei  Steinsalz  als  eine 

Folge  „reiner“  Translation.  Mit  1 Textfigur 698 

Noetling,  Fritz:  Die  Packung  losen  Sandes 681 

01  bricht,  K. : Neue  Beobachtungen  im  Diluvium  der  Umgebung 

von  Hannover.  Mit  6 Textfiguren 51 

Oppenheim,  Paul:  Zur  Altersfrage  des  bei  Teschen  am  Karpathen- 
rande überschobenen  Tertiärs 85 

Osann,  A.:  Petrochemische  Untersuchungen.  I.  Teil.  Mit  4 Text- 
figuren   481 

Pävai-Vajna,  Franz  von:  Ueber  sarmatischen  Dacittuff  in 
der  Umgebung  von  Nagyenyed  nebst  einigen  Bemerkungen  zur 
Arbeit  des  Herrn  St.  Gaal.  Mit  3 Textfiguren  ....  164.  209 

Quiring,  H. : Eifeldolomit  und  alttriadisclie  Verebnung 269 

Rack,  Georg:  Beiträge  zur  Petrographie  von  Flores.  Mit  2 Text- 
figuren   134 

— Ueber  das  gegenseitige  Verhalten  des  Zinnchloriirs  und  der 

Chloride  des  Kaliums  und  Natriums  beim  Kristallisieren  aus 
dem  Schmelzfluß.  Mit  2 Textfiguren 373 


VI 


Inhalt. 


Seite 


Renz,  Carl  und  Fritz  Frech:  Beiträge  zur  Geologie  von  Hellas 
und  der  angrenzenden  Gebiete.  20.  Carl  Renz:  Geologische 
Studien  im  Artemisiongebirge  (Grenze  von  Arkadien  und  Argolis)  338 

— Beiträge  zur  Geologie  von  Hellas  und  der  angrenzenden  Ge- 
biete. 22.  Carl  Renz:  Geologische  Untersuchungen  in  Epirus  534 

Rose,  H. : Ueber  die  kristallographische  Orientierung  von  Muscovit- 
spaltungsplatten  mit  Hilfe  der  Biegungs-  und  Aetzfiguren.  Mit 

2 Textfiguren 657 

Rosic.ky,  V.  und  St.  J.  Thugutt:  Epidesmin,  ein  neuer  Zeolith  422 
Rüsberg,  F.  W. : Ueber  Augit  und  Wollastonit  in  Hochofenschlacken  689 
Schneider,  Karl:  Die  vulkanischen  Erscheinungen  der  Erde  . . 102 
Schöndorf,  Fr:  Ueber  positive  Strandverschiebungen  im  Oberen 

Jura  des  südöstlichen  Deisters 438 

Schroeder,  Henry:  Das  Vorkommen  der  Gattung  Lophiodon  in 

der  Braunkohle  Sachsens . 351 

Schumoff-Deleano,  Vera:  Einige  Versuche  über  das  Zusammen- 
kristallisieren von  Diopsid  und  Jadeit.  Mit  1 Textfigur  . . 227 
Schwa rtz,  Friedrich:  Ueber  das  Auftreten  des  Geruches  beim 

Reiben  von  Mineralien 660 

Schwarz,  M.  v. : Zwei  neue  Modelle  der  Dichtebestimmungsivage. 

Mit  1 Textfigur 565 

Sch wiet ring,  Fr.:  Bemerkungen  zu  den  Untersuchungen  von 

C.  Viola  über  die  Totalreflexion  des  Lichtes  an  einem  Kristall  577 
Semper,  Max:  Berichtigung 27 

— Zur  eocänen  Geographie  des  nordatlantischen  Gebiets  ....  234 

Sigmund,  Al.:  Anatas  in  den  Niederen  Tauern 666 

Simionescu,  J. : Megcdosaunis  aus  der  Unterkreide  der  Dobrogea 

(Rumänien).  Mit  1 Textfigur 686 

Slavik,  F. : Adolf  Hofmann  f 721 

Sokol,  R. : Ueber  das  Sinken  der  Elbe-Ebene  in  Böhmen  während 

der  Diluvial- Akkumulation.  Mit  2 Textfigureü 91 

— Nachtrag  zu  „ Ueber  das  Sinken  der  Elbe-Ebene  etc.“  ....  122 
So  eil  n er,  J. : Ueber  das  Auftreten  von  Essexit  im  Kaiserstuhl  . . 230 

— Ueber  Leucitneplielintinguaitporphyr  aus  dem  Kaiserstuhl  . . 367 
Spengler,  E : Einige  Bemerkungen  zu  E.  Haug:  Les  nappes  de 

charriage  des  Alpes  calcaires  septentrionales,  3 eme  partie, 
le  Salzkammergut  272 

— Der  angebliche  Hauptdolomit  bei  Gosau 616 

— Zur  Systematik  der  obercretacischen  Nautiliden 115 

Stahl,  W. : Pisolithe.  Mit  1 Textfigur 337 

Stremine,  H. : Ueber  das  Verhalten  des  Cimolits  vor  dem  Lötrohr 

mit  Kobaltsolution.  Entgegnung  an  St.  J.  Thugutt  ....  313 
Tep p n e r , Wilfried:  Testudo  Eiedli  R.  Hoerxes.  Mit  1 Textfigur  381 
Thiel,  G. : Ueber  das  Vorkommen  von  Kohlensäure  in  Kohlenflözen  683 
Tschirwinsky,  W. : Zur  Frage  über  die  Identität  des  Podolits 

und  Dahllits.  Mit  1 Textfigur 97 

Tue  an,  Fran:  Zur  Bauxitfrage 65 

— Zu  Tucan’s  „Bauxitfrage“ 387 

— Bauxit  in  neuem  Licht 495 

— Zur  Kenntnis  des  mehligen  Siliciumdioxyds  von  Milna  auf  der 

Insel  Braö  in  Dalmatien  mit  besonderer  Berücksichtigung  der 
Bauxitfrage.  Mit  3 Textfiguren 668 

— Zur  Wherry’s  Nomenklatur  • 768 

— Wieder  „Zu  Tuüan’s  Bauxitfrage“ 768 

Uhlig,  J. : Ueber  das  Löslichkeitsschema  KCl,  MgCL  und  Wasser 

(Carnallitscliema)  bei  50°.  Mit  1 Textfigur 417 

van  der  Veen,  A.L.  W.E.:  Die  Beweglichkeit  d.  Silbers  in  Zinnobererde  257 


Inhalt. 


VII 

Seite 

Yolz,  W. : Oberer  Jura  in  West-Sumatra.  Mit  5 Textfiguren  . . 753 
Wagner.  Georg:  Beiträge  zur  Kenntnis  des  oberen  Hauptmuschel- 

kalks  in  Elsaß-Lothringen.  Mit  einer  Kartenskizze  . . .551.  584 
Walther,  Karl:  Ueber  ein  Vorkommen  von  Epidotadinole  und 
gefritteten  Sedimenten  aus  dem  Süden  der  Republik  Uruguay. 

Mit  2 Textfiguren 68 

Weber,  M. : Beispiele  von  Priinärschieferung  innerhalb  der  böhmi- 
schen Masse.  Mit  2 Textfiguren 772 

Wept'er,  E.:  Ueber  das  Vorkommen  von  „ Cyprina  islandica “ im 

Postpliocän  von  Palermo. 173 

Westphal,  Otto:  Beitrag  zur  Kenntnis  der  optischen  Verhältnisse 

des  Periklas.  Mit  1 Textfigur 516 

Wetze  1.  W. : Untersuchungen  über  das  Verhältnis  von  Chalcedon 

und  Quarzin  zu  Quarz  356 

Wlierry,  Edgar  T. : Zur  Nomenklatur  der  Mineralvarietäten  und 

Kolloidmineralien 518 

Wich  mann,  Arth.:  Ueber  sogen.  Pisolithe  aus  dem  Mansfelder 

Flüzgebirge 457 

Wilckens,  Otto:  Zur  Benennung  der  alpinen  Ueberschiebungs- 

decken 435 

Wulff,  Georg:  Grundlagen  der  Kristallröntgenogrammetrie.  Mit 

2 Textfiguren 260 

Zimmermann,  Ernst:  Die  Culmfauna  von  Hagen  i.  W.  Einige 

Bemerkungen  zu  dem  gleichlautenden  Aufsatz  des  Herrn  Nebk  397 

Neue  Instrumente  und  Beobachtungsmethoden. 

Berek,  M. : Mineralogischer  Demonstrationsapparat.  Mit  3 Text- 
figuren   181 

Korr  eng,  E. : Ueber  die  Herstellung  von  Dünnschliffen  und  Dauer- 
präparaten aus  salzartigen,  aus  dem  Schmelzfluß  kristallisierten 

Stoffen 408 

Leiss,  C : Mineralogisches  Demonstrationsmikroskop  mit  Tischrevolver. 

Mit  2 Textfiguren 558 

Miigge,  0.:  Bemerkungen  zum  Wiilfing’schen  Demonstrationsmodell 

für  einfache  Schiebungen  123 

Wülfing,  E.  A. : Demonstrationsmodell  für  sogen,  einfache  Schie- 
bungen. Mit  6 Textfigureu 28 

Besprechungen. 

Abderhalden,  Emil:  Fortschritte  der  naturwissenschaftlichen 

Forschung 592 

Beckenkamp,  J. : Statische  und  kinetische  Kristalltheorien.  Erster 
Teil:  Geometrische  Eigenschaften  der  Kristalle  und  deren  Ver- 
anschaulichung durch  geometrische  Strukturbilder 413 

Brauhäuser,  M. : Die  Bodenschätze  Württembergs 191 

Brauns,  R. : Mineralogie • 288 

Cohen.  Ernst:  Jacobus  Hekricus  van’t  Hoff.  Sein  Leben  und 

Wirken 285 

Doelter,  C. : Handbuch  der  Mineralchemie 160.  688.  784 

Dreher,  0.:  Das  Färben  des  Achats 319 

Duparc,  Louis  et  Alfred  Mounier:  Traite  de  technique  minera- 

logique  et  petrographique 656 

Farrell,  J.  H. : Practical  Field  Geology,  including  a Guide  to  the 
SightRecognition  of  One  Hundred  Twentv  Common  or  Important 

Minerals  by  Professor  A.  .1.  Moses 352 

Gratacap,  L.  P. : A Populär  Guide  to  Minerals 128 


VIII  Inhalt. 

Seite 


Günther,  C.  Godfrey:  The  Examination  of  Prospects 352 

Henniger,  Karl  Anton:  Die  Metalle  nach  Vorkommen,  Gewin- 
nung, Verwendung  und  wirtschaftlicher  Bedeutung 224 

van’t  Hoff,  J.  H.:  Untersuchungen  über  die  Bildungsverhältnisse 
der  ozeanischen  Salzablagerungen,  insbesondere  des  Staßfurter 

Salzlagers 286 

Lewis.  J.  Volney:  Determinative  Mineralogy  with  Tables  for  the 
Determination  of  Minerals  bv  Means  of  their  Chemical  and 

Physical  Cliaracters 320 

Lienau,  Detlev:  Die  Entstehung  der  Ackerböden,  erläutert  an 
den  geologisch- agronomischen  Verhältnissen  in  der  Provinz 
Sachsen , im  Herzogtum  Anhalt  und  in  den  Thüringischen 

Staaten 287 

Linclc,  Gottlob:  Grundriß  der  Kristallographie  für  Studierende 

und  zum  Selbstunterricht 592 

Phillips,  Alexander  H. : Mineralogy.  an  Introduction  to  the 

Theoretical  and  Practical  Study  of  Minerals 127 

Rinne,  F. : Allgemeine  Kristallographie  und  Mineralogie 591 

— Elementare  Anleitung  zu  kristallographisch-optischen  Unter- 
suchungen vornehmlich  mit  Hilfe  des  Polarisationsmikroskops  318 
Rogers,  Austin  F. : Introduction  to  the  Study  of  Minerals  . . . 624 

Sigmund,  Alois:  Die  mineralogische  Abteilung 512 

Wein  schenk,  E. : Petrographisches  Vademecum 688 

Versammlungen  und  Sitzungsberichte. 

Londoner  Mineralogische  Gesellschaft 126.  189.  412.  590 


Miscellanea. 

Akademische  Ferienkurse  in  Hamburg.  Vom  24.  Juli  bis  6.  Aug.  1913  384 
Beschluß  der  akademischen  Behörden  der  schwed.  Universität  Lund, 
um  die  Mittel  zur  Erbauung  eines  neuen  Geolog,  meteorol. 
Institutes  in  Lund  heim  schwedischen  Reichstag  nachzusuchen  720 

Ferienkurse  Jena.  Vom  4.— 16.  August  1913 224 

Geologische  Aufnahme  des  Duppauer  Gebirges  im  nordwestl.  Böhmen  448 

Personalia. 


Baltzer,  A 

. . . 720 

Ivoert,  W 

. . . 256 

Böhm,  G. 

. . . 224 

Kossmat,  F. 

. . . 688 

Cellier,  J.  S. 

. . . 352 

Laspeyres,  H.  .... 

. . . 512 

C'boffat,  P 

. . . 784 

Pompeckj,  J.  F.  ... 

Corstorphine,  G.  S.  . . 

. . . 352 

Potonie,  H 

. . . 784 

Credner,  H 

. . . 512 

Redlich,  K.  

Dyhrenfurth,  G.  ... 

. . . 752 

Riemann,  K 

. . . 256 

Fleury,  E 

. . . 784 

Rimann,  E 

. . . 64 

Fuchs,  A 

. . . 256 

Salomon,  W 

. . . 320 

Haas,  H 

. . . 592 

Slavik.  F 

. . . 288 

Hennig,  E. 

. . 384 

Stille.  H 

. . . 352 

Hibsch,  J.  E. 

. . . 448 

Sustschinsky,  P.  P.  . . 

Holzapfel,  E 

. . . 416 

Volz,  W. 

. . . 192 

Jezek,  Boh 

. . . 288 

Weigel.  0 

. . . 160 

Keßler,  P 

. . . 96 

Wilckens,  0. 

. . . 512 

Kit tl,  E 

. . . 384 

Zambonini.  F 

. . . 784 

König,  G.  A 

. . . 192 

Druckfehlerberichtigung 


128.  320 


Sachregister. 


IX 


Sachregister 

zum  Centralblatt  für  Mineralogie  etc.  1913. 


Die  Original-Mitteilungen  sind  kursiv  gedruckt. 


Achat,  Färbung  319. 

Achsenwinkel,  optischer,  Bestimmung 
in  Dünnschliffen  190. 

Ackerböden,  Entstehung  287. 

Adinole,  Uruguay,  südl.,  Epidot-  68.  77. 
.1  dular.  St.  Gotthard.  Schmelztemperatur 
333. 

Albit,  Pfitschial,  Schmelztemperatur  333. 
Alkalitrachyt,  Timor  571. 

Allgäuer  Juraklippen  252. 

Alpen 

1 'berschiebungsdecken  435. 
nördliche  Kalk-,  Decken  272. 
östliche  zeitliche  Trennung  der  Decken- 
schübe 614. 

südliche,  ladinischer  Knollenkalkkom- 
plex 508. 

Älttriadische  Verebnung  und  Eifeldolo- 
mit 269. 

Aluminatsilikate,  kolloidale  wasserhaltige, 
chemische  oder  physikalische  Natur 
700.  728. 

Amphibolit,  Tromsö  und  Tromsdaltind, 
Granat-  129. 

Anatas,  Gatschiberg  im  Sölktal,  Niedere 
Tauern  666. 

Andalusit,  Kappiger-Ley,  Einschluss  im 
Leucittuff  723. 

Andesit 

Flores,  Augit-,  Augit-Olivin-  und 
Hypersthen-Augil  135. 

Jesenkoberg,  (Westl.  Bacher)  611. 
Anisotropie.  Gravitation s-,  der  Kristalle, 
Größenordnung  33. 

Anorthit.  Schmelztemperatur  331. 
Anorthositischer  Gneis,  Norwegen  25. 
Aniozonit,  Wölsenberg  (Oberpfalz)  353. 
Apparat  zu  mineralogischen  Demonstra- 
tionen 181. 

siehe  auch  Polarisations  mikroskop. 
Aragonit,  Mansfeldcr  Flözgebirge,  in 
Pisolithen  337. 

Archosuchier,  siehe  Pseudosuchier. 
Arrhenius’  Theorie  der  Eiszeiten  582. 

769. 

Artenbildung  durch  pseudospontane  Eco- 
lution 27. 


Artemisiongebirge,  Hellas  338. 

Ätzfiguren  am  Muscovit,  zur  kristallo- 
graphischen  Orientierung  657. 

Aufschmelzungszone  der  Erdkruste  326. 
521. 

Augit  in  Hohofenschlacken  689. 

JBasall 

Hessen  25. 

Böhmisches  Mittelgebirge,  Bhönit  195. 

Uruguay,  südl.,  und  Kontakt  70. 

Bauxit 

Definition  495. 

Natur  65. 

kroatischer  Karst  258.  387.  600.  768. 

und  Sporogelit  193. 

Bauxitf  rage  und  mehliges  Si02  von  Milna 
Insel  Bra£,  Dalmatien  668. 

Bestimmende  Mineralogie  von  J.  Yoi- 
ney  Lewis  320. 

Biegungsfigur,  siehe  Druckfigur  657. 

Bithynische  Halbinsel,  Geol.  1. 

Böhm,  Georg,  Nekrolog  289. 

Böhmen,  Elbe-Ebene,  Sinken  während  der 
Diluvial- Akkumulation  91 . 

Böhmische  Masse,  Primärschieferung  772. 

Bronzit,  geschmolzener  450. 

siehe  auch  Enstatit  und  Klino- 
enstatit. 

Cambrium,  Spanien,  Gesteine  642. 

Camptonit,  Timor  577. 

Carbon,  Hagen  i.  B\,  Fauna  des  Culm 
397. 

Carbonate  mikrochemische  Untersuchung 
feinverteilter,  in  Gesteinsschliffen  44. 

Carnallit,  Zersetzung  beim  Umkristalli- 
sieren 323. 

Carnallitschema  417. 

Cavloccschuppe,  Engadin  247. 

Chalcedon  und  Quarzin,  Verhältnis  zu 
Quarz  356. 

Chemische  Analyse,  quantitative,  von 
Mineralien  und  Gesteinen  656. 

Chemische  Veränderung  in  mechanisch 
deformierten  Gesteinen  593.  634. 

Chinesische  Wagschalen  und  Gewichte 
aus  Amethvst  für  Edelstcinhändler 
190. 


X 


Sachregister. 


Cimolit,  Verhallen  v.  d.  L.  mit  Kobalt- 
solution  313. 

Cölestin , Zentralafrika  113. 

Cricetulus  phaeus,  Pleislocän  Velebit- 
gebirge  15. 

Crislobalit  und  Tridymit  aus  Quarz  ent- 
standen 680. 

Culrn,  Hagen  i.  ll\,  Fauna  397. 

Cyanüglimmerschiefer , Kappiger-Ley, 
Einschlüsse  im  Leucittuff  723. 

? Cylindrella  silesiaca,  Wellenkalk.  Rhön 
' 404. 

Cyprina  islandica.  Postpliocän,  Palermo 
173. 

Dacit . Jesenkoberg  (westl.  Bacher)  611. 

Dacittuff 

Nagyenyed,  sarmatisch  164.  209. 

Siebenbürgen,  sarmatischer  405. 

Dahllit,  Identität  mit  Podolit  97. 

Dauerpräparate  aus  salzartigen , aus  dem 
Schmelzfluß  kristallisierten  Stoffen 
408. 

Decken,  nördl.  Kalkalpen  272. 
siehe  Alpen. 

Deckenschübe,  Ostalpen,  zeitliche  Tren- 
nung 614. 

Deformierte  (mechanisch)  Gesteine,  che- 
mische Veränderungen  593.  634. 

Deister,  siidöstl.,  Strandverschiebungen  im 
Oberjura  438. 

Demonstrationsapparat,  mineralogischer 
181. 

Devon  . 

Eifel,  Dolomit  und  alttriadische  Ver- 
ebnung  269. 

Oberstein  a.  d.  Nahe,  Fossilien  im 
Hunsrückschiefer  652. 

Diabas,  Uruguay,  sü dl.,  und  Kontakt  72. 

Diapositivprojektion,  Apparat  187. 

Diasporbauxit  65. 

Dichte.  Wage  zur  Bestimmung  565. 
siehe  auch  spezifisches  Gewicht  und 
Indikatoren. 

Dictyodora  Zimmermanni,  Untersilur, 
Wünschendorf  a.  Elster  180. 

Diluviale  Wirbeltierfauna,  Steinheim- 
Murr  475.  646. 

Diluvium 

Hannover  51. 

Norddeutschland,  Diskordanz  der 
Schichten  im  Samland  und  im 
Fläming  561. 

siehe  auch  Quartär,  Glazial  etc. 

Diopsid,  Zusammenkristallisieren  mit 
Jadeit  227. 

Disthen  siehe  Cyanit. 

Dogger,  Schwaben  und  Hannover,  Ver- 
gleichung des  unteren  470. 


Dolomit,  mikrochemische  Unterscheidung 
von  Kalkspat  in  Dünnschliffen  44. 

Dolomitfazies  des  Zechsteins,  Spessart  und 
Odenwald  747. 

Dolomitfrage,  Hauptmuschelkalk  in  El- 
saß-Lothringen 584. 

Doppelbrechung 
Messung  580. 

Messung  mit  Hilfe  des  Polarisations- 
mikroskops 388.  427.  464. 

Druck,  ungleichförmiger,  Theorie  J. 
Johnston's  bezüglich  des  Verhaltens 
fester  Stoffe  321. 

Druckfigur,  kristallographische  Orien- 
tierung beim  Muscovit  657. 

Drumlin , Verdeutschung  in  Drümmel  676. 

Drümmel,  Verdeutschung  von  Drumlin 
676. 

Dünnschliffe 

Apparat  zur  Herstellung  126. 
aus  salzartigen  aus  dem  Schmelzfluß 
kristallisierten  Stoffen  408. 

Duppaucr  Gebirge.  Böhmen,  geologische 
Aufnahme  448. 

Dynamometamorphose 
chemische  Veränderung  in  mechanisch 
deformierten  Gesteinen  593.  634. 
Hardangerdecke , Norwegen  327. 

Echinoiden  498.  526. 

Eifeldolomit  und  alttriadische  Verebnung 
269. 

Einfache  Schiebungen,  Demonstrations- 
modell 28. 

Eisenkiesknolle  190. 

Eiszeit,  Frankenwald  146. 

Eiszeiten.  Theorie  von  Arrhenius  582 . 769. 
siehe  auch  Glazial. 

Eklogit,  Tromsö  und  Tromsdaltind  129. 

Elbe-Ebene,  Böhmen,  Sinken  während  der 
Diluvial- Akkumulation  91.  122. 

Elephas  antiquus,  meridionalis,  primi- 
genius  und  trogontherii,  Diluvium, 
Steinheim- Murr  475.  646. 

— primigenius  Fraasi  und  die  schwäb. 
Hochterrasse  475.  646. 

Emmerief f -Kliff,  Sylt,  Alter  der  Moräne 
215. 

Enantiomorphismus  und  optische  Ak- 
tivität der  Molekular-  und  Kristall- 
struktur 189. 

Enstatit,  Meteoriten  161. 

siehe  auch  Bronzit  u.  Klinoenstatit. 

Eocän,  nordatlantisches  Gebiet,  Geo- 
graphie 234. 

Epidesmin  422. 

Epidotadinole,  siidl.  Uruguay  68.  77. 

Epidot  schiefer,  Uruguay.,  siidl.  73. 

Epirus,  Geologie  534. 


XI 


Sachregister. 


Eruptivgesteine,  böhmische  Masse,  pri- 
märe Schieferung  772. 

Erzlagerstätten,  Spessart  und  Odenwald, 
Manganerze  749. 

Essexil,  Kaiserstuhl  231. 

.Faulschlamm  mit  freiem  Schwefel  490. 

Fayalit,  Kristalle  in  Ilohofenschlacken 

625. 

Feldspate,  Schmelztemperaturen  331. 

Felsitporphyr,  Südpatagonien  und  Feuer- 
land, chemische  Veränderungen  hei 
mechanischer  Deformation  593. 

Fläming,  siehe  Diluvium. 

Flores,  Gesteine  der  Insel  134. 

Flüssigkeiten.  Indikatoren  zur  Bestim- 
mung des  spezif.  Gewichts  39.  133. 

Flußspat,  Zentralajrika  113. 

Flußspatgänge,  11  ’ölsenberg  (Ober pfalz), 
Pseudomorphosen  von  Quarz  nach 
Kalkspat  353. 

Fornogletscher,  Engadin,  Geologie  246. 

Frankenwald.  Eiszeit  146. 

Frankolit,  Beziehungen^: u Podolit  etc.  101. 

Frittung  der  Sedimente,  südliches  Uru- 
guay 6S. 

Gahbro,  Tromsö  129. 

Galatheiden,  fossile  155. 

Galatheites,  Jura  138. 

Gangunterschiede.  Bestimmung  mittels 
des  Polarisationsmikroskops  464. 

Gasquelle , Kokskär  - Insel , Finnischer 
Meerbusen,  brennende  601. 

Gefrittete  Sedimente,  Uruguay,  siidl.  68. 

Gegenwärtige  tektonische  Bewegungen, 
Hiddensee  (Rügen)  139. 

Geologische  Aufnahmen,  Karten  etc., 
Böhmen,  Duppauer  Gebirge  448. 

Geruch  beim  Reiben  von  Mineralien  660. 

Gewicht,  spezifisches  Indilcatoren  zur  Be- 
stimmung von  Flüssigkeiten  39.  133. 
siehe  auch  Dichte. 

Glazial 

Frankenwald  Eiszeit  146. 

Norddeutschland,  Diskordanz  der 
Schichten  im  Samland  und  im  Flä- 
ming 561. 

Sylt.  Aller  der  Moräne  am  Emmerleff- 
J Kliff  215. 

siehe  auch  Eiszeit. 

Gleitflächen,  siehe  Schiebungen,  ein- 
fache. 

Gletscher,  siehe  Fornogletscher. 

Glimmer,  siehe  Muscovit. 

Glis  glis,  Pleistocän,  Ungarn  14.  15. 

Gneis 

chemische  Veränderung  in  mechanisch 
deformiertem  593.  634. 

böhmische  Masse,  Schieferung  772. 


Gneis 

Norwegen,  anorthositisclier  25. 

Südpatagonien  und  Feuerland  596. 

Gneisbildung,  Europa  326.  523. 

Gösau,  angeblicher  Hauptdolomit,  kein 
Fenster  616. 

Granat 

Umkristallisieren  323. 

Kappiger-Ley,  Einschlüsse  im  Leucil- 
tuff  723. 

Granatamphibolit,  Tromsö  und  Troms- 
daltind  129. 

Granit 

Bachergebirge,  Steiermark  613. 

Fornogletscher,  Engadin  248. 

Sumatra,  Alter  757. 

Granitmassiv,  Lausitz. , Lamprophyre  457. 

Granitmylonit,  Hardangerjökelen  524. 

Graphische  Bestimmung  von  Winkeln 
und  Indizes  in  Zonen  190. 

Gravitations-Anisotropie  der  Kristalle , 
Größenordnung  33. 

Griechenland 

Artemisiongebirge  339. 

Epirus,  Geologie  534. 

Hauerit,  Zersetzung  an  der  Luft  und  Ein- 
wirkung auf  Silber  und  Kupfer  758. 

Hauptdolomit,  Gosau,  angeblicher  616. 

Hauptmuschelkalk,  Elsaß-Lothringen  551. 
584. 

Hebungen,  gegenwärtige,  Hiddensee  (Rü- 
gen) 139. 

Hellas,  Artemisiongebirge  338. 

Hiddensee  (Rügen),  gegenwärtige  tek- 
tonische Bewegungen  139. 

Hochterrasse,  schwäbische  und  Eleplias 
primigenius  Fraasi  475.  646. 

Hoff,  Jacobus  Henricus  van’t,  Ne- 
krolog von  Ernst  Cohen  285. 

Hof  mann,  Adolf,  Nekrolog  721. 

Hohofenschlacken 

mit  Augit  und  Wollaskmit  689. 

mit  Olivin  und  Melilith  625. 

Hornfels,  Mt.  Tibidabo  bei  Barcelona, 
korundhaltiger  26. 

Hunsrückschiefer,  nördl.  Oberslein,  Fos- 
silien 652. 

Ilmenit,  Binnenthal,  Lengenbachstein- 
bruch  126. 

Indikatoren 

für  das  spezifische  Gewicht  von  Flüssig- 
keiten 39. 

aus  Glas  133. 

Indizes  und  Winkel  in  Zonen,  graphische 
Bestimmung  190. 

Inoceramus  balticus,  crassus,  Schloen- 
bachi  u.  var.  cripsioides,  Walters- 
dorfensis  und  Weisei  295  ff. 


XII 


Sachregister. 


Inoceramus  inconstans  undverwandte 
Arten  278.  295. 

— inconstans  var.  plana  284. 

Jadeit,  Zusammenkristallisieren  mit 
Diopsid  227. 

Jesenlcoberg  ( westlicher  Bacher),  Geo- 
logie 610. 

Jodyrit,  Tonopali,  Nevada,  Krist.  385. 

Jura 

Galatliea  155. 

Deister,  oberer,  Strandverschiebungen 
im  südöstlichen  438. 

Deutsch-Osiafrika,  fehlt  81. 

Epirus  535. 

Sarstedt  347. 

Schwaben  und  Hannover,  Vergleichung 
des  unteren  Doggers  470. 

Sumatra,  oberer,  des  westlichen  753. 

Juraklippen,  Allgäuer  und  Vorarlber- 
ger 252. 

Kalkalgen,  Wellenkalk,  Rhön  402. 

Kalkolivin,  Kristalle  in  Hohofenschlacken 
628. 

Kalkspat 

Kristalle  aus  einem  Wasserbehälter 
127. 

mikrochemische  Unterscheidung  von 
Dolomit  in  Dünnschliffen  44. 

Wölsenberg  (Oberpfalz),  Quarz,  pseudo- 
morph nach  K.,  in  den  Flußspat- 
gängen 353. 

Kalkspatkompensator  427.  469. 
siehe  auch  Kompensator. 

Kämmererit,  Unst  (Shetlandsinsel)  591. 

Kappiger-Ley,  Laachtr  See,  Einschlüsse 
im  Leucittuff  721. 

Keil,  doppeltbrechender,  Farbenfolge  580. 

Iieratophyr,  Timor  571. 

Kersantit,  Lausitzer  Granitmassiv  457. 

Kieselsäure,  siehe  auch  Siliciumdioxyd. 

Kieselsäuremineralien,  Noneegen  325. 
520. 

Klinoenstatit,  Meteoriten  161. 

Knollenkalkkomplex,  ladinischer  Süd- 
alpen 508. 

Kohlenflöze  enthalten  Kohlensäure  683. 

Kohlensäure  in  Kohlenflözen  683. 

Kohlensäuretheorie  von  Arrhenius , Wider- 
legung der  E.  Kaysef sehen  Einwände 
582.  769. 

Kokslcär- Insel,  Finnischer  Meerbusen, 
Naturgas  und  Entstehung  601. 

Kolloidale  wasserhaltige  Tonerdesilikate, 
chemische  oder  physikalische  Natur 
699.  728. 

Kolloidmineralien,  Nomenklatur  518. 
768. 

Kompensator , neuer  390. 


Kompensatoren  427. 

ältere  388. 

siehe  auch  Kalkspatkompensator. 

Koenenit,  Sarstedt  449. 

Kontakt,  Tromsö  und  Tromsötind,  Gra- 
natamphibolit  und  Marmor  132. 

Kontaktbildungen 

Mt.  Tibi  dabo  bei  Barcelona  26. 

Uruguay,  siidl.,  Epidotadinole  68. 

Kontaktmetamorphose,  Hörtekollen,  Nor- 
wegen 531. 

Korund,  Kappiger-Ley,  Einschluss  im 
Leucittuff  723. 

Korundhaltiger  Hornfels,  Mt.  Tibidabo 
bei  Barcelona  26. 

Kreide 

Inoceramus  inconstans  und  verwandle 
Arten  295. 

Porosität  der  Sandsteine  245. 

Deutsch-Ostafrika,  Urgon  81. 

Dobrudscha  (Rumänien),  Megalosaur 
rus  in  der  unteren  686. 

Epirus  536. 

Gosau  616. 

Indien,  Systematik  der  Nautiliden  der 
oberen  115. 

Jesenkober g (westl.  Bacher)  613. 

Sarstedt  346.  348. 

Kristall,  Totalreflexion  des  Lichts  577. 

Kristalle 

geometrische  Eigenschaften  und  deren 
Veranschaulichung  durch  geometr. 
Strukturbilder  413. 

Größenordnung  der  Gravitafions- Aniso- 
tropie 33. 

Kristalline  Schiefer,  Spanien  642. 

Kristallmodell.  Apparat  zum  Schneiden 
nach  V.  Goldschmidt  190. 

Kristallographie 

von  Linck  592. 

von  Rinne  591. 

und  Kristalloptik,  graphische  Me- 
thoden 126. 

Kristallographisch-optischer  Demonstra- 
tionsapparat 181. 

Kristallstruktur,  sichtbar  gemacht  durch 
Röntgenstrahlen  590. 

Kristall-  und  Molekularstruktur,  opt. 
Aktivität  und  Enantiomorphismus 
189. 

Iiristallröntgenogrammetrie  260. 

Kristalltheorien,  statische  und  kinetische 
413. 

Labradorit,  St.  John's  Point,  Co.  Down 
126. 

Ladinischer  Knollenkalkkomplex , Süd- 
alpen 508. 

Lamprophyr,  iMusitzer  Granitmassiv  457. 


Sachregister. 


XIII 


Lausitzer  Granitmassiv, Lamprophyre  457. 

Lcucitphoml  ithtu  ff,  Kappiger-Ley. 
Laacher  See,  Einschlüsse  722. 

Leucittinguait porphyr,  Ihringen.  Kaiser- 
stuhl 367. 

Limnaea  turrita  Klein  emend.  Joos  nebst 
rar.  Millen  und  var.  lacusMformis 
(T.  slagnaloides) , Obenniocän,  Ober- 
sehicaben  58. 

Lophiodon,  Braunkohle  Sachsens  351. 

Löslichkeitsschema  KCl,  Mg  CI.,  und 
Hasser  ( Carnallitschema ) 417. 

Ludwigia  sehndensis,  unterer  Dogger, 
Hannover  473. 

Manganerze,  Odenwald  und  Spessart,  im 
Zechst  et  n 749. 

Manganfayalit,  Kristalle  in  Hohofen- 
schlacken  626. 

Maucherit,  Mansfelder  Kupferschiefer- 
rücken 225. 

Mechanisch  deformierte  Gesteine,  chemi- 
sche Veränderungen  593.  634. 

Megalosaurus  in  der  Unterkreide,  Do- 
brudscha  ( Rumänien ) 686. 

Melaphyr,  Uruguay,  südl.,  und  Kontakt 
70. 

Meldith,  Kristalle  in  Hohofensclüacken 
625.  631. 

Melonaena  Deschmanni  und  Rotkyana 
303. 

Metamorphose 
böhmische  Maße  784. 
siehe  auch  Kontakt-,  Dynamometa- 
morphose  etc. 

mechanische,  siehe  deformierte  Ge- 
steine. 

Meteoreisen,  Cartliage,  Tennessee , Struk- 
tur 17.  261. 

Meteoriten 
Klinoenstalil  161. 

Baroti  (Pendschab,  Indien),  Sept. 
1911.  590. 

Microtus  ratticeps,  Löß,  Alf  old  15. 

Mikrochemische  Untersuchung  fein  ver- 
teilter Carbonate  in  Gesteinsdünn- 
schliffen 44. 

Mikrophotographischer  Apparat  181. 

Mikroskop,  siehePolarisationsmikroskop. 

Minenlchemie,  Doelter  169. 

M inevallager  statten, 

England.  Cornwall,  Virtuous  Lady- 
Grube  bei  Tavi stock  126. 
Montgomeryshire  412. 
siehe  auch  Erzlagerstätten. 

Mineralogie 
L.  P.  Gratacap  128. 

Alexander  H.  Phillips  127. 
siehe  auch  bestimmende  Mineralogie. 


Mineral  Varietäten,  Nomenklatur  518. 768. 

Molekular-  und  Kristallstruktur,  opt. 
Aktivität  und  Enantiomorphismus 
189. 

Moschusochsen,  Diluvium,  Belgien  178. 

Muschelkalk 

Elsaß- Lothringen,  Haupt-  551.  584. 

Rhön,  Kalkalgen  im  Wellenkalk  402. 

Mitsamt,  kristallographische  Orientierung 
mittels  Biegungs-  und  Aetzfiguren 
657. 

Mylonit  599.  637 . 

Hardangerjökelen,  Granit-  524. 

Myriopora  Verbeeki,  oberer  Jura,  West- 
Sumatra  754. 

XatroUth.  Krislallform  und  Aetzerschei- 
nungen  304. 

Naturgas.  Insel  Kokskär  im  Finnischen 
Meerbusen  601. 

Nautüiden,  Systematik  der  obercrelaci- 
schen  115. 

Nekrolog 

Friedrich  Teller  119. 

Hofmann,  Adolf  721. 

van’t  Hoff  von  E.  Cohen  285. 

Nomenklatur  der  Mineralvarietäten  und 
Kolloidmineralien  518.  758. 

Nordatlantisches  Gebiet,  eoeäne  Geo- 
graphie 234. 

Norwegen 

Geologie  324.  520. 

— , Kritik  J.  Königsbergers  324. 

Olivin,  Kristalle  in  Hochofenschlacken 
625. 

Oolith,  Zentralafrika,  mariner  (?)  112. 

Optische  Aktivität  und  Enantiomor- 
phismus  der  Molekular-  und  Kri- 
stallstruktur 189. 

Ovibos  moschatus,  Diluvium , Belgien  178. 

Packung  losen  Sandes  242.  681. 

Parcigonit,  Ochsenkopf  in  Sachsen,  ent- 
standen aus  Phyllit  203. 

Periklas,  optische  Verhältnisse  516. 

Perm 

Eigin,  Schottland,  fossil  führende  Sand- 
steine 617. 

Odenwald  und  Spessart,  Zechslein  742. 

Permutit  748. 

Petrochemische  Untersuchungen  481. 

Phonolithtuff  siehe  Leueitphonolithtuft. 

Phosphorit,  Podolien  und  ähnliche  Mine- 
ralien 97. 

Phyllit,  Ochsenkopf  in  Sachsen,  Umwand- 
lung in  ein  dichtes  Paragonitgestein 
203. 

Pisolith,  Mansfelder  Flözgebirge  337.  457. 

Pleistocän, 

Ungarn  13. 


XIV 


Sachregister. 


Pleistocän 

Ungarn , Umgegend  von  Tata  109. 

siehe  auch  Quartär. 

Podolit , Podolien.  Identität  mit  Dahllit  97. 

Polarisationsmikroskop 

Messung  der  Doppelbrechung  427. 

elementare  Anleitung  von  Rinne  318. 

Porphyrit,  Jesenkoberg  (wesll.  Bacher), 
Gänge  610. 

Porphyroidformation,  Südpalagonien  und 
Feuerland,  chemische  Veränderungen 
bei  mechanischer  Deformation  593. 

Postpliocän,  Palermo,  Cyprina  islandica 
173. 

siehe  auch  Quartär. 

Primärschieferung  innerhal  bder  böhm. 
Masse  772. 

Projektion,  siehe  stereographische  Pro- 
jektion 413. 

Projektionsapparat-  mikroskopischer  1S2. 

Pseudomorphose.  Quarz  und  Kalkspat, 
W olsenberg  (Oberpfalz)  in  den  Fluß- 
spatgängen 353. 

Pseudomorphosen,  Spateisenstein  nach 
Flußspat  und  Schwerspat,  Tavistock 
126. 

P scudospontane  Evolution,  Artenbildung 
27. 

Pseudo  suchier,  Vorfahren  der  Ptero- 
saurier  und  Vögel  480. 

Quartär 

Packung  diluvialer  und  rezenter  Sande 
242.  681. 

Belgien,  Moschusochse  178. 

Bithynische  Halbinsel  1. 

Böhmen,  Sinken  der  Elbe-Ebene  wäh- 
rend der  Diluvial- Akkumulation  91. 

Frankenwald,  Eiszeit  146. 

Hannover,  Diluvium  51. 

Iiokskär- Insel,  Finnischer  Meerbusen 
601. 

Kroatien,  Karst,  Fauna  17. 

Norddeutschland , Diskordanz  diluvialer 
Schichten  im  Samland  und  im 
Fläming  561. 

Palermo,  Cyprina  islandica  im  Post- 
pliocän 173. 

Schwaben,  Hochterrasse,  Schotter  und 
Elephas  primigenius  Fraasi  475. 646. 

— , Steinheim- Murr,  diluviale  Wirbel- 
tierfauna 475.  646. 

Ungarn,  Pleistocän  13.  109. 
siehe  auch  Postpliocän  u.  Pleistocän. 

Quarz 

U eher  gang  in  Tridymit  und  Crislo- 
balil  680. 

Verhältnis  zu  Quarzin  und  Chalcedon 
356. 


Quarz 

Wölsenberg  (Oberpfalz),  Pseudomor- 
phose nach  Kalkspat  in  den  Fluß- 
spatgängen 353. 

Quarz  in  und  Chalcedon,  Verhältnis  zu 
Quarz  356. 

Quarzit  Herschbach  (Westerwald),  ter- 
tiärer, Entstehung  676. 

Quarzitsandstein,  Uruguay,  südlich,  ge- 
f rittet  78. 

Rehgehörn,  pleistocäner  Süßwasserkalk, 
Süttö  16. 

Reiben  von  Mineralien,  Geruch  660. 

Reptil  führender  Sandstein,  Eigin,  Schott- 
land 617. 

Rhönitbasalt,  Böhm.  Mittelgebirge  195. 

Ries,  Grundgebirge  752. 

Röntgenstrahlen  machen  die  Kristall- 
struktur sichtbar  590. 

Salzablagerungen,  ozeanische,  Bildung 
nach  van’t  Hoff  286. 
siehe  auch  Steinsalz. 

Salzartige  Stoffe , aus  dem  Schmelzfluß 
kristallisiert  408. 

Salzkammergut,  Decken  272. 

Samland,  siehe  Diluvium. 

Sand,  Packung  des  losen  681. 

Sande,  Packung  tertiärer,  diluvialer  und 
rezenter  242. 

Sandstein 

Porenvolumen  242. 

Uruguay,  gefrittet  78. 

Sanidin,  Laacher  See,  Schmelztempera- 
tur 335. 

Sanidinit,  Kappiger-Ley,  im  Leucittuff 
725. 

Sapropele  mit  freiem  Schwefel  490. 

Schafberggruppe,  Tektonik  272. 

Schiebungen,  einfache,  Demonstrations- 
modell 28.  123. 

Schlacken , siehe  auch  Hohnfen- 
schlacken. 

Schleif äpparat  126. 

Schmelzpunkte  der  Silikate,  Unterschiede 
in  den  Angaben  513. 

Schmelztemperatur,  Sanidin,  Laacher  See 
335. 

Schmelztemperaturen,  Vergleichung  der 
optischen  und  der  thermischen  Me- 
thode zur  Bestimmung  328. 

Schwefel,  freier,  in  Sapropelen  490. 

Sedimente,  gefritteie,  südl.  U ruguay  68. 

Shonkinitisch-theralilische  Gesteine,  Ti- 
mor 573. 

Siebenschläfer,  Pleistocän,  Iiöszeg.  Un- 
garn 14. 

Silber,  Pfalz,  Beweglichkeit  in  Zinnober- 
erde 257. 


Sachregister. 


XV 


Siliciumdioxyd,  Milna,  Insel  Brau,  Dal- 
matien, mehliges,  Beziehung  zur 
Bauxitfrage  6 68. 

Silikate,  Unterschiede  in  der  Angabe  der 
Schmelzpunkte  513. 

Sülimanit,  Kappiger-Ley,  Einschluss  im 
Leucittuff  723. 

Silur 

Esthland.  Gliederung  des  höheren  Unler- 

712. 

II iittehenberg  bei  Wünschendorf  a.  El- 
ster, Dictyodora  Zimmermanni  und 
Palaeodictyum  Eiseleanum  ISO. 

Sodalithsyenit  Hradlischka  westl.  Groß- 
priesen a.  Elbe,  Urausscheidungen 
und  Einschlüsse  767. 

Spateisenstein,  Tavistock , Pseudomor- 
phosen  nach  Flußspat  und  Schwer- 
spat 126. 

Spessartit,  Lausitzer  Granitmassiv  462. 

Spezifisches  Gewicht  von  Flüssigkeiten 

Indikatoren  zur  Bestimmung  39. 

Indikatoren  aus  Glas  133. 
siehe  auch  Dichte. 

Sporogelit  und  Bauxit  193. 

Sporogelitbauxit  65.  - 

Staffelil,  Beziehung  zu  Frankolit  etc.  101. 

Staurolithglimmerschiefer,  Kappiger-Ley, 
Einschlüsse  im  Leucittuff  7 23. 

Steiermärkisches  Landesmuseum,  Graz, 
Mineralogische  Abteilung  512. 

Steinsalz,  Translation  696.  698. 
siehe  auch  Salz. 

Stereographische  Projektion,  neuer  Trans- 
porteur 413. 

Slrandver Schiebungen,  Oberjura,  südöstl. 
Deister  438. 

SlrontianU,  Mansfdder  Flözgebirge,  in 
Pisolithen  337. 

Strukturbilder  zur  Veranschaulichung 
der  geometrischen  Eigenschaften 
der  Kristalle  413. 

Sumatra,  Geologie  753. 

Sumbava,  Gesteine,  Osann' sehe  Werte 
139. 

Syenit,  siehe  auch  Sodalithsyenit. 

Sglt.  Alter  der  Moräne  des  Emmerleff- 
Iiliff  215. 

Teller,  Friedrich,  Nekrolog  119. 

Temperatur  der  Atmosphäre,  abhängig 
vom  COz-Gehalt  der  Luft  583.  769. 

Terra  rossa,  siehe  Bauxitfrage. 

Terrasse,  siehe  auch  Hochterrasse. 

Tertiär 

Packung  der  Sande  242.  681. 

Epirus  536. 

Herschbach,  Westerwald,  Entstehung 
von  Quarziten  676. 


Tertiär 

Nordatlantisches  Gebiet,  eoeäne  Geo- 
graphie 234. 

Sachsen,  Lophiodon  in  der  Braun- 
kohle 351. 

Siebenbürgen,  uniersarmaiischer  Dacil- 
tuff  405. 

Teschen,  am  Karpathenrande  über- 
schoben 85. 

Ungarn,  Nagyenyed , sarmatisch  164. 
209. 

Testudo  Riedli  Sotzka-Schichten,  Trifail 
381. 

Theralitisch-shonkinitische  Gesteine,  Ti- 
mor 573. 

Timor,  Gesteine  der  Alkalireihe  570. 

Titaneisen,  siehe  llmenit. 

Tone,  siehe  Tonerdesilikate  und  Alu- 
minatsilikate. 

Toner desilikate,  kolloidale  wasserhaltige, 
chemische  oder  physikalische  Natur 
699.  728. 

Topas,  Neu-Braunschweig  (Kanada), 
Kristallhabitus  590. 

Totalreflexion  des  Lichts  an  einem 
Kristall  577. 

Trachyt,  siehe  auch  Alkali  trachyt. 

Transporteur , neuer  stereographischer  413. 

Trias 

Eifel,  alttriadische  Yerebnung  und 
Eifeldolomit  269. 

Eigin,  Schottland,  fossilführende  Sand- 
steine 617. 

Elsaß-  Jjothr innen , Hau 'plwiuscJiclIccilk 
551.  584. 

Epirus  544. 

nördliche  Kalkalpen  272. 

Ithön  Kalkalgen  im  Wellenkalk  402. 

Südalpen,  ladinischer  Knollenkalkkom- 
plex 508. 

Tridymit  und  Cristobalii  aus  Quarz 
entstanden  680. 

Tromsö,  Granatamphibolit  u.  Eklogit  129. 

Tundrafauna,  Köszeg,  Ungarn  14. 

Ueberschiebungsd ecken,  Alpen  435. 

Urgon,  Deutsch-Ostafrika  81. 

Vogelarten , neue  pleistocäne,  Felsnische 
Puskaporos  bei  Hamor,  Ungarn  13. 

Vorarlberger  Juraklippen  252. 

Vulkane,  Systematik  und  Nomenklatur 
von  Ii.  Schneider  104. 

Vulkanische  Erscheinungen 

Aetna  und  Japan  379. 

der  Erde  102. 

Wage  zur  Dichtebestimmung  565. 

Wagschalen  und  Gewichte,  chinesische, 
aus  Amethyst,  für  Edelsteinhänd- 
ler 190. 


XVI 


Sachregister. 


Wasserhaltige  kolloidale  Tonerdesilikate , 
ehern,  und  physik.  Natur  699.  728. 
Wellenkalk,  Rhön,  Kalkalgen  402. 
Wherry’s  Nomenklatur,  siehe  Nomen- 
klatur. 

Winkel  und  Indizes  in  Zonen,  graphische 
Bestimmung  190. 

Wollastonit  in  Hohofenschlacken  689. 694. 
Württemberg.  Bodenschätze  191. 


Zechstein,  Spessart  and  Odenwald  742. 

Zeolithe,  siehe  Tonerdesilikate,  wasser- 
haltige, kolloidale. 

Zinnchlorür,  Verhalten  zu  K CI  und  Na  CI 
beim  Kristallisieren  aus  dem  Schmelz- 
fluß 373. 

Zinnobererde,  Pfalz,  Beweglichkeil  des 
Silbers  257. 

Zinnstein , Zwillinge  126. 


P.  Kessler,  Zur  jüngeren  geologischen  Geschichte  etc. 


1 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Zur  jüngeren  geologischen  Geschichte  der  Bithynischen 

Halbinsel. 

Von  P.  Kessler. 

Überblickt  man  von  irgend  einer  Höhe  Bithyniens  das  Land, 
so  sieht  man  sofort,  daß  man  sich  auf  einer  ehemaligen  Ebene 
befindet,  die  den  Eindruck  eines  Berglandes  nur  durch  die  mehr 
•oder  minder  tief  eingeschnittenen  Täler  erweckt.  Philippson 
schildert  diesen  Eindruck . den  er  auf  dein  Gipfel  des  Bulgurlu 
(auch  Biijük  Tscliamlidja  genannt)  empfangen  hat,  mit  folgenden 
Worten  1 : 

„Wenn  man  von  dem  kahlen  Gipfel  des  Berges  nach  Norden 
blickt,  könnte  man  sich  auf  eine  Höhe  unseres  Rheinischen  Schiefer- 
gebirges versetzt  glauben,  so  völlig  stimmen  die  Formen  und 
Farben  der  Landschaft  überein. L 

Den  Hauptgrund  dieser  Ähnlichkeit  anführend  fährt  er  fort: 
„Auch  hier  entspricht  die  Oberfläche  nicht  dem  verwickelten 
Faltenbau,  sondern  bildet,  wenn  wir  uns  die  Erosionstäler  zu- 
geschiittet  denken,  eine  fast  ebene  Hochfläche  von  200 — 300  nt 
Meereshöhe , die  von  unserem  Standpunkt  etwas  nach  Norden  an- 
steigt, nur  hie  und  da  von  einer  flachen  runden  Kuppe  oder  Rücken 
überragt , wo  ein  härteres  Gestein  , namentlich  Quarzit , auftritt. 
Es  ist  eine  typische  Denudatiousfläclie.“ 

Wohl  alle  Geologen  und  Geographen , die  das  Land  bereist 
haben,  haben  denselben  Eindruck  gehabt  ; ich  erwähne  nurFrrzNER2 
und  Cvijic3 4. 

Auch  auf  der  europäischen  Seite  des  Bosporus  läßt  sich  diese 
Fläche  ungefähr  in'  derselben  Höhe  nachweisen,  und  zwar  hat  die 
Einebnung  in  gleicher  Weise  Devon  und  Tertiär  betroffen +.  Be- 
reits 1870  gab  Hochstetter5  an,  daß  auf  dieser  Hochfläche  im 
Belgrader  Wald  (nördlich  Konstantinopel)  hauptsächlich  aus  Quarz, 

1 Geologische  und  geographische  Wahrnehmungen  auf  einer  Orient- 
reise. Sitzungsber.  Naturhist.  Ver.  preuß.  Rheinlande  usw.  1897.  p.  20. 

2 Forschungen  auf  der  Bithynischen  Halbinsel.  Rostock  1903.  p.  137. 

3 Grundlinien  der  Geographie  und  Geologie  von  Macedonien  und  Alt- 
serbien. Ergänzungsheft  162  zu  Petermann’s  Mitt.  p.  376. 

4 Philippson  a.  a.  0.  p.  25. 

5 Die  geologischen  Verhältnisse  des  östlichen  Teiles  der  europäischen 
Türkei.  Jahrb.  k.  k.  Geol.  Reichsanst.  1870.  20.  p.  365. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


1 


2 


P.  Kessler,  Zur  jüngeren 


aber  auch  Kieselschiefer,  Hornstein  und  Jaspis  bestehende  Schotter 
in  etwa  10  m Mächtigkeit  liegen1.  Man  könnte  daher  leicht  ver- 
anlaßt sein,  die  Gerolle  und  die  Einebnung  einem  sehr  breiten 
alten  Flußlaufe , den  man  als  Urbosporus  ansehen  könnte , zuzu- 
schreiben. Damit  steht  jedoch  im  Widerspruch,  daß  auch  in  weit 
nach  Osten  gelegenen  Teilen  der  Bithynischen  Halbinsel  sich  so- 
wohl die  Hochfläche  wie  die  Geröllablagerungen  feststellen  lassen. 
Sie  nehmen  jedoch  nicht  durchweg  dieselbe  Höhenlage  ein,  so  daß 
man  gezwungen  ist,  entweder  ursprüngliche  Ablagerung  in  ver- 
schiedenem Niveau  oder  nachträgliche  Störungen  anzunehmen. 
Beide  Möglichkeiten  zieht  auch  Philippson  in  Betracht,  wenn  auch 
nur  für  das  beschränkte  Gebiet  im  Nordosten  des  Bosporus;  dort 
läuft  ein  etwas  über  die  übrige  Fastebene  sich  erhebender  Rücken 
rechtwinkelig  zum  Schichtstreichen  von  West  nach  Ost  der  Küste 
des  Schwarzen  Meeres  entlang.  Trotzdem  er  aus  verschieden 
harten  Gesteinen  besteht,  hat  er  eine  fast  ebene  Oberfläche. 

Sehr  viel  bedeutendere  Höhenunterschiede  zeigen  sich  weiter 
im  Osten  der  Halbinsel,  doch  stets  haben  die  Bergzüge  eine  ab- 
geflachte Oberfläche  und  auch  die  höheren  unter  ihnen  sind  häufig 
mit  Schotter  bedeckt.  Die  Bergzüge  des  Devons , die  der  Trias 
und  die  der  Kreide  zeigen  hierin  keinerlei  Unterschied. 

Da  aber  diese  abgeflachten  Bergformen  nicht  nur  in  zwei 
oder  drei , sondern  in  mehreren  verschiedenen  Höhenlagen  Vor- 
kommen, möchte  ich  ihren  Niveauunterschied  zum  größten  Teile 
eher  auf  nachträgliche  Verschiebungen  bezw.  verschieden  starke 
Hebung  zurückführen , als  sie  als  Reste  ursprünglich  verschieden 
hoher  Denudationsflächen  ansehen,  wenn  ich  auch  nicht  bestreiten 
will,  daß  auch  hier  vielleicht  primäre  Unterschiede  Vorkommen 
können.  In  manchen  höheren  Bergen,  vor  allem  in  denen,  deren 
Höhe  aus  Quarzit  besteht , wird  man  wohl  auch  Härtlinge  zu 
erblicken  haben. 

Nach  dem  bisher  Gesagten  ist  also  die  Bithynische  Halbinsel 
eine  alte  Peneplain,  die  ungleichmäßig  gehoben  wurde.  Die  Zeit 
der  Bildung  dieser  Peneplain  ist  nicht  ohne  weiteres  klar.  In 
den  Schottern  sind  bisher  auf  asiatischer  Seite  keine  Versteine- 
rungen gefunden  worden  mit  Ausnahme  eines  Kieselholzes 2.  Auf 
dieses  eine  Fossil , dessen  Bestimmung  mißlich  ist  und  das  schließ- 
lich auch  eingeschwemmt  sein  kann,  eiue  Zeitbestimmung  zu  gründen, 
scheint  mir  nicht  angebracht. 

1 Schon  Tchihatcheff,  Asie  mineure  Abt.  4.  3.  p.  393,  erwähnt  die 
Gerolle,  sowohl  von  der  europäischen  Seite  von  der  Umgegend  von  Pirgos 
im  Belgrader  Wald,  wie  von  der  asiatischen  von  Arnautkiöi  und  anderen 
Punkten  beider  Seiten,  ist  sich  aber  über  ihre  Herkunft  und  Stellung 
keineswegs  im  klaren. 

2 Kessler,  Zum  geologischen  Aufbau  der  Bithynischen  Halbinsel. 
Dies.  Centralbl.  1909.  p.  6'57. 


geologischen  Geschichte  der  Bithynischen  Halbinsel.  3 

Die  Schotter  bestehen  hauptsächlich  aus  Quarzit  und  Kiesel- 
schiefer.  Die  Schotter  vom  Belgrader  Wald,  die  gleiche  Zusammen- 
setzung haben  und  wohl  auch  nach  ihrer  Lage  als  gleichaltrig 
anzusehen  sind,  wurden  von  Hochstetter  den  Belvedereschottern 
des  Wiener  Beckens  wegen  ihrer  lithologischen  Ähnlichkeit  gleich- 
gestellt. Ich  halte  es  für  äußerst  gewagt,  Flußablagerungen  so 
weit  entfernter  Gebiete  wegen  ihres  gleichen  Aussehens  gleiches 
Alter  zuzuerkennen  und  möchte  vorziehen,  das  Alter  der  Schotter 
vorläufig  unbestimmt  zu  lassen. 

Eine  Peneplain  kann  sich  nur  in  einem  Gebiete  bilden,  das 
von  der  Erosionsbasis  nur  durch  minimalen  Höhenunterschied  ge- 
trennt ist.  Die  Niveauverschiebung  gegen  die  jetzige  Erosions- 
basis muß  in  ihrem  Maximum  so  viele  Meter  betragen,  wie  jetzt 
die  höchsten  Reste  der  Peneplain  sich  über  das  Meer  erheben. 
Daß  aber  die  Verschiebung  der  Erosionsbasis  nicht  allein  durch 
ein  Sinken  des  Schwarzen  Meeres  veranlaßt,  sondern  auch,  und 
wohl  hauptsächlich,  auf  ein  Auf  steigen  der  alten  Peneplain  zurück- 
zuführen ist,  scheint  mir  durch  die  verschiedene  Höhenlage,  bezw. 
durch  das  im  folgenden  noch  zu  zeigende  Fallen  der  Peneplain  nach 
Norden,  mindestens  sehr  wahrscheinlich.  Wäre  das  letztere  allein 
durch  eine  Senkung  im  Norden,  nicht  auch  durch  eine  Hebung 
im  Süden  veranlaßt,  so  hätte  in  der  Vorzeit  das  Schwarze  Meer, 
die  Erosionsbasis,  einen  ebenso  hohen  Stand  gehabt  haben  müssen, 
wie  jetzt  die  Rücken  der  abradierten  Höhen  liegen,  müßte  es  also 
ungefähr  600  m höher  gestanden  haben  als  jetzt.  Dafür  lassen 
sich  aber  keinerlei  Beweise  anführen.  Es  muß  vielmehr  eine 
Hebung  der  Peneplain  angenommen  werden. 

Die  höchsten  Höhen  liegen  im  allgemeinen  im  Süden  der 
Halbinsel.  Unmittelbar  vom  Golfe  von  Ismid  steigen  sie  bei  Hereke 
bis  zu  600  m an.  Hat  man  den  steilen  Anstieg  überwunden,  so 
stellt  man  oben  auf  einem  fast  ebenen  Gelände,  in  das  nur  einzelne 
tiefe  nach  Süden  verlaufende  Täler  eingeschnitten  sind.  Nacli  Norden 
senkt  sich  im  allgemeinen  die  Fastebene;  die  Höhe  der  Bergflächen 
in  der  Nähe  des  Schwarzen  Meeres  beträgt  im  Höchstfälle  nur- 
mehr etwa  150  — 200  m.  Doch  auch  hier  sind  Ausnahmen.  So 
steigt  der  Kurudju  Tepe,  den  ich  aus  eigener  Anschauung  nicht 
kenne,  nach  der  dem  Buche  von  Fitzner  beigegebenen  Karte  bis 
zu  600  m an. 

Daß  trotz  vereinzelter  Ausnahmen  die  Senkung  nach  Norden 
ziemlich  regelmäßig  ist,  beweist  die  Richtung  aller  größeren 
Wasserläufe.  Die  nach  Süden  mündenden  Bäche  haben  alle  ihren 
Ursprung  nahe  der  Südküste,  während  z.  B.  der  Giök  Su,  der  in 
das  Schwarze  Meer  mündet,  seine  Quelle  nur  etwa  3 km  nördlich 
des  Golfes  von  Ismid  hat. 

Die  Wasserscheiden  zwischen  den  nach  Norden  und  nach  Süden 
fließenden  Bächen  sind  meist  niedrig.  So  liegt  die  Wasserscheide 

1* 


4 


P.  Kessler,  Zur  jüngeren 


zwischen  dem  östlich  Pendik  in  den  Golf  von  Ismid  mündenden 
Biijük  Dere  und  dem  nach  Norden  in  den  Riwa  Dere  abfließenden 
Domus  Dere  nur  in  etwa  100  m Meereshöhe,  während  sich  ringsum 
die  Höhen  bis  auf  über  200  m erheben.  Die  nach  Süden  mündenden 
Bäche  scheinen  also  räuberisch  in  das  Gebiet  der  nach  Norden 
entwässernden  eingedrungen  zu  sein.  In  früherer  Zeit  haben 
demnach  die  nach  Süden  laufenden  Bäche  eine  noch  geringere  Länge 
gehabt  als  jetzt. 

Trotzdem  haben  viele  von  ihnen  ein  unverhältnismäßig  breites 
Tal.  Zwischen  Daridja  und  Hereke  mündet  ein  Bach,  das  Dil 
Dere,  der  nur  etwa  1 1 km  lang  ist  und  den  man  3 oder  4 km 
vor  seiner  Mündung  zur  Not  noch  überspringen  kanu.  Sein  in 
die  Kreide  nnd  Triasschichten  eingeschnittenes  Tal  ist  trotzdem 
weit  über  1 km  breit.  Es  scheint  mir  klar,  daß  dieser  Bach  nicht 
das  breite  Tal  gebildet  haben  kann , selbst  wenn  man  andere 
klimatische  Verhältnisse  in  der  Vorzeit  annimmt.  Da  aber  ganz 
allgemein,  wie  gesagt,  die  nach  Süden  abfließenden  Bäche  in  das 
Gebiet  der  nach  Norden  fließenden  Vordringen,  muß  auch  er  früher 
einen  noch  kürzeren  Lauf  und  wahrscheinlich  eine  noch  geringere 
Wassermenge  gehabt  haben.  Von  dem  nach  Norden  fließenden 
ebenfalls  Biijek  Dere  heißenden  Bach,  der  in  seinem  weiteren 
Verlauf  als  Riwa  Dere  zum  größten  Wasserlauf  der  Halbinsel 
wird,  oder  vielmehr  von  einem  seiner  Nebenbäche,  trennt  ihn  nur 
eine  niedrige  Schwelle,  da  beide  Bäche  durch  ein  4 km  breites 
sanftes  Tal  zwischen  den  Ortschaften  Denlisli,  Airan  und  Djumakiöi' 
verbunden  sind  L Doch  auch  das  Biijiik  Dere  bezw.  sein  Neben- 
bach kann  nicht  das  Tal  des  Dil  Dere  gebildet  haben,  da  für  ihn 
im  Süden  nur  ein  Niederschlagsgebiet  von  wenigen  Kilometern 
vorhanden  gewesen  wäre,  das  auch  unter  den  günstigsten  Um- 
ständen niemals  die  nötigen  Wassermassen  geliefert  hätte,  um  ein 
derartiges  Tal  auszutiefen.  Es  bleibt  also  nur  die  einzige  Mög- 
lichkeit , daß  dieses  Tal  bereits  gebildet  wurde , als  die  topo- 
graphischen Verhältnisse  der  Halbinsel  noch  ganz  anders  waren. 
Nur  ein  Fluß  mit  sehr  viel  größerer  Wassermenge,  was  in  diesem 
Falle  gleichbedeutend  mit  einem  längeren  Lauf  erscheint,  kann 
dieses  Tal  ausgetieft  haben.  Wäre  der  Fluß  von  Norden  ge- 
kommen, so  müßte  eine  Umkehrung  der  Höhenverhältnisse  in  der 
Art  stattgefunden  haben,  daß  früher  der  nördliche  Teil  der  Halb- 
insel ein  höheres  Niveau  eingenommen  habe,  als  der  südliche. 
Für  eine  derartige  schaukelnde  Bewegung  der  ganzen  Halbinsel 
um  ihre  Längsachse  haben  wir  keinerlei  Anhaltspunkte.  Kam 
der  Fluß  von  Süden,  so  kann  er  das  Tal  nur  gebildet  haben,  als 
an  Stelle  des  jetzigen  Golfes  von  Ismid  noch  ein  Land  lag,  das 
zu  seinem  Niederschlagsgebiet  gehörte. 


v.  d.  Goltz  , Anatolische  Ausflüge.  (Zit.  nach  Fitzxer,  a.  a.  0.) 


geologischen  Geschichte  der  Bithynischen  Halbinsel.  5 

Nun  hat  Hörnes  in  neuerer  Zeit  gezeigt1 2,  daß  der  alte 
Flußlauf  des  Bosporus  nicht  wie  der  jetzige  Meeresstrom  sein 
Wasser  von  Nord  nach  Süd,  sondern  in  umgekehrter  Richtung 
ergoß.  Im  Süden  hat  also  höchstwahrscheinlich  zu  dieser  Zeit 
das  Marmarameer  noch  nicht  bestanden,  sondern  an  seiner  Stelle 
hat  ein  Festland  gelegen.  Auf  dieses  haben  ja  viele  Forscher, 
teilweise  auch  aus  anderen  Gründen,  deren  Anführung  hier  zu 
weit  führen  würde,  geschlossen. 

Man  kann  daher  sehr  wohl  annehmen,  daß  das  vorhin  er- 
wähnte Flußtal  der  bithynischen  Halbinsel  ebenfalls  aus  einer  Zeit 
stammt,  in  der  der  Golf  von  Ismid  noch  nicht  gebildet  war. 

Stimmt  diese  Annahme,  so  muß  man  auch  auf  dem  der 
bithynischen  Halbinsel  jenseits  des  Golfes  von  Ismid  gegenüber- 
liegenden Festlande  noch  jetzt  einen  Fluß,  oder  wenigstens  ein 
Flußtal  linden,  das  in  der  südlichen  Verlängerung  des  erwähnten 
Flußtales  liegt. 

Gegenüber  der  Mündung  des  Dil  Dere  liegt  in  noch  nicht 
3 kin  Entfernung  von  der  Nordküste  des  Golfs  das  etwa  6 km 
nach  Norden  vorspringende  Dil  Burnu.  Von  der  Mündung  des 
Baches  aus  gesehen  schiebt  es  sich  wie  ein  schmaler  niedriger 
Wall  zwischen  den  westlichen  und  östlichen  Teil  des  Golfes  von 
Ismid.  Man  bleibt  bei  seinem  Anblick  keinen  Augenblick  darüber 
im  Zweifel,  daß  es  im  wesentlichen  aus  ganz  jungen  Anschwem- 
mungen besteht,  wenn  auch  nach  Tchihatcheff  2 eine  kleine  Stelle 
mit  anstehendem  festen  Gestein  vorkommt.  In  der  Tat  mündet 
an  der  einen  Seite  der  Landzunge  das  Yalak  Dere,  das,  etwas 
nördlich  des  Isnik  Giöl  (Giöl  = See)  entspringend,  einen  Lauf  von 
über  20  km  hinter  sich  hat.  Dieser  Wasserlauf  scheint  sehr 
wohl  imstande  gewesen  zu  sein,  das  Tal  des  ihm  jetzt  gegenüber 
mündenden  Baches  in  seinem  Oberlauf  auszutiefen. 

Inwieweit  sich  ähnliche  Beobachtungen  an  anderen  Bächen 
Bithyniens  machen  lassen,  ist  mir  nicht  bekannt.  Ein  Beibringen 
anderer  Beispiele  wäre  jedenfalls  sehr  wünschenswert. 

Wir  kommen  aber  auch  so  zu  dem  Schluß , daß  die  alte 
Peneplain  der  Halbinsel  samt  dem  gegenüber  liegenden  Teil  des 
kleinasiatischen  Landes  zuerst  gehoben  wurde,  und  daß  dann  erst 
der  Einbruch  des  Golfes  von  Ismid  erfolgte.  Nach  Osten  sehen 
wir  den  Golf  in  den  Sabandjasee  verlängert,  der  etwa  36  m über 
dem  Meeresspiegel  liegt  und  ungefähr  17  km  westlich  des  Golfes 
von  Ismid  beginnt.  Da  seine  Erstreckung  ebenfalls  Ost-West  ist 
und  er  in  der  Verlängerung  des  Golfes  von  Ismid  liegt,  darf  man 
annehmen,  daß  er  an  denselben  Spalten  wie  dieser  abgesunken  ist. 


1 Die  Bildung  des  Bosporus  und  der  Dardanellen.  Sitzungsber.  kais. 
Akad.  Wien,  math.-naturw.  Klasse.  118.  Abt.  I.  Juni  1909. 

2 Asie  mineure.  Abt.  4.  3.  p.  395. 


6 


P.  Kessler,  Zur  jüngeren 


Die  anatolische  Balm  benutzt  zwischen  dem  Gotr  und  dem  See 
ein  Tal.  das  sich  an  seiner  höchsten  Stelle  nur  wenige  Meter  über 
den  Spiegel  des  Sabandja  erhebt.  Der  Sabandja  wird  jetzt  nach 
Nordosten  durch  den  Tscliark  Su  in  den  Sakaria  entwässert,  es 
ist  aber  wohl  kaum  ein  Zweifel  möglich,  daß  dieses  Tal  einen 
alten  Abfluß  des  Sees  in  den  Golf  von  Isinid  darstellt,  da  eine 
Verbindung  in  umgekehrter  Richtung  äußerst  unwahrscheinlich 
erscheint. 

Der  Sakaria  fließt  jetzt  etwa  6 km  östlich  des  Sabandjasees 
nach  Norden  und  liegt  auf  ungefähr  gleicher  Höhe  wie  dieser  See. 
Das  Land  zwischen  See  und  Fluß  ist  flach,  so  daß  die  Vermutung 
nahe  liegt,  daß  der  Sakaria  einst  in  den  Sabandja  geflossen  sei 
und  durch  diesen  seinen  Abfluß  in  den  Golf  von  Ismid  genommen 
habe.  Mächtige  Schottermassen , die  nach  Tchihatcheff  1 am 
Ostende  des  Sees  liegen,  nach  Westen  aber  an  Mächtigkeit  ab- 
nehmen und  schließlich  auskeilen,  scheinen  die  Vermutung  zu 
bestätigen.  Demnach  hat  wahrscheinlich  der  nach  demselben 
Autor  im  Unterlauf  enge  Sakaria  seinen  Abfluß  nach  Norden  erst 
in  junger  Zeit  gefunden. 

Verlegungen  der  Flußläufe  scheinen  im  Osten  des  Sabandja, 
wenn  auch  nur  in  geringem  Maße  noch  in  jüngster  Zeit  statt- 
gefunden zu  haben.  Die  Justinianbrücke,  die  einst  über  den 
Tscliark  Su  ging,  führt  jetzt  mehrere  hundert  Meter  vom  Fluß 
entfernt  über  trocknes  Land1  2 3.  So  interessant  und  wichtig  die 
alten  Verhältnisse  des  Sakaria  und  seiner  Nebenflüsse  für  die 
Frage  der  Entstehung  des  Golfs  von  Ismid  wäre,  muß  ich  mich 
auf  diese  wenigen  Worte  beschränken,  da  icli  diesen  Teil  Bithyniens 
nicht  durch  eigene  Anschauung  kenne  und  die  Literaturangaben 
gar  zu  dürftig  sind,  um  irgend  welche  Schlüsse  zu  ziehen.  Ganz 
ungewiß  erscheint  mir,  nach  welcher  Richtung  der  Sakaria  vor 
Entstehung  des  Golfes  von  Ismid  abgeflossen  ist,  da  hier,  will 
man  auch  nur  eine  einigermaßen  gesicherte  Hypothese  aufstellen,  das 


1 a.  a.  0.  p.  395. 

2 Nach  der  Darstellung  der  FiTZNER’schen  Karte.  Anders  ist  die 
Darstellung  in  Meyer’s  „Türkei“  p.  392:  ,3  km  nördlich  von  Bahnstation 
Hamidieh  liegt  die  alte  Brücke  des  Sophon  . . .,  561  n.  Chr.  vom  Kaiser 
Justinian  erbaut  und  jetzt  noch  fast  vollkommen  erhalten;  sie  führt  an- 
geblich über  ein  verlassenes  Bett  des  Sangarios , der  jetzt  als  Sakaria 

3 km  westlich  von  der  Brücke  vorüberiließt.  Da  aber  in  diesem  Falle 
die  Wellenbrecher  der  Brücke  auf  der  der  Strömung  entgegengesetzten 
Seite  liegen,  ist  es  wahrscheinlicher,  daß  der  Fluß  ehemals  das  Schwarze 
Meer  nicht  erreichte,  sondern  nördlich  von  Adabasar  in  einer  westlichen 
Kurve  unter  der  Brücke  hindurchfloß  und  sich  durch  den  See  von  Sabandscha 
in  den  Golf  von  Ismid  ergossen  hat.  Es  ist  aber  auch  möglich,  daß 
Justinian  den  Strom  in  dieser  Weise  ablenken  wollte  . . . Unter  der  Brücke 
hindurch  fließt  jetzt  der  Tschark  Su  . . .“ 


geologischen  Geschichte  der  Bithynischen  Halbinsel. 


Kartenmaterial  vollkommen  versagt.  Gerade  diese  Frage  wäre 
aber  zur  Feststellung  der  geologischen  Geschichte  des  östlichen 
Teils  Bithyniens  von  großer  Wichtigkeit. 

Mag  nun  der  Sakaria  in  den  Sabandja  geflossen  sein  oder 
nicht,  ein  breiter  alter  Flußlauf  verbindet  jedenfalls  den  Sabandja 
mit  dem  Golfe  von  Ismid.  Nur  entweder  ein  Tieferlegen  der 
Erosionsbasis  des  Tscliark  Su  oder  eine  Erhöhung  der  Schwelle 
zwischen  dem  Sabandja  und  dem  Meere  kann  die  Entwässerung 
des  Sabandja  nach  Norden  eingeleitet  haben,  vielleicht  mag  auch 
beides  Zusammentreffen.  Tatsächlich  sehen  wir  im  Gebiete  des 
Golfes  von  Ismid  jetzt  Anzeichen  niedrigeren  Wasserstandes  als  er 
ihn  früher  hatte. 

An  vielen  Stellen  läßt  sich  eine,  allerdings  nicht  ganz  regel- 
mäßige Terrasse  an  der  Südküste  der  Halbinsel  verfolgen,  deren 
Höhe  ich  leider  nicht  in  Meterzahl  angeben  kann,  die  aber,  falls 
es  sich  nicht  um  zwei  verschiedene  Terrassen  handelt,  was  ich 
jedoch  nicht  glaube,  im  Osten  höher  liegt,  als  im  Westen.  Ebenso 
spricht  der  Zuwachs  an  Land  längs  des  ganzen  Golfes  für  eine 
negative  Strandverschiebung  in  jüngerer  Zeit. 

Fitzxeh1  führt  schlagende  Beispiele  für  Landzuwachs  im  Osten 
des  Golfes  in  großer  Zahl  au.  Ich  will  nur  hervorheben,  daß  die 
ganze  Ebene  von  Ismid,  deren  Niederschlagsgebiet  im  ganzen 
höchstens  400  qkm  umfaßt,  während  sie  selbst  etwa  35  qkm  mißt, 
aus  jüngsten  Ablagerungen  besteht.  Das  weit  in  den  Golf  hinaus- 
geschobene Delta  des  Yalak  Dere  habe  ich  bereits  erwähnt.  Aber 
auch  weiter  im  Westen  sehen  wir  bei  Tuzla,  wie  sich  zwischen 
die  alten  Gesteine  des  Festlandes  und  die  des  St.  Georgkaps  junge 
Schwemmassen  gelegt  haben,  die  nun  beide  verbinden  2. 

Trotzdem  hat  der  Golf  von  Ismid  noch  beträchtliche  Tiefen, 
die  stets  der  Südseite  näher  liegen  als  der  Nordseite.  Vier  Ab- 
schnitte lassen  sich  im  Golfe  unterscheiden: 

1.  Der  östlichste  von  der  Ebene  von  Ismid  bis  zur  Ein- 

schnürung beim  Kavak  Burnu;  die  größte  Tiefe  ist  22  in,  die 
größte  Breite  5 km. 

2.  Der  breitere  Teil  von  hier  bis  zum  Dil  Burnu,  dem 

Drepanon  der  Alten,  mit  100  m größter  Tiefe  und  10  km 

größter  Breite. 

3.  Der  Teil  bis  zur  Enge  zwischen  Dardja  Burnu  und 

Tschatal  Burnu  mit  110  m größter  Tiefe  zwischen  den  beiden  Kaps. 

4.  Der  äußere  Teil,  im  Westen  mit  Tiefen  über  1000  m. 

Viel  langsamer  fällt  der  Meeresgrund  an  der  Nordküste  der 

bithynischen  Halbinsel  ab.  Im  allgemeinen  läuft  die  — 20  m- 

Kurve  in  4 — 5 km  Entfernung  von  der  Küste.  Trotzdem  also 


1 a.  a.  0.  p.  54. 

* Toüla,  Geologenfahrten  am  Marmarameere.  p.  11. 


8 


P.  Kessler,  Zur  jüngeren 


der  Abfall  viel  flacher  ist  und  bei  weitem  größere  Wasserläufe 
in  das  Schwarze  Meer  als  in  den  Golf  von  Ismid  münden,  hat 
sich  keiner  der  Flüsse  ein  Delta  in  das  Meer  vorbauen  können. 
Im  Gegenteil,  einige  enden  an  Limanen  und  Buchten. 

Um  festzustellen,  ob  diese  Verhältnisse  allein  durch  ein  An- 
steigen des  Spiegels  des  Schwarzen  Meeres  oder  auch  durch  ein 
Sinken  der  Nordküste  der  bithynischen  Halbinsel  eingetreten  sind, 
müssen  weitere  Gebiete  in  Betracht  gezogen  werden. 

Am  Schwarzen  Meere  lassen  sich  die  Limane  vom  Asowschen 
Meer  längs  der  Nordküste  und  Westküste  bis  zum  Bosporus  und 
dessen  Umgebung  verfolgen. 

Am  Bosporus  selbst  liegen  einige  Limane,  von  denen  der 
bekannteste  das  Goldne  Horn  ist,  das  den  auf  etwa  7 km  Er- 
streckung überschwemmten  Unterlauf  des  Kiathane  Su  und  Alibey 
Su  darstellt.  Ferner  sind  die  westlich  von  Konstantinopel  in  das 
Marmarameer  mündenden  Buchten  von  Kiitschiik-  und  Biijük- 
Tschekmedje  Limane. 

An  der  Südküste  der  Krim,  im  Osten  und  Süden  des  Schwarzen 
Meeres  fehlen  die  Limane.  An  den  Vorbergen  des  Kaukasus  enden 
nach  Hörnes  1 sogar  die  Täler  hoch  oben  an  einem  Steilabfall. 
Daraus  könnte  man  wohl  den  Schluß  ziehen,  daß  das  ganze  Gebiet 
um  das  Schwarze  Meer  in  jüngerer  Zeit  eine  Bewegung  derart 
durchgemacht  habe,  daß  sich  der  westliche  und  nordwestliche  Teil 
gesenkt,  der  östliche  und  südöstliche  sich  gehoben  habe.  Damit 
in  Übereinstimmung  zu  stehen  scheint,  daß  die  Verbindung  des 
Schwarzen  Meeres  mit  dem  Kaspischen  durch  die  Manytschmeer- 
enge  in  einer  gewissen  Zeit  des  Quartärs  noch  bestanden  hat, 
jetzt  aber  unterbrochen  ist.  Diese  Bewegung  des  Schwarzen 
Meeres  müßte  sich  zeitlich  durch  die  Ablagerungen  an  den  Limanen 
feststellen  lassen.  Man  wird  wohl  kaum  bezweifeln,  daß  die 
sämtlichen  Limane  ziemlich  gleichaltrig  sind.  Der  Miusliman,  an 
der  Nordküste  des  Asowschen  Meeres,  westlich  von  Taganrog,  ist 
nach  den  Untersuchungen  Sokolows2  in  braune  Mergel  und 
Lehme  und  tiefer  in  Ablagerungen  mit  Päludina  diluviana  und 
anderen  Südwasserformen,  von  denen  ich  hier  nur  Dreissensia 
rostriformis  nennen  will,  eingeschnitten.  Nimmt  man  die  Schichten 
mit  Päludina  diluviana  als  altglacial  oder  auch  vielleicht  prä- 
glacial  an,  so  muß  das  Einschneiden  der  Flüsse  nicht  unwesentlich 
jünger  sein,  da  sie  ja  auch  noch  die  diese  bedeckenden  mächtigen 
braunen  Mergel  durchschnitten  haben. 

Das  tiefe  Einschneiden  der  Flußtäler  an  der  Nordküste 
Bithyniens,  das  die  Ursache  zur  Bildung  der  kleinen  Limane  war, 

1 a.  a.  0.  p.  17. 

1 Der  Miusliman  und  die  Entstehungszeit  der  Limane  Südrußlands. 
Verli.  d.  russ.  kaiserl.  Mineralog.  Ges.  in  St.  Petersburg.  2.  Ser.  40.  1902. 
(Zit.  nach  Hörnes  p.  19.) 


geologischen  Geschichte  der  Bithynischen  Halbinsel. 


9 


fällt  also  wahrscheinlich  auch  in  diese  Zeit.  Die  Senkung  des 
Landes  oder  das  Ansteigen  des  Wasserspiegels,  das  die  Täler 
unter  Wasser  gesetzt  hat,  muß  also  noch  in  jüngerer  Zeit  er- 
folgt sein. 

Sprechen,  wie  oben  gezeigt,  die  Verbreitung  der  Limane  im 
Westen  des  Schwarzen  Meeres  und  das  Fehlen  aller  Anzeichen 
einer  positiven  Strandverschiebung  im  Osten  anscheinend  für  eine 
Senkung  im  Westen  und  eine  Hebung  im  Osten,  so  scheinen  sich 
doch  Einwände  geltend  machen  zu  lassen. 

Der  wichtigste  ist  die  Verbreitung  der  Dreissensia  rostri- 
formis  auf  dem  Grunde  des  Schwarzen  Meeres.  Diese  kommt  heute 
subfossil  in  Tiefen  bis  zu  800  m vor.  Man  darf  aus  ihrer  Dick- 
schaligkeit,  die  auf  ein  Leben  im  seichten  Wasser  deutet,  schließen, 
daß  entweder  seither  der  Spiegel  des  Schwarzen  Meeres  gestiegen 
sei,  oder  der  Boden  sich  gesenkt  habe.  Die  Dreissensia  soll  nun 
nach  Hörnes1  ringförmig  die  größten  Tiefen  des  Schwarzen 
Meeres  umschließen.  Wäre  das  wirklich  so,  daß  die  Verbreitung 
der  Dreissensia  an  bestimmte  Isobathen  gebunden  wäre 2,  so  spräche 
das  allerdings  gegen  jede  einseitige  Bewegung  am  Schwarzen 
Meere.  Tatsächlich  sagt  aber  auch  Hörnes,  daß  die  Dreissensien 
sich  in  verschiedenen  Tiefen  finden.  Eine  von  Andrussow  gegebene 
Karte 3 des  Schwarzen  Meeres  zeigt  nun  allerdings  drei  Stellen 
mit  Dreissensia  rostriformis  zwischen  den  Isobathen  von  100  und 
500  Faden,  aber  auch  eine  bei  — 30.  Als  beim  Miusliman  über 
dem  jetzigen  Wasserspiegel  liegend  ist  vorhin  schon  ein  Punkt 
erwähnt  worden.  Noch  weitere  Daten  führt  Hörnes  nach  Andrussow 
an  und  zwar  die  Tiefen  von  48,  50,  53,  105,  240,  363,  387 
Faden  (zu  6 Fuß).  Ich  glaube  daher,  daß  man  aus  der  Ver- 
breitung der  Dreissensia  keinerlei  Schlüsse  auf  gleichmäßiges 
Steigen  des  Wasserspiegels  oder  gleichmäßiges  Sinken  des  Unter- 
grundes ziehen  darf. 

Unter  den  Gründen,  die  für  eine  Hebung  im  Osten  sprechen, 
wurde  das  Enden  der  Täler  hoch  über  dem  Wasserspiegel  er- 
wähnt. Hörnes4  führt  dieses  nicht  auf  jüngere  Hebung  zurück, 
sondern  darauf,  daß  „die  Zerstörung  des  Landes  durch  das  Meer 
hier  so  rasch  eingreift,  daß  sie  der  Erosion  voraneilt.“  Wenn 
aber  das  Steigen  des  Wasserspiegels  die  Überschwemmung  der 
Limane  veranlaßt  hätte,  ist  nicht  einzusehen,  warum  am  Tieflande 
von  Kolchis , an  dem  nur  verhältnismäßig  unbedeutende  Flüsse 
münden,  ein  bedeutender  jüngerer  Landzuwachs  stattgefunden  hat. 

1 a.  a.  0.  p.  15. 

1 Sokolow,  Über  die  Entstehung  der  Limane  Südrußlands.  Memoires 
du  comite  geologique.  X.  4.  1895.  p.  96.  (Zit.  nach  Hörnes  p.  15.) 

3 La  Mer  Noire.  Guide  des  excursions  du  VII  Congres  g6ol.  Intern. 
1897.  XXIX. 

4 a.  a.  0.  p.  17. 


10 


P.  Kessler.  Zur  jüngeren 


Immerhin  mögen  auch  erhebliche  Schwankungen  des  Wasser- 
spiegels durch  klimatische  Einflüsse  erfolgt  sein,  aber  die  Haupt- 
ursaclie  des  Ertrinkens  der  alten  Flußtäler  scheint  mir  eine  Senkung 
im  Westen  des  Schwarzen  Meeres  zu  sein. 

Ich  glaube,  daß  man  die  Verhältnisse  vom  Schwarzen  Meer 
auch  auf  die  bithynisclie  Halbinsel  übertragen  darf  und  annehmen 
kann,  daß  sie  zur  selben  Zeit  wie  die  russischen  Limane  eine 
Senkung  erfahren  hat.  Ob  auch  hier  die  Senkung  im  Westen 
stärker  war  als  im  Osten,  erscheint  mir  nicht  ohne  weiteres  sicher. 
Doch  scheint  mir  folgendes  dafür  zu  sprechen.  Zurzeit  als  der 
Bosporusfluß  das  Ägäische  Festland  nach  Norden  entwässerte, 
bestanden,  wie  oben  gezeigt,  auch  bereits  die  Flüsse  Bitli3rniens, 
vor  allem  das  Eiwa  Dere.  Die  Flüsse  der  europäischen  Halbinsel, 
deren  Hebungsvorgänge  wohl  etwas  anders  verliefen  als  die  der 
asiatischen,  fließen  nach  Südosten,  mündeten  also  in  den  Bosporus- 
fluß. Jetzt  ist  im  Schwarzen  Meer  die  50  m-Isobathe  von  der 
Riwamündung  nur  wenige  Kilometer  weiter  entfernt,  als  von  dem 
Eingang  der  Bosporusstraße  in  das  Schwarze  Meer.  Die  Erosions- 
basis der  nach  Süden  fließenden  Flüsse  auf  europäischer  Seite 
muß  also  mindestens  ungefähr  ebenso  hoch  gelegen  haben  als 
die  der  bithynisclien.  Nun  haben  die  bei  Büjiik  und  Kiitschiik- 
Tschekmedje  (18  und  35  km  westlich  Konstantinopel ) mündenden 
Flüsse  große  Limane,  die  an  der  bithynisclien  Nordküste  münden- 
den nur  unbedeutende.  Da  ihre  Länge  und  die  Höhe  ihrer  ehe- 
maligen Erosionsbasis  ungefähr  dieselbe  ist,  wenn  letztere  für  die 
bithynisclien  nicht  noch  niedriger  lag,  scheint  mir  die  verschiedene 
Limanenbildung  sich  nur  durch  verschiedene  Senkung  erklären  zu 
lassen.  Allerdings  könnte  man  einwenden,  daß  die  Buchten  von 
Kütschük-  und  Büjiik-Tschekmedje  in  das  niedere  Gelände  der  weichen 
Tertiärmergel  eingeschnitten  sind,  während  das  Riwa  Dere  am 
Steilabfall  der  harten  Devonschiefer  sich  nur  ein  schmales  Tal  graben 
konnte.  Aber  das  Goldne  Horn  ist  ja  in  dieselben  Devonschiefer 
des  Steilabfalls  der  Perafläche  eingeschnitten.  Allerdings  könnte 
auch  die  ehemalige  Nordküste,  an  der  sich  größere  Limane  be- 
funden hätten , durch  die  kräftigere  Brandung  des  Schwarzen 
Meeres  nach  Süden  verlegt  worden  und  die  Limane  so  zerstört 
sein;  aber  an  der  europäischen  Siidküste  müßten  trotz  geringerer 
Brandung  ähnliche  Vorgänge  stattgefunden  haben,  da  hier  weit 
weichere  Gesteine  anstehen. 

Noch  ist  die  Frage  zu  erörtern,  ob  die  Überschwemmung  der 
Flußtäler  vor  oder  nach  dem  Einbruch  des  Golfs  von  Ismid  statt- 
gefunden hat.  Keinerlei  gehobene  marine  oder  auch  süße  Ab- 
lagerungen — das  Eindringen  des  Meeres  braucht  nicht  mit  dem 
Niedergehen  des  Golfes  zusammenzufallen  — aus  jüngerer  Zeit  geben 
uns  an  der  Siidküste  Bithyniens  hierüber  Aufschluß.  Zwar  ist 
auch  auf  dem  Grunde  des  Bosporus  und  des  Marmarameeres  Breis- 


geologischen  Geschichte  der  Bitbynischen  Halbinsel. 


11 


sensia  rostriformis  gefunden  worden , so  eine  Verbindung  eines 
einstigen  süßen  Marmarabeckens  mit  dem  Schwarzen  Meer  durch 
ein  bereits  versunkenes  Bosporustal  beweisend,  wenigstens  nach 
der  Anschauung  vieler  Autoren,  ob  sie  aber  auch  subfossil  im 
Golfe  von  Ismid  vorkommt,  ist  mir  nicht  bekannt.  Jedenfalls 
glaube  ich  nicht,  daß  man  die  noch  jetzt  zahlreichen  Erdbeben 
an  der  Südküste  der  bithyuischen  Halbinsel  als  Beweis  des  ganz 
jungen  Einbruchs  anführen  kann,  denn  nach  dem  oben  ausgeführten 
scheint  sein  ganzes  Gebiet  gerade  in  der  Hebung  begriffen  zu 
sein  oder  war  es  wenigstens  vor  kurzer  Zeit. 

Möglicherweise  hat  die  Hebung  des  ganzen  südlichen  Gebietes, 
die  ja  bereits  vor  Anlage  der  Flußtäler  der  bithynischen  Halb- 
insel bestanden  und  diesen  ihre  Richtung  vorgeschrieben  hat,  seither 
nicht  zu  wirken  aufgehört,  wobei  allerdings  im  Westen  nur  eine 
äußerst  schwache  Hebung  eingetreten  sein  kann,  da  sonst  das 
Gefälle  des  Bosporus  nach  Norden  stärker  sein  müßte.  Im  Osten 
scheint  sie  kräftiger  zu  sein  und  hebt  nun,  nachdem  der  Ein- 
bruch des  Golfs  von  Ismid  zur  Ruhe  gekommen  ist,  samt  dem  übrigen 
Gebiet  auch  die  von  seinem  Wasser  bedeckte  Fläche. 

Ferner  bleibt  noch  die  Frage  offen,  wann  das  Mittelmeer  mit 
dem  Schwarzen  Meere  in  Verbindung  trat.  Wohl  gleichzeitig  mit 
der  Überflutung  der  Limane  und  in  ursächlichem  Zusammenhang 
mit  der  Senkung,  die  ihre  Überflutung  hervorgerufen  hat,  drang 
das  Mittelmeer  in  den  Pontus  ein  und  brachte  sein  Salzwasser 
bis  weit  in  die  Mündungen  der  alten  Flüsse,  in  denen  nun 
Austern,  Pecten  und  andere  Seetiere  leben  konnten  ü Es  liegt 
natürlich  sehr  nahe,  den  niedrigen  Wasserstand,  bei  dem  das  allein 
möglich  war,  nur  auf  klimatische  Ursachen  zurückznführen,  da  ja 
auch  heute  die  großen  Binnenmeere  der  abflußlosen  Gebiete  viel- 
fach ihren  Spiegel  unter  dem  des  Meeres  haben.  Es  scheint  mir 
aber,  als  habe  auch  im  Schwarzen  Meere  selbst  eine  Senkung 
gewirkt.  Im  Pontus  läßt  sich,  wie  bereits  gesagt,  das  Bett  des 
Bosporusflusses  bis  zur  200  m-Isobathe  verfolgen.  Auf  der  etwa 
16  km  weiten  Entfernung  von  der  Isobathe  50  bis  zur  Isobathe 
100  fällt  der  alte  Lauf  mit  ungefähr  3 zu  Tausend.  Auf  der 
6 km  weiten  Entfernung  von  der  Isobathe  100  bis  zur  Isobathe 
200  aber  mit  dem  ganz  abnormen  Gefäll  von  ungefähr  1,7  zu 
100.  Ein  derartiges  Gefälle  hätte  allerdings  vielleicht  bei  einem 
schnellen  Sinken  des  Spiegels  des  Pontus  entstehen  können,  wäre 
aber  bald  wieder  geringer  geworden.  Aber  auch  im  Süden  des 
Marmarameeres  kann  man  das  Bett  des  Ägäischen  Flusses  bis 
unter  die  100  m-Linie  verfolgen.  Hier  ist  es  ausgeschlossen,  die 
tiefe  jetzige  Lage  anders  als  durch  Senkung  zu  erklären  und  ich 


Sokolow,  a.  a.  0.  p.  103.  (Zit.  nach  Hörnes  a.  a.  0.  p.  23.) 


12 


P.  Kessler,  Zur  jüngeren  geologischen  Geschichte  etc. 


Marmarameer  und  Ägäis 
nach  Hörnes 

Bithynische  Halbinsel  und 
benachbarte  Gegenden 

Fluviatile  Ablagerungen  am  Helles- 
pont  mit  der  Pikermi-Fauna, 
wahrscheinlich  gleichzeitig  mit  den 
Schotterablagerungen  imBelgrader 
Wald  hei  Konstantinopel.  Beginn 
der  Entwässerung  des  ägäischen 
Festlandes  gegen  den  Poutus. 

Das  alte  gefaltete  und  verworfene 
Gebiet  der  Bithynischen  Halbinsel 
und  des  Bithynischen  Festlandes 
ist  allmählich  zur  Peneplain  ge- 
worden. 

Paludinenseen  auf  dem  ägäischen 
Festland, Bildung  der  Dreissensien- 
und  Cardienschichten  von  Gallipoli. 
Der  ägäische  Fluß  bildet  die  oberen 
„reifen“  Täler  der  Dardanellen  und 
des  Bosporus. 

Die  Peneplain  hebt  sich  allmählich, 
und  zwar  im  Süden  stärker  als  im 
Norden.  Beginn  der  Herausbildung 
der  nach  Norden  fließenden  Flüsse. 

Einschneiden  der  canonartigen  Tiefen 
des  Bosporus  und  der  Dardanellen, 
des  Goldenen  Horns  und  anderer 
Limantäler  (Kütschük-  undBiijük- 
Tschekmedje).  Beginn  des  Ein- 
bruchs der  Ägäis,  Eindringen  des 
Mittelmeeres  vom  Süden  her. 

Vertiefung  der  Flußtäler. 

Auch  der  nördliche  Teil  der  Ägäis 
geht  zur  Tiefe.  Eindringen  des 
hochstehenden  Mittelmeeres  in  die 
Dardanellen , das  Marmarameer 
und  den  Bosporus.  Hochliegende 
mediterrane  Ablagerungen  an  den 
Dardanellen  und  an  der  Nordküste 
des  Marmarameeres. 

Einbruch  des  Ismider  Grabens.  Kurze 
Bäche  bilden  sich  an  seiner  Nord- 
küste und  dringen  räuberisch  in 
das  Gebiet  der  nach  Norden  fließen- 
den älteren  Bäche  vor,  teilweise 
ihr  Bett  benutzend.  Eindringen  des 
Mittelmeers.  Senkung  im  west- 
lichen Teil  der  Halbinsel.  Über- 
schwemmung des  Bosporus  und 
anderer  Flußtäler  durch  Senkung 
im  Westen. 

Übergang  in  die  heutigen  Ver- 
hältnisse; Ausbildung  der  oberen 
ausgesüßten  und  der  unteren 
salzigen  Gegenströmung  im  Bos- 
porus, welche  immer  weniger  im- 
stande ist,  das  Gleichgewicht  her- 
zustellen. 

Durch  starken  Landzuwachs  und  ge- 
hobene Küstenterrassen  zeigt  sich 
eine  Hebung  im  Süden,  besonders 
im  Südosten  der  Halbinsel. 

Th.  Kormos,  Kleinere  Mitteilungen  a.  d.  ungar.  Pleistocän.  13 


glaube,  daß  mau  ebenso  auch  am  Pontus  junge  Senkung  als  Ur- 
sache der  tiefen  Lage  des  alten  Flußlaufes  annehmen  kann.  Man 
wird  wohl  dieser  Senkung,  die  wahrscheinlich  zeitlich  und  ursächlich 
mit  der  Senkung  des  ganzen  westlichen  Schwarzen  Meergebietes 
zusammenfiel , neben  klimatischen  Einflüssen  den  niederen  Stand 
des  Schwarzen  Meeres  zu  damaliger  Zeit  zuschreiben  müssen. 
Im  wesentlichen  nur  auf  klimatische  Einflüsse  will  Hörnes  die 
Verschiebungen  im  Stande  des  Pontus  zurückführen  uud  darin  kann 
ich  ihm  nach  allem  bisher  ausgeführten  nicht  beistimmen.  Das 
ändert  aber  nicht,  daß  sich  die  zeitliche  Folge  der  Vorgänge,  wie 
ich  sie  aus  der  Morphologie  der  bithjmischen  Halbinsel  geschlossen 
habe,  mit  der  von  Hörnes  für  das  Marmarameer  und  die  Ägäis 
gegebenen  gut  vereinbaren  läßt.  Die  Einordnung  der  Vorgänge 
in  die  geologischen  Zeiträume,  die  noch  nicht  ganz  geklärt  zu 
sein  scheint,  will  ich  bei  dem  Vergleiche  mit  der  Darstellung  von 
Hörnes  1 lieber  weglassen,  ebenso  wie  den  an  derselben  Stelle 
gegebenen  Überblick  über  die  Geschichte  des  Schwarzen  Meeres, 
bei  dem  sich  der  "Widerspruch  mit  meiner  Auffassung  allzusehr 
geltend  macht. 

Nicht  eine  erschöpfende  Darstellung  der  jüngeren  geologischen 
Geschichte  Bithyniens  sollen  die  vorangehenden  Zeilen  geben, 
sondern  nur  ein  paar  Schlüsse  aus  der  Morphologie  sollten  gezogen 
werden.  Auch  diese  sehe  ich  keineswegs  als  unumstößlich  an. 
Neuere  Untersuchungen  können  vielleicht  manches  in  anderem 
Lichte  erscheinen  lassen , für  manches  aber  auch  neue  Beweise 
bringen.  Nur  weniges  ist  bisher  zur  geologischen  Untersuchung 
Bithyniens  geschehen  und  genauere  Untersuchung  wäre  dringend 
wünschenswert. 


Kleinere  Mitteilungen  aus  dem  ungarischen  Pleistocän. 

Von  Dr.  Th.  Kormos. 

1.  Neue  Vogelarten  aus  der  Felsnische  Puska- 
poros  bei  Hämor. 

Herr  Oberlehrer  W.  Capek,  der  bekannte  mährische  Orni- 
thologe, hatte  die  Freundlichkeit,  neuerdings  wieder  mehrere  aus 
der  Felsnische  Puskaporos  bei  Hämor  (Kom.  Borsod)  stammende 
Vogelreste  zu  untersuchen.  In  diesem  Material  befinden  sich  — 
abgesehen  von  Arten , welche  aus  dieser  Nische  bereits  bekannt 
sind1 2  — mehrere  Vögel,  die  von  hier  bisher  nicht  nachgewiesen 
waren.  Ich  kann  über  folgende  Arten  berichten  : 

1 a.  a.  0.  p.  63. 

2 Th.  Kormos,  Die  pleistocäne  Fauna  der  Felsnische  Puskaporos  bei 
Hämor.  Mitteil.  a.  d.  Jahrb.  k.  ung.  geolog.  Eeichsanst.  Bd.  XIX.  H.  3. 


14 


Tb.  Kormos, 


1.  Falco  peregrinus  Tunst. 

2.  Numenius  (phaeopus  L.  ?) 

3.  Coturnix  coturnix  L. 

4.  Anas  boscas  L.  «rul 

5.  Mer g us  albellus  L. 

Mit  diesen  5 Arten , welche  in  der  pleistocänen  Vogelfauna 
Ungarns  durchweg  neu  sind,  hat  sich  die  Zahl  der  aus  der  Puska- 
poros  bekannten  Vogelarten  auf  35  erhöht. 

2.  Noch  etwas  über  die  Tundrafauna  von  Köszeg. 

Dieses  Thema  wurde  von  mir  unlängst  etwas  näher  be- 
sprochen *.  Das  Material  meiner  diesbezüglichen  Untersuchungen 
stammt  aus  den  Händen  des  Herrn  kgl.  Ungar.  Reichsgeologen 
E.  v.  Maros,  der  dasselbe  im  Jahre  1904  sammelte.  Dem  Letzt- 
genannten gelang  es  damals  unter  anderem  auch  einige  wohl- 
erhaltene Reste  (7  Unterkieferhälften  und  1 Schädelbruchstück)  des 
Halsbandlemmiugs  ( Dicrostonyx  torquatus  foss.  Nhrg.)  zu  sammeln, 
eines  Tieres,  welches  für  die  hocharktischen  Tundren  charakte- 
ristisch ist. 

Während  des  vergangenen  Jahres  bot  sich  mir  Gelegenheit, 
diesen  interessanten  Fundort  mit  meinem  Freund  v.  Maros  be- 
suchen zu  können.  Derselbe  befindet  sich  in  dem  — am  Sza- 
böhegy  gelegenen  — SAYBOLD’schen  Phyllitbruch,  wo  wir  diesmal, 
außer  einigen  von  hier  bereits  bekannten  Arten , auch  Reste 
anderer  Tiere  vorfanden.  Es  sind  das: 

Putorius  nivalis  L. 

Microtus  nivalis  Martins 
„ grcgalis  (Pallas) 

Lcpus  europaeus  (Pallas)  und 

Cr  ex  er  ex  (L.) 

aus  dem  Stamm  der  Vertebraten  und 

Fruticicola  slrigella  Drap. 

Eulota  fruticum  Müll,  und 

Taehea  vindobonensis  Fer. 

von  den  Mollusken. 

Durch  einen  eigentümlichen  Zufall  konnten  wir  bei  dieser 
Gelegenheit  gar  keine  Lemmingreste  antreffen. 

3.  Ein  pleistocäner  Schlupfwinkel  des  Sieben- 
schläfers. 

Ebenfalls  bei  Köszeg,  im  Gneisbruch  unterhalb  der  Kalvarie, 
im  Gyöngyösbachtal  fanden  wir  die  Spuren  eines  pleistocänen 
Schlupfwinkels  des  Siebenschläfers  (Glis  glis  L.).  In  diesem  Stein- 

1 Th.  Kormos,  Über  eine  arktische  Säugetierfauna  im  Pleistocän 
Ungarns.  Dies.  Centralbl.  1911.  p.  300 — 303. 


Kleinere  Mitteilungen  aus  dem  ungarischen  Pleistocän. 


15 


hrucli  entdeckten  wir  nämlich  eine  mit  Bohnerz  ausgefüllte  verti- 
kale Spalte , aus  welcher  die  Knochenreste  dieses  Nagetiers  in 
großer  Anzahl  zutage  kamen.  Knochen  anderer  Tiere  sind  uns 
von  hier  nicht  zu  Händen  gelangt.  Deshalb  und  weil  an  dieser 
Stelle  auch  benagte  und  ganz  fossil  aussehende  Haselnüsse  vor- 
liegen , ist  es  klar , daß  die  Siebenschläfer  im  Pleistocän  hier 
hausten. 

4.  Glis  glis  L.  aus  dem  Pleistocän  des  Komitats 
Komärom. 

Herr  H.  Horusitzky,  kgl.  Chefgeologe,  sammelte  im  Jahre 
1900  bei  Baromlak  (Kom.  Komärom)  in  einer  Tiefe  von  3 m 
aus  dem  — unter  den  Lößschichten  gelagerten  — Sand  nebst 
einigen  Mollusken  (Succinea  oblonga  Drap.,  Limnaeus  stagnälis  L., 
Bithynia  ventricosa  Gray  und  Sphacrium  corneum  Müll.)  mehrere 
Nagetierknochen  (3  Femora,  1 Tibia,  3 Ilei).  Dieselben  lagen 
bisher  unberührt  in  unserem  Museum,  bis  ich  unlängst  Gelegen- 
heit hatte,  die  Stücke  zu  untersuchen.  Nun  kann  ich  aber  mit- 
teilen , daß  die  erwähnten  Knochen  ohne  Ausnahme  den  Sieben- 
schläfer (Glis  glis  L.)  repräsentieren. 

5.  Das  erste  Vorkommen  des  Microtus  ratticeps 
Keys,  et  Blas,  im  Löß  des  Alföld. 

Herr  kgl.  Chefgeologe  P.  Treitz  sammelte  im  Jahre  1902  um 
die  Lößkeller  der  Gemeinde  Solt  (Komitat  Pest)  aus  dem  Löß 
eine  Anzahl  kleiner  Knochen , welche  aber  zu  näheren  Unter- 
suchungen größtenteils  nicht  geeignet  sind.  Unter  diesen  Resten 
befanden  sich  jedoch  auch  zwei  Unterkieferbruchstücke , dessen 
eines  von  einem  Hamster  ( Cricetus  cricetus  L.),  das  andere  aber 
von  Microtus  ratticeps  Keys,  et  Blas,  herrührt.  Letzterer  ist  be- 
kanntlich ein  nordisches  Tier,  welches  sich  als  Relikt  aus  der 
Glazialperiode  in  Ungarn  (Csallököz)  bis  zum  heutigen  Tage  er- 
halten hat. 

Aus  dem  ungarischen  Pleistocän  ist  dieses  Tier  schon  mehr- 
fach nachgewiesen  (Höhlen  von  Novi  und  O-Ruzsin , Höhlen  des 
Biikkgebirges , Köszeg),  wurde  aber  im  Löß  des  Alföld  (große 
ungarische  Ebene)  bisher  nicht  gefunden.  Dieser  Fund  zeigt  uns 
deutlich , daß  die  weit  ausgedehnten  Lößdistrikte  des  ungarischen 
Alföld  in  faunistischer  Hinsicht  noch  viel  des  Interessanten  bieten 
werden. 

6.  Cricetulus  phaeus  (Pallas)?  am  Fuße  des  Velebit- 
geb  irge  s. 

Herr  Prof.  Dr.  A.  v.  Dügen  entdeckte  im  Jahre  1910  bei 
Carlopago  in  Kroatien  (Komitat  Lika-Krbava)  eine  Knochenbreccie 
und  hatte  die  Freundlichkeit,  mir  von  diesem  einige  Belegstücke 
zur  Untersuchung  zu  übergeben.  Der  Fundort  befindet  sich  in 
dem  Punta  Tatina  genannten  Tal. 

Die  untersuchten  Stücke  bestehen  aus  einem  fest  verkitteten 


16  Th.  Kormos,  Kleinere  Mitteilungen  a.  d.  Ungar.  Pleistocän. 


Kalksteinmaterial  und  zeigen  hier  und  dort  Knochenspuren.  Durch 
Zerschlagen  der  Breccienstücke  gelang  es  mir , mehrere  Knoclien- 
bruchstücke  und  kleine  Zähnchen  los  zu  lösen,  unter  welchen  ich 
einen  kleinen  Teil  aus  dem  Unterkiefer  eines  Marder -artigen 
Kaubtieres,  einen  halben  oberen  Hirschzahn,  Zähne  und 
Unterkieferbruchstücke  zweier  — bisher  näher  nicht  bestimmten  — 
Microtus- Arten , einen  sehr  eigentümlichen  und  mir  gänzlich  un- 
bekannten wurzeligen  Zahn  eines  W ü li lmaus- artigen  Tieres, 
einen  zahnlosen , linken  Unterkieferast  eines  Cricetulus , und  das 
Pygale  einer  großen  Schildkröte  (Testudo?)  feststellen  konnte. 
Letzteres  hat  viel  Ähnlichkeit  mit  jenem  meiner  großen  plioeänen 
Art  (Testudo?)  von  Polgärdi. 

Der  erwähnte  Unterkiefer  eines  Cricetulus  zeigt  so  große  Ähn- 
lichkeit mit  jenem  des  von  verschiedenen  Punkten  Ungarns  be- 
kannten fossilen  C.  pliacus  Pallas  , daß  ich  denselben  — wenn 
auch  keine  Zähne  vorhanden  sind  — in  den  Formenkreis  dieses 
kleinen  Steppenhamsters  verweisen  zu  dürfen  gedenke.  Sollte  sich 
an  dieser  Stelle  ein  ausgiebigeres  Material  vorfinden,  so  dürften  bei 
dem  Vergleich  noch  die  Arten  C.  arenarius  (Pallas),  C.  songarus 
(Pallas)  und  hauptsächlich  C.  atticus  Nhrg.  mit  in  Betracht  ge- 
zogen werden.  Meines  Wissens  ist  das  Vorkommen  im  Pleistocän 
bei  Carlopago  das  südlichste  dieser  Tiergruppe.  Letzterer  Um- 
stand, sowie  auch  die  übrigen  Beziehungen  dieser  Fauna  verdienen 
wohl  eine  weitere  Beachtung. 

7.  Ein  interessantes  Rehgehörn  aus  dem  pleisto- 
cänen  Süß wasser kalk  von  Süttö. 

Herr  kgl.  Sektionsgeologe  Dr.  A.  Liffa  erfreute  mich  im  ver- 
gangenen Jahre  durch  ein  — in  dem  Aprili’schen  Kalksteinbruch 
bei  Süttö  — gefundenes  interessantes  Rehgehörn.  Dasselbe  ist 
ein  abgeworfenes  Stück,  von  welchem  der  größte  Teil  der  Stange 
fehlt.  Letztere  ist  oberhalb  der  Rose  36  mm  breit  und  30  mm 
dick,  also  breit  und  flach.  Die  Augensprosse  zeigt  schon  an  der 
Stangenbasis  die  Tendenz  zur  Abzweigung.  In  einer  Höhe  von 
54  mm  über  die  Rose  sehen  wir  einen  breiten  Sattel,  aus  welcher 
die  00  mm  lange  Augensprosse,  mit  der  Stange  einen  sehr  spitzeu 
Winkel  bildend , steil  emporragt.  Auf  dem  Gehörn  selbst  sind 
keinerlei  Spuren  einer  Verletzung  oder  gar  Abnormität  zu  sehen. 
Die  niedrige  Stellung  der  Augensprosse  einerseits,  die  Länge  und 
die  steile  Richtung  derselben  anderseits  verleihen  diesem  Gehörn 
ein  besonderes  Interesse.  Das  sind  nämlich  Charaktere , welche 
bei  dem  heutigen  Rehgehörn  nur  in  den  seltensten  Fällen  Vor- 
kommen, die  aber  unserem  Stück  ein  gewisses,  Dicroceras- ähnliches 
Aussehen  verleihen.  Bei  dem  mioeänen  Dicrocerus  ist  das  Gehörn, 
wie  bekannt,  meist  zweispitzig,  d.  i.  „Gabler“  und  die  Verzweigung 
der  Sprossen  beginnt  knapp  oberhalb  der  Rose.  Bei  dem  Reh 
dagegen  steht  die  Basis  der  Augensprosse  in  den  meisten  Fällen 


P.  Kaemmerer,  Versuch  zu  einer  neuen  Deutung  etc. 


17 


sehr  hoch  an  der  Stange,  so  daß  das  Gehörn  von  Siitt«  in  dieser 
Hinsicht  eine  Mittelstellung  zwischen  Capreolus  und  Dicrocerus  eiu- 
nimmt.  Ich  denke  wohl  nicht  irre  zu  gehen,  wenn  ich  behaupte, 
Maß  uns  diese  Erscheinung  einen  interessanten  Fall  des  Ata- 
vismus zeigt. 

8.  Neuere  Beiträge  zur  Fauna  des  kroatischen 
Karstes. 

Ich  habe  bereits  über  meine  Ausgrabungen  Bericht  erstattet, 
durch  welche  im  Jahre  1911  die  ersten  Spuren  des  pleistocänen 
Urmenschen  im  Karstgebiete  zum  Vorschein  kamen  '.  Die  Höhle, 
wo  diese  Ausgrabungen  stattfanden , liegt  in  der  Umgebung  der 
Gemeinde  Lokve,  am  Slemeberg,  in  einer  Höhe  von  864  m ii.  d.  M. 
und  ist  in  meinem  zitierten  Aufsatz  eingehender  beschrieben.  Im 
Sommer  1912  setzte  ich  hier  die  Ausgrabungen  fort , doch  das 
Ergebnis  war  jetzt  unzureichend.  Es  stellte  sich  heraus,  daß 
der  Urmensch  sich  in  dieser  Höhle  nur  vorübergehend  aufhielt 
und  hier  kein  beständiges  Heim  hatte.  Auch  die  Fauna  ist  sehr 
arm , denn  außer  den  sehr  häufigen  Bärenknochen  sammelte  ich 
das  erstemal  nur  einige,  allenfalls  sehr  interessante  Pantherreste. 
Meine  diesjährigen  Arbeiten  werden  an  der  Fauna  nicht  viel  ändern, 
es  ist  aber  immerhin  erwähnenswert,  daß  bei  dieser  Gelegenheit 
ein  oberer  rechtsseitiger  Nagezahn  eines  Murmeltieres  ( Arctomys 
marmota  Schreb?)  und  ein  Tarsometatarsus  eines  Alpenschnee- 
huhus  ( Layopus  mutus  Montin)  zum  Vorschein  kamen.  Das  Murmel- 
tier ist  bei  Krapina  in  zahlreichen  Überresten  gesammelt  worden, 
für  das  Karstgebiet  ist  aber  sein  Vorkommen  im  Pleistocän  neu. 
Ebenfalls  neu,  ja  sogar  für  Kroatien  und  Slavonien  überhaupt,  ist 
meines  Wissens  das  Vorhandensein  eines  Alpenschneehuhns  in 
dieser  Fauna. 


Versuch  zu  einer  neuen  Deutung  der  Struktur  des  Meteor- 
eisens von  Carthage  (Tennessee). 

Von  Paul  Kaemmerer  in  Dresden. 

Mit  G Textüguren. 

Bei  der  Durchsicht  der  Meteoreisen-Sammlung  im  Kgl.  Mineralog. 
Museum  zu  Dresden  fiel  ein  Stück  des  1840  gefundenen  Eisens1 2 
von  Carthage  (Tennessee),  das  bisher  als  Oktaedrit  mit 


1 Kormos,  Die  ersten  Spuren  des  Urmenschen  im  Karstgebiete.  Mit 
Taf.  II  u.  Fig.  15 — 17.  Mitteilungen  aus  der  Höhlenforschungskommission 
d.  ung.  geol.  Gesellsch.  Jahrg.  1912.  Heft  1.  p.  97. 

- Troost,  Description  of  three  varieties  of  Meteoric  Iron.  1.  Meteoric 
Iron  from  Carthage,  Smith  County,  Tennessee.  Am.  Journ.  (2.)  2.  p.  356  f. 
1846.  Wegen  der  übrigen  Literatur  über  das  Meteoreisen  von  Carthage 
vergl.  E.  A.  Wülfing,  Die  Meteoriten  in  Sammlungen,  p.  64.  1897. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  2 


18 


P.  Kaemraerer,  Versuch  zu  einer  neuen  Deutung 


mittleren  Lamellen* 1  registriert  war,  durch  die  eigenartige 
Anordnung  der  Lamellenspuren  auf  der  Hauptschnittfläche  auf,  die 
sich  scheinbar  mit  der  angenommenen  Oktaedritstruktur  nicht  ver- 
einigen ließ.  Herr  Dr.  Schreiter,  der  mich  hierauf  aufmerksam 
machte,  regte  mich  zu  einer  Entscheidung  der  Strukturfrage  an. 
Herr  Geheimrat  Prof.  Dr.  Kalkowsky  stellte  mir  in  liebenswürdiger 
AVeise  die  beiden  im  Museum  vorhandenen  Stücke  des  Eisens  von 
Carthage,  ferner  ein  Stück  aus  der  Sammlung  des  Mineralogischen 
Instituts  der  Kgl.  Techn.  Hochschule  zu  Dresden  zur  Verfügung; 
ebenso  wurde  mir  die  vorhandene  Literatur  zugänglich  gemacht. 
Für  alles  Entgegenkommen  möchte  ich  auch  an  dieser  Stelle  meinen 
Dank  aussprechen. 

Da  zunächst  vermutet  wurde,  das  vorliegende  Eisen  könnte 
zu  dem  Typus  gehören,  den  F.  Rinne  bei  dem  Meteoreisen  von 
Goamus,  Farm  Gibeon,  D.-S.-AV. -Afrika,  als  Tesseraoktaedrit 
beschrieben  hat2,  so  wurde  dieses  Stück  aus  der  Leipziger 
Sammlung  zum  Vergleich  erbeten.  Es  wurde  in  dankenswerter 
Weise  bereitwilligst  zur  Verfügung  gestellt,  erwies  sich  aber  als 
gauz  anders  geartet  wie  das  hier  vorliegende.  Das  Eisen  von 
Carthage  ist  also  jedenfalls  kein  Tesseraoktaedrit. 


Fig.  1.  Lage  der  vier  Lamellenscharen. 

Die  Betrachtung  des  Eisens  zeigt,  daß  die  Kamazitlamellen 
vier  Haupt  scharen  bilden , also  parallel  vier  verschiedenen 
Ebenen  laufen  und  auf  jeder  Schnittfläche  im  allgemeinen  vier 
verschiedene  Richtungen  der  Lamellenspuren  erkennen  lassen.  Unter 
den  vollständigen  Kristallformen  der  Holoedrie  des  regulären  Systems 
findet  sich  nun  allerdings  nur  das  Oktaeder  als  die  Form,  die 
aus  vier  verschieden  gerichteten  Ebenen  aufgebaut  ist.  Dennoch 
ergibt  eine  andere  Überlegung,  daß  das  vorliegende  Eisen  kein 
Oktaedrit  sein  kann.  Eine  der  seitlichen  Begrenzungs- 
flächen (Fig.  1,  AB  CD)  ist  nämlich  nahezu  einer  Lamellen- 
schar parallel,  zeigt  demgemäß  nur  drei  Spurenrichtungen. 
Eine  von  diesen  Spuren  nun  steht  annähernd  senkrecht 

1 Auskunft  über  Strukturarten  der  Meteoreisen  gibt  E.  Cohen, 
Meteoritenkunde.  1894 — 1905. 

1 F.  Rinne,  Ein  Meteoreisen  mit  Oktaeder-  und  AVürfelbau  (Tessera- 

oktaedrit). N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1910.  I.  p.  115. 


der  Struktur  des  Meteoreisens  von  Carthage  (Tennessee). 


19 


auf  der  Hauptschnittfläche  des  Eisens  (Fig.  1 , C D E F) ; 
diese  selbst  zeigt  wieder  vier  Spurenrichtungen,  je  zwei  nahezu 
senkrecht  zueinander.  Wäre  also  die  Struktur  oktaedritisch , so 
müßte  die  seitliche  Begrenzungsfläche  einer  Oktaeder- 
fläche parallel,  die  Hauptschnittfläche  zu  einer 
Oktaeder  kante  senkrecht  stehen,  d.  h.  parallel  einer  Fläche 
des  Rhombendodekaeders  sein.  Untersucht  man  aber,  welche 
Spuren  entstehen,  wenn  ein  Oktaeder  nach  der  Fläche  des  Rhomben- 
dodekaeders geschnitten  wird,  so  ergeben  sich  nur  drei  ver- 
schiedene Spuren.  Diese  bilden,  wie  sich  durch  Rechnung  oder 
Konstruktion  leicht  ermitteln  läßt,  ein  gleichschenkliges  Dreieck 
mit  den  Basiswinkeln  54°  45'.  Hat  nun  auch  die  Schnittfläche 
nicht  ganz  genau  die  Lage  der  Dodekaederfläche,  so  ist  doch  eine 
solche  Abweichung,  wie  sie  die  Spurenrichtungen  auf  der  Haupt- 
fläche des  Eisens  gegen  die  oben  genannten  Richtungen  aufweisen, 
ausgeschlossen.  Auch  die  Verfolgung  der  Übergangswinkel 
der  Lamellen  an  den  Kanten  läßt  bald  erkennen,  daß  hier  eine 
Anordnung  nach  Oktaeder  flächen  nicht  vor  liegt. 


Fig.  2.  Grundriß  des  Eisens  I mit  Lamellenspuren. 

Da  somit  der  Oktaedrittypus  für  das  Meteoreisen  von  Carthage 
nicht  angenommen  werden  kann,  so  muß  der  Versuch  gemacht 
werden,  die  Anordnung  der  Lamellen  unter  einem  anderen 
Gesichtspunkte  zu  deuten. 

Die  Durcharbeitung  verschiedener  Möglichkeiten  brachte  mich 
schließlich  auf  den  Gedanken,  daß  die  Lamellen  des  Eisens  parallel 
zu  Flächen  des  Rhombendodekaeders  gehen  könnten.  Dieser 
Annahme  stand  zunächst  im  Wege,  daß  bei  einem  solchen  Dode- 
kaedertypus die  Schnittflächen  mehr  Spuren  zeigen  müßten,  als 
vorhanden  waren.  Das  nähere  Studium  zeigte  dann,  daß  man  eine 
Erklärung  der  Struktur  geben  kann,  wenn  dem  Aufbau  des  Eisens 
ein  Rhorabendodekaeder  zugrunde  gelegt  wird,  bei  dem  nur 
die  Zonen  von  zwei  Hauptachsen  ausgebildet  sind,  die  Zone  der 
dritten  Hauptachse  aber  fehlt,  oder  nur  gelegentlich  ganz 
untergeordnet  zur  Geltung  kommt.  Wenigstens  hat  sich  diese  An- 
nahme unter  allen  Möglichkeiten  am  besten  bewährt.  Ich  gehe 
nun  etwas  näher  darauf  ein. 

Es  lagen,  wie  erwähnt,  drei  Stücke  des  Eisens  zur  Unter- 

2* 


20 


P.  Kaemmerer,  Versuch  zu  einer  neuen  Deutung 


suchung  vor.  Das  größte  (I)  hat  die  in  Fig.  2 gezeichnete 
Grundfläche  und  eine  Höhe  von  durchschnittlich  0,9  cm.  Die 
Lamellenbreite  schwankt  zwischen  reichlich  3 mm  und  1 mm. 
Außer  der  Ober-  und  Unterfläche  bieten  auch  die  nach  AC  und 
AB  geschnittenen  Seitenflächen  die  WiDMANNSTÄTTEN’schen  Figuren 
dar.  Der  Taenit  begleitet  in  ganz  schmalen  Bändchen  den  Kamazit ; 
stellenweise  ist  er  gar  nicht  zu  Anden.  Risse  linden  sich  nach 
allen  Lamellenrichtungen  hie  und  da ; das  System  der  Lamellen 
ist  nicht  ganz  ungestört  und  macht  einen  sehr  groben  Eindruck. 

Wesentlich  das  gleiche  gilt  von  dem  Stück  II,  das  ein  Teil- 
stiick  von  I zu  sein  scheint,  den  Begreuzungsflächen  nach  zu  ur- 
teilen. Seine  Grundfläche  ist  nur  viel  kleiner  (Fig.  3)  und  es  hat 
fünf  künstliche  Flächen  mit  WiDMANNSTÄTTEN’schen  Figuren. 

Das  Stück  III  ist  eine  anders  als  die  vorigen  orientierte  Platte 
mit  lauter  künstlichen  Seitenflächen,  von  denen  zwei  zur  Ober- 


fläche schief,  zwei  nahezu  senkrecht  gehen.  Den  Grundriß  zeigt 
Fig.  4.  Die  Höhe  ist  etwa  5 mm. 

Wo  die  Grobheit  der  Lamellen  die  Winkelmessuug  zu  un- 
sicher machte,  konnten  mit  Vorteil  die  zu  den  Lamellenspuren 
parallelen  Liniensysteme  in  den  Plessitfeldern  als  Ersatz  heran- 
gezogen werden. 

Ich  erwähnte  oben,  daß  die  Hauptfläche  von  I und  II  nahezu 
senkrecht  steht  zu  einer  in  der  einen  Seitenfläche  als  Spur  auf- 
tretenden Kante.  Deutet  mau  diese  Kante  nach  der  neuen  Auf- 
fassung als  eine  Dodekaederkante  (die  Kante  c auf  AB  CD  in 
Fig.  1),  so  muß  nun  die  Hauptfläche  einer  Oktaederfläche  parallel  sein. 

Wird  aber  ein  vollständiges  Rhombendodekaeder  nach  einer 
Oktaederfläche  geschnitten , so  entstehen  6 Spuren  verschiedener 
Richtung,  von  denen  jede  mit  den  benachbarten  Winkel  von  30° 
bildet.  Da  nun  nach  unserer  Annahme  die  Zone  einer  der  Haupt- 
achsen fehlen  soll,  so  erhält  man  in  diesem  Falle  nur  vier  Spuren- 
richtungen, die  der  Reihe  nach  die  Winkel  60°,  30°,  6 0°, 
30°  miteinander  bilden.  Diese  vier  Spuren  zeigen  sich  nun  tat- 
sächlich auf  der  Hauptfläche  des  Eisens.  Da  diese,  wie  erwähnt, 


Fig.  3.  Grundriß  des  Eisens  II 
mit  Lamellenspuren. 


Fig.  4.  Grundriß  des  Eisens  III 
mit  Lainellenspuren. 


der  Struktur  des  Meteoreisens  von  Carthage  (Tennessee). 


21 


nur  angenähert  die  Lage  einer  Oktaederfläche  hat,  haben  die 
Winkel  der  Spuren  natürlich  nicht  genau  die  oben  genannten 
Werte;  sie  liegen  aber  in  der  Nähe  und  auch  die  Größenänderung 
erfolgt  in  dem  gleichen  Sinne.  Aus  der  Abweichung  ergibt  sich 
nun  wieder  die  Möglichkeit,  die  Lage  der  Schnittfläche  genauer 
zu  bestimmen,  worauf  ich  noch  eingehen  werde.  Was  ferner 
die  liier  gemachte  Annahme  stützt , ist  der  Umstand , daß  die 
Übergänge  der  Lamellenspuren  an  der  Schnittkante  tatsächlich  in 
der  entsprechenden  Weise  stattfinden.  Fig.  5 a stellt  ein  solches 
„offenes“  Dodekaeder  dar,  bei  dem  die  Zone  der  senkrechten  Haupt- 
achse fehlt.  Es  sind  nur  die  vier  Flächen  a,  b,  c,  d mit  ihren 
parallelen  Gegenflächen  vorhanden.  Hat  die  vordere  Fläche  in 
Fig.  1 etwa  die  Lage  der  Fläche  d,  so  würde  die  Hauptfläche, 
parallel  einer  Oktaederfläche,  etwa  die  vier  stark  gezeichneten 
Spuren  auf  a,  b,  c und  d hervorbringen,  während  die  punktierten 
Spuren  fehlen  würden.  Fig.  5 b zeigt  die  Platte  der  Fig.  1 zum 
Vergleich  mit  dem  Dodekaeder  orientiert.  Wie  man  sieht,  ergeben 


Lage  der  Hauptschnittfläche  der  Eisen  I und  II  gegen  das 
unvollständige  Dodekaeder. 

sich  die  richtigen  Übergänge  der  Spuren  an  der  Kante  C D hier  aus 
der  Lage  der  Dodekaederflächen. 

Bei  genauer  Absuchung  waren  übrigens  auf  jedem  der  Stücke 
einige  wenige  und  kurze  Lamellenspuren  zu  finden , die  sich  im 
Sinne  der  fehlenden  Flächen  dem  ganzen  System  einzufügen  schienen. 

Die  genauere  Bestimmung  der  Lage  der  Hauptschnittflächen 
zu  den  Flächen  des  Dodekaeders  bezw.  zum  Achsensystem  kann  auf 
die  Verfahren  gegründet  werden,  die  für  die  oktaedrischen 
Meteoreisen  von  A.  Brezina1 2  und  A.  Himmelbauer  2 ausgearbeitet 
worden  sind.  A.  Brezina  hat  die  Aufgabe  rechnerisch  behandelt 

1 A.  Brezina  , Meteoritenstudien  II.  Über  die  Orientierung  der 
Schnittflächen  an  Eisenmeteoriten.  Denkschr.  d.  K.  Akad.  d.  Wissensch., 
math.-nat.  Kl.  44.  p.  121.  1882. 

2 A.  Himmelbauer,  Orientierung  von  Schnittflächen  an  Meteoreisen. 
Min.-petr.  Mitt.  28.  p.  153.  1909. 


22 


P.  Kaemmerer,  Versuch  zu  einer  neuen  Deutung 


und  für  die  Oktaedrite  eine  Tafel  aufgestellt,  aus  der  man  mit 
Hilfe  der  gemessenen  Winkel  der  Lamellenspuren  auf  der  Schnitt- 
fläche die  Lage  dieser  Fläche  gegen  das  Achsensystem  ermitteln 
kann.  Dieses  Prinzip  läßt  sich  natürlich  auch  auf  das  Dodeka- 
eder übertragen.  Die  analytische  Geometrie  bietet  die  Formel, 
aus  der  man  den  Winkel  zweier  Geraden  im  Raum  berechnen 
kann,  wenn  diese  Geraden  selbst  durch  die  Gleichungen  der  sie 
erzeugenden  Ebenen  gegeben  sind.  Ist  etwa  die  Gerade  Cj  dar- 
gestellt durch  die  beiden  Ebenengleichungen : 

y = mz  + a 
x = nz  + b 

eine  andere  Gerade  G2  durch : 

y = pz  + c 
x = qz  + d, 

so  ergibt  sich  der  Winkel  </>  zwischen  G,  und  G2  aus: 

1 + mp  + nq 


COS  (f  — 


V (1  + nP  + n2)  (1  + p*  + q2). 


Z.  B.  ist  x + y + z = 0 die  Gleichung  für  die  Oktaeder- 
fläche (111).  Die  Dodekaederflächen  (101)  und  (011)  haben  die 
Gleichungen  x + z = 0 und  y -f-  z = 0.  Die  Schnittgerade  von 
(111)  und  ( 1 0 1 ) wäre  dann: 

i (y  = o 


die  von  ( 1 1 1 ) und  (011): 


II. 


y = — z> 

x = 0 


Hieraus  folgt: 


COS  (f>  I,  II  = 


V 4 


= = + l 


Daher  cp  1,11=60°  bezw.  120°. 

Es  ist  das  der  Winkel  der  Spuren  a und  b in  Fig.  1 oder 
Fig.  5 auf  der  Hauptschnittfläche. 

Mit  Hilfe  dieser  Formel  könnte  man  also  auch,  wie  A.  Brezina 
für  das  Oktaeder,  für  das  Dodekaeder  eine  Tafel  aufstellen,  die 
die  Winkel  der  Schnittgeraden  angibt,  die  bei  wechselnder  Lage 
einer  Ebene  auf  dieser  von  den  sie  schneidenden  Dodekaederflächen 
hervorgebracht  werden. 

Die  allgemeine  Lösung  der  Aufgabe , aus  den  auf  der 
Schnittfläche  gemessenen  Spurenwinkeln  die  Lage  der  Fläche  gegen 
die  Achsen  zu  bestimmen,  bietet  algebraische  Schwierigkeiten.  Diese 
können  aber  entweder  auf  die  oben  geschilderte  Weise  nach 
A.  Brezina  oder  auch  so  umgangen  werden,  daß  man  das  graphische 
Verfahren  von  A.  Himmelbauer  auf  das  Dodekaeder  überträgt. 


der  Struktur  des  Meteoreisens  von  Carthage  (Tennessee}. 


23 


A.  Himmelbauer  arbeitet  mit  dem  WuLFp’schen  stereo- 
graphischen Netz  unter  einer  Kugelprojektion  des  Oktaeders,  die 
auf  durchsichtigem  Papier  gezeichnet  ist.  Er  ermittelt  den  Pol 
der  Schnittfläche  als  den  Schnittpunkt  mehrerer  Kurven,  „Isoklineu“ 
genannt.  Es  gibt  eine  Keihe  von  Ebenen,  auf  denen  die  Schnitt- 
geraden mit  zwei  bestimmten  Oktaeder  flächen  immer  den  gleichen 
Winkel  bilden.  Die  zu  dieser  Ebenenreihe  gehörigen  Pole  liegen 
auf  einer  rIsoklineK. 

Diese  Isoklinenmethode  läßt  sich  offenbar  vom  Oktaeder 
sofort  auf  das  Khombendodekaeder  übertragen.  Ich  habe  das  bei 
der  vorliegenden  Aufgabe  ausgeführt,  um  so  mehr,  als  die  leider 


X 

Fig.  6. 

Poltigur  von  zwei  Zonen  des  Rliombendodekaeders  (a,  b,  c,  d),  geschnitten 
durch  eine  Oktaederfläche  o und  zwei  an  den  Eisen  I — III  vorkommende 
andere  Flächen  s,  und  s2. 

nicht  große  Genauigkeit,  mit  der  sich  die  Winkelmessungen  an 
den  Lamellenspuren  anstellen  ließen,  die  rechnerische  Mühe  der 
Tafelmethode  nach  A.  Brezina  nicht  gelohnt  hätte. 

In  der  Fig.  6 ist  zunächst  die  Polflgur  des  Rhombendodeka- 
eders gezeichnet,  wie  es  Fig.  5a  entspricht,  mit  fehlender  Zone 
der  Vertikalachse,  a,  b,  c,  d bedeuten  die  vier  Flächen;  A,  B,  C,  D 
ihre  Pole.  X,  Y,  Z bezeichnen  die  positiven  Richtungen  der  Achsen. 
Die  in  Fig.  5 a als  schneidende  Fläche  angenommene  Oktaederfläche 
( 1 1 1 ) ist  dann  durch  o mit  dem  Pol  0 dargestellt. 

Die  Ebene  s,  mit  dem  Pol  S,  ist  die  nach  dem  isoklinen 
Verfahren  genauer  bestimmte  Hauptschnittfläche  der  Eisen  I und  II. 


24 


P.  Kaemmerer,  Versuch  zu  einer  neuen  Deutung  etc. 


Diese  Platten  sind  nicht  genau  planparallel ; die  gezeichnete  Fläche 
hat  die  Lage,  wie  sie  etwa  den  Mittelwerten  der  gemessenen 
Spuren winkel  entspricht:  a,  b = 50°,  b,  d = 32  °,  «^  d,  c=  59  °, 

c,  a = 39°.  Diese  Lage  ist  charakterisiert  durch  die  Winkel 
S1X=62°,  S,  Y = 52  S,  Z = 5 1 0 gegenüber  der  etwas  abweichen- 
den Lage  der  Oktaederfläche  0,  die  bestimmt  ist  durch  OX  = OY 
= OZ  = 54°  45'. 

Die  Figur  enthält  schließlich  noch  die  Hauptfläche  s2  des 
Eisens  III  mit  dem  Pol  S2.  Die  Lage  dieser  Fläche  ließ  sich 
ebenfalls  graphisch  durch  die  Isoklinen  bestimmen  mit  Hilfe  der 
gemessenen  Winkel  der  Lamellenspuren.  Es  fand  sich  im  Mittel: 
«£a,  b = 50 °,  b,  c=  39°,  ^ c,  d=70°;  d,  a = 21°. 

Daraus  ergibt  sich  die  Lage  des  Pols  S2  derart,  daß  an- 
nähernd S2  X = 8 1 °,  S2  Y = 71  ü,  S2  Z = 2 1 0 ist. 

Die  Spuren  auf  den  Seitenflächen  zeigten  Eiclitungen , die 
nach  meiner  Beobachtung  mindestens  qualitativ  den  Forderungen 
genügten,  die  sich  theoretisch  auf  Grund  der  graphischen  Dar- 
stellung an  sie  stellen  ließen,  besonders  in  bezug  auf  die  Art 
des  Übergangs  an  den  Kanten. 

Nach  alledem  ordnet  sich  also  auch  das  Stück  III  der  An- 
nahme unter,  daß  die  Kamazitlamellen  im  Meteoreisen 
von  Carthage  den  Flächen  zweier  Hauptachsenzonen 
des  ßhombendodekaeders  parallel  gehen,  während  die 
dritte  Zone  höchstens  ganz  untergeordnet  auftritt. 

Was  sonstige  Beobachtungen  über  dodekaedrische  Lamellen 
in  Meteoreisen  anlangt , so  hat  A.  Brezina  1 au  den  Eisen  von 
Tazewell,  Ballinoo,  Narrabura-Creek,  Augustinowka 
und  Joe  Wright2  festgestellt,  daß  dem  Bestandteil  Schreibersit 
die  Anordnung  nach  Dodekaederflächen  zukommt  und  daß  dabei 
häufig  der  Kamazit  den  Schreibersit  als  Wickelkamazit  umgibt. 
Speziell  am  Eisen  von  Augustinowka  wurden  wulstiges  Anschwellen 
der  Balken  und  breiter  Wickelkamazit  bemerkt.  Mit  dieser  wulstigen 
Verbreiterung  ist  wohl  dasselbe  bezeichnet,  was  beim  vorliegen- 
den Eisen  von  Carthage  als  Grobheit  der  Lamellen  auffällt. 

Jedenfalls  würde  sich  nun  zunächst  die  Frage  erheben,  ob 
die  dodekaedrische  Struktur  des  Meteoreisens  von 
Carthage,  die  hier  nachzuweisen  versucht  wurde,  auch  auf  die 
Orientierung  des  Schreibersits  zurückzuführen  ist,  oder  ob 
der  Kamazit  selbständig  sich  in  dieser  Anordnung  ausgebildet  hat. 

Möglicherweise  könnte  auch  gerade  nur  in  den  vorliegenden 
Stücken  des  Eisens  das  Dodekaeder  herrschen,  während  in  anderen 
Partien  Oktaedrit-Struktur  vorhanden  wäre. 

1 A.  Brezina,  Über  dodekaedrische  Lamellen  in  Oktaedriten.  Sitz.- 
Ber.  d.  K.  Akad.  d.  Wissenscli.  in  Wien.  113.  1904.  I.  p.  577—583. 

2 Über  diese  Vorkommnisse  vergl.  E.  Cohen  , Meteoritenkunde  IIL, 
p.  258;  286;  262;  387.  1905. 


J.  Koenigsberger,  Nachtrag  etc.  — M.  Bauer,  Berichtigung.  25 
Zusammenfassung. 

Das  Meteoreisen  von  Carthage  (Tennessee)  wurde  bisher 
als  Oktaedrit  mit  mittleren  Lamellen  registriert.  Die  im 
Kgl.  Mineralog.  Museum  zu  Dresden  befindlichen  Stücke  dieses 
Eisens  zeigen  aber  auf  den  Schnittflächen  Systeme  von  Lamellen- 
spuren, die  sich  mit  Oktaedrit- Struktur  nicht  vereinigen  lassen. 
Die  Versuche , die  zu  anderer  Deutung  der  Struktur  gemacht 
wurden,  ergaben,  daß  sich  die  Beobachtungen  am  besten  mit  der 
Annahme  erklären  lassen,  daß  die  Anordnung  der  Lamellen 
parallel  zwei  Zonen  des  Rhombendodekaeders  ist. 

Im  Hinblick  auf  andere  Vorkommnisse  von  dodeka- 
edrischen  Lamellen  (vergl.  p.  24)  wird  die  Frage  zu  er- 
heben sein,  ob  und  in  welcher  Weise  der  Schreibe rsit  am 
Aufbau  des  Meteoreisens  von  Carthage  beteiligt  ist. 


Nachtrag  zur  Notiz  über  einen  anorthositischen  Gneis  von 

Norwegen. 

Von  J.  Koenigsberger  in  Freiburg  in  Br. 

In  der  Fundortsbezeichnung  des  anorthositischen  Gneises  (Cen- 
tralbl.  1912.  No.  19)  ist  infolge  einer  Schliffverwechslung  ein 
Irrtum  unterlaufen.  Der  Gneis  ist  am  Harjangenfjord  bei  Narvik 
uud  nicht  am  Eidsfjord,  Seitenarm  des  Hardangerfjord,  gefunden. 
Der  Gneis  bei  Eidsfjord  entspricht  einem  granitisch-syenitisclien 
Magma  mit  Biotit,  überwiegendem  Mikrolin,  etwas  Quarz  und  sein- 
wenig  Oligoklas ; er  steht  also  nicht  im  direkten  Gegensatz  zu  dem 
Granit  von  Fossli.  Die  Adern  des  anorthositischen  Injektions- 
gneises am  Harjangenfjord  bei  Narvik  bestehen  dagegen  aus  Biotit, 
etwas  Muscovit , beide  idiomorph , und  weit  überwiegend  aus 
Andesin-Plagioklas , nach  dem  Albitgesetz  verzwillingt.  Quarz 
und  Kalifeldspat  scheinen  völlig  zu  fehlen.  Das  von  diesen  Adern 
injizierte  Gestein  besteht  aus  nichtverzwillingtem  Oligoklas-Andesin, 
Quarz,  Biotit,  Hornblende  und  Erzen  und  selten  etwas  Orthoklas. 


Berichtigung. 

Von  Max  Bauer  in  Marburg. 

Herr  Walter  Boese  in  Berlin  hat  in  seiner  Arbeit:  Petro- 
graphisclie  Untersuchungen  an  jungvulkanischen  Ergußgesteinen 
von  Säo  Thome  und  Fernando  Poo 1 die  basaltischen  Gesteine 
von  Fernando  Poo  mit  denen  in  Niederhessen  verglichen.  Er 
schreibt  auf  Grund  meiner  vorläufigen  Berichte  in  den  Sitzungs- 


1 W.  Boese,  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXIV.  1912.  p.  317. 


26  W.  Maier,  Berichtigung  über  die  korundhaltigen  Hornfelse  etc. 

berichten  der  Berliner  Akademie.  41.  1900  2 resp.  1024  und  44. 
1903.  p.  1 resp.  992.  „Was  den  mineralogischen  Aufbau  anbelangt, 
so  sind  die  hessischen  Feldspatbasalte  am  häufigsten  „ganz  normal 
aus  Plagioklas,  Augit  und  Magneteisenerz  zusammengesetzt,  meist  in 
der  gewöhnlichen  Weise  Olivin  in  größeren  oder  geringeren  Mengen 
enthaltend , zuweilen  auch  ohne  diesen  in  allen  möglichen  Über- 
gängen“ (1.  c.  1900),  im  Jahre  1903  berichtet  M.  Bauer  jedoch, 
„daß  olivinfreie  Basalte  noch  nicht  nachgewiesen  seien“. 

Danach  könnte  es  scheinen , als  ob  zwischen  meinen  beiden 
Mitteilungen  ein  Widerspruch  bestände.  Dies  ist  jedoch  nicht 
der  Fall.  Wie  aus  deren  p.  2 zu  ersehen  ist , bezieht  sich  die 
erste  Mitteilung  von  1900  auf  das  ganze  Gebiet  zwischen  Schwalm 
und  Fulda  bis  etwa  auf  die  Höhe  von  Ziegenhain  als  südliche 
Grenze.  In  diesem  Gebiet  sind  einige  wenige  olivinfreie  Basalte 
gefunden  worden.  Die  zweite  Mitteilung  von  1 903  behandelt  nur 
das  weit  beschränktere  Gebiet  ringsum  die  Stadt  Homberg  a.  Efze 
(p.  1,  resp.  992).  In  diesem  engeren  Umkreis  war  damals  kein 
olivinfreier  Basalt  bekannt  und  dasselbe  gilt  meines  Wissens  auch 
heute  noch. 


Berichtigung  über  die  korundhaltigen  Hornfelse  der  Kontakt- 
zone des  Mt.  Tibidabo  bei  Barcelona. 

Von  W.  Maier  in  Tuttlingen. 

In  meiner  Inaug.-Diss.  „Die  Kontaktzone  des  Mt.  Tibidabo 
bei  Barcelona"  beschrieb  ich  am  Schlüsse  des  über  die  Hornfelse 
handelnden  Abschnittes  Quarzbiotitmuscovithornfelse  als  Gesteine 
von  mattem,  blauschwarzem  Aussehen,  die  sehr  zähe  und  dicht 
sind  und  von  den  sonst  herrschenden  Cordierithornfelsen  abweichen. 
Besonders  interessant  erwiesen  sie  sich  durch  reichlichen  Gehalt 
an  Turmalin  und  Korund. 

Herr  V.  M.  Goldschmidt  in  Kristiania  hatte  nun  die  Freundlich- 
keit, mich  auf  die  Unwahrscheinlichkeit  der  Paragenesis  Quarz — 
Korund  aufmerksam  zu  macken.  Wiederholte  konoskopische 
Prüfung  der  als  Quarz  angesprochenen  Körner,  die  allerdings 
durch  deren  geringe  Größe  sehr  erschwert  wird,  ließ  erkennen, 
daß  die  überwiegende  Mehrzahl  der  Körner,  von  denen  einzelne 
Zwillingslamellen  zeigen,  optisch  zweiachsig  und  positiv  ist. 
Manche  der  Körner  erwiesen  sich  aber  als  optisch  negativ  und 
besaßen  kleinen  Achsenwinkel.  Die  Prüfung  wurde  sowohl  durch 
Herrn  Goldschmidt  als  durch  mich  vorgenommen.  Quarz  kann 
soweit  nicht  vorliegen,  sondern  die  Mehrzahl  der  Körner  ist  Albit 
und  der  Rest  wohl  Cordierit.  An  Stelle  der  Bezeichnung  Quarz- 
biotitmuscovithornfels  muß  also  albitfiihrender  Hornfels  treten. 
Als  solcher  nimmt  er  nunmehr  keine  singuläre  Stellung  mehr  ein, 
sondern  ist  mit  den  im  Anhang  beschriebenen  albitfiihrenden 


M.  Semper,  Berichtigung. 


27 


Kalksilikathornfelsen  zu  vereinigen,  zwischen  denen  (wie  beschrieben) 
linsenförmig  eingesprengt  nahezu  reine  Albitgesteine , aber  auch 
solche  gefunden  wurden,  die  außer  Biotit  u.  Lithionglimmerblättchen 
reichlich  Titanit,  Korund  und  Kassiterit  führen. 


Berichtigung. 

Von  Max  Semper  in  Aachen. 

In  meinem  Aufsatz  über  Artenbildung  durch  pseudospontane 
Evolution  (dies.  Centralbl.  1912.  p.  140)  streifte  ich  die  Dis- 
kussion über  Steinmann’s  geologische  Grundlagen  der  Abstam- 
mungslehre und  führte  dabei  (1.  c.  p.  149,  Fußnote)  eine  Be- 
merkung Pompeckj's  als  Beispiel  eines  mehr  hitzigen  als  treffenden 
Schlages  an.  Es  dürfte  sicherlich  niemand,  der  sich  mit  Brachio- 
-poden  beschäftigt,  wirklich  und  bewußt  den  Stiel  der  Brachiopoden 
„funktionell  dem  Siplio  der  Zweischaler  gleichstellen“  wollen, 
sondern  wenn  etwas  Derartiges  sich  als  Meinung  eines  Autors  zu 
ergeben  scheint,  so  kann  das  nur  Folge  einer  gewissen  Hastigkeit 
der  Ausdrucksweise  sein.  Inzwischen  hat  Herr  Pompeck.t  mich 
freundschaftlich  darauf  aufmerksam  gemacht,  daß  nicht  er,  sondern 
daß  Herr  Steinmann  sich  dieser  Mißdeutbarkeit  ansgesetzt  hat. 
Leider  hatte  ich  bei  der  Niederschrift  meines  Aufsatzes  unter- 
lassen, die  betr.  Stelle  (Geologische  Grundlagen  etc.  p.  184)  noch- 
mals aufzuschlagen  und  muß  jetzt  gestehen,  dass  ich  aus  dem 
Wortlaut  dort  auch  nichts  anderes  herauslesen  kann , als  was 
Pompeckj  herausgelesen  hat.  Hoffentlich  wird  eine  zweite  Auf- 
lage der  „Grundlagen“  über  die  wirkliche  Meinung  aufklären. 

Herrn  Ew.  Wüst  verdanke  ich  die  Kenntnis  eines  Auf- 
satzes von  L.  Dödeklein  (Phylogenetische  Betrachtungen.  Biolog. 
Centralbl.  VII.  1888.  p.  395  ff.).  Danach  führt  die  Betrachtung 
von  Entwicklungsreihen  bei  fossilen  Säugern  zur  Annahme  einer 
erblich  wei’denden  und  dann  im  Weiterverlauf  das  Maximum  der 
Nützlichkeit  überschreitenden  Entwicklungstendenz,  also  zu  einer 
Theorie,  die  ich  als  die  der  pseudospontanen  Evolution  zu  be- 
zeichnen vorschlug.  Wenn  demgemäß  eine  andere  Fußnote  meines 
Aufsatzes  (1.  c.  p.  142),  die  freilich  nichts  als  ein  Hinweis  auf 
das  Vorhandensein  älterer,  inhaltlich  identischer  Theorien  sein  sollte 
und  nicht  im  entferntesten  auf  Vollständigkeit  abzielte,  nun  um 
den  Namen  Döderlein’s  und  dann  auch  Eimer’s  erweitert  werden 
muß,  so  erfährt  sie  dadurch  keine  Veränderung  des  Inhalts,  denn 
die  Ausdrücke  „Zweckmäßigkeit“  oder  „Nützlichkeit“  sowie 
„Tendenz“  zu  einer  bestimmt  gerichteten  Entwicklung  sind  ent- 
schieden stark  teleologisch  belastet  und  deshalb  wohl  besser  zu 
vermeiden.  Indessen  bedaure  ich,  von  diesem  Aufsatz  nicht  früher 
erfahren  zu  haben,  wie  mir  überhaupt  zoologische  Literatur  hier 


28 


E.  A.  Wülfing, 


fast  nur  durch  Zufall  bekannt  wird ; es  wäre  vielleicht  nicht  zweck- 
los gewesen,  den  Einfluß  zu  analysieren,  den  die  Beschaffenheit 
des  fossilen  Forschungsmaterials  (Säugetiere  — Bracliiopoden)  auf 
die  Auffassung  der  Tatsachen  und  auf  die  Begriffsbildung  ausübt. 


Neue  Instrumente  und  Beobachtungsmethoden. 

Demonstrationsmodell  für  sogen,  einfache  Schiebungen. 

Von  E.  A.  Wülfing  in  Heidelberg. 

Mit  6 Textfiguven. 

In  dies.  Centralbl.  1912  p.  417  beschreibt  0.  Mügge  zwei  Mo- 
delle zur  Demonstration  einfacher  Schiebungen,  die  vor  allem  eine 
konkrete  Vorstellung  von  den  Elementen  dieser  Deformation  geben 
und  sie  eindeutiger  und  schneller  verständlich  zu  erklären  ver- 
mögeii,  als  es  mit  bloßen  Worten  in  Kürze  geschehen  könnte.  Es 
läßt  sich  an  diesen  Modellen  zeigen , was  man  unter  erster  und 
zweiter  Kreisschnittebene , was  man  unter  Gleitungsachse  oder 
Schiebungsrichtung,  und  vor  allem,  was  man  unter  reziproken 
Schiebungen  zu  verstehen  hat.  Auch  läßt  sich  demonstrieren,  auf 
welche  Weise  sich  bei  der  sogen,  einfachen  Schiebung  ein  Kreis 
rein  äußerlich  in  eine  Ellipse  umwandelt. 

Wenn  nun  auch  das  Modell  in  seinen  Endzuständen  vor  und 
nach  der  Umwandlung  in  der  Tat  für  das  schnelle  Begreifen  der 
Schiebungselemente , besonders  im  triklinen  System , wofür  es  ja 
gebaut  ist,  Vorteile  bietet,  so  kann  dieser  pädagogische  Wert  viel- 
leicht nicht  in  demselben  Maße  betont  werden  in  bezug  auf  die 
Art  und  Weise , wie  diese  Endzustände  erreicht  werden , nämlich 
durch  gesetzmäßiges  Übereinanderhingleiten  von  Tafeln.  Wir 
wissen  allerdings  nichts  darüber , wie  sich  der  innerliche  Vor- 
gang der  homogenen  Deformation  abspielt,  können  aber  doch  be- 
haupten , daß  er  nur  nach  den  äußeren  Umrissen  zu  einem  Ge- 
bilde führt,  wie  es  in  dem  MüGGE’schen  Modell  nach  Verschiebung 
der  Holzlamellen  zustande  kommt.  Denn  diese  verschobenen  La- 
mellen sind  mit  dem  in  seiner  ursprünglichen  Lage  gebliebenen 
Holzklotz  immer  noch  von  derselben  kristallographischen  Orien- 
tierung; es  ist  eine  treppenförmige  Wachstumsform  entstanden, 
aber  keine  Zwillingsbildung  eingetreten.  Diese  wird  nur  dadurch 
rein  äußerlich  erreicht,  daß  die  Gleitung  bis  zu  einer  bestimmten 
Grenze  gegangen  ist,  nicht  früher  aufgehört  hat  und  nicht  weiter  ging. 

Schon  die  dem  innerlichen  Prozeß  durchaus  nicht  gerecht 
werdenden  alten  Bezeichnungen  wie  „Schiebung“  oder  „einfache 
Schiebung“  oder  „Gleitung“  mögen  genug  Verwechslung  hervor- 
gerufen haben.  Ein  Modell  aber,  welches  tatsächlich  eine  Gleitung 


Demonstrationsmodell  für  sogen,  einfache  Schiebungen. 


29 


im  gewöhnlichen  Wortsinn  benutzt,  kann  gar  leicht  irrtümliche 
Vorstellungen  weiter  verbreiten  oder  befestigen  und  ist  daher, 
vom  pädagogischen  Standpunkt  aus  betrachtet,  einer  Ergänzung- 
zugänglich.  In  der  Tat  handelt  es  sich  bei  dem , was  man  bei 
Kristallen  als  Gleitung  zu  bezeichnen  pflegt,  nirgends  um  das,  was 
man  sonst  im  Leben  eine  Gleitung  nennt.  Niemals  sehen  wir  an  den 
sogen.  Gleitflächen  der  Kristalle,  daß  sich  Materie  an  Materie 
gleitend  vorbeibewegt,  wie  der  Schlitten  auf  dem  Eise  gleitet, 
oder  wie  sich  der  Kolben  der  Dampfmaschine  an  der  Zylinderwand 
fortschiebt.  Anders  ist  es  bei  den  von  der  Zwillingsfläche  etwas 
weiter  entfernt  liegenden  Teilen;  diese  erfahren  allerdings  gegen 
den  in  Kühe  gebliebenen  Kristall  eine  Fortschiebung.  Keineswegs 
aber  geschieht  dies  dadurch,  daß  benachbarte  Kristallbausteine 
aneinander  vorbeigleiten.  Dieses  Fehlen  jeglicher  Gleitung  bei  den 
sogen.  Gleitflächen  der  Kristalle  auch  bei  einem  Modell  zu  betonen, 
scheint  mir , wie  gesagt,  pädagogisch  nicht  unwichtig,  da  sonst 
gar  leicht  eine  Verwechslung  zwischen  Translation  und  „Gleitung“ 
angebahnt  wird , wie  sie  infolge  der  unglücklichen  Bezeichnung 
oft  genug  schon  vorgekommen  sein  mag.  Auch  die  Umwandlung 
ein  und  desselben  Kreises  in  verschiedene  Ellipsen,  wie  sie  an 
den  MüGGE’schen  Modellen  möglich  ist,  könnte  zu  Verwechslungen 
Veranlassung  geben. 

Derartige  Bedenken  haben  mich  beschäftigt  und  zur  Kon- 
struktion eines  Modells  geführt,  das  als  Ergänzung  der  Mügge- 
schen  Modelle  betrachtet  werden  mag. 

Zunächst  wurde  dabei  an  eine  Deformation  der  Kri- 
stallbausteine selbst  gedacht.  Es  wurde  also  bei  Kalk- 
spat der  Prozeß  in  der  Ebene  der  Schiebung  durch  Bau- 
steine von  parallelogrammatischem  Querschnitt  (Winkel 
= 109° 8',  Kantenlänge  30 : 37,8)  dargestellt,  die  sich 
mit  Hilfe  von  passenden  Gelenken  in  den  Ecken  der 
Parallelogramme  deformieren  lassen , wie  das  in  Fig.  1 a 
bis  1 e schematisch  angedeutet  ist.  Man  müßte  aber  dann 
annehmen , daß  der  Baustein  des  Kalkspats  oder  sein 
Raumgitter  — oder  wie  man  den  letzten  integrierenden 
Bestandteil  eines  Kristalls  nennen  will  — während  der 
Zeit  der  Deformation  folgende  kristallographische  Wand- 
lungen erlebt:  Aus  seiner  rhomboedrischen  Symmetrie 
würde  der  kohlensaure  Kalk  in  monokline , darauf  in 
rhombische,  dann  abermals  in  monokline  und  schließlich 
wieder  in  rhomboedrische  Symmetrie  übergehen.  Er  wäre 
also  während  der  kurzen  Zeit  der  Deformation  in  jeder 
Schicht  zwar  immer  noch  kohlensaurer  Kalk,  aber  kein 
Kalkspat  geblieben,  sondern  müßte  vorübergehend  mono- 
kliner und  auch  rhombischer  kohlensaurer  Kalk  gewesen 
sein.  Diese  Vorstellung  ist  sicherlich  nicht  als  einfach  zu 
bezeichnen,  ganz  abgesehen  davon,  daß  dahingestellt 
bleiben  möge,  ob  sie  den  Tatsachen  entsprechen  kann. 


Solange  wir  über  die  inneren  Vorgänge  der  Umwandlung 
nichts  Näheres  zu  sagen  wissen , werden  wir  wohl  gut  tun , die 
Eigenschaften  der  Bausteine  des  kohlensauren  Kalks  auch  während 
der  kurzen  Zeit  der  Deformation  genau  so  wie  vorher  und  nach- 
her anzunehmen  und  in  der  Lagerung  dieser  Bausteine  gegen- 
einander das  bestimmende  Moment  bei  der  Neubildung  zu  suchen. 
Bei  dieser  Überlegung  kann  man  an  die  alte  Vorstellung  von  der 
Hemitropie  ankniipfen  und  die  üblichen  Modelle  zur  Demonstration 
der  Zwillingsbildung  in  eine  große  Zahl  von  Einzelhemitropien 
zerlegen.  Ich  lasse  also  von  dem  nachfolgend  beschriebenen 
Modell 1 die  Zwillingsbildung  nicht  an  der  starren  Einheit  einer 
ganzen  Schicht  eintreten , sondern  nehme  sie  an  den  einzelnen 
Kristallbausteinen  mittelst  Drehung  um  180°  vor  und  erreiche 
damit  die  Verdeutlichung  einer  Schiebung  der  von  der  „Gleitfläche“ 
weiter  abstehenden  Teile,  ohne  daß  irgendwo  zwischen  den 
benachbarten  Bausteinen  etwas  von  Schiebung  oder  Glei- 
tung eingetreten  wäre. 

Das  in  den  Figuren  2 bis  6 in  der  Ebene  der  Schiebung  ab- 
gebildete Modell  enthält  4 X -1  Täfelchen,  die  im  folgenden  als  Kri- 
stallbausteine bezeichnet  werden  mögen.  Ihre  Umrisse  entsprechen 
dem  symmetrischen  Querschnitt  eines  Kalkspat-Grundrliomboeders, 
also  dem  Querschnitt,  der  bei  einem  regelmäßig  gewachsenen 
Rhomboeder  durch  eine  Polkante  und  die  kurze  Diagonale  der 
gegenüberliegenden  Rhomboederfläche  geht.  Die  Richtung  dieser 
Polkante,  also  auch  die  Fläche  des  nächststumpferen  Rhomboeders, 
liegt  im  Modell  vertikal,  und  die  Richtung  der  kurzen  Diagonale 
steigt  bei  Fig.  2 nach  rechts  an,  zeigt  sich  bei  den  Figuren  3,  4 
und  6 geknickt  und  fällt  bei  Fig.  5 nach  rechts  ab.  Die  Bau- 
steine sind  mit  ihren  rechten  und  linken  Nachbarn  durch  leicht 
drehbare  Achsen  verbunden.  Diese  Achsen  stehen  senkrecht  auf 
der  sogen.  Gleitfläche,  also  bei  Kalkspat  senkrecht  auf  der  Rhombo- 
ederfläche (0112).  Jeder  Baustein  kann  sich  in  keiner  Weise, 
um  dies  noch  einmal  zu  betonen,  gegen  seine  Nachbarn  rechts  und 
links  verschieben  oder  gleitend  fortbewegen , er  kann  sich  einzig 
und  allein  um  die  angegebenen  Achsen  drehen.  Die  Vorstellung 
von  der  vermeintlichen  leichten  Gleitung  nach  (0112)  ist  also  hier 
durch  die  Vorstellung  von  der  leichten  Drehbarkeit  um  1 80 0 um 
die  Senkrechte  auf  (0112)  ersetzt  worden.  Ob  damit  der  wahre 
innere  Vorgang  dargestellt  ist,  bleibt  außerhalb  der  Diskussion. 
Es  bleibt  hierbei  auch  unerklärt , warum  diese  Drehung  nur  um 
180°  erfolgt  und  nicht  in  einer  Zwischenlage  stehen  bleibt.  Jeden- 
falls zeigt  sich  kein  Widerspruch  in  der  Orientierung  der  Teile 
vor  und  nach  der  Verschiebung  mit  den  in  Wirklichkeit  be- 
obachteten homogenen  Deformationen. 

1 Das  Modell  wurde  auf  der  Naturforscherversaminlung  in  Münster 
im  September  d.  J.  der  Abteilung  für  Mineralogie  etc.  vorgeführt. 


Demonstrationsmodell  für  sogen,  einfache  Schiebungen. 


31 


In  dem  Modell,  das  den  Querschnitt  durch  nur  eine  Schicht 
von  Bausteinen  darstellt,  liegen  alle  Drehachsen  in  einer  einzigen 
vertikalen,  aber  in  lauter  verschiedenen  horizontalen  Ebenen,  und 
zwar  liegen  bei  Fig.  2 die  rechten  Drehachsen  immer  höher,  bei 
Fig.  5 immer  niedriger  als  die  linken. 

Zunächst  wird  durch  zwei  vertikale  Glasplatten , die  in  dem 
galgenförmigen  Rahmen  stecken  und  deren  innen  abgeschrägte 


Fig.  3. 


1. 


■SBSS 

Fig.  6. 


Enden  kan  der  Linie  rechts  zu  erkennen  sind , alles  in  fester 
Lage  gehalten.  Nach  ihrem  Zurückziehen  nach  links  um  eine 
Bausteinkolonne  können  die  Drehachsen  der  rechten  Bausteine 
in  Tätigkeit  treten  und  die  erste  Vertikalreihe  zum  Umklappen 
bringen  (vergl.  Fig.  3 mit  Fig.  2).  Dadurch  ist  die  Zwillings- 
bildung eingetreten;  eine  Verschiebung  irgendwelcher  Teile  inner- 
halb der  4X4  Bausteine  hat  aber  bis  jetzt  nicht  stattgefunden. 
Erst  wenn  nach  dem  weiteren  Zurückziehen  der  haltenden  Glas- 


32 


E.  A.  Wülfing,  Demonstrationsmodell  etc. 


platten  die  zweite  Vertikalreihe  umklappt  (Fig.  4),  findet  für  die 
erste  schon  ningeklappte  Vertikalreihe  eine  Abwärtsbewegung  in 
Gestalt  einer  Parallelverschiebung  statt.  Das  Maß  dieser  Ver- 
schiebung ist  bekanntlich  ein  ganz  bestimmtes  und  erfolgt  pro- 
portional dem  Abstand  von  der  Zwillingsebene , ist  also  um  so 
größer,  je  weiter  die  umgeklappten  Bausteine  nach  links  fort- 
schreiten (vergl.  Fig.  2 mit  Fig.  5). 

Diese  Parallelverschiebung  der  weiter  voneinander  abstehenden 
Kristallteile  ist  sicherlich  Veranlassung  gewesen , bei  dieser  Um- 
wandlung überhaupt  von  einer  Schiebung  oder  gar  von  einer 
Gleitung  zu  reden.  Daß  es  sich  im  Grunde  aber  doch  um  etwas 
ganz  anderes  handelt,  dazu  soll  das  Modell  eine  leicht  faßbare 
Vorstellung  geben. 

Schließlich  kann  man  auch  an  dem  Modell  die  Art  der  Ent- 
stehung von  Hohlräumen  (den  KosE’schen  Kanälen)  demonstrieren. 
Man  muß  nur  das  Umklappen  der  Bausteinreihe  nicht  gleichmäßig 
ausführen,  sondern  manche  Bausteine  bei  dem  Akt  der  Hemitropie 
überspringen , wie  das  in  Fig.  6 zu  erkennen  ist.  Besonders  be- 
quem lassen  sich  derartige  Stellungen  erreichen,  wenn  man  nach 
Entfernung  der  Glasscheiben  das  ganze  Modell  horizontal  auf  einen 
Tisch  legt  und  dazu  die  Fußplatte  über  den  Tisch  hinausragen 
läßt,  ein  Verfahren,  das  zur  Demonstration  der  Zwillingsstellungen 
vor  einem  kleineren  Zuhörerkreise  auch  ganz  zweckmäßig  ist. 
Um  aus  der  Stellung  der  Fig.  2 in  die  der  Fig.  4 überzugehen, 
schiebt  man  die  beiden  rechten  Bausteinreihen  über  den  Rand  des 
Tisches  hinaus , bewegt  den  rechten  mit  B bezeichneten  Balken, 
leicht  nach  oben  oder  unten  drehend,  zur  Seite  und  erreicht  so 
die  Stellung  der  Fig.  4.  Darauf  klappt  man  von  der  zweiten  und 
dritten  Vertikalreihe  die  untere  Hälfte  nach  unten , während  man 
die  obere  Hälfte  stehen  läßt.  Auf  diese  Weise  bildet  sich  eine 
symmetrisch  gelegene  Öffnung,  die  sich  mehrfach  verändern  und 
wie  in  Fig.  6 auch  unsymmetrisch  gestalten  läßt. 

Das  Modell  hat  eine  Höhe  von  30  cm  und  steht  auf  einer 
Grundplatte  von  45  cm  Länge  und  10  cm  Breite.  Die  Firma 
Dr.  F.  Krantz  in  Bonn  hat  die  Herstellung  übernommen. 

Heidelberg,  den  22.  Oktober  1912. 


0.  Miigge,  Ueber  die  Größenordnung  etc. 


33 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Ueber  die  Grössenordnung  der  Gravitations- Anisotropie 
in  Kristallen. 

Von  0.  Mügge  in  Göttingen. 

Mit  1 Textfigui-. 

Mackenzie1  hat.  1894  die  Frage  aufgeworfen,  ob  die  An- 
ziehung, welche  ein  Kristall  (Kalkspat)  auf  eine  andere  Substanz 
ausübt,  von  der  Lage  der  letzteren  zu  seiner  optischen  Achse  ab- 
hängt, so  daß  er  in  der  einen  Richtung  so  wirken  würde,  als 
wäre  er  von  größerer  Masse  als  in  der  andern.  Es  würde  sich 
das  durch  eine  Abweichung  vom  NEwroN’schen  Gesetz  bemerklicli 
machen , indem  eine  Kugel  aus  anisotroper  Substanz  nicht  mehr 
so  anzielien  würde , als  wäre  ihre  Masse  in  ihrem  Mittelpunkte 
konzentriert.  Daraufhin  unternommene  Versuche  ergaben  zwar, 
daß  die  Anziehung  von  Kalkspatkristallen  auf  Blei  und  andere 
Kalkspäte  unabhängig  von  der  Orientierung  der  Achse  des  Kalk- 
spates war,  indessen  gestatteten  die  Versuche  nur  Abweichungen 
von  mehr  als  0 o der  Gesamtanziehung  zu  erkennen. 

Genauere  Versuche  haben  darüber  später  J.  H.  Poynting  und 
P.  L.  Gray2  angestellt.  Sie  beruhen  auf  der  Erwägung,  daß, 
wenn  eine  Anisotropie  im  Schwerefelde  bei  Kristallen  existiert, 
zwei  kristalline  Massen  eine  richtende  Wirkung  aufeinander  aus- 
üben müssen  und  daß  man  eine  solche  in  der  Tatsache  finden 
könnte , daß  Kristalle  beim  Wachsen  Teilchen  aus  ihrer  Mutter- 
lauge in  orientierter  Stellung  auf  sich  niederschlagen.  Durch 
Versuche  konnten  indessen  auch  sie  eine  Anisotropie  nicht  nach- 
weisen , es  ergab  sich  vielmehr , daß  die  Anziehungen  zwischen 
zwei  Quarzkugeln  bei  paralleler  und  gekreuzter  Lage  ihrer  Haupt- 
achsen nicht  mehr  als  1 : 16500  voneinander  abweichen  können. 
Die  folgenden  Bemerkungen  sollen  zeigen,  daß  eine  Anisotropie 
der  Schwere  zwar  zu  erwarten , ihre  Größenordnung  aber  eine 
ganz  außerordentlich  kleine  ist. 

Fig.  1 soll  einen  Querschnitt  durch  einen  Kristall  von  qua- 
dratischem Umriß  vorstellen,  in  welchem  die  kleinsten  Teilchen  — 

1 Mackenzie,  John  Hopkins  Univ.  Circulars.  13.  p.  76.  1894.  (N. 

Jahrb.  f.  Min.  etc.  1901.  I.  -380-.) 

" J.  H.  Poynting  und  P.  L.  Gray,  Phil.  Trans.  Roy.  Soc.  London. 
A.  192.  p.  245.  1899.  (N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1.  c.) 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


3 


34 


0.  Mügge,  Ueber  die  Größenordnung 


der  Kürze  halber  im  folgenden  Molekeln  genannt  — , netzförmig- 
parallel den  Seiten  des  Quadrats  angeordnet  sind ; der  Querschnitt 
liege  in  einem  Erdradius  und  AB  sei  dem  Schwerpunkt  der  Erde 
zugewandt.  Senkrecht  zur  Zeichnungsebene  mögen  der  in  der 
Figur  angedeuteten  gleichartige  Gitterebeuen  in  gleichen  Abständen 
aufeinander  folgen , wir  betrachten  aber  nur  eine  dieser  Ebenen, 
welche  also  der  Dicke  von  nur  einer  Molekelschicht  entsprechen 
soll.  Der  Querschnitt  Fig.  1 betrage  1 cm2,  auf  seiner  Seite  A B 
mögen  sich  m+  1 Molekeln  befinden,  auf  der  Seite  AC  (in  der 
Richtung  des  Erdradius)  dagegen  (n  + 1)  Molekeln.  Wir  wählen 

als  Längeneinheit  — — cm  , dann  befinden  sich  also  die  Teilchen 
auf  AB  in  einem  Abstande  von  n Einheiten,  die  auf  AC  im  Ab- 


n+i 


3 

2 


stände  von  m Einheiten , die  Länge  des  Erdradius , oder  genauer 
der  Abstand  zwischen  der  mittleren  Molekel  der  Reihe  A B und 
dem  Schwerpunkt  der  Erde  (gemessen  in  unserer  sehr  kleinen 
Einheit)  betrage  r. 

Setzen  wir  das  Produkt  aus  der  Masse  einer  Molekel  und  der 
Masse  der  Erde  gleich  1,  so  ist  die  Anziehung  für  die  mittlere 

Molekel  der  Reihe  A B proportional  für  die  anderen  Molekel  der 

Reihe  A B ist  ihr  Abstand  vom  Schwerpunkt  der  Erde  um  einen 
kleinen  Betrag  größer  als  r,  dieser  ist  aber  verschwindend  klein, 
auch  gegenüber  dem  Abstand  zweier  benachbarter  Molekelreihen 
parallel  AB.  Die  Gesamtanziehung  zwischen  allen  Molekeln  der 
Reihe  AB  einerseits  und  der  im  Schwerpunkt  der  Erde  vereinigt 

gedachten  Masse  der  Erde  anderseits  beträgt  daher  (m  + 1)  . 

Für  alle  Molekeln  der  nächsten  A B parallelen  Reihe  beträgt 


der  Gravitations-Anisotropie  in  Kristallen. 


35 


dagegen  die  Anziehung  (m  + 1) 


1 


(r  -f  m)2 


ebenso  (m  +1) 


(r  -f  2 m) 


usw.  bis  (m  + 1) 


für  die  dritte  Reihe 
1 


(r  + n . m)2 


Die  Summe  der  Anziehungen  für  sämtliche  Molekeln  der  La- 
melle in  der  Stellung,  wo  sich  der  Schwerpunkt  der  Erde  auf  der 
in  der  Mitte  von  A B errichteten  Normalen  befindet , wollen  wir 
2'm  nennen,  sie  beträgt  demnach: 

1)^,  + ^ _j_  mj2  + _|_  2 m)2  (r  _|_  n . lry  ]• 


Kehrt  man  die  Seite  A C der  kristallinen  Lamelle  dem  Schwer- 
punkt der  Erde  zu,  indem  man  die  Lamelle  um  ihren  geometrischen 
Mittelpunkt  um  90  0 in  der  Ebene  der  Zeichnung  dreht,  so  beträgt 

die  Anziehung  für  die  Molekeln  der  ersten  Reihe  (n  + 1)  y-,  für  die 


zweite  Reihe  (n  4-  1) — , ...  usf. , für  die  letzte  Reihe  (n  + 

v ' (r  + n)2  ’ v 1 

— ; . Die  Gesamtanziehung  in  der  Richtung  senkrecht  A 

(r  -(-  m . n)2 

welche  wir  — n nennen  wollen,  ist  also: 


1) 

C, 


-yn-(n-fl)[y+  (r  y n)2  + (l.J2n}*  + 


(r  + m.  n) 


] 


Machen  wir  nun  die  Annahme,  daß  m—  IO8  ist,  was  un- 
gefähr den  Dimensionen  der  Molekel  entspricht , daß  dagegen  der 
Abstand  der  Molekeln  in  der  Richtung  A C zehnmal  so  groß  sei 
(in  den  meisten  Fällen  ist  vermutlich  der  Unterschied  der  Ab- 
stände erheblich  geringer!),  also  n = 1 07,  so  wird  r,  der  Radius 
der  Erde,  der  in  Zentimetern  von  der  Größenordnung  IO8  ist,  in 
unserer  Einheit  gleich  108  X 107  X Iß8  = 1023  zu  setzen  sein. 
Es  liegen  also  für  ^m  und  .^n  zwei,  praktisch  genommen,  un- 
endliche Reihen  vor,  über  welche  ich  meinem  verehrten  Kollegen 
C.  Runge  folgende  Mitteilungen  hinsichtlich  ihrer  oberen  und 
unteren  Grenzwerte  verdanke: 

„Es  ist: 


r r + m r (r  + m)  ^ r2  ^ 
ebenso : 


1 


r + 


m 

2“ 


1 


1 


r + m r + 2 m (r  + m)  (r  + 2 m) 

1 

i m 

r+^ 


< 


(r  + m)2 

1 


< 


l(r  + m)2  ■ 


r + 


3m 


ebenso : 


3* 


36 


0,  Mügge,  lieber  die  Größenordnung 


1 1 m 

r-f-2m  r-|-3m  (r  -f-  2 m)  (r  + 3 in) 
m m 1 1 

< (r'4- 2m)*  <frXS^_||V=  ■ 3m  ' 

usw. 


(r  + 2m)!-(|)'  r + 


folglich,  wenn  man  summiert: 

T 1 fl  l_  , l _i -| 

r r + (n  + l)m  Lr2  (r  4-  m)2  ' (r+2m)2  ' ' ' ' (r  + n . m)2  J 


< 


(r-f-m)2  (r+2m)2 

1 1 
m r + (n  + i)m 


oder  nach  Multiplikation  mit 
n + 1 m 1 


m + 1 


r r --  ( I 1 % f 1 I 1 I 1 1 

n + 1 <(in+  jLr2  + (r  + m)l  + (r  + 2mpi“‘"(r_+n.m)2J 


1 + m 


< 


n + 1 m + 1 

r ‘ r 


Durch  Vertauschung  von  m und  n erhält  man  ebenso  — n. 
Nach  Umformung  der  oberen  und  unteren  Grenzwerte  in 
(m  + 1)  (n  + 1)  / ^ (m  + 1)  (n  + l) 


r*  + r . m . n -f-  r , 


< — in  < 


r*  r . m . n — 


2n  + 1 


und 

(m  ~t~  1)  (n  ~4~  1)  vn  (m  -f-  1)  (n  -j~ 1)  . 

r2  4-  r . m . n 4-  r . n ^ — , 2 m -(-  1 

r-4-r.m.n — n- 

erkennt  man,  daß  die  unteren  Grenzwerte,  wir  nennen  sie  N m u 
und  Nun,  von  — m und  N n sich  nur  unterscheiden  durch  den 
letzten  Summanden  des  Nenners.  Ist,  wie  in  Fig.  1 angedeutet, 
m n,  so  gilt  ersichtlich 

4 m u < 2nu. 


Die  oberen  Grenzwerte,  2mo  und  Nno,  unterscheiden  sich 
ebenfalls  nur  durch  den  letzten  Summanden  des  Nenners.  Die 
Differenz  dieser  beiden  Summanden  ist: 

2 n 4- 1 2 in  -f  1 

m2 — . n2, 


ihr  Vorzeichen  ist  identisch  mit  dem  von 

2 n . m1  -f  mJ  — 2m.  n2  — n2  = (m  — n)  (2  m . 11  -(-  m -f-  n). 

Ist  also  m > n,  so  ist  nV  > 2 m^~-1  . n2  und  für  die  oberen 

Grenzen  gilt 


2mo  >2no. 


der  Gravitations-Anisotropie  in  Kristallen. 


37; 


Die  Grenzen  von  2'n  liegen  also  zwischen  denen  von  — m 
und  die  größtmögliche  Anisotropie  der  Gravitation  liegt  also 
zwischen  den  beiden  Werten 


J m o : 2 n u > 1 und  2mu:2no<l, 


Durch  Einsetzen  der  Werte  aus  I und  II  erhält  man  hierfür 


2mo 

Anu 


r-  + r . nt . n -f-  r . n 


r . m . n -f-  r . n 


r1  + r . m . n — 


2 n -f  1 


r2  -f-  r . m . n — 


n . 


m- 

4 


Da  r sehr  groß  ist  gegenüber  m und  n,  kann  man  in  erster 
m2 

Annäherung  — r-  vernachlässigen,  und  erhält  so : 

Arno  r2-+-r.m.n-f-r.n 

An u , n . m2 

r2  -f-  r . m . n — 


Setzt  man  hierin  r = 1023,  m = 1 08,  n = 107,  so  entsteht: 
Amo  _ 1023  + 10,ä  + 101 
Anu  ~ 1023  + 10lä  — 0.5 


oder,  wenn  man  jetzt  auch  0,5  vernachlässigt: 

Amo  _ 10'6+  103  + 1 
Anu  — IO16  = 103 

Analog  entsteht 

Amu  _ 10,5+  107 

A n o _ 1 0 1 io 7-f  1 

Die  Anziehung  in  beiden  Richtungen  stimmt  also  bis  auf 
mindestens  eine  Einheit  der  15.  Dezimale  überein,  so  daß  einst- 
weilen keine  Hoffnung  besteht,  die  Differenz  nachzuweisen.  Das 
Verhältnis  kann  sich  möglicherweise  der  Einheit  noch  viel  stärker 
nähern,  da  ja  die  beiden  Grenzwerte  von—  n zwischen  denen  von 
— m liegen;  absolute  Gleichheit  tritt  ein,  wenn  m und  n beide 
unendlich  werden,  eine  Anisotropie  ist  aber  zu  erwarten, 
wenn  die  Kristalle  tatsächlich  aus  diskreten  Teilchen 
aufgebaut  sind.  Wenn  m = n < oo  ist,  werden  zwar  die 
Anziehungen  in  der  Richtung  der  Normalen  von  AB  und  AC  ein- 
ander gleich,  nicht  aber  in  den  zwischenliegenden  Richtungen, 
auch  nicht  bei  regulären  Kristallen.  Die  Anziehung  wird  hier 
z.  B.  in  der  Richtung  einer  AViirfelkante  etwas  verschieden  sein 
von  der  in  der  Richtung  der  Würfelflächendiagonalen , indessen 
müßte  die  Anisotropie  noch  erheblich  geringer  ausfallen  als  in 
dem  berechneten  Beispiel , da  hier  m : n = yA  ist.  Ähnliches  gilt 
für  Anziehungsrichtungen  in  der  Basis  hexagonaler,  tetragonaler 
und  trigonaler  Kristalle. 

Mit  der  Geringfügigkeit  der  Gravitations-Anisotropie  mag  es 
Zusammenhängen , daß  eine  Abhängigkeit  der  kristallographischen 


38 


0.  Mügge,  Ueber  die  Größenordnung  etc. 


Orientierung  aufgewachsener  Kristalle  von  der  Schwere  niemals 
beobachtet  ist l. 

Eine  Verschiedenheit  der  Anziehung  in  Richtung  und  Gegenrich- 
tung ist  nicht  zu  erwarten,  solange  die  Molekeln  als  Kugeln  angesehen 
werden  dürfen ; nimmt  man  aber  die  Molekeln  selbst  als  azentrisch 
an , so  wird  allerdings  eine  solche  auftreten  können , aber  ihre 
Größenordnung  müßte  noch  kleiner  sein,  als  vorhin  abgeleitet2 * * * *. 

Man  kann  fragen , ob  nicht  in  dem  Falle , daß  auch  r sehr 
klein,  aber  immerhin  noch  groß  gegenüber  m und  n ist,  also  bei 
der  Anziehung  kleiner  Kugeln  von  isotropem  oder  quasiisotropem 
Material  auf  „Kristallkeime“  von  molekularen  Dimensionen  eine 
stärkere  Bevorzugung  gewisser  Richtungen  der  Keime  hinsichtlich 
der  Anziehung  eintreten  kann.  (Solche  Verhältnisse  wären  z.  B. 
denkbar  bei  der  Verdichtung  meteorischer  Staubmassen , die  sich 
in  großer  Entfernung  von  anderen  Himmelskörpern  befinden  und 
also  ihrer  Anziehung  entzogen  sind,  aber  in  die  Nähe  gröberer 
Staubteilchen  geraten.)  Setzt  man  dementsprechend  z.  B. 
r = 10‘,  in  = 10,  n = 3, 

(dann  ist  also  die  Kantenlänge  des  quadratischen  Blättchens  gleich 
I0X3X  10  ~ 8 cm  = 3 X 10~7  cm  und  seine  Entfernung  vom 
Schwerpunkt  des  anziehenden  gröberen  Staubteilchens  r=  10  — 3 cm 
= 0,01  mm),  so  lassen  sich  .jetzt  nicht  nur  Grenzwerte  von  .i  m 
und  2u,  sondern  letztere  selbst  noch  berechnen.  Aber  man  findet 
auch  jetzt  noch  keine  Abweichung  zwischen  beiden,  welche  über 
1 : 5 Millionen  hinausginge  und  erst  für  m = 10,  n = 3 und 
r=  1000  weicht  das  Verhältnis  beider  um  1:1 00«  >0  von  der 
Einheit  ab.  Dann  ist  aber  die  Entfernung  des  feineren  Stäubchens 
vom  Schwerpunkt  des  größeren  schon  submikroskopisch , nämlich 

1 Eine  merkliche  Einwirkung  der  Schwere  auf  die  Winkel  der  Kri- 
stalle durch  ungleiche  Anziehung  der  unteren  und  oberen  Molekelschichten 
scheint  nach  Obigem  auch  ausgeschlossen , nicht  aber  eine  Deformation 
durch  das  Gewicht  des  Kristalls  selbst.  Eine  solche  ist  sogar  von  Bre- 
zina (Sitzungsber.  Wien.  Akad.  64.  p.  297.  1871)  behauptet  und  Brauns 
(N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1887.  I.  p.  145)  hat  dies  durch  Messungen  an  re- 
gulären Oktaedern  von  Bleinitrat  zu  erhärten  gesucht.  Indessen  könnten 
die  beobachteten  Abweichungen  von  den  theoretischen  Winkelwerten  auf 
der  Beeinflussung  der  Lage  von  Vizinalflächen  durch  die  (von  der  Schwere 
abhängigen)  Strömungen  der  Mutterlauge  beruhen.  Entscheidende  Mes- 
sungen müßten  nicht  an  gewachsenen , sondern  an  Spalt-  oder  andern, 
nur  von  der  Struktur  abhängigen  Flächen  angestellt  werden. 

2 Zwar  ist  festgestellt,  daß  manche  Kristalle  mit  polaren  Achsen 

das  eine  Ende  derselben  hinsichtlich  der  Aufwachsung  bevorzugen,  in- 

dessen ist  dieses  Ende  keineswegs  immer  das  untere  oder  obere  (d.  h.  dem 

Erdmittelpunkt  nähere  oder  fernere);  es  kann  dies  vielmehr,  wie  Johnsen 

(N.  Jahrb.  t'.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXIII.  p.  278.  1907)  hervorgehoben,  mit 

der  verschiedenen  Lösungsgeschwindigkeit  in  Richtung  und  Gegenrichtung 
dieser  Achse  Zusammenhängen. 


Y.  Goldschmidt,  Ueber  Indikatoren  etc. 


39 


nur  0,1  fi.  Kristalline,  raumgitterartige  Struktur  wird  also  eine 
kristallographische  Orientierung  infolge  des  Gesetzes  der  Massen- 
anziehung erst  bei  nahezu  molekularen  Abständen  und  Dimensionen 
der  anziehenden  Massen  bewirken  können. 

Man  könnte  geneigt  sein  zu  schließen,  daß  bei  den  eingangs 
■erwähnten  Versuchen  demnach  keine  Aussicht  sei , eine  merkliche 
Anisotropie  zu  finden.  Indessen  sind  die  vorstehenden  Betrach- 
tungen auf  jene  Versuche  nicht  ohne  weiteres  anwendbar.  Es 
liegen  bei  ihnen  wesentlich  kompliziertere  Verhältnisse  vor ; einmal 
weil  bei  einem  Teil  der  Versuche  beide  Massen  anisotrop  waren, 
zweitens  weil  die  Entfernung  ihrer  Mittelpunkte  nicht  groß  war 
gegenüber  ihren  Dimensionen  nnd  also  die  Voraussetzung  nicht 
mehr  zutrifft,  daß  alle  Punkte  einer  Reihe  der  ersten  Masse,  wie 
AB  in  Fig.  1 merklich  gleich  weit  vom  Mittelpunkt  der  zweiten 
entfernt  und  somit  die  Anziehungsrichtungen  für  alle  Teilchen 
auch  nicht  mehr  einander  parallel  sind. 


Ueber  Indikatoren 

zur  mechanischen  Gesteinsanalyse  und  spezifischen 
Gewichts-Bestimmung. 

Von  V.  Goldschmidt  in  Heidelberg. 

In  diesem  Centralbl.  1912.  p.  508  publiziert  G.  Linck  ein 
hübsches  nnd  nützliches  Kästchen  mit 

Indikatoren  zur  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichts 
von  Flüssigkeiten, 
und  bemerkt  dazu  in  der  Einleitung: 

„Man  kommt  häufig  in  die  Lage,  sich  eine  Lösung  von  bekanntem 
spezifischen  Gewicht  herzustellen , oder  das  spezifische  Gewicht  eines 
Körpers  annähernd  bestimmen  zu  müssen.  Da  es  aber  umständlich  und 
zeitraubend  ist,  dies  mit  der  hydrostatischen  Wage  auszuführen,  so  hat 
man  sich  vielfach  Indikatoren  hergestellt,  die  aber  meist  zu  weite  Ab- 
stände zwischen  den  einzelnen  Skalenteilen  zeigen  und  meines  Wissens 
nicht  in  den  Handel  kamen.“ 

Linck’s  Indikatoren  sind  24  Würfelchen  aus  Glas  in  einem 
Kästchen.  Preis  bei  Krantz  in  Bonn  20  Mk.  Sie  haben  folgende 
spezifische  Gewichte : 


No.  Sp.  G. 

1 

No. 

Sp.  G. 

No. 

Sp.  G 

No. 

Sp.  G. 

No. 

Sp.  G. 

No.  Sp.  G. 

1 2,240 

|5 

2,480 

9 

2.617 

13 

2.870 

17 

3,180 

21  3,350 

2 2.330 

6 

2,518 

10 

2,690 

14 

2,935 

18 

3.205 

22  3,480 

3 2,387 

, 7 

2.550 

11 

2,750 

15 

3,040 

19 

3,240 

23  ! 3,530 

4 2,410 

8 

2,576 

12 

2,785 

16 

3,110 

20 

3,275 

24  3,555 

40 


V.  Goldschmidt, 


Solche  Indikatorenkästchen  sind  sehr  nützlich.  Wenn  irgend 
einer,  so  bin  icli  ihrer  Vorzüge  bewußt;  denn  ich  selbst  habe 
(1881)  die  Indikatoren  mit  diesem  Namen  und  zu  dem  gleichen 
Zweck,  wie  Linck  ihn  darlegt,  in  unsere  Wissenschaft  eingeführt. 

1880  übergab  ich  ein  solches  Kästchen  mit  dem  Aufdruck: 

Indikatoren  zur  mechanischen  Gesteinsanalyse 

dem  Mineralogischen  Institut  der  Universität  Heidelberg,  1883  ein 
ebensolches  der  Geologischen  Reichsanstalt  in  Wien.  Die  beiden 
dürften  sich  dort  noch  vorfinden. 

Im  Jahre  1893  übernahm  der  Mechaniker  P.  Stoe  in  Heidel- 
berg die  Herstellung  und  den  Verkauf  solcher  Indikatorenkästchen. 
Sie  finden  sich  in  seinem  Katalog  angezeigt.  Seit  einigen  Jahren 
führen  sie  auch  Dr.  F.  Krantz  in  Bonn  und  R.  Fuess  in  Berlin 
in  ihrem  Katalog. 

Der  Preis  war  ursprünglich  16  Mk.  Er  stieg  mit  der  An- 
zahl der  Indikatoren  auf  20  Mk.  Von  den  durch  P.  Stoe  her- 
gestellten  Indikatorenkästchen  wurden  bisher  ca.  200  verkauft. 

Da  diese  Tatsachen  der  Aufmerksamkeit  Linck’s  entgangen 
sind  (wie  aus  dessen  oben  zitierter  Bemerkung  hervorgeht),  so 
darf  wohl  angenommen  werden , daß  sie  auch  anderen  unbekannt 
geblieben  sind.  Es  möge  daher  gestattet  sein , einige  diesbezüg- 
liche Stellen  hier  abzudrucken  und  einige  Ergänzungen  zuzufügen. 

Wir  lesen  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1881.  Beil.-Bd.  I.  p.  215: 

„Um  der  Lösung  jederzeit  ein  bestimmtes  spezifisches  Gewicht  geben 
zu  können,  bediene  ich  mich  statt  der  mißlichen  Verdünnung  mit  be- 
rechneten Wassermengen  der  folgenden  Methode : 

Man  stellt  eine  Reihe  von  Mineralien  her,  deren  spezifisches  Gewicht 
man  genau  bestimmt  hat  und  benützt  sie  zur  Einstellung  der  Lösung  auf 
bestimmte  Dichte  als  Indikatoren.  Durch  diese  markiert  man  nach 
einem  auf  die  mikroskopische  Untersuchung  resp  spezifische  Gewichts- 
bestimmung gegründeten  Plan  die  Grenzpunkte,  zwischen  denen  man  die 
Ausfällung  vornehmen  will.  Hat  man  z.  B.  zu  trennen:  Augit,  Horn- 
blende. Oligoklas.  Orthoklas,  so  führt  man  als  Indikatoren  ein:  Labrador 
und  Albit.  Es  fällt  beim  Einträgen  in  die  konzentrierte  Lösung  sofort 
der  Augit.  Beim  Verdünnen  bis  zum  Ausfallen  des  Labrador  sinkt  alle 
Hornblende  zu  Boden.  Vor  oder  mit  Albit  fällt  dann  der  Oligoklas  und 
nur  der  Orthoklas  bleibt  suspendiert.  Durch  eine  größere  Zahl  von  In- 
dikatoren kann  man  die  Grenzen  beliebig  eng  ziehen  und  die  reinen 
Körner  von  Zwischenprodukten  freier  halten.“ 

Verliandl.  geol.  Reichsanst.  Wien.  1883.  p.  68 : 

Die  hier  zu  betrachtenden  Indikatoren  sind  Körner  von  bestimmtem 
spezifischem  Gewicht,  die,  in  eine  schwere  Lösung  eingelegt,  bei  deren 
allmählicher  Verdünnung  bis  zu  einem  gewissen  Punkte  eben  suspendiert 
erscheinen  und  dadurch  das  augenblickliche  spezifische  Gewicht  der  Lösung 
anzeigen.  Sie  sind  dazu  bestimmt,  die  Grenzen  zu  markieren,  zwischen 


Ueber  Indikatoren  zur  mechanischen  Gesteinsanalyse  etc. 


41 


denen  man  die  Abscheidung  von  Gesteinselementen  in  schweren  Lösungen 
vornehmen  will  und  dürften  sich  zu  diesem  Zweck  allgemein  einführen. 
Für  den  Petrograplien  ist  es  daher  erforderlich , eine  Leihe  richtig  be- 
stimmter Indikatoren  zur  Hand  zu  haben,  von  der  er.  wie  aus  einem  Ge- 
wichtssatz, die  Körner  entnehmen  kann.  Jeder  kann  sich  nach  Bedarf 
eine  solche  Reihe  hersteilen , doch  ist  die  Beschaffung  des  Materials,  die 
Ausführung  der  spezifischen  Gewichtsbestimmungen  eine  zeitraubende 
Arbeit,  zu  der  sich  nicht  jeder  entschließt,  und  wäre  es  daher  jedenfalls 
wünschenswert,  wenn  man  solche  Indikatorensätze  gleich  fertig  kaufen 
könnte. 

Um  dies  einzuleiten,  der  Sache  einmal  greifbare  Gestalt  zu  geben 
und  die  eventuellen  Schwierigkeiten  zu  beseitigen . habe  ich  eine  Anzahl 
solcher  Indikatorenkästchen  selbst  hergestellt  und  dürfte  die  Mitteilung 
der  Gesichtspunkte  von  Interesse  sein , die  bei  einer  solchen  Zusammen- 
stellung maßgebend  waren. 

Grenzen.  Die  obere  Grenze  wurde  durch  die  Maximaldichte  der 
Jodidlösung  bestimmt,  da  mir  nur  diese  zurzeit  zu  Gebot  stand.  Wer  mit 
schwereren  Lösungen  arbeitet,  muß  die  obere  Grenze  entsprechend  hinauf- 
rücken. Als  untere  Grenze  habe  ich  den  Schwefel  (2,07)  genommen.  Dar- 
unter sind  petrographisch  wichtige  Mineralien  kaum  zu  finden.  Leichter 
sind  der  Mellit,  einige  Opale  und  Zeolithe,  die  Kohlen  und  Harze  usw. 

Intervalle.  Dieselben  sollen  im  allgemeinen  ca.  0,05  betragen, 
jedoch  in  dem  petrographisch  wichtigsten  Gebiet  (2,55 — 2,75)  etwas  enger 
sein  (ettva  0,03).  Hierin  wurde  eine  Gleichmäßigkeit  noch  nicht  erzielt, 
da  noch  nicht  genug  Mineralien  und  Fundorte  auf  ihr  spezifisches  Gewicht 
geprüft  wurden. 

Die  Zahl  der  Indikatoren  ergibt  sich  aus  Grenzen  und  Inter- 
vallen. Es  wurden  vorläufig  20  aufgenommen,  jedoch  in  dem  Kästchen 
noch  5 Räume  freigelassen,  damit  sich  jeder  nach  Bedarf  einige  zufugen 
könne. 

Material.  Es  war  zunächst  die  Frage,  ob  natürliche  Indika- 
toren (Mineralien)  oder  künstliche  zu  nehmen  seien.  Von  letzteren 
kommen  namentlich  Glasflüsse  in  Betracht.  Diese  haben  in  der  Tat 
manche  Vorzüge,  namentlich  den,  daß  man  ihnen  jedes  beliebige  spezifische 
Gewicht  geben  und  so  gleichmäßige  Intervalle  herstellen  kann.  Die 
glatte  Oberfläche,  die  man  durch  Guß  erzielt,  sowie  der  muschelige  Bruch 
gestatten  nicht  das  Festsetzen  von  Luftblasen.  Sie  sind  frei  von  Sprüngen 
und  Poren  und  homogen.  Dem  Übelstand , dass  man  ihren  Rang  nicht 
unmittelbar  am  Aussehen  erkennt,  könnte  man  durch  verschiedene  Faibe 
und  Form  begegnen.  Auch  beabsichtige  ich , einmal  eine  solche  Reihe 
herzustellen,  sobald  es  die  Zeit  erlaubt. 

Nicht  homogene  künstliche  Indikatoren,  etwa  hergestellt 
durch  mechanische  Verbindung  eines  schweren  und  eines  leichten  Materials, 
möchte  ich  nicht  empfehlen , da  jede  Beschädigung  oder  Abnutzung  das 
spezifische  Gewicht  ändert. 

Natürliche  Indikatoren  (Mineralien).  Bei  ihnen  ist  auf  folgendes  zu  achten  : 

Unangreifbarkeit  durch  die  Lösung  ist  natürlich  erstes  Erfordernis. 
So  sind  z B.  für  Borowolrramatlösung  die  Carbonat®  Dicht  zu  gebrauchen,  während  sie 
von  der  Jodidlösung  nicht  angegriffen  werden.  Metalle  sind  zu  vermeiden. 

Homogenität  ist  an  sich  nicht  erforderlich,  denn  es  muß  für  jedes  Indikator- 
korn, sozusagen  persönlich,  das  spezifische  Gewicht  bestimmt  worden  sein;  doch  ist  sie 


42 


V.  Goldschmidt, 


erwünscht,  damit,  wenn  der  Indikator  auch  beschädigt  wird  (und  das  kann  leicht  ge- 
schehen, ohne  daß  man  es  merkt),  sein  spezifisi  hes  Gewicht  nicht  verändert  werde. 

Dichtigkeit.  Der  Indikator  darf  nicht  porös  und  nioht  locker  sein,  damit  die 
Flüssigkeit  nicht  eindringe  und  ein  edrungei  e Flüssigkeit  von  anderer  Dichte  als  die 
umgebende,  oder  ein  getrocknete,  den  Indikator  falsch  mache. 

Härte  und  Festigkeit  sollen  möglichst  groß  sein,  denn  von  ihnen  hängt  die 
Dauerhaftigkeit  ab. 

Glatte  Oberfläche  ist  sehr  wesentlich,  da  sich  in  die  Unebenheiten  der  Ober- 
fläche Luftblasen  einklemmen,  die  auch  bei  gutem  Umrähren  sich  nicht  entfernen.  Am 
besten  sind  in  dieser  Beziehung  Stücke  mit  vollkommener  Spaltungsfläche,  spiegelnder 
Kristalloberfläche  oder  glasig  muscheligem  Bruch. 

Das  Aussehen  der  Körner  soll  möglichst  charakteristisch  sein,  so  daß  man  sofort 
das  Mineral  erkennt  und  eine  Verwechslung  nicht  stattfinden  kann. 

Größe.  8tarke  Erbsengroße  ist  die  geeignetste,  so  daß  das  Korn  sich  mit  der 
Pinzette  noch  bequem  fassen  läßt  und  doch  deuilich,  wie  eine  Fahne  unter  dem  Gesteins- 
pulver hervorragt. 

ReichlichesVorkommen  des  Minerals  und  leiohte  Beschaff  barkeit  ist  natür- 
lich wünschenswert,  damit  Mühe  und  Kosten  der  Herstellung  möglichst  gering  ausfallen. 

Es  dürfte  sich  empfehlen,  nicht  nur  zu  dem  Korn  eine  Etiquette  zu  legen,  auf  der 
das  spezifische  Gewicht  nebst  Name  und  Fundort  verzeichnet  sind,  sondern  auch  dem 
Ganzen  ein  Inhaltsverzeichnis  beizageben,  damit,  wenn  eine  Angabe  verwischt  wird  oder 
verloren  geht,  nicht  eine  neue  spezifische  Gewichtsbestimmung  erforderlich  wird. 


Seit  der  ersten  Einführung-  vor  nun  mehr  als  30  Jahren  sind 
meine  Indikatorenkästchen  stetig  verbessert,  die  Zahl  der  Indika- 
toren vermehrt  und  immer  passeudere  nach  Eigenschaften  und 
Intervallen  ausgesucht  worden. 

Jedes  Indikatorkorn  liegt  in  einem  Fach,  das  zugleich  die 
Angabe  von  Name  und  spezifischem  Gewicht  des  Indikators  ent- 
hält. Dasselbe  Verzeichnis  ist  in  den  Deckel  des  Kästchens  ein- 
geklebt. Die  neuesten  Kästchen  enthalten  zugleich , wo  nötig, 
eine  Aufzeichnung  der  Form  und  Farbe  des  Indikators,  so  daß  er 
eicht  erkannt  werden  kaun. 

Material  zu  den  Indikatoren.  Schon  in  der  oben  ab* 
gedruckten  Publikation  von  1883  wurde  die  Frage  diskutiert,  ob 
natürliche  Indikatoren  (Mineralien)  oder  künstliche  (Gläser)  zu 
nehmen  seien  und  die  Ausführung  von  gläsernen  Indikatoren  in 
Aussicht  genommen.  1896  besprach  ich  die  Frage  mit  Dr.  Schott 
in  Jena  und  erhielt  damals  und  auch  in  späteren  Jahren 
Gläser  aus  den  Vorräten  von  Schott  & Gen.  für  die  Indikatoren- 
kästchen. 

Damals  wurde  aufs  neue  die  Frage  erwogen,  ob  es  besser 
sei,  alle  Indikatormineralien  durch  Gläser  zu  ersetzen.  Ich  gab 
aber  dem  aus  Mineralien  und  Gläsern  gemischten  Satz  den  Vorzug 
aus  Gründen , die  mir  auch  heute  noch  maßgebend  sind.  Einige 
dieser  Gründe  mögen  hervorgehoben  werden. 


Ueber  Indikatoren  zur  mechanischen  Gesteinsanalyse  etc.  43 


1.  Die  natürlichen  wie  die  gemischten  Indikatoren  sind  nach 
ihrem  Aussehen  (auch  ohne  Nummer)  kenntlich.  Das  ist  beim 
Arbeiten  angenehm. 

2.  Der  Arbeitende  kann  seine  Skala  nach  oben  und  unten 
erweitern,  sowie  durch  Einschiebung  ergänzen.  Dafür  sind  in 
meinem  Kästchen  Plätze  freigelassen. 

Es  wird  aber  jeder  gern  den  Indikatorensatz,  mit  dem  er  ar- 
beitet, seinen  Wünschen  und  Bedürfnissen  anpassen. 

3.  Die  schweren  Gläser  sind  nicht  unempfindlich  gegen  den 
Angriff  der  Lösung.  Linck  hebt  dies  in  seiner  von  Krantz  aus- 
gegebenen Gebrauchsanweisung  hervor. 

Bei  den  natürlichen  Indikatoren  sind  gerade  unter  den  schwersten 
die  widerstandsfähigsten. 

4.  Es  erscheint  am  besten,  für  einen  Indikatorensatz  die  Vor- 
teile der  natürlichen  und  der  künstlichen  Indikatoren  zugleich 
auszunutzen. 

Allerdings  muß  durch  den  Hersteller  der  Kästchen  (nicht 
durch  den  Käufer)  für  jedes  Indikatorkorn  das  spezifische  Gewicht 
bestimmt  werden.  Dies  läßt  sich  nur  dann  mit  Vorteil  durch- 
führen, wenn  von,  jedem  Indikator,  sei  er  künstlich  oder  natürlich, 
eine  größere  Zahl  in  der  schweren  Lösung  gleichzeitig  suspen- 
dierter Körner  zur  Verfügung  steht.  Es  war  nicht  leicht,  das 
passende  Material  zu  beschaffen.  Dem  Käufer  und  Benutzer  der 
Indikatoren  ist  es  aber  nicht  wesentlich,  wie  der  Hersteller  die 
Schwierigkeiten  überwunden  hat. 

In  meinen  Kästchen  ist  die  Zahl  der  Indikatoren  nicht  ganz 
gleich.  Sie  richtet  sich  nach  dem  spezifischen  Gewicht  des 
verfügbaren  Materials , das  so  ausgewählt  wurde , daß  die  Ab- 
stände möglichst  gleichmäßige  sind.  Danach  schwankt  die  Zahl 
der  Indikatoren  im  Kästchen  zwischen  30  und  36.  (In  Linck’s 
Satz  24.) 

Ein  solches  Kästchen  enthält  beispielsweise  34  Indikatoren 
mit  den  folgenden  spezifischen  Gewichten. 


No. 

Sp.  G. 

No.  Sp.  G. 

No. 

Sp.  G. 

No.  Sp.  G. 

1 No. 

Sp.  G. 

No. 

Sp.  G. 

1 

2,060 

1 

7 2,311 

13 

2.531 

19  , 2,699 

25 

2,962 

31 

3,147 

2 

2,148 

8 2,363 

14 

2,552 

20  2,720 

26 

2,981 

32 

3,189 

3 

2,164 

9 2,404 

15 

2,570 

21  2,740 

27 

3,013 

33 

3.224 

4 

2,209 

10  2,448 

16 

2,612 

22  2,762 

28 

3,044 

34 

3,295 

5 

2,252 

11  2,476 

17 

2,646 

23  2,883 

29 

3,058 

— 

— 

6 

2,298 

12  2,492 

18 

2,661 

24  2,936 

30 

3,091 

— 

— 

44 


W.  Heeger, 

Es  ist  erfreulich,  daß  durch  Linck’s  Publikation  wieder  auf 
die  Nützlichkeit  solcher  Indikatorensätze  für  mineralogische  und 
petrographische  Untersuchungen  hingewiesen  wurde  und  es  ist  zu 
wünschen , daß  dieselben  in  beiderlei  Ausführung  zur  Förderung 
unserer  'Wissenschaft  beitragen  möchten. 

Heidelberg,  August  1912. 


Ueber  die  mikrochemische  Untersuchung  fein  verteilter 
Carbonate  im  Gesteinsschliff. 

Von  W.  Heeger  in  Jena. 

Im  folgenden  sollen  einige  Mitteilungen  gemacht  werden  über 
die  Erkennung  und  deutliche  Scheidung  von  Calcit  und  Dolomit 
in  Schliffen  solcher  Gesteine,  die  sie  in  feinster  Verteilung  und 
nebeneinander  enthalten  können,  und  ferner  über  die  gleichzeitige 
Feststellung  der  Teilnahme  von  FeO  an  ihrer  Zusammensetzung. 

Sehr  allgemein  wird  zur  Unterscheidung  von  Calcit  und  Dolo- 
mit im  Dünnschliff  die  sogenannte  „LEMBERG’sche  Lösung“  1 an- 
gewandt, eine  wässerige  Lösung  von  Al  Cl3  zusammengekocht  mit 
Blauholzextrakt,  unter  deren  Einwirkung  sich  auf  CaC03  ein 
blau  violett  gefärbter  Lack  von  Al(OH)3  bildet.  Da  aber  bei 
feinerer  Verteilung  des  Calcits  dieser  Lack  nur  schlecht  oder  gar- 
nicht  haften  bleibt,  müßte  die  Verwendung  dieses  Reagenses  in 
vielen  Fällen  zu  Irrtümern  Veranlassung  geben.  Dies  letzte  gilt 
auch  für  die  bekannte  „LixciUsche  Lösung“2 3  — NH4-Pliosphat 
mit  verdünnter  Essigsäure  — . deren  Wirkung  auf  dem  Nieder- 
schlag einer  schützenden  Decke  von  Struvit,  d.  i.  Mg-N  ^-Phos- 
phat, auf  dem  Mg-haltigen  Carbonat  beruht,  während  der  Calcit 
von  der  Essigsäure  weggelöst  wird.  — Zur  Erkennung  auch  fein 
verteilter  calcitischer  Massen,  z.  B.  auch  der  aus  zersetzten  Sili- 
katen gebildeten,  gibt  indessen  Lemberg  3 noch  eine  Reaktion  als 
dienlich  an,  die  nach  geeigneter  Anwendung  von  AgNG3  erst 
zur  Bildung  vonAg2C03  führt  und  schließlich  durch  Einwirkung 
von  K„Cr04  auf  eine  Fällung  von  Ag„  Cr  04  hinausläuft.  — Die 
Reaktion  scheint  sehr  empfindlich,  die  klare  rote  Farbe  des 
Ag2Cr04  an  allen  Stellen,  wo  CaC03  lag,  wird  außerordentlich 
deutlich  sichtbar.  Aber  nun  bemerkt  schon  Lemberg  selbst  als 
einen  allgemeinen  Übelstand  aller  solcher  chemischen  Methoden, 
besonders  wenn,  wie  hier,  die  Lösungen  längere  Zeit  und  bei 

1 Vergl.  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  1888.  p.  857 — 859.  — 
Ebenda  1892.  p.  824. 

- Vergl.  Abhandlungen  z.  geol.  Spezialkarte  v.  Els.-Lothr.  III,  1. 
p.  17.  (Ber.  üb.  d.  XVI.  Vers,  des  oberrh.  geol.  Ver.) 

3 Lemberg,  Mikrochem.  Untersuchungen  einiger  Mineralien.  Zeitschr. 
d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  1892.  p.  231. 


Ueber  die  mikrochemische  Untersuchung  etc. 


45 


erhöhter  Temperatur  einzuwirken  haben,  daß  sich  diese  iu  Risse 
•ziehen,  infolgedessen  nicht  genügend  auswaschen  lassen  und  mit 
anderen  Lösungen  in  Wechselwirkung  treten,  daher  auch  gerade 
bei  dieser  Methode  eine  Verifizierung  des  Carbonats  durch  eiue 
Säureprüfung  nicht  zu  umgehen  sei.  Das  macht  ohne  weiteres 
verständlich,  daß  diese  Methode  in  locker  und  fein  gefügten  Ge- 
steinen zur  ersten  Auffindung  vonCaC03  usw.  nichtsehr  bequem 
ist.  — Es  sind  nun  noch  eine  ganze  Reihe  anderer  Unter- 
scheidungsarten bekannt  geworden,  teils  zur  flüchtigen  Erkennung1 
der  Mengenverhältnisse  von  CaO  und  MgO,  teils  zu  quantitativer 
Trennung  und  auch  für  die  mikroskopische  Prüfung.  Auf  diese 
letzten  muß  ich  hier  im  Hinblick  auf  die  danach  zu  erörternde 
Methode  etwas  näher  eingehen : Eine  von  Fr.  Hinden  2 im  Jahre 
1904  als  „neu“  bezeiclmete  Methode  durch  Braunfärbung  des 
Calcits  unter  Einwirkung  von  Fe  Cl3-Lösung,  eventuell  in  Verbin- 
dung mit  der  „Säureprüfung“,  geht,  wie  Thugutt3  dargetan  hat, 
•auch  schon  auf  den  Altmeister  all  dieser  mikrochemischen  Metho- 
den, Lemberg4,  zurück.  Sie  hat  den  großen  Nachteil,  daß  natür- 
lich etwa  schon  vorhandene  Fe-Hydroxydmassen  außerordentlich 
störend  wirken  müssen ; und  dieser  Nachteil  bleibt  bestehen,  wenn 
man  das  Fe-Hvdroxyd  durch  (N  H()„  S in  schwarzes  FeS  über- 
führt, ja  es  wird  unter  Umständen  durch  vorhandene  Erzkörner, 
organische  Substanzen  usw.  die  Schärfe  des  Bildes  noch  mehr 
beeinträchtigt5 6 7.  Lemberg  hat  daher,  um  zugleich  bessere  Dauer- 
präparate zu  erhalten , schließlich  das  Fe  S noch  durch  Be- 
handlung mit  Ferri cyankalium , K3Fe(CN)fi,  in  Turnbulls-Blau, 
Fe3 [Fe (C N)fi]0 , übergeführt Bedenkt  man  noch,  daß  wegen 
der  leichten  Oxydierbarkeit  des  FeS  alles  möglichst  rasch  er- 
folgen muß , was  eine  oft  erwünschte  genaue  Überwachung  der 
einzelnen  Vorgänge  ausschließt , so  wird  man  schließlich  gegen- 
über solch  mehr  oder  weniger  umständlichen  Methoden  es  vor- 
ziehen , sich  wenigstens  für  die  Gesteine , wo  Calcit  nur  in 
kleinsten  Körnchen  vorhanden  sein  kann,  auf  die  Behandlung  mit 
geeignet  verdünnten  Säuren  zu  beschränken. 

Der  mikrochemische  Nachweis  des  Fe  0 nach  einer  zuerst 
von  K.  Krech  ' angegebenen  Methode  führte  mich  nun  nach  ver- 

1 Z.  B.  Cornu,  Dies.  Centralbl.  1906.  p.  550;  vergl.  ferner  2 Hinden. 

2 Fr.  Hinden,  Neue  Reaktion  zur  Unterscheidung  von  Calcit  und 
Dolomit.  Verhandl.  d.  Naturf.  Ges.  in  Basel  1904.  15.  (2.)  201.  Referat 
hierüber  von  M.  Bauer  im  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1905.  I.  p.  23. 

3 Dies.  Centralbl.  1905.  p.  265. 

4 Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Gesellscli.  1887.  p.  489  ff. 

5 Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  1888.  p.  357. 

6 Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  1892.  p.  823. 

7 K.  Krech,  Beitrag  zur  Kenntnis  der  oolithisclien  Gesteine  des 

Muschelkalks  um  Jena.  Inaug.-Diss.  Jena.  Auch:  Jahrb.  d.  K.  Preuß, 
geol.  Landesanst.  1909.  I.  p.  59 — 133. 


46 


W.  Heeger, 


scliiedenen  Versuchen,  gegründet  auf  die  Tatsache  eines  geringen 
FeO-Gehaltes  in  den  meisten  Gesteinscarbonaten,  zu  einer  in  sehr 
vielen  Fällen  brauchbaren  Unterscheidungsart  von  Calcit  und 
Dolomit  und  zur  deutlichen  Sichtbarmachung  auch  kleinster  car- 
bonatischer  Teilchen. 

Krech  behandelte,  um  nachzuweisen,  daß  ein  Dolomitmineral 
in  von  ihm  untersuchten  Gesteinen  Fe-haltig  sei,  den  Schliff  mit 
einer  frisch  bereiteten  Ferricyankaliumlösung,  der  er  einige  Tropfen 
verdünnte  HCl  — es  soll  noch  keine  sichtbare  C 02-Entwicklung 
auftreten  — zusetzte.  „Unter  ihrer  Einwirkung  färbten  sich  die 
Dolomitkörner  deutlich  blau  ....  Calcit  dagegen  nicht“  .... 
„wenngleich  Geduld  nötig  ist“  l. 

Bei  den  Versuchen , dies  Reagens  überhaupt  zur  Unter- 
scheidung von  Calcit  und  Dolomit  brauchbar  zu  machen , zeigte 
sich  nun,  daß  hinsichtlich  der  Mengenverhältnisse  der  daran  be- 
teiligten Stoffe  gerade  das  Umgekehrte  als  das  oben  angegebene 
dienlicher  ist:  Ist  das  betreffende  Carbonat  durch  die  HCl  nur 
genügend  angegriffen,  dann  reicht  die  geringste  Spur  von  Ferri- 
cyankalium  aus,  um  die  Blaufärbung  zu  bewirken.  Als  ziemlich 
allgemein  brauchbar  erwies  sich  eine  Lösung,  in  der  auf 

etwa  2 — 3 ccm  ungefähr  ^ HCl  einige  Tropfen  Ferri- 
cyankaliumlösung zugesetzt  waren.  Mit  noch  stärker 
verdünnter  HCl  oder  mit  Essigsäure  verläuft  die  Reaktion  be- 
sonders für  den  Dolomit  zuweilen  unbequem  langsam. 

Im  folgenden  seien  die  bisherigen  Resultate  kurz  zusammen- 
gefaßt : 

Der  Verlauf  der  Reaktion  wird  u.  d.  M.  verfolgt.  Ist 
Calcit  vorhanden,  so  muß  sich  wegen  der  für  dies  Carbonat  ja 
noch  immer  starken  Säure  sofort  auch  eine  noch  ziemlich  lebhafte 
CO,-Entwicklung  bemerkbar  machen.  Sind  die  calcitischen  Massen 
sofort  in  großer  Verbreitung  erkannt,  so  empfiehlt  sich  wohl,  das 
Reagens  gleich  oder  nach  wenigen  Sekunden  abzuspülen,  um  die 
weitere  Auflösung  zu  verhüten.  Zugleich  hat  sich  das  Carbonat 
intensiv  blau  gefärbt,  wenn  es  nicht  vollkommen  Fe-frei  ist, 
worauf  ich  noch  (p.  50)  zurückkommen  w'erde. 

Bei  der  von  Lemberg  erwähnten  langwierigen  Behandlung, 
die  schließlich  auch  auf  Turnbulls-Blau  hinauslief,  bemerkt  jener 
bereits,  daß  sich,  indem  der  blaue  Farbstoff  schwindet,  kleine 
weiße  Stellen  in  den  blauen  Feldern  bilden.  Sind  nun  aber  die 
Calcitkörner  kleiner  oder  liegen  sie  nicht  eng  beieinander,  wie 
z.  B.  oft , w'enn  wir  es  mit  calcitischem  Füllmaterial  in  Sand- 
steinen zu  tun  haben , so  braucht  man  bei  der  neuen  Methode 
nicht  so  ängstlich  zu  sein.  Es  verschwindet  zwar  bei  längerer 


1 1.  c.  p.  68.  1. 


Ueber  die  mikrochemische  Untersuchung  etc. 


47 


Einwirkung  das  Carbonat  bald  vollkommen  und  die  Stelle  wird 
isotrop,  aber  die  blaue  Farbe  bleibt  bei  nicht  allzu  heftigem 
Abspiilen  liegen  und  bedeckt,  bei  kleinem  Korn,  das  ganze  Feld. 
— Mit  dieser  Methode  ließen  sich  auch  äußerst  fein  verteilte1 
carbonatische  Massen  ermitteln,  indem  oft  unter  einem  oder  wenigen 
sich  bildenden  Bläschen  ein  blaues  Pünktchen  zu  beobachten  war, 
oft  mitten  zwischen  anderem  — dolomitischen  — Carbonat  den 
Calcit  verratend  oder  wenigstens  das  Carbonat1  zwischen  den 
in  so  feiner  Verteilung  ja  ähnlich  bunt  irisierenden  Glimmern, 
Gipsen  usw. , wo  es-  dem  Auge  allein  entgehen  mußte , und  um- 
gekehrt : Erkennung  von  Glimmer , Gips  usw.  zwischen  Carbonat. 
(Färben  sich  z.  B.  auf  dem  klastischen  Material  in  Sandsteinen 
auch  staubförmig  verteilte  dünnste  Mengen  blau,  so  wird  man  wohl 
nicht  fehlgehen,  sie  für  feinste,  beim  Schleifen  verriebene  Massen 
anzusprechen.) 

Ist  nun  Dolomit  oder  ein  anderes  schwerer  angreifbares 
Carbonat  als  CaC03  bezw.  (Ca,  Fe)C03  vorhanden,  so  wirkt  das 
Reagens  allmählich,  je  nach  der  Angreifbarkeit  des  betreffenden  Car- 
bonats , ohne  Gasentwicklung  oder  Auflösung.  Wir  beobachten 
u.  d.  M.,  bis  uns  die  Färbung  — gelblichgrün  infolge  der  Durch- 
sicht durch  den  Tropfen  der  Lösung  — kräftig  genug  erscheint : 
dies  ist  oft  schon  nach  einer  Minute  oder  weniger,  oft  erst  nach 
^ Stunde  oder  mehr  der  Fall,  doch  ist  sie  selbst  dann  noch  nicht 
so  intensiv  blau  wie  sofort  bei  Calcit,  im  Gegenteil  fast  immer 
etwas  trüb.  Es  macht  sich  eben  hier  die  auch  bei  Behandlung 
nur  mit  Säure  besonders  nach  dem  Trocknen  zu  beobachtende 
Trübung  durch  Bildung  von  Chloriden  — bei  LmcK’scher  Lösung' 
statt  dessen  Struvit  — bemerkbar.  Zu  beachten  ist,  daß  her- 
nach durch  das  Trocknen  die  Intensität  des  besonders  im  auf- 
fallenden Lichte  schönen  Blaus  noch  wesentlich  steigt.  — Während 
nun  bei  Calcit  mit  dem  Auf  hören  der  C02-Entwicklung  auch  die 
Färbung  beendet  ist,  fehlt  ein  solches  Kriterium  beim  „unlös- 
lichen“ Dolomit:  Sicher  ist,  wenn  die  Färbung  sehr  bald  erscheint, 
aber  auch  nach  vielleicht  10  Minuten  kaum  stärker  geworden 
ist,  daß  dann  nichts  weiter  zu  erwarten  und  somit  ein  nur  ge- 
ringer Fe-Gelialt  vorhanden  ist.  Geht  sie  indessen  immer  weiter 
und  führt  schließlich  bei  übertrieben  langer  Dauer  zu  einem  tief- 
dunkelblauen Lack,  so  muß  man  auf  höheren  Fe-Gehalt  schließen. 
Es  liegt  nun  nahe  anzunehmen,  je  höher  der  Fe-Gehalt,  desto 
langsamer  würde  die  Färbung  beginnen,  weil  der  Fe-Gehalt  die 
„Löslichkeit“  der  Carbonate  herabzudrücken  scheint.  Und  in  der 
Tat  fand  sich  des  öfteren  eine  Übereinstimmung  dieser  Ansicht 
mit  dem  analytischen  Befunde.  Aber  es  hat  sich  herausgestellt, 
daß  man  auch  bei  baldigem  Beginn  der  Anfärbung  nicht  ohne 


Vergl.  hierzu  noch  hier  p.  50. 


48 


W.  Heeger, 


weiteres  auf  geringen  Fe-Gelialt  schließen  darf.  Denn  dieser 
Anfangspunkt  des  Sichtbarwerdens  der  Einwirkung  ist  ja.  außer- 
ordentlich stark  durch  physikalische  Eigenschaften  beeinflußt: 
Korngröße,  feine  Zerreißung,  die,  wie  längst  experimentell  er- 
wiesen *,  die  Löslichkeit  erhöht,  Rauhigkeit  der  Oberfläche,  Spal- 
tungstracen  — kurz,  alle  die  Oberflächenenergie  beeinflussenden 
Eigenschaften  der  Minerale  müssen  die  Wirksamkeit  der  Säure 
auf  das  Carbonat  verändern,  wie  sich  denn  die  Reaktion  auch 
immer  an  all  den  locis  minoris  resistentiae  zuerst  bemerkbar 
macht.  Sie  veranschaulicht  demnach  vor  allem  auch  die  Angreif- 
barkeit des  betreffenden  Carbonates. 

Weitere  Erfahrungen  verdanke  ich  einigen  Versuchen,  die 
von  Herrn  GnüxBERG-Jena  an  Schliffen  von  quantitativ  analysierten 
Mineralien  vorgenommen  wurden : Es  zeigte  sich  hier,  daß  bei 
eigentlichem  „ Dolomit“  ein  geringer  Unterschied  im  Fe-Gehalt 
auf  deu  Anfangspunkt  der  Sichtbarwerdung  der  Anfärbung  nicht 
merklich  verschiebend  einwirkt,  so  daß  wohl  aus  der  verschiedenen 
Intensität  der  Färbung  nach  der  gleichen  Zeit  der  Eiuwirkung  auf 
annähernd  proportional  verschiedenen  Fe-Gehalt  geschlossen  werden 
darf.  Im  allgemeinen  waren  bei  GrCnberg’s  Versuchen  „ Calcit  “ in 
wenigen  Sekunden,  „Dolomit“  und  „Aukerit“  in  5 Minuten  völlig- 
gefärbt,  .Magnesit“  und  _ Braunspat ' begannen  sich  nach  ^ Stunde 
zu  färben;  anderseits  dauerte  es  wieder  bei  einem  „ Anker it“  mit 
20°/oFeC03  etwa  30  Minuten,  bis  eine  einigermaßen  sichtbare 
Färbung  erzielt  wurde. 

Ich  glaube  daher  doch,  daß  im  ganz  frischen  Zustand  auch 
bei  den  „Dolomiten"  ein  höherer  Fe-Gehalt  den  Beginn  der  An- 
färbuug  verzögern  wird.  Sobald  aber  das  Carbonat  auch  chemisch 
schon  etwas  angegriffen  ist,  wird  die  Widerstandsfähigkeit  be- 
deutend herabgedrückt:  So  ließ  sich  des  öfteren  dort,  wo  sich 
aus  dem  Dolomit  Fe-Hvdroxyd  ausgeschieden  hatte,  eine  bedeutend 
schnellere  Anfärbung  feststellen,  als  bei  noch  unzersetztem  Mineral, 
so  daß  sich  daraus  der  zunächst  paradox  klingende  Schluß  ergibt, 
daß  dies  „Fe  O-Reagens“  bisweilen  das  FeO  am  schnellsten  anzeigt, 
wo  das  wenigste  FeO  vorhanden  ist. 

Eine  besonders  interessante  Erscheinung  ist  das  Auftreten 
von  mehr  oder  weniger  zonar  verlaufender  Verschiedenheit  oder 
überhaupt  von  Inhomogenitäten  in  der  Einwirkung,  wie  sie 
sowohl  von  Grünberg  an  Mineralschliften,  wie  von  mir  bei  car- 
bonatischem  Füllmaterial  in  Sandsteinen  gefunden  wurden:  Im 
letzteren  Fall  blieb  bisweilen  um  einen  mittleren  sofort  gefärbten 
Kern  mit  scharfer  Grenze  ein  äußerer  Rand  fast  oder  ganz  un- 
gefärbt, ging  aber  doch  auch  gleich  in  Lösung,  was  nur  auf 
verschiedene  Verteilung  und  z.  T.  vollkommenes  Fehlen  von  Fe- 


Vergl.  W.  Ostwalu,  Zeitschr.  f.  phys.  Chemie  etc.  1900.  p.  495 — 503. 


lieber  die  mikrochemische  Untersuchung  etc. 


49 


Gehalt  zurückzufüliren  ist.  Verfällt  bei  solchen  „Verwachsungen“ 
alles  bald  der  Auflösung,  so  ist  es  ziemlich  unwahrscheinlich, 
daß  „Dolomit“  beteiligt  ist,  zumal,  wie  Grünberg  nachgewiesen 
hat,  CaFeC206  immer  noch  leichter  löslich  ist  als  CaMgC2  06. 
Es  sei  aber  bemerkt,  daß  sich  ganz  ähnliche  Verwachsungen  auch 
im  Dolomit  in  denselben  Gesteinen  finden1.  Ob  auch  Verwach- 
sungen von  „Calcit“  und  „Dolomit“  2 Vorkommen,  wie  sie  andere 
mit  „LEMBERG’scher  Lösung“  nach  gewiesen  haben  sollen,  gelang 
mit  dem  Reagens  bisher  nicht  einwandfrei  festzustellen,  obwohl 
schon  durch  sofortige  Wiederabspülung  oder  Verwendung  schwächerer 
Säure  eine  bessere  Überwachung  des  Vorgangs  ermöglicht  wurde. 
Es  ist  zunächst  zu  bedenken,  falls  es  wirklich  innige  Verwach- 
sungen verschiedener  Carbonate,  die  sich  nicht  bloß  durch  ihren 
Gehalt  an  FeO  unterscheiden,  gibt,  daß  dann  natürlich  die  an  dem 
leichter  angreifbaren  Teile  einsetzende  Auflösung  sich  auch  auf 
den  anderen  leichter  verpflanzen  wird,  also  dieser  Teil  dann  auch 
leichter  der  Auflösung  und  somit  der  Einwirkung  irgendwelcher 
Reaktionen  verfallen  muß,  als  wenn  er  allein  bestände.  — Ander- 
seits ist  es  nicht  ausgeschlossen,  daß  gei’ade  lediglich  der  Wechsel 
im  FeO-Gelialt  zu  Täuschungen  Veranlassung  gibt.  Ich  glaube 
z.  B.  auch,  wenn  Lemberg  meint,  daß  der  Fe  C 03-Gehalt  während 
nur  kurzer  Einwirkung  bei  der  Fe  C13-(N  H4)2  S-Methode  nicht 
störe,  doch,  daß  es  gerade  auf  diesen  zurückzuführen  ist,  wenn 
bei  seiner  Weiterbehandlung  mit  Ferricyankalium  die  mit  Turn- 
bulls  Blau  bedeckten  Stellen  nicht  gleichmäßig  gefärbt  wurden, 
sondern  hier  „hellblaue  und  dunkelblaue  Stellen“  abwechselten. 
Gerade  dort,  wo  eben  die  chemischen  Verhältnisse  nicht  so 
gleichmäßig  und  einfach  sind,  gibt  die  neue  Methode,  die  nicht 
erst  Fe  zuführt,  sondern  den  meist  ab  ovo  vorhandenen  Fe-Gehalt 
der  Carbonate  benutzt,  hierüber  wenigstens  einen  gewissen  Auf- 
schluß. Es  hat  sich  durch  Vergleichsversuche  so  gut  wie  einwand- 
frei erwiesen,  daß,  wo  die  Behandlung  mit  „LEMBERG’scher  Lösung“ 
oder  auch  der  „AgN  03 — K2  Cr  04-Methode“  eine  nicht  gleichmäßige 
Wirkung  hervorrief,  wie  zonare  oder  sogar  gesprenkelte , bis- 
weilen auch  „schriftgranitische“  Verteilung,  daß  in  diesen  Ge- 
steinen eben  Kriställchen  vorliegen,  die,  scheinbar  homogen,  an 
verschiedenen  Stellen  verschiedenen  Fe-Gehalt  aufweisen.  Manch- 
mal zeigen  sich  solche  Inhomogenitäten  auch  schon  durch  geringe 
Triibungs-  oder  Farbenunterschiede  ohne  weiteres  an,  ferner  auch 
durch  auffällige  Auslöschung  zwischen  + Nicols 3. 


1 Vergl.  Heeger,  Petrogenet.  Stud.  üb.  d.  unt.  u.  mittl.  Btsdst.  i. 
östl.  Thür.  Inaug.-Diss.  Jena.  1912. 

2 Vergl.  Heeger,  1.  c.  Coomäraswämy  , Q.  J.  G.  S.  1902.  p.  412. 
Skeats,  Q.  J.  G.  S.  1905.  PI.  X. 

3 Vergl.  auch  K.  Krech,  1.  c.  p.  69  u.  Hef.ger,  1.  c. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


4 


50  W.  Heeger,  Ueber  die  mikrochemische  Untersuchung  etc. 

Bei  ganz  feinem  Korn 1 wird  sich  wohl  überhaupt  eine 
ganz  einwandfreie  Unterscheidung,  ob  Calcit  oder  Dolomit  vor- 
liegt, kaum  verwirklichen  lassen.  Schon  mechanische  Zerreibungen, 
z.  B.  in  Sandsteinen  durch  klastischen  Quarz,  oder  auch  nach- 
trägliche vielleicht  beim  Schleifen  entstandene  Kratzer  machen 
sich  sofort  durch  schnelle  Anfärbung  bemerkbar:  Da  wird  sich 
manches  Mal  auch  aus  Dolomit,  selbst  bei  der  schwachen  Säure, 
C 02  entwickeln.  Man  kann  dann  nur  noch  ans  Analogien 
schließen. 

Tritt  überhaupt  keine  Färbung  auf,  was  sich  in  Gesteins- 
schliffen an  einigen  Calcitkörnern  ausnahmsweise  beobachten  ließ 
— bei  Dolomit  bisher  noch  nicht  — , so  scheint  es  in  diesen  Ge- 
steinen immer  so,  als  ob  es  sich  um  eine  Neuausscheidung  nach 
einer  mehr  oder  weniger  weit  fortgeschrittenen  Auflösung  handelt. 
So  fanden  sich  Fe-freie  Umwachsungen  um  abgerundete  Fe-haltige 
Kerne.  Die  Umwandlungen  fanden  offenbar  unter  Bedingungen 
statt,  unter  denen  Fe"  nicht  mehr  bestehen  konnte;  es  wurde  zu 
Fe'"  oxydiert,  infolgedessen  bei  dem  Wiederabsatz  des  CaC03 
nicht  wieder  mit  aufgenommen  und  hinterblieb  als  Hydroxyd. 

[Anmerkung:  Da  sich  auch  in  dem  von  Krech  untersuchten 
Gestein  der  Calcit  nicht  färbte,  handelt  es  sich  dort  vielleicht  ebenso  um 
eine  Neuausscheidung.  Daß  hier  bei  Zerstörungen  „nur  Dolomit  der  Auf- 
lösung verfiel“ 2,  ist  mit  obiger  Ansicht  ebenfalls  zu  vereinbaren,  während 
Kr.  ungewöhnliche  Lösungsbedingungen  annebmen  zu  müssen  glaubt.  — 
Ganz  etwas  Ähnliches  — frischen  Calcit  neben  stark  zerfressenem  Dolo- 
mit — fand  ich  in  einem  Buntsandsteinkonglomerat3.  — Vielleicht  ban- 
delt es  sich  ferner  auch  bei  den  von  Kr.  beschriebenen  „Pseudomorphosen 
von  Aggregaten  nach  Individuen“ 4 um  Ausscheidung  von  Ca  C 0,-Kriställ- 
chen  an  der  Stelle  ursprünglicher  größerer  Fe-Dolomitkristalle ; denn 
auch  hier  fehlt  die  Begleitung  von  Fe-Hydroxyd  nicht,  und  die  gute  primär- 
rhomboedrische  Umgrenzung  der  Aggregate  spricht  für  Dolomit.] 

Läßt  sich  nach  allem  Gesagten  aus  dieser  mikrochemischen 
Methode,  namentlich  bei  Beachtung  der  Zeitdauer  und  möglichster 
Gleichartigkeit  der  geprüften  ‘ Stellen  in  physikalischer  Hinsicht, 
immerhin  bis  zu  einem  gewissen  Grade  ein  Schluß  auf  die  Stärke 
der  Beteiligung  von  Fe  neben  der  Unterscheidung,  ob  Calcit  oder 
Dolomit  vorliegt,  fällen,  so  ist  doch  an  eine  Benutzung  solcher 
Arten  von  chemischen  Einwirkungen  auch  zu  quantitativen 
Trennungen  nur  mit  Vorsicht  heranzugehen,  wie  es  Htnden  für 
die  Fe  Cl3-Methode  vorschlägt  und  neuerdings  Mahler  a mit  einer 


1 Man  beachte  auch  die  enorme  Vergrößerung  bei  Skeats,  1.  c. 
Taf.  XII  Fig.  1. 

2 Krech,  1.  c.  p.  69. 

3 Vergl.  Heeger,  1.  c. 

4 1.  c.  p.  66  u.  T.  VI.  1. 

ä Inaug.-Diss.  Freibnrg  1906. 


K.  Olbriclit,  Neue  Beobachtungen  im  Diluvium  etc. 


51 


Cu-Nitratlösung  ausgefiilirt  hat:  Dies  mag  für  im  Laboratorium 
hergestellte  reine  Präparate  bei  gleichen  Zeiträumen  der  Einwir- 
kung einwandfreie  Resultate  liefern,  wie  sich  kürzlich  bei  Unter- 
suchungen von  K.  Spangenberg  1 mit  gutem  Erfolge  gezeigt  hat ; 
aber  bei  natürlichen  Carbonaten  werden  oft,  ohne  daß  man  es 
ahnt,  allerhand  Beimengungen,  also  vor  allem,  wie  gezeigt,  die 
gerade  hier  benutzten  Fe-Salze,  je  nach  ihrem  Prozentsatz  auf 
die  Energie  der  Reaktion  und  somit  auf  deren  Leistung  in  be- 
stimmter Zeit  einen  stark  verschiebenden  Einfluß  ausüben  müssen. 

Die  Vorteile  dieses  „Ferricyankalium-Säure-Reagenses“  für 
m ikrochemische  Untersuchungen  indessen  seien , abgesehen 
von  der  jederzeit  rasch  erzielten  Gebrauchsfertigkeit  — die  „Lem- 
BERG’sclie  Lösung“,  umständlich  herzustellen,  läßt  bekanntlich  leicht 
nach  — noch  dahin  zusammengefaßt,  daß  sich  in  ihm  die  „Säure- 
prüfung“, die  Prüfung  ob  Calcit  oder  Dolomit,  deren  Sichtbar- 
machung durch  Anfärbung,  d.  h.  in  manchen  Fällen  überhaupt 
das  Auffinden  von  Carbonat,  endlich  der  Nachweis  des  FeO  und 
der  durch  den  Fe-Gehalt  etwa  bedingten  Inhomogenitäten  in  einer 
einzigen,  bei  gewöhnlicher  Temperatur  in  ihrer  Wirkung  schnell 
genug  sichtbar  werdenden  Reaktion  vereinigen. 

Jena,  Mineralogisches  Institut,  Oktober  1912. 


Neue  Beobachtungen  im  Diluvium  der  Umgebung 
von  Hannover. 

Von  K.  Olbricht. 

Mit  6 Textfiguren. 

Im  Jahre  1910  hatte  ich  Gelegenheit,  die  Aufschlüsse  in  der 
glazialgeologisch  noch  wenig  bekannten  Umgebung  von  Hannover 
zu  begehen.  Über  die  Ergebnisse  dieser  Untersuchungen  habe 
ich  kurz  im  Globus  berichtet  (I.)  und  kam  zu  folgenden  An- 
schauungen : 

Die  AVürm Vereisung  (dritte  Vereisung  des  Landesanstalt) 
überschritt  in  zwei  großen  Zungen  noch  das  Allertal,  ihre  Sandr 
liegen  dicht  im  Norden  der  Stadt  Hannover  vor  mehreren  End- 
moränenbögen. Das  ostwestlich  gerichtete  Leinetal  von  Hannover  bis 
Wunstorf  ist  wahrscheinlich  durch  den  Rand  des  Würmeises  bedingt; 
vorher  floß  die  Leine  — wie  Schotter  zeigen  — in  der  breiten 
wiesenbedeckten  Senke,  die  heute  von  der  Wietze  benutzt  wird1 2. 

1 Inaug.-Diss.  Jena  1912. 

2 In  einer  Arbeit  über  „äußere  Jungendmoränen  in  Norddeutschland“ 
(Zeitschr.  f.  Gletscherkunde.  1912.  p.  250  usw.)  kommt  Werth  zu  einer 
Begrenzung,  die  der  Wirklichkeit  nicht  immer  entspricht.  Da  seine  Arbeit 
zudem  stellenweise  auf  nicht  hinreichender  Orts-  und  Literaturkenntnis 
aufgebaut  ist,  werde  ich  an  anderer  Stelle  auf  dieselbe  zurückkommen. 

4* 


52 


K.  Olbricht,  Neue  Beobachtungen 


Außerhalb  des  vom  Würmeise  bedeckten  Gebietes  stehen  die 
stark  eisenschüssig  verwitterten  Ablagerungen  der  älteren  Riß- 
vereisung an,  sie  bestehen  aus  liegenden  Sanden,  denen  eine  Grund- 
moräne aufgelagert  ist,  die  meist  sandig  verwittert  ist,  ohne  je- 
doch von  jüngeren  Decksanden  überschüttet  zu  sein.  Daraus  schloß 
ich  schon  früher,  daß  die  eiszeitlichen  Gletscher  beim  Vorrücken 
mächtige  Sande  aufschütteten,  diese  dann  mit  einer  Grundmoränen- 
decke bedeckten , die  zumeist  noch  heute  die  Oberfläche  bildet, 
ohne  von  jüngeren  Decksanden  überschüttet  zu  sein.  Daraus  sich 
ergebende  Folgerungen  über  den  Aufbau  des  typischen  Diluvial- 
protils  habe  ich  schon  vor  Jahren  gezogen  und  formuliert  (II. 
p.  613).  Ihre  Bewahrheitung  würde  um  so  wichtiger  werden,  als 
durch  sie  auch  die  von  Passarge  (III.  p.  257  usw.)  aufgestellte 


These,  daß  den  vier  alpinen  Schottern  nur  zwei  Vereisungen  zu 
entsprechen  brauchen,  als  durchaus  hypothetisch  hingestellt  werden 
müßte. 

Die  Schichten  dieser  älteren  Vereisung  werden  von  einer 
Lößdecke  überkleidet  und  sind  mehrfach  zu  Moränen  wällen  auf- 
gepreßt. Eine  Mehrteilung  des  älteren  Diluviums  ist  nicht  un- 
möglich, aber  durch  keinerlei  zwingende  Aufschlüsse  zu  beweisen. 

Im  Sommer  dieses  Jahres  konnte  ich  meine  Studien  neu  auf- 
nehmen und  mehrfach  erweitern.  Es  gelang  mir  nicht  nur,  zahl- 
reiche neue  Moränenwälle  aufzufinden,  sondern  auch  die  Lößgrenze 
genauer  festzulegen.  Einen  kurzen  Auszug  aus  diesen  Beobach- 
tungen habe  ich  schon  kurz  an  anderer  Stelle  gegeben  (IV.)  und 


im  Diluvium  der  Umgebung  von  Hannover. 


53 


durch  eine  Karte  erläutert.  In  den  folgenden  Zeilen  möchte  ich 
noch  etwas  eingehender  auf  diese  Beobachtungen  zurückkommen, 
da  sie  für  das  Verständnis  der  Glazialgeologie  dieser  Gegend 
nicht  unwichtig  sind. 

Westlich  von  Springe  liegen  zu  beiden  Seiten  der  nach 
Münder  führenden  Landstraße  mehrere  Hügel,  die  durch  ihren 
Sandreichtum  schon  auf  dem  Meßtischblatt  dieser  meist  aus  festem 
Gestein  aufgebauten  Gegend  auffallen.  Die  Begehung  zeigt,  daß 
diese  nach  allen  Seiten  hin  abfallenden  Hügel  die  Erosionsreste 
eines  zungenförmig  angeordneten  Moränenwalles  sind  (Fig.  1). 
Mehrfach  ist  dieser  durch  tiefe  Gruben  aufgeschlossen.  Es  ergibt 
sich  folgendes  Gesamtbild:  Über  mächtigen,  oft  gestauchten  Sanden 
mit  eingelagerten  Tonlinsen  lagern  eisenschüssig  verwitterte  Schotter, 
die  z.  T.  offenbar  nur  Umlagerungsprodukte  sind,  die  Decke  wird 
von  Resten  einer  Grundmoräne  gebildet.  Die  Schichten  sind  mehr- 
fach stark  gestört,  so  daß  die  Sande  Linsen  in  den  Schottern 
bilden.  An  den  Flanken  liegen  Lößlehme,  die  bis  zu  2 m mächtig 
werden,  jedoch  die  höchsten  Spitzen  frei  lassen.  Es  handelt  sich 
hier  um  sehr  schön  erhaltene  Reste  von  Aufpressungsmoränen, 
die  an  einem  zungenförmigen  Eisrande  entstanden  und  sich  wahr- 
scheinlich zur  Zeit  eines  lokalen  Vorstoßes  während  der  Abschmelz- 
zeit bildeten. 

Weitere,  bis  zu  15  m Tiefe  aufgeschlossene  Endmoränenwälle 
linden  wir  im  Norden  von  Hachmühlen.  Den  hier  aufgeschlossenen 
gefalteten  Sanden  und  Kiesen  ist  eine  stark  zementierte  Schicht 
eingelagert,  die  möglicherweise  einer  älteren  Vereisung  entspricht. 

Einen  wundervollen  Moränenwall  bildet  das  im  Westen  von 
Münder  sich  erstreckende  Massiv  des  Eilenberges,  das  weithin  das 
Landschaftsbild  beherrscht  und  bis  40  m die  Umgebung  überragt. 

Die  tiefsten  Aufschlüsse  liegen  bei  Hamelspringe  in  130  m 
Meereshöhe.  Hier  liegen  als  Basis  kalkhaltige,  stark  zementierte 
Schotter  (Fig.  2 ) mit  zahlreichen  eingesprengten 
nordischen  Geschieben.  Diese  Schotter  wer- 
den als  Bausteine  abgebaut  und  von  einer 
deutlichen,  zu  ihrem  Einfallen  diskordant  ver- 
laufenden Oberfläche  abgeschnitten.  Über 
dieser  deutlich  erhaltenen  alten  Oberfläche 
folgen  mächtige  Sande,  Schotter  und  Grund- 
moränen, wobei  die  oft  wenig  geschichteten  Schotter  offenbar  nur 
Umlagerungsprodukte  und  eine  Fazies  der  Grundmoräne  darstellen. 
An  den  Flanken  lagern  Lösse,  die  in  den  westlich  sich  anschließenden 
Ziegeleigruben  mehrere  Meter  mächtig  werden.  Wir  haben  es 
hier  offenbar  mit  den  Ablagerungen  von  zwei  Vereisungen  zu  tun, 
die  — wie  sich  auch  Herr  Professor  Hauthal  überzeugen  konnte  — 
nachträglich  zu  einem  Moränenwall  aufgepreßt  wurden.  Die  Be- 
gehung der  zahlreichen  Aufschlüsse  des  teilweise  nur  mit  Gräsern 


Alter  Schotter 
Fig- 2. 


54 


K.  Olbricht,  Neue  Beobachtungen 


bewachsenen  Eilenbergs  zeigt , daß  dieser  bis  auf  den  höchsten 
Gipfel  (+  186  m)  aus  meist  gestauchten  Schottern  besteht,  also 
einen  deutlichen  Moränenwall  darstellt,  der  die  stattliche  Höhe 
von  mehr  als  40  m erreicht.  Wie  dieser  früheren  Beobachtern 
— • namentlich  Spethmann  — entgehen  konnte , ist  mir  unver- 
ständlich. 

Weitere  Moränenwälle  finden  wir  bei  Einbeck  hausen. 
Sie  markieren  einen  Eisrand,  der  einem  Gletscher  entsprach,  der 
durch  die  tiefe  Senke  zwischen  dem  Nordmannsturm  und  der 

Hohen  Warte  den  Deister  querte. 

Die  Vereisung,  welche  diese  Moränenwälle  schuf,  kann  sich 
also  nicht  mehr  sehr  weit  nach  Süden  erstreckt  haben , da  sie 

so  auffallend  von  den  Formen  des  Untergrundes  beeinflußt  wurde. 
Das  paßt  zu  den  Anschauungen  Grupes  (V.),  nach  denen  das 

Rißeis  bei  Hameln  bis  an  die  Weser  reichte  und  im  Leinetal  noch 
bis  in  die  Alfelder  Gegend  ihre  Grundmoräne  hinterließ.  Viel- 
leicht gehören  zu  dem  Zuge  dieser  Endmoränenreste  auch  die  Kies- 
hügel  bei  Banteln  im  Leinetal. 

Auch  hier  haben  wir  wieder  den  Fall  vor  uns,  daß  der 

äußerste  Rand  von  Vereisungen  nicht  immer  durch  Moränenwälle 
bezeichnet  werden  braucht,  diese  vielmehr  zumeist  lokalen  Vor- 
stößen — kleinere  Klimaschwankungen?  — während  der  Ab- 
schmelzzeit ihre  Entstehung  verdanken  a. 

Wir  haben  es  also  in  unserem  Gebiete  mit  den  Ablagerungen 
von  zwei  Vereisungen  zu  tun,  von  denen  die  der  jüngeren  Riß- 
vereisung sich  bis  Alfeld  und  Hameln  ausdehnen,  während  die  der 
älteren  Mindelvereisung  nur  an  einer  Stelle  (bei  Hamelspringe)  in 
Gestalt  alter,  stark  zementierter  Schotter  erhalten  sind.  Der  sich 
zwischen  beide  schiebenden  Interglazialzeit  entspricht  die  Ver- 
festigung der  älteren  Schotter  und  die  Herausbildung  der  Dis- 
kordanz. Diese  Untersuchungen  harmonieren  durchaus  nicht  mit 
den  Anschauungen  Schucht’s  über  den  Lauenburger  Ton  (VI.), 
passen  aber  so  gut  zu  den  Beobachtungen  in  Thüringen  und 
anderen  Gebieten,  daß  es  wohl  unbedingt  nötig  erscheint,  den 
Lauenburger  Ton  in  mindestens  zwei  Unterabteilungen , zwischen 
die  sich  eine  Vereisung  schiebt,  zu  zerlegen.  Ich  erinnere  hier- 
bei ebenfalls  an  mein  Übersichtskärtchen  der  norddeutschen  Ver- 
eisungen (VII.). 

Lößlehme  bedecken  im  Süden  von  Hannover  (vergl.  Kärtchen) 
in  breiten  Streifen  das  Flachland,  das  hier  fast  waldlos  ist  und 
von  üppigen  Ackerländern  eingenommen  wird  (vergl.  auch  Karte 
in  IV,  wo  die  Pflanzendecke  eingezeichnet  ist)  und  reichen  weit 
hinein  in  die  Gebirge,  hier  meist  die  Senken  erfüllend,  während 
die  Kämme  lößfrei  sind. 


Vergleiche  hierzu  die  vorige  Anmerkung. 


im  Diluvium  der  Umgebung  von  Hannover. 


oa 


Ein  schöner  Lößaufschluß  befindet  sich  bei  Einbeckhausen 
(Fig.  3),  wo  die  Lösse  bis  6 m Tiefe  aufgeschlossen  sind  und  mit 
deutlich  erkennbarer  Diskordanz  über  den  glazialen  Schichten 


Fig.  3. 


liegen. 

Schon  die  Übersichtskarte  zeigt,  daß  die  Lösse  in  größter 
Erstreckung  sich  im  Windschatten  des  Deisters  erhalten  haben 
und  weiter  nördlich,  wo  ungehemmt  die  Westwinde  wehen  können, 
fehlen.  Die  heutige  Nordgrenze  der  Lösse  ist  also  meines  Er- 
achtens nicht  die  Grenze  der  ehemaligen  Löß- 
verbreitung überhaupt,  sondern  diese  reichte 
einst  viel  weiter  nach  Norden.  Dies  schloß 
ich  zum  ersten  Male  aus  der  Verbreitung  der 
Mergelsande , die  meines  Erachtens  nichts 
anderes  als  umgelagerte  Lösse  sind.  Ebenso 
deutete  ich  zum  ersten  Male  die  Feinsande  des 
Fläming  und  die  Flottlehme  der  Lüneburger  Heide  als  Lösse  und  be- 
wies dies  auch  durch  Auffinden  einer  Dreikanterschicht,  die  dem  kar- 
tierenden Geologen  Stoller  der  Landesanstalt  entgangen  ist  (X. 
p.  52).  Die  Feinsande  des  Fläming  hält  auch  schon  Linstow  für 
Lösse,  während  die  Flottlehme  der  Heide  von  StoLLER  immer  noch 
als  Eissedimente  erklärt  werden,  obgleich  über  ihre  Lößnatur  ge- 
wichtige Zweifel  gar  nicht  mehr  bestehen  können  (X.  p.  52  usvv.). 

In  Fig.  4 habe  ich  nach  den  Aufnahmen  der  Landesanstalt 
die  Flottlehme  der  Heide  in  eine  Höhenkarte  eingetragen.  Ein- 
mal fällt  es  uns  auf,  daß  diese  Flottlehme  im  Windschatten  des 
Siising  liegen,  zugleich  erkennen  wir  ihre  ganz  eigenartige  streifen- 


förmige Anordnung,  die  offenbar  nicht  die  ursprüngliche  Ver- 
breitungsgrenze ist.  Die  Karte  zeigt  eigenartige  Gesetzmäßig- 
keiten. Die  Flottlehme  sind  überall  an  den  Stellen  abgetragen, 
wo  durch  tiefe  Täler  die  Winde  ungehindert  wehen  können,  nur 
so  lassen  sich  die  eigenartigen,  nach  Osten  zu  spitz  zulaufenden 
Einbuchtungen  erklären,  die  deutlich  den  Tälern  folgen ; die  Karte 
zeigt  dieses  besser,  als  langatmige  Beschreibungen. 


56 


K.  Olbricht,  Neue  Beobachtungen 


Die  Entstehung  des  Flottlehmgebietes  weist  auf  Grund  der 
Aufnahmen  folgende  Geschichte  auf : 

Lange  Zeit  nach  dem  Abschmelzen  der  Gletscher  werden  auf 
Erosionsdiskordanzen  Lösse  aufgeweht  (X.  p.  52),  deren  Verbrei- 
tung offenbar  ehemals  eine  viel  größere  war.  Auf  die  Lößzeit 
folgt  eine  Zeit  — oder  mehrere?  — , in  der  die  Lösse  unter  dem 
Einfluß  der  für  das  heutige  Klima  kennzeichnenden  Westwinde 
zum  großen  Teil  wieder  abgetragen  werden.  Dies  muß  in  einer 
Übergangszeit  geschehen  sein,  als  die  Westwinde  schon  wehten, 
aber  die  Pflanzendecke  noch  nicht  den  Boden  vor  jeder  Abtragung 
schützte.  Heute  werden  unter  dem  Einfluß  der  Pflanzendecke  die 
ehemaligen  Formen  erhalten.  Eine  ähnliche  Anordnung  zeigen 
auch  die  Feinsande  des  Fläming  (Fig.  5). 

Diese  Folgerungen  aus  den  Lößgebieten  der  Heide  und  der 
Umgebung  von  Hannover  werden  sicher  auch  für  die  übrigen  Löß- 

Belzig 

Treuenbrietzen 

Jüterbog 

Fig  5 ' 

1W00000. 

gebiete  Geltung  haben.  Es  wäre  hierfür  unbedingt  nötig,  daß 
unter  einheitlicher  Leitung  und  mittelst  Rundschreiben  an  Löß- 
kenner der  verschiedenen  Teile  Europas  zuerst  einmal  die  Be- 
arbeitung einer  großzügigen  Übersichtskarte  der  Lößverbrei- 
tung in  Angriff  genommen  würde. 

Meine  Anschauungen  möchte  ich  in  folgenden  Sätzen  kurz 
präzisieren : 

1.  Lösse  entstehen  nicht  am  Rande  der  abschmelzenden 
Gletscher,  sondern  sind  durch  nicht  zu  gering  zu  veranschlagende 
Erosionsdiskordanzen  von  den  glazialen  Ablagerungen  getrennt. 

2.  Sie  entstanden  auch  nicht  unter  dem  Einfluß  des  heutigen 
Klimas,  da  dieses  durch  seine  Pflanzendecke  jede  Abtragung  ver- 
hindert. 

3.  Es  bleiben  nur  Trockenzeiten  über,  die  zeitlich  nicht 
mit  den  Vereisungen  zusammenfallen.  In  diesen  war  offenbar 
zeitweise  auch  die  Ausdehnung  des  europäischen  Kontinentes  eine 
viel  größere , wie  die  belgischen  und  nordfranzösischen  Lösse  es 
andeuten.  Vielleicht  war  Europa  zeitweise  seewärts  durch  die 
200  m-Tiefenlinie  begrenzt  und  in  diesem  großen  Kontinente 
konnte  in  trockeneren  Zeiten  eine  ausgedehnte  Lößbildung  ein- 
setzen. 

4.  In  den  Übergangszeiten  zwischen  dem  kontinentalen  und 


im  Diluvium  der  Umgebung  von  Hannover. 


57 


atlantischen  Klima  wurden  die  Lösse  bis  auf  wenige  an  besonders 
geschützter  Stelle  erhaltenen  Reste  abgetragen. 

5.  Da  offenbar  nicht  nur  der  weitaus  größte  Teil  der  Lösse 
nach  seiner  Ablagerung  wieder  abgetragen  wurde,  sondern  auch 
die  Grenzen  der  Ablagerungsgebiete  in  den  einzelnen  Zeiten  sich 
nicht  immer  deckten,  ist  es  durchaus  nicht  notwendig,  daß  überall 
mehrere  durch  Laimenzonen  getrennte  Lößbildungen  vorhanden 
sein  müssen.  Es  ist  sogar  wahrscheinlich,  daß  die  älteren  Lösse 


Verbreitung  der  Lösse  bei  Hannover. 
1:750000 


in  noch  viel  größerem  Umfange  abgetragen  wurden,  als  die  jüngeren, 
so  daß  ein  Vorhandensein  mehrerer  Lösse  an  ein  und  derselben 
Stelle  sogar  ein  Ausnahmefall  sein  wird.  Von  solchen  Gebieten 
aus  muß  dann  unbedingt  die  Gliederung  der  Lösse  ausgehen. 

6.  Die  Abtragung  der  Lösse  wird  besonders  auf  fluvio- 
glazialem  und  fluviatilem  Wege  erfolgt  sein.  Auf  erstere 
Weise  entstanden  die  Mergelsande;  fluviatile  Umlagerungsprodukte 
stellen  wahrscheinlich  die  Aulehme  dar. 

Litteraturverweis. 

I.  K.  Olbricht  : Das  Diluvium  in  der  Umgebung  von  Hannover. 
Globus  1910.  p.  277  usw. 

II.  K.  Olbricht  : Neuere  Beobachtungen  usw.  Dies.  Centralbl.  1910. 
p.  609  usw. 


58 


Carlo  H.  Jooss. 


III.  Passarge  : Physiologische  Morphologie.  Hamburg  1912. 

IV.  K.  Olbricht  : Das  Landschaftsbild  der  LTmgebung  Hannovers.  Han- 
noverland 1912.  p.  218. 

V.  Grube  : Zur  Frage  der  Terrassenbildungen  im  mittleren  Flußgebiete 
der  Weser  usw.  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  1904.  p.  470  usw. 
Derselbe:  Die  Flußterrassen  des  Wesergebietes  usw.  Ebenda  1912. 
p.  265  usw. 

VI.  Schucht  : Der  Lauenburger  Ton  als  leitender  Horizont  usw.  .Tahrb. 

d.  k.  preuß.  geol.  Landesanst.  1908.  p.  130  usw. 

VII.  K.  Olbricht  : Einteilung  und  Verbreitung  der  glazialen  Ablage- 
rungen in  Norddeutschland.  Dies.  Centralbl.  1911.  p.  507  usw. 

VIII.  K.  Olbricht  : Grundlinien  einer  Landeskunde  der  Lüneburger  Heide, 
p.  23  oben. 

IX.  K.  Olbricht:  Über  das  Klima  der  Postwürmzeit.  Dies.  Centralbl. 
1909.  p.  599. 

X.  K.  Olbricht  : Die  Blätter  Bevensen . Bienenbüttel  usw.  Ebenda. 
1912.  p.  9 usw. 

Breslau  am  20.  12.  12. 


Ueber  Limnaea  (Limnaea  s.  str.)  turrita  Klein  emend.  Jooss. 

Von  Carlo  H.  Jooss  in  Stuttgart. 

Mit  8 Textfiguren. 

In  seinen  Land-  und  Süßwasser-Conchylien  der  Vorwelt  er- 
wähnt Sandberger  in  dem  Kapitel  „Binnenmollusken  der  Ober- 
miocänschichten“  auf  p.  582  eine  Limnaea  aus  der  Gruppe  der 
stagnalis,  welche  er  in  einem  Exemplar,  dem  aber  die  Spitze  fehlt, 
1872  am  Deutschliof  entdeckt  habe  und  die  in  Bruchstücken  auch 
von  Mundingen  bekannt  sei.  1877  fand  dann  Herr  Professor 
Dr.  Konrad  Miller,  Stuttgart,  die  gleiche  Art  in  einem  voll- 
ständigen Exemplar  im  Obermiocän  von  Mörsingen  und  benannte 
dieselbe  vorläufig  Limnaea  stagnaloides  n.  sp.,  ohne  sie  jedoch  unter 
diesem  Namen  bisher  zu  veröffentlichen’.  Seitdem  wurden  noch 
einige  weitere  Stücke  von  dieser  so  seltenen  Art  in  unserem  Ober- 
miocän gefunden , so  daß  dieselbe  nun  genauer  untersucht  und 
verglichen  werden  konnte , wobei  sich  folgendes  herausstellte : 

1 Trotzdem  wurde  dieser  Name  von  den  Herren  Hauptmann  W.  Kranz, 
Swinemünde,  und  Pfarrer  Dr.  Th.  Engel,  Eislingen,  in  die  Fachliteratur 
eingefiibrt.  (Vergl.  hierüber:  Kranz,  W.,  Stratigraphie  und  Alter  der 
Ablagerungen  bei  Unter-  und  Oberkirchberg , südlich  Ulm  a.  D.  Dies. 
Centralbl.  1904.  p.  537  u.  550;  ferner:  Engel.  Th,  Geognostischer  Weg- 
weiser durch  Württemberg.  3.  Auf!.  Stuttgart  1908.  p.  534,  540,  560. 
p.  540  führt  Engel  die  von  Miller  L.  stagnaloides  benannte  Art  sogar 
aus  den  brackischen  Schichten  am  Hochsträß  an,  worin  dieselbe  in  Wirk- 
lichkeit gar  nicht  vorkommt.) 


60 


Carlo  H.  Jooss, 


Die  vorliegenden  Exemplare  sind  zweifellos  aus- 
gewachsene Stücke  der  seither  als  kleine,  schlanke 
Art  angesehenen  Limnaea  turrita  Klein1,  und  die 
Kenntnis  der  letzteren  beruhte  bis  jetzt  nur  auf 
unvollständigen  Stücken.  Bei  zwei  meiner  Exemplare 
waren  nämlich  aus  Versehen  die  Gehäusespitzen , bestehend  aus 
den  4-1-  bezw.  5 ersten  Windungen  abgebrochen  worden  und  dabei 
war  mir  die  große  Ähnlichkeit  dieser  Gehäusespitzen  mit  L.  turrita 
Klein  aufgefallen.  Ein  Vergleich  mit  den  beiden  Originalexemplaren 
Klein’s,  welche  sich  in  der  hiesigen  Kgl.  Naturaliensammiung  be- 
finden, hatte  dann  die  vollkommene  Übereinstimmung  ergeben.  Außer- 
dem konnte  aber  auch  festgestellt  werden,  daß  die  beiden  Original- 
exemplare Klein’s  nur  Bruchstücke  (aus  den  4f  bezw.  5 ersten 
Umgängen  bestehend)  sind,  die,  nach  Analogie  mit  den  oben  er- 
wähnten Gehäusespitzen,  zweifellos  derselben  Art  wie  die  letzteren 
angehören,  d.  h.  daß  diese  Art  also  die  eigentliche  L.  turrita  Klein 
darstellt,  welche  demnach  erst  jetzt  richtig  bekannt  wird. 

Limnaea  turrita  ist  höchstwahrscheinlich  ein  direkter  Vor- 
läufer unserer  rezenten  Limnaea  ( Limnaea  s.  str.)  stagnalis  L.  Sie 
scheint  zur  Obermiocänzeit,  ähnlich  wie  L.  stagnalis  in  der  Gegen- 
wart, einen  größeren  Formenkreis  besessen  zu  haben,  wenigstens 
lassen  sich  unter  dem  vorliegenden  Materiale  deutlich  mehrere 
Formen  unterscheiden,  die  nun  hier  beschrieben  werden  sollen. 

1.  Limnaea  turrita  Klein  emend.  Jooss,  Typus,  Fig.  1 — 1 a. 
Dieser  gleicht  auffallend  der  var.  vulgaris  Wstld.  unserer  rezenten 
L.  stagnalis  L.  und  unterscheidet  sich  von  dieser  nur  durch  langsamere 
Aufwindung  und  etwas  stärkere  Wölbung  der  Umgänge,  welche  durch 
etwas  tiefere,  mehr  wagrecht  verlaufende  Nähte  voneinander  getrennt 
sind.  Von  der  var.  vulgaris  Wstld.  wurden  in  Fig.  2 — 2 a und 
3 — 3 a zwei  Exemplare  zum  Vergleich  mitabgebildet.  Das  erstere 
(Original  in  coli.  Jooss.)  wurde  in  den  mittelpleistocänen  Sauer- 
wassersanden am  Sulzerrain  in  Cannstatt-Stuttgart  gefunden,  während 
das  letztere  (Original  ebenfalls  in  coli.  Jooss.)  aus  dem  Achensee 
in  Nordtirol  stammt.  Die  Diagnose  der  typischen  Form  ist: 

Schale  fest,  kaum  merklich  schlitzförmig  genabelt,  Gewinde 
verlängert,  spitz,  Umgänge  7 — 8,  durch  mäßig  tiefe  Nähte  getrennt, 
langsam  und  regelmäßig  anwachsend , mit  feinen , von  kräftigen 
Blinzeln  in  gleichmäßigen  Zwischenräumen  unterbrochenen  Streifen 
bedeckt,  letzter  Umgang  so  hoch  als  die  übrigen  zusammengenommen, 
Mündungsachse  schief,  zur  Gehäuseachse  einen  spitzen  Winkel  bildend, 
Mündung  länglich  eiförmig,  Mündungshöhe  ca.  die  Hälfte  der 
Gesamthöhe  betragend,  Mundränder  scharf,  durch  eine  dünne,  breite 
Schwiele  verbunden,  Spindel  verdreht.  H.  27 — 31  mm1,  gr.  Br. 
13 — 14  mm,  Mh.  14 — 15  mm,  Mbr.  8 — 9 mm. 

1 Jalneshefte  d.  Ver.  f.  vaterl.  Naturkunde  in  Württemberg.  IX.  Bd. 
Jahrg.  1853.  p.  220.  Taf.  V Fig.  17. 


Ueber  Limnaea  (Limnaea  s.  str.)  turrita  Klein  emend.  Jooss.  ßl 


Vorkommen:  Ziemlich  selten  im  S^/rana-Horizont  — den 
kalkigen  Mergeln  mit  Melanopsis  kleini  Kurr  — am  Deutschhof 
bei  Pflummern,  äußerst  selten  im  Sylvana- Kalk  von  Mörsingen  bei 
Zwiefalten  (Original  in  coli.  Johner,  Riedlingen)  und  Mundingen 
bei  Ehingen. 

Neben  dem  Typus  finden  sich  dann  in  Mörsingen,  ebenfalls  als 
große  Seltenheit,  Übergangsformen  (eine  solche  wurde  in  Fig.  4 — 4 a 
abgebildet,  das  Original  befindet  sich  in  coli.  Miller.)  zu 

2.  Limnaea  turrita  Klein  emend  Jooss,  var.  milleri  nov.  var. 
Fig.  5 — 5 a und  6 — 6 a.  Diese  zeigt  dem  Typus  gegenüber  folgende 
Unterscheidungsmerkmale:  Gewinde  verkürzter,  letzter  Umgang 
höher  und  bauchiger,  Mündungshöhe  fast  § der  Gesamthöhe  betragend. 
Leider  fehlen  den  beiden  abgebildeten  Exemplaren  die  Anfangs- 
windungen , so  daß  sowohl  die  Zahl  der  Umgänge  als  auch  die 
Höhe  des  Gehäuses  bei  denselben  nur  schätzungsweise  angegeben 
werden  kann.  Erstere  mag  — nach  Analogie  zweier  weiterer, 
etwas  beschädigter  Exemplare  — 7 — 8,  letztere  30 — 3 1 mm  be- 
tragen haben.  Gr.  Br.  15  — 16  mm,  Mh.  19 — 21  mm,  Mbr.  8 — 9 mm. 

Ich  benenne  diese  Varietät  nach  meinem  verehrten  ehemaligen 
Lehrer,  Herrn  Professor  Dr.  Konrad  Miller  in  Stuttgart. 

Vorkommen:  Sehr  selten  im  S^/va»«-Kalk  von  Mörsingen 

(Fig.  5 — 5 a,  Original  in  coli.  Jooss.)  und  im  Sande  mit  Helix 
(Otala)  sylvana  Klein  von  Biberach  a.  d.  Riß  (Fig.  6 — 6 a,  Original 
ebenfalls  in  coli.  Jooss). 

Eine  weitere,  zweifellos  auch  hierher  gehörende  Form  unter- 
scheide ich  als 

3 .Limnaea  turrita  Klein  emend.  Jooss,  mut.  lacustriformis 
nov.  mut.  Fig.  7 — 7 a.  Cliar. : Gewinde  stark  verkürzt,  zusammen- 
geschoben, letzter  Umgang  ziemlich  bauchig,  oben  schwach  gekantet. 
Runzeln  kräftig  hervortretend,  Mündung  ca.  § der  Gesamthöhe  ein- 
nehmend. Leider  fehlen  bei  dem  abgebildeten  Stück  ebenfalls  die  An- 
fangswindungen, so  daß  die  Zahl  der  Umgänge  und  die  Gehäusehöhe 
bei  demselben  nur  abgeschätzt  werden  können.  Erstere  dürfte 
zwischen  6|  und  7\  geschwankt,  letztere  ca.  2 1 mm  betragen  haben. 
Gr.  Br.  13,2  mm,  Mh.  13  mm,  Mbr.  7,75  mm. 

Vorkommen : Äußerst  selten  im  Sylvana- Kalk  von  Mörsingen. 
(Original  in  coli.  Johner,  Riedlingen.) 

Die  var.  lacustriformis  erinnert  lebhaft  an  die  var.  lacustris 
Stüder  unserer  rezenten  L.  stagnalis  L.,  von  welcher  in  Fig.  8 — 8 a 
ein  Exemplar  zum  Vergleich  mitabgebildet  wurde,  das  vom  Boden- 
seeufer bei  Bregenz  stammt.  (Original  in  coli.  Jooss.)  Sie  unter- 
scheidet sich  jedoch  von  der  var.  lacustris  Studer  besonders  durch 

1 Zur  Bezeichnung  der  Maße  gebrauche  ich  von  jetzt  ab  folgende 
Abkürzungen:  H.  = Höhe,  gr.  Br.  = größte  Breite,  Mh.  = Mündungshöhe, 
Mbr.  = Mündungsbreite,  D — Dicke. 


62 


Carlo  H.  Jooss, 


geringere  Dimensionen  der  Schale , gewölbtere  Umgänge  und  die 
Form  und  Stellung  der  Mündung.  Wie  die  var.  lacustris  ist  sie 
wohl  eine  Form  des  bewegten  Wassers1. 

Limnaea  turrita  Klein  einend.  Jooss,  Typus  nebst  var.  milleri 
und  mut.  lacustriformis  wurde  bis  jetzt  nur  im  Obermiocän  Württem- 
bergs beobachtet.  Was  die  seither  als  L.  turrita  Klein  von  ver- 
schiedenen Autoren  aus  dem  Obermiocän  von  Undorf  bei  Regens- 
burg a.  D.2,  dem  Mittelmiocän  von  Sansan  (dep.  Gers.)3  und  dem 
Untermiocän  des  Mainzer  Beckens4  erwähnten,  kleinen  Limnaeen  be- 
trifft, so  glaube  ich  jetzt,  daß  es  sich  hier  keinenfalls  um  .Tugend- 
formen von  L.  turrita  Klein  einend.  Jooss  oder  eine  ihrer  Va- 
rietäten handelt , sondern  daß  unter  dem  oben  erwähnten  Namen 
seither  die  Jugend-  oder  noch  wahrscheinlicher  die  Trockenformen 
anderer  Limnaea- Arten  zusammengeworfen  wurden. 

1 Die  var.  lacustris  Studer  lebt  nach  Geyer  („Unsere  Land-  und 
Süßwasser-Mollusken“.  Stuttgart  1909.  p.  74)  an  den  flachen  Ufern  bewegter 
Seen.  Die  Gehäuseform  der  var.  lacustris  läßt  sich  biologisch  wohl  fol- 
gendermaßen erklären:  Um  durch  den  Wellenschlag  nicht  von  seinem 
Aufenthaltsort  losgerissen  und  ans  Ufer  gespült  zu  werden , bedarf  das 
Tier  einer  größeren  Adhäsionsfläche,  es  muß  daher  den  letzten  Umgang 
seines  Gehäuses  entsprechend  erweitern.  Um  ferner  den  Wellen  möglichst 
wenig  Angriffsfläche  zu  bieten,  bleibt  das  Gehäuse  kleiner  und  das  Gewinde 
wird  mehr  zusammengeschoben.  Die  stärker  als  beim  Typus  ausgeprägten 
Anwachsstreifen  der  Umgänge  dürften  ihre  Erklärung  vielleicht  in  dem 
durch  das  Anklammern  bedingten  größeren  Aufwand  an  Muskelkraft  finden? 

2 Vergl.  hierüber:  v.  Ammon,  L. , Ein  Beitrag  zur  Regensburger 
Tertiärfauna.  Correspondenzblatt  d.  zool.-mineralog.  Ver.  zu  Regensburg. 
27.  Jahrg.  1873.  p.  189.  — Clessin,  S.,  Die  tertiären  Binnenconchylien  von 
Undorf.  Ebenda.  31.  Jahrg.  1877.  p.  38.  — Clessin,  S.,  Die  Conchylien  der 
obermiocänen  Ablagerungen  von  Undorf.  Malakozool.  Blätter.  N.  F.  Bd.  VII. 
1884.  p.  88.  — Clessin,  S.,  Die  Conchylien  etc.  Berichte  d.  naturw.  Ver. 
zu  Regensburg.  IV.  Heft  für  die  Jahre  1892 — 1893.  p.  25.  — Clessin,  S., 
Die  Conchylien  etc.  Ebenda.  XIII.  Heft  für  die  Jahre  1910 — 1911.  p.  12. 

3 Sandberger,  F.,  Die  Land-  u.  Süßwasser-Conchylien  d.  Vorwelt.  Wies- 
baden 1870 — 75.  p.  581.  Taf.  XXVIII  Fig.  26— 26b.  — Bourguignat,  S.R., 
Histoire  malacologique  de  la  colline  de  Sansan.  Bibliothöque  de  Fecole  des 
liautes  etudes;  Sect.  de  Sciences  nat.  T.  XXII.  1881.  Art.  No.  3.  p.  117. 
pl.  6 fig.  200—201. 

4 Böttger,  0.,  Die  fossilen  Mollusken  der  Hydrobienkalke  von  Buden- 
heim bei  Mainz.  Nachrichtsblatt  d.  deutschen  Malakozool.  Ges.  40.  Jahrg. 
1908.  p.  153.  — Jooss,  C.  H„  Die  Molluskenfauna  der  Hydrobienschichten 
des  Hessler  bei  Mosbach-Biebrich.  Jahrbücher  d.  Nassauischen  Ver.  f.  Naturk. 
in  Wiesbaden.  64.  Jahrg.  1911.  p.  71.  No.  44.  — Wenz,  W.,  Die  unteren 
Hydrobienschichten  des  Mainzer  Beckens,  ihre  Fauna  und  ihre  strati- 
graphische Bedeutung.  Notizblatt  d.  Ver.  f.  Erdkunde  u.‘d.  Großh.  geol. 
Landesanstalt  zu  Darmstadt  f.  d.  Jahr  1911.  IV.  Folge.  32.  Heft.  p.  157. 
No.  11.  — Fischer,  K,,  und  Wenz,  W.,  Verzeichnis  und  Revision  der 
tertiären  Land-  und  Süßwasser-Gastropoden  des  Mainzer  Beckens.  Neues 
Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXIV.  1912.  p.  490. 


lieber  Limnaea  (Limnaea  s.  str.)  turrita  Klein  einend.  Jooss.  63 


Den  Herren  Professor  Dr.  Kon n ad  Miller  , Stuttgart , und 
Verwaltungsaktuar  Alfred  Johner,  Riedlingen  a.  D.,  welche  mir 
die  in  ihren  Sammlungen  befindlichen  Exemplare  von  L.  turrita  Klein 
emend.  Jooss  bereitwilligst  zur  Untersuchung  anvertrauten,  ferner 
Herrn  Professor  Dr.  Eberhard  Fraas,  welcher  mir  in  liebenswür- 
digster Weise  die  Untersuchung  der  in  der  hiesigen  Kgl.  Naturalien- 
sammlung  befindlichen  KLEiN’schen  Originalexemplare  von  L.  turrita 
gestattete,  sowie  Herrn  Oberlehrer  D.  Geyer,  Stuttgart,  welcher 
mich  in  bekannt  freundlicher  Weise  mit  rezentem  Vergleichsmaterial 
unterstützte,  sei  an  dieser  Stelle  nochmals  herzlichst  gedankt. 

Literatur. 

1853.  Limnaeus  turritus  Klein,  Jahreshefte  d.  Ver.  f.  vaterl.  Naturkunde 
in  Württemberg.  JX.  Jahrg.  p.  220.  Taf.  V Fig.  17. 

1874.  Limnaeus  turritus,  Sandberger,  Die  Land- und  Süßwasserconchylien 
d.  Vorwelt.  p.  581.  Taf.  XXVIII  Fig.  26-26  b. 

1874.  Limnaeus  sp.,  Sandberger,  Die  Land-  und  Süßwasserconchylien  d. 
Vorwelt.  p.  582. 

1877.  Limnaeus  stagnaloides  Miller  in  schedulis. 

1883.  Limnaeus  turritus,  Engel,  Geognostischer  Wegweiser  durch  Württem- 
berg. I.  Aufl.  p.  286. 

1896.  Limnaeus  turritus.  Engel,  Geognostischer  Wegweiser  durch  Württem- 
berg. II.  Aufl.  p.  406. 

1904.  Limnaeus  stagnaloides.  Kranz,  Dies.  Centralbl.  1904.  p.  537  u.  550. 
1908.  Limnaeus  stagnaloides . Engel,  Geognostischer  Wegweiser  durch 
Württemberg.  III.  Aufl.  p.  534  u.  560. 

1908.  Limnaeus  turritus,  Engel,  Geognostischer  Wegweiser  durch  Württem- 


berg. 

III.  Aufl. 

p.  564. 

Figurenerklärung. 

Fig.  1 — 1 a. 

Limnaea 

turrita  Klein  emend.  Jooss,  Typus,  Obermiocän, 
Mörsingen. 

„ 2-2  a. 

V 

stagnalis  L.  var.  vulgaris  Wstld.  , mittleres  Plei- 
stocän,  Cannstatt-Stuttgart. 

„ 3-3  a. 

V 

stagnalis  L.  var.  vulgaris  Wstld,  rezent,  Achensee, 
Nordtirol. 

„ 4— 4 a. 

» 

turrita  Klein  emend.  Jooss , Übergang  zur  var. 
milleri  Jooss,  Obermiocän,  Mörsingen. 

„ 5 — 5 a. 

71 

turrita  Klein  emend.  Jooss,  var.  milleri  Jooss,  Ober- 
miocän, Mörsingen. 

„ 6 — 6 a. 

n 

turrita  Kl.  emend.  Jooss,  var.  milleri  Jooss,  Ober- 
miocän, Biberach  a.  d.  Riss. 

» 7— " a. 

7) 

turrita  Klein  emend.  Jooss,  var.  lacustriformis 
Jooss,  Obermiocän,  Mörsingen. 

„ 8-8  a. 

7) 

stagnalis  L.  var.  lacustris  Stüder,  rezent,  Boden- 
seeufer bei  Bregenz. 

64 


Carlo  H.  Jooss,  lieber  Limnaea  etc.  — Personalia. 


Berichtigung. 

In  meiner  „Vorläufigen  Mitteilung  über  eine  vermutlich  alt- 
tertiäre  Schneckenfauna  aus  dem  Ries“,  dies.  Centralbl.  1911, 
Heft  3,  p.  88 — 91,  sind  einige  Berichtigungen  nötig,  es  soll  heißen: 
p.  89,  Linie  8,  „ein  eigenes  Subgenus“  statt  „eine  eigene  Sektion“. 
„ 89,  unten  in  der  Anmerkung,  sind  die  Artennamen  von 
„P.  bohemica  Böttger“  auf  Linie  10  bis  „P.  mal- 
leolata  Sandb.“  auf  Linie  12  zu  streichen.  (Vergl.  hier- 
über auch  Jahreshefte  d.  Ver.  f.  vaterl.  Naturkunde  in 
Württemberg.  68.  Jalirg.  1912.  S.  164,  unten,  An- 
merkung 2.) 

90,  Linie  15,  „Limnaea  pachygaster“ statt „Limnuspachygasler“. 
32,  „Dunker“  statt  „Duncker“. 

„im  unteren  Untermiocän  Südfrankreichs“  statt 
„im  oberen  Oligocän  Südfrankreichs“. 

39,  beide  Male  „Noulet“  statt  „Moulet“. 

44,  „Ericia  schneidi“  für  „Ericia  schneidti“. 

2,  „Schneid“  für  „Schneidt“. 

5,  6 „in  den  oberen  Horizont  der  unteren  Süß- 
wasserkalke, also  ins  oberste  Oligocän,  zu  ver- 
weisen. 

C.  H.  Jooss,  Stuttgart. 


90, 

merkung 
Linie  15, 

90, 

» 32, 

90, 

* 34, 

90, 

n 39, 

90, 

„ 44, 

91, 

„ 2, 

91, 

„ 4, 

Personalia. 

Angenommen:  Professor  Dr.  J.  F.  Pompeckj  in  Göt- 

tingen einen  Ruf  als  Nachfolger  von  Professor  Dr.  E.  v.  Koken 
in  Tübingen. 


Berufen:  Dr.  Eberhard  Rimann,  Privatdozent  für  Minera- 
logie und  Geologie  an  der  Technischen  Hochschule  in  Dresden, 
von  der  Regierung  der  Vereinigten  Staaten  von  Brasilien  als  Nach- 
folger von  Professor  E.  Hussac  an  die  Geologische  und  Minera- 
logische Landesanstalt  in  Rio  de  Janeiro  für  den  Posten  eines 
Chefmineralogen  und  Petrographen. 


I 


P.  Tucan,  Zur  Bauxitfrage. 


65 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Zur  Bauxitfrage. 

Von  Fran  Tucan  in  Zagreb  (Agram.  Kroatien». 

1. 

E.  Dittler  und  C.  Doeltek  haben  in  diesem  Centralblatte1 
und  der  Kolloid-Zeitschrift 2 ihre  Untersuchungen  über  die  Bauxit- 
frage publiziert,  die  meiner  Meinung  nach  einer  Richtigstellung 
bedürfen.  Die  beiden  Autoren  vertreten  die  Ansicht,  daß  Bauxit 
kein  Gestein,  sondern  ein  Mineral  sei.  Neben  den  zwei  kristalli- 
sierten Tonerdehydraten:  Diaspor  und  Hydrargillit  (Gibbsit),  exi- 
stiert noch  ein  amorphes  Tonerdehydrat:  Bauxit,  und  diese  drei 
Tonerdehydrate  bilden  zusammen  mit  Limonit , Roteisen , Kaolin 
»Ton)  Gesteine.  Die  Gesteine,  welche  Diaspor  als  Hauptmenge  ent- 
halten, bezeichnen  erwähnte  Autoren  nach  dem  Vorgänge  P.  Kruschs 
als  Diasporite,  und  demnach  könne  man  analog  Gesteine  mit  vor- 
wiegendem Gibbsit  als  Gibbsitite  bezeichnen.  Die  aus  Diaspor 
und  Gibbsit  mit  Eisenoxyden , Kaolin  bestehenden  Massen  fassen 
die  beiden  Autoren  als  Kristalloid-Alumolithe  zusammen.  Kolloid- 
Alumolithe  bezw.  Bauxite  seien  ihrer  Meinung  nach  jene  Gesteine, 
deren  Hauptmasse  aus  Bauxit  besteht. 

Diesen  Ansichten  möchte  ich  nicht  beipflichten.  Nach  den 
umfangreichen  Untersuchungen  an  vielen  Bauxiten  und  an  Terra 
rossa,  die  Professor  M.  Kispatic  und  ich  durchführten 3,  geht  un- 
zweideutig hervor , daß  wir  im  Bauxit  ein  Mineralgemenge  vor 
uns  haben.  Bauxit  ist  eine  Gesteinsart,  deren  Haupt- 
gemengt eil  aus  Tonerdehydrat,  Al2  03.H.20  besteht. 
In  den  meisten  Fällen  ist  dieses  Tonerdehydrat  eine  kolloide 
Modifikation  des  Diaspor s,  die  Professor  M.  Kispatic 
als  Sporogelit  bezeichnete.  Nach  der  überwiegenden  Menge 
des  Sporogelits  oder  Diaspors  kann  man  von  Sporogelitbauxit 
oder  D i as p orba u xi t sprechen.  Sporogelitbauxite  sind  viel  ver- 

1 E.  Dittler  und  C.  Doelter,  Zur  Charakteristik  des  Bauxits.  Dies. 
Centralbl.  1912.  p.  10.  — Zur  Nomenklatur  der  Tonerdehydrate.  Ibidem. 

1912.  p.  104. 

2 E.  Dittler  und  C.  Doelter  . Die  Anwendung  der  Kolloidchemie 
auf  Mineralogie  und  Geologie.  Bauxit  ein  natürliches  Tonhydrogel.  Kol- 
loid-Zeitschrift. 9.  1911.  p.  282. 

3 Fr.  Tijüax,  Terra  rossa,  deren  Natur  und  Entstehung.  N.  Jahrb. 
f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXIV.  p.  401.  — M.  Kispatic  , Bauxite  des  kroa- 
tischen Karstes  und  ihre  Entstehung.  Ibid.  p.  513. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  5 


66 


F.  Tucan, 


breiteter  als  Diaspovbauxite,  und  wenn  die  letzteren  verkommen, 
enthalten  sie  immer  Sporogelit  in  ziemlicher  Menge.  Hydrargillit 
erscheint  nach  bisherigen  Untersuchungen  in  Bauxiten  nie  in 
solcher  Menge,  daß  man  von  Hydrargillitbauxiten  sprechen  könnte. 
Höchstens  könnte  die  Rede  von  h y d r ar  g i 1 1 i t f üh r e n den 
Sporogelit-  bezw.  Diasporbauxiten  sein. 

Auch  die  Bezeichnung  „Woclieinit“  und  „Kljakit“  sind  un- 
richtig , da  das  Material , welches  man  mit  diesen  Benennungen 
bezeichnet,  nichts  anderes  ist  als  echter  Bauxit. 


2. 

Ebenso  werden  nach  unseren  Untersuchungen  die  Ansichten 
von  F.  Cornu  und  M.  Lazarevic1  über  den  Bauxit  und  seine 
„Adsorptionsverbindungen“  hinfällig,  da  Bauxit  keine  „voll- 
kommen homogene2  und  isotrope“  Masse  ist  und  da 
sein  Si0.3-  u nd  Ti02- Gehalt  von  mechanisch  beige  mengten 
Quarz-  (und  einem  mehligen  Si02,  dann  von  einem 
Kieselsäuregel,  Si  02 . 2 H.,  0)  und  Titan  mineralen  (haupt- 
sächlich Rutil)  h e r r ü h r t.  (Vergl.  auch  meinen  Aufsatz  im 
Beil.-Bd.  XXXIV.  p.  427.)  P2 0-  , CaO  und  S03,  welche  Bestand- 
teile man  in  manchen  Bauxitanalysen  anfiihrt,  stammen  unzwei- 
deutig von  Apatit,  Calcit,  Gips  und  Anhydrit,  welche 
Minerale  ich  im  unlöslichen  Rückstände  der  Kalke  und  Dolomite 
und  in  der  Terra  rossa  gefunden  habe.  Gerade  so  ist  es  mit 
der  Vanadinsäure,  welche  in  einigen  Bauxiten  konstatiert 
wurde:  sie  kann  von  Vanadinmineralen  stammen,  obgleich 
dieselben  bis  jetzt  in  Bauxiten  (und  Terra  rossa)  noch  nicht  ge- 
funden wurden. 


3. 

Bei  dieser  Gelegenheit  möchte  ich  nur  einige  Worte  über 
die  Adsorptionsverbindungen  im  Mineralreiche  sagen.  Mit  der 
Deutung  dieser  Verbindungen  muß  man  überhaupt  sehr  umsichtig 

1 F.  Cornu  und  M.  LazareviÖ,  Adsorptionsverbindungen  im  Mineral- 
reiche. Kolloid-Zeitschr.  4.  1909.  p.  295. 

2 Cornu  und  Lazareviö  schreiben:  „U.  d.  M.  erweisen  sich  die  eisen- 
reichen Bauxite  vollkommen  homogen  und  isotrop,  weshalb  angenommen 
werden  muß,  daß  hier  kein  mechanisches  Gemenge  vorliegt.  Sehr  viele 
Bauxite  enthalten  ferner , abgesehen  von  Si  02 , das  wohl  sicher  in  Form 
von  Tonerdekieselsäuregel  vorhanden  ist,  P206,  V20s,  S03,  CaO.  Die  Phos- 
phorsäure ist  sicher  adsorptionsartig  gebunden,  da  Übergänge  zum  reinen 
Aluminiumphosphat  bekannt  sind.  Die  Vanadinsäure,  welche  gleichfalls 
häuüg  vorkommt,  spielt  entweder  eine  analoge  Bolle  wie  die  Phosphor- 
säure, oder  liegen  Gelgemenge,  entstanden  aus  entgegengesetzt  elektrisch 
geladenen  Hydrosolen,  vor,  oder  aber  es  handelt  sich  um  Gelgemenge  im 
Sinne  des  CASSius’schen  Purpurs.  Viele  Bauxite  enthalten  ferner  Titan- 
säure. Auch  diese  Vorkommen  erscheinen  u.  d.  M.  vollkommen  homogen.“ 


Zur  Bauxitfrage. 


67 


sein,  da  man  aus  chemischen  Analysen  keinen  Schluß  auf  dieselben 
ziehen  kann.  Viele  (amorphe)  Minerale  enthalten  z.  B.  in  solcher 
Menge  Kieselsäure,  daß  man  dieselben  sehr  leicht  als  kieselsaure 
Verbindungen  zusammenfassen  könnte.  Als  ein  gutes  Beispiel  für 
einen  solchen  Fall  führe  ich  die  chemische  Analyse  eines  weißen 
Bauxits  von  Skocaj  im  kroatischen  Karste  an : 


SiO,  . . . . 

. . . 44.48 

Ti  02  . . . . 

. . . 1.20 

A1.,03  . . . 

Fe2  0,  . . . 

. 0,51 

CaO.... 

. . . 0.89 

H„0  . . . . 

. . . 13.98 

00,  ...  . 

. . . 0.75 

100.05 

Aus  der  angeführten  Analyse  kann  man  nur  den  Schluß 
ziehen,  daß  wir  es  hier  mit  einem  wasserhaltigen  Aluminiumsili- 
kate zu  tun  haben.  Und  auch  nach  den  mikroskopischen  Unter- 
suchungen müßten  wir  schließen,  daß  vor  uns  ein  solches  vorliege. 
Und  doch  ist  dem  nicht  so , denn  nach  genauen  Untersuchungen 
besteht  dieser  Bauxit  aus  Sporogelit,  welchem  eine  ziemlich 
große  Menge  (32'49°/o)  des  mehligen  Si02  mechanisch  bei- 
gemengt ist.  Dieses  Si02  aber  können  wir  dann  im  Präparate 
u.  d.  M.  nicht  wahrnehmen,  weil  es  in  so  feinem  Staube  vorkommt,, 
daß  man  es  neben  Sporogelit  nicht  bemerken  kann.  Daß  ein 
solches  Si02  in  der  Natur  als  eine  selbständige  Verbindung  wirk- 
lich existiert,  habe  ich  schon  bei  einer  anderen  Gelegenheit  be- 
wiesen1 2. Wenn  ich  mit  diesem  Bauxite  dieselben  Löslichkeits- 
versuche wie  mit  jenem  mehligen  SiO,  unternehme,  so  erziele  ich 
ganz  dieselben  Resultate.  Ein  Teil  der  Si02  (11  • 99°/o)  ist  im 
Sporogelit  auch  als  Kieselsäuregel,  Si  02 . 2 H,  0 mechanisch  ad- 
sorbiert. 

Daß  man  die  Homogenität  eines  Minerals  mikroskopisch  nicht 
immer  bestimmen  kann , geht  aus  folgendem  Beispiele  klar  her- 
vor. Ich  habe  einen  Bauxit  von  Grgin  brieg  (in  Kroatien)  ana- 


lysiert. Die  Analyse  ergab : 

Si  02  23,53 

Alj  Os 25,69 

Fe203  38,23 

CaO 0,18 

Glühverlust  ....  12,30 


99,93 3 

1 Mit  Spuren  von  Mn  0,  Mg  0,  Li,  0,  Xa2  0 und  K,  0. 

2 Fr.  Tcöan  : Ein  mehliges  Siliciumdioxyd.  Dies.  Centralbl.  1912. 
p.  296. 

3 Mit  Spuren  von  Ti02,  Li,  0,  Na,  0.  K,  0. 


5* 


68  K.  Walther,  Ueber  ein  Vorkommen  von  Epidotadinole  und 

Was  kann  man  aus  dieser  Analyse  entnehmen?  Liegt  hier 
ein  Eisenaluminiumsilikat  oder  ein  mechanisches  Gemenge  vor? 
Wenn  man  das  zur  Analyse  benützte  Material  u.  d.  M.  unter- 
sucht, so  erweist  es  sich  als  eine  vollkommen  homogene  und  iso- 
trope Masse.  Und  doch  ist  dies  kein  homogenes  Material,  sondern 
«in  typisches  mechanisches  Gelgemenge.  Auf  optischem  Wege 
können  wir  nicht  zwei  amorphe  (kolloide)  Substanzen 
eine  von  der  anderen  unterscheiden,  wenn  dieselben 
miteinander  Vorkommen.  So  ist  z.  B.  Sporogelit,  der  nur 
ein  wenig  Hämatogelit  (Fe203)  als  adsorbiertes  Gelgemenge  ent- 
hält, dem  reinen  Hämatogelit  u.  d.  M.  vollkommen  gleich.  Ebenso 
ist  vollkommen  reiner  Sporogelit  demjenigen,  der  über  40  °/o  meh- 
ligen Si02  enthält,  gleich,  usw'. 

Und  so  sind  gleich  dem  Bauxit  meiner  Meinung  nach  auch 
viele  amorphe  Minerale,  welche  man  heute  als  wasserhaltige  Alu- 
miniumsilikate betrachtet,  nichts  anderes  als  Tonerdehydrate 
mit  verschiedenen  mechanisch  adsorbierten  Gelgemengen. 

Zagreb  (Agram),  Min.-petrogr.  Institut,  1912. 


Ueber  ein  Vorkommen  von  Epidotadinole  und  gefritteten 

Sedimenten  aus  dem  Süden  der  Republik  Uruguay. 

Von  Karl  Walther  in  Montevideo. 

Mit  2 Textfiguren. 

In  einer  früheren  Veröffentlichung  1 2 war  schon  kurz  von  einem 
Vorkommen  die  Rede,  das  den  südlichsten  Vorposten  der  brasilisch- 
uruguayischen  „Gondwana-Formation“  bildet.  Die  Zuweisung  jenes 
isolierten  Vorkommens  von  Piedras  de  Afilar  östlich  Monte- 
video zum  hangenden  Teile  der  permo-mesozoischeu  Uberdeckung, 
<1.  h.  zu  den  Säo  Bento-Sclri ehten , ergab  sich  wesentlich  aus  der 
Art  der  Lagerung  dieser  Bildungen,  ein  Horizontieruugsverfähren, 
das  sich  aus  dem  Fossilmangel  der  Schichten  und  dem  Fehlen  des 
wichtigen  Vergleichshorizontes , der  sogen.  Serra  Geral-Effusiv- 
decken,  ergab. 

Es  soll  nun  im  folgenden  auf  Grund  einer  petrographischeu 
Beschreibung  1 versucht  werden,  für  jene  stratigraphische  Behaup- 
tung eine  neue  Stütze  aufzustellen  und  so  das  Fehlen  des  Ver- 
gleichshorizontes zu  ersetzen. 

1 K.  Walther,  Über  Transgressionen  der  oberen  „Gondwana-For- 
mation“ in  Südbrasilien  und  Uruguay.  Dies.  Centralbl.  1912.  p.  398. 

2 Dieselbe  stützt  sich  sowohl  auf  die  von  mir  gesammelten  Stücke, 
als  auf  Teile  einer  Sammlung  von  uruguayischen  Gesteinen,  die  durch 
Herrn  A.  Fi.ossdorf  in  Buenos  Aires  zusammengebracht  und  von  Herrn 
Dr.  A.  Gallinal  der  Geologischen  Abteilung  der  Landwirtschaftlichen 
Hochschule  hier  geschenkt  wurde. 


gefritteten  Sedimenten  aus  dem  Süden  der  Republik  Uruguay.  69 


Wie  erwähnt,  zeichnen  sich  die  in  einer  Anhöhe  isoliert  aus 
dem  Diluvium  herausragenden,  z.  T.  in  einem  Steinbruche  auf- 
geschlossenen Schichten  von  Piedras  de  Afilar  petrographisch  durch 
eine  starke  sekundäre  Verhärtung  aus,  „derzufolge  die  Tonschiefer 
stellenweise  ihre  Schichtung  verlieren  und  die  weißlichen  und 
rötlichen  Sandsteine  massigen  quarzitischen  Charakter  annehmen“ 
(1.  c.  p.  404).  Dabei  wurde  daran  erinnert,  daß  C.  Guillemain  1 
den  genannten  petrographischen  Charakter  einer  Silifizierung  zu- 
geschrieben habe,  und  der  Gedanke  ausgesprochen,  daß  dieser 
Vorgang  mit  der  reichlichen  Emanation  von  kieseligen  Lösungen 
in  analogen  Vorkommen  in  Einklang  stehen  würde.  Die  Be- 

schaffenheit einer  Anzahl  Schliffe  der  vorliegenden  Gesteine  weist 
jedoch,  wie  gezeigt  werden  soll,  auf  eine  andere  Art  der  Um- 
wandlung hin. 

Die  mesozoischen,  nach  SW  einfallenden  Sedimentgesteine  von 
Piedras  de  Afilar  setzen  sich  von  oben  nach  unten  aus  z.  T.  fein- 
sandigen sonst  tonigen  Schiefern2 3,  hellen  Quarzitsand- 
steinen und  rötlichen  Sandsteinen  zusammen.  Über  die 
Mächtigkeit  dieser  Abteilungen  läßt  sich  leider  nichts  aussagen, 
da  Karten  bis  auf  die  Übersichtskarte  der  Republik  in  1 : 500  000 
fehlen  und  die  Aufschlüsse  mit  Ausnahme  des  von  den  Sand- 
steinen eingenommenen  Gebietes  sehr  mangelhaft  sind.  Letztere 
stehen  in  den  höheren  Teilen  der  genannten  Anhöhe  an,  während 
die  Schiefer  an  der  Westseite  der  Höhe  größtenteils  von  Lehm 
bedeckt  sind  und  nur  vereinzelt  in  Wasserrissen  zutage  treten. 

I.  Geologische  Beschreibung. 

Es  ist  möglich,  daß  sich  innerhalb  der  Schiefer  ein 
jüngerer,  rein  pelitischer,  und  ein  älterer,  fein-psammitischer  zu  den 
Sandsteinen  überleitender  Horizont  unterscheiden  lassen  würde, 
wenn  die  Aufschlüsse  besser  wären.  Man  beobachtet  nämlich  an 
einer  Stelle,  die  näher  dem  Haugenden  des  Sandsteins  gelegen  ist, 
ein  etwas  gröberes  Gesfeinskorn  bei  lichtgrauer  matter  Färbung. 
Die  Schichtung  ist  fast  gänzlich  verschwunden  und  markiert  sich 
nur  noch  durch  eine  schwache  Streifung.  Im  Gegensätze  zu  diesen 
schwach  sandigen  Bildungen  zeigen  sich  an  anderer  Stelle  dunkle 
Tonschiefer  mit  schwachem  Glanz,  deren  Fissilität  z.  T.  besser 
erhalten  geblieben  ist,  die  aber  einen  stark  gealterten  „paläo- 

1 Der  erste  Versuch  einer  geologischen  Karte  von  Uruguay.  Peter- 

mann’s  Mitteilungen.  1910.  IU  p.  306. 

3 Ich  gebrauche  hier  vorläufig  diesen  Ausdruck  — obwohl  die  Ge- 
steine teilweise  fast  massigen  Charakter  haben  — mit  Hinsicht  darauf, 
daß  dieser  erst  sekundär  erworben  wurde.  Weiter  unten  bei  der  Be- 
schreibung des  mikroskopischen  Befundes  soll  eine  Bezeichnung  eingefiihrt 
werden,  die  durch  Hervorkehrung  des  am  meisten  bezeichnenden  Gesteins- 
komponenten  dem  augenblicklichen  Zustande  besser  gerecht  wird 


70  K-  Walther,  Ueber  ein  Vorkommen  von  Epidotadinole  und 


zoischen“  Habitus  aufvveisen,  der  von  demjenigen  der  analogen  Bil- 
dungen in  der  älteren  „Santa  Catharina-Formation“  merkbar  absticlit. 

Man  denkt  bei  diesen  Beobachtungen  unwillkürlich  sofort  an 
Beeinflussung  durch  die  Hitzewirkung  eines  benachbarten  Eruptiv- 
gesteins, da  von  einer  Umwandlung  durch  mechanische  Kräfte  bei 
den  zwar  aufgerichteten , aber  keineswegs  gefalteten  Sedimenten 
keine  Rede  sein  kann.  Seltsamerweise  läßt  sich  jedoch  bei  dem 
Vorkommen  nahe  der  Bahnlinie  außer  einigen  losen  Bröckchen 
stark  verwitterten  basischen  Eruptivgesteins  nichts  nach  weisen, 
was  die  Umwandlung  der  Tonschiefer  hätte  verursachen  können. 
Bei  einem  anderen  Fundpunkte  zeigt  sich  dagegen  ein  massen- 
haftes Vorkommen  eines  schmutzig  dunkelgrünen,  spezifisch  schweren 
und  äußerst  zähen  Eruptivgesteins,  das  in  zahlreichen  kugeligen 
Gebilden  von  Faust-  bis  über  Kopfgröße  den  Boden  bedeckt  und 
auch  in  Blöcken  — offenbar  dem  Ausstreichen  geringmächtiger 
Gänge  — in  der  Nähe  ansteht. 

Wir  haben  es  hier  mit  einem  Mitgliede  jener  Diabas-Melaphyr- 
familie  zu  tun,  deren  Eruption  in  teils  gang-  teils  deckeu- 
förmiger2  Gestalt  in  die  Zeit  der  hangenden  Säo  Bento-Schichten 

1 Vergl.  als  Beispiel  hierzu  C.  Güillf.main,  Zur  Geologie  Uruguays 
Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Gesellsch.  63  1911.  Monatsber.  p.  208.  Fig.  3. 

2 Vergl.  hierzu  K.  Walther,  Über  permotriassische  Sandsteine  und 
Eruptivdecken  etc.  N.  Jalnb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXI.  worauf  auch 
hinsichtlich  der  hier  gewählten  Definition  der  Begriffe  Diabas  und  Mela- 
phyr,  sowie  die  Ausscheidung  des  Begriffes  Basalt  aus  der  Alkalikalkreihe 
hingewiesen  sei  (1.  c.  p.  600).  Als  einziger  Rest  der  Basaltfamilie  bliebe 
der  Dolerit  (in  der  Mehrzahl  seiner  Vorkommen),  auf  dessen  nahe  Ver- 
wandtschaft mit  intersertalen  Diabasen  A.  Schwantke  wiederholt  hin- 
gewiesen hat  (z.  B.  dies.  Centralbl.  1910  p.  673).  Den  Rest  dieser  Do- 
lerite  - ■ Diabase  würde  man  als  doleritartige  (intersertale)  Basalte  und  die 
Alkalidiabase  als  diabasartige  Basalte  z.  T.  mit  intersertaler  Struktur  zu 
bezeichnen  haben,  während  die  Vorkommen  „echter“  Basalte  mit  „pazi- 
fischem“ Charakter  bei  dem  „Trapp“  E.  Weinschenk's  unterzubringen 
wären.  Es  würde  sich  auf  diese  Weise  verhalten 

Basalt  bezw.  diabasartiger  Basalt  Porphyrischer  Diabas 

Intersertalem  Basalt,  z.  T.  diabasartig  Diabas 

. Trapp  . Melaphyr 
und  - . -U.  und  — Vf 
Dolerit  lholent 

Die  Unterbringung  der  Alkalidiabase  bei  den  „Basalten“  halte  ich 
für  vorteilhafter  als  die  bei  den  Essexiten  und  Theralithen.  0.  H.  Erd- 
mannsdörffer,  der  die  Namen  Essexit-  und  Theralith-Diabas  vorschlägt 
(Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.  1907.  Monatsber.  p.  16)  gibt  selbst  an, 
daß  diese  Gesteine  sich  zum  Essexit  und  Theralitb  verhalten  wie  die 
Diabase  zu  den  Gabbrogesteinen.  Diabas  sensu  stricto  bliebe  also  ein 
Alkalikalkgestein  ebenso  wie  Melaphyr  und  Trapp.  Die  BRÖGGER’sche 
Bezeichnung  Essexitmelaphyr  halte  ich  deshalb  nicht  für  glücklich.  Wie 
unabhängig  ein  „echter“  Diabas  vom  geologischen  Alter  und  von  me- 
chanischer Beeinflussung  sein  kann,  wird  im  folgenden  gezeigt  werden. 


gefritteten  Sedimenten  aus  dem  Süden  der  Republik  Uruguay. 


71 


fällt  und  deren  Neigung  zu  kugeliger  Absonderung  ich  1.  c.  er- 
wähnt habe. 

Aber  auch  dieses  diabasartige  gangförmige  Gestein  kann  die 
geschilderte  Umwandlung  nicht  hervorgerufen  haben,  denn  ab- 
gesehen davon,  daß  es  gerade  bei  dem  erstgenannten  Vorkommen 
bis  auf  geringe  Spuren  fehlte,  weist  der  andere  Fundpunkt  eiuen 
nur  stark  gealterten  Tonschiefer  auf,  dessen  Schichtung  jedoch 
nahezu  erhalten  blieb.  Zudem  zeigt  sich  mit  aller  Deutlichkeit, 
daß  der  Einfluß  des  gangförmigen  Eruptivgesteins  begreiflicher- 
weise ein  ganz  beschränkter  wenn  auch  sehr  intensiver  war : er 
reichte  nur  auf  ein  bis  zwei  Handbreiten  in  den  Tonschiefer  und 
wandelte  diesen  in  ein  äußerst  hartes,  muschelig  und  scharfgratig 
brechendes  hornfelsähnliches  Gestein  um1.  Seine  Farbe,  ein 
gelbliches  Grün,  läßt  es  schon  makroskopisch  als  ein  Epidot- 
gestein erkennen.  Die  ursprüngliche  Fissilität  des  Tonschiefers 
ging  ganz  verloren  und  markiert  sich  lediglich  noch  durch  eine 
Art  Maserung,  die,  im  frischen  Gestein  kaum  sichtbar,  bei  der 
Verwitterung  hervortritt.  An  der  Oberfläche  überzieht  sich  das 
Gestein  mit  einer  bis  1 mm  starken,  schwach  erdigen  weißlichen 
Rinde,  die  durch  blasser  gefärbtes  Gestein  allmählich  in  den  gelb- 
grünen Hornfels  überführt.  Wo  in  dieser  hellen  Rinde  sich  noch 
eine  schmale  bräunliche  Zone  wenig  unterhalb  der  Oberfläche  be- 
findet, dürfte  es  sich  um  eingedrungene  limonitische  Substanz 
handeln,  zumal  da  diese  Erscheinung  nur  an  den  Schichtköpfen 
auftritt.  Beide  Vorgänge  rufen  eine  Lockerung  hervor,  derart, 
daß  am  Ausstreichen  die  ursprüngliche  Schichtung  wieder  sicht- 
bar wird. 

Die  Unterlagerung  des  Tonschiefers  durch  den  Quarzit- 
sandstein ist  nicht  aufgeschlossen.  Mit  seinem  Beginn  wächst 
der  Böschungswinkel  der  Anhöhe  merklich.  Er  ist  ein  einfachen 
weißliches  oder  durch  Fe-Verbindungeu  rötlich  gesprenkeltes  sein- 
hartes  Gestein , das  vorübergehend  in  Montevideo  zum  Pflastern 
benützt  wurde,  eine  Verwendung,  von  der  aber,  da  sich  das  Ma- 
terial als  sehr  klüftig  erwies,  wieder  Abstaud  genommen  wurde. 
Wegen  seiner  Härte  ragt  das  Gestein  überall  gratartig  aus  dem 
Boden  heraus,  der  begreiflicherweise  sehr  nährstoffarm,  trocken 
und  wenig  tiefgründig  ist  und  infolgedessen  außer  dürftigem  Gras- 
wuchs nur  Kaktuspflauzen  trägt. 

Unter  dem  Quarzit  befindet  sich,  durch  den  erwähnten  Stein- 
bruch aufgeschlossen,  ein  massiger  Sandstein,  der  in  seiner 

1 Leider  läßt  sich  dieses  Produkt  nirgends  im  Kontakt  mit  dem 
Eruptivgestein  nachweisen,  sondern  findet  sich  nur  in  dessen  nächster 
Umgebung  in  losen,  sehr  verschieden  großen  Stücken.  Dies  deutet  wohl 
darauf  hin,  daß  der  Kontakt-„Hof“  an  Durchmesser  sehr  variiert,  ja  viel- 
leicht stellenweise  sich  gar  nicht  gebildet  hat. 


K.  Walther.  Heber  ein  Vorkommen  von  Epidotadinole  und 


72 

rötlichen  Farbe  und  seinem  ziemlich  feinen  Korn  an  1.  c.  von 
mir  aus  dem  Norden  des  Landes  beschriebene  Gesteine  erinnert. 
Seine  Bestandteile  sind  allerdings  weit  inniger  zementiert,  doch 
reicht  seine  Härte  nicht  an  die  des  oben  geschilderten  Quarzit- 
sandsteins. 


II.  Ergebnisse  der  mikroskopischen  Untersuchung. 

1.  Diabas. 

U.  d.  M.  erkennt  man,  wie  das  wenig  frische  Gestein  vor- 
wiegend aus  uralitischer  blaßgrüner  Hornblende  gebildet  wird, 
deren  (nicht  starker)  Pleochroismus  sich  zwischen  schwach  bläulich- 
grün nach  c,  gelblichgrün  nach  b und  fast  farblos  nach  ü bewegt. 
Das  Mineral  zeigt  keine  kristallographische  Begrenzung,  sondern 
bildet  zerfaserte  Individuen,  die  pinselartig  endigen  und  auf  diese 
Weise  innig  verbunden  sind,  eine  Erscheinung,  welche  die  große 
Zähigkeit  des  Gesteins  erklärt.  Die  Fasern  sind  meist  verbogen 
und  verquetscht,  was  auf  Volumzunahme  bei  der  Uralitisierung 
hindeutet.  Welchen  Ursachen  dieser  Prozeß  in  unserem  Falle 
zuzuschreiben  ist,  mag  nur  negativ  dahin  entschieden  werden,  daß 
es  sich  dabei  nicht  um  gebirgsbildende  Vorgänge  gehandelt  haben 
kann,  wie  ohne  weiteres  aus  der  bereits  angegebenen  Lagerung 
der  umgebenden  Schichten  hervorgeht.  Auch  an  kontaktmetamorphe 
Einflüsse  durch  eine  — in  der  Tiefe  steckende  und  gänzlich  hypo- 
thetische — granitische  Masse  ist  nicht  zu  denken,  so  sehr  unser 
Gestein  makro-  und  mikroskopisch  einem  deutschen  Gestein,  das 
auf  diesem  Wege  entstand1 2,  ähnlich  ist.  Denn  sowohl  nach  den 
Untersuchungen  C.  Guillemain’s  2 als  auch  nach  meiner  eigenen 
Kenntnis  der  hiesigen  geologischen  Verhältnisse  gehört  der  Granit 
als  verbreitetster  Repräsentant  der  intrusiven  Bildungen  ausschließ- 
lich dem  sogen.  Grundgebirge  an  und  findet  sich  nicht  in  jüngeren 
Schichten.  Man  muß  daher  hier  wohl  an  eine  durch  postvulka- 
nische Prozesse  bedingte  Gesteinszersetzung  denken,  wie  E.  Wein- 
schenk es  bei  der  Grünsteinbildung  und  Saussuritisiernng  nebst 
Uralitisierung  tut3.  — Die  Menge  des  zwillingsgestreiften  F el  d - 

1 „Hornblendegestein  vom  Knoblauchsberg  im  Erzgebirge“  aus  der 
Sammlung  von  7 H Gesteinen  und  Dünnschliffen  als  Belegstücke  für  Kon- 
taktmetamorphose.  Herausgegeben  von  Dr.  F.  Krantz  in  Bonn,  beschrieben 
von  Prof.  Dr.  W.  Brohns. 

2 1.  c.  p.  208. 

8 Allgemeine  Gesteinskunde.  2.  Aufl.  p.  150.  Es  möge  im  Zusammen- 
hänge hiermit  daran  erinnert  sein , daß  A.  Schwantkk  (dies.  Centralbl. 
1910.  p.  174)  den  immer  noch  nicht  erklärten  hohen  Gehalt  an  Natrium, 
der  für  den  Diabaskontakt  oft  so  bezeichnend  ist,  als  Begleiterscheinung 
der  Eruption  aufgefaßt  wissen  möchte.  Ob  die  Na-Injektion  gleichzeitig 
mit  der  Eruption  erfolgte  oder  nicht,  vielmehr  zusammen  mit  der  Er- 


gefritteten  Sedimenten  aus  dem  Süden  der  Republik  Uruguay.  7R 

spats  ist  scheinbar  nicht  groß,  es  ist  jedoch  zu  bedenken,  daß 
dieses  Mineral  einerseits  vielfach  in  Klinozoisit  um  ge  wandelt  und 
von  der  „schilfigen'*  Hornblende  (die  gleichfalls  das  genannte 
sekundäre  Mineral  lieferte)  häufig  förmlich  überwuchert  wurde. 
Anderseits  entgeht  der  Feldspat  oft  dadurch  der  Beobachtung,  daß 
er  pseudomorph  durch  chloritische  Substanz  mehr  oder  weniger 
verdrängt  wurde.  Welches  Glied  der  Plagioklasreihe  vorliegt, 
läßt  sich  unter  diesen  Verhältnissen  optisch  natürlich  nicht  defi- 
nieren. — Ilmenit  bezw.  titanhaltiger  Magnetit  ist  im  frischen 
Gestein  sicher  reichlich  vorhanden,  in  den  vorliegenden  Präpa- 
raten ist  das  Mineral  zum  größten  Teil  in  Leukoxen  übergeführt, 
wobei  am  restierenden  Metall  Schalenbau  mehrfach  gut  hervortritt. 

2.  Epidotschiefer. 

Schon  aus  der  obigen  Erwähnung  vom  Vorkommen  eines 
epidotreichen  hornfelsartigen  Kontaktproduktes  wird  man  ersehen 
haben,  daß  der  früher  gebrauchte  Ausdruck  toniger  bezw.  san- 
diger Schiefer  einen  chemischen  Komponenten  außer  acht  läßt, 
der  für  den  in  Rede  stehenden  stratigrapliischen  Horizont  in 
hohem  Maße  charakteristisch  ist:  das  Calcium.  Dieses  Element 
findet  sich  — wie  im  folgenden  Abschnitt  zu  zeigen  sein  wird  — 
in  dem  Hornfelse  ebenso  wie  in  den  „Schiefern“  in  großer  Menge 
als  Silikat  in  der  Form  von  Angehörigen  der  Epidotgruppe.  Ich 
behalte  also  das  Grundwort  „Schiefer“  bei,  obwohl,  wie  oben 
schon  gesagt  wurde,  nur  ein  Teil  der  Gesteine  seine  Fissilität 
behalten  hat,  und  füge  als  Bestimmungswort  den  charakteristischen 
Bestandteil  Epidot  hinzu. 

Das  Korn  der  Epidotschiefer  ist  mit  einer  Ausnahme  — die, 
wie  zu  Anfang  bereits  gesagt,  vielleicht  einem  tieferen  Horizont 
angehört  — das  sehr  feine  pelitischer  Bildungen,  wodurch  be- 
kanntlich die  mineralogische  Definition  der  Komponenten  bedeutend 
erschwert  wird. 

In  jenem  etwas  gröber  klastischen  Gesteine  enthüllt  sich 
schon  bei  der  Anfertigung  des  Schliffes  die  sekundär  verloren 
gegangene  Schichtung.  Es  zeigt  sich  u.  d.  M.,  daß  sie  bedingt 
wurde  durch  Lagen  gröberen  Materials,  unter  dem  in  erster  Linie 
natürlich  Bröckclien  von  Quarz,  dann  aber  auch  von  zwillings- 
gestreiftem Feldspat  und  vereinzelt  von  Epidot  zu  beobachten 


starrung  des  Magmas  und  postvulkanisch  — wie  bei  A.  Schwantke  aus 
der  Anführung  der  Zeolithisierung  und  „juveniler“  Emanationen  hervor- 
geht— , ist  in  unserem  Falle  belanglos.  Im  Falle  einer  nach  der  eigent- 
lichen Eruption  erfolgten  Na-(und  Si  02-)Zufuhr  würde  sich  auch  der 
Widerspruch  gegen  die  herrschende  Meinung  klären,  wonach  im  normalen 
Intrusivgesteinskontakt  der  chemische  Bestand  sich  wesentlich  nicht  ändert 
(man  vergl.  hierzu  0.  H.  Eromannsdörfker  in  dies.  Centralbl.  1910.  p.  797).. 


74  K.  Walther,  lieber  ein  Vorkommen  von  Epidotadinole  und 


sind.  Die  Erhaltung  dieses  gröberen  Materials  erhellt  aus  dem  oben 
über  die  fast  ungestörte  Lagerung  des  Gesteinskomplexes  Gesagten. 

An  der  Zusammensetzung  der  Epidotschiefer  insgesamt  be- 
teiligen sich  — außer  Quarz  und  nicht  näher  zu  deutender,  in 
winzigen  rostbraunen  Körnchen  auftretender  ferritischer  Substanz 
die  Komponenten:  chloritisches  Mineral,  Epidot  und  kohlige  Substanz. 

Ob  sich  unter  den  allerorts  reichlich  vorhandenen  farblosen 
oder  schwach  gefärbten  glimmerähnlichen  Blättchen  außer  den 
cli loritischen  Bestandteilen  auch  ein  Mitglied  der  Glimmer- 
familie verbirgt,  kann  ich  mit  Sicherheit  nicht  sagen.  Auch  die 
Zurechnung  zu  einer  bestimmten  Spezies  der  erstgenannten  Sili- 
kate stößt  auf  Schwierigkeiten.  Auf  den  Biotit  als  Ausgangs- 
material derselben  1 dürften  schon  die  massenhaft  vorhandenen, 
z.  T.  in  deutlichem  Zusammenhänge  mit  den  chloritischen  Blätt- 
chen stehenden  limonitischen  Körnchen  deuten. 

Hinsichtlich  der  Anordnung  des  in  Rede  stehenden  Minerals  ver- 
dient hervorgehoben  zu  werden,  daß  in  zwei  parallel  zur  Schichtung 
gerichteten  Schliffen  neben  basalen  auch  große  Mengen  leistenförmiger 
Blättchen  sich  linden,  die  in  zwei  nahezu  senkrecht  zueinander 
verlaufenden  Systemen  angeordnet  sind.  Eine  Erklärung  hierfür 
vermag  ich  nicht  anzugeben.  Ferner  zeigt  sich,  daß  in  dem- 
selben Gestein  sich  eine  Art  schwacher  Fleck-  oder  Knoten- 
struktur mikroskopisch  dadurch  ausspricht,  daß  der  Glimmer  ver- 
einzelt zu  kleinen  Häufchen  Zusammentritt.  Sie  bestehen,  wie 
man  bei  starker  Vergrößerung  erkennt,  aus  parallel  ungeordneten 
und  zusammen  auslöschenden  Blättchen,  deren  Ebene  senkrecht 
zur  Schichtung  liegt.  Eine  Anreicherung  kohliger  Substanz  in 
diesen  Flecken  — - wie  dies  aus  den  Granitkontakthöfen  bekannt 
ist  — läßt  sich  jedoch  nicht  feststellen. 

Die  leistenförmigen  Blättchen  des  Minerals  sind  meist  farblos, 
etwas  größere  Individuen  zeigen  jedoch  mehrfach  eine  schwache 
Färbung  und  geringen  Pleochroismus  zwischen  gelblichgrün  par- 
allel den  Spaltrissen  und  fast  farblos  senkrecht  hierzu.  Im 
Gegensätze  zu  den  flächenförmigen  weisen  die  farblosen,  Spalt- 
risse führenden  Schnitte  lebhafte  Interferenzfarben  auf,  bei  gerader 
Auslöschung  und  positivem  Charakter  der  Zone.  Gefärbte  pleo- 
chroitische  Individuen  dagegen  sind  außerordentlich  schwach 
doppelbrechend.  Basale  spaltrißfreie  Blättchen , die  z.  T.  aus- 
gebleicht und  schwach  lichtbrechend  sind,  z.  T.  sich  bei  gelb- 
grüner Färbung  durch  geringe  Doppelbrechung  verraten,  geben 
im  konvergenten  polarisierten  Licht  häufig  ein  gutes  Achsenbild 
mit  negativem  Charakter  der  Bisektrix  und  zugehörigem  Achsen- 
winkel von  beträchtlicher  Größe. 

1 Vergl.  H.  Rosenbusch,  Mikroskop.  Physiograpliie.  4.  Aufi,  II,  2. 

p.  131 1. 


gefritteten  Sedimenten  aus  dem  Süden  der  Republik  Uruguay.  75 


Der  faserige  Charakter  der  leistenförmigen  Chloritblättcheu 
und  ihre  meist  höhere  positive  Doppelbrechung  unterscheiden  sie 
von  einer  der  gleich  zu  schildernden  Varietäten  der  Epidot- 
gruppe. Die  Angehörigen  derselben  häufen  sich  in  dichten, 
z.  T.  wenig  durchsichtigen  körnigen  Massen  an  und  stellen  dem 
Studium  infolge  außerordentlicher  Kleinheit  der  Individuen  be- 
trächtliche Schwierigkeiten  entgegen , so  daß  man  stets  eine 
4 — öOOfache  Vergrößerung  benötigt.  Hervorzuheben  ist,  daß  in 
zwei  Gesteinen  außer  den  regellos  verteilten  Kriställchen  und 
Körnchen  noch  eine  Anordnung  gleicher,  sehr  feiner  und  schwei- 
durchsichtiger  Produkte  in  langgezogenen,  unregelmäßig  gestalteten 
und  gewundenen  parallel  gerichteten  Bändern  zu  beobachten  ist. 
Schon  aus  ' dieser  Anordnung,  mehr  aber  noch  aus  erhalten  ge- 
bliebenen Resten  des  ursprünglichen  Minerals  läßt  sich  schließen, 
daß  man  es  hier  mit  einer  Verdräugungspseinlomorphose  von 
Epidot  nach  Chlorit  zu  tun  hat,  analog  wie  dies  nach  Biotit 
bekannt  ist. 

Es  sind  mindestens  zwei  Ausbildungsweisen  des  Calcium- 
silikates  vorhanden  und  es  ist  bemerkenswert,  daß  sie  stets  in 
der  Art  miteinander  verwachseu  sind,  daß  das  fast  ausschließlich 
in  körnigen  Aggregaten  auftretende  Mineral  den  Kern,  die  immer 
kristallographisch  begrenzte  Varietät  aber  die  äußere,  an  dem- 
selben Kristall  vielfach  sehr  ungleichmäßig  starke  und  stellen- 
weise fehlende  Umhüllung  bildet  (s.  Fig.  1 ’).  Ersteres  besitzt. 


auch  au  den  dünnsten  Stellen  des  Schliffs  meist  deutlich  gelbe 
Farbe  und,  soweit  die  eben  genanute  Eigenschaft  eine  Beobach- 
tung darüber  zuläßt,  hohe  Doppelbrechung.  Vereinzelt  — in 
erster  Linie  in  dem  oben  erwähnten  gröber  klastischen  , Ton- 
schiefer“ — sind  die  Individuen  etwas  größer  und  schwach  pris- 
matisch begrenzt  bei  negativem  Charakter  der  Prismenzone. 

Interessanter  als  die  eben  geschilderte  typisch  pistazitische 
Varietät  ist  die  andere  — wenn  es  sich  in  der  Tat  nur  um  eine 

1 Mir.  dem  AnBE'schen  Apparate  bei  5001'acher  Vergrößerung  ge- 
zeichnet. Hierbei  beträgt  die  Höhe  des  Kriställchens  ca.  7 mm.  Die 
Abbildung  zeigt  den  nicht  seltenen  Fall,  daß  die  idiomorphe  Umhüllung, 
die  in  ihrer  Orientierung  keine  ersichtliche  Beziehung  zu  den  umschlossenen 
Körnern  aufweist,  diese  nicht  gänzlich  umhüllt.  Das  vorliegende  Indivi- 
duum ist  relativ  gedrungen ; im  allgemeinen  sind  die  Kristalle  stärker 
nach  der  Vertikalachse  (s.  u.)  gestreckt. 


76  K.  Walther,  Ueber  ein  Vorkommen  von  Epidotadinole  und 


handelt  — , deren  Zurechnung  zu  einer  bestimmten  Abart  auf 
Schwierigkeiten  stößt.  Die  Ausbildung  des  Minerals  in  winzigen, 
aber  doch  sehr  scharfen  Kristallen  ist  prismatisch,  wobei  die  In- 
dividuen hie  und  da  pyramidal  endigen,  meist  jedoch  einer  kri- 
stallographischen  terminalen  Begrenzung  entbehren.  Als  Selten- 
heit linden  sich  Schnitte  nach  der  Symmetrieebene  (s.  die  bei 
gleicher  Vergrößerung  gezeichneten  Fig.  1 und  i ’),  die  nach  der 


Vertikalachse  gestreckt  sind  und  lebhaft  an  die  entsprechenden 
Schnitte  des  Cerepidots  erinnern1  2.  Eine  Spaltbarkeit  ist  an  den 
klinopiuakoidalen  Sektionen  nicht  zu  beobachten,  dagegen  weisen 
die  übrigen  Kristalle  trotz  winziger  Dimensionen  vielfach  deut- 
liche Risse  parallel  ihrer  Zone  auf.  Den  Grad  der  Spaltbarkeit 
in  diesem  Sinne  — nach  der  Basis  — erkennt  man  daraus,  daß 
größere  Individuen  hie  und  da  an  den  Enden  ausgefranst  sind 
und  hierbei  zahlreiche  sekundäre  Kriställchen  liefern. 

Die  Farbe  des  Minerals  ist  vereinzelt  blaß  bläulickgrün, 
meist  ist  es  jedoch  farblos.  Als  Seltenheit  treten  stärker  gefärbte 
größere  Individuen  auf,  die  sich  dann  stets  durch  deutlichen 
Pleochroismus  auszeichnen.  Derartige  Kristalle  sind  parallel  zur 
vorwiegenden  Längsrichtung,  d.  h.  also  zu  b,  schwach  grünlich 
bis  fast  farblos,  während  sie  senkrecht  hierzu  graugrüne  Farbe 
zeigen. 

Während  das  Brechungsvermögen  des  Minerals  ziemlich  be- 
trächtlich ist,  weist  die  Doppelbrechung  sehr  geringe  Werte  auf. 
Die  stets  normalen  Interferenzfarben  reichen  höchstens  bis  zu 
einem  schwach  weißlichen  Ton,  zeigen  jedoch  meistens  ein  dunkles 
Grau,  wenu  sie  nicht  fast  isotrop  erscheinen.  Der  Charakter  der 
Doppelbrechung  der  makrodiagonalen  Zone  ist  negativ,  derjenige 
der  nach  c gestreckten  Kristalle  positiv.  Während  erstere  be- 
kanntlich gerade  auslöschen,  läßt  sich  bei  den  klinopinakoidalen 
Schnitten  unter  Anwendung  der  „teinte  sensible“  eine  minimale 
Schiefe  nach  vorn,  d.  h.  im  stumpfen  Winkel  ß feststellen. 

1 Das  der  letzteren  Abbildung  zugrunde  liegende  Kriställchen  hat 
bei  500facher  Vergrößerung  eine  Höhe  von  ca.  13,5  mm.  Da  die  Schnitte 
natürlich  nur  annähernd  klinopinakoidal  geführt  sind , entsprechen  die 
Winkel  nicht  den  beim  Epidot  festgestellten. 

2 Rosenbüsch- Wülfing,  Mikroskopische  Physiographie.  4.  Aufl.  p.  287. 
Fig.  145. 


gefritteten  Sedimenten  aus  dem  Süden  der  Republik  Uruguay.  77 

Diese  Eigenschaft  läßt  eiuen  Teil  der  schwach  doppelbrechen- 
deu  Kriställchen  mit  Sicherheit  als  Klinozoisit  erkennen. 
Möglicherweise  bilden  die  nach  c gestreckten  Individuen  nur  eine 
Abart  der  nach  der  Symmetrieachse  prismatischen  Kristalle,  eine 
Variabilität,  die  bei  den  Angehörigen  der  Epidotgruppe  nicht 
besonders  auffällt. 

Die  Verteilung  der  allenthalben  in  beträchtlichen  Mengen 
vorhandenen  kohligen  Substanz  ist  gleichmäßig  bis  auf  ein 
Vorkommen,  in  dem  sich  eine  schwache  Anhäufung  des  Pigments 
in  einzelnen  unregelmäßigen  Flecken  konstatieren  läßt. 

3.  Epidotadinole. 

Dieses ' Gestein,  das,  wie  oben  gesagt  wurde,  eine  schmale 
Koutaktzone  an  einem  Diabase  bildet,  setzt  sich,  im  Dünnschliff 
betrachtet,  neben  Quarz  aus  Epidot,  Calcit  und  Strahlstein  zu- 
sammen. Schon  unter  der  Lupe  zeigen  sich  auf  der  angeschliffenen 
Fläche,  besonders  wenn  man  sie  anfeuchtet,  regelmäßig  verteilte 
dunklere  Punkte,  die  das  Gestein  sprenkeln.  Im  Schliff,  dessen 
Herstellung  wegen  der  außerordentlichen  Härte  des  Materials  sehr 
zeitraubend  ist  und  der  besonders  dünn  sein  muß,  um  vollkommen 
durchsichtig  zu  sein,  erkennt  mau,  daß  die  bei  reflektiertem  Lichte 
dunkleren  Punkte  im  hindurchgehenden  Lichte  farblos  sind.  Sie 
bestehen  — analog  wie  es  bei  Spilositen  bekannt  ist  — haupt- 
sächlich aus  Quarzkörnern.  Ob  sich  unter  diesen  auch  ein  albi- 

tischer  Feldspat  versteckt,  konnte  bei  der  Kleinheit  der  Individuen 
optisch  nicht  festgestellt  werden.  Ich  bestimmte  daher  chemisch 
den  Alkaligehalt  des  Gesteins  im  Aufschluß  nach  J.  Lawrence 
Smith.  Die  Summe  von  K20  und  Na2  0 belief  sich  jedoch  nur 
auf  3,fi8°/0,  ein  gesteigerter  Gehalt  von  Albit  ist  deshalb  nicht 
vorhanden. 

An  der  Zusammensetzung  der  hellen  Flecken  beteiligen  sich 
vereinzelte  Epidotkörner  sowie  dasjenige  Mineral,  das  besonders 
beim  Zurücktreten  des  genannten  Silikates  sichtbar  wird : der 
Strahlstein.  So  wenigstens  möchte  ich  jene  zahllosen  außer- 
ordentlich feinen,  nur  bei  starker  Vergrößerung  sichtbar  werdenden 
schlanken  Nadeln  deuten,  die,  häufig  büschelig-faserig  und  radial- 
strahlig  angeordnet,  wie  ein  Gewebe  den  ganzen  Schliff  durchziehen. 
Die  terminal  nicht  kristallographisch  begrenzten  Nüdelchen  sind 
farblos  oder  schwach  bläulichgrün  gefärbt,  besitzen  nicht  unbedeu- 
tende Lichtbrechung,  aber  — bei  positivem  Charakter  der  Prismen- 
zone — geringe  Doppelbrechung,  eine  Erscheinung,  die  vielleicht 
auf  teilweise  serpentinige  Umwandlung  zurückzuführen  ist.  Die 
Interferenzfarben  sind  so  niedrig,  daß  sie  mit  dem  sogen.  Viertel- 
Hndulationsglimmerplüttchen  in  Kreuzstellung  vollkommen  reduziert, 
werden.  Ein  Teil  der  Nadeln  weist  deutliche  Schiefe  der  Aus- 
löschung auf. 


78  K.  Walther.  Ueber  ein  Vorkommen  von  Epidotadinole  und 


Wie  schon  nach  dem  makroskopischen  Befunde  vermutet  war, 
rührt  die  gelbe  Farbe  des  Gesteins  von  Pistazit  her,  der  in 
großer  Menge  in  unregelmäßigen,  stark  licht-  und  doppelbrechen- 
den Körnern  von  gelber  Farbe  auftritt.  Es  handelt  sich  um  das- 
selbe Mineral,  wie  es  aus  den  Schiefern  beschrieben  wurde,  doch 
besitzt  es  hier  gröberes  Korn  und  ermangelt  durchweg  jener  für 
die  letztgenannten  Gesteine  so  charakteristischen  klinozoisitischen 
Umwachsung. 

Die  kohlige  Substanz  der  oben  geschilderten  Epidot- 
schiefer ist  fast  ganz  weggeführt  und  auf  einzelne  z.  T.  schon  im 
Handstück  erkennbare  kleine  Flecken  reduziert. 

Was  die  bereits  oben  erwähnte,  besonders  an  den  Schicht- 
köpfen bemerkbare  Verwitterungsrinde  anlangt,  so  zeigt 
sich  u.  d.  M. , daß  dort  die  Aktinolithnädelchen  nahezu  ganz 
fehlen  und  daß  der  Pistazit  gebleicht  erscheint.  Mit  der  erst- 
genannten Erscheinung  und  der  oben  vermuteten  teilweisen  serpen- 
tinösen  Umwandlung  darf  man  wohl  den  nicht  unbeträchtlichen 
Gehalt  des  Gesteins  an  Calcit  in  Verbindung  bringen.  Die 
Anwesenheit  dieses  Minerals  konnte  durch  Behandeln  des  Schliffs 
mit  kalter  verdünnter  Essigsäure  nachgewiesen  werden.  Hierbei 
löst  sich  das  Mineral  und  läßt  stellenweise  die  charakteristischen 
Blätterbrüche  sehen.  Entsprechend  seiner  sekundären  Entstehung- 
tritt der  Kalkspat  in  unregelmäßig  begrenzten  Putzen  auf. 

Die  gleichfalls  schon  erwähnte,  hie  und  da  unter  der  Ober- 
fläche gelegene  braune  Zone  rührt  in  der  Tat  von  eingedrungenen 
oxydischen  Eisenverbindungen  her. 

Über  die  Wahl  der  Bezeichnung  Adinole  soll  weiter  unten 
gesprochen  werden.  Von  den  umgebenden  Schiefern  unterscheidet 
sie  sich  dadurch,  daß  in  ihr  die  dort  reichlich  vorhandene  kohlige 
Substanz  nahezu  ganz  weggeführt  und  daß  an  die  Stelle  des 
chloritischen  Minerals  nunmehr  reichliche  Mengen  von  Aktinolith 
getreten  sind. 


4.  Quarzitsandstein  und  Sandstein. 

Die  früher  ausgesprochene  Vermutung,  daß  nämlich  die  auf- 
fallende Verhärtung  dieser  Gesteine  sich  von  einem  Silifizierungs- 
prozesse herleite,  bestätigt  sich  bei  der  mikroskopischen  Unter- 
suchung nicht.  Es  zeigt  sich  vielmehr,  daß  der  angegebene 
Charakter  der  Gesteine  metamorphen  Einflüssen  zuzuschreiben  ist, 
denen  zufolge  das  ursprüngliche  tonige  Bindemittel  umkristalli- 
sierte. Es  bildete  sich  dabei  in  großen  Mengen  ein  Mineral,  das 
ich  für  Sericit  halte.  Es  schmiegt  sich  in  Bündeln  winziger, 
meist  prismatischer  farbloser  Kristalle  um  die  Quarzkörner  und 
zeigt  lebhafte  Interferenz  färben  bei  positivem  Charakter  der  Zone. 
Eine  Untersuchung  etwaiger  basaler  Blättchen  durch  Betrachtung 
im  konvergenten  polarisierten  Lichte  ist  bei  der  Kleinheit  der 


gefritteten  Sedimenten  aus  dem  Süden  der  Republik  Uruguay.  79 

Individuen  leider  nicht  möglich.  Was  jedoch  an  der  obigen  Be- 
stimmung festhalten  läßt,  ist  die  Beobachtung,  daß  der  Sericit 
in  den  rötlichen , den  Quarzit  unterlagernden  Sandsteinen  schon 
im  Handstücke  in  glitzernden  farblosen,  durch  das  ganze  Gestein 
verteilten  Blättchen  erkennbar  ist.  Sie  erweisen  sich  mikro- 
skopisch durch  vollkommene  Spaltbarkeit  und  hohe  Interferenzfarben 
mit  Sicherheit  als  Glimmer.  Es  liegt  also  nur  an  der  Kleinheit 
der  Individuen , daß  der  Quarzitsandstein  ein  mattes  Aus- 
sehen trägt. 

Außer  Quarz  und  Glimmer  beteiligen  sich  lediglich  noch 
limonitische  Produkte  am  Aufbau  des  Gesteins.  Aus  ihnen  als 
ursprünglich  touigen  Psammiten  mögen  sich  durch  allmähliche 1 
Verfeinerung  des  Korns , Zunahme  der  tonigen  und  Aufnahme 
mergeliger  und  kohliger  Bestandteile  die  im  vorigen  Abschnitte 
beschriebenen  Pelite  entwickelt  haben. 

III.  Folgerungen. 

Die  im  obigen  gebrauchte  Bezeichnung  Epidotadinole  ergab 
sich  aus  der  Beobachtung,  daß  hier  ein  durch  große  Mengen  von 
Epidot  ausgezeichnetes  Glied  derjenigen  Diabas- Kontaktgebilde 
vorliegt,  die  sich  durch  gesetzmäßige  Anordnung  ihrer  Bestand- 
teile kennzeichnen.  Dabei  muß  hervorgehoben  werden,  daß  es 
sich  nicht  um  einen  typischen  Vertreter  dieser  Gruppe  handelt. 
Hiergegen  spricht  schon  der  geringe  Gehalt  an  albitischem  Feld- 
spat. Es  weist  eben  unsere  Adinole  zwar  den  äußeren  hornfels- 
artigen Habitus  dieser  nächst  dem  Diabas  gelegenen  Gesteine, 
aber  die  Struktur  äußerer  Zonen  auf,  von  denen  jedoch  in  unserem 
Falle  nichts  zu  beobachten  ist. 

Auf  Schwierigkeiten  stoßen  wir  bei  Erörterung  der  Frage, 
welche  Kräfte  die  beschriebenen  Sedimente  außerhalb  des  ganz 
unbedeutenden  Diabaskontakt- „Hofes“  umgewandelt  haben,  und 
zwar  kompliziert  sich  der  Fall  dadurch,  daß  man,  wie  gezeigt, 
weder  gebirgsbildende  Kräfte  noch  Nähe  eines  Tiefengesteins  zur 
Deutung  heranziehen  kann.  Man  ist  daher  zu  der  Annahme  ge- 
zwungen, daß  die  Metamorphose  von  einer  jetzt  gänzlich  weg- 
geführten Eruptivdecke  vom  Charakter  der  Diabas-Melaphyr-Trapp- 
Gruppe  — wie  solche  im  Norden  des  Landes  sehr  verbreitet  — 
herrührt.  Von  ihrem  ehemaligen  Vorhandensein  legt  unser  Diabas- 
gang Zeugnis  ab,  der  die  Rolle  eines  Zufuhrkanals  spielte.  Wenn 
dem  so  ist,  so  steht  zu  erwarten,  daß  der  Charakter  der  Um- 
wandlung im  wesentlichen  der  einer  Hitzewirkung  ist  und  sich 
in  einer  Frittung  der  betroffenen  Sedimente  ausspricht.  In  der 
Tat  gehört  der  Verlust  der  Schichtung  zu  den  wichtigsten  Merk- 
malen aller  unserer  Gesteine;  er  ist  natürlich  dort  am  stärksten, 


1 s.  oben  p.  73. 


BO  K.  Walther,  Ueber  ein  Vorkommen  von  Epidotadinole  etc. 


■wo  dieselben  einerseits  dem  Eruptivgestein  direkt  anliegen,  wie 
es  bei  der  Adinole  der  Fall  ist,  anderseits  wo  sie  schon  primär 
weniger  deutliche  Schichtung  aufwiesen,  wie  es  bei  den  Sand- 
steinen und  gröber  körnigen  Schiefern  (s.  p.  74)  der  Fall  ge- 
wesen sein  mag.  Weiterhin  gewinnt  die  obige  Annahme  dadurch 
an  Wahrscheinlichkeit,  daß  das  Wesen  der  Umwandlung  in  Epidot- 
adinole und  Epidotschiefer  dasselbe  ist.  Die  Anwesenheit  von 
reichlichem  Epidot  in  den  Schiefern  mag  zunächst  befremden,  da 
man  dieses  Mineral  als  Neubildung  im  wesentlichen  nur  in  zen- 
tralen Zonen  kontaktmetamorpher  Umwandlungen  sowie  in  kristal- 
linen Schiefern  kennt.  In  letztgenannter  Gruppe  gehört  es  jedoch 
zum  typomorphen  Mineralbestande  der  obersten  der  angenommenen 
Zonen  dynamometamorpher  Umwandlung  ’,  in  der  die  Temperatur 
noch  relativ  niedrig  ist.  Man  muß  auch  bedenken,  daß  es  bei 
gleichzeitiger  Anwesenheit  von  Al,  Ca  und  Si02  nur  zur  Bildung 
eines  Al-Ca-Silikates  und  nicht  etwa  zu  der  eines  reinen  Al-Sili- 
kates  (Sillimanit,  Andalusit)  nebst  Calcit  kommen  kann.  Für  die 
etwaige  Annahme,  daß  in  der  Verwachsung  von  Pistazit  und 
Klinozoisit,  wie  sie  fiir  die  Schiefer  im  Gegensätze  zu  der  Adinole 
so  bezeichnend  ist,  ein  Merkmal  geringeren  Grades  der  Umwand- 
lung liege,  fehlen  noch  vergleichende  Daten  hinsichtlich  der  künst- 
lichen Darstellung  der  Mineralien. 

Bemerkenswert  ist  der  Umstand,  daß  die  Schiefer  wohl  eine 
Neubildung  von  Epidot,  sonst  aber  so  gut  wie  nichts  von  den 
Strukturen  aufweisen,  wie  sie  so  charakteristisch  in  den  äußeren 
Zonen  kontaktmetamorpher  Umwandlungen  auftreten,  handle  es 
sich  um  echt  intrusive  Gesteine  oder  solche,  die  vorübergehend 
diese  Erscheinungsform  angenommen  haben,  wie  es  Diabase  tun. 
Das  einzige,  was  hier  namhaft  zu  machen  wäre,  sind  die  in  einem 
Gesteine  zu  beobachtenden  vereinzelten  augenartigen  Chlorit-  und 
die  in  einem  anderen  Gestein  auftretenden  kohligen  Anhäufungen. 
Während  man  also  in  der  Epidotadinole  einen  schwachen  Reprä- 
sentanten der  Gesteine  aus  dem  Spilosit-Adinol-Kontakt  vor  sicli 
hat,  gehören  die  Epidotschiefer  der  anderen  Kategorie  von  meta- 
morphen  Gebilden  an , die  man  als  Hornschiefer  bezeichnet. 
Beispiele  werden  aus  dem  Diabas-  und  Tholeiit-Kontakt  in  der 
Literatur  aufgefiihrt. 

Nach  der  stratigraphisch-geologischeu  Seite  hin  ergibt  sich 
aus  obigen  Betrachtungen  das  Folgende : 

1.  Wenn  man  zur  Erklärung  der  geschilderten  Umwandlung 
von  ehemaligen  Sandsteinen  mit  tonigem  in  solche  mit  glirnme- 
rigem  Bindemittel  und  von  ehemaligen  dolomitischen  Schiefertonen 
in  Epidot-Chloritschiefer  eine  früher  vorhandene  Eruptivgesteins- 


1 U.  Grubenmann,  Die  kristallinen  Schiefer.  2.  Aufi.  p.  80. 


Edw.  Hennig.  Ueber  Urgon  in  Deutsch-Ostafrika. 


81 


decke  im  Hangenden  annimmt,  so  wird  dadurch  erwiesen,  daß  die 
angegebenen  Sedimente  in  der  Tat  dem  jüngsten  Teile  der  „ Santa 
Catharina-Formation“,  d.  h.  den  Säo  Bento-Schicliten.  zugehöreu. 
wie  dies  schon  früher  von  mir  auf  Grund  ihrer  Lagerungsverhält- 
nisse in  Ermanglung  paläontologischer  Beweise  wahrscheinlich 
gemacht  wurde 

2.  Da  es  ausgeschlossen  ist.  daß  die  Metamorphose  durch 
die  im  Hangeudeu  befindlichen  Schiefertone  hindurch  die  liegenden 
Sandsteine  umgewandelt  hat,  so  folgt,  daß  die  Aufrichtung  der 
Schichten  vor  der  Effusion  des  Diabasgesteins,  d.  h.  also  vor 
der  Zeit  der  „Serra  Geral- Eruptivgesteine"  vor  sich  gegangen 
ist.  demnach  also  nur  die  Schichtköpfe  umgewandelt  hat. 

3.  Die  von  der  angenommenen  Eruptivdecke  ausgehende  Kon- 
taktmetamorphose war  also  zweifellos  nur  .auf  geringe  Entfernung 
hin  wirksam.  Da  nun  aber  Sandsteine  und  Schiefer  das  gleiche 
Maß  der  Umwandlung  anfweisen,  obwohl  jene  in  einem  topo- 
graphisch höheren  Niveau  gelegen  sind  als  diese,  so  ist  anzu- 
nehmen, daß  der  Effusion  des  Diabases  eine  Periode  der  Abtra- 
gung vorausging,  die  ein  Belief  schuf,  das  dem  jetzigen  ähnlich 
war.  Auf  diese  Weise  betrachtet,  würden  die  „Serra  Geral- 
Eruptivgesteine"  als  das  hangende  Glied  der  brasilisch-uruguav- 
schen  „Gondwanaformation"  in  ein  recht  hohes  mesozoisches 
Niveau  hinaufrücken  — in  Analogie  mit  gleichartigen  Bildungen 
auf  der  Westseite  des  südamerikanischen  Kontinents1 2. 

Montevideo,  12.  September  1912. 


Ueber  Urgon  in  Deutsch-Ostafrika. 

Von  Dr.  Edw.  Hennig. 

In  Borxhardt’s  prächtigem  Werke  über  die  Geologie  und 
Oberflächengestaltung  Deutsch -Ostafrikas  rindet  sich  die  Angabe 
von  Jura  am  Durchbruch  des  Mavndyi  durch  die  Kiturika -Berge 
im  Hinterlande  der  Kilwa-Kissiwani-Bucht.  Zwar  ist  mit  der  die 
Arbeit  allenthalben  auszeichnenden  Sorgfalt  auf  die  Mangelhaftig- 
keit der  Beweise  für  dieses  Vorkommen  (ein  am  Mbambala-Fuße  auf- 
gelesener Ammonit)  ausdrücklich  hingewiesen.  Auf  der  geologischen 
Kaite  kommt  das  Hypothetische  der  Annahme  aber  natürlich  nicht 
zum  Ausdruck.  Dort  ist  vielmehr  aus  bloßer  Wahrscheinlichkeit 
heraus  die  blaue  Farbe  allseitig  über  den  Fundort  hinaus  in  den 

1 Über  Transgressionen  der  oberen  „Gondwanaformation“  in  Süd- 
brasilien und  Uruguay.  Dies.  Centralbl.  1912.  p.  398. 

2 Es  sei  hier  daran  erinnert,  daß  in  dem  BERGHAUs'sehen  „Atlas  der 
Geologie".  Karte  No.  14,  bearbeitet  von  G.  Steinmann  , hinsichtlich  der 
brasibsch-uruguayiscben  Sandsteine  gesagt  wird : .Im  Norden  paläozoisch 
oder  cretaceisch.  im  Süden  der  Trias  oder  Kreide  angehörend  und  hier 
mit  Einschaltungen  basischer  Effusivgesteine“. 

Centralblatt  f.  Mineralogrie  etc.  1913. 


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Ethv.  Hennig, 


Talsohlen  angelegt  und  der  Jura  damit  als  Liegendes  der  gleich- 
falls nur  durch  spärliche  Beobachtungen  belegten  Unterkreide  dar- 
gestellt. Das  Gelände  der  Kiturika-Berge  weicht  zudem  auf  der 
topographischen  Unterlage  von  den  ruhigen  ebenen  Plateauformen 
des  südlichen  Muera-  und  Makonde-Landes  sehr  erheblich  ab  und 
nähert  sich  dem  des  unruhig  gestalteten  nördlich  gelegenen  Matumbi- 
Berglandes,  das  nach  der  MüLLER’schen  Bearbeitung  der  Bornhardt’- 
schen  Aufsammlungen  ebenfalls  aus  Jura  aufgebaut  erscheint. 

Nun  wurde  seither  bekannt,  daß  im  Kilwa-Hinterlande  große 
Höhlenbildungen  auftreten,  und  zwar  sowohl  in  den  Matumbi-Bergen, 
wo  sie  sogar  beträchtliche  Dimensionen  erreichen , als  auch  in 
Kiturika.  Damit  schien  ein  neuer  Beweis  für  die  Gleichartigkeit 
beider  Gebiete  erbracht  um  so  mehr,  als  ja  auch  im  Tanga-Ge- 
biete jurassische  höhlenbildeude  Kalke  seit  langem  bekannt  sind. 

Meine  Marschroute  vom  Grabungsgebiete  des  Tendaguru  zu 
den  von  Herrn  Bischof  SpREtTER-Daressalaam  neuentdeckten , von 
Herrn  Janknsch  als  aussichtsreich  erkannten  Dinosaurierfund- 
stellen von  Makangaga-Mbate  im  Kilwa-Hinterlande  wählte  ich  so, 
daß  icli  stellenweise  der  BoRNHARDT’schen  Route  folgen  konnte 
und  somit  an  Hand  seiner  Angaben  den  vermeintlichen  Jura  sicher 
aufünden  mußte.  Diese  Ablagerungen  hatten  für  mich  ein  er- 
höhtes Interesse  dadurch , daß  ich  im  Zentralbahngebiete  hinter 
Daressalaam  einen  allmählichen  Übergang  vom  Dogger  bis  zu  den 
Grenzschichten  gegen  die  Kreide  geglaubt  hatte  feststellen  zu 
können.  Die  Tendaguru-Schichtenserie  bestand  aber  nach  unseren 
bereits  zweijährigen  Erfahrungen  offenbar  sehr  wesentlich  aus  den 
tiefsten  Schichten  der  Kreide.  Es  war  daher  nicht  ohne  Be- 
deutung, die  Lagerungsverhältnisse  zwischen  Jura  und  Kreide  bei 
dieser  Gelegenheit  auch  im  Süden  prüfen  zu  können;  denn  die 
besseren  BoRNHARDT’schen  Fundpunkte  des  Jura  von  Matumbi  und 
Mahokondo  lagen  zu  sehr  außerhalb'unseres  Arbeitsgebietes,  als  daß 
wir  sie,  wie  wir  gewünscht  hätten , bis  dahin  hatten  besuchen  können. 

Nun  war  es  zwar  eine  wichtige  Feststellung,  aber  aus  den 
genannten  Gründen  doch  auch  eine  arge  Enttäuschung,  daß  ich 
unmittelbar  neben  dem  BoRNHARDT’schen  Fundpunkte  des  vermeint- 
lichen Jura- Ammoniten  unzweifelhaftes  Neocom  als  das  Liegende 
des  dortigen  Aufschlusses  erkannte,  und  zwar  diejenige  Schicht,  die 
mir  vom  Tendaguru  her  als  Oberstes  einer  1 50  m mächtigen 
Folge  wohl  bekannt  war.  Bornhardt  gegenüber  hatte  ich , ab- 
gesehen von  dem  langen  Aufenthalte  in  jenen  Gegenden , eine 
wesentlich  günstigere  Beobachtungsmöglichkeit  dadurch , daß  ich 
unweit  jener  Stelle  Lager  bezog,  am  Nachmittag  des  Ankunfts- 
tages den  ganzen  Berghang  am  linken  Kihendye-Ufer  brennen 
ließ  und  von  den  zu  diesem  Zwecke  ausgesandten  Leuten  bereits 
mehrere  gute  Exemplare  des  Leitfossils  Trigonia  Schwärzt  erhielt. 
Am  andern  Morgen  konnte  ich  bequem  absuchen  und  diese  Trigonie 
in  ganzen  Nestern  feststellen.  Der  unter  dem  sie  enthaltenden 


Ueber  Urgon  in  Deutsch-Ostafrika. 


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Saudstein  am  Flusse  ausstreichende  unreine  Ton  entsprach  durch- 
aus unserer  obersten  Saurierschicht,  in  der  ich  mich  den  Tag 
vorher  (freilich  durch  dichtesten  Graswuchs  am  Beobachten  völlig- 
behindert) bewegt  hatte.  Fiir  die  Anwesenheit  von  Jura  sprach 
nichts,  bestand  sogar  nicht  mehr  die  geringste  Wahrscheinlichkeit. 

Über  dem  Sandstein  mit  Tr.  Schwarzi  folgte  unmittelbar  ein 
Korallenkalk ; es  war  somit  bei  unwesentlicher  Lokalfärbung  ganz 
das  gleiche  Profil  gegeben  wie  bei  Pilepile  im  Namgaru-Tale  süd- 
westlich von  der  Mtschinga-Bucht  im  Lindi-Bezirke , eine  höchst 
wichtige  Verbindungsbrücke  zwischen  dem  Norden  und  Süden 
unseres  Expeditionsbereiches.  Der  Kalk  ging  hier  nach  oben  hin 
in  mehrere  Meter  mächtige  fossilleere  Bänke  über , die  an  der 
Berglehne  eine  Steilkante  bildeten.  Darüber  folgten  die  sandigen 
„Makonde“ -Schichten  des  Plateaulandes  mit  dem  „Leithorizonte" 
des  Ne/rafrt-Sandsteins.  Weiter  konnte  ich  einstweilen  aus  Zeit- 
mangel dem  Problem  nicht  nachgehen.  Nur  wurde  mir  beim  Über- 
schreiten des  Manganya  (eines  Teilstückes  von  Kiturika)  in  den 
wenigen  Durchblicken,  die  der  undurchdringliche  Busch  gewährte, 
vollends  klar,  daß  Kiturika  ein  Plateau  sei  und  sich  auch  der 
Höhenlage  nach  (sc.  dem  Einfallen  entsprechend  niedriger)  durch- 
aus dem  Verbände  der  Makonde-  und  Muera-Hochflächen  einfügte. 
Auf  einem  späteren,  vom  neuen  Standquartiere  Makangaga  aus 
unternommenen , durch  Verpflegungsschwierigkeiten  erzwungenen 
Orientierungsmarsche  betrat  ich  jedoch  das  von  Ramsay  auf  der 
Karte  festgelegte  eigentliche  Höhlengebiet  zu  beiden  Seiten  des 
Mavudyi.  Da  stellte  sich  denn  zu  meinem  nicht  geringen  Er- 
staunen (endgültig  natürlich  erst  bei  der  hiesigen  Bearbeitung 
des  Fossilmaterials)  heraus , daß  dort  in  Deutsch - Ostafrika 
unverfälschtes  Urgon  auftritt.  Die  Unterlagerung  der  hier 
plötzlich  mächtig  anschwellenden  Kalke  durch  das  Neocom  wurde 
nun  auch  im  Osten  (A lectryonia  rectangularis!)  und  im  Norden 
(Schtcarzi-Sdncht  und  Saurierschicht)  zweifellos  festgestellt  und 
damit  war  das  Alter  der  Kalke  als  Aptien  bereits  genügend  ge- 
sichert. Am  Einfluß  des  Kihendye  in  den  Mavudyi  aber  wurde 
ein  Dutzend  typischer  Pachjmdonten  aufgesammelt,  die  sich  als  das 
wichtige  Leitfossil  des  Oberurgons  von  Südwesteuropa , Toucasia 
carinala  Math.  sp.  herausstellten.  Wie  das  europäische  Unterurgon 
noch  das  höhere  Neocom  umfaßt,  so  dehnt  sich  auch  im  Kilwa-Bezirke 
die  Kalkfaziesbildung  auf  den  das  Aptien  unterlagernden  Schwarzi- 
Horizont  hier  und  dort  aus.  Und  ebenso  greift  sie  nach  oben  hin 
im  Kiturika-Gebirge  selbst  auf  die  sandigen  „Makonde “-Schichten 
über,  die  dadurch  in  ihrer  Mächtigkeit  stellenweise  bis  zum  Ver- 
schwinden reduziert  werden.  Als  Einlagerungen  in  diese  Makonde- 
Schichten  hatten  wir  bereits  im  Süden , namentlich  zu  beiden 
Seiten  des  Namgaru , aber  auch  (Jaxensch)  am  Ostabhange  des 
Likonde-Plateaus  die  Kalke  kennen  gelernt.  Sie  stellen  sich  so- 
mit als  ein  deutliches  Äquivalent  dieser  sandigen  Schichten  dar, 

6* 


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Edvv.  Hennig,  Ueber  Urgon  in  Deutsch-Ostafrika. 


und  zwar  umziehen  sie  interessanterweise  in  großem  Bogen  das 
Plateauland  an  der  Ostseite  gegen  das  offene  Kreidemeer  hin.  Schon 
dadurch,  sowie  durch  die  ersichtlich  wiederholten  Unterbrechungen 
und  durch  den  schnellen  lokalen  Wechsel  ihrer  Mächtigkeit  geben 
sie  sich  auf’s  deutlichste  als  fossiles  Riff  zu  erkennen , hinter 
dem  die  sandige,  nunmehr  als  „Makonde“ -Fazies  (im  Gegensatz 
zur  Kiturika-Fazies)  zu  bezeichnende  Ausbildung  dieser  höchsten 
Ablagerungen  des  Plateaulandes  zur  Entwicklung  gelangte.  In 
Kituhawi  am  Namgaru  waren  übrigens  bereits  früher  von  meinen 
Leuten  eine  Reihe  großer  Nerineen  aufgesammelt  worden,  die  ich 
nunmehr  im  Kiturika — Makangaga-Gebiete  in  denselben  Urgou- 
kalken  geradezu  in  Massen  wieder  auffand.  Korallen  sind  da- 
gegen nur  kolonienweise  eingestreut  und  keineswegs  immer  sehr 
günstig  erhalten.  Man  darf  die  Riff-Fazies  eher  als  „Schnecken- 
kalk“ bezeichnen.  Vielfach  findet  man  eigentümliche  Gesteine, 
die  offenbar  in  der  Meeresbrandung  am  Riff  entstanden  sind  und  in 
der  Tat  dessen  östlichen  Rand  einzuhalten  scheinen.  Sie  zeigen 
konglomeratisch  angehäufte  Trümmer  von  Kalk,  Korallen  und  Pacliyo- 
donten,  die  wieder  durch  kalkiges  Bindemittel  verkittet  sind. 

Bei  Makangaga  liegen  die  Kalke  nur  noch  in  schwachen  ver- 
einzelten Erosionsresten  (so  am  Berge  Ndalakasha,  am  Fuße  des 
Mbatata  an  der  Ivilwa-Löwole-Straße  wenig  westlich  von  Mbate  und 
bei  Migerigen  *)  vor.  An  der  Austrittspforte  des  Mavudyi  aus  den 
Kiturika-Bergeu  erreichen  sie  ihre  größte  Mächtigkeit  und  dort 
enthalten  sie  auch  die  Höhlen.  Das  Gebirge  ist  durch  seinen 
dichten,  im  Tale  selbst  von  zahlreichen  Büffelherden  als  Versteck 
auserkorenen  Busch  nahezu  unzugänglich  oder  doch  für  geologische 
Beobachtungen  überaus  ungeeignet.  Da  mir  auch  wenig  Zeit  zu 
Gebote  stand,  in  den  Höhlen  sicherlich  Löwen  und  Schlangen  an- 
zutreffen sind,  ich  aber  über  keine  genügend  starke  Laterne  ver- 
fügte und  auch  meine  treuesten  schwarzen  Begleiter  sich  scheuten 
mir  zu  folgen,  so  war  mir  eine  genauere  Untersuchung  der  Höhlen 
leider  unmöglich.  Ich  stattete  ihnen  nur  einen  kurzen  Besuch  bei 
Noro  ab,  einem  Orte,  der  sich  als  Lagerplatz  leider  nicht  eignete, 
weil  die  Regierung  ihn  als  Leprakrankenheim  ausei’sehen  hatte. 
Soweit  ich  unter  diesen  Umständen  erkennen  konnte,  handelt  es  sich 
hier  vorwiegend  nicht  um  Höhlen  in  der  Art  derer  von  Matumbi  oder 
vom  Sigiflusse  bei  Tanga,  sondern  mehr  um  Spalten  und  Klüfte,  die 
seit  der  Hebung  des  Landes  auch  jetzt  noch  alljährlich  zur  Regenzeit 
von  den  Sickerwässern  angelegt  bezw.  erweitert  wurden.  Es  ist 
eine  Karstlandschaft.  Oben  darauf  lagert  noch  eine  dünne  sandige 
Decke , offenbar  ein  Rest  der  ohnehin  nicht  stark  entwickelt 
gewesenen  „ Makonde“ -Fazies , der  durch  Hinabspülen  alljährlich 
an  Masse  Einbuße  erleiden  muß.  Das  Endziel  dieser  Erosions- 
tätigkeit ist  also  bei  der  jetzigen  Höhenlage  die  Bloßlegung  der 


K.  J.  Böhm,  Zeitschr.  deutsch,  geol.  Ges.  1912.  p.  209 — 211. 


P.  Oppenheim.  Zur  Altersfrage  etc. 


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Karstobertiäche.  Da  die  Plateauebene  des  Kiturika  wie  überhaupt 
des  gesamten  Kreideplateaulandes  nach  von  Staff’s  Untersuchungen 
einer  tertiären  Landoberlläche  entspricht,  haben  wir  einigermaßen 
analoge  Verhältnisse  wie  im  Jui-a  der  Schwäbischen  Alb.  So  be- 
steht denn  also  theoretisch  die  Möglichkeit,  daß  auch  in  den 
Spaltenbildungen  von  Kiturika  sich  eingeschwemmte  Reste  tertiärer 
Säugetiere  linden  könnten.  Es  war  mir  natürlich  besonders 
schmerzlich , diesem  Problem  nicht  mehr  nachgehen  zu  können. 
Ganz  leicht  dürfte  das  aus  dem  Grunde  nicht  sein,  weil  ohne  sehr 
erhebliche  und  auch  kostspielige  Rodnngsarbeiten  einigermaßen 
Sicheres  nicht  darüber  zu  erfahren  sein  wird. 

Interessant  im  höchsten  Maße  aber  muß  das  Auftreten  der 
Urgonfazies  an  sich  schon  erscheinen.  Diese  Fazies  ist  bisher 
ausschließlich  als  auf  das  Mittelmeergebiet1  beschränkt  bekannt 
gewesen.  Die  amerikanischen  Vorkommnisse  lassen  sich  nicht 
entfernt  in  der  Weise  vergleichen,  wie  dieses  von  Deutscli-Ost- 
afrika.  Zwischen  den  in  Nordafrika  und  Griechenland  einerseits 
festgestellten  Vorkommnissen  und  dem  unsrigen  scheint  bisher 
jede  Vermittlung  zu  fehlen.  Um  so  erstaunlicher  wirkt  die  weit- 
gehende fazielle  und  faunistische  Übereinstimmung.  Es  sei  im 
übrigen  auf  meine  Ausführungen  zu  dem  Thema  in  den  Veröffent- 
lichungen der  Tendaguru-Expedition  (Archiv  für  Biontologie,  Berlin 
1913)  verwiesen  und  nur  noch  der  Umstand  betont,  daß  auch  die 
den  Schwarzi- Horizont  ihrerseits  unterlagernde  Saurierschicht,  die 
etwa  dem  Wealden  entspricht,  im  Bereiche  der  Kiturika-Berge  eben- 
falls einer  kleinen  faziellen  Abänderung  unterliegt,  indem  sie  toniger 
ausgebildet  ist  als  anderwärts.  Der  Jura  aber  ist  in  dem  ganzen 
Gebirge  zu  streichen. 

Zur  Altersfrage  des  bei  Teschen  am  Karpathenrande  über- 
schobenen  Tertiärs. 

Von  Paul  Oppenheim. 

In  einem  ungemein  anregenden  Aufsatze  hat  uns  vor  kurzem 
Herr  W.  Petrascheck2  eingehende  Mitteilungen  darüber  gemacht, 
daß  in  einer  breiten  Zone  am  Rande  der  nördlichen  Karpathen  die 
Kreide  das  Tertiär  übei’lagert  und  überschoben  hat.  Zwar  waren 
Einzelheiten  dieses  Phänomens  schon  früher  durch  Petrascheck  3 

1 Einer  freundlichen  Mitteilung  des  Herrn  Professor  Kilian  ent- 
nehme ich,  daß  seine  Schilderung  des  Urgon  in  der  „Lethaea“  bereits  im 
Drucke  ist ; auch  verdanke  ich  seinem  gütigen  Interesse  eine  bestätigende 
Nachprüfung  meiner  Fossilbestimmungen. 

2 Die  tertiären  Schichten  im  Liegenden  der  Kreide  des  Teschener 
Hügellandes,  mit  einem  Beitrag  über  den  Fossilinhalt  von  Th.  Fuchs. 
Verhandl.  der  k.  k.  geol.  Reichsanst.  1912.  Xo.  2.  p.  75  ff. 

3 Wie  Michael  (vergl.  Anm.  3)  angibt,  schon  1906  in  einem  in 
Ostrau  gehaltenen  Vortrage.  — Vergl.  auch  Mitteil.  d.  Wiener  geol.  Ge- 
sellsch.  I.  1908.  p.  66  ff. 


86 


P.  Oppenheim.  Zur  Altersfrage  des  bei  Tesclien 


selbst  und  durch  Michael  1 mitgeteilt  worden , und  Victor 
Uhlig  hatte  die  Tatsache  in  ihrer  ganzen  Bedeutung  wohl 
zuerst  erkannt1 2.  Aber  die  ganze  Ausdehnung  des  Phänomens, 
die  stratigraphische  Zusammensetzung  des  Tertiärs , vor  allen 
Dingen  auch  das  Auftreten  von  Gerollen  der  Kreide  in  dem  iiber- 
scliobenen  Tertiär,  welches  der  Vermutung  Baum  gibt,  daß  die 
Wurzel  dieser  Kreide  selbst  in  nicht  zu  großer  Ferne  gesucht 
werden  darf,  ist  erst  durch  die  unablässigen  Bemühungen  von  Petra- 
scheck ermittelt  und  weiteren  Kreisen  zugänglich  gemacht  worden. 

Das  Alter  der  überschobenen  Tertiärbildungen , welche  aus 
einer  vielfachen  Wechsellagerung  dünner  Mergel-  und  Sandstein- 
bänke mit  gelegentlicher  Einschiebung  von  Tuffiten  bestehen  sollen, 
und  deren  tiefste  Teile  in  einer  mächtigen  Konglomerat-  oder 
Schotterbildung  endigen,  wurde  von  Uhlig  als  alttertiär  an- 
genommen3. In  diesem  Sinne  betrachtet  auch  Petrascheck  die 
Verhältnisse  in  den  ersten  Seiten  seines  Aufsatzes  und  zu  der 
Hypothese , daß  es  sich  um  alttertiäre  Ablagerungen  handle, 
welche  von  Galizien  aus  nach  Mähren  herüberstreichen,  steht  auch 
in  leidlich  guter  Übereinstimmung  ein  Fund  von  Meletta- Schuppen4 5 
und  einer  kleinen  Cyrena  cf.  semistriata,  welche  der  Verfasser  von  der 
Bohrung  Altbielitz  auf  p.  86  a.  a.  0.  angibt.  Die  nicht  allzu 
seltenen,  aber  gemeinhin  ziemlich  ungünstig  erhaltenen  organischen 
Reste,  welche  die  Tiefbohrungen  ergaben,  wurden  nun  Herrn  Hof- 
rat Theodor  Fuchs  zur  Untersuchung  vorgelegt.  Dieser  gelangt 
a.  a.  0.  p.  88  (14)  zu  dem  Resultat,  daß  er  „auf  alle  Fälle 
die  vorliegenden  Mergel  noch  dem  M i o c ä n z n r e c h n e n 
müsse  und  nicht  dem  Alttertiär“.  Für  jeden  nun,  der 
das  österreichische  Alttertiär  im  N.  des  alpino-karpathischen  Bogens 
in  seiner  mannigfachen  Zusammensetzung  näher  kennt,  und  der 
die  unablässigen  und,  ich  glaube,  erfolgreichen  Bemühungen  zu  der 
Aufklärung  seiner  Zusammensetzung,  wie  sie  besonders  Rzeiiak  3 

1 Die  Lagerungsverhältnisse  und  Verbreitung  der  Carbonschichten 
im  südlichen  Teile  des  oberschlesischen  Steinkohlenbeckens.  Monatsber. 
d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  1908.  p.  17. 

2 Über  die  Tektonik  der  Karpathen.  Sitzungsber.  k.  Akad.  d.  Wiss. 
116.  Math  -nat.  Kl.  p 871.  — Die  karpatliische  Sandsteinzone  und  ihr  Ver- 
hältnis zum  sudetischen  Carbongebiet.  Mitt.  d.  geol.  Gesellsch.  Wien.  I. 
1908.  p.  36  ff. 

3 Wie  zumal  aus  dem  zweiten,  in  den  Mitteilungen  der  geologischen 
Gesellschaft  in  Wien  veröffentlichten  Aufsätze  Uhlig's  hervorgeht  (vergl. 
besonders  a.  a.  0.  p.  39),  hat  der  Autor  überhaupt  nicht  an  die  Möglich- 
keit gedacht,  in  dem  überschobenen  Tertiär  etwas  anderes  als  Alttertiär 
zu  sehen ! 

4 Hinsichtlich  der  Brauchbarkeit  dieser  Schuppen  für  die  Horizon- 
tierung wolle  man  die  weiter  unten  folgenden  Bemerkungen  vergleichen. 

5 Vergl.  u.  a.  besonders:  Die  Niemtschitzer  Schichten,  ein  Beitrag 
zur  Kenntnis  der  karpathisclien  Sandsteinzone  Mährens.  Verhandl.  d. 
naturf.  Ver.  in  Brünn.  34.  1896. 


am  Karpathenrande  iiberschobenen  Tertiärs. 


87 


und  Abel  1 zu  danken  sind,  näher  verfolgt  hat , wirkt  nun  diese 
These  von  Th.  Fuchs  mit  der  ganzen  Wucht  einer  äußerst  ge- 
lungenen Überraschung,  und  ich  weiß  nicht,  ob  man  sich  mehr 
wundern  soll  über  diese  Auffassung  von  Theodor  Fuchs  und  ihre 
Begründung,  oder  über  den  Umstand,  daß  Petkascheck  selbst  im 
folgenden  seine  durch  Autoritäten  wie  Uhlig  gestützte  frühere  Auf- 
fassung zugunsten  der  FucHs’schen  Theorie  fallen  zu  lassen  sich 
veranlaßt  sah,  zumal  er  selbst  a.  a.  0.  p.  91  annimmt,  daß  stellen- 
weise mit  größter  Wahrscheinlichkeit  der  miocäne  Ostrauer  Tegel 
den  iiberschobenen  Tertiärschichten  diskordant  auflagert.  Es  dürfte 
daher  im  Interesse  der  Wissenschaft  liegen , diese  Thesen  von 
Theodor  Fuchs  nicht  unwidersprochen  und  sich  so  in  der  Lite- 
ratur festsetzen  zu  lassen , zumal  bei  der  anerkannten  Autorität 
des  Verfassers  in  den  Fragen  des  Neogens  die  dem  Gegenstand 
Fernerstehenden  leicht  geneigt  sein  könnten,  die  FucHs'schen 
Theorien  ohne  weitere  Prüfung  als  gesichert  anzunehmen. 

Die  Herrn  Fuchs  aus  den  iiberschobenen  Tertiärmergeln  vor- 
gelegte Fauna  ist  eine  anscheinend  recht  ungünstig  erhaltene 2 
und  ziemlich  vieldeutige.  Sie  besteht  aus  einem  kleinen  Tapes,  ver- 
kohlten Pflanzenresten,  Temfo-Ttöhren,  rätselhaften  hohlen  Stacheln, 
kleinen  verzwergten  Austern , aus  Fragmenten  von  Bulla , einem 
kleinen.  Spatangiden,  einer  unbestimmten,  der  Tettina  planata  nahe- 
stehenden Tellina,  einer  fraglichen  Lucina,  und  vor  allem  aus 
Pteropoden,  welche  mit  von  Kittl3 4  seinerzeit  aus  dem  Miocän 
des  Ostrau — Karwiner  Gebietes  beschriebenen  Vaginellen  in  näherem 
Zusammenhänge  stehen.  Alle  diese  Dinge  dürften  kaum  eine  Alters- 
bestimmung ermöglichen.  Größeren  Wert  dürften  für  diese  die 
il/rfdto-Schuppen  beanspruchen,  welche  aus  der  Bohrung  von 
Schumburg  a.  a.  0.  p.  15  (89)  angegeben  werden.  Ist  doch  Meletta, 
wie  allgemein  bekannt , und  auch  bei  Zittel  1 zu  lesen , eine  im 
wesentlichen  oligocäne  Fischgattung,  welche  zumal  in  den  Kar- 
pathen in  diesem  Zeitpunkte  ungemein  häufig  gewesen  sein  muß. 
Aber  auch  dieses  Moment  scheint  nicht  von  unbedingter  Bedeutung, 
da,  wie  Zittel  a.  a.  0.  p.  78  angibt,  eine  Behauptung,  die  sich 
augenblicklich  meiner  Nachprüfung  entzieht,  die  Gattung  auch  im 
oberen  Miocän  (also  wohl  in  den  sarmatischen  Schichten 5),  von 

1 Studien  in  den  Tertiärbildungen  des  Tullner  Beckens.  Jahrb.  k.  k. 
geol.  Reichsanst.  53.  Wien  1903.  p.  91  ff. 

2 Petrascheck  schreibt  selbst  a.  a.  0.  p.  87  (13),  daß  „trotz  der 
günstigen  Umstände,  die  für  das  Sammeln  gegeben  waren,  doch  nur  eine 
minimale  Ausbeute  bestimmbarer  Objekte  erzielt  werden  konnte“. 

3 Über  die  miocänen  Pteropoden  von  Österreich-Ungarn.  Annalen 
des  k.  k.  naturhist.  Hofmuseums.  I.  1886.  p.  47. 

4 Paläozoologie.  III.  p.  277. 

6 Vergl.  C.  M.  Paul.  Zur  Stellung  der  Radobojer  Schichten.  Verb, 
k.  k.  Reichsanst.  1874.  p.  223  ff.  Vergl.  p.  225.  Ganz  irrtümlich  ist  am  Rande 
der  Abbildung  Fig.  285  bei  Zittel  a.  a.  0.  für  Meletta  sardhntes  Heck. 


88 


P.  Oppenheim.  Zur  Altersfrage  des  bei  Teschen 


Radoboj  in  Kroatien  häufig  sein  soll.  Anderseits  sind  auch  die 
Pteropodenreste , die  Vaginellen , den  seinerzeit  von  Kittl  be- 
schriebenen Arten  nur  genähert,  nicht  ihnen  unbedingt  identifiziert, 
so  daß  also  auch  nach  dieser  Richtung  hin  für  die  Annahme  von 
Miocän  keine  unbedingte  Notwendigkeit  vorliegt.  Da  also  die 
fossile  Fauna  selbst  eine  endgültige  und  zweifellose  Entscheidung 
nicht  gestattet , so  fragen  wir  uns  um  so  mehr , welche  Gründe 
einen  Forscher  wie  Theodor  Fuchs  bewogen  haben  können,  mit 
so  apodiktischer  Sicherheit  ein  miocänes  Alter  für  diese  Schichten 
anznnehmen.  Wir  müssen  uns  daher  näher  mit  der  Beweisführung 
des  Autors  beschäftigen. 

Es  dürfte  zu  dem  Zwecke  einer  Nachprüfung  der  hier  von  Fuchs 
niedergelegten  Resultate  gut  sein,  sich  zu  erinnern,  daß  der  gleiche 
Autor  im  Jahre  1902  1 eine  recht  interessante  und  bedeutungsvolle 
akademische  Schrift  veröffentlicht  hat  unter  dem  Titel:  „Über  ein 
neuartiges  Pteropodenvorkommen  aus  Mähren , mit  Bemerkungen 
über  einige  mutmaßliche  Äquivalente  der  sogenannten  Niemtschitzer 
Schichten.“  Wir  werden  sehen,  daß  Fuchs  hier  nahezu  die  gleichen 
Fragen  behandelt,  aber  zu  durchaus  entgegengesetzten  Resul- 
taten gelangt.  Nachdem  Fuchs  in  dem  hier  betrachteten  Aufsatze 
(1912)  festgestellt  hat,  daß  die  ihm  „vorgelegten  harten  Mergel  der 
Überschiebung  sich  petrographisch  sehr  wesentlich  von  den  voll- 
kommen plastischen  Miocänmergeln  unterschieden,  aus  denen  Kitte 
seine  Pteropoden  beschrieb , und  daß  sie  ein  entschieden  älteres 
Gepräge  aufwiesen“,  weist  er  auf  Analogien  in  den  Apenninen 
hin.  Er  betont,  daß  es  auch  hier  zwei  Schlierhorizonte  resp. 
Pteropodenmergel  gebe,  von  denen  „die  oberen  im  allgemeinen 
weicher,  mitunter  fast  plastisch  seien,  während  die  unteren  meist 
ein  vollkommen  flyschähnliches  Aussehen  hätten  und  mit  dem  Flyscli 
so  innig  verbunden  seien,  daß  sie  von  demselben  gar  nicht  be- 

die  Herkunft  aus  dem  Unter oligocän  von  Radoboj  angegeben;  dieser 
augenscheinliche  Irrtum  setzt  sich  noch  in  die  neueste  Ausgabe  der  „Grund- 
ziige  der  Paläontologie“  II.  1911  hinein  fort,  wo  ebenfalls  vom  Unter- 
oligocän  von  Radoboj  die  Rede  ist.  Wenn  anderseits  in  diesem  letzteren 
Werke  im  Einklänge,  z.  B.  mit  Rolle:  Die  geologische  Stellung  der 
Sotzkaschichten  in  Steiermark.  Sitzungsber.  d.  Wien.  Akad  30.  1859 
(Sitzung  vom  14.  Mai  1858)  p.  20  des  Sep.  hier  augenscheinlich  im  Hin- 
blick auf  M.  vulgaris  Valenc.  von  dem  rezenten  Auftreten  der  Gat- 
tung die  Rede  ist,  so  verliert  diese,  wenigstens  generisch,  damit  jede 
Bedeutung  für  die  Horizontierung.  (Ein  Aufsatz  Rzehak’s:  „Über  das 
Vorkommen  der  Clypeidengattung  Meletta “ in  den  Verb.  d.  naturf. 
Vereins  in  Brünn,  19.,  von  welchem  ich  erst  nach  Abschluß  dieser  Zeilen 
genauere  Kenntnis  erlangte,  bewegt  sich  ungefähr  in  den  gleichen  Er- 
wägungen.) 

1 Über  ein  neuartiges  Pteropodenvorkommen  aus  Mähren  nebst  Be- 
merkungen über  einige  mutmaßliche  Äquivalente  der  sogen.  „Niemtschitzer 
Schichten“.  Sitzungsber.  d.  k.  Akad.  d.  Wissensch.  Wien.  Math.-naturw. 
Klasse.  111.  Abt.  I.  Mai  1902.  p.  433  ff. 


am  Karpathenrande  überschobenen  Tertiärs. 


89 


stimmt  getrennt  werden  könnten“.  Und  damit  kein  Zweifel  übrig 
bliebe,  auf  welche  bestimmten  Vorkommnisse  er  sich  dabei  bezieht, 
nennt  er  den  Macigno  von  Porretta  und  den  Calcare  fetido  von  Bargi. 
Hinsichtlich  dieses  letzteren  Vorkommnisses  lesen  wir  nun  bei 
Fuchs  1902  \ „daß  es  die  größte  Ähnlichkeit  mit  den  konkretionären 
Knollen  der  Niemtschitzer  Schichten  habe“.  Hinsichtlich  beider  Bil- 
dungen, des  Macigno  von  Porretta  und  des  Calcare  fetido  von  Bargi, 
lesen  wir  1902,  „daß  sowohl  der  erstere  mit  seiner  großen  Lucina 
als  auch  der  darunterliegende  Mergel  mit  dem  „Calcare  fetido“  trotz 
des  miocänen  Habitus  seiner  Fauna  doch  eine  ältere  Bildung  dar- 
stelle und  dem  vormiocänen  Alttertiär  zugezählt  werden  müsse,  eine 
Ansicht,  die  in  neuerer  Zeit  übrigens  auch  von  Oppenheim  (1.  c.) 
mehrfach  geäußert  worden  sei“.  Also  die  unteren  Pteropoden- 
mergel  des  Apennin , der  Macigno  von  Poretta  und  der  Calcare 
fetido  von  Bargi,  sind  nach  Fuchs  1902  alttertiär,  1912  gehören 
sie  dem  Miocän  an.  Ein  Grund  für  diese  doch  im  höchsten  Maße 
auffallende  Änderung  des  Standpunktes  wird  nicht  angegeben. 
1912  lesen  wir  über  die  beiden  sogenannten  Schliere  von  Nieder- 
österreich und  Mähren,  daß  „der  typische  Schlier  über  den  Horner 
Schichten  läge,  doch  gebe  es  auch  in  diesem  Gebiete  einen  schlier- 
ähnlichen Horizont  mit  Pteropoden,  der  unter  den  Horner  Schichten 
läge,  und  diese  seien  die  von  Rzehak  zuerst  näher  charakterisierten 
Niemtschitzer  Schichten,  die  mitunter  auch  einen  flyschähnlichen 
Charakter  annähmen“.  Dagegen  schreibt  Fuchs  1902  von  den 
Niemtschitzer  Schichten  a.  a.  0.  p.  7 (439),  „daß  man  schließlich 
doch  zu  der  Überzeugung  komme,  daß  es  sich  doch  um  eine  Ab- 
lagerung vormiocänen  Alters  handeln  müsse“,  und  auf  der  folgenden 
Seite:  „Diese  Niemtschitzer  Schichten  wurden  in  früheren  Zeiten 
ganz  allgemein  zu  dem  in  unmittelbarer  Nachbarschaft  mächtig 
entwickelten  miocänen  Schlier  gerechnet  und  ist  es  ein  großes 
Verdienst  Rzehak’s,  durch  seine  umfassenden  und  minutiösen 
Untersuchungen  die  Selbständigkeit  dieser  Schichten  erkannt  und 
ihnen  ihre  richtige  Stellung  im  Systeme  angewiesen  zu  haben.“ 
Wir  sehen , 1912  sind  die  Niemtschitzer  Schichten  miocän  und 
nicht  alttertiär,  1902  sind  sie  alttertiär,  und  es  ist  ein  Ver- 
dienst Rzehak’s,  ihnen  diese  ihre  Stellung  angewiesen  zu  haben. 
Ein  Grund  für  diese  auffallende  Änderung  des  Standpunktes  fehlt 
auch  hier. 

Endlich  schreibt  Fuchs  über  die  entsprechenden  Niveaus  in 
Oberösterreich  1912,  „daß  es  hier  zwei  verschieden  aussehende 
Schliermergel  gäbe,  den  weichen,  plastischen  Schlier  von  Atnang1 2 
und  die  harten  Mergelkalke , die  in  der  Bohrung  von  Hall  in  so 


1 a.  a.  0.  p.  12  (444). 

2 Soll  wohl  augenscheinlich  „Ottnang“  heißen,  der  Flecken  in  Ober- 
österreich, aus  dessen  Umgebung  die  bekannte,  von  R.  Hoernen  beschriebene 
Schlierfauna  stammt.  Ritter  s geographisches  Lexikon  kennt  kein  „Atnang“. 


•90 


P.  Oppenheim,  Zur  Altersfrage  etc. 


großer  Mächtigkeit  aufgeschlossen  wurden“.  Dagegen  scheint  es 
Fuchs  1902  a.  a.  0.  p.  11  (443)  „wohl  gerechtfertigt,  wenn  man 
die  fossilf ährenden  Mergelkalke  von  Hall  nicht  sowohl  dem  mio- 
cänen  Schlier,  als  vielmehr  den  Niemtschitzer  Schichten  zuzähle“. 
Da  in  der  gleichen  akademischen  Schrift  1902  die  Niemtschitzer 
Schichten  als  alttertiär  aufgefaßt  werden,  so  ist  es  klar,  daß  auch 
hier  Fuchs  die  Mergelkalke  von  Hall  dem  Alttertiär  zuzählen  will. 

Man  sieht,  die  Gründe,  welche  Fuchs  1912  für  ein  miocänes 
Alter  der  iiberschobenen  Tertiärschichten  am  Karpathenrande  an- 
gibt, hat  der  gleiche  Autor  bereits  1902  vollkommen  widerlegt. 
Nun  gebe  ich  prinzipiell  ohne  weiteres  zu,  daß  man  in  10  Jahren 
seinen  Standpunkt  wechseln  und  zu  verschiedenen  Ansichten  ge- 
langen kann.  Was  ich  aber  nicht  zugeben  kann,  und  wogegen 
ich  mit  aller  Energie  protestieren  muß,  ist,  daß  ein  Autor  eine 
früher  von  ihm  vertretene  Meinung  wechselt  und  in  ihr  Gegenteil 
verändert,  ohne  die  Gründe  anzugeben,  die  ihn  zu  dieser  Stellungs- 
änderung veranlaßt  haben,  ja , daß  er  seine  frühere  Arbeit  nicht 
«inmal  zitiert  und  so  dem  wissenschaftlichen  Publikum  die  Möglich- 
keit einer  Kontrolle  seiner  jetzigen  Stellung  nimmt.  Es  ist  leicht 
möglich , daß  über  das  Alter  der  Niemtschitzer  Schichten  noch 
nicht  das  letzte  Wort  gesprochen  und  daß  man  in  Einzelheiten 
hier  von  Rzehak  abweichen  kann.  Solange  die  wohlbegründeten 
und  durch  sorgfältige  Einzelbeobachtungen  gestützten  Annahmen 
und  Angaben  dieses  Autors  aber  nicht  bündig  widerlegt  wurden, 
bestehen  sie  zu  Recht,  und  kein  anderer  Forscher  ist  befugt,  sich 
ohne  weiteres  über  sie  hinwegzusetzen  und  sie  sozusagen  mit  einer 
Handbewegung  zu  kassieren.  Ich  selbst  habe  seit  geraumer  Zeit 
einen  großen  Teil  der  paläontologischen  Materialien  von  Rzehak 
in  Händen  und  glaube  behaupten  zu  dürfen,  daß  dieser  in  den 
meisten  wesentlichen  Punkten  im  Recht  ist,  ohne  daß  ich  mich 
hier  vor  Abschluß  meiner  Untersuchungen  in  allen  Einzelheiten 
festlegen  möchte.  In  jedem  Falle  darf  aber  wohl  behauptet  werden, 
daß  die  iiberschobenen  Tertiärschichten  des  Karpathenrandes  bei 
Teschen,  wenn  sie  wirklich,  wie  Fuchs  behauptet,  den  Niemtschitzer 
Schichten  Rzehaic’s  entsprechen,  nicht  dem  Miocän,  sondern  den 
alttertiären  Bildungen  angehören ; denn  ob  der  Niemtschitzer  Hori- 
zont nun  dem  Eocän  oder,  wie  ich  als  das  Resultat  meiner  nahezu 
vollendeten  Bearbeitung  ihrer  Fauna  glauben  mochte,  dem  unteren 
bis  mittleren  Oligocän  anzugliedern  ist  — seine  Hin  ein - 
Ziehung  in  das  Miocän  ist  ausgeschlossen,  solange 
bei  der  Lösung  derartiger  Fragen  die  paläontologische 
Forschung  zu  entscheiden  berufen  und  befugt  ist! 


R.  Sokol,  Ueber  das  Sinken  der  Elbe-Ebene  in  Böhmen  etc.  91 


Ueber  das  Sinken  der  Elbe-Ebene  in  Böhmen  während  der 
Diluvial- Akkumulation. 

Von  R.  Sokol  in  Pilsen. 

Mit  2 Textfiguien. 

Bei  sechs  Tiefbohrungen  in  der  Umgebung  von  Sadskä  (öst- 
lich von  Prag)  zeigte  sich  die  merkwürdige  Tatsache,  daß  die 
diluvialen  Sand-  und  Schotterschichten  bedeutend  tiefer  reichen  als 
da&  historische,  stellenweise  in  die  Kreideschichten  (harte  Mergel 
und  Pläner)  eingeschnittene  Elbbett  (175  m M.H.). 

I.  Bei  der  Tiefbohrung  am  Ufer  der  in  den  Jahren  1858 
bis  1861  regulierten  Mäanderschlinge  der  Elbe  („Alte  Elbe“), 
gleich  beim  alten  Badehause,  wurden  von  der  Firma  Julius  Thiele 
aus  Ossegg  (Böhmen)  folgende  Schichten  erbohrt: 


Lage  der 
Ober- 
kante 

Lage  der 
Unter- 
kante 

Mächtig- 

keit 

Ul 

m 

m 

1.  Gelber  Sand 

0 

8,40 

8,40 

2.  Grauer  r 

8,40 

13,30 

4,90 

3.  Eigroßer  Schotter  mit  Sand  . . . 

4.  Kreidegrund  (166.8  m M.H.,  8.2  m 

13,30 

16,20 

2,90 

unter  dem  Elbbette)1 

16.20 

— 

— 

11.  Etwa  250  m weit  im  Osten  wurde  eine 

ähnliche  Schichten- 

Serie  (Firma  J.  Zima  aus  Chlumec  a. 

d.  Cidlina)  aufgefunden : 

Lage  der 
Ober- 

Lage  der 
Unter- 

Mächtig- 

keit 

• 

kante 

kante 

m 

Ul 

m 

1.  Sand  mit  Humus 

0 

0,50 

0,50 

2.  Weißer  feiner  Sand 

0,50 

2,90 

2.40 

3.  Gelber  Sand  

2,90 

7.00 

4.10 

4.  Grauer 

7,00 

9,00 

2 00 

5.  „ „ ein  wenig  gröber  . . . 

9,00 

1 2,00 

3,00 

6.  Schotter  mit  Sand 

7.  Kreiilesrund  (169.5  m M.H.,  5,5  m 

12,00 

13,50 

1.50 

unter  dem  Elbbette) 

13,50 

— 

— 

III.  Im  Süden  beim  neuen  Kurhause  am  Rande  des  Waldes, 

etwa  250  m südlich  von  der  ersten 

Bohrung,  wurden 

folgende 

Schichten  durchsunken  (Firma  J.  Zima) : 

1 Für  die  im  Mittel  18  km  breite,  mit  Diluvialterrassen  bedeckte 
Elbeniederung  ist  diese  Differenz  keineswegs  unansehnlich.  Sie  gleicht 
fast  ^ der  Mächtigkeit  der  Anschwemmungen. 


92 


R.  Sokol,  lieber  das  Sinken  der  Elbe-Ebene  in  Böhmen 


Lage  der 
Ober- 
kante 
m 

Lage  der 
Unter- 
kante 
m 

Mächtig- 

keit 

m 

1.  Sandiger  Humus 

0 

0,20 

0,20 

2.  Gelber  Sand 

0.20 

0,70 

0,50 

3.  Weißer 

0,70 

3,50 

2,80 

4.  Gelber  „ 

3,50 

3.70 

0,20 

5.  Weißer  „ 

3,70 

7,00 

3,30 

6.  Grauer  

7,00 

12,00 

5,00 

7.  ,,  gröberer  Sand 

12,00 

15,00 

3,00 

8.  Schotter  mit  Sand 

15.00 

15,50 

0,50 

9.  Kreidegrund  (167,5  m M.H.,  7,5  m 
unter  dem  Elbbette) 

15,50 

— 

Die  obere  Kante  aller  drei  Bohrlöcher  weist  eine  Meereshöhe 
von  ungefähr  183  m auf. 


IV.  In  einer  Entfernung  von  370  m im  Westen  von  der 
ersten  Bohrung  wurde  ein  Bohrloch  von  der  Prager  Böhmischen 
Sparkasse  angelegt.  Dasselbe  befindet  sich  bei  der  Mündung  des 
Mühlbaches  in  die  „Alte  Elbe“  (177  m M.H.).  Die  Schichtenfolge: 


Lage  der 

Ober- 

kante 

m 

Lage  der 
Unter- 
kante 
m 

Mächtig- 

keit 

m 

1.  Rotschwarzer  Schlamm 

0 

0,70 

0.70 

2.  Grauer  Sand  und  nußgroßer  Schotter 

0,70 

4,35 

3,65 

3.  Schwarzgrauer  eigroßer  Schotter 

mit  Sand 

4,35 

8,85 

4,50 

4.  Kreidegrund  (168,15  m M.H.,  6,85  m 

unter  dem  Elbbette) 

8,85 

— 

— 

V.  Bohrloch  im  Osten  der  Stadt  Sadskä  (188,5  m M.H., 
1250  m weit  südlich  vom  Elbeufer): 


Lage  der 
Ober- 
kante 
m 

Lage  der 
Unter- 
kante 
m 

Mächtig- 

keit 

m 

1.  Humus 

0 

1,00 

1.00 

2.  Feiner  Sand 

1,00 

8,00 

7,00 

3.  Lehm,  durch  Humus  schwarzgefärbt 
und  schlammig 

8,00 

11,00 

3,00 

4.  Sand  mit  Schotter 

11,00 

19,00 

8,00 

5.  Schotter  mit  wenig  Sand 

19,00 

21,00 

2,00 

6.  Kreidegrund  (167,5  m M.H.,  7,5  m 
unter  dem  Elbbette) 

21,00 

— 

während  der  Diluvial-Akkumulation. 


93 


VI.  Etwa  200  m westlich  davon  wurde  wieder  eine  Bohrung1  an- 
gebracht. wo  die  dritte  Schicht  eine  größere  Mächtigkeit  gewann,  aber 
die  gesamte  Mächtigkeit  des  Diluviums  blieb  unverändert.  Die  beiden 
letzteren  Bohrungen  wurden  von  der  Firma  ,T.  Zima  durchgeführt. 

Die  dnrchörterten  Sand-  und  Schotterschichten  gehören  drei 
Akkumulationsterrassen1  verschiedenen  Alters,  der  jüngsten  Terrasse, 
deiv-höher  liegenden  Zvei'ineker  Terrasse  und  der  noch  höheren 
Tl'ebestovicer  Terrasse , deren  letztere  eine  Unterlage  für  beide 
anderen  bildet  und  diese  auch  an  Mächtigkeit 2 * und  relativer  Höhe 
der  Oberkante  (bis  1 4 m)  übertrifft , wie  aus  der  bestellenden 
Fig.  1 ersichtlich  ist.  Oben  ist  die  Terrasse  mit  einer  wenig 
mächtigen  Sandschicht  bedeckt a. 


Fig.  1.  Schematisches  Profil  der  diluvialen  Bildungen  bei  Sadskä. 

K = Kreidegrund,  T = Trebestovicer  Terrasse,  Z = Zvörineker  Terrasse, 
A = jüngste  Terrasse.  J— U = Lage  der  Bohrlöcher. 

Der  Fluß  fließt  jetzt  höher,  die  erosive  Tätigkeit  scheint 
gelähmt  zu  sein.  Bei  dem  Versuche,  die  Entwicklung  der  Er- 
scheinung aus  der  D}-namik  des  Flusses  zu  erklären , muß  man 
dreierlei  Ursachen  in  Erwägung  ziehen.  Entweder  hob  sich  das 
untere  Denndationsniveau,  d.  h.  die  Meeresoberfläche  bei  der  Mün- 
dung der  Elbe,  oder  der  ganze  Unterlauf  des  Flusses  ist  gestiegen. 
Ein  zweiter  Fall  wäre  der,  daß  das  Terrain  im  Oberlaufe  ein- 
gesunken ist.  Es  dürfte  aber  auch  ein  dritter  Fall  möglich  sein,  daß 
nämlich  bei  der  unveränderten  Höhe  des  Ober-  und  des  Unterlaufes 
nur  die  beschriebene  Gegend  („Nimburger“  Ebene  nach  Schneider4) 
nach  der  Ablagerung  der  Trebestovicer  Terrasse  eingesunken  ist. 

1 Ct'r.  Autor:  Die  Terrassen  der  mittleren  Elbe  in 
Böhmen.  Verhandlungen  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  in  Wien.  1912. 
No.  11.  S.  272  ff. 

2 Bis  27  m mächtig,  also  um  11  m mehr  als  bei  Leipzig  (cfr.  Wahn- 
schaffe: Die  Oberflächengestaltung  des  norddeutschen 
Flachlandes.  1909.  p.  70). 

(fr.  Autor:  Ein  Beitrag  zur  Kenntnis  der  geologi- 
sche n Ver  hä  ltn  i s se  in  der  Umgebung  von  Sadskä.  Bulletin 
international  de  l'Acadömie  des  Sciences  de  Boheme.  1909.  p.  3 ff. 

4 K.  Schneider:  Zur  Orographie  und  Morphologie  Böh- 
mens. 1908.  p.  173. 


94 


R.  Sokol,  Ueber  das  Sinken  der  Elbe-Ebene  in  Böhmen 


Für  das  Steigen  des  unteren  Denudationsniveaus  haben  wir 
keine  schwerwiegenden  Belege.  Man  muß  zwar  zugeben,  daß  sich 
nach  dem  Verschwinden  der  Eismassen  in  Norddeutschland  ein 
relatives  Ansteigen  des  erleichterten  Landes  im  Sinne  der  isostati- 
schen Theorie  vollzog.  Es  blieb  aber  auch  die  Meeresoberfläche 
keineswegs  von  einer  vertikalen  Veränderung  verschont;  sie  ging 
zurück , da  die  Eismassen  ihre  gewaltige  Anziehungskraft  nicht 
mehr  ausübten.  Beide  Wirkungen  arbeiteten  folglich  im  entgegen- 
gesetzten Sinn.  Wichtig  ist,  Avie  es  Engelmann1  feststellte,  daß 
die  Divergenz  der  Terrassen  im  Unterlaufe  der  Elbe  in  Böhmen 
wächst.  Es  scheint  daraus  zu  folgen,  daß  das  fragliche  Niveau 
eher  gesunken  ist.  Die  herannahenden  und  das  abfließende  Wasser 
stauenden  Eismassen  Deutschlands  in  diluvialen  Eiszeiten  konnten 
nur  für  den  bisher  vielumstrittenen  Unterlauf  des  Elbeurstromes  von 
Bedeutung  sein , nicht  aber  für  den  Flußlauf  in  Böhmen.  Das 
Elbbett  in  Böhmen  konnte  sich  dadurch  nicht  erhöhen.  Um  das 
zu  beweisen , möchte  ich  zuerst  die  Frage  beantworten , Avas  ge- 
schieht, Avenn  die  Gefällskurve  (Fig.  2,  schwache  Linie)  durch  das 
Steigen  des  unteren  Denudationsniveaus  kürzer  wird. 


Fig.  2.  Die  alte  Gefällskurve  eines  Flusses  (volle  schwache  Linie),  die 
neue  Gefällskurve  nach  dem  Erhöhen  des  unteren  Denudationsniveaus  bis 
zu  B (starke  Linie),  die  mutmaßliche  Gefällskurve  beim  Ausbleiben  dieses 
Erhöhens  (gestrichelte  Linie).  Die  beiden  letzteren  nach  dem  Ablaufe  eines 
großen  Teiles  des  Erosionszyklus  gedacht. 

Das  Wasser  folgt  nur  der  Sclnvere , und  wenn  die  voran- 
gehende Wassermenge  plötzlich  (bei  B in  Fig.  2)  ihre  Geschwindig- 
keit verliert,  steigt  das  Wasser,  setzt  suspendierte  Körner  ab  und 
fließt  auf  der  Oberfläche  der  letzteren  Aveiter.  Eine  Rückwirkung 
auf  die  weit  stromaufwärts  gelegenen  Massen  scheint  auf  den  ersten 
Blick  kaum  möglich , wohl  aber  wird  sich  die  verkürzte  Gefälls- 
kurve ein  wenig  anders  entwickeln  als  der  entsprechende  Teil 
der  langen  Gefällskurve.  Das  liegende  Stück  der  letzteren  bleibt 
stets  geneigt,  jenes  der  ersteren  A\rird  aber  bald  fast  wagerecht, 
d.  h.  der  liegende  Ast  der  verkürzten  Gefällskurve  wird  nur  zur 
Horizontalebene  des  Denudationsniveaus  vertieft,  bei  der  ursprüng- 
lichen langen  Gefällskurve  wird  der  bezügliche  Teil  iu  allen 
Punkten  gleichmäßig  vertieft.  Es  A'ollzieht  sich  demgemäß  im 

1 R.  Engelmann:  Die  Terrassen  der  Moldau-Elbe  zwischen 
Prag  und  dem  Böhm.  Mittelgebirge.  Geogr.  Jahresber.  aus  Österr.  191 1. 


während  der  Diluvial- Akkumulation. 


93 


Teile  A — B der  langen  Kurve  eine  tiefere  Erosion,  als  wenn  sie 
verkürzt  wäre.  Das  Ansteigen  der  Meeresoberfläche,  die  Hemmung 
durch  Eismassen,  die  Hebung  des  unteren  Denudationsniveaus  über- 
haupt wirkt  demgemäß  lähmend  auf  die  Erosion.  Wenn  die  vorigen 
vertikalen  Bedingungen  wieder  eintreten,  wird  das  Flußbett  in  A 
zerschnitten  werden  und  ein  neues  Flußbett  samt  einer  neuen 
Terrasse  wird  sich  unterhalb  des  alten  entwickeln.  Bei  uns  liegt 
aber  der  Fall  ein  wenig  anders.  Die  Oberfläche  unserer  jungen 
Terrassen  (Fig.  1,  A,  Z)  liegt  zwar  tiefer  als  jene  der  älteren 
Terrasse  (Fig.  1,  T),  das  Flußbett  dagegen  höher.  Es  muß  folg- 
lich bei  uns  der  das  steigende  untere  Denudationsniveau  voraus- 
setzende Erklärungsversuch  scheitern  selbst  ohne  die  Beobachtungen 
Engelmann’s. 

Dasselbe  gilt  von  dem  zweiten  Erklärungsversuch , der  den 
sinkenden  Oberlauf  des  Flusses  1 voraussetzt.  Eine  ähnliche  Unter- 
suchung zeigt,  daß  auch  dann  die  Erosion  verlangsamt,  nnser 
Flußbett  aber  nicht  erhöht  würde. 

Es  bleibt  nur  der  dritte  Teil  übrig,  daß  nämlich  die  Elbe- 
ebene in  dem  beschriebenen  Gebiete  nach  der  Ablagerung  der 
Tfebestovicer  Terrasse  eine  Senkung  erlitten  hat.  Den  Grund 
dazu  dürfte  man  wohl  in  dem  enormen  Gewichte  der  abgelagerten 
Massen  suchen. 

Die  Wassermassen , die  bei  jeder  Hochflut  das  Flußbett  er- 
füllen, arbeiten  eifrig  an  der  seitlichen  Erosion  des  Geländes,  ver- 
tiefen aber  das  Flußbett  unmerklich , wie  es  der  im  Laufe  der 
Jahrhunderte  beständige  Wasserstand  und  die  nicht  verschwindenden 
Stromschnellen  beweisen.  Ich  meine , daß  auch  die  Glazialfluten 
ohne  bedeutende  Wirkung  für  die  Tiefenerosion  (Tiefenschurf)  waren. 

Von  der  Tiefen erosion  muß  man  den  Vorgang  der  Akkumu- 
lation scharf  trennen.  Letztere  kann  nur  dort  gedeihen , wo  der 
Fluß  mäandrieren  und  in  den  „toten“  Schlingen  während  der 
Hochfluten  viel  Sand  und  Schotter  in  relativ  ruhigerem  Strome 
ablagern  kann.  Es  sind  keine  Seen  dazu  nötig,  gerade  umgekehrt. 
Es  konnten  unsere  Sand-  und  Schotterschichten  keineswegs  in 
Seen  entstehen,  da  sie  zwei  chai’akteristische  Merkmale  der  See- 
ablagerungen, eiu  Lehmlager  in  der  Mitte  des  Beckens  und  durch 
Wellenschlag  entstehende  Blockdämme  an  seinem  Bande  nicht  be- 
sitzen. Wenn  die  Elbe  in  der  toten  Serpentine  bei  der  Hochflut 
reiche  Sedimente  ablagert,  gilt  es  zugleich  nicht  von  ihrem  ge- 
wöhnlichen Flußbett.  Steigt  die  Oberfläche  des  Stromes , so  ver- 
größert sich  zugleich  seine  Transportfähigkeit.  Das  Hauptbett 

1 Diese  vertikale  Veränderung  ist  sehr  wahrscheinlich,  da  Meissner 
gewisse  Andeutungen  von  Versenkungen  der  Elbeniederung  bei  der  Mün- 
dung der  Stillen  Adler  entdeckte.  (A.  Meiszner:  Die  Talgeschichte 
der  Stillen  Adler  in  Böhmen.  Geogr.  Jahresber.  aus  Österr.  IX. 
1911.  p.  221.) 


96  R.  Sokol,  Ueber  das  Sinken  der  Elbe-Ebene  etc.  — Personalia. 


wird  gereinigt  und  alles,  was  in  der  Stromlinie  abgelagert  wurde, 
wird  fortgeschwemmt.  Bringt  der  Fluß  viel  Material , muß  er 
auch  viel  fortschaffen.  Wenn  ausnahmsweise  (z.  B.  infolge  eines 
Felssturzes  oder  Hebung  des  Oberlaufes)  eine  Knickung  in  der 
Gefällskurve  entstünde , würde  sie  bald  durch  rückschreitende 
Erosion  eingeebnet  werden  ’.  Es  ist  wohl  der  Schluß  richtig,  daß 
die  Meereshohe  der  Flußsohle  nicht  von  klimatischen  Änderungen 
dauernd  beeinflußt  wird,  und  daß  folglich  bei  uns  nur  die  erwähnten 
"tektonischen  Vorgänge  die  Hauptrolle  spielten.  Die  isostatische 
Einsenkung  im  Sinne  des  RüHL’schen  Erklärungsversuchs1  2 gewinnt 
noch  mehr  an  Bedeutung,  da  es  in  der  breiten,  mit  diluvialen 
Schichten  vollgepfropften  „Nimburger“  Ebene  an  alten  unter- 
irdischen Störungslinien 3 4 nicht  fehlt. 

Ähnliche  Verhältnisse  in  diluvialen  Schichten  hat  Hibsch  4 im 
Unterlaufe  der  Elbe  in  Böhmen  beobachtet.  In  der  Erosionsmulde 
von  Bodenbach — Tetschen  reicht  die  „Mittelterrasse“  bis  zum 
felsigen  Grunde,  so  daß  alle  Flußanschwemmungen  der  jüngeren 
Zeiten  („Niederterrasse“)  über  den  Absätzen  der  ..Mittelterrasse“ 
sich  ablagerten.  Nach  der  Ablagerung  dieser  Terrasse  fand  in 
Nordböhmen  eine  bis  in  Felsengrund  reichende  Flußrinnenvertiefung 
nicht  mehr  statt,  ebensowenig  eine  allgemeine  Abtragung,  da  die 
denudierendeu  Kräfte  erlahmten. 

Da  auch  in  Deutschland  z.  B.  an  der  Küste  der  Ostsee  und 
der  Nordsee  die  Unterkante  des  Diluviums  nach  der  Küste  zu 
bedeutend  unter  die  jetzigen  Flußbette 5 herabsinkt,  dürften  die 
hier  angedeuteten  Folgerungen  eine  allgemeine  Bedeutung  haben. 


Personalia. 

Habilitiert:  Dr.  P.  Kessler  als  Privatdozent  für  Geologie 
und  Paläontologie  in  Straßburg  i.  E. 

1 Damit  steht  im  Einklang  die  Beobachtung  Stiny’s,  daß  bei  ver- 
heerenden Wildbachausbrüchem  (z.  B.  bei  der  großen  Hochwasserflut  des 
Jahres  1882)  zwar  die  Sohle  ganz  beträchtlich  erhöht  wird;  aber  in  den 
folgenden  Jahren  tiefen  sich  die  Alpenflüsse  und  -büche,  ihr  altes  Bett 
suchend  , wieder  ein.  Diese  Tieferlegung  der  Sohle  kann  lokal  über  den 
Aufschüttungsbetrag  hinausgehen.  (J.  Stiny:  Fortschritte  des  Tiefen  - 
schurfes  in  der  Gegenwart.  Geol.  Rundschau.  Leipzig  1912.  ßd.  III. 
Heft  3.  p.  166  ff.) 

- A.  Hühl  : Isostasie  und  Peneplain.  Zeitschr.  d.  Ges.  f.  Erd- 
kunde zu  Berlin.  1911.  p.  479  ff. 

a Autor:  Ein  Beitrag  zur  Kenntnis  des  Untergrundes 
der  Kreide  in  Böhmen.  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  in  Wien. 
1912  p.  292  ff. 

4 J.  E.  Hibsch:  Versuch  einer  Gliederung  der  Diluvial- 
gebilde im  nordböhm.  Elbtale.  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt 
in  Wien.  44.  p.  644,  646.  648. 

5 Wahnschaffe,  1.  c.  p.  66  ff. 


W.  Tschirwinsky,  Zur  Frage  über  die  Identität  etc. 


97 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Zur  Frage  über  die  Identität  des  Podolits  und  Dahllits 
Von  W.  Tschirwinsky  in  Kiew. 

Mit  1 Textfigur. 

Im  Jahre  1910  erschien  im  American  Journal  of  Science  eine 
Mitteilung  von  W.  Schallek1,  in  welcher  der  Autor,  meine  Ana- 
lysen des  Podolits  mit  den  Dahllit-Analysen  H.  Bäckström’s  ver- 
gleichend, deu  Schluß  einer  Identitätsmöglichkeit  beider  genannten 
Minerale  zieht. 

In  meiner  Mitteilung  „Über  Podolit,  ein  neues  Mineral2“, 
führte  ich  zwei  Analysen  an , von  denen  die  eine  an  einzelnen 
kleinen  Kristallen  vollzogen  wurde  (No.  7).  Die  Menge  der  Sub- 
stanz, welche  ich  für  die  Analyse  sammeln  konnte,  war  sehr  klein, 
was  die  Genauigkeit  der  Analyse  etwas  vermindert  hat.  Die  andere 
No.  1)  führte  ich  dagegen  an  einer  überaus  reinen  Podolit- 
konkretion  aus.  Letztere  ist  bedeutend  wichtiger,  da  sie  mit 
besonderen  Vorsichtsmaßregeln  ausgeführt  wurde  und  die  Durch- 
schnittszahlen einer  ganzen  Reihe  von  Bestimmungen  liefert,  was 
ich  leider  in  meiner  Mitteilung  nicht  verzeichnet  habe 3. 

Ich  nahm  eine  Anzahl  vou  Bestimmungen  gerade  deshalb  vor, 
um  überzeugt  zu  sein,  daß  das  von  mir  beschriebene  Mineral  sich 
chemisch  von  dem  ihm  nahestehenden  Mineral  Dahllit  unterscheidet. 
Deshalb  würde  ich  es  für  überflüssig  halten,  eine  neue  Analyse 
vorzunehmen.  Aber  bei  meinen  früheren  Analysen  war  die 
(Quantität  des  Kristallisationswassers  nicht  ermittelt  worden  und 
W.  Schallek  bemerkt  vollkommen  richtig,  daß  solche  sekundäre 
Minerale,  wie  Podolit  und  Dahllit,  Kristallisationswasser  enthalten 
müssen. 

Zurzeit  habe  ich  eine  neue  Analyse  (No.  9)  der  reinen 
Podolitkonkretion  (sekundärer  umkristallisierter  podolischer  Phos- 
phorit aus  dem  Dorf  Krutoborodinzy)  gemacht.  Die  Probe  ist 
sorgfältigst  mikroskopisch  untersucht  worden.  Die  Hauptmasse  der 

1 W.  Schaller,  The  probable  Identity  of  Podolitl»  with  Dahllire, 
p.  309 — 311.  Siehe  gleichfalls  die  Übersetzung  in  Zeitschrift  für  Kristallo- 
graphie. 1911.  p.  559 — 561.  (N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1912.  I.  -34-.) 

2 Dies,  Centralbl.  f.  Min.  etc.  1907.  279. 

3 Darüber  siehe  den  gleichzeitig  gedruckten  Aufsatz  „Chemische  und 
mikroskopische  Untersuchung  der  Podolischen  Phosphorite“.  .Mömoires 
de  la  Society  des  Naturalistes  de  Kieft“.  1907.  p.  785.  Mit  deutschem 
Resume.  (N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1909.  II.  -357-.) 

Centralbl  att  f.  Mineralogie  etc.  1913.  7 


98 


W.  Tschirwinsky,  Zur  Frage 


Konkretion  besteht  aus  fest  verwachsenen  kleinen  (0,05 — 0,15  min) 
Kristallen  und  Sphärolithen ; Ca  C 03  ist  nicht  vorhanden , doch 
scheiden  sich  beim  Lösen  der  Kristalle  in  H CI  C 02-Bläschen  aus, 
weshalb  jeder  Gedanke  daran , daß  vielleicht  ein  Gemenge  von 
Kalkspat  vorliege,  vollständig  ausgeschlossen  ist.  Von  fremden 
Beimischungen  wurde  sekundärer  Quarz,  Flocken  organischen  Stoffes, 
dunkelbraunes  Eisenoxyd  und  eine  unbedeutende  Quantität  von 
Glaukonit  gefunden. 

Die  Analyse  No.  9 ergab  folgende  Resultate: 


1.  Bestimmung  2.  Bestimmung 

Mittel 

Hygroskop.  Wasser.  . . . 

0.34 

0,39 

0,37 

Allgem.  Wasserquantität  . 

(1,48) 

(1,57) 

(1,53) 

Kristallisationswasser  . . 

1.14 

1,18 

1,16 

Ca  0 ...  . 

50,72 

— 

50,72 

P4Or,  . . . . 

37,08 

— 

37,08 

C 0 

4,32 

— 

4,32 

F 

0.29 

— 

0,29 

Si02  . . . . 

4.18 

— 

4,18 

Organische  Substanz  . . . 
Al,  03,  Fe2  03,  K2  0,  Na2  0 

0,52 

0.52 

98.64 

und  anderes  

— 

— 

1,36 

100.00 

Aus  dieser  Analyse  ersieht  man  erstens,  daß  die  untersuchte 
Podolitkonkretion  sich  als  äußerst  rein  erweist:  nach  Abzug  des 
ungelösten  Restes  fallen  auf  die  übrigen  Elemente  nur  1,36  °/o. 
Zweitens  finden  wir,  daß  beim  Vergleich  der  Daten  der  oben 
angeführten  Analyse  mit  meinen  zwei  früheren  Analysen  sie  alle 
ein  sehr  ähnliches  Resultat  ergeben,  was  aus  den  folgenden  Zahlen 
zu  ersehen  ist: 

Podolit 


Kristallin.  Aggregat 

Kristalle 

N 1 

N 7 

CaO  . 

....  51,31 1 

51,15 

p2o6 

....  36,44  1 

39,04 

Al,  0:t 

....  0,46 

— 

Fe,  0, 

....  1,73 

3,04 

Org.  Stoff  . . 0,56 

— 

k2o 

....  0,45 

— 

Na,  0 

....  0,66 

— 

o o,  . 

. . . . 4.18 2 

3,90 

F . . 

. . . . 0,26 M 

— 

SiO.,  . 

....  4,87 

97,13 

100,92 

0,08  (0  für  F). 

100,84 

1 Mittel  aus  3 Analysen.  2 Mittel  aus  5 Analysen.  ::  Mittel  aus 

4 Analysen. 


über  die  Identität  des  Podolits  und  Dahllits. 


99 


Die  Säuren  mit  Basen  verbindend  und  auf  100  umrechnend, 
haben  wir: 


Tabelle  I (Podolit) 

Theoretische  Zusammensetzung  Ca3  (P  04), 

Ca  (JO* 

3Ca3(P04)j  • Ca  CO,  . 

. .90,29 

9,77 

^ NI 

. 89.56' 

10,44  1 

N 7 

. 90,57 

9,43 

N 9 

. 89.18 

10,82 

Durchschnitt  der  drei 

. .99,77 

10.23 

Folglich  ergeben  die  bisher 

gemachten 

drei  Podolitanalysen 

sehr  ähnliche  Resultate  und  entsprechen  sehr  nahe  der  Formel 
dCa3(P04)o  • CaCOg.  Wenn  man  das  Kristallisationswasser  in 
Betracht  zieht,  welches  von  allen  oben  angeführten  Analysen  nur 
bei  der  Analyse  No.  9 bestimmt  wurde,  so  kann  der  Bestand  des 
Podolits  genauer  durch  die  Formel  12Ca3(P04)2  • 4CaC03  • 3H20 
oder  kürzer  3 Ca3(P04)2  • CaC03  • 3/*  H,  0 ansgedrückt  werden, 
wie  aus  folgendem  Vergleich  zu  ersehen  ist  : 


Tabelle  II  (Podolit ) 


V 

Cas(P(>4)2 

Ca  C ü3 

H2<) 

Analyse  N 9 

theoretisch : 

. 88.06 

10,68 

1,26 

3 Cas  ( P 0412  Ca  C 03  • •/«  H2  0 . 

. 89,12 

9,58 

1,30 

Bei  der  Bestimmung  des  Wassergehaltes  im  Podolit  bediente 
ich  mich  der  Methode  Brush-P enfield.  Es  besteht  wohl  schon 
lange  das  Bedürfnis  nach  rationelleren  und  einheitlichen  Methoden 
zur  Bestimmung  des  Wassergehaltes  in  den  Phosphaten.  Der 
Wassergehalt  wird  bei  alten  Analysen  und  nicht  selten  auch  jetzt 
einfach  durch  den  Glühverlust  ermittelt;  wenn  man  jedoch  in  Be- 
tracht zieht,  daß  eine  ganze  Reihe  von  flüchtigen  Verbindungen 
in  den  Phosphaten  enthalten  ist,  wie  Fluor,  CO,  und  namentlich  mit 
dem  Phosphat  verbundene  Kohlensäure  (Podolit,  Dahllit,  Statfelit, 
Frankolit),  wobei  letztere  nicht  vollkommen  ausgeschieden  wird, 
so  vertraut  man  den  Daten,  welche  den  Wassergehalt  der  Phos- 
phate2 betreffen,  nicht  vollständig. 

Die  trefflichste  Methode  zur  Bestimmung  des  Wassergehaltes 
in  den  Phosphaten  ist,  meiner  Ansicht  nach,  die  Brush-Penfield’scIic 
und  zur  Ermittlung  des  Fluorgehaltes  diejenige  von  Rose-Jannasch. 

Was  den  Dahllit  anbelangt,  so  haben  wir  bisher  folgende  zwei 
Analysen  desselben : 


1 Durchschnitt  aus  einer  Reihe  von  Bestimmungen. 

- Dieser  Umstand  bewog  mich  u.  a.  in  meiner  Arbeit  „Zur  Frage 

über  die  mineral  Natur  der  Phosphorite“  nur  deren  entwässerten  Bestand 
anzuführen.  N.  .Tahrb.  1911.  II.  p.  71. 


7 * 


100 


W.  Tschirwinsky,  Zur  Frage 




a 1 

. 38,40 

b1 2 

38,44 

CaO 

53,00 

F 

— 

C 0.2 

. 5,30 

6,29 

h2o 

. 2,10 

1,37 

Al.j  -j-  Fe2  03  + F • 

. 0,57 

0,79 

Fe203 

100,02 

0,11 

K20 

0,89 

100.89 

Na2  0 

Die  Säuren  mit  Basen  verbindend  und 

auf  1 00 

umrechnend 

haben  wir: 

Tabelle  III  (Dahllit) 

theoretisch 

Ca3(P04)2 

CaCOg 

H20 

2 Ca3  (P  04)2  ■ Ca  C 03  • '/2  H2  0 

. 85,05 

13,72 

1,23 

a . . . . 

12,30 

2,14 

b . . . . 

. 84,26 

14,36 

1,38 

Mittel  aus  beiden 

. 84.91 

13,33 

1,76 

Tabelle  IV  (Dahllit) 

theoretisch 

Ca3  (P  04)s 

. Ca  CO; 

1 

2 Cas  (P  04)2  • Ca  C 03  . . 

. . 86,11 

13,88 

a . . . . 

. . 87,43 

12,57 

b . . . . 

. . 85,44 

14,56 

Mittel  aus  beiden  . . . 

. . 86,44 

13,56 

Aus  den  angeführten  Tabellen  sehen  wir,  daß  beide  Analysen 
(a  und  b)  der  Formel  2Ca3(P04)2  ■ CaC03  + aq.  sehr  nahe  ent- 
sprechen, doch  ist  der  Wassergehalt  etwas  verschieden : die  Anal}rse  1> 
entspricht  mehr  ‘/2  H»  0,  die  Analyse  a dagegen  mehr  der  Formel 
mit  1 H„  0.  Folglich  kann  der  Bestand  des  Dahllits  auf  Grund  der 
vorhandenen  2 Analysen  durch  die  Formel  2 Ca3(P04)2  • CaC03 
-f-  iiH20,  wo  n = xj-i  — 1,  ausgedriickt  werden. 

Wenn  wir  nun  die  Tabellen  I und  IV,  II  und  III  vergleichen, 
so  sehen  wir,  daß  der  Podolit  und  Dahllit  sich  wirklich  chemisch 
unterscheiden,  indem  der  Podolit  im  Vergleich  zum  Dahllit  ärmer 
an  Kohlensäure  und  reicher  an  Phosphorsäure  ist.  Am  besten 
läßt  sich  dieser  Unterschied  durch  das  Verhältnis  P205:C02  aus- 
drücken : 


1 M.  Pisani  in  Lacroix,  Compt.  rend.  150.  1390.  1910:  auch 

A.  Lacroix,  Mineralogie  de  la  France.  1910.  4.  556. 

2 W.  Brögger  und  H.  Bäckström,  Dahllit,  ein  neues  Mineral  von 
Ödegärden,  Bamle , Norwegen.  Meddelanden  frän  Stockholms  Högskola. 
No.  77,  in  Ofv.  Vet.-Akad.  Förh.  1888.  493.  Auszug  Zeitschr.  f.  Krist. 
1890.  17.  426  und  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1890.  II.  -223-,  Auch  Zeitschr. 
f.  Krist,  23.  1894.  p.  164. 


über  die  Identität  des  Podolits  und  Dahllits. 


101 


Analyse  Podolit  P2  05 : C 02  Dahllit  P2  05  : C 03 

N.  1 8,72 : 1 Anal,  a . . . . 7,24  : 1 

N.  7 10  : 1 , b ....  6,11  :1 

N.  9 8,58  : 1 durchschnittlich  6,67  : 1 


durchschnittlich  . 9,10  : 1 

Auf  Grund  der  angeführten  Facta  muß  man  meiner 
Meinung  nach  zur  Überzeugung  kommen , daß  der  Podolit 
und  Dahllit  zwei  völlig  selbständige,  wenn  auch  chemisch 
verwandte  Minerale  sind.  Podolit  — 3 Ca3 (P  Oj)2 CaC 03 
+ nH20,  Dahllit  — 2 Ca3(P04)2CaC03  + nH,0,  wo  n=  */  — l. 

Was  die  physikalischen  und  optischen  Eigenschaften:  Härte, 
spezifisches  Gewicht,  Farbe,  Brechungsexponent,  optischen  Charakter, 
Stärke  der  Doppelbrechung1  anbelangt,  so  sind  sie  einander  sehr 
ähnlich , doch  muß  man  bedenken , daß  noch  zwei  andere , dem 
Podolit  und  Dahllit  verwandte  Minerale  — Frankolit  und  Staff'elit  — 


beinahe  dieselben  Eigenschaften  besitzen.  Mit  letzterem  hat  der 
Podolit  noch  mehr  Ähnlichkeit,  dank  den  gleichen  optischen  Ano- 
malien, welche  sich  dann  äußern,  wenn  der  Durchschnitt  senkrecht 
zur  Vertikalachse  verläuft2. 

A.  Lacroix  hält  (1.  c.  p.  558)  den  Frankolit  und  Staff'elit  für 
identische  Minerale.  Mir  scheint,  daß  eine  solche  Schlußfolgerung 
noch  durch  neue  Analysen  bestätigt  werden  muß.  Es  unterliegt 

1 Nur  die  Frage  über  die  Doppelbrechung,  welche  beim  Podolit  0.0075 
beträgt,  bleibt  ungelöst;  was  den  Dahllit  und  Staffelit  anbelangt,  so  führen 
die  Forscher  keine  genaue  Ziffer  an,  sondern  weisen  nur  darauf  hin,  daß 
dieselbe  „etwas  größer  als  heim  Apatit“  ist. 

2 A.  Lacroix,  Mineralogie  de  la  France.  1910.  4.  558,  u.  W.  Tschir- 
winsky,  Über  Podolit  etc.,  dies.  Centralbl.  1907.  p.  281. 


102 


K.  Schneider. 


keinem  Zweifel,  daß  der  „Frankolit“,  dessen  Analyse  Lackuix  auf 
1>.  559  anführt,  mit  dem  Staffelit  identisch  ist,  dessen  Namen  er 
auch  tragen  müßte '. 

Auf  der  vorstehenden  Photographie  sind  zwei  Podolitkonkre- 
tionen  (sekundäre  umkristallisierte  podolische  Phosphorite  aus  dem 
Dorf  Krutoborodinzy)  abgebildet,  welche  die  Form  eines  dreiachsigen 
Ellipsoids  haben  (Achsenlänge  8,4,  18,4  und  14,4  cm).  Die  Analyse 
No.  9 bezieht  sich  auf  die  rechts  abgebildete. 

Man  muß  bemerken,  daß  nicht  alle  sogenannten  umkristalli- 
sierten Phosphorite  der  besagten  Gegend  Podolite  sind ; viele  haben 
einen  bedeutenden  Fluorgehalt,  deshalb  kann  man  voraussetzen, 
daß  sie  auch  andere  Phosphate,  analog  dem  Staffelit  und  Frankolit, 
enthalten.  In  optischer  Beziehung  sind  sie  nicht  zu  unterscheiden 1  2. 

Um  einen  genauen  Unterschied  festzustellen,  ist  eine  Fluor- 
bestimmung notwendig. 

Kiew,  Universität  des  Heil.  Wladimir,  Min.  Kabinett. 


Die  vulkanischen  Erscheinungen  der  Erde. 

Von  Karl  Schneider  in  Kaaden  a.  Eger. 

Mein  im  Juni  1911  bei  Gebrüder  Bornträger  in  Berlin  heraus- 
gegebenes Werk  „Die  vulkanischen  Erscheinungen  der  Erde“  hat  im 
allgemeinen  eine  freundliche  Aufnahme  in  der  Fachliteratur  gefunden. 
Wenigstens  sprechen  dafür  die  ausführlichen  Besprechungen,  welche 
das  Werk  allenthalben  gefunden  hat3,  wenn  auch  im  einzelnen, 
wie  zu  erwarten  war,  manche  Entgegnungen  gegeben  wurden.  Es 
ist  daher  notwendig,  auf  einzelne  Ausführungen  zu  antworten,  da 
diese  vielfach  auf  eine  falsche  Voraussetzung  und  Auffassung 
zurückzuführen  sind. 

1 Zum  Vergleich  des  chemischen  Bestands  des  Frankolits  und 
Staffelits  siehe  Dana,  System  of  Mineralogy.  p.  766,  die  Analysen  No.  1 1 
und  No.  37  und  ebenso  die  von  J.  Both  in  seiner  „Allgemeinen  und 
chemischen  Geologie“  1879  gegebene  Formel  des  Frankolits. 

2 Näheres  darüber  siehe  meine  Arbeit  „Zur  Frage  über  die  minera- 
logische Natur  der  russischen  Phosphorite.“  N.  Jalnb.  1911.  II.  p.  59  — 61. 
54 — 55.  73,  auch  „Chemische  und  mineralogische  Untersuchung  der  podo- 
lischen  Phosphorite“,  1.  c.  p.  744 — 789  (N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1902.  II.  -357-). 

:i  Von  Besprechungen  kamen  mir  zu:  Salomon,  W.,  Geologische  R. 
2.  p.  241.  — Milne,  J.,  Nature.  87.  p.  410/11.  — B(ecker).  J. , Am.  J. 
of  Sc.  32.  p.  323.  — Arldt,  Th..  Naturw.  R.  1912.  p.  37/38  — Graf,  E.. 
Wissenschaft!.  R.  Jg.  1911/12.  p.  163.  — Sapper,  K.,  dies.  Centralbl.  1912. 
p.  1 — 8 und  G.  Z.  1912.  p.  346/347.  — Johannsen,  A. , The  journal  of 
Geology.  1912.  p.  84—88.  — Hoernes,  R..  P.  M.  1912.  p.  287.  — Allg. 
Handelsblatt  Amsterdam.  29/2.  1912.  — Friedländer,  J , Gerland’s  Bei- 
träge zur  Geophysik.  11.  p.  299 — 315. 


Die  vulkanischen  Erscheinungen  der  Erde. 


103 


Zunächst  gegen  den  mehr  allgemeinen  Vorwurf,  ich  habe  das 
Wesen  des  Vulkanismus  zu  einseitig  oder  überhaupt  nicht  erfaßt, 
indem  ich  den  chemisch-physikalischen  Verhältnissen  keine  oder 
doch  zu  geringe  Aufmerksamkeit  gewidmet  habe. 

Der  Kern  der  Frage  liegt  eben  in  der  Auffassung.  Ich  habe 
den  Vulkanismus  folgendermaßen  definiert  und  für  diese  Begriffs- 
bestimmung auch  die  Anerkennung  erhalten:  Vulkanismus  ist  jene 
Erscheinung,  bei  welcher  aus  der  Erdtiefe  juvenile  Massen 
in  oder  auf  die  Erdkruste  gebracht  werden. 

Danach  liegt  das  Wesen  des  Vulkanismus  in  den  Massen, 
welche  umgelagert  werden,  und  implicite,  wie  sie  sich  in  ihrer  Ge- 
samtheit in  oder  auf  der  Erdkruste  lagern.  Richtig  ist  daher  nui- 
der  Vorwurf,  daß  ich  auch  den  Intrusionserscheinungen  Beachtung 
schenken  muß.  Aus  äußeren  Gründen  habe  ich  aber  davon  Ab- 
stand genommen. 

Nur  in  den  Massen,  ihrem  kosmischen  Auftreten,  ihrem 
Werden  in  bestimmten  Formen  infolge  eigener  Phasenentwicklung 
des  Vulkanismus,  ihrer  Periodizität  in  der  Zeitfolge  und  ihrer  Ver- 
breitung nach  geographischen  Gesetzen  sehe  ich  das  Wesen  des 
Vulkanismus.  Und  diese  vier  großen  Leitgesetze  sind  es  auch, 
welche  sich  durch  mein  Werk  hindurchziehen.  Nur  auf  dieses 
begrenzte  Gebiet  kann  sich  meiner  Meinung  nach  die  deskriptive 
Vulkanologie  verlegen  und  die  Fragen , welche  das  Wesen  des 
Phänomens  nach  diesen  angegebenen  Richtungen  hin  heischt , zu 
beantworten  suchen,  denn  trotz  Laboratorium  und  Beobachtung  im 
Felde  bleibt  der  Weg,  in  welcher  Weise,  wie  diese  Prozesse 
vor  sich  gehen,  ein  genetischer,  d.  h.  theoretisch-hypothetischer. 

Welche  Resultate  immer  auf  chemisch-physikalischem  Wege 
im  Laboratorium  gebracht  werden,  können  sie  doch  über  das  Wesen 
des  Vulkanismus  meiner  Meinung  nach  keinen  Aufschluß  bringen, 
wie  ich  ausdrücklich  hervorgehoben  und  begründet  habe. 

Man  wird  mich  besser  verstehen,  wenn  ich  ein  Analogon  aus 
der  dynamischen  Geologie  wähle.  Das  Wesen  der  Gebirgsbildung 
besteht  in  der  Umlagerung  vorhandener  Erdkrustenstücke, 
wie  es  vor  sich  geht,  ob  durch  Faltung  oder  Schub,  Hebung  oder 
Senkung,  ist  ein  anderer  Weg.  Das  Gebirge  an  sich,  ohne 
genetische  Probleme  zu  erörtern,  ist  Objekt  des  nächsten 
Studiums  und  führt  zur  Einteilung  der  verschiedenen  Gebirgs- 
kategorien. 

Ist  auf  Grund  solcher  Überlegungen  das  Arbeitsgebiet  ab- 
gesteckt, so  muß  ich  versuchen,  wieder  nur  aus  den  Massen 
das  Wesentliche  und  Charakteristische  herauszuschälen.  Dieser 
Weg  führte  naturgemäß  zur  Aufstellung  einer  Systematik,  welche 
abweichen  mußte  von  den  bisherigen  gleichartigen  Versuchen,  da 
der  Weg,  der  eingeschlagen  wurde,  ein  bislang  unbegangener  war. 
Die  so  gefundene,  rein  deskriptive  Systematik  leitete  hinüber  zu 


104 


K.  Schneider, 


der  genetischen  Einteilung  und  ergab,  daß  beide  sicli  decken.  Da- 
mit aber  ist  eine  der  höchsten  Forderungen,  welche  die  Wissen- 
schaft an  eine  Disziplin  stellt,  erfüllt.  Sollte  die  Systematik  klar 
und  deutlich  werden,  mußte  auch  die  Nomenklatur  der  einzelnen 
Gruppen  und  Spezialformen  fest  und  bestimmt  sein. 

Diese  Systematik  und  Nomenklatur  ist  der  zweite  mehr  all- 
gemeine Vorwurf,  der  gegen  mein  Werk  erhoben  wurde.  All- 
gemein ist  die  Anerkennung,  daß  ich  von  den  modernen  Bestre- 
bungen, lokale  Bezeichnungen  als  termini  technici  einzuführen,  Ab- 
stand genommen  habe.  Zugestimmt  wurde  mir,  daß  ich  die  völlig 
irrigen  Bezeichnungen  „ homogen“  und  „Stratovulkan“  einer  Kritik 
unterzogen  habe  und  dafür  richtigere  Worte  (rheumatitische, 
rheuklastische  und  klasmatische  Vulkane)  prägte.  Nicht  nur  darin, 
daß  diese  Namen  „im  Sprachgebrauch  vielfach  bequemer  zu  hand- 
haben sein  dürften  als  die  bisherigen“,  sondern  darin,  daß  sie  die 
Natur  der  jeweiligen  Feuerberge  kurz  und  scharf  bezeichnen,  liegt 
meiner  Meinung  nach  der  Fortschritt.  Nichts  ist  in.  E.  unwissen- 
schaftlicher, als  von  „Aschen“ vulkanen  zu  sprechen.  Die  deutsche 
Sprache  bezeichnet  unter  „Asche“  etwas  ganz  Bestimmtes,  den  Rück- 
stand nach  einem  Verbrennungsprozeß.  Seitdem  die  Anschauung 
abgelehnt  ist,  daß  brennende  Kohlen-  und  Schwefellager  die  Ur- 
sache vulkanischer  Paroxysmen  sind , seitdem  ist  auch  die  Be- 
zeichnung „Asche“  für  den  feinen  und  feinsten  Auswurf  von  Vul- 
kanen falsch. 

Für  „Aschen“,  Lapilli,  Rapilli,  Bomben  habe  ich  eben  Klas- 
matika  eingeführt.  Gewiß  kann  man  das  halbdeutsche  Wort  Locker- 
material, Lockerprodukt  als  Sammelnamen  gebrauchen.  S.  Passarge 
hat  erst  vor  kurzem  wieder  deutsche  Termini  für  die  deutsche 
Wissenschaft  verlangt1.  Im  nationalen  Kampfe  aufgewachsen,  stehe 
ich  gewiß  auf  der  völkischen  Seite.  Aber  unsere  Sprache  hat 
einmal  keine  kurze  Bezeichnung  für  ein  Gebilde,  das  wie  der 
Vesuv  aus  ehemals  flüssigen  u u d lockeren  Massen  aufgebaut  ist, 
wie  es  die  Wissenschaft  braucht.  Das,  was  in  dem  Begriff  rheu- 
klastisch  gesagt  ist,  kann  mir  kein  deutsches  Wort  so  kurz  und 
scharf  wiedergeben.  Spreche  ich  aber  von  rheuklastischen  Ge- 
bilden , so  muß  ich , logisch  konsequent  vorgehend , die  beiden 
Grundtypen  auch  in  gleicher  Form  mit  einem  Kunstausdruck  be- 
zeichnen und  von  rheumatitischer  und  klasmatischer  Förderung 
reden. 

Ist  das  Wesen  des  Vulkanismus  in  den  Massen,  die  gefördert 
werden,  und  damit  in  den  so  geschaffenen  Gebilden,  so  kann  ich 
nur  tiefer  eiudringen,  wenn  ich  diese  in  eine  Systematik  zu  bringen 
versuche,  sofern  die  Natur  eine  solche  gestattet.  Auch  diese 
so  gewonnenen  Typen  verlangen  eine  feste  Nomenklatur.  Ich 

1 S.  Passarge,  Physiolog.  Morphologie.  Hamburg  1912.  p.  19  (151). 


Die  vulkanischen  Erscheinungen  der  Erde. 


105 


habe  mich  wieder  für  Kunstausdrücke  entschieden.  Sie  sind  es, 
welche  wohl  die  meiste  Ablehnung  erfahren  haben.  „Sie  werden 
nicht  den  Beifall  der  Philologen  finden.“  Bei  aller  Hochachtung 
vor  der  Philologie  lassen  mich  die  Philologen  kühl,  wenn  ich  nur 
mit  den  geschaffenen  Terminis  das  Kichtige  getroffen  habe.  Die 
Paläontologie , Medizin  u.  v.  a.  Wissenschaften  werden  mit  ihren 
Kunstausdrücken  nicht  immer  den  Beifall  der  Sprachforscher  ge- 
funden haben  und  doch  haben  ihre  Bezeichnungen  der  jeweiligen 
Disziplin  nach  vorn  geholfen  und  ihr  in  den  meisten  Fällen  eine 
Exaktheit  geschaffen,  um  die  wir  sie  beneiden  können. 

Ich  hebe  aus  meiner  Terminologie  die  Aspite  oder  A spule 
hervor.  Der  deutsche  Name  ist  Schildvulkan.  Hat  sich  nicht  in 
der  letzten  Zeit  das  Bestreben  geltend  gemacht,  dafür  das  isländische 
Wort  Dyngja  einzuführen  mit  der  Begründung,  die  isländischen 
Schildvulkane  sehen  doch  anders  aus  als  das,  was  ein  umgestürzter 
Schild  vorstellt?  Enthalten  nicht  die  „Aspiden“  eine  Keihe  von 
Variationen  des  Begriffes  „Schild“  ? Der  Bau  einer  „Konide“  ist 
anders,  als  das,  was  wir  uns  unter  einem  Kegel  vorstellen.  Die 
Flanke  eines  Kegels  ist  geradlinig,  die  einer  Konide  aber 
entspricht,  wie  ich  gezeigt  habe  (p.  56),  einer  Konkavlinie,  und 
zwar  von  allem  Anfang  an,  nicht  erst  durch  äußere  Agenzien  ge- 
worden. Ein  „Dom“  ist  etwas  anderes  im  Deutschen,  als  was 
wir  unter  Domvulkan  falscherweise  bezeichnen.  Um  die  konvexe 
Seite  der  Flankenböschung  auszudrücken,  müßten  wir  richtiger 
von  „Kuppelbergen“  sprechen.  Die  Tholoide  (^föAoc?,  die  Kuppel) 
ist  kürzer  als  das  zusammengesetzte  Wort  Kuppenberg,  Kuppel- 
berg. Ein  „Nadelberg“  ist  für  die  deutsche  Sprache  und  unsere 
nächste  Vorstellung  doch  so  weit  verschieden , daß  wir  den  ter- 
minus  Belonite  eher  annehmen  werden.  Das  französische  cöne 
= Kegel , Zapfen , Zuckerhutform  kann  aus  praktischen  Gründen 
der  Konide  wegen  nicht  gewählt  werden. 

Die  Homate,  der  Ringwallberg , und  das  Maar  erklären  sich 
aus  dem  Gesagten,  es  bleibt  nur  die  Pedionite  = die  vulkanische 
Ebene.  Der  landläufige  Ausdruck  ist  Deckenergüsse.  Mit  Ver- 
laub! Ist  ein  stromartiger  Erguß  nicht  auch  bereits  eine  Decke? 
Selbst  Klasmatika  lassen  weite  Decken  entstehen.  Der  Terminus 
soll  nichts  anderes  besagen  und  besagt  zunächst  auch  nichts  weiteres, 
als  daß  Länge  und  Breite  in  einem  nahezu  gleichen  Verhält- 
nisse großer  und  größter  Dimensionen  zu  verstehen  sind. 

Unvollständigkeit  wird  meinem  orographischen  System  vor- 
gehalten, indem  eruptive  Rückengebirge,  Explosionsgräben  und 
Vulkanspalten  keinen  Platz  gefunden  haben.  Mit  nichten ! Eine 
jede  Systematik,  welcher  Art  immer  sie  ist,  muß  versuchen,  die 
Grundformen  aufzudecken.  Noch  ist  kein  rezentes  eruptives 
Rückengebirge  vor  unseren  Augen  mit  einem  Male  entstanden.  Daß 
es  antike  Gebirge  dieser  Art  gibt,  ist  nicht  zu  leugnen,  aber  diese 


106 


K.  Schneider. 


sind  noch  nicht  als  Ein  heitsgebilde  erkannt  worden,  sondern 
zusammengesetzter  Natur,  vielleicht  über  „Spalten“  — jenes 
unglückselige  Wort  in  der  vulkanologischen  Terminologie  — auf- 
geführt. Ich  nehme  das  bekannte  Beispiel  die  Lakispalte  in 
Island,  und  lege  Sapper’s  Karte  im  Maßstab  1 : 12500  (N.  Jahrb. 
f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXVI)  vor.  Aus  dieser  ist  nur  eines  ohne 
Tüftelei  und  Sophismus  sicher  zu  erkennen,  daß  entlang  des 
„Spaltenergusses“  eine  Unzahl  von  kleinen  und  größeren  Homaten  zu 
stehen  kommt.  ..Es  sind  topographische  Signale“,  daß  wohl  nur 
an  diesen  Stellen  Laven  ergossen  wurden,  die  in  reichlicher  Menge 
vorhanden,  Zusammenflüssen  und  hier  zur  Einheit  verschweißten. 
Die  „Spalte"  selbst  aber  wird  als  tektonischer  Genese  angesprochen, 
wobei  es  offen  bleibt,  ob  sie  vor,  gleichzeitig  oder  nach  dem 
Paroxysmus  von  1783  entstanden  ist.  Würden  die  einzelnen  Erguß- 
stellen reichliches  Lockermaterial  ergeben  haben,  so  daß  Koniden 
entstanden  wären,  so  wären  diese  mit  ihren  unteren  Teilen  zu- 
sammengewachseu,  aus  den  einzelnen  Eruptionsgebilden,  den  Koniden, 
wäre  ein  klasmatisches  Rückengebirge  entstanden.  Es  ist  somit 
ein  vulkanisches  Rückengebirge,  wie  z.  B.  der  Myvatner  Bergzug, 
keine  Grundform,  sondern  ein  zusammengesetztes  Gebilde,  wie  ich 
ähnliche  Beispiele  auf  p.  72  angeführt  habe. 

Nur  die  Explosionsgräben  bleiben  somit  noch  übrig.  Ich  lasse 
diese  Frage  einstweilen  offen , ob  sie  nicht  in  die  Gruppe  der 
Maare  oder  zwischen  diese  und  die  Homaten  zu  stehen  kommen. 
Da  sie  negative  Formen  sind,  gehören  sie  jedenfalls  nahe  zu  den 
Maaren  und  kommen  für  die  positiven  Vulkanformen  nicht  in  Betracht. 

Vielleicht  ist  es  nicht  ohne  Interesse,  daß  Herr  S.  Passarge 
in  seinem  oben  genannten  Werke  (p.  197),  das  von  gleichen  Grund- 
lagen bezüglich  der  Auffassung  der  Morphologie  getragen  ist,  wie 
ich  es  für  die  Vulkanologie  ausgesprochen  habe,  zu  einer  ähnlichen 
Systematik  kam  wie  ich.  Ich  stelle  beide  einander  gegenüber. 


Passabge  1 

Familie  1 . Intrusionen 

„ 2.  Eruptionsformen. 

Gattung  a : 

Explosive  Aufschüttungen. 
Spezialformen : 

Tuffröhren  ( 1 ) Tuffdecken  (2) 
Maare  (3)  Stratovulkane  (4). 
fehlt 


Gattung  h 
Effusive 


Aufschüttungen. 


Schneider  1 
fehlt 

Eruptionsformen. 

Gattung  a: 

Klasmatische  Vulkane. 
Unterabteilung: 

Maare  (1,  3),  Homate. 

Gattung  b : 

Rheuklastische  Vulkane . 
Konide  (4). 

Gattung  c: 

Rheumatitische  Vulkane. 


fassung. 


Die  in  Klammern  gesetzten  Zahlen  entsprechen  der  gleichen  Auf- 


Die  vulkanischen  Erscheinungen  der  Erde. 


107 


Passarge 
Spezialformen  : 

Domvulkane  (5),  Schildvul- 
kaue  (6),  Decken  (7). 
Polydynamiscli : 

Gemischtejitrato  vulkane,  Cal- 
dera Vulkane,  Hufeisen  Vul- 
kane, Vulkanstümpfe. 


Schneider 
Unterabteilung : 

Belonite,  Tholoide  (5),  Aspide 
(6),  Pedionite  (7). 
Zusammengesetzte  Formen : 
Aspikonide,  Aspihomate,  Ho- 
makonide  u.  a. 


Es  liegt  mir  fern,  in  diesem  Zusammenhang  gegen  die  Pas- 
SARGE’sche  Einteilung  in  irgendeiner  Weise  zu  polemisieren.  Nur 
das  will  ich  feststellen , daß  er  zu  einer  nahezu  gleichen  Syste- 
matik geführt  wurde  wie  ich , da  er  von  gleichen  Erwägungen 
ausgegangen  ist.  Daß  diese  natürlichen  orographischen  Systeme 
weitaus  richtiger  sind  als  die  bislang  benützten,  ist  wohl  ohne 
weiteres  einzusehen. 

Warum  ich  mich  für  die  Einzelformen  neue  Kunstausdrücke 
zu  geben  entschlossen  habe,  wurde  oben  ausgeführt.  Über  ihre 
Verwendbarkeit  und  Brauchbarkeit  hat  sich  J.  Milne  geäußert, 
indem  er  von  ihnen  sagte,  sie  gleichen  einem  sancepan  in  which 
yon  can  cook  potatoes  without  water. 

Es  sei  mir  nunmehr  gestattet,  gegen  Einzelheiten  Stellung 
zu  nehmen.  Jeder  mit  der  Materie  nur  halbweg  Vertraute  weiß 
die  Schwierigkeiten  der  Literaturbeschaffung  und  -einsiclit  zu  wür- 
digen und  danach  ein  Werk,  das  auf  so  vielen  neuen  Wegen  geht, 
zu  beurteilen.  Auf  p.  106  schließe  ich  nur,  wie  ganz  deutlich 
zu  ersehen  ist,  daß  auf  Hawaii  auch  klasmatische  Ausbrüche  statt- 
haben, nicht  nur  rheumatitische , wie  allgemein  immer  wieder 
wiederholt  wird.  Was  ich  bezüglich  der  Koniden  (p.  61)  anführe 
und  Herrn  Prof.  Sapper  unverständlich  erscheint,  ist  durch  Herrn 
J.  Friedländer’s  Ausführungen  (1.  c.  p.  30b)  so  erklärt,  wie  ich  es 
auffasse.  Daß  Herr  Prof.  Sapper  nunmehr  die  Entwicklung  des 
Vulkanismus  in  drei  Phasen  anerkennt,  wenn  „sie  auch  noch  weiter 
nachgeprüft  werden  müsse,  und  wenngleich  zuzugeben  ist,  daß  sie 
in  gewissen  Gebieten  tatsächlich  zu  beobachten  ist“,  ist  von  Be- 
deutung, da  sich  meine  Phasenlehre  auch  anderweitig  durchgesetzt 
hat.  Auf  p.  84  habe  ich  tatsächlich  nur  135  Mill.  allerdings  m3 
statt  Fuß  angegeben , was  aber  immer  noch  einer  Menge  von 
4.32  Mill.  m3  entspricht.  Das  Beispiel  des  Masaya  zeugt  nicht 
gegen  mich,  da  man  es  hier  doch  nicht  mit  einem  Maar  in  meinem 
■Sinne  zu  tun  hat.  Für  die  50  km3  ist  meine  Quelle  Ursache,  aber 
selbst  5 km3  genügen  mir  und  sprechen  für  mich. 

Die  von  mir  gegebene  Deutung  des  Vesuvausbruches  vom 
Jahre  79  ist  eben  Anschauungssache.  Gegen  mich  spricht  jeden- 
falls nichts.  Ich  werde  nicht  verfehlen,  in  einem  anderen  Zusammen- 
hänge nochmals  das  gleiche  Problem  zu  behandeln.  An  dieser 


108  K.  Schneider,  Die  vulkanischen  Erscheinungen  der  Erde. 


Stelle  soll  dann  auch  die  Grundlage  der  Auswurfsinassenberechnung 
gegeben  werden. 

Was  meinen  Vorschlag  eines  seismischen  Dienstes  an  Vul- 
kanen aubelangt  (p.  2 :-J 7 ) , so  können  die  negativen  makroseismischen 
Beobachtungen  bei  einzelnen  Ausbrüchen  heute  noch  nicht  dagegen 
sprechen.  Wir  wissen  eben  nicht,  ob  nicht  den  von  Herrn  Prof. 
Sapper  gegebenen  Beispielen  doch  auch  Bodeubewegungen  voran- 
gingen. Es  sei  nur  an  jene  Bewegungen  der  Erdkruste  erinnert, 
welche  v.  Rebeur-Paschwltz  in  der  Zeit  vom  4.  April  1892 
bis  10.  März  1804  beobachten  konnte1,  von  denen  man  nie 
etwas  auch  nur  ahnen  hätte  können.  Die  Sache  würde  ja  erst 
spruchreif  werden,  wenn  mechanische  Registrierungen  an  verschie- 
denen Feuerbergen  vorliegen  würden.  Der  Vorwurf  des  Herrn 
J.  Friedländer  (1.  c.  p.  30o)  bezüglich  des  Matavanu  trifft  nicht 
mich , sondeni  meine  gerade  an  dieser  Stelle  wörtlich  gegebene 
Quelle,  und  wenn  ich  Suess  d.  A.  bezüglich  des  juvenilen  Wassers 
in  der  allgemeinen  Einleitung  Recht  zu  geben  scheine  im  Gegen- 
satz zu  späteren  Ausführungen,  so  dürfte  mein  Standpunkt  in  den 
mit  nächstem  erscheinenden  , Beiträgen  zur  Theorie  der  heißen 
Quellen“  2 3 nunmehr  präzisiert  werden.  Von  den  Aspiden  behaupte 
ich  nur,  daß  sie  in  der  Gegenwart  als  „tätige“  Berge  selten  sind 
und  bei  ihnen  Klasmatika  in  den  Hintergrund  treten  bezw.  fehlen 
(p.  50,  07).  Was  Herr  Friedländer  (p.  303)  bezüglich  der 
Hawaii- Vulkane  ansführt,  deckt  sich  mit  meinen  Ausführungen 
vollständig  und  ist  nur  ein  Beleg  für  meine  Phasenlehre.  Was 
er  gegen  meine  Deutung  vom  Jahre  79  sagt,  will  ich,  wie  an- 
gedeutet, in  anderem  Zusammenhang  nochmals  bringen.  Wenn  er 
aber  meine  Quelle  bezüglich  des  Ätnaansbruches  vom  Jahre  1910/11 
und  damit  mich  zurückweist , so  kann  ich  nunmehr  die  Berichte 
von  A.  Ricco  und  G.  Ponte  anführen  *,  die  mir  nicht  zuwider- 
laufen. 

Der  humoristisch  gehaltene  Einwurf  gegen  meine  Ausführungen 
bezüglich  der  Abnahme  des  Vulkanismus  seit  dem  Diluvium — Al- 
luvium kann  mit  Gleichem  bezahlt  werden.  Der  Vergleich  hinkt, 
die  Sache  liegt  anders.  Nehmen  wir  den  Beginn  des  19.  Jahr- 
hunderts. Damals  gab  es  in  Europa  weitaus  mehr  selbständige 
Könige,  Fürsten  und  souveräne  Herren  als  zu  Beginn  des  20.  Jahr- 
hunderts. Eine  „Abnahme  des  Phänomens“  ist  also  doch  wohl  auch 
hier  festzustellen.  Nicht  der  Zeitabschnitt,  sondern  der  Zeitpunkt, 
von  dem  aus  gerechnet  wird,  ist  der  ausschlaggebende.  AA'as  bezüg- 
lich der  neuseeländischen  Vulkane  gesagt  wird,  ist  nicht  richtig. 

1 Beiträge  zur  Geophysik.  2.  p.  480. 

2 Geol.  Rundschau. 

3 Ricco,  A,  Eruzione  Etnea  del  1911.  Modena  1911.  — Ponte,  G. 
Sulla  cenere  vulcanica  dell’  eruzione  Etnea  del  1911.  Rend.  r.  acc.  Lincei 
1912.  2u9  ff. 


T.  Kormos,  Zur  Kenntnis  der  Pleistocänablagerungen  etc.  109 


tlie  61  erloschenen  Vulkane  linden  sich  nach  v.  Hochstetter  um 
den  Ort  Auckland,  die  im  Katalog  genannten  5 Feuerbei-ge  aber 
im  I)ep.  Wellington  und  Dep.  Auckland.  Die  von  mir  aufgestellten 
Gesetze  über  die  Verbreitung  der  Vulkane  lassen  sich  z.  T.  ge- 
wiß zusammenfassend-kürzer  geben,  lösen  aber  sofort  auf  anderer 
Seite  eine  Reihe  vou  Einwürfen  aus,  wie  ich  schon  erfahren  habe. 
Was  ich  im  9.  Gesetz  niederschrieb  und  Herrn  Friedländer  eine 
selbstverständliche  Tatsache  ist,  nunmehr  auch  in  Kayser’s  Lehr- 
buch, Bd.  1.  p.  652  (Ausg.  1912)  Aufnahme  gefunden  hat,  hat 
mir  bei  der  ersten  Veröffentlichung  in  meinem  Buche  „Zur  Ge- 
schichte und  Theorie  des  Vulkanismus“  öffentlich  die  Kritik  der 
^zu  geringen  Fundierung  von  Behauptungen“  privat  — Verbal- 
injurien eingetragen.  Den  gelinden  Spott  wegen  der  scheinbaren 
Inkonsequenz  von  10  (!)  Vulkanzonen  und  1 5 (!)  Vulkanbogen  muß 
ich  ablehneu,  da  genauere  Lektüre  doch  das  Zusammenfallen  der 
beiden  Dinge  aufdeckt. 

Und  nun  noch  ein  Wort  bezüglich  des  Vulkankataloges.  Ein 
Katalog  in  der  von  mir  gegebenen  Weise  hat  bislang  nicht  be- 
standen, wenn  auch  eine  Reihe  von  Vorarbeiten  zu  Hilfe  war.  Ich 
war  mir  daher  nicht  im  geringsten  im  Zweifel . daß  er  Lücken 
anfweisen  wird.  Manche  sind  durch  äußere  Umstände  hervorgerufen 
worden,  dem  Zettelkataloge  leicht  unterworfen  sind.  Daher  er- 
klären sich  die  berechtigten  Einvviirfe  des  Herrn  Prof.  Sappek 
(1.  c.  p.  6),  zumal  gerade  diese  Feuerberge  im  Text  mit  Ausbruchs- 
zeiten genannt  sind,  im  Katalog  aber  leider  fehlen.  Wie  vielfach 
die  mangelnden  Quellen  für  die  Richtigkeit  ausschlaggebend  sind, 
zeigt  Herr  Fkiedländer,  der  seine  eigenen  Quellen,  die  ich  be- 
nützte, nunmehr  in  der  Besprechung  meines  Buches  richtigstellt. 
Ich  würde  gewiß  jegliche  Richtigstellung  im  Interesse  der  Sache 
nur  begrüßen,  um  sie  später  bei  einer  eventuellen  Neubearbeitung 
des  Werkes  verwerten  zu  können. 

Da  es  nicht  angeht,  auf  jeden  einzelnen  kleiuen  Vorwurf  zu 
antworten,  habe  ich  nur  gegen  allgemeinere  An  würfe  Stellung  ge- 
nommen. Ich  hoffe,  daß  bei  einer  eventuellen  weiteren  öffentlichen 
Besprechung  der  sachliche  Ton  in  gleicher  Weise  gewahrt  wird  wie 
bisher,  wofür  ich  den  Herren  Referenten  besonders  verbunden  bin. 

Zur  Kenntnis  der  Pleistocänablagerungen  in  der  Umgebung 
von  Tata  (Ungarn). 

Von  Dr.  T.  Kormos  in  Budapest. 

Gelegentlich  meiner  Ausgrabungen  bei  Tata  (Komitat  Komärom) 
im  Jahre  1910  1 unterließ  ich  nicht,  auch  die  anderen,  in  der  Uiu- 

1 Th.  Kormos:  Die  paläolithische  Ansiedelung  bei  Tata.  Jahrb.  d. 
k.  nng.  Geologischen  Reiehsanst.  20.  H.  1.  1912. 


110 


T.  Kormos,  Zur  Kenntnis  der  Pleistocänablagerungen 


gebung  beiindlichen  Siißwasserkalk-Ablagerungen  des  näheren  zu 
besichtigen,  deren  einige  sich  als  sehr  interessant  erwiesen.  In 
dem  nächstfolgenden  will  ich  über  die  wichtigsten  diesbezüglichen 
Funde  kurz  berichten. 

Der  eine  Fundort  befindet  sich  nördlich  von  Tata,  in  der  Ge- 
markung der  Ortschaft  Szomöd,  östlich  von  der  Bahnkreuzung  und 
nächst  des  Eisenbahnwächterhauses  No.  61.  Hier  sieht  man  einen 
größeren  Kalktuffkomplex  von  ovaler  Form,  welcher  an  mehreren 
Punkten  aufgeschlossen  wurde.  Einer  dieser  Aufschlüsse  zeigt  das 
folgende  Profil : 

1.  unten  poröser  Kalktuff  (bis  1 — 1,5  m aufgeschlossen),  mit 
tonigen,  schlammigen  Adern  und  darin  vielen  Schuecken ; 

2.  darüber  15  cm  fluviatiler  Schotter;  dann 

3.  eine  dünne  Sandschicht  (5  cm);  über  dieser 

4.  noch  eine  Schotterschicht  (15  cm);  dann 

5.  1,2  m Sand  und  zu  oberst 

(1.  eine  50  cm  mächtige  Humusdecke. 

ln  den  schlammigen  Zwischenlagerungen  des  Kalktuffs  sind 
Mollusken  in  großer  Anzahl  zu  sammeln;  Thermalschnecken  sind 
darunter  besonders  häufig.  Die  hier  gesammelten  Arten  sind: 
Helix  (Striatella)  striata  Müll.  Planorbis  ( Propidiscus)  margi- 


natus  Müll. 

— ( Armiger)  nautilem  L. 

Bithynia  tentaculala  L. 
Carychium  minimum  Müll. 


— ( Vallonia ) ptdchella  Müll. 

Pupa  ( Torquilla ) frwnentum  Drap. 

— (Vertigo)  antivertigo  Drap. 

— ( — ) pygmaea  Drap. 

Succinea  (Amphibina)  Pfeiffer i Belgrandia  (t)  tataensis  Korm. 

Rossm.  Microcolpia  acicularis  Fer. 

— -'4  (Lucena)  oblonga  Drap.  Melanella  Holandri  Fer.  (var.) 

Limnaea  ( Gulnaria)  peregra  Müll.  Neritina  Prevostiana  C.  Pfr. 
Pisidium  sp.  (juv.) 

Das  Vorhandensein  der  eigentümlichen  Belgrandia  (?)  tataensis 
( 1.  c.),  ferner  die  hier  vorherrschenden  Gattungen  Microcolpia.  Melanella 
und  Neritina  zeigen  uns  deutlich,  daß  diese  Fauna  mit  jener  von 
Tata  ident  und  gleichalt  ist. 

Interessant  und  erwähnenswert  ist  ein  hier  gefundenes,  aus 
bräunlichgrauem  Feuerstein  verfertigtes  Steinwerkzeug  von  schaber- 
ähnlichem Habitus,  welches  an  der  einen  Seite  helle  Patina  und 
abgerollte  Spuren  einer  unvollkommenen  paläolithischen  Bearbei- 


Der  zweite  an  dieser  Stelle  zu  besprechende  Fundort  ist  von 
Tata  siidostwärts,  in  der  Gemarkung  Vertes-Szüllös  gelegen.  Hier 
konnte  ich  in  dem  — nächst  der  Landstraße  gelegenen  — Gräfl. 
Esterhäzy’schen  Kalktuff brucli  ein  sehr  interessantes  Profil  be- 
obachten. Zu  unterst  im  Aufschluß  befindet  sich  ein  zerfallendes, 
verwittertes  Konglomerat,  welches  viele  Dreikanter  enthält.  Dieses 
Konglomerat,  welches  überwiegend  aus  Quarzkiesel  besteht,  ist  mit 


in  der  Umgebung  von  Tata  (Ungarn). 


111 


jener  Schotterdecke,  welche  sicli  weiter  südlich  hei  Bänhida  erstreckt 
und  Tausende  von  Dreikantern  führt,  zweifelsohne  in  Zusammen- 
hang. Ich  denke  wohl  nicht  irre  zu  gehen,  wenn  ich  behaupte, 
daß  das  Alter  dieser  Schotterdecke  in  das  Ende  der  Pliocän-Periode 
zu  stellen  ist.  Die  scharfkantigen  Gerolle  verdanken  ihren  Ur- 
sprung gewiß  jenen  Wüstenerscheinungen,  welche  zu  dieser  Zeit 
durch  die  klimatischen  Verhältnisse  hervorgerufen  wurden. 

Oberhalb  des  erwähnten  Konglomerats  befindet  sich  eine  80  cm 
mächtige  Sandschicht,  deren  Körner  stark  abgerundet  und  glänzend 
sind,  darüber  folgt  eine  Sandsteinbank  (60  cm)  und  schließlich 
4 — 5 m harter  Quellenkalk  mit  sandigen,  scliotterigen  Zwischen- 
lagerungen. Die  Kalkschichten  sind  endlich  mit  2 — 3 m Schutt 
und  Humus  bedeckt. 

Im  Kalkstein  befinden  sicli  stellenweise  einzelne. Gehäuse  von 
Süßwassermollusken  (Linmaea  ovata,  L.  palustris)]  auch  wurden 
hier,  laut  Angaben  der  hier  Arbeitenden,  des  öfteren  Knochenreste 
großer  Säugetiere  gefundeu.  Herr  Professor  Dr.  A.  Koch  sammelte 
aus  diesem  Kalkstein  im  Jahr  1868  nebst  einigen  nicht  viel  sagenden 
Arten  (Helix  fruticum,  Pupa  frumentum,  Linmaea  peregra)  auch 
zwei  Exemplare  der  Cyclostoma  (Ericia)  elegans  Müll.,  welche  sich 
in  der  Sammlung  der  K.  ung.  Geologischen  Reichsanstalt  befinden. 
Ich  selbst  konnte  hier  aus  einer  zwischengelagerten  sandigen  Kalk- 
schlammader folgende  Arten  sammeln : 

Helix  ( Stiiatella ) striata  Müll.  Succinea  ( Lucena)  ohlonga  Drap. 
Cochlicopa  (Zua)  lubrica  Müll.  Limnaca  (Linmopliysa)  palustris 
Pupa  (Torquilla)  frumentum  Drap.  Müll,  (in  3 Varietäten) 

I Ultimi  aus  (Chondrula)  tridens 
Müll. 

Succinea  ( A mphibina)  elegans  Risso. 

An  der  oberhalb  des  herrschaftlichen  Kalksteinbruches  gelegenen 
Hügellehne  ist  der  Süßwasserkalk  und  der  Kalktutf  an  einer  großen 
Fläche  aufgeschlossen.  Hier  befindet  sicli  der  Gemeindesteinbruch, 
an  dessen  nordwestlicher  Seite  klar  ersichtlich  ist,  daß  dem  Kalk- 
tuff grauer  Sand  unterlagert,  welcher  mit  den  obenerwähnten  Drei- 
kantern gewiß  in  genetischem  Zusammenhang  steht  und  die  Spuren 
einer  Wüstendeflation  zeigt.  An  dieser  Stelle  ist  eine  trichter- 
förmige Spalte  im  Kalktutf  mit  schotterführendem,  braunem  Sand 
erfüllt,  welcher  zahlreiche  Vertebratenreste  enthält.  Hier  konnte 
ich  folgende  Säugetiere  feststellen  : 

Ursus  sp.  juv.  (Tibia), 

Meies  taxus  Bold.  (Humerus,  mc,  Cinf. ), 

Canis  lupus  L.  (mt4  sin), 

Felis  catus  L.  (mt-Bruchstück), 

Felis  (leo  L.?)  (Radius-Bruchstück), 

Myoxus  glis  L.  (Unterkiefer,  Humerus), 

Lcpus  europaeus  Pall.  (Zähne,  ein  Calcaneus), 


— ( Gidnaria ) peregra  Müll. 

Bithynia  tentaculafa  L. 
Microcalpia  acicularis  Fer. 


112 


H.  Fischer, 


Oervus  elaphus  L.  (phal.2,  phal.3), 

Capra  (sp.?)  (Calcaneus,  phal.2,  plial.3, 

Bison  priscus  Boj.  (Unterkiefer-Bruchstück  mit  zwei  Zähnen, 
ein  pm,  ein  Humerns-Bruclistück), 

Sus  scrofa  L.  (phal.2,  ein  Scapula  und  ein  Radius-Bruchstück, 
ein  Schneidezahn-Bruchstück), 

Bhinoceros  ( antiquitatis  Blumb.  ?)  (ein  Milchzahn,  mehrere  Zahn- 
bruchstücke). 

Außerdem  Schlangenwirbel  und  Rippen,  sowie  Froschknochen. 

Diese  Spaltenausfüllung  scheint  allenfalls  jünger  zu  sein  als 
der  Kalktuff  selbst,  gehört  jedoch  gewiß  noch  zum  Pleistozän, 
wie  das  durch  das  Vorhandensein  von  Rhinocerosresten  bewiesen 
ist.  Der  Dachs  und  der  Siebenschläfer,  sowie  die  Wildkatze  waren 
bisher  in  der  pleistozänen  Fauna  der  Umgebung  von  Tata  nocli 
nicht  bekannt. 

An  anderen  Stellen  des  erwähnten  Gemeindesteinbruchs  wechsel- 
lagert der  Kalktuff  mit  schlammigen,  sandigen  Adeirn.  Hier  und 
dort  sind  allenfalls  weitere  Knochenspuren  vorhanden,  doch  ist 
das  — indem  es  sich  bloß  um  unbestimmbare  Knochensplitter 
handelt  • — - nicht  von  Belang.  Auch  Schnecken  sind  nicht  beson- 
ders häufig,  obwohl  es  mir  gelang,  in  einer  schotterigen  Zwischen- 
lagerung  recht  viele  Exemplare  der  Microcolpia  acicularis,  Neritina 
Prevostiana  und  einige  des  Pisidium  amnicutn  zu  sammeln.  An 
einem  anderen  Punkt  erbeutete  ich  aus  einer  schlammigen  Zwischen- 
schicht eine  Anzahl  Limnaea  ovata,  etliche  kleine  Planorbis  und 
mehrere  Exemplare  einer  kleinen  Pisidium  Art. 


Bin  mariner  (?)  Oolith  aus  Zentralafrika. 

Von  Herrn.  Fischer  in  München. 

Herr  Professor  Stromer  von  Reichexbach  erhielt  vor  einiger 
Zeit  durch  Herrn  Kapitän  Michel  aus  München  zwei  Handstücke 
eines  oolithischen  Kalkes,  welche  bei  Manwengo  am  Itimbiri,  einem 
nördlichen  Nebenfluß  des  Kongo  (zirka  3°  nördl.  Breite  und  24  u 
östl.  Länge),  gelegentlich  dortselbst  im  Flußbett  vorgenommener 
Sprengungen  gesammelt  worden  waren.  Leider  wurden  in  dem 
Gestein  trotz  eifrigen  Suchens  keine  Fossilien  gefunden  Trotzdem 
bin  ich  bei  näherer  Untersuchung  zu  dem  Schluß  gekommen,  daß 
das  fragliche  Gestein  als  mariner  Oolith  anzusprechen  ist.  Diese 
Feststellung  würde  insofern  größere  Tragweite  gewinnen,  als  damit 
wieder  ein  neuer  Fundort  marinen  Gesteins  aus  dem  zentralen 
Afrika  festgestellt  wäre,  ein  Beweis  für  eine  ehemalige  Meeres- 
bedeckung Afrikas,  wie  sie  bisher  kaum  angenommen  wurde. 

Bereits  durch  L.  Lacoin  (Observations  sur  la  Geologie  du 
Pays  de  l’Oubangui  au  Tschad.  — Bull.  Soc.  geol.  de  France. 


Ein  mariner  (?)  Oolith  aus  Zentralafrika. 


113 


Paris  1903.  Serie  4.  t 3.  p.  484—496)  sind  Kalkvorkommen  am 
Ubangi  bekannt  geworden.  Zwei  Vorkommen  aus  der  Umgebung 
von  Mondjimbo  werden  von  dem  genannten  Autor  als  Siißwasser- 
kalke  angesehen.  Ein  jweiteres  Kalkvorkommen  bei  Fort  de  Possei 
(calcaire  jaunätre,  marmoreen,  ä demi-translucide,  qu’interromprent 
des  surfaces  micacees)  wird  mit  einem  gleichaussehenden  Kalk  aus 
der  Umgegend  von  Kisantu  an  der  Kongobahn  1 identifiziert  und  als 
devonisch  angesehen.  Fossilien  hat  aber  auch  Lacioin  in  keinem 
seiner  Kalke  gefunden. 

Das  mir  vorliegende  Material,  für  dessen  Überlassung  ich  Herrn 
Professor  Stromer  von  REtCHENBACH  an  dieser  Stelle  bestens  danken 
möchte,  gehört  zweifellos  ein  und  derselben  Schichtgruppe  an,  ob- 
wohl die  beiden  Handstücke  makroskopisch  ziemlich  verschieden 
sind.  Die  eine  Varietät  (A)  ist  ein  hochkristalliner  typisch  oolithischer 
Kalk,  die  andere  (B)  zeigt  ihre  oolithischen  Eigenschaften  erst  bei 
der  Betrachtung  mit  einer  Lupe,  außerdem  ist  das  vorliegende  Hand- 
stiick  von  Stylolithenzügen  durchsetzt.  Die  nämlichen  Differenzen 
der  Gesteinsausbildung  werden  z.  B.  sehr  häufig  auf  kurzer  Distanz 
in  den  Schaumkalkbänken  des  unteren  Muschelkalks  in  Unterfranken 
gefunden,  dessen  frappierende  Ähnlichkeit  (bei  unterwittertem  Vor- 
kommen!) mit  dem  afrikanischen  Kalk  ich  hier  besonders  erwähnen 
möchte. 

Bei  mikroskopischer  Betrachtung  der  beiden  Oolithvarietäten  er- 
gibt sich  das  makroskopisch  verschiedene  Aussehen  als  Folge  der  Ooid- 
bildung.  A zeigt  vorzüglich  ausgebildete  Ooide  mit  konzentrischer 
und  radialer  Struktur,  die  in  der  typischen  Speichenstruktur  noch 
erhalten  ist.  Doppelooide  treten  nicht  selten  auf.  Interessant  ist 
das  Vorkommen  von  teilweise  wieder  aufgelösten  Ooiden  und  von 
Pseudooiden,  unter  welchen  man  gewöhnlich  Zusammenballungen 
dichteren  Gesteinsmaterials  versteht.  Interpositionen  von  Ton  sind 
meist  auf  die  Ooide  beschränkt,  die  selbst  durch  Calcit  verkittet 
sind.  Recht  häufig  tritt  auch  Cölestin  als  Ausfüllmasse  auf, 
weniger  häufigFlußspat.  Reste  von  Kieselnadeln  (Monactinelliden!) 
sind  neben  einem  gekammerten  undefinierbaren  Fossilrest  die  einzigen 
Anzeichen  einer  Fauna,  die  in  dem  Oolith  noch  festzustellen  wäre. 

Bei  B sind  die  Ooide  kleiner  und  zeigen  selten  mehr  als  einen 
Ring.  Auch  die  Speichenstruktur  ist  undeutlicher.  Als  Ausfüll- 
masse tritt  hier  recht  häufig  ein  bräunlich  bis  bräunlichgrünes 
Silikat  auf,  das  in  seinem  optischen  Verhalten  an  Glaukonit  er- 
innert. Flußspat  und  Cölestin  treten  seltener  auf  wie  bei  A, 
beweisen  aber  gleichwohl  die  Identität  beider  Oolithvarietäten. 
Von  allothigenen  Mineralien  wurden  im  Dünnschliff  Quarz  und 
Feldspat  und  etwas  Muscovit  beobachtet. 

1 Vergl.  J.  Cornet,  La  Geologie  du  bassin  du  Congo.  Bull.  Soc. 
Beige  de  Geologie.  XII.  1898.  p.  26  ff.  p.  47  werden  Kalke  vom  Itimbiri- 
Rubi  erwähnt,  die  ebenfalls  devonisch  sein  sollen. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913 


8 


114 


H.  Fischer,  Ein  mariner  (?)  Oolitli  aus  Zentralafrika. 


Die  weitere  Untersuchung  beschränkt  sich  auf  Gestein  A. 
Seine  chemische  Analyse  ergab  folgendes  Resultat: 

2,22  °l  o Rückstand  beim  Auflösen  in  zehnprozentiger  Salzsäure 
0,385  „ 1 eg  Oj,  -f-  Äl20, 

53,70  B CaO 
1,11  MgO 
0,035  „ P2Os 

42,20  „ Glühverlust  (C02  -f-  hydrat.  Wasser) 

0:47  „ S03 

0,04  „ Hygroskop.  Wasser 

Summe  100,15  °/u- 

Das  Gestein  hat  also  ungefähr  folgende  Bestandteile: 

95  °/u  kohlensauren  Kalk 

2 „ kohlensaure  Magnesia 

0,7  „ schwefelsaure  Erdalkalien 
2,3  „ Silikate,  Quarz,  Cölestin  und  Flußspat. 

Dieser  Rückstand  wurde  geglüht  gewogen.  Die  blaue  Farbe 
des  bereits  mit  der  Lupe  erkannten  Flußspats  war  dabei  zerstört 
wordeu.  Nach  weiterer  Behandlung  mit  konzentrierter  heißer 
Schwefelsäure  und  Abschlämmen  waren  noch  Quarz,  Feldspat, 
Rutil  etc.  verblieben. 

Präparate  von  Schlämmrückständen  nach  Auflösen  des 
Kalkes  in  zehnprozentiger  Salzsäure  ergaben  folgendes  Bild:  Den 
Hauptanteil  des  Schlämmrückstandes  bildet  weiß  bis  rötlich  ge- 
färbter Cölestin  und  ihm  gegenüber  stark  zurücktretend  blau- 
gefärbter Flußspat.  Allothigener  Quarz  und  Feldspat  ist  nicht 
selten,  ebenso  authigener  Feldspat,  dagegen  authigener  Quarz  sein- 
selten.  Es  verdient  wohl  hervorgehoben  zu  werden,  daß  der  bereits 
früher  (Beitrag  zur  Kenntnis  der  unterfränkischen  Triasgesteiue. 
Geognost.  Jahresh.  1908.  p.  9)  von  mir  in  weiter  Verbreitung  für 
unterfränkische  Triasgesteine  festgestellte  authigene  Feldspat  nun 
auch  für  afrikanische  Sedimentgesteine  nachgewiesen  ist.  Die  Neu- 
bildung von  Feldspäten  geht  also  tatsächlich  durchweg  bei  der 
Umkristallisation  von  Kalkgesteinen  in  derselben  gesetzmäßigen 
Weise  vor  sich  wie  die  Bildung  der  Neuquarze.  An  allothigenen 
Mineralien  ündet  sich  noch  nicht  selten  Rutil,  Turmalin  und  Mus- 
covit,  auffallend  selten  Zirkon. 

Als  ein  mineralogischer  Beweis  für  die  marine  Entstehung 
unseres  Ooliths  dürfte  wohl  das  häuüge  Auftreten  des  Cölestins 
angesehen  werden,  welcher  anscheinend  bei  gewisser  Konzentration 
aus  dem  Meerwasser  ausgeschieden  wird,  in  dem  er  an  und  für 
sich  nur  in  geringer  Menge  vorhanden  ist.  Auch  in  dem  Auftreten 
des  Cölestin  hat  der  afrikanische  Oolitli  ein  auffallendes  Analogon 
im  unterfränkischen  Schaumkalk,  so  daß  man  wohl  annehmen  darf, 
daß  beide  Gesteine  unter  ähnlichen  Verhältnissen  entstanden  sind. 


E.  Spengler,  Zur  Systematik  etc. 


115 


Zur  Systematik  der  obercretacischen  Nautiliden. 

Von  Dr.  Erich  Speng  er  in  Graz. 

ln  der  „Revue  critique  de  Paleozoologie“  veröffentlichte 
P.  Lemoine  1 eine  Kritik  meiner  Revision  der  Nautiliden  und  Be- 
lemniten  des  Tricliinopolydistriktes 2 und  erhob  dabei  gegen  mich 
den  Vorwurf,  ich  sei  in  der  Zersplitterung  der  Arten  zu  weit 
gegangen.  Insbesondere  hätte  ich  bei  derjenigen  Formengruppe, 
welche  Blanford  unter  dem  Namen  ,, Nautilus  Boucliarclianus  d’Orb.“ 
vereinigt  hatte,  eine  viel  zu  enge  Artfassung  angewandt.  Darauf 
möchte  ich  folgendes  entgegnen : 

1.  Es  ist  unrichtig,  wenn  P.  Lemoine  behauptet,  ich  hätte 
die  13  Exemplare,  welche  auf  Taf.  III — V in  Blanford’s  Mono- 
graphie3 abgebildet  sind,  auf  6 Arten  verteilt,  in  Wirklichkeit 
habe  ich  hier  nur  5 Arten  unterschieden;  denn  mit  der  Bezeich- 
nung Nautilus  aff.  justus  (cf.  occlusus?)  bei  Fig.  3 auf  Blanford’s 
Tafel  IV  wollte  ich  nur  ausdrücken,  daß  die  Form  in  die  Ver- 
wandtschaft des  N.  justus  Blanf.  gehört  oder  vielleicht  mit  dem 
N-  occlusus  Chice  identisch  ist;  da  Chice  letzteren  zwar  genau 
beschrieben4,  aber  leider  nicht  abgebildet  hat,  konnte  ich  nichts 
Bestimmtes  über  die  Identität  der  indischen  Form  mit  N.  occlusus 
aussagen.  Es  verbleiben  also  die  5 Arten : 

Nautilus  sphaericus  Forb. 

„ sublaevigatus  d’Orb.  var.  Indien  Stob. 

„ cf.  Baluchistanensis  Spengler 

„ Pseudobouchardianus  Spengler 

„ aff.  justus  Blanf.  (cf.  occlusus  Chice). 

2.  Wie  diese  Zusammenstellung  ergibt,  sind  nur  2 von  diesen 
5 Arten  von  mir  begründet.  Es  ist  ein  Irrtum  Lemoine’s  zu 
glauben , daß  Stoliczea  alle  4 Figuren  der  Tafel  V unter  der 
Bezeichnung  N.  sublaevigatus  var.  sphaericus  vereinigt  hat;  in 
Wirklichkeit  teilt  Stoliczea,  der  doch  gewiß  nicht  zu  den  „pul- 
verisateurs  d’especes“  gehört,  die  4 Figuren  der  Tafel  V zwei 
Arten  zu:  Fig.  1 u.  3 gehören  zu  N.  sublaevigatus  var. 5,  Fig.  2 

1 Revue  critique  de  Paleozoologie.  1912.  p.  106. 

2 E.  Spengler,  Untersuchungen  über  die  siidindische  Kreideformation. 
IV.  Teil.  Die  Nautiliden  und  Belemniten  des  Trichinopolydistriktes.  Bei- 
träge zur  Paläontologie  und  Geologie  Österreich-Ungarns  und  des  Orients. 
1910.  p.  125. 

3 H.  F.  Blanford,  The  fossil  Cephalopoda  of  the  Cretaceous  Rocks 
of  Southern  India  (Belemnitidae — Nautilidae).  Palaeontologia  indica.  Cal- 
cutta  1861. 

4 G.  C.  Crice:  Cretaceous  fossils  of  Natal.  III.  The  Cephalopoda 
from  the  deposit  at  the  north  end  of  False  Bay,  Zululand.  p.  224. 

b F.  Stolickza,  Notes  on  the  Belemnitidae  and  Nautilidae  of  the 
S.  Indian  Cretaceous  Rocks.  Palaeontologia  indica.  1865.  p.  203. 

8* 


116 


E.  Spengler,  Zur  Systematik 


und  4 zu  X.  spliaericus  Foubes.  Stoliczka  unterscheidet  also  die 
indische  Form,  Taf.  V Fig.  1 u.  3,  von  dem  typischen  X.  sub- 
laevigatus d’Orb.  durch  den  Zusatz  „var.c.  Ich  habe  durch  den 
weiteren  Zusatz  „indica“  diese  von  Stolickza  aufgestellte  Variation 
uur  genauer  bezeichnet;  die  eigentliche  Formenabspaltung  rührt 
also  von  Stoliczka  her,  nicht  von  mir.  Die  Spezies  ,,X.  jiistus“ 
wurde  von  Blanford  begründet.  „X.  occlusus“  nennt  G.  C.  Crick, 
wie  schon  erwähnt,  eine  Form  aus  der  südafrikanischen  Ober- 
kreide, deren  Vereinigung  mit  X.  Justus  in  Erwägung  zu  ziehen 
wäre1;  ich  habe  also  auch  hier  keine  neue  Art  abgespalten, 
sondern  im  Gegenteil  mich  für  die  Vereinigung  zweier  bereits  be- 
kannter Arten  ausgesprochen. 

Bloß  die  beiden  Namen  „pseudobouchardianus“  und  ,,Balu- 
chistanensis“  wurden  von  mir  aufgestellt;  ersterer  wurde  lediglich 
deshalb  begründet,  um  der  Ansicht  vorzubeugen,  daß  die  Taf.  IV 
Fig.  7 abgebildete  Form,  welche  tatsächlich  mit  X.  Bouchardianus 
d’Orb.  sehr  gut  übereinstimmt,  als  wirklicher  Bouchardianus  und 
daher  als  ein  Relikt  aus  dem  Gault  aufgefaßt  wird2 3;  es  erscheint 
mir  nämlich  viel  wahrscheinlicher , daß  sich  so  außerordentlich 
indifferente  Formen  wie  der  X.  Bouchardianus  d’Orb.  zweimal 
bilden  können,  als  daß  sich  diese  Formen  vom  Gault  bis  in  das 
obere  Senon  unverändert  erhalten  haben,  ohne  daß  sie  in  den  da- 
zwischenliegenden Stufen  gefunden  wurden.  Als  Typus  des  neu- 
begründeten X.  Baluchistanensis  Spengler  wurden  die  von  Noet- 
ling  ® zu  X.  sublaevigatus  gestellten  Formen  bezeichnet,  mit  denen 
PI.  IV  Fig.  1 u.  2,  PI.  VI  Fig.  1 (Blanford)  gut  übereinstimmen. 
Daß  Noetling’s  Form  vom  typischen  X.  sublaevigatus  d’Orb.  sein- 
deutlich  verschieden  ist,  ergibt  auf  den  ersten  Blick  ein  Vergleich 
der  Abbildungen  bei  Noetling  und  d’Orbigny4.  Als  Unterschiede 
habe  ich 5 das  langsamere  Breitenwachstum  und  die  dorsale  Lage 
des  Siphos  bei  X.  Baluchistanensis  bezeichnet. 

3.  Es  entspricht  nicht  den  Tatsachen , daß  die  Zusätze  cf., 
aff.,  ? der  Ausdruck  einer  schwierigen  Unterscheidung  der 
Arten  sind , sondern  sie  sollen  nur  andeuten , daß  bei  dem  un- 
günstigen Erhaltungszustände  einige  Exemplare  die  Bestimmung 
überhaupt  mit  Schwierigkeiten  verknüpft  war. 

4.  Auch  ich  bin  von  der  sehr  nahen  Verwandtschaft  der 
auf  der  Tabelle  p.  14  meiner  Arbeit  zusammengestellten  Formen 

1 E Spengler,  Untersuchungen  über  die  südindische  Kreideformation. 
4.  p.  142. 

2 E.  Spengler,  1.  c.  p.  16,  17. 

3 F.  Noetling,  Fauna  of  the  upper  Cretaceous  beds  (Maestrichtien) 
of  the  Mari  Hills.  Palaeontologia  indica.  1897.  p.  69.  PI.  XIX  Fig.  1,  2; 
PI.  XX  Fig.  1,  2. 

4 d’Orbigny,  Palaeontologie  Fran<-aise.  Terr.  Cretacös.  PI.  17. 

5 E.  Spengler.  1.  c.  p.  15. 


der  obercretacischen  Nautiliden. 


117 


überzeugt,  was  ich  durch  die  Zusammenfassung  zu  einer  „Gruppe  des 
X.  sublaevigatus “ 1 zum  Ausdruck  brachte.  Auch  bin  ich  weit  ent- 
fernt davon,  zu  glauben,  daß  es  sich  hier  ebenso  wrie  bei  den  meisten 
Ammonitenarten  der  neueren  Autoren  wirklich  um  biologisch 
selbständige  Spezies  handelt,  sondern  die  Zerteilung  in  einzelne 
Arten  ging  lediglich  aus  dem  Bestreben  hervor,  unter  den  glatten 
Nautiliden  der  Kreideformation  scharf  charakterisierte  Typen  zu 
schaffen,  welche  sich  in  exakter  Weise  von  den  Formen  anderer 
Gebiete  durch  m orph  o 1 o gis ch e Mei-kmale  trennen  lassen.  Daß 
eine  Vergleichung  von  Nautiliden  anderer  Gebiete  mit  den  von 
Blanfokd  als  X.  Boucliardianus  zusammengefaßten  Formen  schwer 
möglich  ist,  zeigt  schon  die  Umdeutung  dieser  Gruppe  durch  die 
verschiedensten  Autoren. 

Es  war  mir  nun  nicht  möglich,  zwischen  den  auf  Blanford’s 
Tafeln  III,  IV,  V einerseits  und  auf  deu  Tafeln  VI  u.  VII  Fig.  1 
und  2 anderseits  abgebildeten  Formen  einen  scharfen  Gegensatz 
im  Sinne  Blanford’s  herauszufinden.  Vergleicht  man  etwa  Taf.  IV 
Fig.  2 und  Taf.  V Fig.  1,  anderseits  Taf.  IV  Fig.  2 und  Taf.  VI 
Fig.  1,  so  zeigen  zweifellos  die  beiden  letzteren  eine  weit  größere 
Ähnlichkeit  als  die  beiden  ersteren , obwohl  die  ersteren  nach 
Blanford  zu  einer  Art,  die  letzteren  jedoch  zu  zwei  verschiedenen 
Spezies  gehören. 

Würde  man  aber  die  Formen  aller  5 Tafeln  zu  einer  Art 
vereinigen,  so  hätte  man  unter  einem  Namen  so  verschiedenartige 
Typen  zusammengefaßt,  daß  nicht  einmal  eine  scharfe  Trennung 
von  den  von  d’Orbigny  unterschiedenen  drei  Arten : X.  Clementinus, 
X.  Boucharclianus,  X.  sublaevigatus  möglich  wäre,  was  zur  weiteren 
Folge  auch  eine  Vereinigung  dieser  drei  Arten  haben  müßte.  Auch 
X.  Dekagi  Mort.,  X.  depressus  Bixkh.,  X.  justus  Blanf.  und  viel- 
leicht noch  einige  andere  Arten  müßten  eingezogen  werden.  Tut 
man  dies  aber,  so  wird  die  große  Variabilität  der  glatten 
Kreidenautiliden  nicht  registriert. 

So  bleibt  nichts  übrig  als  sehr  enge  Artfassung.  Es  kommt 
praktisch  so  ziemlich  auf  dasselbe  hinaus , ob  man  die  einzelnen 
Typen  „Arten“  oder  „Varietäten“  nennt;  letzteres  ist  aber 
nur  dann  möglich,  wenn  sich  unter  den  früher  beschriebenen  Arten 
eine  nächstverwandte  findet ; steht  die  neue  Form  aber 
zwei  oder  mehreren  älteren  Arten  gleich  nahe,  ist  die  Be- 
zeichnung als  Varietät  nicht  anwendbar.  Ich  bin  fest  überzeugt, 
daß  sich  bei  reicherem  Material  abermals  Formen  finden  werden, 
die  zwischen  den  abgebildeten  Typen  stehen;  ich  habe  daher 
die  Arten  hier  möglichst  so  gefaßt,  daß  sie  unmittelbar  aneinander- 

1 Die  Gruppe  des  Nautilus  sublaevigatus  dürfte  im  wesentlichen  der 
Untergattung  Eutrephoceras  Hyatt's  entsprechen.  Vergl.  E.  Spengler. 
1.  c.  p.  136. 


118 


E Spengler,  Zur  Systematik  etc. 


schließen ; so  heißt  z.  B.  ein  glatter,  globoser,  sehr  eng  genabelter 
Nautilus  mit  16 — 11)  Septeu  auf  1 Umgang  N.  sublaevigatus,  wenn 
die  Breite  68 — 80  °/o  des  Durchmessers  beträgt,  N.  sphaericus, 
wenn  die  Breite  über  80  °/o  steigt,  N.  Delcayi,  wenn  die  Breite 
!H)  % überschreitet  und  der  Nabel  auf  Schalenexemplaren  ganz 
verschwindet,  N.  Huxleyanus  hingegen,  wenn  bei  sonst  vollständiger 
Übereinstimmung  mit  N.  Dekayi  oder  sphaericus  die  Septenzahl 
geringer  als  1 6 wird,  N.  Baluchistanensis,  wenn  bei  sonstiger  Über- 
einstimmung  mit  N.  sublaevigatus  das  Breitenwachstum  langsamer 
wird,  oder  genauer,  wenn  die  Breite  der  vorhergehenden  Windung 
mehr  als  60  °/o  der  folgenden  beträgt  usw.  Es  ist  dies  allerdings 
eine  künstliche  Trennung  der  Arten , aber  eine  natürliche  ist  bei 
diesen  durch  allmähliche  Übergänge  verknüpften  Formen  nicht 
möglich. 

Es  ist  nur  eine  Forderung  der  Deszendenzlehre , daß  eine  in 
starker  Entwicklung  befindliche  Formengruppe  eine  sehr  starke 
Variabilität  mit  allen  möglichen  Übergängen  zwischen  den  einzelnen 
Varietäten  zeigt.  Sicherlich  sind  die  glatten,  globosen  Nautiliden 
der  Kreide  eine  solche.  Denn  im  Jura  herrschen  meistens  Typen 
mit  abgeflachten  Seitenwänden  (subgen.  Cenoceras  Hyatt),  erst  in 
der  Kreide  werden  die  eng-  oder  ungenabelten , glatten  Formen 
mit  globosem  Windungsquerschnitt  (subgen.  Eutrcphoceras  Hyatt) 
häufiger. 

Auch  bei  den  durch  den  Rippenwiukel  auf  der  Externseite 
scharf  charakterisierten  Formen  von  Cymatoceras  in  der  unteren 
Utaturgroup  habe  ich  stets  die  außerordentlich  nahe  Verwandt- 
schaft der  7 hierher  gehörigen  Typen  hervorgehoben1  und  unter 
diesen  7 wieder  8 näher  aneinander  angeschlossen  (C.  Negama 
Blanf.,  C.  crebricostatum  Blanf.  und  C.  pseudo negama  Spengler). 
Auch  hier  sind  die  „Arten“  zunächst  nur  zum  Zwecke  leichterer 
Vergleichung  mit  fremden  Formen  möglichst  scharf  gefaßte  mor- 
phologische Typen.  Ihr  wahrscheinlicher  Zusammenhang 
wird  durch  die  dort  gegebene  Gruppeneinteiluug  angedeutet,  wobei 
es  jedoch  für  uns  unmöglich  ist,  zu  entscheiden,  ob  etwa  alle  7 
eine  Art  im  biologischen  Sinne  gebildet  haben  oder  C.  Kayeanum, 
Kossmati,  virgatum  die  erste,  C.  Negama,  crebricostatum,  pseudo- 
negama  die  zweite,  C.  semilobatum  die  dritte  Art,  oder  ob  endlich 
alle  7 selbständige  Spezies  darstellen;  letzteres  ist  insofern  un- 
wahrscheinlich , als  es  ein  merkwürdiger  Zufall  wäre , daß  von 
einigen  dieser  Arten  nur  1 oder  2 Exemplare  bisher  gefunden 
wurden  — trotzdem  aber  muß  daran  festgehalten  werden , die 
einzelnen  morphologischen  Typen  durch  besondere  Namen  zu  fixieren. 
Auch  in  diesem  Falle  ist  hier  die  Artspaltung  noch  lange  nicht  so 
weitgehend  wie  bei  einigen  Ammoniten-  und  Gastropodengattungen. 

1 Ich  habe  dies  durch  die  Zusammenfassung  zu  einer  Gruppe  des 
„Cymatoceras  Kayeanum“  getan  (l.  c.  p.  3,  10). 


f Friedrich  Teller. 


119 


Auch  bei  weiterer  Artfassung  bleibt  der  lokale  Charakter 
der  indischen  Nautilidenfauna  erhalten.  Dieser  Gegensatz  gegen- 
über der  Ammonitenfauna 1 ist  leicht  verständlich , wenn  wir 
bedenken , daß  Nautilus  ein  Tienthonisches  Tier  ist , während  die 
Ammoniten  wahrscheinlich  zum  größten  Teil  nektonische  Tiere 2 
waren.  Daß  besonders  auch  Cymatoceras  zu  den  benthonischen 
Tieren  gehörte,  dafür  spricht  die  ungewöhnlich  dicke  Schale  dieser 
Formen.  Sehr  deutlich  läßt  C.  viryatum  diese  Erscheinung  er- 
kennen. Das  auf  Taf.  XI  Fig.  3 a,  b meiner  Arbeit  abgebildete 
Exemplar  ist  so  erhalten,  daß  auf  der  in  Fig.  3 b sichtbaren  Seite 
die  Schale  erhalten  geblieben  ist,  während  die  andere  Seite  den 
Steinkern  zeigt.  Auf  ersterer  erblickt  man  die  sehr  charakte- 
ristischen , kräftigen  Bündelrippen , letztere  Seite  ist  vollkommen 
glatt;  nur  auf  dem  Externteil  (Fig.  3 a),  auf  dem  gleichfalls  die 
Schale  verloren  gegangen  ist,  prägt  sich  auch  die  Schalenskulptur 
dem  Steinkerne  auf.  Diese  Unabhängigkeit  der  Schalen-  und 
Steinkernskulptur  läßt  deutlich  den  Unterschied  einer  berippten 
Nautilus-Schule  von  den  meisten  berippten  Ammonitenschalen  er- 
kennen. 


| Friedrich  Teller. 

In  Friedrich  Teller  hat  die  k.  k.  Geologische  Reichsaustalt 
in  Wien  eines  ihrer  ausgezeichnetsten  Mitglieder  verloren.  Durch 
35  Jahre  hat  er  seine  Arbeitskraft  diesem  Institut  gewidmet,  mit 
dessen  Interessen  er  mit  jeder  Faser  seines  Wesens  so  fest  ver- 
knüpft war,  daß  er  nicht  zögerte,  dieselben  in  einem  für  seine 
Laufbahn  entscheidenden  Augenblick  über  die  eigenen  zu  stellen. 
Denjenigen,  die  gehofft  hatten,  sein  Lebenswerk  durch  die  Berufung 
zur  Leitung  der  k.  k.  Geologischen  Reichsaustalt  in  absehbarer 
Zeit  gekrönt  zu  sehen,  hat  sein  Tod  eine  schmerzliche  Enttäuschung 
bereitet.  Am  Abend  des  10.  Januar  1913  erlag  er  nach  schwerem, 
qualvollem  Leiden  den  Folgen  einer  Operation,  die  eine  bösartige 
Neubildung  hätte  beseitigen  sollen.  Nicht  am  Abend  eines  viel- 
bewegten  Lebens , sondern  im  reifen  Mannesalter  hat  ihn  ein 
tückisches  Schicksal  seiner  Tätigkeit  entrissen,  deren  erfolgreiche 
Wirksamkeit  einen  glänzenderen  Abschluß  versprach. 

Teller  wurde  am  28.  August  1852  in  Karlsbad  geboren.  Er 
begann  seine  wissenschaftliche  Laufbahn  an  der  k.  k.  Universität 

1 Übrigens  ist  auch  die  Zahl  der  vollkommen  identischen  Am- 
monitenaiten  zwischen  Südindien  und  den  anderen  Kreidegebieten  nicht 
besonders  groß  (vergl.  die  Tabelle  bei  Korsmat,  Untersuchungen  über  die 
südindische  Kreideformation.  Beiträge  zur  Pal.  und  Geol.  Österreich- 
Ungarns  und  des  Orients.  No.  11.  p.  141 — 148). 

2 Vergl.  C.  Diener,  Lebensweise  und  Verbreitung  der  Ammoniten. 
(N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1912.  II.  2.  p.  67.) 


120 


f Friedrich  Teller. 


in  Wien,  zuerst  als  Assistent  am  zoologisch-anatomischen  Institut 
Professor  Brühl’s,  später  als  Assistent  an  der  geologischen  Lehr- 
kanzel unter  Professor  E.  Suess,  zu  dessen  Lieblingsschülern  er  zählte. 
In  den  Jahren  1875  und  187ti  war  er  einer  der  eifrigsten  Mit- 
arbeiter an  den  unter  Neumayr’s  Führung  eingeleiteten  geologischen 
Aufnahmen  österreichischer  Forscher  in  Griechenland,  deren  Er- 
gebnisse in  den  Denkschriften  der  kais.  Akademie  der  Wissenschaften 
in  Wien  niedergelegt  worden  sind.  Er  gab  eine  Beschreibung  des 
geologischen  Baues  der  Insel  Euböa , des  südöstlichen  Thessalien 
und  der  Insel  Chios  und  lieferte  in  Gemeinschaft  mit  Neumayr  und 
Bittrer  einen  Überblick  über  die  geologische  Struktur  ausgedehnter 
Teile  der  Ägäischen  Küstenländer.  Wenn  man  die  damaligen 
Leistungen  der  österreichischen  Geologen  in  Griechenland  gerecht 
beurteilen  will,  so  darf  man  nicht  vergessen,  daß  es  sich  hier  um 
Pionierarbeiten  in  einem  sehr  kompliziert  gebauten  Gebiet  handelt, 
dessen  Stratigraphie  durch  eine  faziell  gleichartige  Ausbildung  alters- 
verschiedener, zugleich  ungewöhnlich  fossilarmer  Sedimente  ver- 
dunkelt wird.  Daß  das  geologische  Kartenbild  von  Griechenland  heute 
wesentlich  anders  aussieht  als  vor  30  Jahren,  daß  insbesondere  die 
Mannigfaltigkeit  der  Formationen  eine  weit  größere  ist,  als  man 
damals  annehmen  zu  sollen  glaubte,  darf  denjenigen,  die  mit  unter 
den  ersten  Erforschern  des  Landes  waren,  'wohl  kaum  zum  Vor- 
wurf gemacht  werden. 

Im  Jahre  1877  trat  Teller  als  Praktikant  in  die  k.  k.  Geolo- 
gische Reichsanstalt  ein.  In  ihrem  Verband  ist  er  seither  ununter- 
brochen verblieben.  Im  Jahre  1900  erreichte  er  die  Stelle  eines 
Chefgeologen,  nachdem  er  schon  1896  mit  dem  Titel  und  Charakter 
eines  k.  k.  Bergrates  ausgezeichnet  worden  war. 

Sein  erstes  Arbeitsfeld  war  die  Zentralzone  der  Ostalpen  (Ötz- 
taler Massiv  1877/78,  Brixener  Granitmasse  1879/81,  Westfliigel 
der  Hohen  Tauern,  Hochpustertal  1882/83).  Von  1884  an  war 
er  mit  geologischen  Detailuntei’suchungen  und  der  Kartierung  der 
südöstlichen  Kalkalpen  im  Gebiete  der  Karawanken,  Julischen  Alpen, 
Steiner  Alpen  und  des  Savesystems  betraut. 

Aus  der  ersten  Phase  seiner  Anstaltstätigkeit  sind  besonders 
die  ausgezeichnete  Arbeit  über  die  erzführenden  Diorite  von  Klausen1 
und  eine  /Reihe  von  paläontologischen  Monographien  bemerkenswert. 
Die  letzteren  betreffen  zumeist  Wirbeltierfunde  in  den  öster- 
reichischen Alpenländern,  so  den  Schädel  eine^  Ceratodus 2 aus  den 
Lunzer  Schichten,  Authracotherienreste  aus  Südsteiermark  und  Dal- 
matien 3,  einen  pliocänen  Tapir  aus  Südsteiermark4.  Aber  auch 

1 Jahrb.  Geol.  Reichsanst.  1882.  p.  589 — 684. 

* Abhandl.  Geol.  Reichsanst.  15.  1891. 

3 Beiträge  z.  Paläontologie  Österreich-Ungarns  etc.  4.  1884. 

* Jahrb.  Geol.  Reichsanst.  38.  1884. 


f Friedrich  Teller. 


121 


aut'  dem  Gebiete  der  Evertebrata  hat  Teller  , der  ein  vortreff- 
licher Kenner  der  Bivalven  und  Braclnopoden  war,  sich  durch  seine 
Monographie  der  Pseudomonotis  ochotiea  Verdienste  erworben  und 
zuerst  auf  die  Bedeutung  dieser  Formengruppe  für  die  arktisch- 
pazifische Trias  hingewiesen  \ Alle  die  genannten  Monographien 
dürfen  geradezu  als  Muster  paläontologischer  Detailarbeit  bezeichnet 
werden.  Sie  rechtfertigen  durchaus  einen  im  Dezember  1901  von 
der  philosophischen  Fakultät  der  Wiener  Universität  erstatteten 
Vorschlag,  die  Teller  primo  loco  an  Stelle  Uhlig’s  an  die  Lehr- 
kanzel für  Paläontologie  berufen  zu  sehen  wünschte. 

Allein  Teller’s  Neigung  zur  Feldgeologie  war  stärker  als  sein 
Interesse  für  eine  akademische  Lehrtätigkeit.  Auch  widerstrebte 
es  seinem  hoch  entwickelten  Pflichtgefühl,  dem  Institut,  dem  er  die 
beste  Kraft  seines  Lebens  gewidmet  hatte,  durch  sein  Ausscheiden 
einen  unersetzlichen  Verlust  zuzufügen.  Schwieriger  noch  als  heute 
wäre  damals  ein  Mann  zu  finden  gewesen,  der  mit  gleicher  Arbeits- 
kraft, Erfahrung  und  Sorgfalt  die  Redaktion  der  Druckschriften, 
insbesondere  der  geologischen  Spezialkarte  der  Österr.-Ungar.  Mo- 
narchie, hätte  weiterführen  können.  Seine  organisatorischen  und 
administrativen  Fähigkeiten  haben  auch  die  außerhalb  der  Reichs- 
anstalt stehenden  österreichischen  Fachgenossen  anläßlich  des  Inter- 
nationalen Geologen-Kongresses  in  Wien  19<)3  schätzen  gelernt,  um 
dessen  befriedigenden  Verlauf  er  sich  in  erster  Linie  durch  die  Zu- 
sammenstellung der  Exkursionen  und  die  Herausgabe  des  „Führers“, 
eines  weit  über  das  Bedürfnis  des  Augenblickes  hinausreichenden 
Kompendiums  der  österreichischen  Geologie,  verdient  gemacht  hat. 

Teller  war  unzweifelhaft  einer  der  hervorragendsten  Alpen- 
geologen und  der  beste  Kenner  der  südöstlichen  Alpen.  Es  ist  zu 
bedauern,  daß  die  Überlastung  mit  administrativen  Arbeiten  ihn 
verhindert  hat,  seine  Erfahrungen  über  den  Bau  dieses  ausgedehnten 
Gebietes  in  einem  zusammenfassenden  Werk  zur  Darstellung  zu 
bringen.  Wertvolle  Bausteine  zu  einem  solchen  enthält  seine  letzte 
größere  wissenschaftliche  Publikation  in  den  Denkschriften  der 
kais.  Akademie  der  Wissenschaften  1910  über  die  Ergebnisse  der 
im  Auftrag  der  Akademie  durchgeführten  Aufnahme  des  Kara- 
wanken-Tunnels.  Sonst  sind  die  Resultate  seiner  Untersuchungen 
zerstreut  in  vielen  kurzen  Mitteilungen  in  den  Verhandlungen  der 
k.  k.  Geol.  Reichsanstalt  und  in  den  Erläuterungen  zu  den  von 
ihm  in  Druck  gelegten  Spezialkartenblättern.  Seine  große  Be- 
scheidenheit hielt  ihn  leider  nur  zu  oft  davon  ab,  die  Bedeutung 

1 Pelecypodenfauna  von  Werchojansk,  in  „Arktische  Triasfaunen“, 
Mem.  Acad.  Imp.  d.  Sciences  St.  Petersbourg.  33  No.  6.  1886. 

Die  Zahl  der  paläontologischen  Arbeiten  Teller’s  ist  mit  dieser  Auf- 
zählung keineswegs  erschöpft.  Es  sei  hier  nur  an  seine  verschiedenen 
kleineren  Mitteilungen  über  Bivalven  (Rudistenfauna  der  Kreide  des  Eger- 
tales,  Schloßapparat  von  Diceras  etc.)  erinnert. 


122 


f Friedlich  Teller. 


Nachtrag  zu  Sokol. 


eigener  Forschungen  in  das  richtige  Licht  zu  stellen.  So  findet 
sich  eine  der  interessantesten  unter  allen  Entdeckungen,  die  seit 
Jahrzehnten  in  den  Ostalpen  gemacht  worden  sind,  der  Nachweis 
von  nordalpinen  Hallstätter  Kalken  mit  Monotis  salinaria  an  der 
Rudnica  (Wochein),  versteckt  in  dem  Jahresbericht  des  Anstalts- 
direktors für  19  i 2 p.  15).  'Wer  aber  die  Mühe  eines  eingehenden 
Studiums  der  zahlreichen  Verhandlungsberichte  nicht  scheut,  der 
wird  aus  ihnen  reiche  Belehrung  und  Anregung  schöpfen.  Dem- 
jenigen vor  allem,  der  einmal  die  Beziehungen  der  Hauptzone 
der  Südalpen  zu  den  sogenannten  Dinariden  kritisch  prüfen  wird  — 
hier  liegt  der  Schlüssel  für  die  Entscheidung  der  Gültigkeit  der 
Deckenlehre  für  die  Ostalpen  — , dem  werden  Teller’s  Arbeiten 
eine  wahre  Fundgrube  eines  wertvollen,  bisher  viel  zu  wenig  be- 
achteten Tatsachenmaterials  sein. 

Teller  war  in  erster  Linie  Aufnahmsgeologe.  Ihm  kam  es 
darauf  an,  Tatsachen  zu  sammeln  und  mitzuteilen,  ohne  seine 
Stellung  zu  den  modernen  Theorien  auf  dem  Gebiete  der  Alpen- 
tektonik  zu  präzisieren.  Er  hat  es  vermieden,  sich  an  den  Dis- 
kussionen , die  durch  die  Übertragung  der  Deckenlehre  aus  den 
Westalpen  nach  Österreich  hervorgerufen  wurden , zu  beteiligen, 
teils  aus  Bescheidenheit,  teils  weil  er,  seiner  liebenswürdigen,  kon- 
zilianten Natur  entsprechend,  ein  abgesagter  Feind  jeder  Polemik 
war  — auch  in  den  Streit  zwischen  E.  v.  Mojsisovics  und  Bittxer 
hat  er  niemals  eingegriffen.  Aber  gerade  das  verleiht  seinen  Ar- 
beiten im  Felde  ihren  hohen  Wert,  daß  ihre  Ergebnisse  vollkommen 
unbeeinflußt  von  einer  Theorie,  ausschließlich  auf  Grundlage  ein- 
wandfreier Beobachtung  gewonnen  worden  sind,  daß  sie  als  ge- 
sicherte Grundlagen  weiterer  Forschung  auch  einen  Wechsel  der 
theoretischen  Anschauungen  überdauern  werden. 

Das  bezeichnende  für  alle  Arbeiten  Teller’s  ist  der  hohe 
Grad  ihrer  Zuverlässigkeit,  die  Genauigkeit  der  Beobachtung,  die 
Gewissenhaftigkeit  der  Darstellung.  Diese  Eigenschaften  haben 
seinen  wissenschaftlichen  Ruf  begründet,  dessen  Anerkennung  in 
der  Ernennung  Teller’s  zum  Ehrendoktor  der  Universität  in 
Czernowitz,  zum  korrespondierenden  (1 902)  und  endlich  zum  wirk- 
lichen Mitglied  (1912)  der  kais.  Akademie  der  Wissenschaften  in 
Wien  einen  Ausdruck  gefunden  hat.  G.  Diener. 


Nachtrag  zu  Sokol,  Ueber  das  Sinken  der  Elbe-Ebene  etc. 

(Dies.  Centralbl.  1913.  p.  91  u.  ff.): 

„Es  ist  in  Anbetracht  der  auch  sonst  beobachteten  Störungen 
doch  wohl  wahrscheinlicher,  daß  Senkungen  tektonischen  Ursprungs 
vorliegen.  Für  isostatische  Bewegungen  ist  die  Belastung  durch 
Flußsedimente  doch  wohl  nicht  ausreichend.“ 


0.  Mügge,  Bemerkungen  etc. 


123 


Neue  Instrumente  und  Beobachtungsmethoden. 

Bemerkungen  zum  Wülfing’aohen  Demonetrationsmodell  für 
einfache  Schiebungen 

Von  0.  Mügge  in  Göttingen. 

Wie  ich  bereits  gelegentlich  der  Vorführung  des  Wülfing- 
sclien  Modells  auf  der  Versammlung  der  Deutschen  mineralogischen 
Gesellschaft  zu  Münster  i.  W.  im  September  1912  betonte,  sollen 
die  von  mir  beschriebenen  Modelle1 2  lediglich  die  geometrischen 
Verhältnisse  der  beiden  Arten  von  einfachen  Schiebungen  und  zwar 
für  den  allgemeinsten  Fall  eines  triklinen  Kristalls  erläutern3. 
Sie  erfüllen  auch  diesen  Zweck  nur  annähernd,  da  Schichten  von 
nur  molekularen  Dicken  durch  solche  von  mehreren  mm  Dicke 
vorgestellt  werden  und  daher  der  Betrag  der  relativen  Translation 
zweier  benachbarter  Schichten  in  demselben  Verhältnis  gegenüber 
dem  vergrößert  erscheint,  der  sich  ergeben  würde,  wenn  man  an- 
nehmen dürfte,  daß  die  kristallographische  Umorientierung  nur  auf 
der  neuen  Ordnung  kleinster  Teilchen  von  der  Form  des  Modells 
beruhte.  Ob  aber  diese  Annahme  berechtigt  wäre,  erscheint  sehr 
zweifelhaft,  obwohl  der  geometrische  Effekt  durch  ein  solches  Modell 
mit  Schichten  von  nur  molekularer  Dicke,  wie  gesagt,  vollkommen  er- 
reicht würde.  Mehr  durch  ein  Modell  darzustellen,  scheint  mir  gegen- 
wärtig nicht  möglich,  da  nichts  darüber  bekannt  ist,  wie  weit  die 
kristallographische  Orientierung  außer  von  der  Anordnung  der  Teil- 
chen auch  von  ihrer  Orientierung  und  ihren  Eigenschaften  abhängt. 

Wülfing  will  nun  in  seinem  Modell  über  das  Geometrische 
hinaus  auch  noch  die  Änderung  der  Orientierung  der  „Bausteine“ 
erläutern;  die  Form  dieser  „Bausteine“  ist  natürlich  eine  hypo- 
thetische, W.  nimmt  sie  für  den  Kalkspat  von  der  Form  des  Spalt- 
rhomboeders und  deutet  die  Änderung  der  Orientierung  durch 
Hemitropie  um  die  Normale  der  Gleitfläche  an.  Ein  derartiges  Mo- 
dell ist  aber  offenbar  geeignet,  erhebliche  Mißverständnisse  hervor- 
zurufen. Die  einfache  Schiebung  wird  bewirkt  durch  ein  Kräfte- 
paar in  der  Ebene  der  Schiebung  parallel  der  Schiebungsrichtung, 
das  außer  einer  Kompression  in  der  Richtung  der  kurzen  Diagonale 
des  Rhomboederquerschnittes  in  der  Ebene  der  Schiebung  eine 
Drehung  um  die  Normale  der  letzteren,  nicht  aber,  wie  beim 
W.’schen  Modell,  um  die  Normale  der  Gleitfläche  bewirkt. 
Nimmt  man  an,  wie  es  die  Beobachtung  über  die  Umorientierung 
an  die  Haud  gibt,  daß  jedes  Elementarrhomboeder  so  deformiert 

1 Dies.  Centralbl.  1913.  p.  28. 

2 1.  c.  1912.  p.  417. 

2 Für  den  einfachen  Fall  des  Kalkspats  wären  m.  E.  derartige, 
immerhin  kostspielige  Modelle  kaum  erforderlich,  zumal  der  Unterschied 
von  Schiebungen  erster  und  zweiter  Art  hier  fortfällt. 


124 


0.  Mtigge,  Bemerkungen 


wird,  daß  seine  neue  Form  mit  der  alten  wieder  deckbar  ist,  in- 
dem die  lange  Diagonale  des  Querschnittes  mit  der  Ebene  der 
{Schiebung  zur  kurzen  und  umgekehrt  wird,  während  die  zur  Ebene 
der  Schiebung  Senkrechte,  wie  es  auch  die  Richtung  der  Kräfte 
erwarten  läßt,  keinerlei  Veränderungen  erfährt,  so  muß,  damit  der 
Zwillingsstellung  des  deformierten  Teiles  genügt  wird,  die  Drehung 
um  die  Normale  der  Ebene  der  Schiebung,  wie  Liebisch1  gezeigt 
hat,  19°  8'  betragen. 

Ob  ein  derartiger  Vorgang,  dessen  Effekt  also  sowohl  mit  der 
Veränderung  der  Form  wie  der  Orientierung  und  mit  der  Richtung 
der  wirkenden  Kräfte  im  Einklang  wäre,  sich  wirklich  abspielt, 
ist  trotzdem  wohl  sehr  zweifelhaft,  so  daß  es  sich  nicht  empfiehlt, 
ihn  durch  ein  Modell,  das  außerdem  ziemlich  kompliziert  oder  doch 
kostspielig  werden  würde,  darzustellen. 

Noch  in  einer  andern  Hinsicht  scheint  das  W.’sche  Modell 
geeignet,  Irrtümer  hervorzurufen.  W.  meint,  man  tue  gut,  einst- 
weilen in  der  Lagerung  der  „Bausteine“  das  bestimmende  Moment 
bei  der  Neubildung  zu  suchen.  Er  verfährt  allerdings  nicht  ganz  in 
diesem  Sinue,  da  ja  in  seinem  Modell  die  Neulagerung  nur  als  Folge 
der  Umorientierung,  nämlich  der  Hemitropie  um  die  Normale  der 
Gleitfläche,  erscheint.  W.  sagt  nun  nichts  darüber,  daß  es  dann 
ganz  von  der  Form  der  gewählten  „Bausteine“  abhängt,  ob  das 
Modell  die  geometrischen  Verhältnisse  richtig  wiedergibt.  Bei  der 
für  den  Kalkspat  gewählten  Form  trifft  dies  zwar  zu,  weil  hier 
der  „Baustein“  die  Eigentümlichkeit  hat,  auch  nach  der  Deforma- 
tion wieder  von  Flächen  gleicher  kristallographischer  Bedeutung 
begrenzt  zu  werden.  Wenn  jemand  aber  diesen  „Bausteinen“  die 
Form  geben  würde  (1012)  (Gleitfläche)  (1010)  (zweite  Kreis- 
schnittsebene) und  etwa  (1 210)  (Ebene  der  Schiebung),  so  würde  er 
wohl  damit  schwerlich  auf  Zustimmung  rechnen  können,  und  doch 
würde  nur  eine  derartige  oder  ähnliche,  dem  Elementarparallelepiped 
eines  rhomboedrischen  Gitters  nicht  entsprechende  Form  des  „Bau- 
steins“, die  Verhältnisse  für  den  Fall  richtig  wiedergeben,  daß 
die  Hauptachse  Richtung  der  Grundzone  ist2.  Ganz  allgemein 
lassen  sich  die  geometrischen  Verhältnisse  einer  einfachen  Schie- 
bung3 nicht  durch  Hemitropie  von  Bausteinen  von  der  Form  der 
Eleinentarparallelepipede  der  Raumgitter  um  die  Normale  der  Gleit- 
flächen nachahmen,  obwohl  die  Umorientierung  natürlich  der  Zwil- 
lingslage entspricht.  Die  genannte  Hemitropie  der  „Bausteine“, 
d.  i.  die  für  das  W.’sche  Modell  charakteristische  Bewegung,  in 
der  also  der  Anfänger  doch  das  Wesentliche  sehen  wird,  hat  eben 

1 Liebisch,  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  6.  p.  105.  1889. 

2 Wie  es  nach  unveröffentlichten  Beobachtungen  von  Ganten  am 
Millerit  der  Fall  ist.  Analoges  gilt  für  die  einfachen  Schiebunger  bei 
Aragonit,  Titanit  u.  a. 

3 Erster  Art ; für  die  zweiter  Art  gilt  dasselbe. 


zum  Wülfing'schen  Demonstrationsmodell  etc. 


125 


mit  deu  einfachen  Schiebungen  nichts  zu  tun,  weder  wenn  sie  am 
einzelnen  Modell,  noch  wenn  sie  an  einem  Aggregat  von  solchen 
ausgeführt  wird. 

Zum  Schluß  noch  einige  Worte  über  die  Benennungen,  deren 
Unzweckmäßigkeit  W.  mehrfach  beklagt.  Da  ist  zu  bedenken, 
daß  angesichts  der  Kompliziertheit  der  Vorgänge  und  wegen  der 
historischen  Entwicklung  sowohl  unserer  Kenntnisse  darüber  wie 
auch  ihrer  Nomenklatur  natürlich  nicht  zu  erwarten  ist,  daß  man 
aus  der  wörtlichen  Bedeutung  der  Fachausdrücke,  ohne  Kenntnis 
ihrer  Definition,  die  Erscheinungen  richtig  verstehe.  Die  von 
Liebisch  (1.  c.)  nach  dem  Englischen  gewählte  Bezeichnung  „ein- 
fache Schiebung“  ist  im  Deutschen  meines  Wissens  nicht  in  einem 
andern  als  dem  von  LtEBtscH  definierten  Sinne  angewandt,  ebenso 
ist  es  mit  der  Bezeichnung  „Translation“,  und  ebenso  ist  kein 
Zweifel,  daß  beide  Vorgänge,  nicht  scharf  definiert,  von  E.  Reusch 
als  „Gleitung“  beschrieben  sind.  Daß  trotzdem  „einfache  Schie- 
bungen“ und  „Translationen“  in  der  Literatur  noch  jetzt  zuweilen 
durcheinander  geworfen  werden  und  über  die  Lage  der  Gleitflächen 
in  manchen  Lehrbüchern  sich  noch  unrichtige  Angaben  finden,  ist 
allerdings  zu  beklagen,  liegt  aber  nicht  an  der  mangelhaften  De- 
finition und  Benennung  der  Vorgänge,  sondern  daran,  daß  die 
Autoren  es  versäumt  haben,  sich  darüber  hinreichend  zu  unter- 
richten. Die  Bezeichnung  der  „einfachen  Schiebungen“  durch 
„Zwillingsgleitung“  würde  daran  kaum  etwas  ändern,  die  Ersetzung 
von  „Translation“  durch  „einfache  Gleitung“  oder  Ähnliches  könnte 
leicht  zu  Verwechslungen  führen  (man  denke  an  die  Benennungen 
der  optischen  Bezugsflächen !). 

Es  geht  m.  E.  nicht  an,  Fachausdrücke,  die  nicht  zweideutig 
sind,  20  bis  30  Jahre  nach  ihrer  Einführung  durch  andere  zu 
ersetzen ; deshalb  habe  ich  mich  wiederholt  auch  dagegen  aus- 
gesprochen, die  seit  mindestens  40  Jahren  wohlbekannte  und  auch 
schon  früher  in  ihrer  geologischen  (und  chemischen)  Bedeutung 
gewürdigte  „Korn Vergrößerung“  jetzt  auf  einmal  „Sammelkristalli- 
sation“, die  Drehachsen  Gyrole,  die  Drehspiegelungsachsen  Gyroide 
zu  nennen  u.  ä.  Zumal  Begriffe,  welche  nicht  von  Mineralogen 
selbst  aufgestellt,  sondern  aus  verwandten  Disziplinen  übernommen 
sind,  sollten  nur,  wenn  es  durchaus  nötig  ist,  umgetauft  werden, 
an  überflüssigen  Benennungen  ist  in  der  Mineralogie  kein  Mangel. 


126 


Versammlungen  und  Sitzungsberichte. 


Versammlungen  und  Sitzungsberichte. 

Londoner  Mineralogische  Gesellschaft.  Stiftungsfeier 
am  12.  November  1912  unter  dem  Vorsitz  von  Dr.  A. 
E.  H.  Tutton. 

Professor  W.  J.  Lewis : Ilmenit  aus  dem  Lengen- 
bach steinbruch.  In  dem  Dolomit  fand  sich  ein  kleiner,  im 
Habitus  unregelmäßiger  Kristall  mit  den  Formen  (110),  (101), 
(100),  (112),  (lll)  und  (275).  Die  besten  Ablesungen  wurden 
erhalten  von  Paaren  von  Flächen  (101)  und  zwischen  diesen  und 
Flächen  eines  Prismas,  und  zwar  sind  die  entsprechenden  Winkel 
= 64°  47'  und  57°  33'. 

Professor  W.  J.  Lewis : Mehrfache  Zwillinge  von 
Zinnstein.  Dreifache  Zwillingsbildung  ist  gut  und  regelmäßig 
entwickelt  an  gegenüberliegenden  Seiten  des  Kristalls , der  aus 
zwei  Hauptteilen  besteht  mit  Zwillingsachsen , die  alle  in  einer 
Ebene  liegen  und  die  so  gebildeten  Drillinge  sind  in  etwas  un- 
regelmäßiger Weise  verwachsen.  Ferner  sind  einige  der  Indivi- 
duen nach  Pyramidenflächen  verzwillingt,  die  gegen  die  allgemeine 
Fläche  so  geneigt  sind,  daß  die  Hinterseite  des  Kristalls  nicht 
gleich  der  Vorderseite  ist. 

Arthur  Russell:  Bericht  über  Mineralien,  die  in  der 
Virtuous  Lady-Grube  bei  Tavistock  gefunden  worden 
sind.  Folgende  Spezies  sind  vorgekommen:  Spateisenstein  in 
Pseudomorphosen  nach  Flußspat  und  Schwerspat,  die  von  den  Berg- 
leuten .,boxes“  resp  „slippers“  genannt  werden.  Markasit  in  garben- 
ähnlichen Aggregaten;  Arsenkies  in  zwei  Abarten;  Anatas,  auf 
einem  Kristall  ein  kleiner  Brookitkristall  aufgewachsen,  der  einzige, 
der  dem  Vortragenden  von  diesem  Fundort  bekannt  geworden  ist. 

Dr.  A.  Hutchinson : Einige  graphische  Methoden  für 
Kristallographie  und  Kristalloptik.  Diagramme  für 
Ausdrücke  mit  Sinussen,  wie  sin  £ = ß sin  V werden  sehr  ver- 
einfacht, wenn  man  log  sin  als  Koordinaten  nimmt;  das  Resultat 
ist  dann  eine  Reihe  paralleler  Geraden. 

Dr.  A.  Hutchinson  und  W.  Campbell  Smith:  Labradorit 
von  St.  John’s  Point,  Co.  Dow' n.  Die  großen  frischen  Kristalle 
aus  dem  Basalt  haben  physikalische  Eigenschaften  — spez.  Gewr. 
= 2,7u6,  Auslöschungsschiefe  auf  010  und  001  resp.  = — 23° 
und  —11°,  Brechungskoeffizienten:  a = 1,5630,  ß = 1,5665, 
y — 1,5712  — , die  sehr  nahe  übereinstimmen  mit  der  Stelle  in  der 
Plagioklasreihe,  gegeben  durch  eine  chemische  Zusammensetzung, 
die  nahezu  durch  die  Formel:  33  Ab,  5 Or,  62  An  ausgedrückt  wird. 

Dr.  G.  F.  H.  Smith:  Apparat  zur  Herstellung  von 
Gesteinsdünnschliffen.  Es  wird  der  Apparat  beschrieben, 
der  kürzlich  für  die  mineralogische  Abteilung  des  Britischen  Mu- 
seums hergestellt  worden  ist. 


Versammlungen  und  Sitzungsberichte.  — Besprechungen.  ] 27 


Russell  F.  Gwixnell  : Kalkspatkristalle  aus  einem 
Wasserbehälter.  Die  Kristalle  sind  während  des  trockenen 
Sommers  1911  von  dem  Wasser  einer  Quelle  aus  dem  Mergel  von 
Beiton  Park  bei  Grantham,  Lines.,  abgesetzt  worden;  sie  maßen 
0,1  mm  in  ihrer  größten  Dimension  und  waren  von  dem  Haupt- 
rhomboeder (101 1)  begrenzt. 

Besprechungen. 

Alexander  H.  Phillips:  Mineralogy,  an  Introduction 
to  the  Theoretical  and  Practical  Study  of  Minerals. 
New  York  bei  Macmillan  Company.  1912.  p.  VIII  + 699.  Mit 
534  Figuren  im  Text. 

In  diesem  Buch  strebt  der  Verfasser  dem  Anfänger  das 
Wesentliche  der  verschiedenen  Abteilungen  der  Mineralogie  knapp 
darzustellen,  daher  darf  das  Buch  nicht  als  ein  Nachschlagewerk 
betrachtet  werden.  Dasselbe  zerfällt  in  drei  Teile : Kristallographie, 
spezielle  Mineralogie  und  bestimmende  Mineralogie,  welchen  Teilen, 
respektiv  218,  32  7 und  i 37  Seiten  gewidmet  werden. 

Der  erste  Teil  umfaßt  erstens  eine  Einleitung  von  32  Seiten, 
worin  die  fundamentalen  Ideen  der  geometrischen  Kristallographie 
besprochen  werden.  Im  zweiten  Kapitel  werden  die  verschiedenen 
und  allgemein  angewandten  Kristallprojektionen  behandelt.  Dann 
folgen  vier  Abschnitte,  welche  die  32  Klassen  der  Symmetrie  be- 
sprechen, anfangend  mit  dem  kubischen  Systeme,  worin  die  Mieks- 
sche  Nomenklatur  benutzt  wird.  Das  siebente  Kapitel  ist  den 
Kristallverwachsungen  und  Zwillingen  gewidmet.  Das  achte  Ka- 
pitel umfaßt  eine  kurze  Beschreibung  der  Kristallmessung,  aber 
nur  mittels  des  einkreisigen  Goniometers.  In  den  nächsten  58  Seiten 
werden  die  optischen  Eigenschaften  der  Kristalle  behandelt.  Der 
Anfänger  wird  zweifelsohne  vielen  Schwierigkeiten  hier  begegnen ; 
da  durch  die  gegebene  Reihenfolge  des  Materials  man  nicht  all- 
mählich von  den  einfachen,  leicht  begreiflichen  Tatsachen  zu  den 
mehr  komplizierten  übergeht,  verliert  der  Abschnitt  viel  an  Klarheit. 

Im  zweiten  Teile  des  Buches  werden,  nach  einer  Besprechung  in 
drei  Abschnitten  von  der  Beziehung  der  Mineralien  zu  den  Elementen, 
der  Bildung  der  Mineralien  und  der  physikalischen  Eigenschaften. 
225  Mineralien  nach  der  DAx.vschen  Klassifikation  beschrieben. 

Der  dritte  Teil  enthält  vier  Abschnitte.  Der  erste  beschreibt 
die  üblicheren  Instrumente,  Reagentien  und  chemischen  Reaktionen 
zur  Bestimmung  der  Mineralien.  Der  zweite  Abschnitt  enthält 
Tabellen  zur  Bestimmung  der  Mineralien  mittels  der  physikalischen 
Eigenschaften,  und  der  dritte  solche  zur  Beobachtung  der  ge- 
wöhnlichen gesteinsbildendeu  Mineralien  im  Dünnschliff.  Der  vierte 
Abschnitt  dieses  Teiles  umfaßt  Tabellen  zur  Bestimmung  der 
Mineralien  mittels  der  früher  beschriebenen  chemischen  Reaktionen. 


128 


Besprechungen.  — Druckfehlerberichtigung. 


Im  allgemeinen  sind  die  Diskussionen  und  Beschreibungen 
klar  und  leicht  verständlich.  Jedoch  bedarf  folgender  Satz  p.  15: 
r Wliere  there  are  axes  of  symmetry  preseut,  the  axes  of  highest 
svmmetry  are  chosen  as  crystallographical  axes“  der  Revision,  da 
dieses  in  den  heakistetraedrischen,  dyakisdodekaedrisclien  und  zahl- 
reichen anderen  Klassen  mit  den  Tatsachen  nicht  in  Einklang 
steht.  Die  Stellung  im  Buche  von  Fig.  3 4,  p.  25,  ist  nicht  die 
richtige.  Das  Gewicht  des  Culliuan  Diamants,  p.  283,  ist  als 
3253,75  Karat  angegeben,  was  bedeutend  zu  hoch  ist.  Dieser 
Diamant  ist  bekanntlich  am  25.  Januar,  und  nicht,  wie  liier  an- 
gegeben, am  6.  Juni  1905  entdeckt  worden.  Die  Ausstattung 
des  Buches  ist  sehr  gut,  nur  ist  zu  bedauern,  daß  die  photo- 
graphischen Abbildungen  der  Kristalle  und  Mineralien  nicht  besser 
ausgefallen  sind.  E.  H.  Kraus. 


L.  P.  O-ratacap:  A Populär  Guide  to  Minerals.  New 
York  bei  D.  van  Nostrand  Company.  1912.  p.  IV  + 330.  Mit 
400  Figuren  im  Text,  74  photographischen  Tafeln  und  einer 
Landkarte  der  Vereinigten  Staaten. 

Obgleich  dieses  Buch  als  Führer  durch  Mineraliensammlungen  im 
allgemeinen  dienen  soll,  ist  es  doch  besonders  für  die  wohlbekannte 
Bementkollektion  im  American  Museum  of  Natural  History  in  New 
York  geeignet.  Die  Anordnung  der  Mineralien  folgt  der  Dana- 
schen  Klassifikation.  Die  74  Tafeln,  welche  photographische  Ab- 
bildungen von  Kristallen  und  Mineralien  der  Bementsammlung  ent- 
halten , sind  besonders  gut  ausgefallen.  In  einer  Einleitung  von 
103  Seiten  versucht  der  Verfasser  dem  Anfänger  das  Wesentliche 
über  Kristallographie,  Struktur , physikalische , optische  und  che- 
mische Eigenschaften  der  Mineralien  zu  geben.  Es  ist  sehr  zu 
bedauern,  daß  so  viele  Kristallfiguren  dieses  Abschnittes  so  schlecht 
gezeichnet  und  unrichtig  aufgestellt  sind,  so  z.  B.  um  nur  einiges 
anzugeben:  Fig.  6,  7,  13,  19,  130  und  216.  Auf  60  Seiten  wird 
die  historische  Entwicklung  der  Mineralogie  besprochen  und  dann 
werden  die  allerwichtigsten  und  schönsten  Stufen  der  Bement- 
kollektion mit  Angabe  der  Sammlungsnummer  knapp  beschrieben. 
Eine  Landkarte  begleitet  das  Buch,  worauf  die  wichtigsten  Mineral- 
fundorte in  den  Vereinigten  Staaten  angegeben  sind. 

E.  H.  Kraus. 


Druckfelilerberichtigung. 

Dieses  Centralbl.  1912  p.  783  Zeile  1 v.  o.  muß  es  heißen: 
eine  einfache  Spalte  statt  diese  einfache  Spalte. 


K.  Endeil,  lieber  Granatamphibolite  und  Eklogite  etc. 


129 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Ueber  Granatamphibolite  und  Eklogite  von  Tromsö  und  vom 

Tromsdaltind. 

Von  K.  Endeil  in  Berlin. 

Mit  1 Textfigur. 

In  der  anorthositisch-gabbroi  tischen,  vermutlich  postsilurisclien 
Aufschmelzzone  bei  Tromsö  1 im  arktischen  Norwegen  linden  sich 
au  verschiedenen  Stellen  granitische,  amphibolitisclie  und  pyroxeni- 
tisclie  Gesteinsarten.  Ihr  Auftreten  ist  bekannt  durch  die  zahlreichen 
Untersuchungen  von  lv.  Uetersen2,  der  eine  geologische  Karte  dieses 
sehr  ausgedehnten  Distriktes  aufgenommen  hat.  Das  größte  zu- 
sammenhängende Gebiet  sind  die  Gabbros  der  Lyngenhalbinsel. 
Dies  etwa  90  km  lange  Massiv  besteht  zum  Teil  aus  Anorthosit- 
gabbro  mit  Parallelstruktur.  Soweit  die  starke  Vergletscherung 
eine  nähere  Untersuchung  zuläßt,  sind  die  Gabbros  stark  differen- 
ziert und  gehen  häufig  in  Gabbroschiefer,  an  manchen  Stellen 
(besonders  bei  dem  Berg  Rassevarcokka  am  Siidende  des  Lyngen- 
fjords)  auch  in  Chlorit-  und  Serpentinschiefer  über. 

Etwa  40  km  westlich  von  den  Lyngengabbros  treten  auf  der 
Insel  Tromsö  Granatamphibolite  und  Eklogite  auf,  die  in  Glimmer- 
schiefer eingelagert  sind.  Auch  der  1250  m hohe  Gipfel  des  Tromsö 
gegenüberliegenden  Tromsdaltinds  wird  von  Granatamphibolit  ge- 
bildet. Bei  Lanaes  auf  der  Südostseite  der  Insel  Tromsö  sind  die 
Amphibolite  und  Eklogite  linsen-  und  stockförmig  ausgebildet. 
Treten  sie  geschichtet  auf,  so  ist  ihre  Lagerung  konkordant  mit 
den  liegenden  Schiefern.  Randlich  werden  sie  meist  von  Kalk- 
bändern  eingefaßt.  Beim  Tromsdaltind  durchsetzt  ein  massiver 
Granatamphibolit  das  nietamorphe  oder  norwegische  Silur  von  Tromsö 
(Tromsöglimmerschiefer  nach  K.  Petersen)  und  den  Anorthositgneis3 
in  einer  Höhe  von  etwa  600  m über  NX.  Längs  der  Grenze  ünden 
sich  an  schönen  Kontaktmineralien  reiche  Marmore,  die  besonders 
am  Euß  des  NW-Grates  des  Tromsdaltinds  beobachtet  werden  können. 
Je  mehr  man  sich  dem  Gipfel  nähert,  um  so  schieferiger  wird  das 
Gestein.  Der  Gipfel  selbst  wird  von  Granatamphibolitschiefer 
gebildet. 

Im  Sommer  1911  hatte  ich  Gelegenheit,  jene  Gegend  auf  einer 
Studienreise  aus  eigener  Anschauung  kennen  zu  lernen.  Von  dem 

' Nach  J.  Königsberger.  Geol.  Rundschau.  3.  (1912.)  304— 306. 

2 K.  Petersen,  Geologist  Kart  over  Tromsöamt.  Tromsö  Museums 
Aarshefter.  14.  1891. 

3 Vergl.  J.  Königsberger,  a.  a.  0.  304. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


9 


130 


K.  Endell,  Ueber  Granatamphibolite  und  Eklogite 


gesammelten  Material  gebe  ich  vorläufig  nur  eine  petrographisclie 
und  chemische  Beschreibung  der  Granatamphibolite  und  Eklogite. 

Die  Eklogite  sind  feinkörnige  Gesteine  von  lauchgrüner 
bis  graugrüner  dichter  Grundmasse,  in  der  porphyrisch  Granaten 
eingesprengt  sind.  Die  Hauptgemengteile  Granat  und  Omphacit 
sind  ziemlich  regelmäßig  verteilt.  Die  Eklogite  kommen  zusammen 
mit  Granatamphiboliten  vor  und  sind  mit  ihnen  durch  stetige  Über- 
gänge verbunden.  Die  Eklogite  treten  meist  massiv  auf.  während 
die  G r a n a t a m p h i b o 1 i t e häufig  schieferig  ausgebildet  sind.  Diese 
enthalten  in  einem  feinen  grünlichschwarzen  Grundgewebe  aus  Horn- 
blende Grauatporpliyroblasten. 

Der  Eklogit  von  Lanaes  bei  Tromsö  zeigt  u.  d.  M. 
porphyroblastische  Struktur  in  diablastischem  Grundgewebe.  Neben 
den  Hauptgemengteilen  Pyroxen  und  Granat  treten  als  akzessorische 
Gemengteile  auf:  Rutil,  Hornblende,  Plagioklas,  Quarz,  Magnetit 
und  Pyrit.  Der  Py r o x e n ist  hell  smaragdgrün  bis  graugrün  und 
erscheint  im  Dünnschliff  meist  farblos  oder  nur  mit  einem  Stich 
ins  Grünliche.  Dieser  Omphacit  bildet  die  Grnndmasse  kleiner 
Körner  von  gleichmäßiger  Größe  und  trümmerartigem  Habitus,  in 
der  die  Granaten  liegen.  Rundlich  gehen  die  Omphacite  häufig 
in  faserige  Hornblende  über,  deren  Fasern  am  Ompliacitkorn  selbst 
am  feinsten  sind.  Einschlüsse  finden  sich  selten. 

Die  braunroten  bis  rötlichen  Granaten  sind  z.  T.  kristallo- 
graphisch  gut  begrenzt  unter  vorherrschender  Entwicklung  von 
( 1 10',  z.  T.  rundlich  mit  oft  ausgefranstem  Rand.  Der  Granat 
ist  gewöhnlich  stark  zerklüftet  und  im  Gegensatz  zum  Omphacit 
sehr  reich  an  Einschlüssen,  deren  Größe  und  Art  stark  wechselt. 
Am  häufigsten  tritt  Rutil  auf,  ferner  auch  Quarz,  Plagioklas,  Horn- 
blende und  Erz.  Die  „Hornblendisierung  des  Granats“ 
konnte  in  typischer  Ausbildung  beobachtet  werden.  Sie  geht  von 
der  Plieripherie  und  schmalen  Rissen  im  Innern  aus,  wobei  die 
neu  entstandene  Hornblende  eine  schmale  einheitliche  Randzone 
bildet.  Diese  Umwandlung  des  Granats  sowie  auch  des  Pvroxens 
ist  in  einzelnen  Fällen  soweit  vorgeschritten,  daß  nur  noch  Kerne 
von  Omphacit  und  Granat  in  einem  feinen  diablastischen  Grund- 
gewebe aus  Hornblende  und  saurem  Plagioklas  liegen.  Die  so  ent- 
standenen Eklogitamphibolite  stellen  dann  die  Übergangsformen  zu 
den  Mesogesteinen  der  IV.  Gruppe  der  Gkubesm  Axx’schen  Einteilung 
dar  Der  häufigste  akzessorische  Gemengteil  der  Eklogite  ist  der 
Rutil,  dessen  Spaltbarkeit  nach  dem  Prisma  meist  gut  entwickelt 
ist.  Quarz,  Plagioklas,  Magnetit  und  Pyrit  kommen  nur 
in  kleinen  eingesprengten  Körnern  vor. 

Die  Granatamphibolite  zeigen  u.  d.  M.  ein  fein  dia- 
blastisches  Gefüge  von  grüner  Hornblende  und  wenig  Plagioklas, 


U.  Grubexmanx,  Die  kristallinen  Schiefer.  II.  Aufl.  1911.  198. 


von  Tromsö  und  vom  Tromsdaltind. 


131 


welchem  Granatporphyrobiasten  und  Körner  von  Quarz,  Magnetit, 
Titan it  und  Rutil  eingestreut  sind.  Die  Struktur  entspricht  etwa 
der  eines  Diabases. 

Die  Hornblende  ist  grünlich  bis  blaugrünlich  gefärbt.  Die 
Intensität  der  Farbe  und  Doppelbrechung  variiert  stark,  woraus 
geschlossen  werden  kann,  daß  es  sich  um  isomorphe  Mischungen 
von  grüner  Hornblende  mit  natriumhaltigem  glaukophanartigem 
Amphibol  handelt.  Die  gleiche  Erscheinung  beobachtete  L.  Hezner  1 
an  Granatamphiboliten  aus  dem  Ötztal  und  erbrachte  durch  die 
chemische  Analyse  eine  Bestätigung  dieser  Vermutung.  Die  Horn- 
blendekörner sind  ohne  eigene  Form,  gebucht  und  gelappt.  Der 
Pleochroismus  ist  ziemlich  stark: 

// C grün  mit  geringer  Beimengung  eines  bläulichen  Tones 
W:  //b  graugrün  ^> // Ct  gelbgrün. 

Für  die  Auslöschungsschiefe  der  grünen  Hornblende  wurde  21 — 23° 
gefunden.  Auch  dieser  Wert  variiert  mit  der  chemischen  Zu- 
sammensetzung. Die  Hornblende  enthält  Einschlüsse  von  Plagio- 
klas, Titanit  und  Rutil. 

Auf  einem  Schliff  des  Granatamphibolits  von  Lanaes  konnten 
in  der  Hornblende  pleoch roitische  Höfe  festgestellt  werden, 
die  winzig  kleine  braune  Kriställchen  (Zirkon?)  umgaben.  Nach 
den  Untersuchungen  von  0.  Mügge  2,  J.  Joly3  und  G.  Hövermann4  ver- 
danken diese  ihre  Entstehung  der  Aussendung  von  a-Teilchen  radioak- 
tiver Substanzen,  die  von  der  vermutlich  tliorithaltigen  Verwitterungs- 
rinde des  Zirkons  ausgehen.  Da  so  schwach  radioaktive  Mineralien  wie 
der  Zirkon  höchstens  ein  a-Teilchen  im  Jahr  aussenden  können  Ä, 
so  ist  eine  große  Anzahl  von  Jahren  bis  zur  Entstehung  der  pleo- 
chroitisclien  Höfe  erforderlich.  Ihre  Anwesenheit  spricht  also  für 
ein  hohes  geologisches  Alter  des  Gesteins. 

Die  etwa  1 mm  großen,  braunroten  Granaten  unterscheiden 
sich  nur  wenig  von  denen  der  Eklogite.  Als  Einschlüsse  enthalten 
sie  Plagioklas,  Hornblende,  Titanit  und  Rutil. 

Unter  den  akzessorischen  Gemengteilen  tritt  besonders  Titanit 
hervor.  Die  Titanite  haben  meist  Insekteneierform  und  enthalten 
häufig  im  Kern  Rutil,  aus  dem  sie  sich  wohl  gebildet  haben. 
Ganz  vereinzelt  kommen  auch  Quarz  und  Magnetitkörnchen  vor. 

Die  Bauschananalyse  eines  frischen  Granatamphibolits  vom 
Tromsdaltind  ergab  folgende  AVerte : 


1 L.  Hezner.  Min.-petr.  Mitt.  22.  (1903.)  437.  505. 

2 0.  Mügge,  Dies.  Centralbl.  1907.  p.  397—399.  1909.  p.  65, 113, 142. 

3 J.  Joly,  Phil.  Mag.  6.  1907.  p.  381 — 383;  Scint.  Proc.  Royal  Dublin 
Soc.  13.  1911.  p.  86. 

4 G.  Hövermann.  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXIV.  (1912.) 
p.  321—400. 


9* 


132 


K.  Endell,  Ueber  Granat amphibolite  und  Eklogite  etc. 


Granatamphibolit  vom  Tromsdaltind1. 

Spez.  Gew.  = 3,2. 

Gewichtsprozente  Molekularprozente 


Si  0„ 43,32  52,5 

Ti  02 2,35 

A1203  15.14  8,5 

Fe203  ...  ...  7.09 

FeO 11.00  16,1 

Mn  0 0,22  — 

CaO 9.90  11,6 

Mg  0 5,34  8.7 

K20  0.44  0,3 

Na2  0 2,18  2.3 

P2Oä 0,28 

H2  0 1,77 


100,03  100.0 

S = 52,5 : A = 2.6 ; C = 8,5  ; F = 24.8  ; T = 0 : M = 3,1 ; K = 0,9. 

Projektionswerte  nach  Osann:  Uj  . c-  f135. 

Ein  Vergleich  mit  der  IV.  Gruppe  der  GitrßEXMAXK’scheu 
Einteilung  der  kristallinen  Schiefer  (Eklogite  und  Granatamphi- 
bolite)  und  dem  OsANN’schen  Gabbrobezirk  in  seiner  chemischen 
Klassifikation  der  Eruptivgesteine  zeigt  recht  gute  Übereinstimmung. 
Diese  einem  Gabbro  ähnliche  chemische  Zusammensetzung  deutet 
neben  der  Struktur  auf  einen  eruptiven  Ursprung  des  Gesteins. 
Daß  aus  einem  Gabbro  oder  Diabas  ein  Amphibolit  entstehen  kann, 
ist  schon  in  verschiedenen  Gebieten  kristalliner  Schiefer  beobachtet 
worden.  Die  Granat  amphibolite  von  Tromsö  stellen 
also  wohl  ein  Spalt ungs-  oder  Umwandlungsprodukt 
der  Gabbros  des  Tromsödistriktes  dar. 

Der  Kontakt  des  Granatamphibolits  mit  ge- 
schichteten Marmoren  zeigt  sich  am  schönsten  bei  der  Latein- 
schule in  Tromsö  und  in  Haughen’s  Steinbruch.  Der  Marmor  liegt 
teils  annähernd  horizontal,  teils  ist  er  durch  Amphibolitmassen  in 
die  Höhe  gequetscht.  Charakteristisch  ist  eine  etwa  1 in  breite 
Grenzzone,  in  der  die  Mineralien  des  Amphobolits  stark  vergrößert 
zusammen  mit  neuen  Kontaktmineralien  auftreten  (Fig.  1).  Horn- 
blende, Feldspat  und  Granat  haben  Durchmesser  bis  zu  4 cm.  Der 
Brechungsindex  der  großen  weißlichen  Feldspate  ist  niedriger  als 
der  Brechungsindex  des  Kanadabalsams.  Die  Auslöschungsschiefe 
beträgt  auf  P im  Mittel  3°  25'.  Es  handelt  sich  also  um  einen 
Oligoklasalb.it  von  der  Zusammensetzung  90Ab  lOAn. 

An  manchen  Stellen  kommen  bis  zu  1 cm  lange,  kurzsäulige, 
hemimorph  ausgebildete  gelbe  Turmaline  vor,  die  in  dieser 
schöngelben  Färbung  von  andern  Fundorten  nicht  bekannt  sein 


Analysiert  von  Dr.  A.  LiNUNF.R-Breslau. 


Marmor 


0.  Miigge,  Zweckmäßige  Indikatoren  aus  Glas. 


133 


dürften.  Die  Anwesenheit  von  Turmalin  deutet  auf  die  Zufuhr  von 
bor-fluor-haltigen  Gasen,  deren  mineralbildende  Kraft  wohl  die 
erhebliche  Kornvergrößerung  in  der  Nähe  des  Kontaktes  hervor- 
gebracht hat.  Außerdem  linden  sich  noch  folgende  Kontakt- 
mineralien in  mehr  oder  weniger  guter  Ausbildung:  K’util, 


6 ranatamphibolit 


Grenzzone  beim  Kontakt  des  Granat amphibolits  mit 
Marmor  in  Haughen's  Steinbruch  bei  Tromsii. 


Titanit,  Pyrit,  Magnetkies,  Zoisit,  Apatit.  K.  Peter- 
sex 1 beobachtete  ferner  Skalpolith  und  Ortith,  A.  Helland1 2 
mikroskopisch  Zirkon.  Die  Kontaktmarmore  am  Fuß  des  Troins- 
daltinds  zeigen  ziemlich  die  gleichen  Mineralien,  jedoch  sind  an 
der  dort  von  Geröll  etwas  verschütteten  Grenze  die  Aufschlüsse 
nicht  so  schön  wie  in  den  Steinbrüchen  bei  Tromsö. 

Berlin,  Januar  1913. 


Zweckmässige  Indikatoren  aus  G-las. 

Von  0.  Mügge  in  Göttingen. 

Zur  Ergänzung  der  ausführlichen  Mitteilungen  von  V.  Gold- 
schmfdt  in  dies.  Centralbl.  1913.  p.  39  erlaube  ich  mir  darauf  hin- 

1 K.  Peterse.v,  Tromsö  Museums  Aarshefter.  1.  1878.  51 — 52. 

2 A.  Helland,  ebenda.  19. 


ffUOZZ'UQJQ 


134 


Gr.  Rack, 


zuweisen,  daß  in  der  Lösung  leicht  sichtbare  und  durch  die  ein- 
gravierte Dichte-Zahl  nicht  verwechselbare  Indikatoren  aus  Glas, 
zugleich  von  solcher  Größe,  daß  sie  im  HAKADA’sclien  Trennungs- 
apparat verwendet  werden  können,  ohne  daß  dieser  während  der 
Trennung  oben  geöffnet  zu  werden  braucht  und  so,  daß  bei  .jeder 
abgetrennten  Portion  der  zugehörige  Indikator  liegt,  von  .Johnsen 
und  mir  in  dies.  Centralbl.  1905.  p.  152  beschrieben  sind. 


Beiträge  zur  Petrographie  von  Flores. 

Von  Georg  Rack  in  Berlin. 

Mit  2 Textfiguren. 

In  meiner  Arbeit  „Petrographisclie  Untersuchungen  an  Erguß- 
gesteinen von  Soembawa  und  Flores“  1 habe  ich  einige  Gesteine 
des  mittleren  Teils  der  Insel  Flores  (Umgebung  von  Geni  und 
Eudeh)  untersucht,  die  ausschließlich  Vertreter  der  Kalkalkalireihe 
waren. 


Fig.  1. 


1 G.  Rack,  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXIV.  p.  42 — 84.  1912. 


Beiträge  zur  Petrographie  von  Flores.  1B5 

Das  liiesige  Mineralog.-petrographische  Institut  enthielt  noch 
eine  kleine  Anzahl  bisher  unbearbeiteter  Handstöcke  von  Flores, 
die  Herr  En.  v.  Mertens  1 auf  seiner  Reise  nach  der  Südsee  int 
Jahre  1 86 H gesammelt  hat.  Das  von  ihm  bereiste  Gebiet  be- 
schränkt sich  auf  die  Umgebung  des  an  der  östlichen  Küste  ge- 
legenen Forts  Lareutoeka,  in  dessen  unmittelbarer  Nähe  der  Vul- 
kan Illimandiri  liegt  (s.  Fig.  1). 

Auch  diese  Gesteine  sind  Kalkalkaligesteine,  und  zwar  ge- 
hören sie  zur  Familie  der  Andesite. 

1.  Augit-Olivi n- Andesite. 

Schlucht  Semmduk  bei  Lareutoeka.  (Xo.  2.) 2 — Ein 
festes  Gestein  mit  schwach  glänzender  Grundmasse.  Mit  dem 
unbewaffneten  Auge  erkennt  man  weißliche  Plagioklase , deren 
Kern  manchmal  durch  Einschlüsse  dunkler  gefärbt  ist,  ferner 
schwarze  Augite  und  rotbraune  Olivine. 

Der  Feldspat,  ein  der  Labradorreihe  angehörender  PI agi  o- 
klas,  zeichnet  sich  durch  eine  vorzügliche  Spaltbarkeit  und  Zwil- 
lingsbildung aus.  In  einigen  Individuen  ist  die  Zonarstruktur  gut 
zu  erkennen.  Der  einheitliche  Kern  ist  dann  durchweg  sehr  breit, 
und  auf  diesen  breiten  Kern  folgt  eine  Anzahl  äußerst  schmaler 
Zonen,  die  in  ihrer  Gesamtheit  etwa  % der  Breite  des  Kerns  be- 
sitzen. Nicht  alle  Individuen  enthalten  Glaseinschlüsse.  Manche 
Kristalle  sind  fast  einschlußlos.  Die  Einschlüsse  sind  parallel 
zu  den  Begrenzungsflächen  angeordnet. 

Der  grünliche,  nicht  pleochroitische  Augit  kommt  ziemlich 
häufig  vor.  Man  beobachtet  die  Begrenzungen  (111),  (100), 
(010)  und  (110).  Verzwillingungen  treten  nicht  auf.  Die  Dis- 
persion der  optischen  Achsen  ist  gering.  Der  Augit  ist  fast  stets 
mit  Magnetit  verwachsen  oder  enthält  diesen  als  Einschluß. 

Der  ebenso  häufig  wie  der  Augit  vorkonnnende  Olivin  ist 
wasserklar  und  besitzt  eine  ausgezeichnete  Idiomorphie.  Die  Ab- 
sonderung nach  der  Basis  gibt  sich  durch  breite  Risse  kund.  Ver- 
einzelt sieht  man  die  Spaltbarkeit  uach  (Olü). 

Die  Grundmasse  besteht  aus  Plagioklas,  Augit,  Magnetit- 
körnchen und  einem  bräunlichen  Glase,  das  von  allen  Bestandteilen 
den  größten  Anteil  an  der  Zusammensetzung  hat.  Plagioklas  und 
Augit  sind  idiomorph  begrenzt  und  isometrisch  ausgebildet. 

Vulkan  Illimandiri  bei  Lareutoeka.  (Xo.  4.)  — Das 
rötliche  Gestein  hat  blasige  Hohlräume,  die  bis  10  mm  breit  sind. 
Einsprenglinge  sind  Plagioklas,  Augit  und  Olivin. 

Der  nach  dem  Albit-  und  Karlsbader  Gesetz  verzwillingte 
basische  Plagioklas  tritt  fast  durchweg  in  leistenförmigen 

1 Ed.  v.  Mertens,  Banda,  Timor  und  Flores.  Zeitschi’,  d.  Gesellsch. 
f.  Erdk.  Berlin.  24  p.  83.  1889. 

2 Gibt  die  Nummer  der  Sammlung  an. 


136 


G.  Rack. 


Schnitten  auf,  die  auf  eine  taf'elige  Ausbildung  schließen  lassen. 
Die  Leistchen  werden  bis  1 mm  lang.  Glas-  und  Augiteinscliliisse 
sind  sehr  zahlreich. 

Der  Anteil  des  Augits  und  des  Olivins  unter  den  Einspreng- 
lingen ist  gleich.  Der  Augit  ist  grünlich  und  zeigt  gelegentlich  gut 
ausgebildete  Zonarstruktur.  Auch  der  Olivin  ist  grünlich.  Er 
unterscheidet  sich  im  gewöhnlichen  Lichte  leicht  vom  Augit  durch 
die  braunrot  verwitterten  Ränder  und  Spalten.  Die  Magnetit- 
einschlüsse beschränken  sich  fast  nur  auf  den  Augit. 

Die  pilotaxitische  Grundmasse  besteht  hauptsächlich  aus 
einem  sauren  Plagioklas,  aus  Augit  und  Magnetit.  Man  trifft  auch 
rotbraun  zersetzten  Olivin  und  wenig  Glas  an. 

Das  Verhältnis  der  Einsprenglinge  zur  Grundmasse  ist  etwa 
wie  3:2.  Nach  dem  mikroskopischen  Befunde  könnte  man  das 
Gestein  als  Basalt  bezeichnen , makroskopisch  besitzt  es  aber 
durchaus  andesitischen  Charakter. 

2.  Hypersthen- Augit- Amlesite. 

Bei  der  alten  Kirche  in  Laren toeka.  (No.  5.)  — Das 
dichte  Gestein  ist  rötlichgrau.  Die  Bruchflächen  sind  flachmuschelig. 

Die  Einsprenglinge  sind  nicht  zu  bedeutender  Größe  gelangt. 
Der  vorherrschende  Plagioklas  erreicht  höchstens  eine  Länge  von 
0,4  mm  und  ist  nach  dem  Albit-  und  Karlsbader  Gesetz  verzwil- 
lingt.  Der  monokline  Pyroxen  ist  als  Einsprengling  spärlich  vor- 
handen, ebenso  die  braune  Hornblende,  deren  Ränder  bereits  stark 
opazitisiert  sind.  Der  zahlreicher  auftretende  idiomorphe  Hypersthen 
erreicht  nicht  die  Größe  der  anderen  Gemengteile.  Teilweise  ist 
er  rötlichbraun  gefärbt. 

Die  Grundmasse  überwiegt  gegenüber  den  Einsprenglingen. 
Sie  ist  pilotaxitisch  und  besteht  aus  vielen  sauren  Plagioklas- 
leistchen,  ferner  aus  wenig  Orthoklas,  rötlichbraun  bestäubten 
Hypersthensäulchen  und  wenig.  Glas. 

Vulkan  Illimandiri  bei  Laren  toeka.  (No.  1.)  — Das 
feste  Gestein  ist  deutlich  porphyrisch.  In  der  grauvioletten  Grund- 
masse  liegen  vorwiegend  glasklare  bis  schwach  milchweiße  Feld- 
spate. Die  dunklen  Gemengteile  treten  an  Menge  dem  Plagioklas 
gegenüber  zurück.  Das  Gestein  hat  ein  trachytisches  Aussehen. 

Der  Feldspat,  ein  ziemlich  basischer,  polysynthetisch  ver- 
zwillingter  Plagioklas,  tritt  in  Kriställchen  bis  zu  3 mm  Länge 
auf.  Die  Begrenzungen  sind  idiomorpli.  Gewöhnlich  sind  mehrere 
Individuen  zu  einem  Kristallkomplex  verwachsen.  Einschlüsse 
sind  selten. 

Der  hellgrüne  Augit  ist  z.  T.  stark  korrodiert.  Iu  einigen 
Kristallen  hat  er  noch  seine  geradlinigen  Begrenzungen  bewahrt. 
Zwillinge  nach  (100)  sind  häufig. 

Hypersthen  tritt  in  kleinen  schlanken  Säulchen  auf. 


Beiträge  zur  Petrographie  von  Flores. 


137 


Die  bräunliche,  stark  pleochroitiscke  Hornblende  ist  stets 
randlick  resorbiert.  c:c  = 2 — 3°.  Sie  kommt  weniger  zahlreich 
vor  als  Augit  und  Hypersthen.  Augit  nnd  Hornblende  sind  oft 
mit  größeren  Magnetitkriställchen  verwachsen. 

Die  vorherrschende  Grunduiasse  besteht  zum  größten  Teil 
ans  Feldspatleistchen  in  teilweise  fluidaler  Anordnung.  Aus  der 
fast  geraden  Auslöschung  der  Leistcheu  kann  man  schließen,  daß 
sie  saurer  sind  als  die  Einsprenglingsplagioklase.  Xebeu  dem 
Plagioklas  tritt  noch  Orthoklas  in  allotriomorpher  Begrenzung  auf. 
Außerdem  beteiligen  sich  winzige  Magnetitkörnchen  und  Augitkri- 
ställchen  am  Aufbau  der  Grundmasse. 

Vulkan  lllimaiuliri.  (Xo.  G.)  — Ein  festes,  deutlich  por- 
phyrisches  Gestein  mit  kleineren  und  größeren  Blasenräumen,  die 
auf  ein  Erstarren  unter  Gasexhalationen  hiuweisen.  Als  Einspreng- 
linge erkennt  man  fast  nur  Plagioklas,  gelegentlich  Pyroxen. 

Der  Plagioklas,  ein  Labrador,  auch  Labrador-Bytownit, 
überragt  an  Größe  die  anderen  Gemengteile.  Er  enthält  viel 
Glas  eingeschlossen.  Der  gewöhnliche  grünliche  Augit  ist  nicht 
pleochroitiscli  und  oft  nach  H O)  verzwillingt.  Der  Hypersthen, 
der  auch  manchmal  durch  Eisenhydroxyd  rötlichbrauu  gefärbt  ist, 
zeigt  einen  deutlichen  Pleochroismus  von  lilarötlichen  nach  bläu- 
lichgrünen Farbentönen.  Augit  und  Hypersthen  kommen  zuweilen 
auch  in  regelmäßiger  Verwachsung  vor,  wobei  der  Kern  stets  aus 
Hypersthen,  die  Umrandung  aus  Augit  besteht.  Die  Pyroxeue  sind 
gewöhnlich  0,75 — 0,5  mm  lang,  doch  kommt  noch  eine  zweite 
Generation  vor,  deren  Kristalle  zwischen  0, 1 und  0,05  mm  schwanken. 
Spärlich  tritt  rundlich  stark  resorbierter  Biotit  auf. 

Die  Grundmasse  besteht  hauptsächlich  aus  Feldspatleistchen, 
die  saurer  sind  als  die  Eiusprenglingsplagioklase,  ferner  aus  wenig 
Orthoklas,  Magnetitkörncheu  und  Glasbasis. 

Vulkan  111  im  an  di  ri.  Xo.  10.)  — Ein  festes,  graues  Ge- 
stein mit  porphvrischen  Einsprenglingen  von  Plagioklas  und  Pyroxen. 

Der  Plagioklas  ist  stets  polv synthetisch  verzwillingt.  Xeben 
dem  Albit-  und  Karlsbader  Gesetz  beobachtet  mau  vereinzelt  Peri- 
klinlamellen.  Glaseinschlüsse  sind  mitunter  sehr  zahlreich  vor- 
handen. Der  hellgrüne  Augit  ist  idiomorph  begrenzt,  manchmal 
nach  (100)  verzwillingt.  C:c  = 43°.  Der  Hypersthen  ist 
ebenfalls  geradlinig  begrenzt  und  deutlich  pleochroitiscli.  Er  ist 
nicht  so  häufig  wie  der  monokline  Pyroxen.  Regelmäßige  Ver- 
wachsungen zwischen  Augit  und  Hypersthen  sind  keine  Seltenheit. 
Spärlich  tritt  eine  braungrüne,  stark  resorbierte  Hornblende 
auf.  c:c=13°.  Außerdem  beobachtet  man  noch  ein  gelblich- 
grünes  Umwandlungsprodukt,  dessen  Begrenzungen  auf  Olivin 
als  ursprüngliches  Mineral  deuten. 

Die  Grundmasse  ist  holokristallin.  Sie  besteht  vorwiegend 
aus  saurem  Plagioklas,  aus  Augit  und  Magnetitkörnchen.  Glas- 


G.  Rack,  Beiträge  zur  Petrographie  von  Flores. 


13S 


basis  ist  nicht  beobachtet  worden.  Der  Magnetit  ist  z.  T.  in 
Brauneisenerz  umgewandelt,  wodurch  ganze  Partien  der  Grnrnl- 
masse  rötlichbraun  gefärbt  sind. 

3.  Augitaiidesite. 

Vulkan  II lim  an  d ir  i.  (Xo.  3.)  — Das  rötliche  Gestein  ist 
feinporös.  Die  Einsprenglinge  sind  in  geringer  Anzahl  vorhanden. 
Ausnahmslos  sind  es  einschlußarme  Plagioklase  mit  idiomorphen  Be- 
grenzungen. In  der  Hauptsache  besteht  das  Gestein  aus  einem  röt- 
lichbraunen  Glase,  das  von  Feldspatuädelchen  und  Magnetitkörnchen 
erfüllt  ist.  Aus  der  glasigen  Grundmasse  leuchten  öfters  auch  stark 
doppeltbrechende  Körnchen  auf,  die  wahrscheinlich  Augite  sind. 

Vulka  n 111  im  an  dir  i.  (No.  7.)  — Schon  mit  dem  bloßen 
Auge  ist  in  dem  schwarzgrauen  Gestein  ein  Überwiegen  der  Grund- 
masse zu  bemerken.  Die  idiomorph  begrenzten,  verzwillingten 
Plagioklase  sind  deutlich  zonar  struiert.  Der  Augit  ist  grünlich, 
nicht  pleochroitisch.  Die  feinkörnige  Grundmasse  enthält  Feldspat, 
Augit  und  reichlich  Magnetitkörnchen.  Neben  den  verzwillingten 
Plagioklasleistchen  kommen  noch  Kalifeldspat  vor.  Glas  ist  nicht 
beobachtet  worden. 


o Flores 


Fig.  2. 


t'l.  Leidhold,  Ueber  angeblich  gegen w.  tekton.  Bewegungen  etc.  139 


Berichtigung. 

In  meiner  oben  erwähnten  Arbeit:  „Petrographische  Unter- 
suchungen an  Ergußgesteinen  von  Soembawa  und  Flores“  ist  mir 
bei  der  Berechnung  der  OsANx’schen  Werte  A und  C ein  Fehler 
unterlaufen.  Ich  teile  im  folgenden  die  richtigen  Werte  für  die 
OsANN’schen  Größen  mit  (vergl.  Fig.  2). 


Analyse 

No. 

s 

A C 

F 

a 

c 

f 

11 

Reihe 

Typenformel 

I. 

72,19 

4,74 

5,87 

6,59 

K - 
0,0 

6,8 

7,7 

8,0 

(t 

S 72,19 

a5,5 

C7 

f7,5 

n8,0 

II. 

70,69 

4.61 

6,44 

7,21 

5,0 

Ul 

7,9 

7.9 

(( 

s70.69 

a5 

c7 

u 

n7,9 

IV. 

65,54 

4,85 

6.50 

11,76 

4.2 

5,6 

10.2 

7,7 

(C 

s05.54 

a4 

C6 

ÜO 

n7  7 

V. 

60,32 

5,67 

6.29 

15.76 

41 

4.5 

11,4 

6.8 

q 

P 

s60,32 

a4 

C4,5 

Li,c 

n6,8 

VI. 

64,84 

5,60 

6,38 

11,20 

4.8 

5,5 

9 7 

8 

(i 

S04,84 

a5 

('ö,C 

L),5 

n8.0 

VII. 

58,42 

4,28 

8,62 

15,79 

2,9 

6,0 

11.1 

8 

(( 

S58  42 

a8 

C6 

hl 

11 8.0 

VIII. 

54.91 

4,20 

8,83 

19,03 

2,6 

5,5 

11,9 

6.6 

ß 

S54,91 

a2,ö 

C5.5 

h-2 

11 0.6 

IX. 

56,63 

2,68 

11.59 

14,85 

1,8 

8,0 

10.2 

6,5 

ß 

S50,03 

a2 

C8 

üo 

n6,5 

XII. 

53,55 

6,73 

3,15 

28.63 

3,1 

L7 

15,2 

5,7 

ß 

®53,55 

a3 

C2 

f15 

n5,7 

XIII. 

72,76 

4,98 

4,35 

8.58 

5,6 

4,9 

9,5 

8.9 

(C 

S 72.70 

a5,5 

c5 

ko 

n8,9 

XIV. 

57,59 

4,19 

5,50 

23,03 

2,6 

3,3 

14,1 

9 

(( 

S57,59 

a2,ö 

c3.r, 

f14 

n9 

XV. 

58,79 

5,06 

7.54 

16.01 

3,5 

5.3 

11.2 

8,9 

(C 

S58,79 

a3,5 

C5,ö 

f'll 

"8  9 

XVII. 

72,55 

4,48 

4,27 

9,96 

4,8 

4,6 

10.6 

7.6 

(C 

s72,55 

a5 

C4  5 

ho.ö 

"7,6 

XVIII. 

68,55 

4.50 

5,80 

10,85 

4.3 

0,0 

10,2 

7.8 

« 

s68,55 

a4,5 

c3,5 

ho 

n7,8 

XIX. 

61,47 

3,05 

8,2016,03 

2,2 

6,0 

11,8 

8,3 

(C 

S01,47 

a2,5 

c(i 

hl.  5 

"8.3 

XX 

60,89 

3,24 

7,68 

17,27 

2.3 

5,5 

12,2 

8.0 

(C 

sö0,89 

a2.5 

C5,5 

h 2 

"8  0 

Berlin,  Min.-petr.  Institut  der  Universität,  Dezember  1912. 


Ueber  angeblich  gegenwärtige  tektonische  Bewegungen  in 
der  Insel  Hiddensee  (Rügen). 

Von  CI.  Leidhold  in  Straßburg  i.  E. 

Schon  seit  längerer  Zeit  sind  die  großartigen  Abrutschungen 
und  Abstürze  und  in  Verbindung  damit  die  bedeutenden  Landverluste 
an  dem  Steilufer  der  kleinen  Insel  Hiddensee,  westlich  von  Rügen, 
bekannt.  Der  geologische  Aufbau  und  die  Morphologie  der  Insel 
sind  schon  verschiedentlich  beschrieben  worden  von  Elbert  l, 

1 Die  Landverluste  an  den  Küsten  etc.  X.  Jahresbericht  der  geo- 
graph.  Gesellschaft  zu  Greifswald,  p.  1 — 27.  Über  die  Standfestigkeit  des 
Leuchtturms  auf  Hiddensee.  Ebenda,  p.  28 — 41. 


140  CI.  Leidhold.  Ueber  angeblich  gegenwärtige  tektonische 


E.  W.  Schmidt1 2,  M.  Haltenbekger 2 u.  a.  Jedem  Besucher  der 
Insel  wird  der  Gegensatz  auffallen  zwischen  dem  bis  70  m 
hohen  Diluvialkern,  den  man  wohl  am  besten  als  Stück  eines 
Staumoränenzuges  auffaßt,  und  den  beiden  sich  nach  Süden 
anschließenden  alluvialen  Inselschwänzen,  dem  14,5  km  langen 
Hiddenseer  Flachland  mit  dem  Gellen  im  Westen  und  dem  Alt 
Hessin  im  Osten.  Während  an  den  beiden  Inselanhäugen  im  all- 
gemeinen Landzuwaclis  erfolgt,  wird  von  dem  Diluvialkern  Jahr 
für  Jahr  ein  breiter  Streifen  Landes,  fast  1,5  m jährlich,  abgetragen. 
Die  großen  Abrutschungen  und  Abstürze  am  Steilufer  und  im  Zu- 
sammenhang damit  das  Auftreten  rundlicher  Bruchsysteme  und  Spalten 
im  Oberland  wurden  von  den  verschiedenen  Beobachtern  zurückge- 
führt auf  das  Zusammenwirken  der  Brandung,  der  Verwitterung,  der 
Sickerwässer  etc.,  also  hauptsächlich  auf  rein  exogene  Vorgänge. 

Neuerdings  glaubt  nun  Prof.  Jaekel3  den  Nachweis  bringen 
zu  können,  daß  „der  Inselkern,  vielleicht  auch  ihre  Inselschwänze 
noch  gegenwärtig  in  starker  Hebung  begriffen  ist  und  daß  die 
Bruchsysteme  am  Nordwestufer  des  Dornbusches,  die  noch  in  den 
letzten  Jahren  erhebliche  Vertikalbewegungen  zeigten , der  un- 
mittelbare Ausdruck  dieser  tektonischen  Vertikalbewegungen  sind“. 
Jaekel  trennt  zunächst  die  rundlichen  Uferabbriiche  im  Norden  und 
Nordosten  des  Dornbusches  (Swantiberg,  Euddorn4)  von  den  größeren 
„tektonischen“  Störungen  am  Leuchtturm,  Bakenberg  etc.  Während 
erstere  im  allgemeinen  kleinere  parabolische  Stücke  aus  dem  Ufer- 
raud  ausschneiden,  laufen  die  Spalten  am  Leuchtturm  über  Hügel 
und  Täler  auch  weiter  vom  Steilrand  entfernt.  Bei  diesen  rezenten 
Störungen  kämen  die  Spalten  am  Leuchtturm,  am  Bakenberg,  Renn- 
baum in  Betracht  , ferner  der  sogen.  Backenqueibruch  und  einige 
ältere  Quersenken  am  Rennbaum  und  nördlich  der  Swantewitschlucht. 

Nun  sind  die  rundlichen  Uferabbriiche  im  Norden  der  Insel, 
die  auch  nach  Jaekel  ihre  Entstehung  rein  exogenen  Vorgängen 
verdanken,  in  ihrem  Ausmaß  keineswegs  zu  unterschätzen.  Es 
kommen  auch  hier  Spalten  von  100  m Länge  und  mehr  vor5; 
nach  jedem  größeren  Absturz  bildet  sich  weiter  landeinwärts  ein 
neuer  Riß  und  stellt  eine  neue  Scholle  Landes  zum  Abbruch  bereit. 

1 N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1910.  Beil.-Bd.  XXIX.  p.  316  ff. 

2 Über  Art  und  Umfang  des  Landverlustes  und  Landzuwachses  auf 
Hiddensee.  Dissertation.  Budapest  1911. 

3 Über  gegenwärtige  tektonische  Bewegungen  etc.  Zeitschr.  d.  deutsch, 
geol.  Gesellsch.  1912.  Monatsberichte  No.  5. 

4 Vergl.  die  Texttigur  No.  1 bei  Jaekel. 

5 Nach  freundlicher  Mitteilung  vom  kgl.  Wasserbauamt  in  Stralsund 
fanden  die  neuesten  Abrutschungen  Ende  September  dieses  Jahres  500  m 
nördlich  vom  Kanonenschuppen  in  einer  Länge  von  ungefähr  100  m statt. 
Außerdem  ist  südlich  von  dieser  Abrutschstelle  noch  eine  Strecke  von 
150  in  Länge  in  Bewegung. 


Bewegungen  in  der  Insel  Hiddensee  (Rügen). 


141 


Betrachten  wir  die  große  Spalte  vor  dem  Leuchtturm  auf 
einer  der  Karten  der  kgl.  Wasserbauinspektion  W in  Stralsund, 
wie  wir  sie  bei  E.  W.  Schmidt  finden  (1.  c.  p.  355),  so  wird  man 
erkennen,  daß  die  Spalte,  deren  Entfernung  vom  Uferrand  landein- 
wärts im  Maximum  1 50  m beträgt,  ziemlich  parallel  mit  der  Steil- 
küste verläuft  und  dabei,  wenn  auch  nicht  vollständig,  einen 
vorspringenden  Teil  des  Ufers  ausschneidet , der  etwa  zwischen 
dem  Kanonenhaus  und  der  Swantewitschlucht  gelegen  ist.  Herr 
Jaekel  scheint  bei  seinen  Untersuchungen  übersehen  zu  haben, 
daß  die  Bildung  der  Erdspalte  vom  Herbst  1907  weiter  nichts 
ist  als  eine  neue  Bewegung  längs  einer  seit  einer  Reihe  von 
Jahren  bestehenden  Spalte.  Der  Unterschied  besteht  nur  darin, 
daß  die  Spalte  im  Herbst  1907  sich  nach  NNO  und  SSW  ver- 
längert hat  und  daß  die  Bewegung  in  dem  westlichen  Teil  des 
alten  Risses,  der  hier  nach  dem  Steilrand  verlief,  anscheinend 
nicht  stattgefunden  hat.  Ein  Vergleich  der  ELBEitT’sclien  Karte1, 
wo  diese  ältere  Randspalte  eingezeiclmet  ist,  mit  der  von  E.  W. 
Schmidt  zeigt  den  Zusammenhang  zwischen  dem  alten  und  neuen 
Riß  ganz  klar.  Erwähnen  möchte  ich  noch , daß  die  Spalte 
am  Steiluferrand  beginnt,  um  erst  dann  in  wechselnder  Richtung 
zwischen  NNO  und  ONO  ziemlich  unabhängig  von  der  Oberflächen- 
gestalt über  flache  Täler  und  Bergrücken  zu  verlaufen , eine  Er- 
scheinung, auf  die  bereits  Schmidt  (1.  c.  p.  348)  aufmerksam 
gemacht  hat.  Es  scheint  sich  in  dem  Gebiet  zwischen  Swantewit- 
schlucht und  Kanonenschuppen  allmählich  jener  Zustand  heraus- 
zubilden, den  Elbert  vermutet  hat.  Durch  die  Zunahme  der 
Rutschungen  in  der  Swantewitschlucht  und  durch  die  Unterspülung 
und  langsame  Abtragung  der  westlich  des  Flederberges  liegenden 
Mergelscholle,  beginnen  die  Bakenberg-  und  Flederbergscholle  all- 
mählich ihren  Halt  zu  verlieren.  Damit  würden  nun , was  das 
praktische  Interesse  dieser  Spaltenbildung  anbetrifft,  die  Aussichten 
für  die  Standfestigkeit  des  Leuchtturms  keineswegs  so  günstig 
sein,  wie  meist  angenommen  wird. 

Bei  dem  Bruchsystem  südwestlich  des  Bakenberges,  das  nach 
Jaekel  ebenfalls  durch  rezente  tektonische  Bewegungen  bedingt 
sein  soll,  treten  uns  die  Abrutschungen  in  Form  mehrerer  von 
einander  durch  erhebliche  Niveauunterschiede  getrennter  terrassen- 
förmiger Abbrüche  entgegen,  die  z.  T.  als  „Grabenbrüche“  aus- 
gebildet sind,  wie  bereits  Schmidt2  konstatiert  hat.  Man  wird 
auch  bei  diesen  Bruchbildungen  den  parabolischen  Ausschnitt  aus 
der  Uferkante  erkennen,  nur  ist  der  Radius  des  parabolischen 
Stückes  hier  weitaus  größer  als  bei  den  Abbrüchen  am  Nordufer 
des  Dornbusches ; der  Höhenunterschied  zwischen  dem  stehenge- 
bliebenen Stück  und  der  losgelösten  Scholle  ist  in  der  Mitte  am 

1 Über  die  Standfestigkeit  etc.  1.  c.  Tafel  IV. 

2 1.  c.  p.  322. 


142 


CI.  Leidhold,  Ueber  angeblich  gegenwärtige  tektonische 


größten  und  verringert  sich  nach  beiden  Seiten  zum  Steilufer 
hin  allmählich  immer  mehr.  Wäre  ein  tektonischer  Vorgang 
die  Ursache  dieser  Rutschungen  gewesen,  so  müßte  die  Be- 
wegung längs  einer  ziemlich  flach  einfallenden  Verwerfung  statt- 
gefunden haben,  was  mit  den  „tektonischen  Vertikalbewegungen" 
und  „Grabenbrüchen“  schwer  in  Einklang  zu  bringen  ist.  Bei 
der  Bildung  des  Bruchsystems  südwestlich  des  Bakenberges  spielen 
die  hier  stark  entwickelten  interglazialen  Sande  eine  wichtige 
Rolle.  Infolge  der  geringen  Kohäsion  der  Sande  können  größere 
einheitliche  Abrutschungen,  wie  wir  sie  beim  Geschiebemergel  be- 
obachten , nicht  stattlinden ; das  Land  rutscht  vielmehr  terrassen- 
förmig ab.  Die  Bildung  der  Randspalten  ist  auch  hier  nur  auf 
eine  Massenverlagerung  durch  einfachen  Böschungsschub  zurück- 
zuführen. Indem  nämlich  unten  am  Strand  die  Sande  etc.  weg- 
geschwemmt werden , verlieren  die  Erdschollen  im  Oberland  ihr 
Widerlager  und  setzen  sich  in  Bewegung,  wobei  die  einmal  vor- 
handenen Niveauunterschiede  zwischen  den  einzelnen  Terrassen 
und  „Grabenbrüchen“  allmählich  größer  werden,  wie  die  Messungen 
von  Elbkkt  und  Schmidt  ergeben  haben.  Die  ganze  800  m lange 
Strecke  ist  also  dauernd  im  Abrutschen  begriffen.  Unter- 
stützt werden  die  Bewegungen  in  diesem  Gebiet  durch  das  Auf- 
treten von  undurchlässigen,  zum  Meer  einfallenden  C//prina- Tonen  1 
und  anderen  marinen  Tonbänken,  die  für  die  hangenden  Partien 
als  Gleitflächen  dienen. 

Als  weiterer  Beweis  für  rezente  tektonische  Störungen  werden 
der  sogen.  Bakenquerbruch  und  einige  andere  Quersenken  an- 
gegeben. Diese  Spalten,  die  senkrecht  gegen  den  Uferrand  ge- 
richtet sind,  sollen  mit  der  Annahme  einfacher  Abstürze  und  Ab- 
rutschungen gänzlich  unvereinbar  sein.  Diese  Annahme  trifft  in- 
dessen nicht  zu,  da  auch  an  Abrutschungen  anderer  Gebiete  ähnliche 
Querbrüche  bekannt  sind.  Wie  mir  Herr  Geheimrat  F.  Wahn- 
schaffe liebenswürdigerweise  mitteilte , konnte  er  analoge  Quer- 
spalten wie  auf  Hiddensee  auch  bei  den  Abrutschungen  des 
Brodtener  1 fers  bei  Travemünde,  der  Samländisclien  Küste  zwischen 
Cranz  und  Roselinen,  und  ferner  bei  Rutschungen  in  den  Septarien- 

1 Über  die  Stellung  des  Cyprinentons  im  Diluvium  gehen  bei  dem 
Mangel  klarer  Aufschlüsse  die  Ansichten  der  verschiedenen  Beobachter 
immer  noch  sehr  auseinander.  A.  Günther  (Dislokationen  auf  Hiddensee. 
1891)  erklärte  ihn  für  jungdiluvial,  Drücke  (Führer  durch  Pommern.  1899) 
für  präglazial.  Elbkkt  stellte  ihn  dann  ins  ältere  Interglazial ; dieser 
Ansicht  schloß  sich  Drücke  in  seiner  Geologie  von  Pommern  an.  Nach 
den  neueren  Untersuchungen  von  Nordmann  (Eem  Zonere.  Dänin,  geol. 
Undersögelse.  II.  17.  Referat  von  E.  Koken  im  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1911. 
II.  p.  441)  an  den  ungestörten  Profilen  von  SW-.Jiitland  sollen  die  frag 
liehen  Schichten  ins  letzte  Interglazial  zu  stellen  sein.  Dagegen  möchte 
N.  0.  Holst  (Alnarps  floden.  Referat  von  E.  Koken.  Dies.  Jahrb.  1912. 
I.  p.  18)  den  Eemablagerungen  wieder  ein  präglaziales  Alter  zusprechen 


Bewegungen  in  der  Insel  Hiddensee  (Rügen). 


143 


tongraben  bei  Kratzwiek  und  Cavelwisch  (nördlich  von  Stettin) 
beobachten.  Der  Bakenquerbruch  ist  meines  Erachtens  nur  im 
Zusammenhang  mit  den  zahlreichen  radialen  Spalten  und  Klüften 
des  Swantewitschluchtgebietes  zu  verstellen.  Die  am  oberen  Ende 
der  Schlucht  einsetzende  Querspalte  dürfte  nur  eine  Folgeerschei- 
nung der  Rutschungen  sein,  die  teils  auf  feuchtem  Ton  erfolgten, 
teils  durch  Unterspülung  veranlaßt  wurden. 

Nach  meinen  Beobachtungen , die  im  wesentlichen  mit  den 
Ergebnissen  der  Untersuchungen  von  Schmidt,  Elbert  und  Halten- 
berger iibereinstimmen , ist  für  die  Abrutschungen  und  die  in 
ihrem  Gefolge  auftretende  Spaltenbildung  zunächst  die  geographische 
Lage  des  Eilandes  von  Bedeutung.  Als  westlichste  Insel  des 
ehemaligen  Rügensclien  Archipels  ist  ihr  diluvialer  Kern  bei  seiner 
NO — SW-Erstreckung  den  in  unserem  Gebiet  heftigsten  Stürmen 
aus  NO  über  Norden  bis  NW  in  hervorragendem  Maße  ausgesetzt. 
Nach  keiner  der  genannten  Richtungen  hin  ist  irgendwelcher  Schutz 
vorhanden,  so  daß  jeder  größere  Sturm  zur  Vernichtung  des  Dorn- 
busches beiträgt.  Die  stärksten  Winde  wehen  von  Ende  August 
bis  Mitte  April.  Gerade  in  diese  Zeit  fallen  nun  auch  die  großen 
Abrutschungen  und  die  Spaltenbildungen;  so  fanden  u.  a.  im  Ok- 
tober 1 007  und  Februar  1908  die  von  Jaekel  beschriebenen 
Abbrüche  statt,  nachdem  beide  Male  ein  heftiger  Sturm  voran- 
gegangen war.  Bei  gewöhnlicher  Brandung  besteht  die  Arbeit  des 
Meeres  darin,  aus  dem  abgerutschten  und  ins  Meer  vorgeschobenen 
Material  die  feineren  Bestandteile  heranzuschlämmen,  während  die 
größeren  Geschiebe  sich  am  Strande  allmählich  anhäufen. 

Der  Küstenstrom  sorgt  dafür,  daß  die  in  die  See  geführten 
Partikelchen  nicht  zum  Absatz  gelangen,  sondern  südwärts  trans- 
portiert werden.  Während  bei  gewöhnlicher  Wellenbewegung  das 
Meer  nur  an  zwei  Stellen  das  eigentliche  Steilufer  erreicht,  greift 
die  Brandung  bei  starken  Stürmen  auch  unmittelbar  die  ganze 
Küste  an , wobei  es  zur  Bildung  von  Hohlkehlen  und  Höhlen 
kommt.  Indessen  ist  ihre  Entstehung  meist  auf  eine  einfache  Aus- 
waschung von  Sandschmitzen  zurückzuführen,  die  im  Geschiebe- 
mergel auftreten.  Gleichzeitig  werden  die  am  Ufer  ausstreichenden 
interglazialen  Sande  ausgewaschen  und  bedingen  dadurch  ein  Ab- 
rutschen der  darüber  liegenden  Massen.  Ebenso  wirken  die  unten 
am  Strand  auftretenden  Tonbänke,  die  z.  T.  unter  den  Meeres- 
spiegel reichen , wenn  sie  von  dem  Meerwasser  durchtränkt  und 
zum  Ausquellen  gebracht  werden  L Bei  starken  Stürmen  wird 

1 Derartige  Vorgänge  dürften  zu  den  als  Subsolifluktion  bezeichneten  Er- 
scheinungen zu  rechnen  sein  (A.  Heim,  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1908.  II.  p.  136.) 
Eine  gröbere  subaquatische  Rutschung  scheint  vor  ungefähr  35  Jahren  vor 
dem  Tietenufer  stattgefunden  haben.  Wie  Elbert  berichtet  (Über  die 
Standfestigkeit  etc.  p.  19)  soll  damals  eine  Insel  aus  dem  Meer  emporgestiegen 
sein,  die  .,ganz  mit  den  Blöcken  des  Unterwasserstrandes  bedeckt  war“. 


144  CI.  Leidhold,  Heber  angeblich  gegenwärtige  tektonische 


auch  der  im  Laufe  der  Zeit  sicli  bildende  Strandwall , welcher 
sonst  immerhin  etwas  Schutz  gewährt,  von  den  Wellen  weggeräumt. 
Dazu  kommt  im  Winter  die  Wirkung  der  gegen  die  Küste  an- 
getriebenen und  angeschobenen  Eismassen. 

Es  würde  den  Rahmen  dieser  Mitteilung  überschreiten . im 
einzelnen  auf  alle  die  Vorgänge  und  Kräfte  einzugehen,  die  eine 
Massenverlagerung  in  den  Erdschollen  und  damit  ein  Abrutschen  unter 
Bildung  von  Spalten  und  Klüften  auf  Hiddensee  hervorrufen.  Es  mag 
nur  hingewiesen  werden  auf  den  Einfluß  der  Temperaturdifferenzeu, 
des  Spaltenfrostes , der  durch  die  Zerklüftung  des  Mergels  (Dia- 
klasen)  wirksam  unterstützt  wird , auf  die  Auflockerung  des  Ge- 
schiebemergels infolge  der  eindringenden  CO,-haltigen  Tageswässer, 
auf  die  Wirkung  von  Wind,  Regen  und  Schnee,  die  für  die  Fort- 
führung des  Verwitterungsschuttes  sorgen  und  damit  neue  Flächen 
freilegen  und  z.  T.  selbst  aktiv  das  Steilufer  angreifen.  Der 
Regen  hinterläßt  bis  metertiefe  Erosionsi  illen,  die,  sich  nach  hinten 
allmählich  verlängernd,  zur  Abtrennung  einzelner  Grate  führen. 
Von  besonderer  Bedeutung  für  die  Abrutschungen  sind  die  Sicker- 
wässer und  die  Quellen  in  Verbindung  mit  der  wechselreichen 
Schichtenfolge.  Die  Niederschlagswasser  sammeln  sich  auf  den 
undurchlässigen  Tonen  resp.  dem  tonigen  unteren  Geschiebemergel 
und  durchtränken  sie,  wodurch  die  hangenden  Partien  bei  dem 
Einfallen  der  Schichten  zum  Meer  unter  Bildung  von  Spalten  und 
Klüften  in  gleitende  Bewegung  gebracht  werden.  Dieser  Vorgang 
ist  eine  ganz  gewöhnliche  Erscheinung  an  dem  Steilufer  zwischen 
Hucke  und  Enddorn.  Über  das  Auftreten  der  sogen.  Wassersäcke, 
schlammerfüllten  Einbruchskesseln  an  der  Grenze  von  Sand  und 
Mergel,  über  ihre  Entstehung  und  Wichtigkeit  bei  den  Abrutschungen 
und  der  Spaltenbildung  findet  man  eingehende  Beschreibungen  bei 
Emsekt  und  Schmidt. 

Nach  Gredner1  käme  für  die  Abbruche  und  Zerreißungen 
der  Diluvialmassen  am  Dornbusch  hauptsächlich  der  Umstand  in 
Betracht,  daß  „sich  die  westliche  Steilküste  gegenwärtig  bereits 
bis  in  unmittelbare  Nähe  der  Kulminationslinie  des  Hügelrückens 
vorgeschoben  hat , und  dadurch  einer  Sackung  und  einem  immer 
weiter  um  sich  greifenden  Fortschreiten  der  Abrutschung  des  stehen- 
gebliebenen Hügelrestes  nach  jener  Steilseite  hin  in  hohem  Grade 
Vorschub  geleistet  ist“.  Auffällig  ist  ferner,  daß  die  rezente  tek- 
tonische Spaltenbildung  gerade  auf  das  Gebiet  der  stärksten  Ab- 
tragung beschränkt  ist  und  dabei  vom  Ufersteilrand  im  Maximum 
nur  150 — '200  m entfernt  ist.  Es  drängt  sich  dabei  die  Frage  auf, 
weshalb  nicht  auch  weiter  im  Innern  des  Dornbusches  oder  an 
der  entgegengesetzten  Küste,  am  Schwedenufer,  derartige  durch 
Hebung  bedingte  rezente  Spalten  vorhanden  sind. 

1 R.  Crednf.r,  Rügen.  Eine  Inselstudie.  Forschungen  zur  deutschen 
Landes-  und  Volkskunde.  VII.  1893.  p.  479. 


Bewegungen  in  der  Insel  Hiddensee  (Rügen). 


145 


Jaf.kei.  möchte  nun  auch  für  die  Entstehung  der  beiden 
Inselschwänze  eine  Hebung  annehmen.  Nur  mit  Hilfe  einer  posi- 
tiven Strandbewegung  von  1.$  bis  2 in  glaubt  er  die  1 4 , ö km1 
langen  Landmassen  des  Hiddenseer  Flachlandes  erklären  zu  können. 
Der  nördliche  Teil  dieses  Inselanhanges  wird  nun  sicherlich  aus 
dem  weggeführten  Material  des  Dornbusches  gebildet  sein ; darauf 
deutet  schon  die  Zunahme  der  Menge  und  Korngröße  der  Gerolle 
mit  der  Annäherung  an  den  Diluvialkern  2 3 4 5 6. 

P.  Lehmann  * ist  sogar  der  Meinung,  daß  von  dem  ehemaligen 
Dornbusch  die  Hälfte  bereits  unter  Wasser  liegt:  Die  Frage  nach 
der  Herkunft  der  kolossalen  Sandmassen  am  Darss , Zingst  und 
auf  Hiddensee  Siid  ist  schon  von  Deecke  4 beantwortet.  Deecke 
kommt  auf  Grund  eingehender  Untersuchungen  zu  dem  Resultat, 
daß  diese  Sandmassen  dem  jetzigen  Plantagenetgrund  (nordwest- 
lich von  Hiddensee)  entstammen,  der  zur  Ancylus- Zeit  als  Stück 
eines  Stanmoränenzuges  über  den  jetzigen  Meeresspiegel  ragte. 
Mit  dem  hereinbrechenden  Litorina-Meer  wurde  dieser  Diluvialkern 
völlig  abgetragen ; die  weggeführten  Massen  setzten  sich  dann 
allmählich  an  den  Inselkerneu  und  im  Hinterland  an.  Für  den 
südlichen  Teil  des  Hiddenseer  Flachlandes  wurde  die  Anschwem- 
mung noch  verstärkt  durch  den  am  Zingst  entlang  laufenden 
Küstenstrom.  Diese  Anlagerungen  von  Sand  im  Süden  der  Insel 
linden  noch  gegenwärtig  in  großem  Maße  statt , so  daß  dauernd 
einer  der  größten  Saugbagger  der  Ostsee  damit  beschäftigt  ist,  die 
Fahrrinne  zwischen  der  Insel  und  dem  Festland  vor  der  völligen 
Versandung  zu  schützen.  Der  Landzuwachs  am  Gellen  betrug 
nach  E.  Bollj  und  Haltexberger  vom  Jahre  1695 — 1835,  also 
in  noch  nicht  150  Jahren  1300  m;  am  östlichen  Inselschwanz  Alt- 
Bessin  ca.  500  m.  An  letzterem  erfolgte  ferner  von  1835 — 1886 
noch  ein  Zuwachs  von  200  m.  Wie  rasch  die  Hakenbildung  und 
Verlandung  seit  der  Litorina- Zeit  im  Ostseegebiet  vor  sich  gegangen 
ist.  konute  neuerdings  Keilhack  6 an  der  Verlandung  der  Svvine- 


1 .Taekel  spricht  irrtümlicherweise  von  einem  16  km  langen  Insel- 
schwanz. 

2 Vergl.  G.  Braun.  Entwicklungsgeschichtliche  Studien  an  europäi- 
schen Flachlandküsten  und  ihren  Dünen.  Veröffentlichungen  des  Instituts 
für  Meereskunde.  1911.  Heft  15.  p.  18. 

3 P.  Lehmann,  Probleme  der  Morphologie  Rügens.  Verhandl.  d. 
17.  deutsch.  Geographentages  in  Lübeck  1909. 

4 W.  Deecke.  Ein  Versuch,  die  Bänke  der  Ostsee  vor  der  pommer- 
schen  Küste  geologisch  zu  erklären.  X.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XX. 
1905.  p.  445. 

5 E.  Boll  , Geognosie  der  deutschen  Ostseeländer  zwischen  Eider 
und  Oder.  Neubrandenbnrg  1846.  p.  55. 

6 K.  Keilhack.  Die  Verlandung  der  Swinepforte.  Jahrb.  d.  K.  Preull. 
geol.  Landesanst.  1912.  II.  p.  209. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  10 


146 


B.  Hundt, 


pforte  zeigen.  Die  Erklärung  des  Hiddenseer  Flachlandes  als 
eines  einfachen  Anschwemmungslandes  gewinnt  noch  mehr  an 
Wahrscheinlichkeit,  wenn  man  mit  Jaekel  in  diesem  Inselschwanz, 
verschiedene  Inselkerne  annimmt;  an  ihnen  setzten  sich  bald 
die  angespülten  Sande  an,  und  die  einzelnen  Kerne  verwuchsen 
so  in  relativ  kurzer  Zeit  zu  dem  einheitlichen  Hiddenseer  Flachland. 

Nach  allem  scheint  mir  weder  eine  Hebung  der  Inselanhänge 
noch  des  Diluvialkerns  von  Hiddensee  erwiesen.  Die  angeblich 
rezenten  tektonischen  Brüche  und  Spalten  am  Dornbusch  sind 
zurückzuführen  auf  einfache  „Translokationen“,  die  durch  eine 
Anzahl  örtlich  stark  entwickelter  Kräfte  und  Vorgänge  wirksam 
gefördert  werden.  Die  Inselschwänze  sind  nach  der  Lüorina- Zeit 
durch  einfache  Anschwemmung  entstanden  und  verdanken  ihr 
Material  teils  dem  Dornbusch,  teils  dem  Plantagenetgrund. 

Die  Eiszeit  im  Frankenwalde. 

Von  Rudolf  Hundt  in  Gera. 

Mit  5 Textfiguren  nach  Originalphotographien. 

Für  den  Frankenwald  glaubte  man  schon  einmal  eine  regel- 
rechte Vergletscherung  nachgewiesen  zu  haben.  In  dem  Gehänge- 
sclmtt  von  Wurzbach  und  Saalburg  sah  Dathe  1 die  Beweise  eines 
eiszeitlichen  Gletschers , durch  den  diese  Lokalmoränen  erzeugt 
worden  seien.  Zimmermann  'l  wies  jedoch  zuletzt  einwandfrei  nach, 
daß  es  sich  nicht  um  Lokalmoränen  eiszeitlicher  Gletscherwirkungen 
handele , sondern  daß  das  verdächtige  Material  durch  Abgleiten 
des  Gehängeschuttes  in  seine  jetzige  sekundäre  Lage  gekommen 
ist.  Schon  vorher,  im  Jahre  1884,  führte  Penck  die  Beobach- 
tungen von  Dathe  als  „pseudoglaziale  Erscheinung“  an.  Wenn 
nun  auch  Grund-  und  Endmoränen  im  Sinne  einer  nordischen  Ver- 
gletscherung nicht  nachzuweisen  sind,  so  sprechen  mehrere  Er- 
scheinungen doch  entschieden  dafür,  daß  die  Eiszeit,  die  in  ihrer 
größten  Ausdehnung  bis  fast  an  den  Frankenwald  heranreichte, 
nicht  ohne  Spuren  an  diesem  Gebirge  zu  erzeugen,  vorübergegangen 
ist.  Liegt  doch  dieses  Gebirge  in  der  Zone,  in  der  die  „peri- 
glaziale Fazies  der  mechanischen  Verwitterung“,  wie  Professor 
Dr.  Walery  von  Lozinski3  die  durch  Eisesnähe  bedingte  Erhöhung 

1 Dathe,  Gletschererscheinungen  im  Frankenwalde  und  vogtländischen 
Berglande.  Jahrb.  d.  Geol.  Landesanstalt.  1881.  p.  317 — 330. 

2 Zimmermann:  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  1899.  p.  20  u.  21 
Dieselbe  Zeitschrift.  1899.  p.  14.  Erläuterung  zu  Blatt  Lobenstein  der 
Geologischen  Spezialkarte. 

3 Lozinski,  Die  „periglaziale  Fazies“  der  mechanischen  Verwitterung. 
Bulletin  international  de  l’Acadeinie  des  Sciences  de  Cracowie.  Classe  des 
Sciences  mathematiques  et  naturelles,  p.  10—25.  — Ders.,  Die  periglaziale 
Fazies  der  mechanischen  Verwitterung.  Naturwissensch.  Wochenschrift. 
Neue  Folge.  X.  p.  641 — 647. 


Die  Eiszeit  im  Frankenwalde. 


147 


der  Spaltenfrost  Wirkung  nennt , herrschen  mußte.  Und  die  Ver- 
öffentlichungen Lozixski’s  regten  mich , wie  auch  Gespräche  mit 
Herrn  Landesgeologen  Prof.  Dr.  E.  Zimmermaxx  an,  die  Erschei- 
nungen zu  beobachten,  die  sich  sehr  gut  durch  dieses  Phänomen 
erklären  lassen.  Herrn  Prof.  Dr.  Walery  yox  Lozixski  danke  ich 
auch  hier  für  seine  stetige,  liebenswürdige  Auskunft  und  Herrn 
Bergreferendar  Manfred  yox  Ehrensteix  für  seine  photographischen 
Aufnahmen. 

Von  den  Erscheinungen,  die  der  Eiszeit  im  Frankenwalde 
ihre  Entstehung  bezüglich  Weiterbildung  verdanken,  führe  ich  an  : 

1 . Talformen  im  0 b e r 1 a u fe  mit  Xivation  am  Tal- 
Schlüsse. 

Der  südliche  Eisrand  nordischer  Vergletscherung  zog  sich 
bis  ins  Jndental  bei  Gera  im  Vorlande  des  Frankenwaldes  hin.  Es 
ist  überhaupt  der  weiteste  südlichste  Vorstoß,  den  das  Inlandeis  in 
Thüringen  aufwies  mit  i>0°48'30"  nördlicher  Breite.  Das  in  Frage 
stehende  Gebiet  periglazialer  Fazies  mechanischer  Verwitterung 
liegt  im  Mittel  5uu22' — 30'  nördlicher  Breite.  Die  Annäherung 
beider  Gebiete  ist  demnach  eine  größere  als  in  den  anderen  deut- 
schen Mittelgebirgen , in  denen  Lozixski  Blockmeere  beschrieben 
hat,  wie  Hochwald  im  Hunsrück,  Felsberg  im  Odenwald.  Dieser 
nahe  Eisrand  war  für  die  Erniedrigung  der  Temperatur  von  großer 
Bedeutung,  denn  die  Erhöhung  der  Spaltenfrostwirkung  wurde 
durch  solche  Nähe  aufs  höchste  gesteigert.  Die  härtesten  Gesteine 
mußten  dem  Spaltenfrost  nachgeben  und  in  Bänke  zerfallen,  deren 
lockere  Anhäufung  den  späteren  Wasserläufen  leichtere  Arbeit 
beim  Schaffen  einer  Talsohle  bereitete. 

Daß  dieses , durch  Eisnähe  tiefgehaltene  Klima  auf  dem 
Franken walde  erlaubte,  Schneeanhänfungen  zu  bilden,  erhält  eine 
Stütze  in  den  oberen  Talformen  der  Frankenwaldtäler.  Die 
neuerschienenen  Blätter  der  geologischen  Karte  von  Lobenstein 
von  Zimmermaxx  und  die  .geologische  Karte  der  Umgebung  von 
Bad  Stehen  im  Franken  walde“  von  Karl  Walther  zeigen  die 
wannenförmigen  Quellgebiete  der  Bäche  recht  gut.  Es  ist  merk- 
würdig und  auffallend,  daß  man  in  dem  Franken wald  in  der  Kegel 
an  den  Bachlänfen  zwei  deutlich  verschiedene  Talformen  studieren 
kann. 

Die  eine  zeigt  sich  im  Oberlaufe,  im  Quellgebiet,  die  andere 
talabwärts  ist  ein  typisches  Erosionstal.  das  sich  bis  zur  Mündung 
hinzieht.  Der  Oberlauf  dieser  Bäche  ist  muldenförmig  verbreitert. 
Steht  man  in  ihm,  so  hat  man  nie  das  Gefühl,  sich  im  Tale  eines 
Baches  zu  betinden.  Wie  eine  flache  Schüssel,  aus  der  ein  Viertel 
herausgebrochen  ist,  liegen  diese  Talschlüsse  da.  Meist  sind  sie 
vermoort  oder  vom  eluvialen  Lehm  angefüllt,  dem  örtlich  reichlich 
Blöcke  anstehenden  Gesteins  eingelagert  sind  (Gemäßgrnnd).  Manche 
gleichen  Riesenschüsseln  wie  der  Gemäßgrund  bei  Lobenstein, 

10* 


148 


R.  Hundt, 


andere,  von  geringerem  Umfang  sind  lieblich  und  vor  allem  typisch 
(Sclilegelbach  oder  Saubach).  Siehe  Abb.  I. 


Abb.  I.  Im  „embryonalen  Kar“  des  Sclilegelbaches.  Rechts,  nicht  mehr  auf 
der  Abbildung  sichtbar,  liegt  das  Dorf  Schlegel.  Man  sieht  deutlich  die  sanfte 
Linie,  die  das  Kar  begrenzt.  Links,  am  Walde,  beginnt  das  Erosionstal, 
das  sehr  bald  tief  einschneidet.  Im  Hintergründe  die  Stebener  Rerge. 

Am  typischsten  sind  sie  in  der  Nähe  von  Stehen  und  Ober- 
steben und  in  der  Nähe  des  Lobensteiner  Culm  zu  studieren.  Hier 
sind  sie  der  Frankenwald-Fastebene  vorzüglich  zur  vertikalen 
Gliederung  geeignet. 

Der  Schnee,  der  sich  in  ihnen  anhäufte,  scheint  zur  Zeit  der 
größten  Inlandvereisung  verfilmt  gewesen  zu  sein  und  in  größerer 
Ausdehnung  aus  der  talabwärts  liegenden  Öffnung  des  „embryo- 
nalen Kars“,  wie  Lozixski  1 diese  Nivation  am  Talschluß  nennt, 
herausgeflossen  zu  sein , so  dem  zukünftigen  Tale  seinen  Weg 
weisend,  der  so  dem  Gelände  in  voller  Breite  eingeschliffen  wurde. 
Die  flächenhafte  Erosionswirkung  des  verfilmt  gewesenen  Schnees 
verursachte  diese  Karwirkung,  die  im  Frankenwald  nirgends  solche 
lokale  Endmoränen  aufweist,  wie  z.  B.  die  Kare  im  Riesengebirge. 
Vielleicht  waren  sie  aber  doch  vorhanden  und  sind  erst  nachträglich 
zerstört  worden,  wie  die  Blockmeere  im  Stebenbach,  Thüringer 
Moschwitz , Hohlebruunental  anzudeuten  scheinen.  Die  Schnee- 
anhäufung in  diesem  oberen  Teile  rief  auch  eine  tiefgründige  Ver- 
witterung in  situ  hervor,  durch  die  ein  Teil  jener  Formation  ent- 
standen ist  und  weiter  fortgebildet  wurde , die  man  als  Eluvium 


1 Lozinski  , Quartärgeologische  Beobachtungen  und  Betrachtungen 
aus  Schweden  Aus  der  Natur.  Sonderabzug,  p.  617 — 630. 


Die  Eiszeit  im  Frankenwalde. 


149 


kartierte1.  Und  vielleicht  waren  alle  Talscliliisse  früher  mit  elu- 
vialein  Schutt  angefüllt,  den  dann  das  Wasser  der  postdiluvialen 
Zeit  teilweise  ganz  ins  Tal  verfrachtete,  wenigstens  geschah  es 
sicher  mit  den  feineren  Verwitterungsprodukten,  denn  sehr  oft  finden 
sich  in  den  Talschliissen  nur  noch  vereinzelte,  gerundete  Blöcke. 
Vielleicht  hat  auch  Menschenhand  von  hier  manchen  großen  Stein 
zum  Häuserbau  weggeschleppt.  Viele  von  ihnen  hat  das  Moor 
und  der  Rasen  eingegraben.  Diese  spärliche  Blockbestreuung  be- 
obachtete ich  besonders  im  Thüringer  Moschwitztale,  dessen  Xeben- 
tälern  (Hohlebrunnental , Tal  nach  dem  Knöcklein , Tal  nach 
Langenbach).  Die  Vegetation  hat  aber  gerade  an  diesen  Stellen 
sehr  viel  Blockmaterial  zugedeckt. 

Eine  merkwürdige  Tatsache  stellte  sich  heraus,  als  die  Höhen- 
linien der  einzelnen  Talschlüsse  untereinander  verglichen  wurden. 
Außer  dem  Lohbachtal  bei  Steben  (512  m)  liegen  alle  in  Frage 
kommenden  Talschlüsse  in  ungefährer  Höhe  von  620 — 650  m. 

Im  folgenden  seien  die  Bäche  angeführt , die  am  Quellgebiet 
Xivation  in  Form  embryonaler  Kare  aufweisen: 


1. 

2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 
y. 

10. 

11. 

12 

13. 

14. 

15. 


Koselbach  mit  den  Eibig-Wieseu 650 

Kabiesgrund  bei  Lobenstein 640 

Gemäßgrund  am  Sieglitz 650 

Langwassertal 650 

Schlegelbach 616 

Steben  bacli 552 

Binsig 600 — 620 

Thüringer  Moschwitz 640 

Tal  nach  der  Thüringer  Moschwitz  vom  Knöcklein  625 

Tal  nach  der  Thüringer  Moschwitz  von  Langebach  640 

Tal  der  Ölsnitz  bei  Geroldsgriin  640 

Lohbachtal 542 


m 

7) 

7) 

7) 


7 


7) 

7 

71 

7) 


7) 


Thierbachtal  bei  Steben 600 

Tal  von  Harra  nach  Kießling 560 

Hohlebrunnental 640 


Auf  Blatt  Hirschberg  kommen  in  der  Xähe  von  Göttengrün 
die  Talformen  in  Betracht,  die  später  einmal  genauer  beschrieben 
werden  sollen.  Auf  dem  eben  im  Buchhandel  erschienenen  Blatte 
Hirschberg  der  Geologischen  Karte  von  E.  Zimmermaxx  sind  die 
hier  in  Betracht  kommenden  Talformen  sehr  gut  dargestellt. 

Diese  „embryonalen  Kare“  sind  allem  Anschein  nach  gleich 
bei  Beginn  der  Eiszeit  mit  Schneeanhäufungen  und  während  der 
Eiszeit  hindurch  fortwährend  davon  erfüllt  gewesen.  Sie  sind  der 


1 Zimmermaxx  gibt  in  den  breiten  Talmulden  des  Blattes  Hirschberg 
auch  Eluvium  an,  kartiert  es  aber  nicht  genau,  um  die  wichtigere  Gesteins- 
unterlage kartographisch  festzulegen.  Erläuterung  zur  Karte,  p.  206. 


150 


R.  Hundt. 


älteste  Teil  des  jetzigen  Tales,  das  sich  damals  als  erstes  tieferes 
Niveau  der  präoligocänen  Fastebene,  wie  sie  Phiuppi  1 darstellt, 
einnagte.  Es  ist  auch  beachtenswert,  daß  sich  die  schiisselförinigen 
greisenhaften  Täler  nur  in  härteren  Gesteinen  vorzüglich  erhalten 
haben  wie  in  Diabasen , oberkambrischen  Quarziten , kontakt  er- 
härteten Devonschichten.  Im  Culmgebiet  hingegen  können  die 
Talschlüsse  ebenso  gebildet  gewesen  sein , aber  die  postglaziale 
Zeit  hat  mit  Hilfe  des  Wassers  den  Typus  sehr  bald  verwischt. 
Das  zeigen  die  Talschlüsse  im  Friesangebiete  bei  Ebersdorf  auf 
Blatt  Lobenstein.  Als  dann  mit  dem  Rückzug  des  nordischen 
Eises  von  seinem  südlichen  Vorsprung  eine  Erhöhung  der  Tem- 
peratur und  eine  Verminderung  der  Wirkung  des  Spaltenfrostes 
eintrat,  fingen  die  Schnee-  und  Firnanhäufungen  auch  an  zu 
schmelzen.  Das  Wasser  floß  der  natürlichen  Abdachung  nach  auf 
der  Fastebene  geradlinig  der  tiefsten  Stelle  zu,  an  der  schon  ein 
größeres  Gewässer  die  gesammelten  Bäche  aus  dem  Gebirge  in 
die  von  Eis  befreiten  Teile  der  Ebene  führte.  Die  nicht  wenigen 
Tauwässer,  sehr  reich  an  Schutt  und  Schleifmaterial  des  Kar- 
eluviums , schliff  sich  sehr  bald  ein  enges  Tal  ein , in  dem  die 
Wasser  nach  der  tieferliegenden  Gegend  rauschten.  So  entstand 
die  zweite  Hälfte,  das  Erosionstal  der  Frankenwaldbäche,  das  sich 
mit  größerem  Gefälle  nach  dem  Hauptfluß  hin  senkt,  während  die 
oberen  Talschlüsse  nur  sehr  geringes  Gefäll  aufweisen.  Die 
typischsten  Beispiele  trifft  man  im  Abfluß  des  Gemäßgrundes  (Sieg- 
litzbach), Thüringer  Moschwitz  unterhalb  der  Krötenmühle,  Schlegel- 
bach, Stebenbacli  an.  Auf  Abb.  I sieht  man,  wie  sich  am  offenen 
Ausgange  des  embryonalen  Kars  das  Tal  sofort  zum  Erosionstal 
verengt.  An  dieser  Verengung  erkennt  man  häufig  eine  Anhäufung 
von  Blockmaterial,  besonders  charakteristisch  am  Stebenbacli,  oder 
man  sieht  nackte,  hochragende  Felsen  an  der  Talverengung  wie 
am  Schlegelbach.  Es  wird  dadurch  die  Vermutung  mehr  zur  Tat- 
sache erhärtet,  daß  sich  vielleicht  der  verfilmt  gewesene  Schnee  nach 
der  Öffnung  des  embryonalen  Kars  hin  bewegte  und  durch  seine 
durch  Schleifmaterial  erhöhte  Flächenerosion  das  Kar  bedeutend 
erweiterte  und  rundete.  Auf  diese  Weise  können  auch  die  An- 
häufungen von  Blockmassen  an  dem  Übergang  von  embryonalem 
Kar  zum  Erosionstal  erklärt  werden  (Stebenbacli , Unteres  Holile- 
brunnental , beide  Blockmeere  im  Tale  der  Thüringer  Moschwitz), 
wenn  man  sich  vorstellt,  daß  dorthin  an  jene  Stelle  die  Blöcke 
hingetrieben  wurden,  deren  Wanderung  aber  wegen  der  Enge  des 
Erosionstales  unterbrochen  werden  mußte.  Abb.  II  läßt  uns  in 
ein  solches  Tal,  das  Hohlebrunnental,  hineinsehen,  das  deutlich 
den  Typus  der  oberen  Franken waldtäler  aufweist. 

1 Philippi,  Ueber  die  präoligocäne  Landoberfläche  in  Thüringen. 
Zeitselir.  d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  .1910.  p.  305 — 404. 


Die  Eiszeit  im  Franken walde. 


151 


Abb.  II.  Blick  vom  Tale  der  Thüringer  Möschwitz  in  das  Hohlebrunnen- 
tal  mit  vereinzelter  Blockbestreuung.  Hechts  steigt  das  Gelände  zum 
Lobensteiner  Culm  an.  Das  Tal  zeigt  Nivation  am  Talschlusse.  Steht 

man  auf  der  Höhe,  dann  blickt  man  ins  Langwassertal  hinein. 

Blockmeere. 

Das,  was  Lozinski  in  den  oben  erwähnten  deutschen  Mittel- 
gebirgen vor  allen  Dingen  als  Beweis  für  die  Wirkung  der  peri- 
glazialen Fazies  der  Verwitterung  ansieht , sind  die  Blockmeere. 
Von  ihnen  erwähnt  er  a.  a.  0.  p.  1 0 im  Odenwald  das  Auftreten 
in  eruptivem  Gesteine. 

Der  Frankenwald  zeigt  wie  der  Odenwald  in  den  mir  dazu 
gehörenden  Blockmeeren  ebenfalls  in  erster  Linie  Eruptivgesteine, 
daneben  auch  feste,  schwer  verwitternde  altpaläozoische  Quarzite. 
Zum  großen  Teile,  davon  zeugen  wenigstens  die  spärlichen  Block- 
bestreuungen, z.  B.  im  oberen  Teile  der  Thüringer  Moschwitz,  sind 
diese  früher  sicher  zahlreicher  vorhandenen  Blockmeere  durch 
spätere,  vielleicht  mit  großer  Wasserfülle  ausgestatteten  Wasser- 
läufe zerstört  worden  und  mancher  Block,  der  jetzt  im  jüngeren 
Erosionstal  die  Romantik  dieses  Teiles  mit  erhöhen  hilft,  ist  durch 
solche  Kräfte  aus  seiner  primären  Lagerstätte  herausgerissen 
worden.  Auch  die  zwei  typischen  Blockmeere , wie  sie  uns  die 
Abbildungen  aus  dem  Thüringer  Moschwitztal  zeigen,  liegen  auf 
sekundärer  Lagerstätte.  Also  hat  auch  sie  irgendwelcher  Trans- 
port entweder  durch  verfilmten  Schnee  oder  durch  Abschmelz- 
wasser der  verfirnt  gewesenen  Talschlüsse  auf  diese  Lagerstätte 
gebracht.  Für  einen  solchen  Transport  mit  einem  unbekannten 
Beförderungsmittel  spricht  auch  die  Art  der  Lagerung  im  Thüringer 
Moschwitztale.  Steht  man  bachaufwärts  und  blickt  das  Tal  hin- 


152 


R.  Hundt 


unter,  so  kann  man  beobachten , wie  sicli  aus  der  Art  der  Lage- 
rung der  Blöcke  eine  Dreiecksforin  konstruieren  läßt,  deren  Basis 
bacliaufwärts  und  dessen  Spitze  bachabwärts  liegt.  Bei  dem 
Blockmeer,  wie  Zimmermann  a.  a.  0.  schon  diese  Anhäufung  an 
der  Krötenmühle  nennt,  ziehen  sich  auch  von  den  linken  Hängen, 
die  nordwärts  liegen,  Blockmeere  ins  Tal,  ohne  daß  sie  beim 
Blockmeer  im  Tale  den  charakteristischen  Dreieckstyp  verwischen. 
Abb.  III  und  Abb.  IV.  Zu  diesem  Blockmeer  hat  Paläopikrit  das 
Material  geliefert.  Die  Blöcke  machen , halb  von  Moor  bedeckt, 
den  Eindruck  erratischer  Wanderblöcke,  die  auch  irgendwo  in  der 
norddeutschen  Tiefebene  liegen  könnten.  Denselben  Eindruck 
rufen  die  Blöcke  hervor,  die  750  in  bachabwärts  liegen.  Nur 


Abb.  III.  Blockmeer  am  nördlichen  Berglmng  nach  der  Krötenmühle  im 
Thüringer  Moschwitztale.  Die  Paläopikritblöcke  ziehen  sich  ins  Tal  hinab, 
die  kahlen  Höhen  im  Hintergründe  steigen  nach  Stehen  und  Carlsgrün 
hinan  und  lassen  andere  Talschlüsse  mit  Nivation  erkennen. 

sind  sie  schon  tiefer  in  die  Rasenfläche  eingelagert,  so  daß  dieses 
Blockmeer  schwieriger  zu  erkennen  ist.  Abb.  V.  Hier  liegen 
aber  die  Paläopikritfelsen  sicher  auf  sekundärer  Lagerstätte,  weil 
das  Erosionstal  der  Thüringer  Möschwitz  an  dieser  Stelle  zwischen 
Oberem  Cambrium  fließt.  Wieder  besitzt  das  Blockmeer  die  cha- 
rakteristische Dreiecksform.  Weiter  oben  wurde  schon  eine  Block- 
bestreuung  erwähnt,  die  sich  in  den  Talschlüssen  bis  hinauf  in 
den  obersten  Teil  zieht  (Tal  nach  dem  Knöcklein,  nach  Langen- 
bach, Hohlebrunnental).  Abb.  II.  Es  lagern  dabei  immer  nur 
einzelne  größere  Blöcke  über  die  große  Fläche  hingestreut.  Die 
anderen  kleineren  Blöcke  hat  der  Rasen  vollständig  eingedeckt. 


Die  Eiszeit  irn  Frankenwalde. 


153 


Zu  diesen  Blockanhäufungen  ist  wolil  auch  das  Blockmeer  auf  dem 
Lobensteiner  Cnlm  zu  rechnen,  dessen  Spitze  so  charakteristisch 
steil  über  der  Umgebung- herrscht.  Diese  höchste  Kuppe  (729,2  m) 
ist  ganz  zerklüftet.  Die  Blöcke  aus  Diabas  liegen  wirr  durch- 
einander. Alles  macht  den  Eindruck,  als  hätte  die  postdiluviale 
Zeit  nicht  genügt,  diese  Felsmassen  so  stark  zu  verwittern.  Der 
erhöhte  Spaltenfrost  war  hier  an  diesem  Lobensteiner  Culm  tätig, 
der  als  Nunatek  rings  aus  den  mit  verfilmtem  Schnee  angefüllten 
Talschlüssen  herausschaute,  die  gerade  um  ihn  herum  in  Menge 
liegen  (Hohlebrunnental,  Thüringer  Moschwitz,  Fränkische  Mosch- 
witz , Gemäßgrund , Schlegelbach,  Langwassertal).  Der  Spalten- 
frost mußte  so. seine  vernichtende  Wirkung  in  erhöhtem  Maße  an 


Abb.  IV.  Blockmeer  im  Tale  der  Thüringer  Möschwitz  an  der  Kröten- 
miilüe.  die  wenig  talaufwärts  von  dieser  Stelle  aus  liegt.  Nach  links  hin 
steht  dieses  Talblockmeer  mit  dem  auf  vorhergehender  Abbildung  dar- 
gestellten in  Verbindung.  Vergleicht  man  es  mit  der  Abb.  V,  so  erkennt 
man  bei  dem  hier  eine  größere  Breite. 

dieser  so  deutlich  hervortretenden  Bergspitze  verrichten.  Auf  den 
Feldern  liegen  auffällig  viele  Blöcke.  Sie  bedecken  die  flachen 
Abhänge  des  Berges.  Sie  sind  an  den  Feldrainen  meistens  zu 
natürlichen  Mauern  aufgeschichtet.  Viele  von  ihnen  haben  später 
Wasser  und  Wind  weiter  hinab  ins  Tal  geführt.  Mir  scheint 
dieses  Blockmeer , das  von  geringer  horizontaler  Ausdehnung  ist, 
neben  einem  weiter  unten  zu  erwähnenden  das  einzige  auf  pri- 
märer Lagerstätte  liegende  zu  sein.  Leider  war  es  unmöglich, 
eine  annähernd  gute  Photographie  zu  bekommen,  weil  von  diesem 


154 


R.  Hundt,  Itie  Eiszeit  im  Frankenwalde. 


Blockmeer  die  Vegetation  (Baumwuchs)  Besitz  ergriffen  hat.  Das 
andere,  auf  primärer  Lagerstätte  nicht  mehr  klar  zu  erkennende 
Blockmeer  liegt  auf  dem  Bergrücken , den  der  Weg  von  der 
Krötenmühle  nach  Schlegel  übersteigt.  Auf  der  Höhe  liegen  hier 
mächtige  Diabasblöcke,  die  man  jetzt  zu  Mauern  um  die  Felder  auf- 
geschichtet  hat.  Hier  hat  die  Menschenhand,  um  Land  für  den  Acker- 
bau zu  gewinnen,  die  Blöcke  von  ihrem  alten  Lagerplatz  entfernt. 

Zu  der  periglazialen  Fazies  mechanischer  Verwitterung 
scheinen  auch  die  ungeheuren  Blockanhäufungen  zu  gehören  , die 
an  manchen  Stellen  an  Steilrändern  unserer  Erosionstäler  in  der 
Nähe  der  Mündung  liegen.  Sie  lagern  immer  auf  der  Südseite 


Abb.  V.  Blockmeer  750  iti  talabwärts  von  der  Krötenmühle.  Im  Hinter- 
gründe ziehen  sich  die  Berghänge,  enger  und  steiler  werdend,  zusammen 
und  formen  das  jüngere  Erosionstal  der  Thüringer  Möschwitz 


der  Täler,  wo  der  Spaltenfrost  nachweisbar  am  stärksten  wirken 
muß,  in  dem  Teile  des  Tales,  wo  es  sich  weitet,  also  dem  süd- 
lichen Sonnenstrahl  günstige  Gelegenheit  zur  Wirkung  bietet.  Die 
schönsten  solcher  Blockanhäufungen,  die  noch  nicht  von  einer 
Vegetation  bewachsen  sind  und  die  einen  kahlen,  öden  Eindruck 
hervorrufen , sah  ich  am  rechten  Ufer  der  Wettera,  kurz  bevor 
sie  bei  Klosterhammer  in  die  Saale  mündet.  Das  Material  zu 
diesen  eckigen,  ziemlich  großen  Blöcken  lieferte  Diabas  und 
kontakterhärteter  unterdevonischer  Schiefer.  Auch  am  Unterlauf 
der  Thüringer  Moschwitz  treten  solche  Flächen  auf,  deren  einziger 
Bewohner  Himbeersträuehe  sind.  Einen  großen  Teil  des  Materials, 
das  ehedem  der  Spaltenfrost  so  locker  verwittert  hatte,  hat  auch 
das  überschwemmte  Bächlein  dann  mit  sich  fortgeführt. 


H.  Balss,  Ueber  fossile  Galatheiden. 


155 


Ueber  fossile  Galatheiden. 

Yon  Dr.  Heinrich  Balss, 

Assistent  an  der  zoologischen  Staatssammlung  (München). 

Mit  1 Textfigur. 

Unsere  Kenntuisse  der  fossilen  Galatheiden  sind  bisher  außer- 
ordentlich gering;  Ortmann  (Bronn’s  Klassen  und  Ordnungen 
p.  1307)  sagt,  daß  sie  fossil  überhaupt  unbekannt  seien  und  auch 
in  der  von  F.  Broili  bearbeiteten  zweiten  Auflage  von  K.  v.  Zittel’s 
Grundzüge  der  Paläontologie  heißt  es  (p.  514),  daß  die  Bestim- 
mungen nur  unsicher  seien.  Angeregt  durch  die  Bearbeitung  der 
(rezenten)  Galatheiden  der  deutschen  Tiefsee-Expedition  „ Valdivia“ 
unterzog  ich  das  in  der  hiesigen  paläontologisclien  Staatssammlung 
aufbewahrte  Material  einer  Revision.  Für  die  Überlassung  dieser 
Sammlung  sage  ich  Herrn  Professor  Dr.  A.  Rothpletz  und  Herrn 
Privatdozent  Dr.  E.  Dacque  meinen  besten  Dank;  Herrn  Professor 
Dr.  E.  Stromer  von  Reichenbach  bin  icli  die  Anregung  zu  dieser 
Arbeit  und  für  manchen  Hinweis  verpflichtet.  Herr  Professor 
E.  Fr  aas  (Stuttgart)  hat  mich  ebenfalls  durch  Zusendung  von  Ma- 
terial unterstützt. 

I.  Liste  der  bisher  beschriebenen  Arten. 

Soweit  ich  in  die  Literatur  eindringen  konnte,  fand  ich  bisher 
folgende  Arten  erwähnt,  deren  Beschreibung  sich  allerdings  nur 
auf  die  Form  des  Carapax  stützt: 

Oberster  Weißer  Jura. 

1.  Gastrosaccus  Wetzleri  H.  v.  Meyer.  1856.  p.  51.  Taf.  X Fig.  3 und  4. 

„ „ „ „ „ 1860.  p.  219.  Taf.  23  Fig.  34. 

„ „ W.  Mörike.  1897.  p.  46. 

„ r J.  Carter.  1898.  p.  18.  Taf.  I Fig.  3. 

= Prosopon  aculeatmn  Qüenstedt  (Der  Jura),  p.  779.  Taf.  35 
Fig.  46  und  47. 

= Galathea  acutirostris  W.  Mörike.  p.  53.  Taf.  VI  Fig.  7. 

Diese  Form  wurde  zuerst  von  H.  v.  Meyer  zu  den  Proso- 
poniden,  also  den  primitivsten  Brachyuren  gestellt;  allein  Mörike 
wies  mit  vollem  Rechte  nach,  daß  die  Form  eine  Galatheide  sei. 
da  die  Gestalt  des  Carapax  wie  die  Oberflächenskulptierung 
bei  beiden  gut  übereinstimme. 

Vorkommen:  Weißer  Jura,  Örlinger  Tal,  Niederstotzingen 

(Württemberg),  Stramberger  Schichten  bei  Stramberg  etc.  (Mähren), 

Coral  Rag  of  LJpware  (England). 

2.  Galathea  eatecta  Mörike.  1897.  p.  52.  Taf.  VI  Fig.  5.  Remes.  1895. 

p.  200. 

Vorkommen  : Stramberger  Schichten,  bei  Mischlowitz  etc.  (Mähren)- 

3.  Galathea  Zitteli  Mörike.  1897.  p.  52.  Taf.  VI  Fig.  6.  Remes.  1895. 

p.  200. 

Vorkommen:  Stramberger  Schichten  bei  Wischlitz,  Stramberg 

(Mähren). 


156 


H.  Balss. 


4.  Galathea  antiqua  Mörike.  1897.  p.  54.  Taf.  VI  Fig.  4. 

Vorkommen:  Stramberger  Schichten  (Mähren). 

5.  Galatliea  Meyeri  Mörike.  1897.  p.  55.  Taf.  VI  Fig.  8. 

Vorkommen:  Stramberger  Schichten  (Mähren). 

6.  Galathea  verrucosa  Mörike.  1897.  p.  55.  Taf.  VI  Fig.  9. 

Vorkommen:  Stramberger  Schichten  (Mähren). 

7.  Galatliea  striata  Remes.  1895.  p.  200.  Fig.  3. 

Vorkommen:  Stramberger  Schichten,  Stramberg  (Mähren). 

8.  Galathea  tuberosa  Remes.  1895.  p.  200.  Fig.  4. 

Vorkommen:  Stramberger  Schichten,  Stramberg. 

* 

Marine  oberste  Kreide. 

9.  Galathea  strhjifera  Steenstrup.  Segerbeiic»,  1900.  p.  6.  Taf.  I Fig.  2. 

Vorkommen : Faxekalk,  Skandinavien. 

10.  Galatliea  mitnidoides  Segerberg.  1900.  p.  7.  Taf.  I Fig.  5. 

Vorkommen:  Faxekalk,  Skandinavien. 

11.  Galatliea  ubagliesii  Pelseneer.  1886.  p.  167. 

Vorkommen:  Mastrichtien  von  Limburg. 

12.  Munida  defecta  Segerberg.  1900.  p.  8.  Taf.  I Fig.  6.  Woodward. 
1901.  p.  490. 

Vorkommen:  Faxekalk,  Skandinavien. 

Marines  Tertiär. 

13.  Galatliea  uffinis  Risturi.  1886.  p.  36.  Taf.  II  Fig.  18. 

„ .,  Lörenthey.  1909.  p.  228. 

Vorkommen:  Pliocan  Siziliens  und  Sardiniens. 

14.  Falaeomunida  defecta  Lörenthey.  1902.  p.  103. 

Vorkommen:  Tertiär  Ungarns  (Kleiner  Schwabenberg  bei  Bu- 
dapest). 

1 1.  Gehören  diese  Formen  zur  Klasse  der  Galatheiden  ? 

Die  bisherige  Annahme,  daß  diese  Formen  zu  den  Galatlieiden 
zu  stellen  seien,  stützte  sich  besonders  auf  die  Form  des  Carapax 

und  seine  Bewehrung  mit  Quer- 
linien und  Stacheln  an  der  Seite. 
Mörike  wies  dann  noch  auf  die 
Identität  der  Cervicalfurche  auf 
der  Oberfläche  des  Carapax  bei 
rezenten  und  fossilen  Formen 
hin.  Ich  möchte  hier  noch  auf 
einen  dritten  Umstand  hin- 
deuten; er  betrifft  das  Ver- 
halten der  linea  anomurica. 
Diese  Linie  teilt  bei  den  rezen- 
ten Anomuren  die  Seitenfläche 
des  Carapax  in  zwei  Hälften,  von  denen  die  obere  mit  dem  Rücken- 
scliild  fest  verbunden  ist,  während  die  untere  ein  Stück  für  sich 
darstellt.  (Fig.  1.)  Wenn  man  daher  das  Rückenschild  einer 


Fig.  1. 

Carapax  von  Munida  hamffica  Pen. 
von  der  Seite  gesehen. 

La  — linea  anomurica  (aus  Bouvier 
1897). 


l'eber  fossile  Galatheiden. 


157 


Galatheide  loslöst,  dann  bleibt  immer  noch  ein  Stuck  der  Seiten- 
fläche daran  haften.  Genau  so  verhalten  sich  nun  auch  die  fossilen 
Stöcke;  überall  ist  bei  den  Carapaxfragmenten  — die  wir  ja  allein 
besitzen  — noch  ein  Stück  der  Seitenfläche,  das  daran  sitzt,  bis 
znr  linea  anomurica  miterhalten.  Wir  haben  damit  wohl  einen 
weiteren  Beweis,  daß  die  fossilen  Stücke  zu  den  Anomuren  gehören, 
unter  welchen  dann  nur  die  Galatheiden  in  Frage  kommen. 

III.  Kritische  Bemerkungen  zur  Einordnung  ins  System  der 
rezenten  Formen. 

Um  diese  Formen  in  das  System  der  rezenten  Formen  ein- 
ordnen  zu  können,  ist  es  vor  allem  nötig,  uns  über  dieses  selbst 
klar  zu  werden.  Wir  unterscheiden  unter  den  jetzt  lebenden 
Arten  — abgesehen  von  den  Porcellaniden,  die  als  aberrante  Gruppe 
außerhalb  unserer  Betrachtung  bleiben  — mit  Ortmaxx  3 Familien 
mit  10  Gattungen,  die  sich  hauptsächlich  durch  die  Form  der 
Kiemen  und  die  Form  der  Anhänge  an  den  Beinen  unterscheiden  — 
alles  Kriterien,  die  fossil  nicht  erhaltungsfähig  sind.  Doch  können 
wir  Gruppen  nach  der  Form  des  C'arapax  und  seiner  Oberfläche 
unterscheiden,  die  sich  folgendermaßen  charakterisieren: 


Rostrum 

ry 

(_  arapax- 
Seitenwand 

Carapax- 

Oberfläche 

Vorkommen 

Aeglea 

dreieckig,  unge- 
zähnt, gekielt 

mit  Ein- 
kerbungen, 
ohne  Stacheln 

mit  Suturen, 
ohne  Warzen, 
oder  Quer- 
linien 

Süßwasser 

Südamerikas 

Chirostylus 

zugespitzt 

stachelig 

mit  großen 
Stacheln 

Tiefsee 

Uroptychus 

dreieckig,  unge- 
zähnt. ungekielt 

glatt  oder  ge- 
zähnt 

glatt 

Tiefsee 

Eumunida 

5 Stacheln 

mit  Zähnen 

mit  Querlinien 

litoral 

Galatliea 

dreieckig,  mit 
Sägezähnen  auf 
jeder  Seite,  ohne 
Mittelkiel 

gezähnt 

mit  Querlinien 

litoral 

Mun  ida 

dornförmig,  an 
jeder  Seite  ein 
Stachel 

mit  Zähnen 

mit  Querlinien 

, litoral  und 
Tiefsee 

Munidopsis 

breit,  dreieckig, 
meist  ohne  Seiten- 
zähne, manchmal 
mit  Mittelkiel 

gezähnt  oder 
ungezähnt 

meist  glatt 
oder  runzelig 

Tiefsee 

158 


H.  Balss, 


Suchen  wir  nun  die  fossilen  Formen  in  dieses  System  ein- 
zuordnen, so  sehen  wir  gleich,  daß  alle  Formen  des  Jura,  die  unter 
dem  Namen  „Galathea“  gehen  (also  No.  1 — 8 der  Tabelle),  nicht 
in  dieser  Gattung  verbleiben  dürfen,  da  sie  alle  ein  ungezähntes 
Rostrum  haben,  das  oft  sogar  einen  Mittelkiel  trägt,  wie  er  bei 
Galathea  nicht  vorkommt.  Wir  müssen  daher  für  diese  Formen 
eine  neue  Gattung  aufstellen,  die  ich  „Galatheites“  zu  nennen  vor- 
schlage. Diese  Gattung  wäre  so  zu  charakterisieren : Der  Cephalo- 
thorax  übertrifft  an  Länge  etwas  die  Breite,  seine  OberÜäche  wird 
entweder  von  tiefen  Querlinien  oder  von  Runzeln  und  Warzen 
bedeckt,  die  selbst  in  geraden  Linien  angeordnet  sind.  Ferner  ist 
auf  seiner  Oberfläche  die  Cervicalfurche  vorhanden,  die  sich  an  den 
Seiten  in  zwei  Aste  gabelt.  Die  Seitenränder  können  mit  Zähnen 
bewehrt  sein.  Das  Rostrum  ist  eine  breite,  dreieckige  Platte,  deren 
Ränder  ungezähnt  sind ; auf  seiner  Oberfläche  kann  ein  Mittelkiel 
vorhanden  sein.  Die  Größe  des  Carapax  beträgt  im  Durchschnitt 
10 — 17  mm. 

Eine  merkwürdige  Ähnlichkeit  besteht  nun  mit  der  rezenten 
Gattung  Munidopsis,  deren  Vertreter  in  der  Tiefsee  leben.  Natür- 
lich läßt  sich  eine  Verwandtschaft  nicht  sicher  beweisen,  da  wir 
von  der  fossilen  keine  Scheren,  Füße,  Augenstiele  etc.  erhalten 
haben;  auch  stellt  man  Munidopsis  als  höchstentwickelte  Form  der 
Gruppe  ans  Ende  des  Systems,  so  daß  man  annehmen  sollte,  daß 
sie  auch  geologisch  erst  zuletzt  auftrete,  aber  immerhin  ist  doch 
die  Ähnlichkeit  der  fossilen  Formen,  besonders  in  bezug  auf  das 
Rostrum,  recht  gut  ausgesprochen ; so  stellt  denn  auch  Bouvier 
(1897.  p.  87)  Gastrosaccus  Wetzleri  in  die  Mitte  zwischen  Gala- 
theiden und  Diptychiden.  Auch  wäre  eine  Ähnlichkeit  jetziger 
Tiefseeformen  mit  früheren  Litoralformen  nicht  mehr  so  erstaun- 
lich, nachdem  wir  aus  anderen  Gruppen  des  Tierreichs  noch  mehr 
solcher  Fälle  kennen  gelernt  haben ; ich  verweise  hier  nur  auf 
E.  Stromer  von  Reichenbach’s  Lehrbuch  der  Paläozoologie.  2.  p.  2931. 

Über  die  Formen  aus  der  Kreide  ist  wenig  zu  sagen.  Galathea 
strigifera  Steenstrup  hat  nach  Segerberg’s  Angabe  ein  Rostrum, 
dessen  Ränder  zu  beiden  Seiten  mit  Zähnen  bewaffnet  sind  und 
wäre  also  eine  echte  Galathea.  Ebenso  soll  seine  Munida  primacra 
mit.  zwei  Dornen  am  Rostrum  bewehrt  sein,  so  daß  wir  es  tat- 
sächlich mit  einer  Munida  zu  tun  hätten ; doch  sind  die  Abbil- 
dungen wenig  deutlich.  Bei  der  Galathea  uhaghesii  Pelseneer  fehlt 
das  Rostrum  völlig,  so  daß  wir  über  ihre  Stellung  nichts  Sicheres 
sagen  können. 

Bei  den  Formen  aus  dem  Tertiär  bemerke  ich,  daß  Galathea 
affinis  Ristori  sicher  bestimmt  ist  und  eine  echte  Galathea  dar- 

* Ich  bemerke,  daß  dem  Verfasser  hier  ein  kleiner  Irrtum  unterlaufen 
ist,  indem  er  statt  „Peneiden“  „ Tkaumastocheles “ schreiben  wollte. 


Feber  fossile  Galatbeiden. 


159 


stellt,  von  der  Palaconntnida  defecia  Lörenthey  läßt  sich  da- 
gegen ebenfalls  nichts  Bestimmtes  sagen,  da  auch  bei  ihr  das 
Rostrum  fehlt. 

IV.  Zur  Biologie  der  fossilen  Formen. 

1.  Lebensweise:  Die  heutigen  Galatheiden  leben  ruhig, 
ohne  sich  viel  zu  bewegen,  an  Felsen,  Korallriffen  etc.,  wo  sie  auf 
ihre  Beute  lauern.  Auch  die  fossilen  Formen  scheinen  diese  Lebens- 
weise geführt  zu  haben,  da  man  sie  meist  zusammen  mit  Korallen 
oder  auf  Bryozoenbänken  findet. 

2.  Parasiten.  Schon  H.  v.  Meyer  beschrieb  18(50,  p.  220, 
daß  bei  den  fossilen  Formen  oft  die  eine  Hälfte  der  Kiemengegend 
blasenartig  aufgetrieben  sei  und  deutet  dies  als  krankhafte  Wuche- 
rung. Auch  bei  rezenten  Formen  findet  sich  eine  solche  Wuche- 
rung oft,  wie  ich  konstatieren  konnte  und  wie  sie  auch  schon 
manchmal  abgfebildet  wurde  (vergl.  A.  M.  Edwards  und  E.  L.  Bou- 
vier.  1897.  Taf.  VIII  Fig.  4),  und  zwar  wird  sie  hier  von  para- 
sitischen Isopoden  den  Genera  Gi/i/e  und  Plcurocn/plus  angehörig 
verursacht,  welche  in  der  Kiemenhöhle  sich  ansiedeln  und  diese 
Auftreibung  durch  ihr  Wachstum  verursachen.  (Vergl.  Ortmann, 
Bronn  p.  1S4.)  Daher  dürfen  wir  schließen,  daß  auch  die  Auf- 
treibungen der  jurassischen  Galatheiden  von  solchen  parasitischen 
Isopoden  gebildet  wurden. 

Literaturverzeichnis. 

A.  Über  rezente  Galatbeiden: 

Bodvikr,  E.  L. : Sur  l'origine  somarienne  des  Crabes,  in:  Bulletin 
de  la  Societö  philomatique  de  Paris.  8 Serie.  Tome  VIII.  1897. 

Edwards.  A.  Milne  und  E.  L.  Bouvier:  Les  Galathöides  du  ,, Blake“, 
in : Memoirs  of  the  Museum  of  comparative  Zoology,  Harvard 
College.  35.  1897. 

Ortmann,  A.  E. : Malacostracen,  in  : Bronn’s  Klassen  und  Ordnungen 
des  Tierreichs. 

B.  Über  die  Fossilen : 

Cartf.r,  J. : A Contribution  to  the  Palaeontology  of  the  Decapod 
Crustacea  of  England.  Quaterly  Journal  of  the  geological  So- 
ciety. 54.  1898. 

Lörenthey,  J. : Beiträge  zur  Kenntnis  der  tertiären  Decapodenfauna 
Ungarns.  Math.-naturwiss.  Berichte  Ungarns.  18.  Leipzig  1903. 

— Beiträge  zur  Kenntnis  der  tertiären  Decapoden  Sardiniens,  in : 
Math,  natunviss.  Berichte  aus  Ungarn.  24.  Leipzig  1907. 

Meyer,  H.  v. : Jurassische  und  triassische  Crustaceen,  in  „Palaeonto- 
graphica“.  4.  1856. 

— Die  Prosoponiden.  „Palaeontographica“.  7.  1859 — 61. 

Mörike.W.:  Die  Crustaceen  der  Stramberger  Schichten,  io  : „Palaeonto- 
graphica“. Supplem.  II.  6.  Abteilung.  1897. 


160 


Besprechungen.  — Personalia. 


Pelseneer:  Notice  sur  les  Crustaces  Decapodes  du  Mastriclitien  du 
Limburg,  in : Bulletin  du  Müsse  royal  d’histoire  naturelle  de 
Belgique.  4.  1880. 

Rem  es,  M. : Beiträge  zur  Kenntnis  der  Crustaceen  der  Stramberger 
Schichten,  in:  Bulletin  international,  Classe  des  Sciences  mathe- 
matiques  et  naturelles  de  l’Academic  des  Sciences  de  l'empereur 
Francois  Joseph  I.  2 Prague  1895. 

Ristori,  (LJ.:  Crostacei  Brachiuri  e Anomuri  del  Pliocene  italiano, 
in:  Bolletino  della  Societä  geologica  italiana  5.  1886.  Roma. 

Segerberg,  K.  0. : De  Anomura  och  Brachyura  Decapoderna  inom 
Skandinaviens  yngre  Krita,  in:  Geol.  Foren  i Stockholm  Fürhandl. 
22.  H.  5.  1900. 

Woodward,  Id  : On  some  Crnstacea  collccted  by  Miss  Birley  and 
Miss  Copeland  from  the  Upper  cretaceous  of  Faxe,  Denmark. 
Geolog.  Magazine.  Serie  IV.  8.  p.  480. 


Besprechungen. 

C.  Doelter : Handbuch  dei'  Mineralchemie.  6.  Liefe- 
rung. Leipzig  bei  Theodor  Steinkopff.  1912.  p.  801  — 1008.  Mit 
zahlreichen  Abbildungen,  Tabellen  und  Diagrammen. 

Mit  der  vorliegenden  sechsten  Lieferung  ist  der  erste  Band 
dieses  wichtigen  Werkes  vollendet.  Sie  enthält:  Die  Silikat- 
sclnnelzen  von  C.  Doelter,  Fortsetzung  und  Schluß  (p.  801 — 804). 
Die  Silikate  und  Aluminate  des  Zements  von  E.  Dittler  (p.  804 
— 815).  Allgemeines  über  Zemente  von  F.  R.  von  Arlt  (p.  815 
— 855).  Glas  von  E.  Zschimmer  (p.  855 — 918).  Glasuren  und 
Emails  von  E.  Berdel  (91.8 — 925).  Die  Schlacken  von  J.  H. 
L.  Vogt  (p.  925 — 960).  Dazu  kommen  Zusätze  und  Berichti- 
gungen (p.  960 — 966),  ein  Autorenregister  (p.  966—984)  und  ein 
Sachregister  (p.  984 — 1008)  nebst  Titel  und  Vorwort  zu  dem  Band. 
Möge  das  Buch  auch  in  den  folgenden  Bänden  in  der  bisherigen 
Weise  rasch  vorwärts  schreiten.  Max  Bauer. 


Personalia. 

Habilitiert:  Dr.  O.  Weigel  in  Göttin  ge.n  für  Mineralogie 
und  Petrographie. 


H.  Michel,  Der  Klinoenstatit  der  Meteoriten. 


161 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 


Der  Klinoenstatit  der  Meteoriten. 

Von  H.  Michel  in  Wien. 

Als  im  Jahre  1879  F.  Fouque  und  A.  Michel-Levy  1 künstlich 
Meteoritentypen  darstellten,  fanden  sie  in  einem  solchen  künstlichen 
feldspatfreien  Typus  eiuen  monoklinen,  polysyuthetisch  verzwillingten 
Pyroxen,  der  nach  ihren  Angaben  mit  den  Pyroxenen  ans  den  Meteoriten 
von  Kragujewatz  und  Rittersgrün  übereinstimmte.  Sie  nahmen 
für  diesen  Pyroxen  die  Zusammensetzung  MgSi03  au  und  waren 
der  Ansicht,  daß  er  identisch  sei  mit  den  von  Ebelmen  1851, 
Hautefeuille  1864  und  St.  Meunier  1880  dargestellten  monoklinen 
Magnesiapyroxenen.  J.  H.  L.  Vogt1 2  hat  das  gleiche  Mineral  in 
Schlacken  angetroffen,  in  denen  es  mit  Enstatit  und  Diopsid  zu- 
sammen vorkam  und  sich  gleichzeitig  mit  Enstatit  gebildet  hatte. 
Jedoch  hat  sich  später  Vogt.3  gegen  die  Einreihung  dieses  Minerals 
in  die  Pyroxengruppe  und  gegen  die  Bezeichnung  „ Mg- Pyroxen “ , 
die  von  M.  Levy  und  FouquE  gebraucht  worden  war,  ausgesprochen. 

Seit  langem  war  bekannt,  daß  dieses  Mineral  in  den  Meteoriten 
vielfach  vorkommt  und  W.  AVahl4  hat  in  letzter  Zeit  nachgewiesen, 
daß  dieses  monokline  Mg-Silikat  (sowie  das  entsprechende  Fe-Silikat) 
in  den  Meteoriten  mit  den  Pyroxenen  der  Diopsid-Hedenbergitreihe 
zu  isomorphen  Mischkristallen,  den  Eustatitaugiten,  zusammentreteu. 
Aber  nicht  nur  als  Komponente  in  diesen  für  die  Meteoriten 
charakteristischen  Eustatitaugiten  tritt  es  auf,  es  kommt  auch 
selbständig  vor,  und  W.  AVahl  beschreibt  es  als  „Pyroxen  der 
Chondrite“  aus  den  Chondriten  von  Mezö  Madarasz  und  Bjurböle 
und  schlägt  dafür  den  Namen  Klinoenstatit  vor. 

AVie  jedoch  aus  den  älteren  Literaturangaben  hervorgeht, 
ist  es  auch  in  anderen  Meteoriten  (Rittersgrün)  vorhanden. 
Gelegentlich  einer  Untersuchung  der  Plagioklase  der  Meteoriten 
fiel  dem  Verf.  das  verhältnismäßig  häufige  Auftreten  dieser  Pyroxene 


1 F.  FouquE  uni  A.  Michel-Levy,  Reproduction  ar tificielle  de  divers 
types  de  meteorites.  Bull,  de  la  Soc.  Min.  4.  1881.  p.  279. 

2 J.  H.  L.  Vogt,  Beiträge  zur  Kenntnis  der  Gesetze  der  Mineralbildung 
in  Schmelzmassen  und  in  neovulkanischen  Ergußgesteinen.  Kristiania  1902. 
p.  71—78. 

3 J.  H.  L.  Vogt,  Die  Silikatschmelzlösungen.  I.  Vid.  skrifter.  I. 
Math.-nat.  Kl.  1903.  No.  8.  p.  46. 

4 W.  Wahl,  Die  Enstatit  augite.  Tschermak’s  min.-petr.  Mitt.  28.  p.  1. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  11 


162 


H.  Michel 


in  fast  allen  Gattungen  der  Meteoriten  auf,  und  namentlich  war 
das  Zusammenvorkommen  mit  Enstatit,  bisweilen  in  einem  und 
demselben  Individuum,  merkwürdig.  Es  zeigten  sich  nämlich  auf- 
fällig oft  monokline  Spindeln  in  den  rhombischen  Pyroxenen. 

Wenn  man  nun  sich  der  von  Groth  1 1904  ausgesprochenen 
Ansicht  anschließt,  daß  Enstatit  und  Klinoenstatit  im  Verhältnis 
der  Polysymmetrie  zueinander  stehen,  wofür  namentlich  F.  Zam- 
bonini  2 wertvolle  Beweise  gegeben  hat,  läßt  sich  dieses  merkwürdig 
häufige  Auftreten  des  Klinoenstatits  in  den  Meteoriten  leicht  aus 
den  physikalischen  Verhältnissen  erklären,  denen  die  Meteoriten 
sowohl  während  der  Entstehung  als  auch  während  ihres  Fluges 
durch  den  Weltraum  ausgesetzt  sind.  Daß  die  für  die  Meteoriten 
zutreffenden,  von  den  irdischen  Verhältnissen  abweichenden  physi- 
kalischen Bedingungen  zur  Erklärung  dieser  Erscheinung  außer 
einer  von  den  irdischen  Gesteinen  verschiedenen  chemischen 
Zusammensetzung  herangezogen  werden  müssen,  ist  nicht  von  der 
Hand  zu  weisen.  Zu  diesen  abweichenden  Verhältnissen  ist  jeden- 
falls in  erster  Linie  die  verhältnismäßig  raschere  Abkühlung  der 
Meteoriten,  namentlich  der  Chondrite,  während  ihrer  Bildung  zu 
rechnen.  Einem  kleineren  Himmelskörper  ursprünglich  angehörig, 
zeigen  die  Chondrite  in  ihren  Chondren  Bildungen,  wie  sie  in 
ähnlicher  Weise  in  manchen  irdischen  Gesteinen  als  Produkte  einer 
raschen  Abkühlung  angetrotfen  werden.  Wenn  schon  für  die 
primäre  Entstehung  eine  raschere  Abkühlung  angenommen  werden 
kann,  so  ist  der  Meteorit  während  seines  Fluges  durch  den  Welt- 
raum Erhitzungen  ausgesetzt,  denen  sicher  eine  rasche  Abküh- 
lung folgt.  Verf.  war  geneigt,  dieser  großen  Abkühlungsgeschwin- 
digkeit eine  Wirkung  auf  das  Auftreten  des  Klinoenstatits  zuzu- 
schreiben. 

Versuche,  die  Hofrat  Dölter1 * 3  kürzlich  am  künstlichen  und 
natürlichen  MgSi03  unternahm,  ergaben  nun,  daß  die  GRora’sche 
Ansicht  von  der  Polysymmetrie  zwischen  Enstatit  und  Klinoenstatit 
die  wahrscheinliche  sei,  indem  die  Abkühlungsgeschwindigkeit  auf  die 
Ausscheidung  von  Enstatit  oder  Klinoenstatit  einwirkt.  Bei  rascher 
Abkühlung  bildet  sich  der  grob  makroskopisch  verzwillingte 
Klinoenstatit,  bei  langsamer  Abkühlung  wird  die  Verzwilligung 
so  fein,  daß  scheinbar  rhombische  Formen  entstehen,  es  bildet  sich 
Enstatit. 

Nun  trifft  aber  gerade  raschere  Abkühlung  für  viele,  wenn 
nicht  die  meisten  Meteoriten  zu,  und  so  können  wir  das  Auftreten 
der  Klinoenstatite  in  den  Meteoriten  leicht  dadurch  erklären. 


1 P.  Groth,  Einleitung  in  die  chemische  Kristallographie.  1904.  p.  7. 

- F.  Zambonini,  Die  morphotrppischen  Beziehungen  zwischen  Enstatit, 
Diopsid  etc.  Zeitschrift  f.  Krist.  46.  p.  1. 

3 Bisher  unveröffentlicht. 


Der  Klinoenstatit  der  Meteoriten. 


163 


Wenn  sich  auch  primär  Enstatit  in  einem  Meteorit  gebildet  haben 
mag,  so  kann  durch  die  Erhitzung  und  rasche  Abkühlung  während 
des  Fluges  sekundär  teilweise  Klinoenstatit  gebildet  worden  sein ; 
und  gerade  das  außerordentlich  häufige  Auftreten  von  mehr  oder 
weniger  Spindeln  von  Klinoenstatit  im  Enstatit  der  Meteorite 
könnte  durch  solche  Erhitzuugsprozesse  während  des  Fluges  erklärt 
werden.  Wahrscheinlich  ist  dabei  nicht  der  Schmelzpunkt  des 
Pyroxens  erreicht  worden,  wohl  aber  müssen  Temperaturen  erreicht 
worden  sein,  die  ihm  ziemlich  nahe  kommen.  Es  ist  ja  auch  das 
häufige  Auftreten  des  Klinoenstatits  in  künstlichen  Schmelzen  auf 
nichts  anderes  als  auf  die  im  Vergleich  mit  natürlichen  Verhältnissen 
immer  viel  zu  rasche  Abkühlung  zurückzuführen. 

Im  Widerspruch  mit  diesen  Ansichten  stehen  die  Angaben 
von  Allen,  Wright  und  Clement1,  die  Polymorphie  und  eine 
Umwandlungstemperatur  für  Enstatit-Klinoenstatit  annehmen.  Sie 
nehmen  auch  an,  daß  hei  langsamer  Abkühlung  mehr  von  der 
monoklinen  Form  des  MgSi03  entstehe.  Beispielsweise  sei  im 
Stein  von  Bishopville  nur  deswegen  so  wenig  Klinoenstatit  vorhanden, 
weil  er  rasch  abgekiihlt  sei2. 

Doch  ergibt  sich  dann  ein  schwer  lösbarer  Widerspruch  insofern, 
als  für  irdische  Gesteine  zweifellos  langsamere  Abkühlung  angenom- 
men werden  muß,  der  Klinoenstatit  sich  jedoch  nicht  bildet,  so  daß 
also  wohl  die  oben  vertretene  Ansicht  mehr  Wahrscheinlichkeit  hat. 

Mineralogisches  Institut  der  Universität  Wien. 


1 E.  T.  Allen,  F.  E.  Wright  and  J.  K.  Clement.  Minerals  of  the 
composition  MgSiOs.  American  Journ.  of  Science.  XXII.  131.  p.  431. 

2 Bei  einer  außerordentlich  raschen  Abkühlung,  wie  sie  erreicht  wird, 
wenn  der  Tiegel  mit  der  Schmelze  unmittelbar  hei  der  Erstarrungstemperatur 
in  ein  Gefäß  mit  Wasser  geworfen  wird,  stellen  sich  tatsächlich  pseudo- 
rhombische Gebilde  ein,  die  jedoch  nur  dadurch  zustande  kommen,  daß  sich 
äußerst  feinstrahlige  Aggregate  bilden,  in  denen  durch  Überlagerung 
Kompensation  eintritt;  an  günstigen  Stellen  läßt  sich  jedoch  der  monokline 
Charakter  der  einzelnen  Fasern  erkennen.  Die  pseudorhombischen  Aggregate 
sind  also  nur  durch  parallele  Aggregation  und  durch  die  Feinheit  der 
Nadeln  bedingt  und  zu  unterscheiden  von  den  durch  langsame  Abkühlung 
erhaltenen  rhombischen  Produkten,  die  ihre  Form  einer  submikroskopischen 
Verzwillingung  verdanken.  In  der  Tat  dürfen  wir  für  die  Meteoriten  wohl 
keine  so  plötzliche  Abschreckung  abnehmen,  sondern  dürfen  eher  mit  einer, 
wenn  auch  noch  immer  raschen,  so  doch  allmählicheren  Abkühlung  rechnen. 
( Dies  wird  beispielsweise  zutreffen,  wenn  wir  als  Ursache  der  Erhitzung 
den  Flug  durch  eine  Atmosphäre  oder  Annäherung  an  einen  Himmelskörper 
annehmen.) 


11* 


164 


Fr.  v.  Pävai-Vajna,  Ueber  sarmatischen  Dacittuff 


Ueber  sarmatisohen  Dacittuff  in  der  Umgebung  von  Nagyenyed 
nebst  einigen  Bemerkungen  zur  Arbeit  des  Herrn  St.  Gaal l. 

Von  Dr.  Franz  von  Pävai-Vajna. 

Mit  3 Textfiguren. 

In  einer  vor  zwei  Jahren  erschienenen  Arbeit2  befaßte  ich 
mich  detaillierter  nur  mit  den  sarmatischen  Ablagerungen  in  der 
NO- Abzweigung  des  Päräu-Bärsä  genannten  tiefen  Grabens.  Ich 
erwähnte  aber  schon  dort,  daß  in  der  Umgebung  von  Nagyenyed 
diese  Ablagerungen  an  mehreren  Stellen  unter  den  jüngeren 
pannonischen  Schichten  zutage  treten. 

Ich  will  mich  hier  in  erster  Reihe  mit  den  Aufschlüssen  in  der 
Talenge  von  Miriszlö  befassen,  da  hier  in  den  gut  aufgeschlossenen 
sarmatischen  Schichten  Tuffeinlagerungen  sichtbar  sind,  auf  Grund 
deren  diese  Ablagerungen,  abgesehen  von  meiner  erwähnten  Arbeit, 
in  der  Literatur  überall  als  dem  Obermediterran  angehörend,  an- 
geführt werden. 

Nördlich  der  Landstraße  in  der  Nähe  der  Komitatgrenze 
sammelte  ich  aus  den  hier  aufgeschlossenen  dicken,  festen  Sand- 
bänken schon  im  Jahre  1909  für  die  sarmatische  Stufe  bezeichnende 
Fossilien.  Ihre  spezielle  Bearbeitung  nahm  ich  aber  erst  jetzt  vor. 
als  ich  die  Lagerungsverhältnisse  dieses  stark  gefalteten  Gebietes 
studierend  erkannte,  daß  die  erwähnten  Tuffbänke  tatsächlich  den 
sarmatischen  Ablagerungen  angehören. 

Unsere  älteren  Forscher  erwähnen  öfters,  daß  in  den  sarmatischen 
Ablagerungen  Tuffschichten  Vorkommen,  doch  sind  dieselben  meistens 
als  Andesittuffe  bezeichnet.  So  umschließen  z.  B.  die  Labradorit- 
Augit-Andesittuffe  im  südlichen  Teil  des  Vihorlat-Gutin-Gebirges 
sarmatische  Fossilien 3,  ebenso  wie  die  Hypersthen-Andesittuffe  bei 
Laäz 4.  Im  Tale  von  Fenycs  enthalten  die  kalkigen  Andesittuffe 


1 St.  Gaal,  Die  Neogenablagerungen  des  Siebenbürger  Beckens.  Dies. 
Centralbl.  1912.  p.  436.  Man  vergleiche  auch  den  Aufsatz  Dr.  W.  Pktra- 
schkok’s,  Die  sieben biirgischen  Enlgasaufschliisse  des  ungarischen  Fiskus. 
Montanistische  Rundschau.  1912.  p.  289.  Aus  diesem  Artikel  ist  zu  ersehen, 
welch  glänzende  Resultate  die  auf  Grund  der  Antiklinaltheorie  angelegten 
Bohrungen  entgegen  den  Behauptungen  GaAls  ergaben. 

Meine  Ausführungen  erschienen  ungarisch  mit  Ausnahme  des  tektoni- 
schen Teils  in  den  Bänyäszati  es  Kohäszati  Lapok.  Berg-  und  Hütten- 
männische Blätter. 

5 Die  geologischen  Verhältnisse  der  Umgebung  von  Olahlapäd.  Fi'ddt. 
Közl.  40  p.  420 

3 Karl  Hofmann,  Bericht  über  die  im  östlichen  Teile  des  Szilägyer 
Komitates  während  der  Sommerkampagne  1878  vollführten  geologischen 
Spezialaufnahmen.  Földt.  Közl.  1879.  9.  p.  280. 

4 Julius  Petkö.  Die  Tertiärbildungen  des  Tehär-Bnroi-Tales.  Aufnahme- 
bericht von  1885.  Jahresbericht  der  kgl.  ung.  geol.  Anst.  1887.  p.  133. 


in  der  Umgebung  von  Nagyenyed  etc. 


165 


ebenfalls  sarmatisclie  Fossilien  Bei  Räkosd  hingegen  linden  wir 
nur  in  den  höheren  sannatischen  Schichten  (No.  9)  den  Schotter 
der  Amphibol- Andesite  der  Berge  bei  Deva 3.  Die  Andesite  der 
Hargita  brachen  sogar  nur  zur  Zeit  der  pannonischen  und  levan- 
tinischen  Ablagerungen  hervor  3. 

Im  allgemeinen  kann  mau,  wie  dies  schon  von  mehreren 
Forschern  konstatiert  wurde,  beobachten,  daß,  von  dem  Szentendre- 
Visegräder  Gebirge  ausgehend,  gegen  0 respektive  SO  zu  wir  linden, 
daß  sich  die  gegen  das  Ende  des  unteren  Mediterrans  beginnenden 
Aiulesitausbrüche  gegen  0 und  SO  zu  sukzessive  bis  in  das  Ende 
des  Tertiärs  fortsetzen,  als  die  Andesitvnlkane  der  westlichen 
Gebiete  wahrscheinlich  schon  längst  erloschen  waren.  Es  erscheint 
deshalb  als  sehr  natürlich,  daß  sich  im  Siebenbürger  Becken  und 
besonders  in  den  sannatischen  Ablagerungen  am  Bande  derselben 
Andesittuffe  vortinden  können,  ja  vielleicht  sogar  vorfinden  müssen. 

Dieser  Umstand  macht  es  nötig,  daß  das  Material  der  einzelnen 
Tulfschichten  im  Siebenbürger  Becken  in  jedem  einzelnen  Falle 
einer  eingehenden  Untersuchung  unterzogen  werde. 

Auch  in  der  Nähe  der  Siebenbürger  Teile  fanden  im  oberen 
Mediterran  Andesitausbriiche  statt4  (Borossebes,  Iviszindia,  Fel- 
menes),  so  daß  wir  auch  schon  in  unseren  obermediterranen 
Ablagerungen  mit  den  jedenfalls  viel  mächtigeren  Dacittuffen  ab- 
wechselnde feine  Andesittuffe  erwarten  können. 

Dasselbe  muß  ich  aber  auch  von  den  Dacittuffen  betreffs  der 
sannatischen  Ablagerungen  sagen.  Die  Dacite  brachen  im  Gebiete 
Siebenbürgens  im  oberen  Mediterran  hervor  (1.  c.  p.  3131,  die 
Daciteruption  des  Csicsöberges  durchbrach  aber  die  Schichten  des 
oberen  Mediterrans  und  die  diesen  eingelagerten  älteren  Dacittuff- 
schichten,  so  daß  dieser  Ausbruch  ganz  am  Ende  des  oberen 
Mediterrans  oder  eventuell  schon  im  Sannatischen  erfolgte.  (Ibid.) 

Im  Tale  der  Weißen  Körös  ist  der  Lajtakalk  von  Xagyag 
bis  Hercegäuy  von  einer  Dacittuffdecke  überlagert5,  so  daß  auch 

1 J.  Petkö,  Das  östliche  Zusammentreffen  des  Kodru-Märn  und 
Hygs-Droisa-Gebirgs.  Jahresbericht  von  1893.  Jahresber.  d.  kgl.  ung 
geol.  Anst.  1893.  p.  76. 

‘ Stefan  Gaal,  Jahresbericht  der  kgl.  ung.  geol.  Anst.  für  1910. 

3 Anton  Koch,  Die  Tertiärbildungen  des  Beckens  der  siebenbürgischen 
Landesteile.  II.  Teil.  p.  316 — 317  des  ungarischen  Textes.  L Both 
v.  Telegd,  Geologischer  Bau  des  siebenbürgischen  Beckens  in  der  Umgebung 
von  Baläzsfalva.  Jahresber.  für  1906.  Jahresber.  d.  kgl.  ung.  geol.  Anst. 
f.  1906.  p.  149. 

4 J.  Petkö.  Die  Tertiärbildungen  des  Fehär-Karös-Tales  zwischen 
dem  Hyges-Droisa-  und  Pleß-Kodru-Gebirge.  Aufnahmebericht  für  1885. 
Jahresber.  d.  kgl.  ung.  geol.  Anst.  f.  1885.  p.  116  — 125. 

s Dr.  M.  Pälfy,  Die  geologischen  Verhältnisse  und  die  Erzlagerstätten 
des  siebenbürgischen  Erzgebirges.  Jahrb.  d.  kgl.  ung.  geol.  Anst.  1911. 
p.  224  des  ungarischen  Textes. 


166 


Fr.  v.  Pävai-Vajna,  lieber  sarmatischen  Dacittuff 


dieser  Dacit  jünger  ist.  Mit  einem  Worte,  es  ist  die  Möglichkeit 
gegeben,  daß  wir  in  den  besonders  am  W-  und  NW-Rande  des 
Siebenbürger  Beckens  vorkommenden  sarmatischen  Ablagerungen 
auch  Dacittuffe  finden. 

Ludwig  Roth  v.  Telegd  erwähnt  in  seinem  Berichte  vod 
1898  im  Zusammenhänge  mit  den  sarmatischen  Schichten  bei 
Örmeuyes  tatsächlich  auch  Dacittuff.  Ebenso  erwähnt  er  in  seiner 
Aufnahme  von  1906  bei  Szäszcsanäd  den  sarmatischen  Ablagerungen 
angehörende  Dacittuffe.  Leider  ist  in  keinem  der  vorkommenden 
Fälle  von  einer  detaillierteren  Untersuchung  die  Rede. 

Als  ich  dann  in  den  in  der  Talenge  von  Miriszlo  aufgeschlossenen 
Ablagerungen  die  sarmatische  Stufe  bezeichnende  Fossilien  gefunden 
hatte,  erregten  die  Lagerungsverhältnisse  wie  auch  das  Material 
der  mit  jenen  zusammenhängenden  Tuffschichten  mein  Interesse  in 
hohem  Grade.  Das  beigefügte  Profil,  welches  ich  auf  Grundlage 
vieler  Messungen  zusammengestellt  habe,  fixiert  die  Lage  der 
Tuffschichten  deutlich  (Fig.  1). 

Mein  Kollege  Dr.  S.  Papp  war  so  freundlich,  die  den  obersten 
Tuffschichten  (I.)  entnommenen  Proben,  unter  welchen  ich  in 
geringer  Entfernung  noch 

Cardium  cf.  plicatum  Eichw.  und 
Trochus  pictus  Eichw. 

gefunden  habe,  mikroskopisch  zu  untersuchen.  Das  Resultat  seiner 
Untersuchungen  ist  das  folgende:  „Auch  die  oberste  Schichte  des 
Miriszloer  Dacittuffs  ist  sehr  feinkörnig.  Makroskopisch  können 
im  graulichweißen  Gestein  kaum  einige  Biotit-  und  Muscovit- 
blättchen  wahrgenommen  werden.  Unter  dem  Mikroskop  kann 
man  in  der  isotropen,  stellenweise  aus  winzigen  Kristallisations- 
produkten bestehenden  Grundmasse  größere,  zerstückelte  Quarz- 
körner,  Plagioklas -Feld  spat- Fragmente,  seltener  chloritisierte 
B i o t i t blättchen  und  Museo vitfetzchen  erkennen.  Die  Quarze 
enthalten  libellenartige  Flüssigkeitseinschlüsse.  In  der  Bindemasse 
kommt  stellenweise  auch  Calcit  vor.“ 

Das  Dasein  von  Plagioklasfeldspaten  und  vulkanischem  Quarz, 
insbesondere  aber  das  letztere  ist  ein  schlagender  Beweis  dafür, 
daß  wir  es  in  diesem  Falle  mit  Dacit-  und  nicht  mit 
Andesittuff  zu  tun  haben.  Nachdem  mir  selbst  die  ent- 
sprechenden Apparate  nicht  zur  Verfügung  gestanden  sind,  habe 
ich  zur  Vervollständigung  der  Untersuchung  den  Herrn  Chemiker- 
aspirant L.  Väsärhelyi  ersucht,  den  Si02-Gehalt  dieses  Tuffs  zu 
bestimmen. 

Väsähheuyi  hat  dieses  seiner  engeren  Heimat  entstammende 
Gestein  mit  einer  peinlichen  Genauigkeit  untersucht  und  dessen 
Si02- Gehalt  in  63,43  °/o  angegeben,  welcher  Kieselsäuregehalt 
noch  immer  auf  Dacit  hin  weist. 


in  der  Umgebung  von  Nagyenyed  etc. 


167 


An  dieser  Stelle  spreche  ich  meinen  genannten  Freunden,  die 
so  uneigennützig  die  Erweiterung  unserer  Kenntnisse  augestrebt 
haben,  meinen  besten  Dank  aus. 

Unter  den  in  der  Miriszloer  Talenge  aufgeschlossenen  Schichten 
sind  das  unterste  mächtige  Tuffschichtenkomplexgewölbe  (III.)  und 
die  darunter  befindlichen,  größtenteils  tonigen  Sedimente  älter. 
Obwohl  ich  in  diesen  Schichten  keine  Fossilien  gefunden  habe, 
muß  ich  doch,  den  dicken  Tuff  in  Betracht  gezogen,  die  darunter 
und  darüber  gelagerten  tonigen  Produkte  als  obermediterran  be- 
trachten. Unmittelbar  auf  ihnen  haben  sich  größtenteils  aus 
Sandeu  bestehende  Schichten  mit  zwei  dünneren  Tuffmittellagerungen 
abgelagert.  In  diesen  Sandeu  sind  gleichfalls  nur  wenig  Fossilien 
vorhanden,  jedoch  sind  in  diesen  dickbankigen,  wenig  kompakten, 
groben  Varietäten  schwach  erhaltene  Fossilienfragmente  häufig 
genug  zu  finden.  Aus  diesen,  über  dem  Weg  gut  aufgeschlossenen, 
dicken  Sandbänken  habe  ich  bisher  folgende  Fossilien  bestimmen 
können: 

Jfactra  sp.  Hydrobia  cf.  Toumoiteri  Mayer 

Ervilia  poddica  Eichw.  Hydrobia  sp. 

Cardittm  cf.  praeplicatum  Hilb.  Morensternia  angulata  Andruss. 
Cardium  sp.  Morensternia  inflata  Andruss. 

Modiola  sp.  Tornatina  ( Bulla)  Lajotikaireana 

Congeria  sp.  Bast,  und 

Trochus  papilla  Eichw.  Heterostegina  costata  d Orb. 

Cristellaria  sp. 


Fig.  1. 

Profil  der  Antiklinale  von  Miriszlö. 


Die  hier  anfgezählten  Fossilien  sind  ebenso  wie  die  aus 
bedeutend  höheren  Schichten  stammenden,  schon  erwähnten  beiden 
Fossilien  ausgesprochen  für  die  sarmatische  Stufe  bezeichnende 
Arten.  Obwohl  die  Heterostegina  costata  genügend  häufig  vorkommt, 
beweist  ihre  starke  Abgewetztlieit  dennoch,  daß  sie  aus  den  medi- 
terranen Sedimenten  hereingewaschen  ist.  Dasselbe  kann  ich  auch 
von  der  anderen,  gut  entwickelten  Foraminifere  sagen.  Übrigens 
können  wir  bei  der  Bestimmung  des  Alters  immer  nur  die  Fauna 
jüngsten  Charakters  berücksichtigen,  und  falls  wir  darauf  achten, 
kann  unsere  Fauna  auch  zur  Bestimmung  eines  noch  engeren 
Zeitraumes  benützt  werden. 

Ich  habe  schon  früher  1.  c.  p.  428)  hervorgehoben,  daß  in 
Olählapäd  das  Fossilienmaterial  der  Fossiliennester,  mit  den  Fossilien 


168 


Fr.  v.  Pävai-Vajna,  Heber  sarmatischen  Dacittuff 


der  sie  einschließenden  Schichten  verglichen,  einen  Unterschied 
aufweist,  insofern  dort  auf  tieferes  Sarmatikum  hinweisende 
Ser  pulen,  Ervilien,  Hydrobien  und  Bullen  die  Haupt- 
rolle spielen.  Es  stammen  diese  fossilienführenden  Blöcke  aus 
den  untersten  sarmatischen  Schichten.  In  der  jetzigen  Fauna 
kommen  Ervilien,  Hydrobien  und  Bullen  in  der  größten 
Individuenzahl  vor.  Folglich  kann  ich  die  untersten  sarmatischen 
Schichten  in  der  Miriszloer  Talenge  als  anstehend  konstatieren, 
was  sowohl  den  Lagerungsverhältnissen  als  auch  jener  Analogie 
entspricht,  welche  deren  Fauna  und  auch  die  Fauna  der  aus- 
ländischen gleichaltrigen  Sedimente  aufweisen,  wo  manche  Individuen 
noch  an  das  Obermediterran  erinnern. 

Jedenfalls  ist  es  wünschenswert,  daß  wir  uns  durch  weitere 
Fortsetzung  der  Forschungen  an  eben  dieser  Stelle  davon  über- 
zeugen, ob  auch  bei  uns  die  Übergangs-Buglowaschichten  und  die 
untersten  sarmatischen  Sedimente  (volhynische  Schichten)  jede  für 
sich  unterschieden  werden  können,  wie  das  schon  in  Bußland 1 
und  in  Rumänien2  und  auch  an  der  Grenze  unseres  Vaterlandes, 
in  der  Bucht  von  Bahna,  festgestellt  worden  ist3.  Vielleicht 
gelingt  es  mir  noch  in  der  Zukunft,  an  dieser  Stelle,  welche  in 
betreff  der  sarmatischen  Sedimente  so  lehrreich  erscheint,  aus- 
führlichere Untersuchungen  zu  bewerkstelligen.  Vorläufig  fixiere 
ich  schon  hier,  daß  in  der  Miriszloer  Talenge  die 
untersten  sarmatischen  S e d i m e u t e , die  sogenannten 
volhynischen  Schichten,  anstehend  vorhanden  sind 
und  innerhalb  deren  noch  Dacittuffschichten  Platz 
nehmen,  folglich  haben  sich  die  Siebenbürger 
Daciter uptionen  auch  noch  im  unteren  Sarmatikum 
fortgesetzt. 

Auf  neuere  Vorkommen  von  sarmatischen  Schichten  bin  ich 
in  den  neueren  Rodungen  des  Olählapäder  Waldes  in  den  rechts- 
seitigen Nebeuzweigen  des  Päräu-Bärsä  gestoßen.  Diese  neueren 
Vorkommen  haben  meine  Ansicht,  daß  von  Nagyenyed  unmittelbar 
gegen  NW  sich  die  sarmatischen  Ablagerungen  in  einem  zusammen- 
hängenden Schichtenkomplexe  unter  den  obermediterranen  und 
pannonischen  Sedimenten  befinden,  noch  mehr  befestigt. 

Südlich  von  dem  tiefen  Einschnitte  des  Päräu-Bärsä  habe  ich 
den  ersten  Ausbiß  im  tiefen  Graben  des  Pävai- Waldes,  gleich 
nördlich  von  der  Lichtung,  welche  sich  auf  der  Generalstabskarte 
1 : 25  (>00  bei  der  Gote  365  befindet,  gefunden.  Hier  tritt  in  der 
Grabensohle  unter  den  pannonischen,  gelben  sandigen  Tonen  eine 
feinkörnige  Konglomeratbank  auf,  in  welcher  genügend  schwach. 

1 W.  Laskarew,  Die  Fauna  der  Buglowascbichten  in  Volhynien. 

1 G.  Murgoci,  Tertiarul  din  Oltenia.  Annuarul  1907. 

8 G.  Wacovei,  Basinul  tertiär  de  la  Bahna.  Annuarul  1909. 


in  der  Umgebung  von  Nagyenyed  etc. 


169 


erhaltene  Fossilien  vorhanden  sind,  von  welchen  icli  folgende 
bestimmt  habe: 


Mactrci  sp.  Cerithium  pictmn  Bast. 

Tapes  gregaria  Partsch  (=  Potamides  mitralis) 

Modiola  sp.  Cerithium  rubiginosum  Eichw. 

Murex  sp.  (cf.  suhlavatus  Bast.)  Troclius  podolicus  Dub. 

In  dem  von  der  schon  erwähnten  Lichtung  (Urik.)  nordwestlich 
hinziehenden  Graben  tritt  unmittelbar  unter  den  gelben  panuonischen 
Schichten  eine  dem  soeben  behandelten  Konglomerat  ähnliche  Bank 
zutage.  Hier  dominiereu  aber  schon  nicht  mehr  die  Cerithien, 
sondern  die  Modioien.  Eine  auf  der  Grabensohle  liegende 
mächtige  Scholle  ist  voll  von  Bruchstücken  der  Modiola  und 
Cardium  sp.,  aus  welchen  man  aber  leider  die  einzelnen  Arten 
kaum  genau  bestimmen  kann.  Die  A/orf/o/rt-Schalenfragmente  weisen 
hauptsächlich  auf  Modiola  voThynica  Eichw.  hin. 

In  der  anstehenden  Konglomeratbank  waren  die  Fossilien 
derart  schlecht  erhalten,  daß  man  nur  folgende  bestimmen  konnte : 


Ervilia  cf.  pusilla  Phil. 
Tapes  gregaria  Partsch 
Tapes  sp. 

Cardium  obsoletum  Eichw. 


Cardium  sp. 

Modiola  sp. 

Cerithium  pictum  Bast. 

(=  Potamides  mitralis) 
Hg  drob  ia  sp. 


In  dem  von  der  Cote  365  direkt  westlich  laufenden  Graben 
habe  ich  in  den  sandigen  Ablagerungen  unter  den  panuonischen 
Schichten  gleichfalls  Cardium-  und  il/orffoZa-Schalenfraginente  ge- 
funden. Infolgedessen  kann  ich  in  bezug  darauf,  daß  sowohl  in 
den  Haupttälern,  wie  im  Maros-Tale,  den  Tälern  des  Örmenyeser  l, 
Miriszlöer  (Pävai,  1.  c.  p.  426),  Olählapäder  (ibid.  p.  426)  und 
Felenyeder  (Koch,  1.  c.  p.  316—317)  Baches,  ja  sogar  auch  schon 
in  deren  Nebenverzweigungen  an  mehreren  Stellen  die  sarmatischen 
Bildungen  bekannt  sind,  aussprechen,  daß  von  Nagyenyed 
gegen  NW  eine  lange  Strecke  hindurch  die  sar- 
matischen Ablagerungen,  wie  es  scheint,  in  einer 
zusammenhängenden  Schichte  zwischen  den  panno- 
n i s c h e n und  obermediterranen  Ablagerungen  vor- 
handen sind. 

Was  nun  aber  die  kürzlich  erwähnten  Fossilien  betrifft, 
obwohl  diese  auf  Grnndlage  meiner  in  Päräu-Bärsä  erworbenen 
Erfahrungen  (1.  c.  p.  426)  mangelhaft  sind,  so  weisen  sie  auf 
jene  Sedimente  hin,  in  welchen  hauptsächlich  die  Tapes, 
Cerithien  und  Trochus  vorherrschen  und  in  welchen  die 
Serpulen-,  Hydrobien-  und  Bullen -führende  Blöcke  schon 


1 Ludwig  Roth  y.  Telegd,  Der  NO-Rand  des  siebenbiirgischen  Erz- 
gebirges in  der  Umgebung  von  Vidaly,  Nagy-Oklos,  Oiäh-Räkos  und  Örmönyes. 
Jahresbericht  für  1898.  Jahresber.  d.  kgl.  ung.  geol.  Anst.  f.  1898.  p.  101. 


170 


Fr.  v.  Pävai-Vajna.  Ueber  sarmatischen  Daciituff 


als  sekundär  hereingewaschen  eine  Rolle  spielen.  Dieser  letztere 
Umstand  weist  jedenfalls  darauf  hin,  daß  das  weitere  eingehende 
Studium  dieser  Sedimente  zur  Erkennung  von  größeren  Alt  er  s- 
und  Lagerungsunterschieden  führen  kann. 

Neben  dieser  Tatsache  dürfen  wir  nicht  nur  so  einfach  vorüber- 
schreiten. Ich  habe  nach  meinem  besten  Wissen  festgestellt,  daß 
in  jenem  Sedimentkomplex,  in  welchem  die  erwähnten  Schollen 
vorhanden  sind,  die  für  die  pannonische  Stufe  charakteristischen 
großen  Congerien  ( Partschi , ornithopsis  subglobosa  etc.)  und  Melanopsen 
( vindobonensis , Martimana)  überhaupt  nicht  Vorkommen.  Hingegen 
schließen  sie  in  großer  Menge  die  Fossilien  des  Sarmatikums  in  sich 
ein  und  sind  folglich  ebenfalls  sarmatisclie  Ablagerungen.  Ich  glaube, 
daß  nicht  die  vaterländischen  sarmatischen  Bildungen  daran  schuld 
sind,  daß  wir  sie  nicht  in  die  ihnen  gebührenden  Stufen  einreihen 
können,  sondern  die  ungarischen  Geologen,  da  bis  heute  doch  nie- 
mand die  vaterländischen  sarmatischen  Ablagerungen  einem  wirk- 
lich ernsten  Studium  unterworfen  hat.  Unser  bisheriges  Wissen 
besteht  nur  aus  zerstreuten  Daten,  Details,  welche  uns  vielleicht 
noch  immer  nicht  dazu  berechtigen,  um  die  höheren  sarmatischen 
Bildungen  ausschließen  zu  können.  Denn  wo  steht  es  geschrieben, 
daß  sicli  auch  bei  uns  genau  dieselben  Arten  entwickeln  mußten, 
wie,  sagen  wir,  auf  den  russischen  Gebieten?  Ich  bin  überzeugt, 
daß  derjenige,  der  unsere  sarmatischen  Fossilien  eingehend  studieren 
wird,  neben  den  vielfach  aufgezählten  Schablonen  noch  viele  neue 
Arten  finden  wird,  vielleicht  auch  solche,  welche  dort  drüben  vor- 
handen sind.  Endlich  kann  man  auch  nicht  ableugnen,  daß  an 
manchen  Stellen,  wie  auch  bei  Olählapäd  im  Päräu-Bärsä,  zwischen 
den  Ablagerungen  der  sarmatischen  und  pannonischen  Stufe  die 
Überreste  einer  Erosionszeit  zu  sehen  sind.  An  andei’en  Stellen 
jedoch  spricht  man  von  einem  sukzessiven  Übergang,  woraus  un- 
willkürlich folgt,  daß  wir  noch  sehr  viele  und  sehr  eingehende 
Detailstudien  machen  müssen,  bis  es  uns  erlaubt  ist,  über  das 
gesamte  ungarische  Sarmatikum  eine  ernste  Ansicht  auszusprechen. 

Zu  weiteren  Studien  bietet  sich  als  geeignetes  Terrain  auch 
die  Umgebung  von  Nagyenyed,  nachdem  ich  dort  neuerdings  noch 
auf  ein  interessantes  Vorkommen  gestoßen  bin,  wo  sich  allem  An- 
schein nach  tatsächlich  auch  schon  die  jüngeren  Bildungen  den 
sarmatischen  Fossilien  beimengen.  Leider  konnte  ich  dieses  Gebiet 
bisher  nicht  sorgfältiger  durchstudieren  und  ausbeuten;  die  süd- 
westlich von  Tinöd  aus  groben  Sauden  flüchtig  aufgelesenen  Fossilien 
sind  aber  sehr  schwach  erhalten.  Dieses  neuere  Vorkommen  von 
sarmatischen  Ablagerungen  befindet  zieh  nämlich  dort,  wo  sich 
zwischen  Tinöd  und  der  Gote  366  der  Feldweg  auf  die  hohe 
Pliocänterrasse  hinaufzieht,  beiläufig  in  der  mittleren  Höhe. 

Hier  sind  häufig  die  Cardien  vorhanden,  unter  denen  mehrere 
noch  am  meisten  dem  Cardium  obsoletum  Eichw.  gleichen,  zwei 


in  der  Umgebung  von  Nagyenyed  etc. 


171 


andere  aber  dem  Cardium  Novdkovsliyi  varietas  „elongata“  „ßu 
Andrussow’s  welclie  schon  in  den  hohen  Aktschagylschichten 
vorkommt.  Bedauerlich  ist  es,  daß  die  starke  Korrodation  keine 
genauere  Bestimmung  erlaubt  hat.  Auch  ist  es  mir  gelungen, 
zwei  Congerienbruchstiicke  zu  sammeln,  jedoch  sind  auch  diese  sehr 
mangelhaft  erhalten  und  so  kann  ich  höchstens  nur  so  viel  be- 
merken, daß  das  eine  Fragment  an  Congeria  Bat.uti  Brus,  erinnert. 

Wenn  es  mir  späterhin  möglich  sein  wird,  entsprechendes 
Material  zu  sammeln,  dürfte  ich  auch  höchstwahrscheinlich  zu 
einem  genauen  Resultate  gelangen  darüber,  ob  sich  hier  den  Akt- 
schagylschichten oder  schon  den  ebenfalls  russischen  politischen 
Ablagerungen  von  Schemacha  entsprechende  Bildungen  abgelagert 
haben.  Die  Cardien  weisen  nämlich  einigermaßen  auf  die  hier 
vorkommenden  Gestalten 1  2,  was  aber  nur  im  Besitze  eines  besseren 
Materials  entschieden  werden  kann,  und  stehen  wir  heute  hier  noch 
vor  einer  ganz  offenen  Frage.  Im  Zusammenhang  hiermit  mache 
ich  die  Bemerkung,  daß  ich  an  der  Südseite  der  nördlich  gelegenen 
Cote  329  tatsächlich  schon  stark  gefaltete  fossilienführende  unter- 
pannonische  Schichten  gefunden  habe  mit  den  Fossilien : Limno- 
carditnn  Andrussowi  var.  spinosum  Lör.  , Lininocardium  cf.  V/dco- 
tinovici  Brus.,  Limnocardium  Syrmicnse  R.  Hörxes  und  Congeria 
banatica  R.  Hörnes.  Wenn  wir  aber  die  bei  Nagyenyed  befind- 
lichen intensiven  Schichtenfaltungen  in  Betracht  nehmen,  halte  ich 
es  für  wahrscheinlich,  daß  es  mir  auch  an  anderen  Stellen  ge- 
lingen wird,  die  sarmatischen  Ablagerungen  eingekeilt  vorzufinden. 
So  können  z.  B.  zwischen  dem  Viehmarkt  und  der  Station  in  der 
Gegend  der  Cote  267,  mit  Berücksichtigung  der  dort  immer  häufiger 
auftretenden  Tuffschichten,  nicht  überall  paniionische  Ablagerungen 
vorhanden  sein,  wir  müssen  vielmehr  dem  Beispiele  der  Miriszloer 
Talenge  gemäß  eben  an  sarmatisclie  und  obermediterrane  Ablage- 
rungen denken.  Diese  meine  Behauptung  dürfte  in  der  Zukunft 
bekräftigt  werden,  jedoch  nur  durch  eine  peinliche  Detailaufnahme, 
weil  man  in  einem  derart  gefalteten  und  erodierten  Terrain  sehr 
leicht  die  Ablagerungen  der  einen  oder  anderen  Stufe  übersehen 
kann,  was  nur  Mißverständnisse  erregen  könnte. 

Ich  habe  auch  schon  darauf  hingewiesen  (1.  c.  p.  426),  daß 
die  am  rechten  Marosufer  gefundenen  sarmatischen  Sedimente  auch 
am  linken  Ufer  vorhanden  sind.  Die  petrographische  Ähnlichkeit 
und  besonders  die  stark  gestörten  Lagerungsverhältnisse  erschweren 
freilich  auch  dort  die  genaue  Absonderung. 

Was  nun  den  Kontakt  der  sarmatischen  Ablagerungen  mit  den 
Ablagerungen  der  unterpannonischen  Stufe  betrifft,  so  muß  ich 


1 Andrussow,  Beiträge  zur  Kenntnis  des  kaspischen  Neogen.  Die 
Aktschagylschichten.  Taf.  V.  Fig.  22. 

2 Andrussow.  Pontische  Schichten  des  Schemachinischen  Distriktes. 


172 


Fr.  v.  Pävai-Vajna,  lieber  sarmatischen  Dacittuff  etc. 


auch  liier  hervorheben,  daß  wir  stellenweise,  wie  z.  B.  im  Oläli- 
lapäder  Traväs- Walde  und  überhaupt  vom  Dorfe  gegen  NW  zwi- 
schen den  Ablagerungen  der  beiden  Stufen  die  deutlichen  Spuren 
einer  Erosionsperiode  erblicken  können,  außerdem  ist  auch  noch 
die  petrographische  Verschiedenheit  ins  Auge  fallend,  dann  weisen 
auch  die  Fossilien  eine  ganz  andere  Type  auf.  Neuerdings  habe 
ich  auch  zwischen  den  tonigen  Ablagerungen  Unterschiede  im  Ein- 
fallen entdeckt,  welche  auf  Diskordanz  beruhen,  abgesehen  von  der 
großen  Farben  Verschiedenheit,  welche  zwischen  den  tonigen  Schichten 
der  sarmatischen  und  pannonischen  Stufe  sehr  gut  sichtbar  ist. 
Ich  muß  mich  daher,  im  Interesse  der  Tatsache,  entschieden  gegen 
jene  Behauptung  des  Herrn  Dr.  Stephan  Gaäl’s  verwahren,  daß 
auch  in  Olahlapäd  ein  sukzessiver  Übergang  zwischen  den  sarma- 
tischen und  pannonischen  Ablagerungen  vorhanden  ist,  wie  ich  dies 
aus  einzelnen  Teilen  seines  letzthin  auch  dieses  Thema  bekritteln- 
den Artikels,  zu  meinem  Bedauern,  herauslesen  muß.  Mein  Be- 
dauern begründet  sich  dadurch , daß  ich  Herrn  Gaäl  persönlich 
an  jene  Stellen  geführt  habe,  wo  die  Erosionsspuren  zwischen  den 
Ablagerungen  der  sarmatischen  und  pannonischen  Stufe  am  deut- 
lichsten sichtbar  sind  und  auch  die  petrographische  und  faunistische 
Verschiedenheit  am  größten  ist.  Mein  Trost  ist  aber,  daß  Herr 
Direktor  v.  Loczy  meine  Beobachtung  betreffs  der  Erosion  auch 
dort  bekräftigt  hat,  wo  diese  weniger  augenscheinlich  ist,  nicht 
minder  aber  auch  das  Bewußtsein , daß  die  Beobachtungen  des 
Herrn  Gaäl,  insbesondere  aber  jene,  welche  sich  auf  meine  Ab- 
handlung beziehen,  beinahe  durchaus  irrig  sind.  Wir  dürfen  uns 
aber  über  solche  Irrtümer  nicht  verwundern,  wenn  wir  wissen, 
daß  er  derartig  kurzsichtig  ist,  daß  er  eine  Rutschung  für  einen 
diapiren  Kern,  ein  am  Wasser  schwimmendes  eisenhaltiges 
Häutchen  für  Petroleum,  die  Donax  dentigera  für  V.  lucida 
angesehen  hat.  Nur  könnte  man  erwarten,  daß  er  solche  Arbeiten, 
zu  deren  Durchführung  ein  scharfes  Auge  nötig  ist,  nicht  bekritteln 
wird,  auch  dann  nicht,  wenn  der  Betreffende  Privatdozent  einer 
Universität  ist.  Dieser  Titel  bietet  bei  weitem  noch  nicht  die  Be- 
rechtigung, ohne  jedwede  Begründung  solche  Tatsachen  in  Ab- 
rede zu  stellen,  welche  Andere,  man  kann  sagen,  mit  großer  Be- 
mühung festgestellt  haben.  Meines  Wissens  pflegt  keine  ernste, 
wissenschaftliche  Arbeit,  um  so  weniger  eine  Kritik,  durch  Ver- 
drehungen Verwirrungen  hervorzurufen  oder  eine  Polemik  zu  ver- 
anlassen. Im  Artikel  des  Herrn  Gaäl  Anden  wir  leider  dies  alles 
und  als  ewig  dankbarer  Schüler  des  Herrn  Prof.  Koch  kann  ich 
nur  bedauern,  daß  gerade  in  dem  zu  seinen  Ehren  herausgegebenen 
Gedenkbuche  dergleichen  Dinge  Vorkommen,  worauf  hinzuweisen 
ich  gerade  im  Interesse  derjenigen  Wissenschaft  bemüßigt  bin, 
mit  deren  Grundprinzipien  er  mich  bekannt  gemacht  hat. 

(Schluß  folgt.) 


E.  Wepfer,  Ueber  das  Vorkommen  von  „Cyprina  islandica“  etc.  173 

Ueber  das  Vorkommen  von  „Cyprina  islandica"  im  Post- 
pliocän  von  Palermo. 

Von  E.  Wepfer  in  Freiburg  i.  B. 

Cerulli-Irelli  , der  die  dankenswerte  Aufgabe  übernommen 
hat,  die  Fauna  des  Mte.  Mario  monographisch  zu  bearbeiten  (s. 
Palaeontogr.  italica  1907  u.  ff.),  beschreibt  u.  a.  auch  das  Vor- 
kommen der  Cyprina  islandica  L und  weist  meines  Erachtens  ganz 
einwandfrei  nach,  daß  zwischen  den  Formen  im  Postpliocän  des 
Mte.  Pellegrino  bei  Palermo  und  denen  des  Mte.  Mario  keine 
solchen  Unterschiede  bestehen,  die  eine  Trennung  rechtfertigen 
würden.  Auch  ich  habe  mich  an  mehreren,  z.  T.  in  Ficarazzi 
bei  Palermo  selbst  gesammelten  Exemplaren  überzeugt,  daß  die 
Gestalt  der’  Schalen , ja  auch  die  Bezahnung  bei  den  einzelnen 
Individuen  schwankt,  daß  demnach  auf  geringe  Unterschiede  hierin 
kein  großer  Wert  gelegt  werden  darf.  Auch  kann  nicht  verkannt 
werden , daß  die  nordische  C.  islandica  nach  den  von  Cerulli- 
Irelli  (1.  c.)  gegebenen  Maßen  kaum  davon  zu  trennen  ist. 

Ohne  Zweifel  ist  es  an  und  für  sich  recht  auffällig,  daß 
nordische  Formen  an  der  Nordküste  Siziliens  zu  einer  Zeit  gelebt 
haben , da  das  Meer  von  noch  jetzt  im  Mittelmeer  lebenden 
Schnecken,  Muscheln  u.  a.  geradezu  wimmelte.  Diese  Annahme 
wird  unterstützt  durch  die  Tatsache,  daß  diese  für  nordisch  er- 
klärten Formen  jetzt  im  Mittelmeer  nicht  mehr  leben,  oder,  wie 
di  Monterosato  (Catalogo  delle  Conchiglie  fossili  di  Mte.  Pelle- 
grino et  Ficarazzi  presso  Palermo.  Boll.  Com.  8.  1877)  sich  vor- 
sichtiger ausdrückt,  noch  nicht  gefunden  sind,  — allerdings  lebt 
Pectuncidus  glycymeris  im  Adriatischen  Meer,  und  Fusus  (Ncptunea) 
sinistrorsa  ist  in  zwei  Exemplaren  an  der  algerischen  Küste  gefischt 
worden!  — (Meli:  Boll.  soc.  geol.  1894.  p.  166  ff. ) 

Eine  solche  Tatsache  an  und  für  sich  sagt  aber  wenig ; denn 
wir  sind  ja  auch  heute  noch  nicht  imstande,  jedesmal  Gründe  da- 
für anznführen,  warum  eine  lebende  Meeresfauna  ganz  bestimmte 
Plätze  bevorzugt,  während  sie  andere,  die  für  unsere  Sinne  die 
gleichen  Lebensbedingnngen  bieten,  meiden.  Daß  dies  auch  früher 
der  Fall  war,  das  lehrt  uns  das  Vorkommen  bezw.  Nichtvorkommen 
der  Fossilien  des  öfteren,  und  daß  sich  diese  Verteilung  im  Laufe 
der  Zeit  ändern  kann,  ohne  daß  wir  mangels  ersichtlicher  Gründe 
hierfür  irgendwelche  zu  wenig  belegte  Hypothesen  substituieren 
dürfen,  ist  klar. 

Ist  es  tatsächlich  Cyprina  islandica  L. , die  zur  Diluvialzeit 
an  der  sizilianischen  Küste  gelebt  hat,  so  ist  jedes  weitere  Wort 
gegen  die  Hypothese  einer  Abkühlung  des  Meeres  infolge  des  all- 
gemeinen Sinkens  der  Temperatur  überflüssig 

„C.  islandica  L.“  vom  Mte.  Mario  und  (die  ohne  Zweifel  da- 
zugehörige) von  Palermo  variieren  erheblich  in  der  äußeren  Form, 


174 


E.  Wepfer,  Ueber  das  Vorkommen 


und  ebenso  tut  dies  C.  islandica  L.  etwa  aus  dem  Varanger  Fjord,  oder 
aus  den  alten  Meeresterrassen  bei  Tromsö,  und  zwar  nicht  mehr, 
als  dies  auch  bei  andern  Muscheln  Vorkommen  kann.  Es  fragt 
sich  nur,  wie  weit  die  Variationsmöglichkeit  einer  C.  is- 
lanclica , oder  allgemeiner  einer  Cyprina  (wie  z.  B.  der  C.  rotundata 
aus  dem  Mainzer  Meeressand)  überhaupt  gehen  kann , ohne  daß 
eine  wie  die  andere  aussieht ! 

Sacco  gibt  in  dem  großen  Werk:  I m oll usclii  dei  ter- 
r e n i terziari  d e 1 Piemonte  e d e 1 1 a L i g u r i a , an  , daß 
C.  islandica  L.  im  Astiano  und  Piacenziano  d.  i.  im  älteren 
Pliocän  zu  Hause  ist  und  Gignoux  (Sur  la  classiücation  du  Plio- 
cene  et  du  Quaternaire  dans  l’Italie  du  Sud-Comptes  rendus  Acad. 
Sc.  Paris.  29  mars  1910)  entnehme  ich  die  Angabe  über  das  Vor- 
kommen von  C.  islandica  im  älteren  Pliocän  von  Algier.  Sacco’s 
Abbildungen  (Teil  XXVIII.  Taf.  II,  1 . 2)  stimmen  sehr  gut  mit 
rezenten  Exemplaren  dieser  Spezies  vom  Varanger  Fjord;  ich 
wüßte  keinen  Unterschied  namhaft  zu  machen.  Zwischen  den  im 
Umriß  ziemlich  variierenden  Cyprinen  aber,  die  Cerulli-Irelli 
4-  c.  Taf.  VII,  3- — 10;  VIII,  1.  2)  aus  dem  Pliocän  des  Mte.  Mario 
abbildet  und  denen  des  Piemont  einen  Strich  zu  ziehen , wäre 
unzulässig. 

Wir  haben  also  die  Reihenfolge:  1.  C.  islandica  im  älteren 
Pliocän  des  Piemont  (und  Algier)  und  in  den  Schichten  des 
Mte.  Mario,  2.  C.  islandica  in  den  entschieden  jüngeren  Schichten 
von  Ficarazzi  (ob  man  diese  nun  dem  Pliocän  oder  dem  Diluvium 
zurechnen  will).  Sacco  vervollständigt  in  dem  obengenannten 
Werk  diese  Reihe  zu  folgender  Stammreihe: 

Lebend : C.  islandica  L. 

Pliocän : C.  islandica  L. 

Miocän : C.  rotundata  A.  Br. 

Oligocän  : C.  perovalis  Koen.  j C.  rotundata  A.  Br.  — C.  scutellaria  Lk. 
Eocän : C.  lunulata  Desh.  i C.  scutellaria  Lk. 

Dieser  Stammbaum  ist  sehr  einleuchtend,  ganz  sicher  aber 
scheint  mir  zum  mindesten  die  direkte  Weiterentwicklung  von 
C.  islandica  aus  dem  älteren  Pliocän  des  Piemont  und  vom  Mte. 
Mario  zu  derjenigen  aus  den  Schichten  von  Ficarazzi.  In  dem 
Auftreten  von  C.  islandica  (u.  a.)  schon  im  mediterranen 
Pliocän  soll  aber  — und  das  ist  die  herrschende  Anschauung, 
wie  sie  z.  B.  auch  in  Kayser’s  Lehrbuch  Ausdruck  lindet  — ein 
Beweis  für  die  zunehmende  Abkühlung  des  Klimas 
zu  Ende  der  Tertiär  zeit  liegen.  Nun  kommt  aber  C.  is- 
landica bereits  im  unteren  Pliocän  des  Piemont  vor  (s.  o.,  nach 

1 p.  12  heißt  es:  „Credo  perö  che  il  suo  valore  stratigraiico  sia 
minore  di  quanto  alcuni  vollevo  att.ribuirgli“. 


von  „Oyprina  islandica“  im  Postpliocän  von  Palermo. 


175 


Sacco  im  Piacenziano  und  Astiano),  d.  h.  zu  einer  Zeit,  da  bei 
uns  noch  stellenweise  Edelkastanie  und  Lorbeer,  in  Südfrankreich 
aber  noch  Palmen  (Chamaerops  und  Sabal)  gedeihen.  Ob  man 
angesichts  dieser  klimatischen  Verhältnisse,  die  günstiger  als 
unsere  jetzigen  waren,  bereits  das  Auftreten  „nordischer“  Formen 
auf  das  Konto  der  in  ferner  Zukunft  kommenden  Eiszeit  setzen 
darf,  scheint  mir  sehr  zweifelhaft.  Auch  im  nordischen  Pliocän, 
z.  B.  von  England,  tritt  C.  islandica  auf,  und  zwar  bereits  in 
den  ältesten  Schichten,  dem  Coralline  Crag,  besonders  aber  in  dem 
Red  Crag,  der  im  Alter  dem  älteren  Pliocän  etwa  Südfrankreichs- 
am  Mt.  Luberon  mit  Hipparion  etc.  entsprechen  soll  (cf.  Deperet  : 
Sur  Läge  absolu  des  faunes  ä Mammiferes  pliocenes  du  Plateau 
central  et  des  eruptions  volcaniques  contemporains.  Bull.  soc.  geol- 
de  France.  1893.  p.  XCIV  ff.).  Dieses  Vorkommen  wäre  demnach 
genau  gleichalterig  dem  in  Piemont,  und  man  müßte  dann,  der 
üblichen  Methode  folgend,  an  irgendeine  Meeresverbindung  denken, 
die  C.  islandica  zu  einem  Vorstoß  nach  dem  „abgekühlten“  Süden 
benutzt  hätte. 

Ich  habe  bereits  eingangs  daran  erinnert,  daß  wir  den  Grund 
für  gewisse  Wanderungen  nicht  stets  einzusehen  vermögen;  wenn 
aber  eine  boreale  Form,  wie  es  C.  islandica  heute  ist,  in  ein  südliches 
Klima  auswandert,  so  ist  sie  eben  dort  keine  boreale  Form 
mehr,  sie  hat  sich  dem  neuen  Klima  angepaßt,  und  alle  Schlüsse 
auf  das  Klima,  die  man  aus  ihrem  Auftreten  zieht,  sind  hinfällig. 

Interessant  ist  das  Vorkommen  der  C.  islandica  im  Pliocän 
des  Piemont  und  des  Mte.  Mario  in  anderer  Beziehung:  Entweder 
wir  glauben  an  ihre  Wanderung  nach  dem  Süden  zur  Pliocänzeit, 
dann  sehen  wir  in  ihr  ein  Beispiel  dafür,  daß  diese  Form,  die 
heute  boreal  ist,  recht  anpassungsfähig  war.  Ihre  damals  größere 
Verbreitung  bietet  nichts  besonders  Auffallendes , wenn  man  die 
Klimafrage  außer  acht  lassen  kann,  und  so  gliedert  sich  ihr 
Vorkommen  im  Pliocän  von  Italien  und  Diluvium  von  Sizilien 
ganz  zwanglos  in  den  von  Sacco  anfgestellten  Stammbaum  ein. 
Die  andere  Möglichkeit  aber  liegt  einerseits  in  der  erheblichen 
Variationsbreite  der  Art  C.  islandica,  anderseits  in  der  großen 
Ähnlichkeit,  die  große  Cyprinen  untereinander  haben;  mit  anderen 
Worten:  es  ist  durchaus  nicht  gesagt,  daß  die  als  „ C . islandica  L. “ 
bezeichneten  Formen  des  piemontesischen  und  römischen  Pliocäns, 
sowie  des  sizilischen  Diluviums  wirklich  dieser  Art  angehören, 
sondern  sie  sind  eben  Abkömmlinge  von  Cyprinen  aus  älteren 
Tertiärschichten,  und  bei  der  für  große  Formen  der  Gattung 
Cffprina  ziemlich  beschränkten  Variationsfähigkeit  haben  sich  die- 
selben Formen  der  Schale  in  verschiedenen  Meeren  wiederholt. 

Daß  wir  im  Pliocän  Siziliens  keine  Cyprina  finden,  die  als 
Vorfahre  der  „unmittelbar  auftretenden  C.  islandica “ gelten  könnte, 
ist  mit  als  Beleg  für  die  Einwanderung  zur  Diluvialzeit  aus  dem 


176 


E.  Wepfer,  Ueber  das  Vorkommen 


Norden  herangezogen  worden,  in  Wirklichkeit  aber  ganz  un- 
wesentlich: — wenn  wir  erwarten  könnten,  immer  gleich  an  Ort  und 
Stelle  die  Vorfahren  einer  Form  in  der  nächstälteren  Ablagerung 
zu  linden,  so  stünde  es  gut  um  unsere  Wissenschaft!  — Die  Vor- 
fahren liegen  in  diesem  Fall  im  Pliocän  vom  Mte.  Mario  und  dem 
des  Piemont,  und  deren  Vorfahren  wiederum  mögen  C.  rotundata 
u.  a.  sein,  — zugleich  auch  die  Stammeltern  unserer  subfossilen 
und  rezenten  C.  islandica  der  nördlichen  Meere. 

Von  einem  allmählichen  Vorrücken  der  „C.  islandica“  nach 
dem  Süden  von  der  Pliocänzeit  ab  bis  ins  Diluvium  kann  demnach, 
da  sie  ja  bereits  im  älteren  Pliocän  von  Algier  (s.  o.)  vorkommt, 
nicht  die  Rede  sein,  abgesehen  davon,  daß  eine  solche  Wanderung 
nur  eine  scheinbare  sein  könnte  (sie  kann  wirklich  durch  die 
Lückenhaftigkeit  der  Überlieferung  vorgetäuscht  werden):  — durch 
diese  Ausführungen  scheint  mir  erwiesen,  daß  der  „C.  islandica “ 
in  Sizilien  zu  viel  Bedeutung  beigelegt  worden  ist. 

Von  den  übrigen,  durch  di  Monterosato  (1.  c.)  u.  a.  als 
boreal  bezeichneten  Arten  kommt  Pectunculus  glycymeris  nach 
PERunra-lRELLi  (1.  c.  1907.  p.  118)  am  Mte.  Mario  vor,  in  Formen, 
die  er  mit  solchen  aus  dem  Postplioeän  der  Insel  Rhodos  ver- 
gleichen konnte,  und  lebt  ferner  im  Adriatischen  Meer.  Dosinia 
lupinus  var.  lincta  findet  sich  nach  demselben  nicht  nur  am  Monte 
Mario  (1.  c.  1908.  p.  46/47),  sondern  nach  Sacco  (1.  c.  Teil  XXVIII. 
p.  49)  auch  im  Astiano  und  Piacenziano  des  Piemont;  Pecten 
septemradiatus  kommt  nach  Sacco  (1.  c.  Teil  XXIV.  p.  38)  in  den- 
selben Stufen  des  älteren  Pliocän  vor  und  ebenso  Trochus  cinereus 
im  Astiano  (1.  c.  Teil  XXI.  p.  24). 

Freilich  sind  noch  zwei  Arten  vorhanden,  die  besonders 
schwer  zugunsten  der  nordischen  Einwanderung  ins  Gewicht  fallen1 : 
es  sind  Mi/a  truncata  und  Panopaea  norvegica,  die  im  italienischen 
Pliocän  offenbar  fehlen  und  vielleicht  wirklich  nordische  Formen 
sein  könnten;  sie  leben  auch  jetzt  nicht  mehr  im  Mittelmeer.  Sie 
wären  aber  demnach  erst  zur  Diluvialzeit  eiugewandert, 
was  zur  Not  verständlich  erscheint  — falls  sich  nicht  auch  ihre 
Vorfahren  noch  im  Pliocän  des  Mediterrangebiets  finden  sollten. 

Wer  sich  je  mit  den  jüngsten  tertiären  Bildungen  Italiens 
beschäftigt  hat,  der  weiß,  welche  Schwierigkeiten  sich  einer  ge- 
nauen Altersbestimmung  jener  oft  außerordentlich  fossilreichen 
Schichten  entgegenstemmen.  Beim  Studium  der  dem  Gebirge  rand- 

1 Ich  bin  Herrn  Professor  Frech  sehr  dankbar,  daß  er  mich  in  diesem 
Zusammenhang  an  das  Vorkommen  von  Nephrops  norvegicus  im  Mittel- 
meer  erinnert  hat;  ich  bin  der  Ansicht,  daß  sich  die  weite  Verbreitung 
dieses  Decapoden  (norweg.  Küste,  Adria,  Golf  von  Neapel)  für  diese  Frage 
nicht  direkt  verwerten  läßt,  da  eine  Wanderung  in  dieser  wie  in  jener 
Richtung  denkbar  ist.  solange  nicht  paläontologische  Tatsachen  entscheiden 
können.  Und  die  fehlen  meines  Wissens  bis  jetzt  noch. 


von  „Cyprina  islandica"  im  Postpliocän  von  Palermo.  177 

lieh  angelagerten  Geröllageu,  Sande  und  Tone,  drängt  sich  - — 
ganz  abgesehen  von  dem  Charakter  der  Ablagerungen  selbst  — 
schon  rein  dui’cli  das  Landschaftsbild  das  Bewußtsein  auf,  im 
alten  Meeresstrand  darin  zn  stehen.  Aus  dieser  Tatsache  allein 
ergibt  sich  die  Notwendigkeit,  mit  raschem  faziellem  Wechsel  zu 
rechnen:  in  der  Umgebung  eines  felsigen  Vorsprungs  hält  sich 
eine  andere  Fauna  auf,  als  am  flachen  Strand  am  Ausgang  eines 
Tales.  Und  daraus  sollte  sich  ein  für  allemal  der  Versuch  ver- 
bieten , durch  bloßes  Abzählen  der  Arten  und  Abwägen  ihres 
Mengenverhältnisses  an  den  verschiedenen  Fundpunkten  das  gegen- 
seitige Alter  feststellen  zu  wollen.  Und  doch  finden  wir  diese 
Methode,  deren  Unzuverlässigkeit  durch  das  Weiterleben  so  vieler 
plioeäner  Formen  in  der  Jetztzeit  gewissermaßen  ad  oculos  de- 
monstriert wird,  so  oft  angewendet.  Die  einen  Formen  werden 
am  alten  Strand  hier,  die  anderen  dort  gelebt  haben,  und  daraus 
ergiebt  sich  schon  eine  Verschiedenartigkeit  der  Faunenzusam- 
mensetzung,  ohne  daß  ein  verschiedenes  Alter  angenommen  wer- 
den muß. 

Anderseits  ist  es  die  Langlebigkeit  gewisser  Arten,  die  dazu 
verführen  könnte , gewisse  Ablagerungen , die  für  verschieden  alt 
angesehen  werden,  für  gleichalterig  zu  halten ; so  finden  sich  im 
Pliocän  von  Palombara  Marcelliua  bei  Rom,  das  älter  sein  soll  als 
die  Schichten  des  Mte.  Mario  \ Bänke  mit  Cladocora  caespitosa ; die- 
selben Bänke  findet  man  in  den  Steinbrüchen  des  „Siciliano“  an 
den  Falde  del  Pellegrino  (Palermo),  also  im  marinen  Diluvium. 
Im  Hinblick  auf  diese  Schwierigkeiten  glaube  ich  die  Vermutung 
aussprechen  zn  können , daß  bei  der  angedeuteten  Methode  des 
Abzählens  erhebliche  Irrtümer  sich  einschleichen  müssen,  und  der 
Schluß,  daß  dort,  wo  wir  etwa  Mya  truncata  und  Panopaea  nor- 
vegica finden,  Diluvium  und  nicht  Pliocän  vorliegt,  scheint  mir 
eventuell  aus  derselben  Quelle  dieses  gleichen  Irrtums  fließen  zu 
können.  Dieser  Gedankengang  ist  es,  der  berechtigte  Zweifel 
über  die  Verwendbarkeit  auch  dieser  beiden  Arten  im  Sinne  nordi- 
scher Faktoi'en  in  mir  auf  kommen  läßt. 

Betreffs  der  übrigen  als  boreal  bezeichneten  Formen  kann  ich 
zunächst  nur  der  Vermutung  Ausdruck  geben , daß  es  sich  dabei 
teils  um  irrige  Bestimmungen,  teils  um  ähnliche  Verhältnisse  wie 
bei  Cyprina  islandica  handeln  mag,  die  vielleicht  auch  z.  T.  unter 
dem  Einfluß  der  überschätzten  Bedeutung  der  C.  islandica  stehen 
mögen. 

1 Cerulli-Irelli  e de  Axgelis  d'Ossat  : I molluschi  fossili  pliocenici 
di  Palombara  Marcellina.  Boll.  soc.  geol.  17.  p.  88  ff. 


Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


12 


178  R-  Kowarzik,  Ueber  zwei  neue  bisher  nicht  beschriebene 


Ueber  zwei  neue  bisher  nicht  beschriebene  Funde  des 
Moschusochsen  aus  dem  belgischen  Diluvium. 

Von  Rudolf  Kowarzik. 

Während  der  Sommermonate  1912  unternahm  ich  mit  Unter- 
stützung des  k.  k.  Ministeriums  für  Kultus  und  Unterricht  eine 
Studienreise  durch  Nordeuropa.  Obwohl  der  Zweck  dieser  Reise 
in  der  Lösung  des  Problems  der  Abstammung  der  Schafe  be- 
stand, habe  ich  doch  auch  Gelegenheit  gefunden,  auf  mein  letztes 
Interessengebiet  zurückzukommen,  nämlich,  weiteres  Material  zur 
Phylogeuie  des  Moschusochsen  zu  untersuchen.  Da  es  sich  um 
bisher  in  die  Literatur  nicht  aufgenommene  aber  sehr  wichtige 
Funde  handelt,  will  ich  ganz  kurz  eine  Besprechung  derselben 
bringen. 

Im  „Musee  Royal  d’Histoire  Naturelle“  in  Brüssel  zeigte  mir 
Herr  Professor  Louis  Dollo  zwei  Reste  des  diluvialen  Moschus- 
ochseu,  die  beide  aus  belgischem  Boden  stammen  und  die  ersten 
in  diesem  Lande  entdeckten  Zeugen  des  ehemaligen  Vorkommens 
dieses  arktischen  Tieres  sind.  Es  handelt  sich  um  Reste  eines 
Männchens  und  eines  Weibchens. 

Ersteres,  das  die  Nummer  3094  trägt,  ist  zweifellos  das  best- 
erhaltene Exemplar,  das  in  irgend  einem  Museum  steht.  Außer 
dem  ziemlich  vollständigen  Schädel  sind  die  drei  letzten  Halswirbel, 
neun  Rücken-  und  drei  Lendenwirbel  erhalten.  Vier  Rippenfragmente 
und  ein  Stück  der  linken  Scapula  vervollständigen  das  Skelet. 

Was  den  Schädel  anbelangt,  so  bildet  eine  tiefe  Tränengrube 
das  hervorstechendste  Merkmal  desselben.  Auf  die  Bedeutung  der 
Tränengrube  zur  Erkenntnis  der  Phylogenie  des  Moschusochsen 
habe  ich  in  meiner  Monographie  dieser  Gattung1  hingewiesen.  Am 
vorliegenden  Schädel  ist  nur  das  rechte  Tränenbein  erhalten,  das 
linke  fehlt.  Das  Basioccipitale  ist  fast  quadratisch,  der  Hinter- 
hauptskamm  nur  schwach  gebogen,  fast  gerade.  Die  Muskeleindrücke 
unter  demselben  sind  sehr  tief,  was  — wie  ich  in  der  erwähnten 
Arbeit  ausgesprochen  habe  — auf  ein  mächtiges  Gehörn  deutet. 
Die  gewaltigen  fast  unverletzten  Hornzapfen  am  besprochenen 
Exemplare  bestätigen  diese  Annahme.  Von  den  Hornzapfen  ist 
der  linke  ganz,  der  rechte  in  der  Mitte  entzweigebrochen.  Doch 
wurde  das  verlox-en  gegangene  Stück  durch  eine  Masse  ersetzt,  so 
daß  der  Zapfen  in  seiner  ursprünglichen  Länge  und  Gestalt  sich 
darstellt. 

Außer  den  geschilderten  Teilen  ist  noch  der  obere  Teil  der 
Augenröhren,  das  linke  Nasale,  ein  Teil  des  linken  Oberkiefers 
und  ein  kleineres  sowie  ein  größeres  Stück  des  Oberkiefers  erhalten. 

1 Der  Moschusochs  im  Diluvium  Europas  und  Asiens.  Denkschriften 
der  math.-naturwisseusch.  Klasse  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissen- 
schaften. Wien  1912.  87. 


Fnnde  des  Mosehusochsen  a.  d.  belgischen  Diluvium. 


179 


Was  das  Sktdett  anbelangt,  sind  au  den  erhaltenen  Wirbeln 
die  verschiedenen  Apophysen  größtenteils  abgebrochen,  wie  das  bei 
so  stark  exponierten  Knochen  kein  Wunder  ist.  Zwischen  dem 
ersten  und  dem  zweiten  Rückenwirbel  fügt  sich  eine  kurze  rechte 
Rippe  an,  zwischen  dem  zweiten  und  dritten  wieder  eine  kleinere 
Rippe  derselben  Seite  und  eine  auf  der  linken  Seite.  Zwischen 
dem  fünften  und  sechsten  Wirbel  lenkt  rechts  ebenfalls  ein  Rippen- 
fragment ein.  Der  dritte  und  der  sechste  Halswirbel  tragen  Dorn- 
fortsätze, ersterer  ist  länger,  letzterer  kürzer. 

Es  war  ein  glücklicher  Gedanke  Professor  Dollo's,  das  Skelett 
des  gefundenen  Tieres  durch  ein  Gestell  aus  Eisen  nachzubilden, 
wobei  die  erhaltenen  Reste  an  der  entsprechenden  Stelle  eingefügt 
wurden.  So  hat  man  ein  gutes  Bild  von  der  Größe  und  den  Ver- 
hältnissen des  Moschusochsen,  wie  er  im  Diluvium  in  Belgien  gelebt 
hat.  Die  besprochenen  Reste  wurden  bei  Tirlemont  im  Jahre  1886 
gefunden. 

Das  zweite  im  ..Musee  d'Histoire  Naturelle“  vorhandene  Exem- 
plar ist  durch  den  Schädel  eines  Weibchens  repräsentiert.  Der- 
selbe umfaßt  den  Gehirnteil,  den  oberen  Teil  der  linken  Augen- 
röhre, ein  Stück  des  linken  Tränenbeines,  beide  Hornzapfen  sowie 
einen  Teil  des  linken  Jochbogens  und  zwar  den  Processus  zygo- 
maticus  des  Schläfenbeines.  Im  erhaltenen  Tränenbeine  ist  eine 
deutliche  Tränengrube  vorhanden.  Der  Hinterhauptskamm  ist  stark 
gebogen,  die  Gruben  unter  demselben  bei  weitem  nicht  so  tief  wie 
bei  dem  beschriebenen  Männchen.  Damit  im  Zusammenhang  stehen 
auch  die  schwachen  Hornzapfen,  lauter  Erscheinungen,  wie  ich  sie 
in  meiner  zitierten  Monographie  als  Charakteristik  des  weiblichen 
Moschusochs-Schädels  ausgesprochen  habe.  Das  Stück  wurde  bei 
Rupelmonde  im  Jahre  1888  gefunden. 

Was  nun  das  Alter  beider  Funde  anbetrifft,  so  gehören  beide 
unzweifelhaft  der  Mammutzeit  an  — wie  mir  Herr  Professor  Doixo 
diesbezüglich  mitteilte.  Über  die  Bedeutung  dieser  Reste  möchte 
ich  folgendes  sagen.  In  meiner  erwähnten  Arbeit  habe  ich  aus 
meinen  Untersuchungen  die  Schlußfolgerung  gezogen,  daß  die  zwei 
von  mir  unterschiedenen  Gruppen  des  rezenten  Moschusochsen,  die 
östliche  — Ovibos  moscliatus  — ■ und  die  westliche  — 0.  maclcen- 
sianus  — eine  verschiedene  Phylogenie  besitzen.  Nur  die  der 
letztgenannten  spielt  sich  auf  europäischem  Boden  ab,  während  die 
Vorfahren  der  östlichen  Gruppe  nie  den  Boden  unseres  Kontinents 
betreten  haben.  Die  beiden  eben  beschriebenen  Funde  stehen  nun 
damit  vollständig  im  Einklang.  Es  handelt  sich  um  zwei  typische 
Vertreter  des  Ovibos  mackensianus  Kow.,  also  um  Tiere,  die  sich 
von  den  im  Westen  der  großen  nordamerikanischen  Wasserscheide 
wohnenden  Moschusochsen  gar  nicht  unterscheiden.  Deren  unmittel- 
barste Vorfahren  sind  aber  in  Sibirien  und  in  Europa  zu  suchen, 
weil  dieser  Typus  von  Moschusochsen  am  Schlüsse  der  Eiszeit  vor 


180  R-  Hundt,  Eine  Ergänzung  zu  -Organische  Reste“  etc. 

der  allzugroßen  Wärme  hauptsächlich  auf  dem  Wege  über  Rußland 
und  Sibirien  und  die  damals  noch  ein  Festland  bildende  Behrings- 
straße nach  Nordamerika  zurückwich.  Der  Umstand , daß  der 
Typus  Ovibos  mackensianus  in  Belgien  schon  zur  Mammutzeit 
vollständig  entwickelt  war,  spricht  am  besten  dafür,  wie  richtig 
meine  Trennung  der  lebenden  Moschusochsen  in  zwei  verschiedene 
Gruppen  war,  und  die  Grenze  zwischen  beiden  gewinnt  dadurch 
noch  an  Bedeutung. 

Zum  Schlüsse  danke  ich  noch  Herrn  Professor  Louis  Dollo 
lierzlichst  für  seiu  freundliches  Entgegenkommen  und  die  Erlaubnis, 
photographische  Aufnahmen  der  Funde  machen  zu  können. 

Über  neue  interessante  Funde  diluvialer  Moschusochsen  auf 
amerikanischem  Boden  werde  ich  im  dritten  Teile  meiner  Mono- 
graphie, die  sich  mit  der  Phylogenie  des  Typus  Ovibos  moschatus  — 
der  die  Polarländer  und  das  östlichste  Nordamerika  bewohnt  — 
beschäftigt,  berichten. 


Eine  Ergänzung  zu  „Organische  Reste  aus  dem  Untersilur 
des  Hüttchenberges  bei  Wünschendorf  an  der  Elster“.1 

Von  Rudolf  Hundt-Gera. 

Die  in  der  Arbeit  „Organische  Reste  aus  dem  Untersilur  etcA 
erwähnten  beiden  Problematika  Silur- Dictyodora  und  Silur- Palaeo- 
dictyum  wurden  von  A.  Auerbach  nachträglich  auch  publiziert2. 
Er  führt  die  Silur -Dictyodora  als  IJictyodora  Liebeana  Weiss  an. 
Diesen  Namen  hat  E.  Zimmermann  für  die  Culm -Dictyodora  vorge- 
schlagen, nachdem  er  nachgewiesen  hatte,  daß  die  verschiedenen 
Schnitte  des  Fossils  unter  drei  verschiedenen  Namen  in  der  Wissen- 
schaft bekannt  waren 3.  Deshalb  möchte  ich  für  diese  Silur-Z)ic- 
tyodora  nachträglich  den  Namen  Di  ct y odo  r a Z i tn  m e r tu  a n n i n . sp. 
einführen,  benannt  nach  dem  Königl.  Preuß.  Landesgeologen  Prof. 
Dr.  E.  Zimmermann,  der  die  ersten  Reste  dieser  Dictyodora 
Zimmer  mann  i n.  sp.  im  Untersilur  von  Lössau  bei  Sclileiz  auf- 
fand4, dem  wir  auch  die  ausführliche  Monographie  der  Dictyodora 
Liebeana  Weiss  verdanken.  Daß  die  Dictyodora  Zimmermanni  n.  sp. 


1 Dies.  Centralbl.  1912.  3.  p.  91 — 95. 

A.  Auerbach,  Dictyodora  Liebeana  Weiss  aus  dem  Untersilur  von 
Wünschendorf.  53—54  Jahresber.  d.  Gesellsch.  v.  Freund,  d.  Naturwissen- 
schaft zu  Gera.  p.  127 — 128. 

3 E.  Zimmermann  : Dictyodora  Liebeana  Weiss,  und  ihre  Beziehung 
zu  Vexillum  Rouault,  Palaeochorda  marina  Geinitz  und  Crossojtodia 
Henrici  Geinitz.  32 — 35  Jahresber.  d.  Gesellsch.  v.  Freund,  d.  Natur- 
wissensch.  zu  Gera  p.  28 — 63. 

4 E.  Zimmermann:  Dictyodora  Liebeana.  Naturwissenschaftliche 

Wochenschr.  1893. 


M.  Berek,  Mineralogischer  Demonstrationsapparat. 


181 


auch  anderweitig  im  Untersilur  gefunden  worden  ist,  stellte  der 
Verfasser  schon  fest1,  z.  B.  in  den  „schistes  de  Barrancos“  Por- 
tugals. An  den  bisher  im  Untersilur  Wünscliendorfs  gesammelten 
Didyodora-Resten  fiel  schon  Auerbach  die  geringe  Höhe  der  Exem- 
plare auf,  die  nach  Zimmermann  an  den  Gulmexemplaren  an  der 
für  ihre  Erhaltung  besonders  günstigen  Stelle  bei  Wurzbach  6 cm  und 
vom  Schiefenbruch  Luitpold  bei  Heinersdorf  im  Frankenwalde  bis  20  cm 
beträgt2.  Auch  die  Schleifenbildung  ist  bei  der  Dictyodora  Zimmer - 
mannt  eine  andere , engere,  als  bei  Dictyodora  Liebeana  Weiss. 

Das  andere  Problematikum,  das  Palaeodictyum , das  auch 
im  Culm  ein  stetiger  Begleiter  der  Dictyodora  ist,  wurde  in  den 
Untersilurschichten  der  Hiittchenberge  bei  Wünschendorf  mit  auf- 
gefunden. Für  dieses  schlage  ich  den  Namen  P alaeodict yum 
Eiseleanum  n.  sp.  vor,  nach  dem  verdienten  Erforscher  Ost- 
thüringer  Graptolithen  Robert  Eisel  benannt.  Er  ist  viel  weniger 
häufig  als  Dictyodora  Zimmermanni  und  die  in  der  ersten  Arbeit 
genannten  Wurmspuren. 


Neue  Instrumente  und  Beobachtungsmethoden. 

Mineralogischer  Demonstrationsapparat. 

Von  M.  Berek  in  Wetzlar. 

Mit  3 Textfiguren. 

(Mitteilung  aus  den  optischen  Werken  von  E.  Leitz,  Wetzlar.) 

Der  im  folgenden  beschriebene  Apparat  erfüllt  nachstehende 
Anforderungen : 

1.  Bei  min  er  alogisch - petrographischen  Übungen 
und  Vorlesungen  kann  der  Dozent  einem  kleineren  Zuhörer- 
kreise alle  Arten  der  mikroskopischen  Untersuchungsmethoden  im 
polarisierten  Licht  in  horizontaler  oder  vertikaler  Projektion  bei 
beliebiger  Vergrößerung  vorführen. 

2.  Der  Apparat  ermöglicht  die  Projektion  von  Übersichts- 
bildern bis  zur  Größe  von  24  mm  Durchmesser  und  ist  daher 
geeignet  für  die  Demonstration  der  Gesetze  der  Doppelbrechung 
und  Polarisation  an  größeren  Kristallplatten  und  Keilen. 

3.  Er  ist  für  die  Projektion  von  Diapositiven  bis  zum 
Format  9X12  einschließlich  verwendbar. 

4.  Er  gestattet  m ik  r o p h o t ograp  h is  che  Aufnahmen 
in  beliebig  kleiner  bis  stärkster  Vergrößerung  auszuführen. 

5.  Er  eignet  sich  infolge  seiner  Lichtstärke  in  vertikaler 
Lage  ausgezeichnet  für  kristall-optische  Messungen  aller  Art. 

1 Rudolf  Hundt:  Vertikale  Verbreitung  der  Dictyodora  im  Palaeo- 
zoikum.  Dies.  Centralbl.  1912.  p 542 — 543. 

5 E.  Zimmermann.  Erläuterung  zu  Blatt  Lobenstein  p.  51. 


182 


31.  Berek. 


6.  Er  ist  als  Beobach  tun  gs  in  st  rum  ent  dem  Mikroskop 
vorzuziehen,  weil  er  den  Beobachter  unvergleichlich  weniger  ermüdet. 
V . Er  ist  als  Zeichen  a p p a r a t benutzbar. 


Fig.  1. 


Allgemeine  Anordnung. 

Die  auf  einer  Tischplatte  montierte  gußeiserne  Säule  S (Fig.  1), 
welche  die  Hochstell-  und  Drehvorrichtung  für  Horizontal-  und 


Mineralogischer  Demonstrationsapparat  bei  vertikaler  Mikroprojek- 
tion mit  photographischer  Kamera. 


Mineralogischer  Demonstrationsapparat. 


18o 

Vertikalprojektion  trägt,  entspricht  ganz  der  Anordnung  des  Zeichen- 
lind  Projektionsapparates  nach  L.  Edinger1,  welcher  in  wissenschaft- 
lichen Kreisen  eine  weite  Verbreitung  gefunden  hat.  Nach  Lösung 
der  Schraube  li  kann  der  Träger  T des  gesamten  optischen  Systems 
in  zwei  mit  cm-Teilung  versehenen  Gleitschienen  gehoben  oder  ge- 
senkt werden.  Der  Träger  T besitzt  ebenfalls  Gleitschienen,  in 
denen  die  einzelnen  Teile  der  optischen  Anordnung  mit  Klemm- 
vorrichtungen befestigt  werden  können.  Um  von  der  Vertikal-  zur 
Horizontal-Projektion  überzugehen,  zieht  man  den  Knopf  1;  (in 
Fig.  3 sichtbar)  an  und  dreht  T um  die  Horizontalachse  h beliebig 
nach  links  oder  rechts,  bis  k wieder  einschnappt. 

Lichtquelle  ist  der  positive  Krater  einer  allseitig  zentrierbaren 
Liliputbogenlampe  für  Gleich-  oder  Wechselstrom  mit  5 Amp.  Strom- 
verbrauch. Diese  Handregulierlampe  kann  auf  Wunsch  mit  einem 
regulierbaren  Uhrwerk  ausgestattet  werden,  welches  die  Kohlen, 
entgegen  der  nur  zeitweise  erfolgenden  elektromagnetischen  Re- 
gulierung, ununterbrochen  (D.R.P.  angemeldet)  vorwärtsschiebt, 
so  daß  der  positive  Krater  seine  Lage  unverändert  beibeliält.  Zu 
der  Lampe  gehört  ein  passender  Vorschalt- Widerstand.  Die  Lampe 
kann  mittels  Steckkontaktes  an  jede  Hausleitung  angeschlossen 
werden. 

Im  Prinzip  abweichend  gegenüber  dem  Projektionsapparat 
nach  L.  Edinger  ist,  entsprechend  den  anderen  Anforderungen  an 
den  Strahlengang,  die  gesamte  optische  Anordnung.  Die 
metallische  Hülse  H,  welche  die  Lampe  teilweise  umschließt,  läßt 
sich  beiseite  klappen.  In  den  mit  ihr  verbundenen  Arm  E läßt  sich 
ein  Teil  des  Beleuchtungssystems  zusammen  mit  dem  Polarisator  ein- 
setzen.  Dieser  Teil  der  optischen  Anordnung  enthält,  von  der  Licht- 
quelle aus  gezählt,  zunächst  eine  in  metallene  Stäbchen  gefaßte 
Kollektorlinse,  welche  zur  Erzielung  großer  Lichtstärke  von  dem 
sehr  hohen  Öffnungsverhältnis  von  annähernd  1 gewählt  ist.  Diese 
Linse  bildet  den  Krater  in  dem  Polarisator  ab,  der  aus  einem 
Prisma  nach  Glan-Thompson  besteht.  Um  eine  schädliche  Er- 
hitzung des  Prismas  zu  vermeiden,  wird  der  ordentliche  Strahl  im 
Kalkspat  nicht,  wie  bei  den  übrigen  Prismen,  an  der  Wandung  des 
Polarisators  absorbiert  und  seine  Energie  in  Wärme  umgesetzt, 
sondern  er  tritt  schräg  nach  vorn  durch  das  in  der  Hülse  G sicht- 
bare Fenster  aus  (D.R.G.M.  382  769.  382  7G8)2.  Am  Ende  dieser 
Hülse  sitzt  die  Collimatorlinse,  aus  der  ein  nahezu  paralleles 
Strahlenbündel  austritt.  Die  genannten  optischen  Teile  sind 
gegen  Wärmezuleitung  von  der  metallischen  Hülse  H ausgiebig 
isoliei’t.  Bei  mehrstündiger  ununterbrochener  Benutzung  des  Appa- 
rates wird  zwar  die  Metallhülse  H entsprechend  heiß , doch 


1 L.  Edinger,  Zeitschr.  f.  wiss.  Mikrosk.  etc.  24.  26;  1907. 

2 W.  v.  Ignatowsky,  Zeitschr.  f.  Instr.  1910,  217. 


184 


M.  Berek, 


weisen  die  darin  sitzenden  optischen  Teile,  vor  allein  der  Polari- 
sator, eine  schädliche  Erwärmung  nicht  auf.  Die  auf  die  Kollektiv- 
linse von  den  Kohlen  der  Lampe  herniederfallenden  Kohlenteilchen 


Fig.  2.  Mineralogischer  Demonstrationsapparat  mit  Universaldrehtisch 

nach  Fedorow. 

sind  von  Zeit  zu  Zeit  mit  Hilfe  eines  Pinsels  abzustreichen.  Der 
Hebel  g und  der  Lampentrieb  r,  die  in  dem  abgebildeteu  Modell 
noch  vom  Apparat  nach  L.  Edinger  übernommen  sind,  erweisen 
sich  bei  vorliegendem  Strahlengang  als  überflüssig  und  werden 


Mineralogischer  Demonstrationsapparat. 


185 


daher  zukünftig  bei  der  Ausführung  des  Apparates  fortgelassen. 
Die  Lampe  wird  gleich  von  vorherein  in  passender  Höhe  am 
Träger  T montiert. 

Auf  den  Gleitschienen  des  Trägers  T sitzen  ferner  verschieb- 
bar zwei  mit  Klemmvorrichtungen  versehene  Reiter  A und  B. 
A besitzt  einen  Doppelarm.  Der  eiue  M trägt  den  mittels  Zahn  und 
Trieb  s verstellbaren  Kondensorrevolver.  Dieser  enthält  drei  Kon- 
densoren und  ein  Leerloch,  entsprechend  den  verschiedenen  zu  be- 
nutzenden Vergrößerungen.  Eine  seitliche  an  der  Triebbewegung  s 
angebrachte  Skala  gibt  Aufschluß  über  die  günstigste  Wahl  des 
Kondensors  bei  gegebenem  Objektiv,  sowie  gleichzeitig  über  die 
günstigsten  Stellungen  der  einzelnen  Kondensoren.  Über  der 
Öffnung  der  festliegenden  Revolverscheibe  sitzt  eine  Apertur-Iris- 
blende. Der  andere  Arm  X trägt  einen  drehbaren  Objekttisch, 
welcher  in  ganze  Grade  mit  5 ' = Nonius- Ablesung  geteilt  ist. 

Der  Reiter  B endlich  (stets  ganz  am  Ende  der  Schiene  T 
zu  befestigen)  trägt  eine  mittels  Zahn  und  Trieb  t verschiebbare 
und  Feineinstellung  v versehene  Schlittenführung,  in  welche  das 
Projektionssystem  (Mikroskop,  Projektionsobjektive)  eingeschoben 
und  in  einer  durch  Anschlag  markierten  Lage  festgeklemmt  wer- 
den kann. 


Verwendungsmöglichkeiten. 

1.  Mikroprojektion. — Für  die  Mikroprojektion  im  polari- 
sierten Licht  wird  in  die  Schlittenführung  des  Armes  B ein  minera- 
logischer Mikroskoptubus  eingeschaltet.  Die  Objektive 
werden  mittels  einer  Schlittenzange  z am  Tubusende  befestigt  und 
sind  in  zwei  aufeinander  senkrechten  Richtungen  zentrierbar.  Da 
jedes  Objektiv  seine  eigene  Zeutriervörriclitung  hat,  so  kann  man 
auch  beim  Wechseln  der  Objektive  mit  stets  zentriertem  System 
arbeiten,  wenn  einmal  für  jedes  Objektiv  die  Zentrierung  ausgeführt 
ist.  Unter  dem  Okular  sitzt  der  ausschaltbare  Analysator  n in 
einem  drehbaren,  mit  Gradteiluug  versehenen  Kreise.  Der  Über- 
gang von  der  orthoskopischen  zur  konoskopischen  Pro- 
jektion vollzieht  sich,  wie  bei  subjektiver  Beobachtung  im  Mi- 
kroskop, einfach  durch  Einschalten  der  AMici-BERTRAxu’schen  Linse  b. 
Diese  ist  in  der  Längsrichtung  des  Tubus  verschiebbar  und  außer- 
dem mit  Hilfe  zweier  Justierschrauben  zentrierbar.  Ihre  relativ 
kurze  Brennweite  gewährleistet  die  Möglichkeit,  verhältnismäßig 
große  Achsenbilder  zu  erzielen.  Die  Scharfstellung  erfolgt  durch 
Heben  und  Senken  der  Bertrandlinse. 

Der  Apparat  kann  auch  zur  Projektion  von  Achsenbildern  dicker 
Präparate  eingerichtet  werden. 

Ueber  die  erreichbaren  Vergrößerungen  mit  Hilfe  der  gebräuch- 
lichen Achromate  und  HuYGHENs’schen  Okulare  gibt  bei  einem 


186 


M.  Berek. 


Abstand  von  250  nun  zwischen  der  Projektionswand  und  dem 
Okular  folgende  Tabelle  Aufschluß : 

Vergrößerungen  der  Achromate  mit  den  HuYOHKNs'schen  Okularen 
bei  250  mm  Abstand  von  der  Projektionswand. 


Objektiv 

0 

Okular 

i | ii 

ui 

1 

13 

16 

19 

26 

2 

23 

29 

35 

46 

3 

41 

51 

62 

82 

4 

73 

91 

109 

146 

5 

133 

167 

200 

267 

6 

192 

240 

288 

384 

7 

250 

312 

375 

500 

Die  Vergrößerungszahlen  ändern  sich  proportional  der  Ände- 
rung des  Abstandes  zwischen  Okular  und  Projektionswand.  Bei 
einem  Schirmabstand  von  2\  m bei  horizontaler  Projektion  gelten 
also  die  zehnfachen  Vergrößerungswerte  der  Tabelle.  Solche 
Schirmabstände  kann  man  auch  für  die  stärksten  Vergrößerungen 
enthalten,  wenn  in  verdunkeltem  Raum  durch  Schirmwände  für  hin- 
reichende Abblendung  des  seitlichen  Lichts  gesorgt  wird.  Eine 
passende  Verdunklungsvorrichtung  für  horizontale  Projektion  wird 
auf  Wunsch  geliefert,  ist  jedoch  bei  Beschränkung  auf  schwächere 
und  mittelstarke  Systeme  (z.  B.  Objektiv  4 mit  Okular  1)  gänzlich 
entbehrlich.  Die  vertikal  auf  die  Tischplatte  ausgeführte  Projektion 
ist  so  hell,  daß  sie  bei  Tageslicht  ausgeführt  werden  kann. 

Als  Projektionsschirm  benutzt  man  eine  Gipstafel  oder  einen 
Bogen  Papier;  Aluminiumschirme  erweisen  sich  außer  wegen  ihres 
geringen  Streuungswiukels  bei  der  Projektion  von  Achsenbildern 
auch  deswegen  als  weniger  brauchbar,  weil  sie  die  Farbwerte  un- 
gewohnt wiedergeben. 

Abgesehen  von  der  Verwendung  bei  Demonstrationen  bietet 
dieser  Apparat  gegenüber  der  subjektiven  Beobachtung 
eine  Reihe  von  Vorteilen: 

Eine  gegenseitige  Aussprache  am  Mikroskop  ist  durch  das 
Nacheinandereinsehen  sehr  erschwert.  Doppelokulare  lassen  sich 
aber  für  mineralogische  Instrumente  nicht  benutzen , weil  infolge 
der  Polarisation  bei  der  Prismen-Reflexion  bei  gekreuzten  Nikols 
je  nach  Lage  des  Doppelokulars  der  eine  Beobachter  nichts  sieht 
oder  die  Intensität  für  beide  Beobachter  zu  gering  ist , bei  aus- 
geschaltetem Analysator  aber  das  Gesichtsfeld  dem  einen  Beobachter 
wie  zwischen  parallelen,  gekreuzten  oder  auch  beliebig  orientierten 
Prismen  erscheint.  In  vertikaler  Lage  bietet  hingegen  der  vorliegende 


Mineralogischer  Demonstrationsapparat. 


187 


Apparat  ein  einfach  zu  handhabendes  Mittel  zur  gegenseitigen 
Verständigung  und  Belehrung.  Audi  als  Arbeitsinstru- 
ment ist  der  Demon strati onsapparat  in  vertikaler  Lage  jedem  Mikro- 
skop vorzuziehen.  Zunächst  ist  die  Beobachtung  mit  beiden  Augen, 
sowie  die  Möglichkeit,  beim  Arbeiten  eine  beliebige  zwanglose 


Fig.  3.  Horizontale  Diapositivprojektion. 


Haltung  einnehmen  zu  können,  nicht  in  demselben  Maße  ermüdend. 
Andererseits  entspringt  aus  der  Verwendung  einer  höheren  Licht- 
intensität auch  die  Möglichkeit,  Messungen  mit  größerer  Ge- 
nauigkeit ausführen  zu  können.  Besonders  charakteristische  Stellen 
und  Stellungen  mit  Bezug  auf  das  Okular-Fadenkreuz  können  auf 
einem  auf  den  Projektionstisch  gelegten  Stück  Papier  einfach 


1<S8 


M.  Berek,  Mineralogischer  Demonstrationsapparat. 


nach  ge  zogen  werden.  Wie  bei  der  subjektiven  Beobachtung, 
so  können  auch  hier  bei  der  Projektion  Kompensator  nach  Babinet, 
Okularspektroskop , Heiztische  und  Abkiihlungsvorrichtungen  und 
andere  Nebenapparate  benutzt  werden. 

Im  besonderen  möge  noch  auf  die  Verwendbarkeit  des  Uni- 
versal-Dreli  tisch  es  nach  Fedorow  hingewiesen  werden.  Be- 
kanntlich ist  die  Anwendbarkeit  dieses  Drehtisches  auf  besonders 
groß  gebaute  Mikroskopmodelle1  oder  Spezialstative 2 beschränkt. 
Da  bei  dem  vorliegenden  Demonstrationsapparat  eine  Behinderung 
der  Drehungsmöglichkeiten  durch  das  Stativ  wie  bei  mittleren 
Mikroskopmodellen  nicht  stattlindet,  außerdem  vorteilhafterweise 
die  Auflagefläche  des  Objekttisches  der  Lichtquelle  zugewandt 
ist,  so  steht  nichts  im  Wege,  auch  eine  so  große  Ausführungsform 
des  Universal-Drehtisches  zu  verwenden,  daß  Präparate  gewöhn- 
lichen Formats  benutzt  werden  können  (Fig.  2).  Man  braucht  nur 
den  Kondensorrevolver  M mittels  des  Triebes  s hinreichend  vom 
Objekttisch  zu  entfernen.  Auch  hier  fällt  die  erhöhte  Lichtstärke 
bei  vertikaler  Projektion,  sowie  die  Möglichkeit,  bequem  demon- 
strieren zu  können,  vorteilhaft  ins  Gewicht. 

2.  Projektion  von  Übersichtsbildern.  — Für  die  Pro- 
jektion im  polarisierten  Licht  bei  sch  wachster  Vergrößerung 
wird  statt  des  Mikroskoptubus  ein  besonderes , in  kurzem  Rohr- 
ansatz gefaßtes  Projektionsobjektiv  eingeschaltet.  In  das  Ende 
des  kurzen  Rohres  wird  der  Analysator  vom  Mikroskoptubus  ein- 
gesetzt. Der  Kondensorrevolver  wird  auf  das  Leerloch  eingestellt. 
Die  Vergrößerung  ist  bei  einem  Schirmabstand  von  250  mm  eine 
zirka  dreifache.  Das  übersehene  Feld  des  Präparates  hat  einen 
Durchmesser  von  24  mm. 

Diese  Anordnung  ist  daher  für  Übersichtsbilder  von  Dünn- 
schliffen, ganzen  Kristallplatten,  Kristallkeilen,  Glimmertreppen, 
gepreßten  Gläsern  und  ähnlichem  mit  Vorteil  zu  verwenden.  Legt 
man  z.  B.  auf  den  Drehtisch  ein  Kalkspatrhomboeder,  entfernt 
den  Analysator  und  bildet  die  möglichst  weit  zugezogene  Irisblende 
auf  der  Projektionswand  ab,  so  kann  man  bequem  die  Grundgesetze 
der  Doppelbrechung  und  Polarisation  demonstrieren. 

Die  Helligkeit  bei  dieser  Art  von  Projektion  ist  besonders  groß. 

3.  Diapositiv-Projektion  (Fig.  3).  — An  Stelle  der 
bisherigen  Beleuchtungsvorrichtung  wird  ein  großer  Doppelkonden- 
sor eingesetzt.  Unmittelbar  davor  wird  der  Diapositivrahmen  mit 
auswechselbaren  Schiebern  bis  zum  Format  9X12  mittels  zweier 
Klemmschrauben  befestigt.  Der  Arm  A wird  entfernt  und  in  den 
Schlitten  des  Armes  B das  anastigmatische  Projektionsobjektiv 
(Sumraar  f = 115  mm,  F : 5)  mit  Irisblende  eiugeschoben.  Bei 
einem  Schirmabstand  von  2|  m ist  die  Vergrößerung  eine  ca.  22 fache. 


1 Z.  B.  Stativ  A von  E.  Lkitz,  Wetzlar. 

* C.  Leiss,  Dies  Centralbl.  1912.  p.  733. 


Versammlungen  und  Sitzungsberichte. 


189 


4.  Photographische  Aufnahmen  (Fig.  1).  — Für  photo- 
graphische Aufnahmen  dient  eine  an  der  Säule  S mit  zwei  Klem- 
men zu  befestigende  Kamera,  mit  Balgen,  Zeit-  oder  Moment- 
verschluß und  Lichtabschluß  als  Verbindungsstück  mit  dem  Apparat. 
Bei  Benutzung  des  Aufsatz-Analysators  wird  das  Verbindungsstück 
mit  Hilfe  des  Analysators  an  den  Analysatorteilkreis  angeklemmt 
und  so  getragen.  Die  Einstellung  erfolgt  bei  gehobenem  Balgen 
auf  einer  in  den  aufliegenden  Rahmen  eingeschobenen  Papierwand. 
Es  empfiehlt  sich,  vorher  die  an  beiden  Seiten  des  Balgens  befind- 
lichen Litzen  an  den  beiden  Knöpfen  am  Verschlußbrett  zu  be- 
festigen. Die  Kassette  ist  für  Platten  bis  zum  Format  24  X 30  cm 
verwendbar. 

Der  Demonstrationsapparat  ist  für  jede  der  Verwendungs- 
möglichkeiten 1 — 4 gesondert  lieferbar. 

Die  Notwendigkeit,  einen  kleinen  für  mineralogische  und  petro- 
graphische  Praktikumszwecke  geeigneten  Projektionsapparat  mit 
Polarisationsvorrichtung  zu  konstruieren,  ergab  sich  für  die  optischen 
Werke  von  E.  Leitz  auf  Grund  einer  Anregung  und  Bestellung 
des  Herrn  Geheimrats  Professor  Dr.  F.  Rinne  in  Leipzig,  in  dessen 
Institut  auch  das  erste  Exemplar  des  Apparates  in  Gebrauch  ist. 

Die  schwierigen  Aufgaben  in  der  mechanischen  Ausführung 
hat  Herr  Werkmeister  P.  Weilinger  elegant  gelöst. 

Wetzlar,  Januar  1913. 


Versammlungen  und  Sitzungsberichte. 


Londoner  Mineralogische  Gesellschaft.  Sitzung  am 
21.  Januar  1913  unter  dem  Vorsitz  von  Dr.  A.  E.  H. 
Tutton.  F.  R.  S. 

T.  V.  Barkeu  und  J.  E.  Marsh:  Optische  Aktivität 
und  Enantiomorphismus  der  Molekular-  und  Kristall- 
struktur. Die  allgemeine  Natur  der  enantiomorphen  Strukturen, 
die  die  optische  Aktivität  im  flüssigen  und  kristallisierten  Zustand 
begleiten,  wurde  besprochen,  und  es  wurde  hervorgehoben,  daß, 
da  die  optische  Aktivität  der  Kristalle  von  sechs  Substanzen, 
darunter  Bittersalz  und  Natriumchlorat , nicht  aus  der  Kristall- 
struktur abgeleitet  werden  kann,  sie  auf  eine  enantiomorphe  Gestalt 
der  Atome  in  den  Molekülen  bezogen  werden  muß.  Passende 
enantiomorphe  Formen  sind  aus  chemischen  Gründen  abgeleitet 
worden,  indem  die  Konstitution  der  Verbindungen  auf  einer  Modi- 
fikation von  Werner’s  Theorie  der  Koordination  beruht.  Die 
Symmetrie  der  neuen  Raumformeln  ist  in  vielen  Fällen  identisch  mit 
der  Symmetrie  der  Kristalle,  und  besonders  der  Natronsalpeter 
kann  am  besten  betrachtet  werden  als  ein  Racemat,  herrührend 


190 


Versammlungen  und  Sitzungsberichte. 


von  der  gegenseitigen  Durchdringung  von  optischen  Antipoden  mit 
räumlichen  Konfigurationen  ähnlichen  denen,  die  für  die  aktiven 
Formen  des  Natriumchlorats  vorausgesetzt  werden,  derart,  daß  die 
Symmetrie  des  doppelten  Moleküls  mit  der  des  Rhomboeders  identisch 
ist.  Derselbe  Typus  der  Molekularstruktur  ist  auch  zu  vermuten 
beim  Kalkspat  und  der  rhomboedrischen  Form  des  Natriumchlorats, 
die  sich  bei  höherer  Temperatur  bildet.  Es  wird  geschlossen,  daß 
viele  Fälle  von  Dimorphismus  von  ähnlicher  Art  sind  und , all- 
gemeiner, daß  polymorphe  Umwandlung  eingeleitet  wird  durch  eine 
Neuordnung  der  Atome  im  Molekül. 

H.  Colltngridge : Bemerkung  über  die  Bestimmung 
des  optischen  Achsen  winkeis  an  Kristallen  in  Dünn- 
schliffen. In  dem  Fall,  wo  eine  optische  Achse  in  dem  Sehfeld 
sichtbar  ist , kann  die  Position  der  zweiten  Achse  zweckmäßiger 
bestimmt  werden,  als  nach  den  Methoden  von  Becke  und  Wright 
aus  der  optischen  Achsenebene  und  der  Auslöschungsrichtung  durch 
das  Zentrum  des  Feldes. 

Dr.  G.  F.  H.  Smith:  Graphische  Bestimmung  von 

Winkeln  und  Indizes  in  Zonen.  Zwei  Methoden  werden 
beschrieben,  die,  abweichend  vom  Monogramm,  nicht  auf  recht- 
winkelige Zonen  beschränkt  sind.  Bei  der  einen  wird  eine  doppelte 
Tangentenskala  auf  eine  Schar  von  Linien  gelegt,  die,  wie  bei 
einer  gnomonischen  Projektion,  auf  eine  Zonenebene  augeordnet 
sind,  in  der  Weise,  daß  die  01-  und  11-Linien  die  Skala  unter 
den  gegebenen  Winkeln  schneiden ; die  zu  beliebigen  Indizes  ge- 
hörigen Winkel  oder  umgekehrt  können  direkt  auf  der  Skala 
abgelesen  werden.  Bei  der  zweiten  Methode  wird  ein  doppeltes 
Diagramm  angewendet,  dessen  eine  Hälfte  eine  neue  Form  des 
Mariogramms  und  die  zweite  eine  Darstellung  der  Winkel,  deren 
Kotangenten  die  Differenz  der  Ivotangenten  der  gegebenen  AVinkel 
ist.  Die  Methode  ist  allgemein  und  unbeschränkt  in  ihrer  Anwendung. 

Dr.  J.  Drugman : Über  Goldschmidt’s  Apparat  zum 
Schneiden  von  Kristallmodellen.  Der  Mechanismus  wurde 
beschrieben  und  seine  Verwendung  erläutert. 

Professor  H.  L.  Bowman:  Über  eine  Knolle  von  Eisen- 
kiesen. Die  oktaedrische  Form  und  die  Streifung  auf  den  Flächen, 
welche  die  Ecken  der  winzigen  Kriställchen  abstumpfen , lassen 
diese  eher  zum  Pyrit  gehörig  erscheinen  als  zum  Markasit,  wie  es 
gewöhnlich  geschieht. 

Eine  aus  einer  Amethystdruse  geschnittene  chinesische  Schale 
uud  ein  Satz  von  Wagschalen  und  Gewichten , wie  sie  von  den 
einheimischen  Juwelenhändlern  in  Indien  zum  Wiegen  der  Perlen 
benützt  werden,  wurde  von  F.  N.  A.  Fleischmann,  resp.  von 
E.  Hopkins  ausgestellt. 


Besprechungen. 


191 


Besprechungen. 

M.  Brauhäuser:  Die  Bodenschätze  Württembergs. 
Stuttgart  1912.  325  p.  37  Fig. 

Das  Werk  stellt  eine  Übersicht  dar  über  die  in  Württemberg 
vorhandenen  Erze,  Salzlager,  Bausteine,  Mergel,  Tone,  Ziegelerden, 
Torflager,  Quellen,  über  ihre  Verbreitung-,  Gewinnung  und  Ver- 
wertung. In  überaus  geschickter  und  anziehender  Weise  wird 
zunächst  ein  Überblick  gegeben  über  den  geologischen  Auf- 
bau Württembergs.  Es  werden  — schon  immer  mit  Bezug- 
nahme auf'  die  nutzbaren  Mineralien  und  Gesteine  — die  einzelnen 
Württembergs  Boden  zusammensetzenden  Formationen  und  Schicht- 
glieder besprochen,  wobei  besonderer  Wert  auf  deren  Entstehungs- 
geschichte, ihre  äußeren  Erscheinungsformen  und  auf  die  Faktoren, 
die  diese  bedingen , gelegt  wird.  Im  speziellen  Teil  werden  die 
einzelnen  Bodenschätze  nach  ihrer  praktischen  Seite  besprochen. 
Er  umfaßt  folgende  Abteilungen: 

Bergbau. 

1 . Erzbergbau : Gold  — Silber  — Kobalt  — Kupfer  — 
Blei  — Mangan  — Wismut  — Eisen.  Anhang:  Schwer- 
spat und  Flußspat. 

2.  Salzgewinnung  und  Salzbergbau:  Sulz  — Hall  — Niedern- 
hall — Clemenshall  — Wilhelmshall  — Friedrichshall  — 
Heilbronn. 

Baumaterialien. 

1.  Bausteine. 

2.  Mörtel  und  Zement. 

3.  Tone  und  Ziegelerde. 

4.  Anderweitige  Baumaterialien. 

Straßenmaterial. 

1.  Pflastersteine  und  Randsteine. 

2.  Schottermaterial. 

Anderweitig  benützbares  Gestein. 

T orfgewinnu  n g. 

Quellen. 

Grundwasse  r. 

Mineralquellen  und  Thermen. 

Wildbad  — Liebenzell  — Teinach  — Mergentheim  — Niedernau  — 

Stuttgart  — Hoheneck  — Teußer  Bad  — Göppingen  — Boll  — 

Sebastiansweiler  — Ditzenbach  — Ueberkingen  — Jordan- 
bad — Brielquelle  und  Nierazbad  — Laimnau. 

Böden  und  natürliche  Meliorationsmittel. 

Anhang:  Geologische  Karten. 

Es  muß  hierbei  besonders  erwähnt  werden  das  liebevolle  Ein- 
gehen auf  die  Kenntnisse,  die  frühere  Jahrhunderte  von  den  Boden- 
schätzen besassen  und  auf  die  Verwendung  dieser  im  Lauf  der 


192 


Besprechungen.  — Berichtigung.  — Personalia. 


Zeiten.  Dadurch  und  weil  Verf.  seine  Angaben  durch  wertvolles 
statistisches  Material  bis  zur  Gegenwart  aus  z.  T.  noch  nicht  be- 
arbeiteten Urkunden,  alten  Fachzeitschriften  etc.  stützt,  wird  das 
Werk  auch  volkswirtschaftlich  sehr  wertvoll.  — Aus  dem  reichen 
Inhalt  kann  nur  einzelnes  noch  besonders  hervorgehoben  werden, 
so  der  Abschnitt  über  die  natürlichen  Bausteine,  der  viele 
z.  T.  neue  Angaben  enthält  über  Verwitterung,  Wetterbeständig- 
keit, Wechsel  in  der  Güte  des  Materials;  die  Eignung  der  Gesteine 
zu  Straßen  material  wird  eingehend  besprochen.  Besonders 
gut  gelungen  ist  der  ausführliche  Abschnitt  über  Quellen,  Grund- 
wasser  und  Mineralquellen.  Sogar  die  B ö d e n werden  auf 
Grund  ihrer  geologischen  Herkunft  besprochen,  an  Hand  der  An- 
gaben der  schönen  neuen  geologischen  Spezialkarte  Württembergs. 

So  findet  der  Fachmann  vieles  aus  der  weit  zerstreuten  Einzel- 
literatur hier  verständnisvoll  und  durch  eigene  Forschungen  des 
Verf.’s  vermehrt  zusammengefaßt,  dem  geologisch  interessierten 
Laien  wird  leichtverständlich  und  in  außerordentlich  anziehender 
und  gefälliger  Sprache  die  Kenntnis  nicht  nur  der  Bodenschätze, 
sondern  auch  eines  guten  Teiles  württembergischer  Heimatkunde 
vermittelt.  H.  Schneiderhöhn. 


Berichtigung. 

In  der  Abhandlung:  Petrographisch  chemische  Untersuchung 
einiger  jungvulkanischer  Gesteine  aus  der  Umgebung  des  Victoria- 
sees etc.  von  M.  Goldsohlag,  dies.  Centralbl.  1912.  No.  19. 
p.  586 — 599  sind  folgende  Korrekturen  anzubringen: 
p.  592  Zeile  17  statt  s:  62,17;  A:  9,56;  C:  4,06;  F:  9,59;  muh  es  heißen: 
s:  63,03;  A:  8.33;  C:  5,49;  F:  9,37. 


„ 592 

„ 19 

s:  62,17:  a:  8,23;  c:  3,49;  f:  8,26  ; k:  0,96 

muß  es 

heißen:  s:  63,03;  a:  7,18;  c : 4,73 ; f:  8,08; 

k:  1,03; 

d 592 

, 21 

7) 

s : 62 ; a : 8 ; c : 3,5 ; f : 8,5 ; muß  es  heißen 

: s : 63 ; 

a : 7 ; c : 5 ; f : 8 ; 

„ 595 

» 29 

7) 

F:  42,22  muß  es  heißen:  F:  41,65; 

, 597 

* 3 

F:  30,27  „ „ „ F:  31,27; 

n 

a:  2,48  ; c:  1,88;  f:  15,63:  muß  es  heißen : 

a:  2,42; 

c:  1,83;  f:  15,75. 

■ 599 

» 9 

7) 

3,49  muß  es  heißen:  4.73. 

Personalia. 

Am  15.  Januar  1913  starb  der  bekannte  Chemiker  und 
Mineraloge  Dr.  Georg-  August  Koenig,  seit  1892  Professor  der 
Chemie  an  dem  Michigan  College  of  Mines  in  Houghton,  Mich., 
früher  Professor  der  Chemie,  Mineralogie  und  Geologie  an  der 
University  of  Pennsylvania  in  Philadelphia.  Er  studierte  in 
Berlin,  wurde  in  Heidelberg  zum  Doktor  promoviert  und  beschrieb 
u.  a.  mehrere  neue  Mineralien. 

Ernannt:  a.  o.  Professor  Dr.  W.  Volz  zum  o.  Professor  der 
Geographie  in  E r 1 a n g e n. 


C.  Doelter  und  E.  Dittler,  Bauxit  oder  Sporogelit? 


193 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Bauxit  oder  Sporogelit? 

Bemerkungen  zu  der  Arbeit  von  M.  Kispatic  „Bauxite  des  kroatischen 
Karstes  und  ihre  Entstehung“. 

Von  C.  Doelter  und  E.  Dittler  (Wien). 

In  unserer  Abhandlung 1 2 versuchten  wir  mit  Hilfe  von  Färbe- 
versuchen nachzu weisen , daß  in  den  bisher  als  „Bauxit“  be- 
zeichneten  Gesteinen  neben  den  Mineralien  Diaspor,  Hydra  r- 
gillit  (Gibbsit)  und  einigen  akzessorischen  Gemengteilen 
ein  kolloides  Tonerdehydrat  existiert,  welchem  wir  den  ursprüng- 
lichen Namen  „Bauxit“  beließen,  indem  wir  zugleich  für  das  das 
kolloide  Tonerdehydrat  enthaltende  Gestein  den  Namen  „Bauxitit“ 
(ähnlich  dem  Quarzit,  Diasporit)  vorschlugen.  Wir  haben  damals 
die  den  „Bauxit“  als  Hauptgemengteil  enthaltenden  Gesteine  als 
Kolloid- Alumolithe  den  vornehmlich  aus  Diaspor,  Gibbsit  und 
Kaolin  bestehenden  Kr i s t a 1 1 o i d - A 1 um o 1 i t h e n gegenübergestellt. 

M.  Kispatic  2 ist  nun  erfreulicherweise  unabhängig  von  uns  und 
auf  einem  anderen  als  dem  von  uns  eingeschlagenen  Wege  zu 
ähnlichen  Resultaten  gekommen.  Er  fand  die  Bauxitite  aus  einem 
der  Hauptmenge  nach  aus  Al2  03  • 1H2  0 bestehenden  Kolloide  zusam- 
mengesetzt, das  er  mit  dem  neuen  Namen  Sporogelit  bezeichnete3. 

Der  von  uns  vorgeschlagene  Name  Bauxit  für  das  Tonerde- 
kolloid und  Bauxitit  für  das  Gestein  dürfte  aber  nach  unserem 
Dafürhalten  besser  entsprechen,  weil  das  Gestein,  ähnlich  wie  z.  B. 
Quarzit,  Diasporit  nach  seinem  Hauptbestandteile  „Bauxit“ 
benannt  werden  würde. 

M.  Kispatic  betrachtet  den  S p o r o ge  1 i t als  die  Gelform  des 
Diaspor  (daher  der  Name)  und  läßt  ihm  wie  diesem  ein  Molekül 
H20  zukommen;  es  ist  jedoch  zweifelhaft,  ob  der  Wassergehalt 
wirklich  ein  konstanter  ist. 

M.  Kispatic  teilte  den  Wassergehalt  aus  dem  Glühverlust 
(H2  0 -f-  C 02)  der  analysierten  Proben  in  der  Weise  auf,  daß  er 
konsequent  1 Molekül  H2  0 für  das  Kolloid  und  den  Diaspor  in 
Anspruch  nahm  und  den  Rest  auf  Hydrargillit  und  die  Gel- 

1 E.  Dittler  und  C.  Doelter,  „Bauxit,  ein  natürliches  To n- 
er deh y d r o gel“.  Z.  f.  Chem.  u.  Ind.  der  Koll.  IX,  6.  p.  282;  ferner  Dies. 
Centralbl.  1912.  1 und  4. 

2 M.  Kispatic,  Bauxite  des  kroatischen  Karstes  und  ihre  Entstehung. 
N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXIV.  1912.  p.  513. 

3 Wollte  man  einen  neuen  Namen  einführen,  was  uns  jedoch  überflüssig 
erscheint,  so  hätte  wohl  der  CoRNü'sche  Name  Kliachit  die  Priorität. 

CentralblaU  f.  Mineralogie  etc.  1913.  13 


194 


C.  Doeltev  und  E.  Dittler.  Bauxit  oder  Sporogelit? 


f o r m e n des  Eisenoxyds  und  der  Kieselsäure  (letztere  mit 
2 H2  0 ?)  verrechnete.  Abgesehen  davon,  daß  auch  dem  Eisen- 
oxyd, welches  doch  auch  in  kolloider  Form  — M.  Kispatiö  nennt 
es  Hämatogelit  — vorliegt,  ein  größerer  Teil  des  Wassergehaltes 
zugesprochen  werden  müßte,  scheint  diese  ganz  willkürliche  Be- 
rechnungsweise auch  aus  dem  Grunde  nicht  einwandfrei,  weil  der 
Bauxit  (Sporogelit)  als  Gel  kaum  ein  Hydrat  von  konstanter  Zu- 
sammensetzung darstellen  dürfte. 

Wir  haben  durch  Versuche  nachweisen  können,  daß  künst- 
lich dargestellte  Hydrogele  der  Tonerde  allmählich  wasserärmer 
werden  und  daß  der  Wassergehalt  je  nach  der  Konzentration 
der  Ausgangsstoffe,  der  Lagerungszeit  und  der  Erwärmung 
wechselt.  Aus  diesem  Grunde  haben  wir  auch  dem  Kolloid  „Bauxit“ 
kein  bestimmtes  Äquivalent  Wasser  zngesprochen. 

Jüngere  „Bauxite“  dürften  mehr  Wasser  enthalten,  wie  auch 
der  von  M.  Kispatiö  untersuchte  „Kljakit“  beweist,  bei  -welchem 
die  restlichen  10,9 1 °/o  H20  nur  schwer  und  nur  unter  der  An- 
nahme eines  Kieselsäuregels  mit  2H20  untergebracht  werden  können. 

Bei  einem  Vergleich  der  beiderseits  geschaffenen  Nomen- 
klaturen ergibt  sich  im  übrigen  Identität  dieser  Mineralien  und 
Mineralgemenge,  wie  kurz  folgende  Tabelle  beweist: 


Ki spatic  und  Tucan  : 

1.  Sporogelit 
(kolloides  Tonerdehydrat 
AL  03  • 1 H2  0) 


Doelter  und  Dittler: 

1 . Bauxit 

(kolloides  Tonerdehydrat 
Al2  03xH2  0); 

2.  Bauxi tit 
(Gestein  mit  überwiegend 
Bauxit) ; 
Bauxitit 
3.  Dias po rite 


4.  Gibbsitite. 


2.  Bauxit  = 

(Gestein  mit  überwiegend  Sporo- 
gelit) 

Sporogelitbauxit  = 

3.  Diasporbauxit  = 

4.  hydrargillitführende 
Sporogelit  - bezw.  Diaspor- 

bauxite  = 

Wenn  F.  TuCan  1 den  Namen  Bauxit  für  das  Mineralgemenge 
und  nicht  für  das  kolloide  Tonerdehydrat  (nach  M.  Kispatic  Sporo- 
gelit) angewendet  wissen  will,  so  wird  ohne  besonderen  Vorteil 
für  die  Sache  die  Namensgebung  schwerfällig  und  unübersichtlich, 
überdies  kommt  ein  neuer  Name  hinzu,  der  wegen  des  hypothetisch 
angenommenen  Wassergehaltes  keine  Berechtigung  besitzt  von 
„Diaspor“  abgeleitet  zu  werden. 

Wir  glauben  aus  dem  Umstande,  daß  unsere  Untersuchung  ein 
Jahr  früher  publiziert  wurde  und  die  von  uns  vorgeschlageue  Nomen- 
klatur einfacher  ist,  unseren  Namen  den  Vorzug  geben  zu  müssen. 
Mineralogisches  Institut  der  k.  k.  Universität  Wien. 


F.  Tucan,  Zur  Bauxitfrage.  Dies.  Centralbl.  1913.  3.  65. 


H.  Michel,  Ueber  das  Auftreten  von  Rhönitbasalten  etc.  195 


Ueber  das  Auftreten  von  Rhönitbasalten  im  Böhmischen 
Mittelgebirge. 

Von  H.  Michel  in  Wien. 

Mit  2 Textfiguren. 

Seit  J.  Soellner  1 den  Rhönit  beschrieben  hat,  sind  in  zahl- 
reichen Gesteinsgebieten,  die  atlantische  Gesteine  führen,  Gesteine 
mit  Rliönit  nachgewiesen  worden,  die  bisweilen  Rhönit  als  wesent- 
lichen Gemengteil  zeigen.  J.  Soellner  selbst  hat  eine  größere 
Anzahl  dieser  Rhönitbasalte  beschrieben,  die  zum  größten  Teile 
aus  der  Rhön  stammen. 

Gelegentlich  der  Aufnahme  der  Erzgebirgsbruchzone  im  Westen 
von  Bodenbach  a.  E.  fand  der  Verf.  eine  größere  Anzahl  von 
rhönitführenden  Basalten  vor,  von  denen  einige  Rhönit  als  wesent- 
lichen Gemengteil  enthalten  und  demnach  die  Bezeichnung  Rliönit- 
basalt  verdienen.  J.  Soellner  erwähnt  unter  seinen  Rhönitbasalten 
auch  vier  aus  Böhmen,  vom  Hasenberge  zwischen  Kfesin  und 
Sedlitz,  von  Zirkovitz,  von  Schlüsselburg  und  vom  Rabenstein  bei 
Sebusein.  Das  letztere  Vorkommen,  dem  Böhmischen  Mittelgebirge  an- 
gehörig, ist  sehr  bemerkenswert,  weil  es  sich  als  Melilithbasalt  erwies, 
der  sonst  im  Mittelgebirge  keine  nennenswerte  Verbreitung  besitzt 
und  lediglich  am  Nordostrand  in  größeren  Körpern  und  Gängen  auftritt. 

Mit  Ausnahme  dieser  Angaben  von  Soellner  sind  sonst 
Rhönitbasalte  aus  dem  Böhmischen  Mittelgebirge  nicht  beschrieben 
worden,  lediglich  das  Auftreten  von  Rliönit  in  mehreren  Gesteinen 
als  Resorptionsprodukt  von  Hornblende  wurde  von  J.  E.  Hibsch  2 
erwähnt.  Die  vom  Verf.  am  Nord  Westrand  zahlreich  Vorgefundenen 
rhönitführenden  Gesteine  scheinen  im  Innern  des  Mittelgebirges 
bedeutend  seltener  zu  sein,  wie  dies  in  gleicher  Weise  für  die  am 
Nordostrand  auftretenden  Melilithgesteine  gilt.  Hier  am  Rande  gegen 
das  Erzgebirge  zu  führen  fast  alle  Gesteine  Rhönit  als  akzessorischen 
Gemengteil,  in  einigen  derselben  ist  er  aber  ebenso  reichlich  wie 
Pyroxen  vorhanden. 

Wenn  der  Rhönit  bereits  iu  jenen  Gesteinen,  in  denen  er  als 
akzessorischer  Gemengteil  auftritt,  den  Habitus  des  Gesteines  be- 
trächtlich zu  verändern  vermag,  so  ist  das  in  weit  höherem  Maße 
dort  der  Fall,  wo  sich  — zumeist  in  einem  lokalen  Differentiations- 
produkt  eines  Gesteins  — der  Rhönitgehalt  vermehrt.  Die  Rhönit- 
basalte sind  in  den  beiden  Fällen,  die  im  folgenden  etwas  näher 
besprochen  werden  sollen,  lokale  Ausbildungen  von  Nephelinbasalt 
und  Nephelinbasanit.  Es  sind  offenbar  ganz  besondere  Verhältnisse 
nötig,  damit  sich  Rhönit  in  reichlicherem  Maße  bilden  kann. 

Von  mancher  Seite  ist  die  Ansicht  vertreten  worden,  daß  der 
gesamte  Rhönitgehalt  eines  Gesteins  durch  Aufschmelzung  eines 

1 J.  Soellner,  Neues  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXIV.  p.  475. 

5 J.  E.  Hibsch.  Tscherm.  Min.  u.  Petrogr.  Mitt.  29.  p.  406. 

13* 


196 


H.  Michel,  Ueber  das  Auftreten  von  Rhönitbasalten 


primären  äquivalenten  Hornblendequantums  entstanden  sei.  So  hat 
H.  Bücking  1 Gesteine  aus  der  Bliön  beschrieben,  in  denen  das  un- 
zweifelhaft der  Fall  ist,  und  deshalb  erkennt  H.  Bücking  dein  Rhönit 
auch  nicht  jene  klassifikatorische  Bedeutung  zu  wie  H.  Bosen- 
busch, der  den  Rhönit  als  „eine  Art  Leitmineral  für  die  Effusiv- 
formen  der  essexitischen  Magmen,  die  Trachydolerite“  bezeichnet. 
Unzweifelhaft  beweisen  die  noch  zahlreich  in  diesen  Gesteinen 
vorhandenen  Pseudomorphosen  von  Rhönit  — Augit  — Olivin  — 
Plagioklas  — Magnetit  — nach  Hornblende  eine  Enstehung  von 
Rhönit  aus  Hornblende.  Unter  anderen  hat  J.  Soellner  2 solche 
Pseudomorphosen  gleichfalls  beschrieben,  und  besonders  X.  Galkin 1 *  3 
hat  sich  mit  dieser  Frage  beschäftigt  und  gezeigt,  daß  diese  Um- 
setzung chemisch  gut  möglich  ist.  Es  findet  wohl  auch  in  vielen 
Fällen  diese  Umsetzung  derart  statt,  daß  sich  auch  in  der  Grund- 
masse auf  Kosten  der  Hornblende  Rhönitkristalle  bilden. 

So  richtig  das  für  die  von  H.  Bücking  beschriebenen  Gesteine 
sein  mag,  ebenso  sicher  trifft  das  für  unsere  Gesteine  nicht  zu. 
Es  findet  sich  keine  Spur  einer  primären  Hornblende  mehr  in  dem 
ganzen  Gesteinskörper,  obwohl  derselbe  keine  bedeutende  Größe 
besitzt  und  deshalb  eine  so  vollständige  Resorption  der  Hornblende 
nicht  zu  erwarten  ist.  Man  müßte  eine  vollständige  Einschmelzung 
annehmen,  und  zwar  zu  einer  Zeit,  zu  der  sich  das  Einschmelzungs- 
produkt völlig  gleichmäßig  in  der  ganzen  zur  Eruption  gekommenen 
Masse  verteilen  konnte.  Eine  so  vollständige  und  frühzeitige  Ein- 
schmelzung läßt  sich  aber  auf  keine  Art  beweisen  und  ist  auch 
sehr  unwahrscheinlich ; wenn  sie  möglich  wäre,  könnte  man  für 
alle  Gemengteile  sekundäre  Entstehung  behaupten. 

In  unseren  Gesteinen  ist  vielmehr  der  Rhönit  direkt  aus  der 
Schmelze  entstanden. 

Die  Untersuchung  zweier  Vorkommen  ergab  folgendes  : 

Basaltisches  Gestein  vom  Kahlen  Berg  bei  E u 1 a n 
westlich  Bodenbach. 

Infolge  des  Auftretens  des  Gesteins  auf  der  Kreuzungsstelle 
des  hier  ungefähr  WO  verlaufenden  Erzgebirgsbruches  mit  einem 
XS  streichenden  Radialbruch  ist  das  Gestein  nahezu  frei  von  Ein- 
schlüssen. Zudem  ist  auch  der  Untergrund  durch  den  präcretacischen 
Bruch , an  dem  das  Elbtalgebirge  gegenüber  dem  Erzgebirge  ab- 
gesunken ist,  gelockert.  Als  Einsprenglinge  treten  Olivin,  Pyroxen, 
Magnetit  auf.  Die  Grundmasse  besteht  entweder  aus  Pyroxen, 
reichlich  Magnetit,  Plagioklas,  Nephelin,  Apatit  und  spärlicher 

1 H.  Bücking,  Die  Basalte  und  Phonolithe  der  Rhön,  ihre  Verbreitung 
und  chemische  Zusammensetzung.  Sitzber.  d.  Berl.  Akad.  1910.  p.  490. 

s J.  Soellner,  1.  c.  p.  541. 

3 X.  Galkin,  Chemische  Untersuchung  einiger  Hornblenden  und  Augite 
aus  Basalten  der  Rhön.  Neues  Jahrb.  f.  Min.  Beil.-Bd.  XXIX.  p.  681. 


im  Böhmischen  Mittelgebirge. 


197 


Glasbasis,  oder  aber  aus  Pyroxen,  reichlich  Rhönit,  sehr  wenig 
Plagioklas,  fast  keinem  Magnetit,  Nephelin , Apatit  und  Glas- 
basis. Zwischen  diesen  beiden  im  Schliff  ganz  verschiedenes 
Aussehen  gewährenden  Ausbildungsformen  des  Gesteins  gibt  es 
Uebergänge. 

Die  Einsprenglinge  sind  im  ganzen  Gesteinskörper  die  gleichen, 
der  Olivin  ist  nahezu  optisch  neutral,  enthält  also  rund  10 — 12°/o 
Fe9Si04,  häufig  stark  korrodiert,  in  den  großen  Korrosionsbuchten 
haben  sich  größere  Plagioklasindividuen  gebildet  in  Gesellschaft 
mit  zierlichen  Titaneisenskeletten,  an  die  wiederum  senkrecht 
Biotitschüppchen  angesetzt  sind. 

Der  Pyroxen  ist  ein  Titanaugit  mit  starkem  Sanduhrbau  und 
mehrfacher  Zonarstruktur.  Häufig  ist  ein  grüner  Kern  vorhanden, 
an  den  sich  zunächst  eine  farblose  Hülle,  sodann  eine  Hülle  von 
Titanaugit  ansetzt.  Orientierung  und  Lichtbrechung  ändern  sich 
gesetzmäßig  in  diesen  Anwachspyramiden  und  Zonen. 

Am  meisten  Interesse  beansprucht  natürlich  der  Rhönit,  der 
in  der  Grundmasse  auftritt  und  der  das  Aussehen  der  Grundmasse 
stark  beeinflußt.  Er  ist  einsprenglingsartig  in  größeren  Individuen 
wie  auch  in  feinen  Körnern  in  der  Grundmasse  verteilt  vorhanden; 
es  entspricht  sein  Auftreten  also  dem  Typus  1 von  J.  Soellner. 
Er  zeigt  den  Pleochroismus:  hellschmutziggelbgrün,  dunkelbraun- 
grün, rotbraunschwarz  in  der  von  Soellner  angegebenen  Orien- 
tierung. Ebenso  ergibt  sich  eine  gute  Übereinstimmung  in  den 
Flächenwinkeln  und  Auslöschungsschiefen.  Die  überaus  feine  poly- 
synthetische Zwillingsbildung  nach  b(010)  ist  gleichfalls  häufig. 
Lichtbrechung  ist  größer  als  Kanadabalsam,  die  Doppelbrechung 
ist  wegen  der  starken  Eigenfarbe  und  der  großen  Absorptions- 
unterschiede schwer  abzuschätzen.  Immer  sind  die  Individuen 
reichlich  mit  Pyroxenkörnern  der  Grundmasse  durchspickt,  woraus 
hervorgeht,  daß  der  Rhönit  trotz  seines  einsprenglingsartigen  Auf- 
tretens der  Effusivperiode  angehört,  ja  sogar  ein  jüngerer  Gemeng- 
teil ist  als  der  Pyroxen  der  Grundmasse. 

Abhängig  vom  Rhönitgehalt  erweist  sich  nun  der  Gehalt  an 
Plagioklas  und  Magnetit  einerseits,  andererseits  auch  das  Korn, 
des  Gesteins.  Die  rhönitfiihrenden  Partien  des  Berges  liefern  ein 
bedeutend  feinkörnigeres  Gestein  mit  kleineren  Einsprenglingen 
von  Olivin  und  Titanaugit  und  einer  Grundmasse  fast  ohne  Magnetit 
und  mit  sehr  wenig  Plagioklas,  die  rhönitfreien  Partien  besitzen 
viel  größere  Einsprenglinge  von  Olivin  und  Augit  sowie  eine  an 
den  lichten  Gemengteilen  reichere  und  auch  magnetitreichere 
Grundmasse. 

Es  ist  also  der  Rhönit  vertreten  durch  Plagioklas  und  Magnetit. 
Auf  die  Relation  zwischen  Rhönit  und  Magnetit  haben  bereits 
J.  Soellner  und  X.  Galkin  hingewiesen.  Nach  Soellner  (1.  c. 
p.  502)  kann  man  sich  den  Rhönit  zusammengesetzt  denken  aus: 


198 


H.  Michel.  Ueber  das  Auftreten  von  Rhönitbasalten 


1 Fe"Fe2"'  (SiTi)  06 
1 Fe"  Al.,  (Si  Ti)  Os 
1 Mg  AI,  (Si  Ti)  06 
3 (Mg  Ca),  Si04. 

Aus  diesen  Formeln  ersieht  man,  daß  sich  statt  des  Rhönits 
ein  Gemenge  von  Pyroxen,  Olivin,  Magnetit  sowie  einem  tonerde- 
reicheren Mineral  bilden  kann.  Das  tonerdereiche  Mineral  wird 
wahrscheinlich  ein  Feldspat  sein,  der  aus  dem  Magma  Alkalien 
bindet.  Ersichtlich  ist  nur  die  Bildung  des  Plagioklases  und 
Magnetites,  da  die  Olivine  und  Pyroxene  unter  den  bei’eits  vor- 
handenen verschwinden. 

Es  hat  also  bereits  im  Magma  nach  seiner  chemischen 
Zusammensetzung  die  Möglichkeit  gelegen,  Rliünit  zu  bilden,  nur 
ist  er  lediglich  in  lokal  beschränkten  Partien  gebildet  worden.  Es 
sind  Uebergänge  im  Rhönitgehalt  vorhanden,  die  zwischen  zwei 
Extremen  schwanken.  Das  eine  Endglied  ist  der  reine  Rhönit- 
basalt,  das  andere  Endglied  ist  ein  Nephelinbasanit. 

Für  die  Bestandfähigkeit  des  Rhönits  scheinen  ähnliche 
Bedingungen  zu  gelten  wie  für  die  basaltische  Hornblende, 
wenigstens  findet  sich  Rhönit  dort,  wo  Hornblende  auch  bestand- 
fähig  wäre,  im  Innern  des  Eruptivkörpers,  andererseits  beweisen 
die  Pseudomorphosen  nach  Hornblende,  in  denen  der  Rhönit  auf- 
tritt,  daß  doch  verschiedene  Existenzbedingungen  für  beide  Minerale 
notwendig  sind.  Da  der  Rhönit  stets  nur  der  Effusivperiode  an- 
gehört, außerdem  zu  den  jüngeren  Bildungen  der  Grundmasse  zu 
zählen  ist,  aber  nie  als  intratellurischer  Einsprengling  auftritt, 
darf  man  wohl  annehmen,  daß  bei  dem  in  der  intratellurischen 
Periode  herrschenden  Druck  und  bei  hohen  Temperaturen  Rhönit 
nicht  bestandfähig  ist,  wohl  aber  kann  Hornblende  bestandfähig 
sein.  Dagegen  muß  bei  den  Temperaturen,  wie  sie  gegen  das 
Ende  der  Effusivperiode  auftreten,  Rhönit  bei  höherer  Temperatur 
beständig  sein,  auch  scheint  ein  verhältnismäßig  größerer  Druck 
dazu  erforderlich  zu  sein,  weil  der  Rhönit  in  den  inneren  Partien 
des  Eruptivkörpers  auftritt.  In  Anlehnung  an  ein  von  Prof.  F.  Becke  1 
gegebenes  Diagramm  über  die  Existenzbedingungen  der  Hornblende 
seien  die  hier  geäußerten  Vermutungen  über  die  Existenzbedingungen 
des  Rhönits  gleichfalls  graphisch  und  im  Verhältnis  zu  denen  der 
Hornblende  wiedergegeben.  (Fig.  1.) 

In  dieser  Figur  bedeutet  wie  im  BECKE’sclien  Diagramm  die 
Linie  FF  die  Grenze  für  die  Temperaturen,  bei  denen  die  Schmelze 
zu  erstarren  beginnt,  unterhalb  der  Linie  SS  ist  alles  erstarrt. 
Die  Linien  HH  und  IiR  sollen  die  oberen  Grenzen  darstellen, 
bei  denen  Hornblende  und  Rhönit  noch  bestandfähig  sind.  Die 
Linie  AD  stellt  nun  die  Zustände  dar,  die  ein  Ergußgestein  bei 

1 F.  Becke,  Gesteine  der  Columbretes.  Tschermak's  Min.  u.  Petr.  Mitt. 
16.  p 331. 


im  Böhmischen  Mittelgebirge. 


199 


der  Erstarrung  durchmacht,  und  zwar  gibt  das  stark  ausgezogene 
Stück  A B die  Zustände  wieder,  die  eintreten  müssen,  damit  sich 
primäre  Hornblende  bilden  kann, 
das  gestrichelte  Stück  der  Kurve 
AB  jedoch  die  Zustände  für  den 
Fall,  daß  es  zu  keiner  Bildung 
von  primärer  Hornblende  kommt. 

Die  Existenzkurve  von  Rhönit 
ist  nun  gegenüber  der  von  Horn- 
blende so  eingetragen,  daß  die 
oben  vermuteten  Bedingungen 
erfüllt  sind.  Inwieweit  diese 
Vermutungen  in  der  Natur  erfüllt 
erscheinen,  ist  schwer  sicher  zu 
entscheiden.  Die  graphische  Dar- 
stellung soll  nur  qualitativ  die 
Verhältnisse  darstellen  und  ist 
nur  auf  Vermutungen  gegründet. 

Daß  Rhönit  auch  den  Magnetit  zu  ersetzen  vermag,  spricht 
dafür,  daß  zu  den  Bildungsbedingungen  für  Rhönit  auch  der  Um- 
stand gehört , daß  sich  das  Magma  eisenreich  erhalten  kann  bis 
zum  Zeitpunkt  der  Rhönitbildung.  Gleichzeitig  geht  daraus  hervor, 
daß  die  Magnetitbildung  nicht  immer  in  das  früheste  Stadium  der  Ge- 
steinsverfestigungfällt, sondern  daß  Magnetit  auch  als  verhältnismäßig 
junger  Gemengteil  auftreten  kann.  Durch  die  Rhönitbildung  werden 
dann  dem  Magma  so  viel  Eisen  und  Tonerde  entzogen,  daß  sich  weder 
Magnetit  noch  ein  Feldspat  oder  Feldspatvertreter  mehr  bilden  kann. 

Mau  könnte  auch  daran  denken,  daß  zur  Rhönitbildung  eine 
bestimmte  chemische  Zusammensetzung  vorhanden  sein  muß,  die 
dadurch  erreicht  und  erst  dann  erreicht  wird,  wenn  sich  die  Ein- 
sprenglingsgeneration von  Olivin  und  Pyroxen  ausgeschieden  hat, 
ohne  daß  dort  jedoch  Magnetit  in  größerer  Menge  sich  gebildet  hätte. 
Deshalb  fehlt  er  in  der  Einsprenglingsgeneration  und  auch  überall 
dort,  wo  sich  viel  Magnetit  ausgeschieden  hat.  Wieso  die  Magnetit- 
bildung bis  zur  Rhönitbildung  verhindert  wird,  läßt  sich  nicht  sagen. 
Die  Analyse  eines  rhönitführenden  Stückes  dieses  Gesteins  ergab  : 

Gewichtsprozente  * Molekülprozente 


Si02  . . . . 

43,57 

TiO,  . . . . 

. . . 3,32 

2.45 

Fea  0,  • . . 

. . . 4.77 

— 

Fe  0 . . . . 

. . . 6,99 

9,82 

Al,0,  . . . . 

. . . 11,86 

7,36 

Mg 0 . . . . 

...  11, *7 

18,40 

Ca  0 ...  . 

. . . 12,04 

13,50 

NaaO  . . . . 

. . . 1.66 

1,84 

k2o  . . . . 

. . . 3.68 

2,45 

P2o5  . . . . 

. . . 0,76 

0,61 

Ht  0 ...  • 

. . . 1,82 

— 

100,48 

100,00 

200 


H.  Michel,  Ueber  das  Auftreten  von  Rhönitbasalten 


Die  OsANN’sclien  Zahlen  ergaben  sich  folgend: 

S = 46,02,  A.  = 4,29,  F = 38,65,  C = 3,07 
s = 46,0,  a = 2,0,  c = 1,0,  f = 17,0 
n = 4,5  yd,  m = 7,5  v <f,  k = 0,65. 

Diese  Zahlen  führen  zu  dem  Typus  Hutberg  der  Familie  der 
Limburgit.e  und  Augitite  mit  der  Typenformel  s = 47,5,  a = 2, 
c = 1,  f — 17  oder  dem  Typus  Käsegrotte  der  Nephelinbasalte 
mit  der  Typenformel  s = 44,  a = 2,  c = 1,  f = 17.  Die 
Projektionspunkte  aller  drei  Gesteine  fallen  übereinander,  nur  die 
Kieselsäureordinaten  sind  verschieden.  Von  den  Typen  der  Nephelin- 
basanite,  zu  denen  die  nicht  rhönitfülirenden  Partien  des  Gesteins- 
körpers am  ehesten  zu  stellen  wären , weicht  unser  Gestein  ab, 
so  daß  immerhin  eine,  wenn  auch  nur  geringfügige  Abweichung 
in  der  chemischen  Zusammensetzung  dieser  lokalen  Ausbildungsform 
angenommen  werden  könnte. 

Aus  den  beigegebenen  Molekülprozenten  läßt  sich  leicht  er- 
sehen, daß  in  reichlichem  Maße  Feldspatvertreter  vorhanden  sein 
müssen  und  daß  das  Fe  in  Orthosilikaten  vertreten  sein  muß. 
Das  Gestein  ist  bei  weitem  nicht  mit  Kieselsäure  gesättigt. 

.T.  Soellner  hat  einen  ähnlich  differenzierten  größeren  Eruptiv- 
körper bei  Forst  in  der  Pfalz  am  Pechsteinkopf  angetroffen  und 
beschrieben  (1.  c.  p.  528). 

Ganz  ähnliche  Verhältnisse  wie  in  der  Quellkuppe  des  Kahlen 
Berges  bei  Eulau  scheinen  bei  dem  Deckenreste  gewaltet  zu  haben, 
der  den 

Hutberg  südlich  Königs w a 1 d bei  Bodenbach 

bildet.  Nur  ist  es  liier  schwieriger,  Vermutungen  darüber  auf- 
zustellen , warum  es  in  einzelnen  Teilen  zur  Rhönitbildung  kamr 
weil  es  sich  hier  um  einen  Deckenrest  handelt,  dessen  ursprüngliche 
Form  durch  Errosion  ganz  verloren  gegangen  ist. 

Die  beiden  Extreme,  die  hier  anzutreffen  sind,  sind  einerseits 
wieder  ein  echter  Rliönitbasalt,  andererseits  ein  Nephelinbasalt. 
Das  gänzlich  verschiedene  Aussehen  dieser  beiden  Typen  wird 
wiederum  durch  den  Rhönitgehalt  bedingt.  Der  Rliönit  ersetzt 
abermals  Magnetit  und  Nephelin,  die  gleichzeitig  statt  Rliönit  in 
dem  Nephelinbasalt  gebildeten  Olivine  und  Pyroxene  verschwinden 
unter  den  sonst  im  Gestein  vorhandenen. 

Das  eine  Endglied,  der  Rliönitbasalt,  zeigt  große  Ein- 
sprenglinge von  Olivin  und  Pyroxen,  so  daß  das  Gestein  ein  grob- 
körniges Aussehen  gewinnt,  im  Gegensatz  zu  dem  Rliönitbasalt  des 
Kahlen  Berges,  der  dort  die  feinkörnigere  Varietät  darstellte.  Der 
Olivin  ist  negativ,  2 V„  = 86"  entsprechend  23°/»  Fe2Si04.  Den 
Pyroxeneinsprenglingen  fehlt  durchwegs  der  grüne  Kern,  sie  haben 
meist  einen  blaßvioletten  bis  farblosen  Kern,  um  welchen  braun- 
violetter  Titanaugit  als  Hülle  angelagert  ist.  Sanduhrbau  und 


im  Böhmischen  Mittelgebirge. 


201 


Zonarstruktur  fehlen  auch  hier  nie.  Die  Olivineinsprenglinge  über- 
wiegen an  Zahl  und  Größe  weitaus. 

Die  Grundmasse  besteht  zum  großen  Teil  ans  einem  dunkel- 
braunvioletten  Titanaugit  mit  einer  Auslöschungschiefe  c y im 
Mittel  — 5ö°. 

Fast  in  gleicher  Menge  ist  Rhönit  vorhanden  in  großen, 
einsprenglingsartigen  Individuen,  die  jedoch  durchwegs  der  Effusiv- 
periode  angehören.  Reich  durchspickt  mit  Pyroxenkörnern,  kann 
sich  der  Rhönit  erst  ganz  zum  Schluß  der  Pyroxenbildungsperiode 
ausgeschieden  haben  und  muß  eine  sehr  große  Kristallisationskraft 


Fig.  2. 


besitzen  , um  noch  solch  große  Individuen  mit  stellenweise  sehr 
scharf  idiomorpher  Umgrenzung  zu  bilden.  Neben  den  großen 
Individuen  finden  sich  auch  zahlreich  in  der  Grundmasse  verstreute 
kleinere  Rhönitkörner.  Der  Rhönit  zeigt  den  charakteristischen 
Pleochroismus,  Zwillinge  nach  b (0 1 0)  sind  recht  häufig.  Auch 
gut  kristallographisch  begrenzte  Schnitte  senkrecht  zu  (010),  also 
mit  scharfer  Zwillingslamellierung  und  einer  Auslöschung  von 
7° — 12"  sowie  Schnitte  parallel  010  mit  einer  Auslöschung  von 
39° — 40°  lassen  den  Rhönit  mit  Sicherheit  erkennen. 

Neben  der  gewöhnlichen  Zwillingsbildung  nach  (010)b,  ver- 
gleichbar den  Albitzwillingen  der  Plagioklase,  finden  sich  Doppel- 
zwillinge, von  denen  Fig.  2 einen  zeigt. 


202 


H.  Michel,  Ueber  das  Auftreten  von  Rhönitbasalien  etc. 


Das  in  der  Figur  breiter  erscheinende,  von  oben  nach  unten 
verlaufende  Individuum  ist  nahezu  genau  parallel  zu  b(010)  ge- 
troffen, das  schräg  von  links  oben  nach  rechts  unten  verlaufende 
Individuum  ist  in  der  Zone  der  b-Achse  annähernd  senkrecht  zur 
c-Achse  getroffen  und  zeigt  daher  scharfe  Zwillingslamellen  nacli 
(010).  (Ich  verweise  bei  dieser  Gelegenheit  auf  die  von  Soellner 
gemachte  Angabe,  daß  wegen  der  großen  Undurchsichtigkeit  des 
Rhönits  eine  bedeutend  stärkere  Lichtquelle  zur  Untersuchung 
nötig  ist.)  Über  das  Gesetz,  das  diesem  Durchdringungszwilling 
zugrunde  liegt,  lassen  sich  nur  Vermutungen  aussprechen.  Es  hat 
den  Anschein,  als  wäre  die  b (OlO)-Fläche  des  einen  Individuums 
parallel  der  c-Fläche  (001)  des  anderen,  als  wäre  die  Achse  a 
gemeinsam.  Dieses  Gesetz  ließe  sich  dann  mit  dem  Bavenoer 
Gesetz  vergleichen. 

Neben  Rhönit  und  Pyroxen  findet  sich  in  der  Grundmasse 
noch  etwas  Magnetit,  ab  und  zu  ein  Körnchen  Nephelin,  das  in 
der  bräunlich  getrübten,  gekörnelten  Glasbasis  liegt.  Apatitnädelchen 
sind  zahlreich  vorhanden,  desgleichen  sind  häufig  skelettartige 
Bildungen , wahrscheinlich  Mikrolithe  von  Hornblende  und  Titan- 
eisenskelette  in  der  Grundmasse  zu  sehen. 

Das  andere  Endglied,  der  Nephelinbasalt  ohne  Rhönit, 
ist  ein  feinkörniges  Gestein  von  violettschwarzer  Farbe  und  fast 
muscheligem  Bruch.  Es  führt  nur  wenig  Einsprenglinge  von  Olivin 
und  Magnetit.  Der  Olivin  ist  optiscli  neutral  entsprechend  einem 
Gehalt  an  10 — 12°/o  Fe2Si04  und  häufig  korrodiert.  Magnetit 
bildet  gleichfalls  größere  Individuen,  Pyroxen  ist  als  Einsprengling- 
äußerst  selten. 

Die  Grundmasse  besteht  aus  Pyroxen,  Magnetit,  Apatit, 
Nephelin,  Analcim  und  Glas  mit  Titaneisenskeletten.  Magnetit 
und  Nephelin  treten  reichlich  an  Stelle  des  hier  nicht  zur  Aus- 
bildung gelangten  Rhönits  auf,  und  zwar  in  wohlbegrenzten  großen 
Kristallen. 

In  diesem  Falle  ist  es  schwer,  über  die  Verhältnisse  zu 
urteilen , die  bei  der  Eruption  diese  wechselnde  Ausbildung  ver- 
ursacht haben.  Der  Rhönitbasalt  bildet  eine  auf  dem  Nephelin- 
basalt aufgelagerte  Partie,  vielleicht  ist  er  nur  eine  Oberflächen- 
fazies,  vergleichbar  manchen  Glasbasalten  am  Rande  und  an  den 
Oberflächen  größerer  Eruptivkörper  des  Böhmischen  Mittelgebirges. 

Zwischen  den  beiden  Endgliedern  vermitteln  Gesteine  mit 
einem  Rhönitgehalt  und  geringerem  Gehalt  an  Nephelin  und 
Magnetit,  als  der  Nephelinbasalt  besitzt.  Diese  Zwischenglieder 
zeigen  gewöhnlich  Koagulationsstruktur,  der  Nephelin  ist  in  größeren 
lichten  Flecken  angereichert,  die  anderen  Partien  sind  ganz  nephelin- 
frei und  führen  nur  das  braune  Glas. 

Es  beeinflußt  also  auch  hier  der  Rhönitgehalt  wesentlich  das 
ganze  Gestein. 


Fr.  Killig,  lieber  eine  Umwandlung  von  Phyllit  etc. 


203 


Beide  hier  angeführten  Beispiele  von  Rhünitbasalten  zeigen, 
daß  der  Rhönitbasalt  ein  extremes  Endglied  von  Reihen  darstellt, 
die  von  Nephelinbasalt  und  Nepheliubasanit  zu  ihm  mit  zahlreichen 
Übergängen  führen.  Die  Bezeichnung  Rhönitbasalt  ist  aber  wohl 
nur  bei  solchen  Gesteinen  am  Platze,  die  im  wesentlichen  aus  der 
Kombination  Olivin,  Pyroxen.  Rliönit  gebildet  sind  und  wenig 
Magnetit,  Feldspäte  oder  Feldspatvertreter  führen,  dafür  stellt  sieh 
ein  trübes  Gesteinsglas  ein. 

Mineralogisches  Institut  der  Universität  Wien,  Jänner  1913. 


Ueber  eine  Umwandlung  von  Phyllit  in  ein  dichtes  Paragonit- 
gestein  von  der  Korundlagerstätte  am  Ochsenkopf  in  Sachsen1 

Yon  Fr.  Killig  in  Rüdersdorf. 

Der  Ochsenkopf  bei  Schwarzenberg  in  Sachsen  ist  von  alters 
her  bekannt  als  Fundort  von  Schmirgel,  der  dem  Phyllit  lagerartig 
konkordant  eingeschaltet  war  und  im  18.  und  19.  Jahrhundert 
sogar  bergmännisch  abgebaut  wurde;  indessen  ist  von  dem  Berg- 
bau heute  fast  nichts  mehr  erhalten : Schächte  und  Stollen  sind 
verschüttet,  und  selbst  die  Halden  kaum  noch  zu  erkennen. 

Der  Korund  ist  unzweifelhaft  regionalnietamorphen  Ursprungs ; 
die  Nähe  eines  im  Phyllit  deutlich  hervortretenden  Kontakthofes, 
der  vom  benachbarten  Eibenstocker  Granitmassiv  herrührt,  läßt 
zwar  eine  kontaktmetamorphe  Entstehung  näher  liegend  erscheinen, 
doch  konnte  au  der  Hand  eines  Proliles,  das  auf  Grund  der  An- 
gaben in  den  vom  Königlichen  Bergamt  in  Freiberg  zur  Verfügung 
gestellten  Akten  rekonstruiert  wurde,  der  Nachweis  erbracht  werden, 
daß  zwischen  Korund  und  Kontakthof  eine  mindestens  300  Meter 
mächtige  Masse  normalen  unveränderten  Pli y llits  einge- 
schaltet ist. 

Das  Hauptgestein  des  Phyllitgebietes  um  den  Ochsenkopf  ist 
ein  blaugrüner  oder  auch  grauer  Phyllit  von  äußerst  feinschiefe- 
riger Beschaffenheit  und  mit  höchst  untergeordnetem  Quarzgehalt, 
während  den  Phylliten  in  der  weiteren  Umgebung  ein  auffallender 
Quarzreichtum  eigen  ist.  Entsprechend  dem  schon  makroskopisch 
festgestellten  Befund  erscheint  der  Phyllit  im  Schliff  aus  wasser- 
hell durchsichtigen  Glimmer  bestehend,  dessen  Blättchen  in  Strängen 
angeordnet  sind  und  nur  spärlich  mit  Chloritblättchen,  Eisenerz- 
partikelchen und  Rutilkörnern  vergesellschaftet  sind,  während  Quarz 
in  diesen  Phylliten  nur  selten  in  Augen  oder  Lagen  auftritt. 

1 Vergl.  Mitteilungen  des  Naturw.  Vereins  zu  Greifswald.  1912.  p.  27  ff. : 
Fr.  Killig:  „Das  Korund-  und  Paragonitvorkommen  am  Ochsenkopf  bei 
Schwarzenberg  in  Sachsen*.  Inaug.-Diss.  Greifswald. 


204 


Fr.  Killig,  Ueber  eine  Umwandlung  von  Phyllit 


Die  chemische  Untersuchung  dieser  quarzarmen  bis  -freien 
Phyllite  ergab  folgende  Zusammensetzung : 

1.  2.  3. 


Si02  . 

. . . 51,79 

51,63 

47,02 

46,97 

42,69 

42,41 

Ti  0, 

. . . 0,72 

0,79 

0,53 

0,59 

0,64 

0,82 

Al2  0, 

. . . 30,96 

30,40 

33.38 

33,36 

40,52 

40,62 

Fe.,  ü3 

. . . 0,85 

0,80 

0.81 

0,60 

0,69 

0,75 

Fe  0 . 

. . . 1,89 

1.92 

2,29 

2,53 

1,40 

1.36 

MgO 

. . . 1,36 

1,42 

2,00 

1,79 

1,83 

1,97 

CaO  . 

. . . 0,69 

0,85 

1,07 

0,95 

0,71 

0,75 

Na»  0 

. . . 0,90 

1,13 

1,05 

1,13 

0,83 

0.70 

K2Ö  . 

. . . 4,96 

5,11 

6.14 

6,12 

5,99 

5,50 

h2o  . 

. . . 6,08 

6,09 

5,79 

6,07 

5,59 

5,10 

co2  . 

...  — 

— 

Sp. 

Sp. 

— 

— 

P20, 

...  — 

— 

Sp. 

Sp. 

— 

— 

100,20 

100.14 

100,08 

100,11 

100,89 

99,99 

1 Phyllit  mit  untergeordneten  Quarzlagen.  Halde  am  Ochsenkopf. 


o J Feinschuppiger  quarzfreier  Phyllit  vom  verschütteten  Schacht. 

Auffällig  an  diesen  Analysen  ist  der  hohe  Alkali-  und  Ton- 
erdegehalt der  Gesteine.  Diese  chemische  Zusammensetzung  ist 
jedoch  nicht  nur  für  die  Phyllite  des  engeren  Ochsenkopfgebietes 
charakteristisch,  sondern  auch  für  entsprechende  Gesteine  aus  der 
weiteren  Umgebung , so  z.  B.  für  einen  äußerlich  sowohl  wie 
mikroskopisch  sich  vom  Ochsenkopfphyllit  kaum  unterscheidenden 
Phyllit  vom  oberen  Sachsenstein , nördlich  vom  Ochsenkopf,  und 
von  einigen  Aufschlüssen  in  Bockau  am  Fuße  des  Ochsenkopfes. 
Äußerlich  durch  seine  schwarze  Färbung  und  mikroskopisch  durch 
einen  Feldspat-  und  Granatgehalt  scheint  ein  Phyllit  von  der 
„Neubeschertglückfundgrube“  bei  Antonsthal  am  Ochsenkopf  aus 
der  Reihe  herauszufallen;  wie  die  andern  Phyllite  zeigt  jedoch 
auch  dieser  den  hohen  Alkali-  und  Tonerdegehalt.  Von  allen  aus 
der  Umgebung  des  Ochsenkopfes  untersuchten  Phylliten  weicht 
nur  ein  sich  äußerlich  wie  mikroskopisch  von  den  andern  nicht 
unterscheidendes  Gestein  vom  Turm  an  der  „Morgenleithe“  durch 
einen  auffallend  niedrigen  Alkaligehalt  von  den  übrigen  ab. 

Die  Analysen  dieser  Phyllite  ergaben : 


4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

SiO»  . 

....  42.81 

42,66 

58,41 

52,54 

48,07 

Ti  0»  . 

....  0,90 

0,61 

0,60 

0,56 

0,50 

A12(53 

....  30.83 

38,34 

23,82 

32.77 

37,19 

Fe,  0., 

....  3,71 

0,72 

0,75 

0,95 

1,00 

Feb  . 

. . 2,26 

1,20 

1,22 

1,54 

2.42 

MgO  . 

....  3,46 

2,20 

1,71 

1,36 

1,69 

CaO  . 

....  1,76 

0,85 

1,17 

0,95 

1,05 

Na,  0 

....  0.61 

1,01 

1,36 

0,82 

0,37 

K,  0 . 

....  7,17 

6,61 

6.72 

3.32 

1,88 

h2o  . 

....  5,62 

5,88 

4.22 

5.27 

5,80 

CO,  . 

....  0,82 

Sp. 

— 

— 

— 

P2  05. 

....  0,15 

— 

— 

— 

10u,10 

100.08 

99,98 

100,08 

99,97 

in  ein  dichtes  Paragonitgestein  etc. 


205 


4.  Schwarzer  Feldspatphyllit  von  der  „Neubeschertglückfundgrube“  bei 
Antonsthal. 

5.  Phyllit,  quarzführend,  oberer  Sachsenstein. 

6.  Phyllit  mit  Spuren  kontaktmetamorpher  Veränderungen.  Bockau. 

7.  Phyllit,  quarzführend,  schieferig,  Bockau. 

8.  Phyllit,  Turm  an  der  Morgenleithe. 

Der  K o r u n d kommt  in  den  Phyllitmassen  am  Ochsenkopf 
in  grobkristallinen,  schwarzblauen  Knollen  meist  in  einem  eben- 
falls schon  den  alten  Mineralogen  wohlbekannten  dichten  Gestein 
vor,  dessen  Beschaffenheit  einer  Bestimmung  nach  rein  äußerlichen 
Kennzeichen  große  Schwierigkeiten  bereitete;  die  hellgrauen  oder 
bräunlichgranen,  bisweilen  auch  rötlichen  oder  zart  grünen  Massen 
wurden  bald  mit  Agalmatolith,  bald  mit  Nephrit,  Talk  usw.  identi- 
fiziert. Eine  eingehende  chemische  Untersuchung  dieser  dichten 
Gesteinsmassen  und  der  zahlreichen  Abarten  ergab  jedoch,  daß  es 
sich  hier  um  eine  dichte  Varietät  von  Paragouit  handelt. 

Da  man  in  den  wenigen  aus  Sammlungen  stammenden  Stücken 
— an  Ort  und  Stelle  war  Korund  nicht  mehr  zu  finden  — meist 
Korund  und  Paragonit  nebeneinander  vorfindet,  liegt  die  Annahme 
nahe,  daß  beide  in  einem  genetischen  Zusammenhang  stehen,  und 
es  ist  in  der  Tat  bereits  einmal  der  Versuch  gemacht  worden, 
auf  Grund  des  Zusammenvorkommens  von  Korund  und  Paragonit 
einen  Schluß  auf  die  Entstehung  des  letzteren  zu  ziehen.  F.  A. 
Genth  stellt  in  seiner  Arbeit  „Über  Korund,  seine  Umwandlungen 
und  die  ihn  begleitenden  Mineralien“1,  in  der  er  für  eine  große 
Anzahl  von  Korundvorkommen  auf  Grund  von  mehr  oder  minder 
deutlichen  Pseudomorphosen  Umwandlungen  von  Korund  in  die 
verschiedensten  Mineralien : Glimmer,  Andalusit,  Cyanit  und  andere 
tonerdereiche  Substanzen  unzweifelhaft  nachgewiesen  hat,  den  Para- 
gonit vom  Ochsenkopf  als  ein  Umwandlungsprodukt  des  Korunds  hin. 

Indessen  beweisen  der  geologische  Befund  und  die  petro- 
graphische  Untersuchung,  daß  der  Paragonit  nicht  aus  Korund 
entstanden  sein  kann.  Für  das  geologische  Vorkommen  ließen 
die  Angaben  in  den  Akten  über  den  Bergbau  erkennen,  daß  zwar  der 
Korund  nur  auf  einen  bestimmten  Horizont  im  Phyllit  beschränkt 
war,  das  Auftreten  des  Paragonits  aber  keineswegs  an  das  des 
Korunds  gebunden  war;  der  Paragonit  durchsetzte  immer  in  un- 
regelmäßigen, sich  verzweigenden  Trümmern  und  Sclimitzen,  die 
sich  im  Phyllit  vielfach  verloren,  in  beliebigen  Richtungen  den 
immer  gleichmäßig  unter  dreißig  Grad  nach  Westen  einfallenden 
Phyllit , trat  also  völlig  unabhängig  vom  Fallen  und  Streichen 
desselben  auf  und  zeigte  somit  auch  geologisch  keinerlei  genetische 
Beziehungen  zum  Korund  und  dessen  Auftreten.  Hingegen  ließ 
die  petrographische  Untersuchung  einiger  Handstücke  unzweideutig 


•Touin.  f.  prakt.  Chemie.  1874.  9.  p.  93. 


Fr.  Killig,  Ueber  eine  Umwandlung  von  Phyllit 


206 


erkennen,  daß  der  Paragonit  aus  dem  Phyllit  hervor- 
gegangen ist:  es  fanden  sich  Stücke,  die  alle  denkbaren  Über- 
gänge von  Phyllit  in  Paragonit  bisweilen  auf  engstem  Raume 
vereinigt  zeigen. 

Ein  Handstück  besteht  z.  B.  an  einer  Ecke  aus  normalem 
schwarzgrünem  Phyllit,  der  die  feinglimmerige  Beschaffenheit  und 
den  ausgezeichneten  Seidenglanz  zeigt,  die  den  Phylliten  der 
Hegend  um  den  Ochsenkopf  allgemein  eigen  sind;  einige  Zenti- 
meter weiter  wird  diese  Masse  einen  Schein  heller,  dann  grau, 
wobei  sie  den  Glanz  verliert  und  einen  stumpfen  Schimmer  erhält, 
hierauf  allmählich  rötlichgrau,  und  schließlich  besteht  das  Hand- 
stiick  aus  jenem  hellen , bräunlichgrauen,  dichten  Paragonit,  wie 
er  von  allen  Handstücken  des  Vorkommens  am  Ochsenkopf, 
mögen  sie  nun  Korund  führen  oder  nicht,  bekannt  ist.  Sowohl 
au  diesem  eben  beschriebenen  Handstück  als  auch  an  größeren 
Blöcken  von  dichtem  Paragonit  läßt  sich  jedoch  gewöhnlich  eine 
undeutliche,  verwischte  Schieferung,  zum  mindesten  jedoch  immer 
noch  eine  Art  roher  Lagenstruktur  erkennen,  die  sich  aus  dem 
Phyllit,  wo  sie  deutlich  ausgeprägt  ist,  durch  eine  Übergangszone 
in  das  Paragonitgestein  hinein  verfolgen  läßt.  An  einigen  Hand- 
stücken desselben  tritt  besonders  auf  Klüften  noch  ein  feiner  Saum 
eines  blätterigen  Minerals  auf,  das  schließlich  auch  in  Nestern 
in  größeren  Mengen  gefunden  wurde  und  auf  Grund  seines  minera- 
logischen Verhaltens  sowie  einer  Analyse  ebenfalls  als  Paragonit 
bestimmt  wurde,  — das  erste  bis  jetzt  beobachtete  Vorkommen  von 
blätterigem  Paragonit. 

Wie  makroskopisch  läßt  sich  auch  mikroskopisch  der  Über- 
gang des  Phyllits  in  Paragonit  beobachten:  die  farblose,  etwas 
trübe  Glimmermasse  des  Phyllits  mit  den  geringen  Mengen  von 
Chlorit  und  Eisenerzpartikelchen  bekommt  allmählich  einen  helleren 
Ton,  indem  Chlorit  und  Eisenerze  seltener  werden.  Die  beglei- 
tenden Bestandmassen  erscheinen  etwas  zersetzt  und  verschwinden 
schließlich  ganz,  während  die  im  Phyllit  seltenen  goldgelben 
Rutilkörnchen  im  Übergang  zahlreicher  werden;  im  Paragonit- 
gestein erfüllen  sie  schließlich  in  Scharen  oder  auch  zu  Flecken  und 
Schlieren  vereinigt  das  Gesichtsfeld,  das  besonders  bei  Abblendung 
des  Lichtes  in  unzähligen  Pünktchen  goldgelb  aufleuchtet.  Zweifellos 
gellen  diese  Rutilmengen  aus  den  Eisenerzpartikelchen  hervor,  da, 
wie  die  nachfolgenden  Analysen  zeigen,  eine  Zunahme  von  Titan- 
säure im  Paragonitgestein  nicht  zu  verzeichnen  ist. 

Die  chemischen  Analysen  einer  Reihe  von  Proben , die 
einem  oben  beschriebenen  Handstück  entnommen  wurden,  bestätigen 
die  mit  dem  unbewaffneten  Auge  und  dem  Mikroskop  beobachtete 
Umwandlung  des  Phyllits;  der  auffällig  hohe  Kaligehalt  desselben 
macht  nach  und  nach  einem  zunehmenden  Natrongehalt  Platz,  und 
das  Kali  wird  schließlich  bei  den  reinsten  Varietäten  des  Para- 


in  ein  dichtes  Paragonit gestern  etc. 


207 


gonitgesteins  bis  auf  wenige  Zehntelprozente  durch  Natron  ersetzt 
Die  Analysen  ergaben  folgende  Werte: 


5. 

9. 

10. 

11. 

12. 

13. 

14. 

Si02.  . 

. 42,66 

43.09 

44,82 

44,54 

43,86 

44,01 

45,12 

TiO,  . 

. 0,61 

0,57 

0,60 

0.62 

0,57 

0,67 

0,71 

AL  63  • 

. 38,34 

38,03 

38,54 

38,79 

37,21 

39,14 

39,57 

Fe203  . 

. 0,72 

0,83 

0,45 

0,41 

0,73 

0,62 

0,31 

Fe  0 . . 

. 1,20 

1,90 

0,20 

0,15 

1,90 

0,16 

sp. 

MgO  . 

. 2,20 

1,11 

0,59 

0,36 

0,28 

0.22 

0,11 

Ca  0 . . 

. 0.85 

0,82 

0,67 

0,79 

0,78 

0,65 

0,49 

Na»  0 . 

. 1,01 

1,12 

3,28 

4.87 

5,23 

7.03 

7,94 

K20.  . 

. 6,61 

7,31 

5,32 

3,88 

3,62 

1,76 

0,47 

H»0  . . 

. 5,88 

5.33 

5,67 

5,58 

5,80 

5,82 

5,50 

100,08 

100,11 

100.14 

99,99 

99,98 

100,08 

100,22 

[5.  Normaler  Phyllit,  vom  oberen  Sachsenstein  (zum  Vergleich).] 

9.  Phyllit,  normal. 

10.  Phyllit  mit  ersten  Anzeichen  einer  Veränderung. 

11. — 12  Übergänge. 

13.  Dichter  Paragonit,  grau. 

14.  Dichter  Paragonit,  grau  bis  rosa. 

Das  Material  zu  den  Analysen  wurde  einem  einzigen  Handstück 
entnommen. 

Es  seien  noch  einige  Analysen  von  Stücken  angeführt,  die 
zwar  nicht  den  Zusammenhang ' zwischen  Phyllit  und  Paragonit 
unmittelbar  erkennen  ließen , aber  zweifellos  derartigen  Über- 
gangsstücken entstammen,  und  zeigen,  wie  mannigfach  das  Ver- 
hältnis von  Kali  und  Natron  in  diesen  Stücken  bei  äußerlich  ge- 
ringfügigen Unterschieden  sein  kann ; die  Analysen  ergaben : 


15. 

16. 

17. 

18. 

Si  0.,  . . . 

44,67 

45,14 

44,58 

TiO,  . . . 

. . . 1,10 

0,35 

0,33 

1,13 

AL03.  • • 

. . . 38,92 

36,17 

39,38 

39,87 

Fe203.  . . 

. . . 0.41 

0,87 

0,74 

0.70 

Fe  0 . . . 

0,14 

0,16 

0,18 

MgO  . . 

. . . 0,10 

0,82 

0,35 

0,55 

Ca  0 . . . 

. . . 1.03 

2,32 

0.73 

0,49 

Na,  0 . . . 

. . . 4,47 

5.08 

3,98 

3,10 

K, 0 . . . 

. . . 4,06 

5,00 

4,85 

4,04 

h2o  . . 

. . . 5,76 

4,60 

4,26 

5,34 

100,02 

100,02 

99,92 

99,98 

15. — 18.  Übergänge  von  Phyllit  in  Paragonit. 

Die  Werte  für  Kali  und  Natron  dieser  Analysen  entsprechen 
Zwischengliedern,  die  in  der  vorigen  Analysenreihe  offenbar  nur 
fehlen,  weil  das  Handstiick  die  Gewinnung  von  Material  zu  einer 
größeren  Anzahl  Analysen  nicht  gestattete;  aus  beiden  geht  jedoch 


208 


Fr.  Ivillig,  Ueber  eine  Umwandlung  von  Phyllit  etc. 


mit  Sicherheit  hervor,  daß  im  dichten  Paragonit  tatsächlich  ein 
Umwandlungsprodukt  des  Phyllits  vorliegt. 

Bei  der  Frage  nacli  der  Ursache  der  Umwandlung 
muß  man  zunächst  in  Betracht  ziehen,  daß  am  Ochsenkopf  das 
Paragon itgestein  überall  da,  wo  es  in  Verbindung  mit  Phyllit  zu 
beobachten  war,  fast  ausschließlich  auf  Klüften  auftritt,  von  denen 
aus  die  Umwandlung  vor  sich  gegangen  zu  sein  scheint.  Besonders 
bedeutungsvoll  aber  ist  der  Umstand,  daß  nach  Angabe  der  Akten 
über  den  Bergbau  — auf  den  Halden  ist  auch  davon  nichts  mehr 
zu  linden  — in  Verbindung  mit  Paragonit  meistens  be- 
trächtliche Lagerstätten  von  sulfidischen  Erzen  auf- 
traten; dies  deutet  darauf  hin,  daß  auf  Klüften  aufsteigende 
wässerige  Lösungen  den  Anlaß  zur  Umwandlung  des  Phyllits  in 
Paragonit  gaben.  Die  natronzuführenden  Wasser  sind  vielleicht 
als  eine  Folgeerscheinung  der  Eruption  des  benachbarten  Eiben- 
stocker  Granitmassivs  aufzufassen. 

Auch  bei  der  Betrachtung  anderer  Erzlagerstätten  kann  man 
häufig  ebenso  wie  am  Ochsenkopf  feststellen , daß  vielfach  die 
Gesteine  in  Verbindung  mit  der  Erzablagerung  eine  teilweise  schon 
äußerlich  sichtbare  Umwandlung  erlitten  zu  haben  scheinen.  Es 
sei  hier  erinnert  an  die  dem  Paragonitgestein  vom  Ochsenkopf 
ganz  ähnlichen  Bildungen  von  ungarischen  Erzlagerstätten  wie 
Schemnitz  ',  Nagyag 2 3,  Felsö  Remete'4  und  Kapnik4,  sowie  von  einem 
japanischen  Bergbau  in  Satsuma5 *:  von  allen  diesen  Orten  sind 
Gesteine  bekannt,  die  durch  ihren  Zusammenhang  mit  anderen  Ge- 
steinen erkennen  lassen,  daß  sie  aus  diesen  zweifellos  unter  der 
Einwirkung  der  erzablagernden  Lösungen  hervorgegangen  sind. 
Merkwürdigerweise  werden  sie  alle  ohne  Rücksicht  auf  ihre  che- 
mische Zusammensetzung,  die  meistens  noch  gar  nicht  ermittelt 
ist,  ohne  weiteres  als  Agalmatolithe  bezeichnet.  Zu  der  gleichen 
Art  von  Gesteinen  gehört  das  sogenannte  „Weiße  Gebirge“  von 
Holzappel  a.  d.  Lahn,  Wellmich  und  Wehrlau  am  Rhein,  wo  der 
Zusammenhang  der  Umwandlung  der  Gesteine  mit  der  Erzablage- 
rung  zuerst  von  A.  Bauer1’  erkannt  wurde;  die  gleiche  Erschei- 
nung stellte  A.  v.  Groddeck7  im  Anschluß  an  Bauer’s  Arbeit  an 
Gesteinen  von  Erzlagerstätten  von  Mitterberg  in  Salzburg  und 

1 Berichte  über  d.  Mitt.  v.  Freund,  d.  Naturw.  i.  Wien.  ges.  v.  Hai- 
dinger. 6.  1816—50. 

J Jahrb.  d.  geol.  Reichsanst.  8.  p.  717;  ferner:  Klaproth,  Beiträge. 

2.  p.  21. 

3 F.  v.  Richthofen:  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  13.  p.  261. 

4 Jahrb.  d.  geol.  Reichsanst.  2.  p 245. 

6 F.  v.  Richthofen:  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  13.  p.  261. 

s Karsten’s  Archiv.  1841.  15.  p.  137. 

7 N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  II.  1883—84.  p.  72. 


Fr.  v.  Pävai-Vajna,  lieber  sarmatischen  Daeittuff  etc. 


209 


Agordo  iu  den  Yenetianischen  Alpen  fest,  wo  die  Bildung  der  als 
„ Lagerschiefer“  bezw.  „Weiße  Schiefer“  bezeichneten  glinimerigen 
und  sich  ebenfalls  fettig'  anfühlenden  Gesteine  im  wesentlichen  in 
einer  Sericitisierung  des  Nebengesteins  in  Verbindung  mit  der 
Eizablagerung  besteht. 

Das  Paragonit-  und  Erzvorkommen  am  Ochsenkopf  unter- 
scheidet sich  von  den  vorgenannten  Lagerstätten  wesentlich  dadurch, 
daß  bei  jenen  eiue  wenn  auch  sich  meist  in  sehr  beschränkten 
Grenzen  haltende  Zuführung  von  Kali  stattfand,  während  hier 
n a t r o n haltige  Lösungen  in  Verbindung  mit  den  erzablagernden 
Prozessen  eine  Verdrängung  des  Kaligehaltes  verursachten ; somit 
ist  hier  im  Gegensatz  zu  der  Sericitisierung  bei  den  vor- 
genannten Lagerstätten  zum  ersten  Male  eine  „Paragoniti- 
siernng"  des  Nebengesteins  beobachtet  worden. 


TJeber  sarmatischen  Daeittuff  in  der  Umgebung  von  Nagyenyed 
nebst  einigen  Bemerkungen  zur  Arbeit  des  Herrn  St.  Gaal. 

Von  Dr.  Franz  von  Pavai-Vajna. 

Mit  3 Textfiguren. 

(Schloß.) 

Nun  aber  zur  Sache! 

Ich  ersuche  Herrn  Privatdozenten  Dr.  Stephan  Gaäi.  uud  alle 
diejenigen,  die  den  bewußten  Artikel  gelesen  haben,  sie  mögen  in 
erster  Reihe  zur  Kenntnis  nehmen , daß  ich  nicht  betreffs  des 
„Päräu  Lazului“  nachgewiesen  habe,  daß  dort  „die  auf  den  unteren 
Horizont  gelagerten  sandigen,  schotterigen  Sedimente  Blöcke  des 
unteren  Horizontmaterials  enthalten“.  Ich  habe  mich  nämlich  in 
diesem  Sinne  nur  über  Päräu  Bärsä  geäußert,  nachdem  meine 
Untersuchungen  hauptsächlich  darauf  Bezug  haben.  Jedoch  muß 
ich  hier  auch  sogleich  eingestehen,  daß  ich  den  von  Herrn  Gaal 
erwähnten  unteren  Horizont  damals  noch  nicht  als  „anstehend“ 
konstatiert  habe  und  in  Olählapäd  auch  noch  heute  nicht  kenne 
und  daher  die  sandigen,  schotterigen  Sedimente  auch  nicht  darauf 
lagern  lassen  konnte.  Ferner  konnte  Herr  Gaal  „die  fossilien- 
führenden Blöcke“  gar  nicht  untersuchen,  weil  von  diesen  nur 
einer  zurückgeblieben  ist,  die  anderen  habe  ich  selbst  aufgearbeitet. 
Dieser  eine  jedoch,  welchen  ich  ihm  gezeigt  habe,  stammt  überhaupt 
nicht  aus  den  Sedimenten  des  unteren  Horizontes  und  ich  erwähne 
die  Cerithium-,  Hydrdbia-,  Limnocardhun - etc.  Arten  nicht  aus  diesem, 
sondern  führe  Modiöla  volhynica , eine  gestreckte  Tapes  sp.  und 
Cardium  lithopodolicum  an;  es  ist  also  wieder  von  etwas  anderem 
die  Rede,  als  wovon  ich  geschrieben  habe.  Ja  selbst  wenn  er  an 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  14 


210 


Fr.  v.  Pävai-Vajna,  Ueber  sarmatischen  Dacittuff 


das  Fossilienmaterial  der  „Fossiliennester“  gedacht  hätte,  würde 
seine  Behauptung  nicht  den  Tatsachen  entsprechen,  weil  ich  doch 
diesbezüglich  ganz  bestimmt  hervorgehoben  habe,  daß  dort  wieder 
die  „Serpeln,  Ervilien,  Hydrobien  und  Bullen  die  Hauptrolle  spielen, 
und  zwar  in  verhältnismäßig  großen  Individuen  und  in  einer  großen 
Artenanzahl“,  wie  auch  an  anderen  Stellen,  wo  wir  es  mit  unter- 
sarmatischen  Sedimenten  zu  tun  haben  und  überhaupt  nicht  die 
Cerithilm-,  Hydrobia-,  Limnocardium- Arten , wie  das  Herr  Gaal 
schreibt.  Sodann  erlaube  mir  Herr  Gaäl  noch,  daß  ich,  in  Er- 
innerung an  die  oben  erwähnte  Donax- Art,  das  Vollkommen  von 
Dreissensia  pölymorpha  Pall.  nov.  var.  und  ]).  Bugensis  Andruss., 
welche  aus  dem  in  Frage  stehenden  Blocke  herstammen  sollen, 
anzweifle,  da  sowohl  ich  selbst,  wie  alle  diejenigen,  die  aus  diesem 
Blocke  Fossilien  gesehen  haben,  nur  Modioien  statt  Dreissensien 


Profil  der  Päräu  Bärsä  bei  Olälilapäd  nächst  des  dritten 
linken  Seitengrabens. 

a.  = sarmatischer  Ton ; b.  = sarmatischer  sandiger  Schotter  mit  Gevölle 
und  Konglomerat : c.  = pannonischer  Sand  und  Schotter  mit  großem  Ge- 
rolle : d.  = pannonischer  Planorbis- Mergel ; e.  = pleistocänes  lößartiges 
Gestein  und  roter  Ton. 

erkannt  haben.  Übrigens  möge  er  meine  Zweifel  hauptsächlich 
jenem  Umstande  zuschreiben,  daß  er  mir  die  fraglichen 
Fossilien  trotz  meiner  Bitte  nicht  zur  Besichtigung 
übersendet  hat. 

Schon  aus  dem  bisher  Gesagten  ist  es  klar,  mit  welcher 
geringen  Gründlichkeit  Herr  Gaäl  die  Artikel  anderer  Leute  hand- 
habt und  die  eigenen  verfaßt. 

In  Olälilapäd  bestehen  die  sarmatischen  Ablagerungen,  wie 
ich  das  schon  in  meiner  Abhandlung  wiederholt  hervorgehoben 
habe,  aus  dunklem  bläulichgrauem  Ton,  sandigem  feinkörnigem 
Schotter  und  gröberem  sandigem  Schotter,  welche  sehr  häufig 
konglomeratisch  sind.  In  diesem  kommen  die  pannonische 
Stufe  bezeichnende  Fossilien  überhaupt  nicht  vor. 
Im  Traväs- Walde  zeigt  die  Oberfläche  dieser  Ablagerungen  Aus- 
waschungen, welche  als  von  einer  einheitlichen  Decke  von  grob- 
körnigem losem,  weniger  sandigem  stark  abgerolltem  Schotter  aus- 
gefüllt  werden  (Fig.  2).  In  diesen  Ablagerungen  sind  die  sarmatischen 


in  der  Umgebung  von  Nagyenyed  etc. 


211 


Ablagerungen  brüchig,  stark  abgerollt;  die  Fossilien  der  unter- 
pannonischen  Stufe  kommen  darin  in  größerer  Anzahl  vor,  so  z.  B. : 
Congeria  Partschi,  ornithopsis,  subglobosa,  Jldanopsis  Martiniana, 
M.  vindobonensis  usw.  Mit  einem  Worte,  wir  können  zwischen  den 
beiden  Sedimenten  eine  petrographische  Abweichung  gut,  eine 
erosionale  Auswaschung,  eine  Verschiedenheit  der  Fauna  gut  sehen, 
was  jedoch  Herrn  Gaäl  noch  immer  nicht  genügt,  beziehungsweise 
sieht  er  auch  dieä  nicht  richtig,  denn  er  schreibt,  daß  „bei  der 
Einmündung  des  dritten  Nebengrabens  diese  Schichte  neuerdings 
auftaucht,  hier  jedoch  schon  Schotter  ist“.  Das  heißt,  er  sieht 
etwas,  sagt  aber  trotzdem:  „Pävay  hat  von  diesem  Orte  ein  Proül 
gezeichnet,  doch  muß  ich  bemerken,  daß  er  dieses  einheitliche 
Glied  unrichtigerweise  in  b-  und  c-Schichten  trennt  und  noch 
weniger  kann  man  die  c-Schicht  als  pannonisch  bezeichnen.“ 
„Dasselbe  steht  auch  von  dem  Profil  von  Puszta  und  Olän  (p.  412).“ 
(Gaal,  1.  c.  p.  445.) 

Herr  Gaal  möge  mir  erlauben  zu  bemerken,  daß  diese  charak- 
teristische Verneinung  ohne  jede  Begründung  etwas  Ungewohntes 
ist.  Unwillkürlich  fällt  mir  dabei  der  Fall  ein,  als  er  das  Vor- 
kommen der  Campylca  banatica  (Partsch)  Rm.  in  den  Pleistocän- 
Ablagerungen  halb  und  halb  nur  darum  abgeleugnet  hat  *,  um  in 
eben  derselben  Mitteilung  mit  seinen  Gyertyänoser  Exemplaren 
beweisen  zu  können,  daß  diese  Art  tatsächlich  auch  bei  Miriszlö 
im  Pleistocän  existiert  haben  konnte.  Herr  Gaal  täuschte  sich 
außerordentlich,  wenn  er  dachte,  daß  ich  ein  derartiges  Vor- 
gehen auch  zum  zweiten  Male  stillschweigend  hinnehme,  muß 
aber  zugleich  ungemein  bedauern , daß  ich  als  junger  Mensch 
auch  so  etwas  bemerke,  was  er  und  andere  erst  später  gesehen 
haben. 

Nachdem  ich  aber  befürchte,  daß  Herr  Gaal  zu  guter  Letzt 
irgendwo  auch  noch  das  beweist,  daß  meine  beanstandeten  Profile 
dennoch  richtig  sind,  beeile  ich  mich,  nochmals  auf  jene  schon 
wiederholt  hervorgehobene  Verschiedenheit  der  petrographischen 
Verhältnisse  und  der  Fauna  wie  auch  auf  die  Erosionsauswaschung 
hinzuweisen.  Nun  glaube  ich  aber,  bleibt  Herr  Gaäl  der  einzige 
Fachmann,  der  es  bezweifelt,  daß  an  der  in  Rede  stehenden 
Stelle  die  Sedimente  verschiedenen  Alters  aufeinander  lagen. 
Ferner  dürfte  mich  Herr  Gaal  noch  aufklären,  warum  „die  C- 
Schichte  noch  weniger  pannonischen  Alters  sein  kann“  (1.  c.  p.  445), 
wenn  er  doch  in  deren  Fortsetzung  (laut  Gaäl!)  auf  die  Schalen 
der  Congeria  Partschi  Crjz.  gestoßen  ist  (1.  c.  p.  445).  Hat  er 
dieses  Fossil  auch  in  sarmatischen  Ablagerungen  aufgefunden? 
Wirklich  schade,  daß  er  dies  zu  publizieren  vergessen  hat. 


1 St.  Gaäl.  Neuere  Beiträge  zur  Verbreitung  von  Campylaea  banatica 
im  Pleistocän.  Földt.  Közl.  40.  p.  268. 


14* 


212 


Fr.  v.  Pävai-Vajna,  Ueber  sarmatischen  Bacittuff 


Wenn  nun  Herr  Gaal  meine  Neugierde  derart  gespannt  hat. 
so  möge  er  mir  noch  die  Frage  erlauben,  weshalb  ich  stellen- 
weise auch  solche  Schichten  als  sarmatisch  betrachtet  habe,  „die 
dickschalige  Congerien  enthalten“  (1.  c.  p.  446).  Es  dünkt  mir. 
er  spricht  hier  schon  wieder  von  etwas  anderem,  als  was  ich  ge- 
schrieben habe. 

Schließlich  muß  ich  noch  im  Zusammenhänge  mit  diesen 
sandigen  schotterigen  Ablagerungen  meiner  Freude  Ausdruck  ver- 
leihen, daß  er  darauf  hinweist,  daß  dieselben  wahrscheinlich 
im  Weichbilde  der  Gemeinden  Csäkö,  Miriszlö  und  Örmenyes  auf- 
zutinden  sind;  nur  schade,  daß  ich  dies  schon  seinerzeit  festgestellt 
habe.  Auch  dies  scheint  seiner  Aufmerksamkeit  entgangen  zu  sein, 
geradeso  wie  jener  Umstand,  daß  ich  der  Wagehals  war,  der  im 


Fig.  3. 

Die  kleine  Synklinale  der  Falte  bei  Marosgombäs,  bevor  Herr  Gaal  sie 

aufschloß. 


Marosgombäser  Park  auf  jene  gewisse  steile  Synklinale  gestoßen 
ist.  Das  Charakteristischste  ist  aber  dennoch,  daß  Herr  Privat- 
dozent Gaäl  diese  erst  noch  „aufschließen“  mußte,  um  zu  sehen, 
mit  was  er  es  zu  tun  habe,  wo  wir  doch  zur  selben  Zeit,  als 
Herr  Gaäl  mit  uns  dort  war,  das  Ganze  derart  gut  gesehen  haben, 
daß  mein  Kollege  diese  Stelle  sogar  gleich  photographiert  hat. 
(Fig.  3.)  Es  wäre  angezeigt  gewesen,  wenn  er  auch  in  Lapäd 
derartige  Aufschlüsse  gemacht  hätte , dann  würde  er  vielleicht 
auch  das  erblickt  haben,  was  andere  auch  so  sehen,  weil  wahrlich 
nicht  alle  Grenzen  so  scharf  sind  wie  „zwischen  dem  Liegenden 
des  Planorbis-  Sandmergels  (Pävay,  Fig.  21  Schicht  d)  und 
dem  früher  oben  charakterisierten  Schotter“.  Ferner  sagt  Herr 
Gaäl:  „Aber  auch  von  der  Lagerung  von  Olählapäd  konnte  ich 
feststellen,  daß  sich  das  im  Hangenden  des  B-Horizontes  befindliche 
Sediment  unmittelbar  oder  übergänglich  auflagerte.  Wenn  wir 


in  der  Umgebung  von  Nagyenyecl  etc. 


213 


aber  voraussetzen,  daß  auf  den  mittleren  Abschnitt  des  Obermiocäus 
(Senkung)  im  oberen  Horizont  eine  Hebung  folgte,  so  müßten  die 
Beweise  dessen  gerade  im  Strandgürtel  am  besten  zu  sehen  sein“ 
(1.  c.  p.  446).  Ich  bezweifle  demnach  die  Genauigkeit  des  Herrn 
Gaäl,  nachdem  er  doch  die  Erosionsspnren  an  einer  ganz  anderen 
Stelle,  als  an  der  von  mir  beschriebenen , sucht.  Zwischen  den 
sandigen  und  schotterigen  Ablagerungen  der  sarmatischen  und 
pannonisclien  Stufe  sind  diese  zu  linden  und  nicht  über  den 
letzteren. 

In  Anbetracht  der  Methode  und  wie  Herr  Gaal  in  der  Um- 
gebung von  Xagyenyed  und  Olählapäd  gearbeitet  hat,  können  wir 
getrost  sagen,  daß  auch  seine  weiteren  auf  die  Stratigraphie  des 
Siebenbürger  Beckens  bezüglichen  Daten  nicht  besser  und  um 
keinen  Haarstrich  verläßlicher  sind.  Gewiß  liegt  auch  dort  der 
Fehler  nicht  in  den  bewußten  Schichten,  sondern  darin,  daß  Herr 
Gaal  das  Siebenbürger  Becken  nicht  genügend  kennt,  da  sich 
seine  Beobachtungen  nur  auf  einzelne  Partien  desselben  und  auch 
hier  nur  auf  einzelne  Glieder  des  Keogeus  beschränken.  Daß  er 
daraus  dennoch  hochwichtige  Folgerungen  gezogen  Hat , tat  er 
wahrscheinlich  in  dem  Glauben,  daß  „er  als  einziger  Kenner  dei 
Siebenbürger  neogenen  Bucht“  über  alle  Kritik  erhaben  stellt. 
Soviel  ist  gewiß,  daß  nur  derjenige  einen  solchen  Artikel  verfassen 
kann,  der  vergißt,  daß  auch  noch  andere  in  dieser  Gegend  arbeiten, 
die  man  nicht  mit  dem  einfachen  Wort,  sondern  mit  der  Kraft 
der  Beweise  überzeugen  muß. 

Xun  aber  zur  Tektonik,  da  sich  Herr  Gaal  im  Siebenbürger 
Becken  auch  damit  befaßt  hat.  Seine  Aufgabe  war  wenigstens 
teilweise  diese  und  zwar  der  schönste  Teil  der  tektonischen  Auf- 
nahme. Leider  hat  aber  diese  Arbeit,  nach  meiner  Meinung,  keine 
genießbaren  Früchte  gezeitigt,  statt  schön  ausgearbeiteter  Profile. 
Es  hat  sich  das  Wunder  ereignet,  daß  dort,  wo  15 — 20  Fachleute 
die  im  Becken  befindlichen  Faltungen  erblickt  haben  und  deren 
Verlauf  ein  ganzes  Heer  von  ausführlich  arbeitenden  Geologen 
mit  tausend  und  abertausend  Fallmessuugen  bewiesen  haben,  Herr 
Gaäl  gar  nichts  gesehen  und  die  Schichten  des  Beckeninnern  in 
einer  horizontalen,  ursprünglichen  Lagerung  gefunden  hat,  und 
zwar  nach  einer  sehr  eingehenden  Untersuchung,  was  am  besten 
seine  30 — 40,  sage  dreißig  bis  vierzig  an  verschiedenen  Punkten 
des  Beckens  vorgenommenen  Messungen  des  Fallens  und  Streichens 
beweisen.  Mit  geringer  Mühe  können  wir  diese  auf  seiner  Karte 
auftinden.  Allerdings  liefern  diese  nicht  den  Beweis  von  einer 
horizontalen  Lagerung,  was  jedoch  den  Herrn  Privatdozenten  Gaäl 
nicht  in  Verlegenheit  setzt,  weil  doch  „laut  den  neuesten  meeres- 
erforschenden  Expeditionen  auch  mit  1 5 0 einfallende,  ursprüngliche 
Schichtungen  Vorkommen“.  Statt  sich  an  die  Meeresforscher  zu 
wenden,  wäre  es  viel  besser  gewesen,  wenn  Herr  Gaäl  die  durch 


214 


Fr.  v.  Pävai-Vajna,  Ueber  samatischen  Dacittuff  etc. 


ihn  vertretene  Siebenbiii'ger  neogene  Bucht  zurate  gezogen  hätte. 
Er  hätte  dort  zwischen  den  ungestörten  Schichten  der  Ufer- 
ablagerungen auch  noch  steiler  einfällende  gefunden,  hätte  aber 
nicht  einmal  in  diesem  Falle  recht  gehabt,  weil  es  im  Innern  des 
Beckens  keine  Ufer  gegeben  hat,  und  wenn  es  auch  solche  in  der 
Tiefe  gegeben  hätte,  so  hätten  diese  kaum,  nach  einer  Bedeckung 
durch  Tone,  Sande,  welche  einige  hundert  Meter  mächtig  sind, 
auch  Herrn  Gaal  zuliebe  nicht,  ihre  Wirkung  an  der  heutigen 
Oberfläche  wahrnehmen  lassen.  Oder  ist  es  vielleicht  eine  besondere 
Laune  des  Schicksals,  daß  auf  jenen  seiner  Angabe  nach  nicht 
existierenden  Antiklinalen  gerade  im  Innern  des  Beckens  in  vielen 
Kilometern  Entfernung  voneinander  die  Gasbrunnen  durcligehends 
alle  das  Gas  nur  so  ausströmen  lassen,  dessen  Quantität  heute 
täglich  mehr  als  2 000  000  Kubikmeter  beträgt,  was  wir  gerade 
jenen  verleugneten  Antiklinalen  wie  auch  jenen  wahren  Fachleuten 
verdanken,  die  jene  erkannt  haben?  Vielleicht  ist  auch  das  ein 
bloßer  Zufall,  daß  eben  diese  Falten  in  der  Tiefe  ein  bedeutend 
steileres  Einfallen  aufweisen? 

In  diesem  Falle  ist  meiner  Meinung  nach  wieder  nur  Herr 
Privatdozent  Gaäl  der  einzige  Fachmann,  dem  ich  beweisen 
muß,  daß  die  Schichtenneigungen  von  2,  4,  8,  16°,  bei  ihrer  ent- 
gegengesetzten Eichtling  nichts  als  Beweise  einer  antiklinalen 
Lagerung  sind,  daß  ferner  der  Antiklinale  von  Särusäs  auch  noch 
in  ihren  Krümmungen  8 — 10  andere  Falten  parallel  folgen,  deren 
steiles,  50 — 60 — 80°  betragendes  Einfallen  auch  er  gegen  den 
Beckenrand  zu  erblickt  hat.  Ich  kann  es  selbst  von  seinen 
Schülern  nicht  voraussetzen , daß  sie , wenn  er  ihnen  auf  der 
Karte  eines  Beckens  auch  nur  mit  2 — 3°  in  entgegengesetzter 
Richtung  in  länglicli  dahinziehenden,  sich  krümmenden  Reihen  in 
einigen  Zentimeter  Entfernung  voneinander  die  Streich-  und  Fall- 
zeichen aufzeichnet,  nicht  erkennen  würden,  daß  die  Schichten 
dieses  Beckens  von  irgendeinem  tektonischen  Vorgang  berührt 
wurden. 

Nach  meiner  persönlichen  Auffassung  gesellt  sich  hierzu  noch 
Unkenntnis  des  Terrains,  denn  ich  kann  nicht  verschweigen,  daß 
Herr  Gaäl  schreibt:  „an  der  südlichen  Uferlinie  ist  die  Schich- 
tung in  den  neogenen  Ablagerungen  im  allgemeinen  horizontal", 
wo  ich  doch  am  rechten  Ufer  des  Oltflusses  am  Fuße  der  Fogaraser 
Berge  an  den  Antiklinalen  der  mediterranen  und  sarmatischen 
Schichten  20°,  15°,  29°,  70°  Einfallen  gemessen  habe?  Ferner 
glaube  ich,  daß  Herr  Gaäl  mit  folgenden  Äußerungen  Verwirrungen 
anrichtet:  „In  der  Umgebung  von  Nagyenyed,  ferner  bei  Kis-Akna, 
Kerelö  Szt.  Päl,  Bäzna,  aber  hauptsächlich  in  der  Gegend  von 
Szäszregen  erscheinen  den  NW — SO  streichenden  Falten  und  be- 
sonders Brüchen  des  Mittelmiocäns  gegenüber  NO — SW  verlaufende 
tektonische  Dislokationen  des  ObermiocänsU  Wo  er  doch  selbst 


C.  Gagel,  lieber  das  Alter  etc. 


215 


anerkennt,  daß  die  Schichten  der  sarmatischen  und  pannonischen 
Stute  auch  gefaltet  sind , und  zwar,  wie  ich  es  mit  zahllosen 
Messungen,  die  ein  Einfallen  nach  3,14,  4,15  und  2,13  Stunden 
ergaben,  beweisen  kann,  in  NW — SO  streichenden  Falten.  Nun 
sind  aber  die  sarmatischen  und  pannonischen  Ablagerungen  auch 
nach  der  Ansicht  des  Herrn  Gaal  obermiocänen  Alters,  konnten 
sich  daher  noch  vor  ihrer  Geburt  im  Mittelmiocän  nicht  gefaltet 
haben.  Daraus  folgt,  daß  auch  die  NW — SO  streichenden  Fal- 
tungen und  Brüche  kein  mittelmiocänes  Alter  besitzen. 

Natürlicherweise  wird  der,  der  diese  Faltungen  in  der 
Natur  selbst  noch  nie  studiert  hat  und  der  sich  nicht  einmal  der 
Mühe  unterworfen  hat,  z.  B.  die  Arbeiten  von  Mrazec  durch- 
zusehen, welche  sich  mit  den  Faltungs Verhältnissen  eines  ähnlichen 
Gebietes  befassen,  oft  sehr  eigentümliche  Faltungsformen  finden. 
Es  scheint,  daß  er  nicht  einmal  die  Zeichnungen  Löczv’s  angesehen 
hat,  welche  dieser  nach  Mrazec  mitteilt,  obwohl  er  jenen  Artikel, 
welchem  diese  beigefügt  sind,  ganz  gewiß  erhalten  hat.  Nur  so 
ist  es  zu  verstehen,  daß  Herr  Gaäl  in  seiner  Kritik  betreffs  der 
durchspießenden  Falten  dergleichen  Fragen  stellen  kann:  „Was 

hält  dann  die  Decke  starr  unbeweglich  angespannt,  als  die  von 
unten  wirkende  Kraft  den  Kern  hineindrückt?“  Diese  Frage  verrät 
deutlich,  daß  er  von  der  ganzen  Sache  nur  den  Namen  kennt. 

Das  aber  müßte  er  dennoch  wissen,  daß  auch  jene  Deck- 
schichten eine  gewisse  Festigkeit  und  einen  Widerstand  besitzen, 
durch  dessen  Überspannung  infolge  des  Druckes  der  tieferen  Schichten 
jene  zerreissen,  verdünnt  werden  und  jene  tieferen  älteren  Sedimente 
unter  den  weiteren  Faltungsprozessen  sehr  schön  zwischen  die 
viel  jüngeren  Produkte  hineingeraten,  ohne  irgendwelche  größere 
Hexerei.  Wenn  wir  noch  hinzufiigeu,  daß  der  diapyre  Kern  nicht 
im  Zeiträume  eines  Augenblickes  zur  Geltung  gelangt  wie  eine 
gutgeartete  Kanonenkugel,  sondern  Jahrtausende  hindurch,  so 
dürfte  es  vielleicht  genügend  klar  sein,  wie  unwahrscheinlich  die 
Frage  des  Herrn  Privatdozenten  Gaäl  für  jeden  ist,  der  betreffs 
der  Durchspießungsfalten  nur  einigermaßen  orientiert  ist. 

S chemnitz  (Selmecbänya),  den  24.  Januar  1913. 


Ueber  das  Alter  der  Moräne  am  Emmerleff-Kliff  und  die 
Beweiskraft  der  „Leitgeschiebe“  für  das  Alter  der  Moränen 

Von  C.  Gagel. 

In  meiner  kleinen  Notiz : Über  einen  Grenzpunkt  der  letzten 
Vereisung  (des  Oberen  Geschiebemergels)  in  Schleswig-Holstein  1 


1 Jahrb.  d.  pr.  geol.  Landes-Anst.  1907.  28.  p.  581. 


216 


C.  Gagel,  Ueber  das  Alter 


habe  ich  mich  bemüht,  den  Beweis  dafür  schlüssig  zu  machen, 
daß  die  Hauptmoräne  des  Boten  Kliff  auf  Sylt  zur  Haupteiszeit 
gehöre  und  daß  im  Gegensatz  dazu  im  Emmerleff-Kliff,  25  km 
östlich  davon,  schon  die  Moräne  der  letzten  Vereisung,  der  Obere 
Geschiebemergel,  vorhanden  sei.  Ich  habe  darin  betont,  daß  die 
früher  schon  vorgebrachten  Beweise,  besonders  die  von  Zeise  und 
Petersen  , für  dieses  Alter  der  Boten  Kliff-Moräne  schon  sein- 
einleuchtend  seien  — insbesondere  die  ungemein  intensive,  bis  auf 
fast  20  m Tiefe  herunterreichende  Verwitterungszone  dort  im 
Boten  Kliff  • — , daß  aber,  um  diesen  Beweis  schlüssig  zu  machen, 
noch  der  Nachweis  einer  in  demselben  Gebiet  und  unter  denselben 
klimatischen  Bedingungen  abgesetzten,  aber  wesentlich  we- 
niger stark  verwitterten  Moräne  erforderlich  sei,  damit  der  schon 
mehrfach  gemachte  Ein  wand , die  Hauptmoräne  des  Koten  Kliff 
könne  doch  eventuell  Moräne  der  letzten  Eiszeit  (Oberer  Geschiebe- 
mergel) sein , der  nur  unter  den  abweichenden  klimatischen  Be- 
dingungen der  Nordsee  so  wesentlich  weiter  verwittert  sei,  als  die 
gewöhnliche  Obere  Moräne  hinter  (östlich)  der  großen  Endmoräue, 
seiner  anscheinenden  Beweiskraft  entkleidet  würde. 

Diesen  bis  dahin  fehlenden  Schlußpunkt  des  hier  an  dieser 
Stelle  besonders  nötigen  und  wichtigen  einwandfreien  Beweises 
glaube  ich  in  der  völlig  frischen,  z.  T.  noch  blaugrauen 
Moräne  des  Emmerleff-Kliff  an  eben  derselben  feuchten  Nordsee- 
küste und  nur  25  km  vom  Boten  Kliff  entfernt  gefunden  zu  haben 
und  habe  als  Verstärkung  des  so  von  mir  m.  E.  schlüssig  ge- 
machten Beweises  nebenher  noch  die  anscheinend  abweichende 
Geschiebeführung  des  Emmerleff-Kliff,  die  Führung  einer  großen 
Untereocänscholle  und  das  anscheinende  Fehlen  norwegischer 
Geschiebe,  von  denen  ich  bei  zweistündigem  Suchen  keins  ge- 
f u n d e n hätte  ’,  herangezogen. 

In  seiner  letzten  Arbeit  über  Sylt1 2  sucht  nun  Herr  Stoli.ey 
aus  der  Gescliiebefiihrung  der  Emmerleff-Kliff-Moräne,  die  „neben 
reichlichem  baltischen  -Material,  einigen  Schonensclien 
Basalten  und  mehreren  einheimischen  Geschieben  zwei  Khombeu- 
porphyre,  einen  norwegischen  Blauquarz,  mehrere  typische  Porphyre 
aus  Dalarne,  zahlreiche  Dalasandsteine  und  Quarzite  und  einige 
mittelschwedische  Urkalke“  enthält,  zu  beweisen,  daß  diese  Emmer- 
leff-Kliff-Moräne ebenfalls  Moräne  der  Haupteiszeit  sei  und  knüpft 
daran  eine  seiner  beliebten  Polemiken  gegen  mich,  in  der  er  die 
Beweiskraft  der  verschiedenen  Verwitterungstiefe  bei  verschiedenen 


1 Aus  dieser  sehr  vorsichtigen  Angabe  von  mir  ist  dann  später  leider 
die  Behauptung  konstruiert  worden , norwegische  Geschiebe  seien  am 
Emmerleff-Kliff  nicht  vorhanden. 

2 Stolle y,  Nochmals  das  Quartär  und  Tertiär  von  Sylt.  N.  Jabrb. 
f.  Min.  etc.  1912.  p.  154  ff. 


der  Moräne  am  Emmerleff-Kliff  etc. 


217 


Moränen  zwar  nicht  ganz  leugnet,  aber  docli  erheblich  abzuschwächen 
sucht.  Merkwürdigerweise  führt  Herr  Stolley  mich  und  mein 
energisches  Eintreten  für  eine  dreimalige  Vereisung  Norddeutsch- 
lands als  erwünschte  Stütze  seiner  Auffassung  vom  Sylter  Diluvium 
an  und  übersieht  dabei  doch  völlig,  daß  er  mit  dieser  ganz  un- 
nötigen und  unzutreffenden  Polemik  den  Hauptstützpunkt  meiner 
(und  seiner)  Auffassung  selbst  zu  untergraben  trachtet  und  daß, 
wenn  diese  seine  Polemik  und  Argumentation  richtig  wäre , er 
überhaupt  gar  keine  schlüssigen  Beweise  für  seine  Auf- 
fassung vom  Sylter  Diluvium  hätte. 

Ich  muß  hier  zunächst  nun  wiederum  feststellen,  daß  Herr 
Stolley  auch  hier,  wie  schon  öfter,  über  eine  Frage  urteilt,  ohne 
die  wichtigste  und  wesentlichste  Literatur  dazu  zu  kennen  oder  — 
was  noch  bedenklicher  wäre  — ohne  sie  zu  beachten. 

Schon  Zeise  1 hat  in  seiner  Doktordissertation  nachgewiesen, 
daß  — im  großen  und  ganzen  betrachtet  — der  Obere  und  der 
Untere  Geschiebemergel  (O.G.  und  U.G.)  sich  in  ihrer  Gesell  iebe- 
führung  nicht  wesentlich  unterscheiden  und  Zeise’s  Beweis  wird 
heute  noch  wesentlich  schlüssiger  als  zur  Zeit  seiner  Erhebung, 
da  ein  Teil  der  von  Zeise  als  U.G.  betrachteten  Vorkommen  sich 
ebenfalls  noch  als  O.G.  erwiesen  hat  (z.  B.  Fehmarn). 

Ferner  hat  J.  Kork2  auf  Grund  sehr  sorgfältiger  und  um- 
fangreicher Aufsammlungen  im  O.G.  und  U.G.  bei  Otersen — - Glinde — 
Schulau  unterhalb  Hamburg  mit  Sicherheit  festgestellt : 1 . daß 
dort  im  Unterelbegebiet  gerade  die  von  Stolley  als  für  U.G.  so 
besonders  charakteristisch  betrachteten  Rhombenporphyre  und  Da- 
larne-Gesteine  im  Oberen  Geschiebemergel  viel  häufiger  Vor- 
kommen als  im  U.G.  (6,3  °/o  und  33  °/o  im  O.G.  gegen  <»,7°/o 
und  20°/o  im  U.G.),  2.  aus  Aufsammlungen  meiner  Kollegen  im 
Osten  Holsteins  des  weiteren  festgestellt,  daß  auch  dort  — viel 
weiter  im  Osten  — die  Ansicht  Stolley’s,  daß  die  Rhomben- 
porphyre dem  Oberen  Geschiebemergel  fehlen,  ebenfalls  sicher 
unzutreffend  ist,  und  auf  mangelhafter  Beobachtung  beruht. 

Endlich  habe  ich  selbst  schon  vor  Jahren,  und  zwar  an  mög- 
lichst kenntlicher  und  kaum  übersehbarer  Stelle3  den  Nachweis 
geführt,  daß  im  alleräußersten  Osten  Holsteins  unter  10u20'  ö.  L., 
am  Ostkliff  von  Fehmarn,  im  zweifellos  Oberen  Geschiebe- 
mergel, der  hier  die  typische  Grundmoränenebene  hinter  der  großen 

1 0.  Zeise,  Beitrag  zur  Kenntnis  der  Ausbreitung  sowie  besonders 
der  Bewegungsrichtungen  des  Inlandeises  in  diluvialer  Zeit.  Königs- 
berg i.  Pr.  1889. 

2 ln  H.  Schröder  und  J.  Stoller,  Diluviale  marine  und  Süßwasser- 
Schichten  bei  Ütersen — Schulau.  Jahrb.  d.  pr.  geol.  Landes-Anst.  1906. 
27.  p.  473—479. 

3 C.  Gagel,  Geologische  Notizen  von  der  Insel  Fehmarn  und  aus 
Wagrien.  I.  Jahrb.  d.  pr.  geol.  Landes-Anst.  1905.  26.  p.  255 — 259. 


218 


C.  Gagel,  Ueber  (las  Alter 


Endmoräne  bildet  und  wundervoll  aufgeschlossen  ist,  fast  genau 
dieselbe  Geschiebevergesellscliaftung  vorhanden  ist,  wie  sie  Stolley 
jetzt  vom  Emmerletf-Kliff  anführt  und  als  Beweis  für  U.G.  benutzen 
will,  nämlich  reichliche  Rhombenporphyre  und  Ostseegesteine, 
Dalarnegesteine  (Venjanporphyrit,  Bred  wadporphyr,  Elfdalenporphyr), 
Paskalawikporphyr  und  Basalt  etc.,  daneben  noch  Ramsaasakalk 
und  Faxekalk.  Das  reichliche  Vorkommen  von  Rhomben- 
porphyren auf  Fehmarn  ist  schon  von  Zeise  festgestellt,  und  zwar 
das  von  großen  geschliffenen  Geschieben  (nicht  etwa  von 
kleinen,  verrollten  Gerollen)  ebenso  wie  von  mir  (z.  T.  in  Gemein- 
schaft mit  meinen  Kollegen  Schröder  und  Schmierer).  Wie  diese 
norwegischen  Leitgeschiebe  in  solcher  Anzahl  und  so  weit  nach 
Osten  kommen  — östlicher  als  ihr  Ursprungsgebiet  — 
ist  völlig  rätselhaft,  aber  es  ist  eine  Tatsache. 

Es  ist  also  durch  vielfache  tatsächliche  und  kontrollier- 
bare Beobachtungen  sehr  verschiedener  Forscher  erwiesen , 
und  zwar  schon  lange  erwiesen,  daß  die  von  Stolley  hartnäckig 
verteidigte  Ansicht  von  der  Beschränkung  der  Rhomben porphyre 
auf  den  U.G.  und  von  der  angeblich  für  deu  U.G.  charakteristischen 
Vergesellschaftung  von  norwegischen  und  mittelschwedischen  Ge- 
schieben weder  für  den  Westen  noch  den  Osten  der  Cimbrisclien 
Halbinselzutreffend  ist,  sondern  sogar  anscheinend  mehr  für 
den  O.G.  zutrifft,  und  trotzdem  bringt  Herr  Stolley  dieses  längst 
abgetane  Argument  als  Beweis  für  U.G.  immer  wieder  vor  und 
benutzt  es  sogar  als  polemisches  Mittel  gegen  meine  ganz  anders 
begründeten  und  bisher  nicht  widerlegten  Anschauungen  vom  Alter 
der  Emmerleff-Kliff-Moräne. 

Gegen  die  Wichtigkeit  der  Verwitterungsmächtigkeit  für  die 
Beurteilung  der  Altersverhältnisse  der  Moränen,  mit  der  ich  meinen 
Beweis  geführt  zu  haben  glaube,  bringt  zwar  Herr  Stotley  kein 
einziges  Argument  vor,  sondern  beschränkt  sich  nur  auf  die  be- 
weislose Anführung  seiner  erheblich  abweichenden  Überzeugung  — 
will  aber  in  demselben  Atemzug  für  sich  als  Ersten  das  Verdienst 
in  Anspruch  nehmen,  auf  die  Wichtigkeit  dieser  Verhältnisse  unter 
bestimmten  Umständen  hingewiesen  zu  haben,  was  aber  tatsächlich 
auch  nicht  der  Fall  ist,  denn  als  zweifellos  Erster  in  Norddeutsch- 
land hat  lange  vor  Stolley  (1883)  Jentzsch  auf  die  inter- 
glazialen Verwitterungszonen  hingewiesen,  was  Herr  Stolley  auch 
wieder  nicht  zu  kennen  scheint. 

Ich  bin  natürlich  nicht  so  unbedacht,  jede  Moräne  mit  ge- 
ringer Verwitterungsrinde  ohne  weiteres  deshalb  als  Oberen  Ge- 
schiebemergel zu  betrachten,  wie  Herr  Stolley  anzunehmen  scheint, 
und  ich  bin  mir  natürlich  völlig  darüber  klar,  daß  so  unter  Um- 
ständen auch  Moränen  der  Haupteiszeit  beschaffen  sein  können, 
deren  vermutlich  sehr  mächtige  Verwitterungsrinde  dann  größten- 
teils zerstört  sein  würde  — was  schon  ans  meiner  oben  zitierten 


der  Moräne  am  Einmerleff-Klifi  etc. 


219 


Arbeit  zur  Genüge  hervorgeht  — , aber  es  müßten  dann  doch 
Anzeichen  derartiger  energischer  Denudations-  und  Erosions- 
wirkungen nachweisbar  seiu,  was  am  Emmerletf-Kliff  keineswegs 
der  Fall  ist,  das  in  fast  völlig  ebener  Landschaft  mit  ganz  ge- 
ringen Niveaudifferenzen  gelegen  ist , wo  keinerlei  energische 
Erosions-  oder  Denudationsfaktoren  bezw.  -Wirkungen  nachweisbar 
sind,  ebensowenig  wie  am  Roten  Kliff,  wo  diese  kolossale  Ver- 
witteruugszone  erhalten  ist. 

Dagegen  betrachte  icli  das  entgegengesetzte  Argument,  die 
vorhandene,  sehr  mächtige  Verwitterungszone,  allerdings  als 
völlig  sicher  beweisend  für  ältere  Eiszeiten. 

Überall,  von  Ostpreußen  durch  Pommern,  die  Mark,  Mecklen- 
burg, bis  ins  äußerste  Schleswig-Holstein,  zeigt  der  sichere  Obere 
Geschiebemergel  hinter  dem  Hauptendmoränenzug  und  noch  be- 
trächtlich vor  diesem  eine  ganz  geringe  Verwitterung  von  f bis 
höchstens  lf  m Mächtigkeit,  abgesehen  von  einem  ganz  lokalen 
Vorkommen  in  Hinterpommern,  wo  die  Verwitterung  stellenweise 
auf  3 ja  bis  4 m steigt. 

An  recht  verschiedenen  Stellen  in  Schleswig-Holstein  ist  nun 
unter  diesem  völlig  frischen  Diluvium  eine  8 — 12  ja 
bis  20  m mächtige  ältere  Verwitterungszone  nachgewiesen,  die  die 
postglaziale  Verwitterungskruste  6 bis  fast  10  mal  an  Stärke  und 
an  Intensität  der  Zersetzung  übertrifft1. 

Im  Westen  Schleswig-Holsteins  kommt  ferner  an  verschiedenen 
Stellen  unmittelbar  neben  dem  völlig  frischen  jungen  Diluvium 
diese  sonst  darunter  liegende  mächtige  Verwitterungszone  zutage 
(ebenda  p.  249)  — ich  weiß  nicht,  wie  man  diese  völlig  klaren 
Verhältnisse  bei  dem  Mangel  aller  beobachtbaren  anormalen  Er- 
scheinungen und  Bedingungen  anders  deuten  kann  als  so,  daß  die 
sonst  unter  dem  frischen  jungen  Diluvium  liegende  ältere  — oft 
intensiv  braunrote  bis  rostrote  — Verwitterungszone  (die  z.  T.  in 
Verbindung  mit  interglazialen  Pflanzenlagern  mit  Arten  sehr  ge- 
mäßigten Klimas  steht),  hier  im  äußersten  Westen,  wo  das  frische 
junge  Diluvium  sein  Ende  erreicht,  in  die  Höhe  kommt. 

Daß  alle  etwa  denkbaren  anormalen  Verhältnisse  und  Be- 
dingungen für  eine  etwa  vorhanden  gewesene  und  ungewöhnlich 
starke  postglaziale  Verwitterung  in  diesen  westlichen  Gebieten 
fehlen,  dafür  gibt  es  eben  nur  den  einen,  zwingenden  Be- 
weis dadurch,  daß  tatsächlich  ganz  frische,  also  junge  Moränen, 
z.  T.  unmittelbar  neben  den  ganz  verwitterten  liegen  — bei 
Fehlen  aller  Denudations-  und  Erosionserscheinungen. 


’ C.  Gagel,  Die  Gliederung  des  schleswig-holsteinischen  Diluviums. 
Jahrb.  d.  pr.  geol.  Landes-Anst.  1910.  31.  2.  Teil,  p 248.  — Über  inter- 
glaziale Verwitterungszonen  in  Schleswig-Holstein.  Zeitschr.  d.  Deutsch, 
geol.  Gesellsch.  62.  1910.  p.  322—325. 


220 


C.  Gagel,  Ueber  das  Alter 


Wirkliche  Gründe  gegen  diese  Auffassung,  wonach  die  Einmer- 
leff-Kliff-Moräne  Oberer  Geschiebemergel  sein  muß,  hat  Herr 
Stolley  überhaupt  nicht  angeführt  außer  der  angeblich  mit  Oberem 
Geschiebemergel  unvereinbaren  Geschiebeführung,  deren  Wert  oben 
beleuchtet  ist;  und  andere  Gründe  für  das  altdiluviale  Alter 
der  Roten  Kliff-Moräne  auf  Sylt  als  eben  dieselbe  Geschiebe- 
führung, die  aber  auch  für  den  Oberen  Geschiebemergel  bei 
Ütersen — Schulau  und  auf  Fehmarn  erwiesen  ist,  führt  Herr 
Stolley  nicht  an. 

Herr  Stolley  will  also  diese  beiden,  so  dicht  beieinander- 
liegenden  Moränen,  die  so  völlig  verschieden  erhalten 
sind,  für  gleich  alt  erklären  auf  Grund  einer  lange  als  falsch 
erwiesenen  Voraussetzung  und  wundert  sich  dann  noch,  daß 
Geinitz  und  Wolff  seine  Argumentation  nicht  für  beweisend  halten 
und  an  seine  Diluvial-Gliederung  auf  Sylt  nicht  glauben. 

Ich  möchte  hinzufügen,  daß  auf  Föhr,  dicht  südlich  von  Sylt, 
die  Gegensätze  zwischen  der  völlig  frischen  jungen  und  der  völlig 
zersetzten  alten  Moräne  noch  viel  schärfer  aneinanderstoßen  — auf 
1,5  km  bei  der  Laurentikirche  und  bei  Borgs  um  1 — als  auf  Sylt 
und  Emmerleff-Kliff  und  daß  die  Geschiebeführung  dort  auch  an- 
scheinend dieselbe  ist. 

Das  m.  E.  einzig  beweisende  und  jedenfalls  bisher  nicht  wider- 
legte Argument  für  das  hohe  Alter  der  Roten  Kliff-Moräne  lehnt 
Herr  Stolley  also  ab  — ohne  diese  Ablehnung  objektiv  zu  be- 
gründen — und  führt  statt  dessen  immer  wieder  ein  Argument 
an,  das,  wenn  es  richtig  wäre,  das  Gegenteil  von  dem  be- 
weisen würde,  was  Herr  Stolley  damit  bezweckt  und  zu  beweisen 
wünscht. 

Tatsächlich  hat  ja  auch  schon  seit  Meyn’s  Zeiten  lange  die 
Meinung  geherrscht  und  wird  z.  T.  heute  noch  vertreten,  daß  die 
Hauptmoräne  des  Roten  Kliff  Oberer  Geschiebelehm  sei,  und  zu- 
erst ist  Zeise  in  seiner  Doktordissertation  (1.  c.)  dieser  Auffassung 
energisch  entgegengetreten,  allerdings  mit  Gründen,  die  wir  heute 
großenteils  nicht  als  zutreffend  oder  zwingend  mehr  anerkennen. 

Ziehend  von  den  ZEisE’schen  Argumenten  ist  m.  E.  heute  eben 
nur  noch  das  von  ihm  zuerst  beobachtete,  fast  völlige  Fehlen  von 
Kalk-  und  Kreidegeschieben,  also  die  nahezu  völlige  Verwitterung 
der  bis  20  m mächtigen  Moräne,  die  nur  an  ihrer  mächtigsten 
Stelle  bei  Kämpen  am  Grunde  noch  eine  kleine  unverwitterte  Partie 
enthält. 

Die  Mitwirkung  Zeise’s  an  der  Aufklärung  der  Sylter  Ver- 
hältnisse ist  von  Stolley  ebenso  unbeachtet  und  unerwähnt  ge- 
lassen wie  die  meine  (1.  c.  p.  164),  wo  Stolley  zwar  die  Auf- 


1 Haeberlin,  Beiträge  zur  Kenntnis  des  Diluviums  auf  Föhr.  Zeitschr. 
d.  Deutsch,  geol.  Gesellsch.  1911.  p.  587. 


der  Moräne  am  Emmerleff-Kliff  etc. 


221 


fassnng  Wolff’s,  als  ob  nur  eine  Moräne  am  Roten  Kliff  vor- 
handen sei,  energisch  bekämpft,  aber  mit  keinem  Wort  erwähnt, 
daß  ich  schon  vor  zwei  .Jahren  die  Auffassung  Wolff’s  mit  sehr 
zwingenden  Gründen  widerlegt  habe  (Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol. 
Gesellsch.  62.  1910.  p.  81 — 84),  was  besonders  bei  Herrn  Stolley, 
der  aus  dem  Übersehen  selbst  ganz  versteckter  Notizen  seiner 
eigenen  Arbeiten  die  unerquicklichsten  Polemiken  herleitet,  einiger- 
maßen sonderbar  anmutet. 

Dieses  Argument,  das  sich  implicite  aus  Zeise’s  Beobachtungen 
ergibt  — die  fast  völlige  Verwitterung  der  sehr  mächtigen  Mo- 
räne — hat  man  verschiedentlich  abzuschwächen  gesucht  mit  dem 
Hinweis  auf  das  sehr  feuchte  Nordseeklima  und  das  Sprühwasser 
der  Brandungsgischt,  die  diese  so  ungewöhnlich  mächtige  Ver- 
witterung bedingt  haben  sollen,  und  mit  der  Behauptung,  die  Haupt- 
moräne des  Roten  Kliffs  sei  ganz  ungewöhnlich  sandig  und  daher 
so  sehr  stark  verwittert,  was  aber  tatsächlich  nicht  der  Fall  ist. 
Die  Rote  Kliff-Moräne  ist  größtenteils  ganz  normal  lehmig 
und  gar  nicht  besonders  wasserdurchlässig,  wie  ich  schon  mehrfach 
betont  habe. 

Das  einzige,  gegen  diese  Ansicht  und  Begründung  von  dem  jungen 
Alter  der  Sylter  Hauptmoräne  vorgebrachte  und  m.  E.  schlagende 
Argument  ist  meine  Beobachtung  der  ganzfrischen  Moräne  unte  r 
denselben  Bedingungen  des  Nordseeklimas  dicht  dabei  am 
Emmerleff-Kliff,  die  obenein  als  besonders  charakteristisch  die 
Untereocänscholle  führt,  ein  Umstand,  der  schon  vielfach  in  Holstein 
und  Schleswig  im  sicheren  Oberen  Geschiebemergel,  aber  noch 
niemals  im  sicheren  Unteren  Geschiebemergel  beobachtet  ist;  und 
auch  in  der  Sylter  Hauptmoräne,  die  so  viel  fremde  große  Schollen 
enthält,  fehlt,  soviel  bis  jetzt  bekannt,  das  Untereocän. 

Wenn  Herr  Stolley  also  mit  ruhiger  Überlegung  und  mit 
der  nötigen  Kenntnis  der  einschlägigen  Literatur  an  die  erneute 
Diskussion  der  auch  nach  meinem  Dafürhalten  besonders  wichtigen 
Sylter  Verhältnisse  herangegangen  wäre,  so  wäre  er  wohl  zu 
anderen  Resultaten  gekommen  und  wäre  vor  seinen  völlig  hin- 
fälligen Schlüssen  und  seiner  ganz  gegenstandslosen  und  über- 
flüssigen Polemik  bewahrt  geblieben. 

Nach  meinen  nunmehr  12jälirigen  Erfahrungen  in  ganz  Schles- 
wig-Holstein scheint  die  einzige,  einigermaßen  sichere  Tatsache  in 
bezug  auf  die  Geschiebeführung  von  O.G.  und  U.G.  der  ganz  auf- 
fällig hohe  Kalk-(Kreide-)Gehalt  der  oberen  Grundmoräne  zu  sein, 
der  stets  sehr  viel  höher  zu  sein  scheint  als  der  der  älteren  Ge- 
schiebemergel, sowie  der  Gehalt  an  verschleppten  Tertiär-  (vor 
allem  Untereocän)  Schollen  in  der  oberen  Grundmoräne  (vergl. 
auch  die  Erläuterungen  zu  Blatt  Kiel.  Berlin  1912). 

Ich  habe  diese  anscheinend  durchgehende  Tatsache  mit 
den  interglazialen  tektonischen  Störungen  in  Beziehung  gebracht. 


222 


C.  Gagel.  Ueber  das  Alter 


die  die  bis  dahin  tief  begrabenen  älteren  Schichten  plötzlich  in 
die  Höhe  brachten  und  den  Angriffen  des  letzten  Inlandeises  aus- 
setzten. Diese  Tatsache  in  Holstein  wird  bestätigt  durch  die 
Beobachtungen  von  Korn  und  Jentzsch  aus  Ost-  und  Westpreußen, 
wo  ebenfalls  die  oberste  Moräne  erheblich  kreidereicher  ist.  Ob 
sie  eine  wirklich  durchgehende,  unverbrüchliche  Kegel  darstellt, 
wird  sich  hoffentlich  bei  der  Untersuchung  der  sehr  zahlreichen 
Geschiebemergelproben  am  Kaiser- Wilhelm-Kanal  mit  größerer 
Sicherheit  ergeben. 

Im  übrigen  kennen  wir  im  wesentlichen  denselben  Ge- 
schiebeinhalt jetzt  aus  allen  drei  Moränen  und  aus  allen 
Gegenden  Schleswig-Holsteins  und  Jütlands1,  und  alle  Angaben 
über  die  absolute  Beschränkung  gewisser  Geschiebe  (besonders  der 
norwegischen)  auf  bestimmte  Horizonte  (U.G.)  oder  bestimmte 
Gebiete  (den  Westen  des  Landes)  sind  jetzt  schon  als  falsch 
erwiesen,  als  vorschnelle  Verallgemeinerungen  unvollständiger  Be- 
obachtungen. 

Aus  den  relativen  Mengungsverhältnissen  der  norwegischen, 
mittelschwedischen  und  baltischen  Geschiebe  in  bestimmten  Moränen 
einen  Schluß  auf  ihr  Alter  zu  ziehen,  dazu  sind  die  vorhandenen 
Beobachtungen  erst  reclit  viel  zu  lückenhaft  und  obenein  viel  zu 
sehr  von  Zufälligkeiten  der  gerade  vorhandenen  Aufschlüsse  ab- 
hängig und  auch  hier  kann  man  jetzt  schon  sagen,  daß  gewisse 
mit  Vorliebe  festgehaltene  Vorstellungen  von  den  Bewegungs- 
richtungen des  Inlandeises  in  den  verschiedenen  Eiszeiten  sicher 
nicht  zutreffend  sind. 

Das  sicher  erwiesene,  relativ  häufige  Vorkommen  großer, 
geschliffener  Rhombenporphyrgeschiebe  im  sicheren  Oberen 
Geschiebemergel  der  Fehmarner  Ostkliffs  von  Marienleuchte  bis 
südlich  Gahlendorf  — also  östlicher  als  ihr  Heimatsgebiet  — ist 
eine  mit  diesen  ziemlich  allgemein  verbreiteten  Anschauungen  über 
die  vorwiegende  NS. -Bewegung  während  der  Haupteiszeit  und 
den  vorwiegend  baltischen  Eisstrom  zur  letzten  Eiszeit  - — beson- 
ders am  Schlüsse  derselben  — völlig  unvereinbar  und  zeigt,  daß 
unsere  Kenntnisse  in  dieser  Beziehung  noch  in  den  ersten  An- 
fängen stecken. 

Erheblich  westlicher,  in  der  Gegend  von  Kiel  und  Ratzeburg, 
sind  diese  Rhombenporphyre  offensichtlich  ganz  wesentlich  seltener 
und  auch  viel  kleiner,  was  nach  unseren  bisherigen  Anschauungen 

1 Sehr  interessant  und  lehrreich  in  dieser  Beziehung  siud  die  alten 
und  sehr  sorgfältigen  Geschiebezählungen  des  ausgezeichneten  Geologen 
Forchhammer.  die  leider  wegen  der  schwer  zugänglichen  Stelle  ihrer  Ver- 
öffentlichung ganz  in  Vergessenheit  geraten  sind  und  der  heutigen  Gene- 
ration völlig  unbekannt  zu  sein  scheinen.  Forchhammer:  .Die Bodenbildung 
der  Herzogtümer  Schleswig-Holstein  und  Lauenburg.“  Festgabe  für  die 
Versammlung  Deutscher  Landwirte  in  Kiel  1847.  p.  22. 


der  Moräne  am  Emmerleff-Kliff  etc. 


223 


über  die  Eisbewegung  eine  ganz  unverständliche  Anomalie  be- 
deutet. 

Wenn  in  einem  en  gb  egre  n z ten  Gebiet  zwei  übereinander- 
liegende Moränen  einen  so  verschiedenen  Geschiebeinhalt  haben, 
wie  die  unterste  und  die  Hauptmoräne  von  Sylt,  so  wird  man  das 
wohl  als  Argument  (neben  anderen,  wichtigeren)  für  ihr  verschie- 
denes Alter  verwenden  dürfen;  solche  Resultate  aber  auf  größere 
Entfernungen  zu  verallgemeinern,  ist  nach  unseren  jetzigen  Kennt- 
nissen schon  absolut  unzulässig. 

Ich  möchte  z.  B.  daran  erinnern,  daß  der  Unterste  Geschiebe- 
mergel unter  dem  letzteii  Interglazial  in  Skerumhede  in  Jütland 
zwar  ostbaltische  Geschiebe  führt1,  aber  keine  norwegischen  und 
nordöstlichen  Geschiebe,  also  einen  völlig  anderen  Geschiebeinhalt, 
hat  als  die  Hauptmoräne  von  Sylt  und  Hamburg,  trotzdem  Skerum- 
hede viel  nördlicher  (näher  dem  Christianafjord)  liegt  als  Sylt  und 
Hamburg. 

Ebenso  hat  schon  Forchhamjier  festgestellt  (1.  c.  p.  23),  daß 
auch  oberflächlich  die  Rhombenporphyre  nördlich  vom  Oddesand 
ganz  plötzlich  rapide  abnehmen,  während  sie  weiter  südlich  reich- 
lich vorhanden  sind. 

Das  ist  eine  ebenso  schwer  erklärliche  „Anomalie“  wie  die 
zahlreichen  Rhombenporphyre  im  Osten  von  Fehmarn  im  jüngsten 
Geschiebemergel  und  beweist  die  Notwendigkeit  äußerster  Vorsicht 
in  allen  diesbezüglichen  Schlüssen. 

Dagegen  ist  das  von  mir  herangezogene  Argument  für  das 
verschiedene  Alter  von  Emmerleff-Klift-  und  Roten  Kliff-Moräne  — 
die  lOfach  so  tief  gehende  Verwitterung  in  letzterem  — jetzt 
nicht  nur  an  dieser  Stelle,  sondern  auch  noch  von  verschiedenen 
anderen  Stellen  Schleswig-Holsteins,  Nordhannovers  und  der  Lau- 
sitz in  derselben  Weise  bekannt  geworden,  z.  B.  von  Föhr,  von 
Siiderstapel,  von  Elmshorn  und  von  der  Gegend  von  Ütersen- 
Schulau  bei  Hamburg ; und  von  der  letzten  Stelle  ist  es  auch 
stratigraphisch  durch  Kartierung  erwiesen  (siehe  die  erwähnte 
Arbeit  von  Schröder  und  Stoeler),  daß  die  außerordentlich  tief- 
gründig und  intensiv  verwitterte  (ferrettisierte)  Moräne  die  ältere 
ist,  weniger  norwegische  Geschiebe  enthält,  unter  der  jungen 
Moräne  der  letzten  Eiszeit  mit  den  zahlreichen  norwegischen 
Geschieben  liegt , und  obenein  noch  von  verschiedenen  sicheren 
Interglazialbildungen  bedeckt  wird2. 

Wer  trotz  dieses  m.  E.  jetzt  völlig  schlüssigen  Beweises  durch 
die  verschiedenen  Verwitterungsmächtigkeiten  im  bewiesenen 

1 Jessen,  Milthers,  Nordmann,  Herzog,  Hartz:  En  Boring  gennem 
de  kwartäre  Lag  ved  Skerumhede.  Danmarks  geol.  Unders.  II  R.  No.  25. 

2 Vergl.  auch  eine  im  Druck  befindliche  Arbeit:  C.  Gagel,  Das 
Ratzeburger  Diluvialprofil  und  seine  Bedeutung  für  die  Gliederung  des 
Diluviums.  Jahrb.  pr.  geol.  L.-A.  für  1913.  I.  1. 


224 


[Besprechungen.  — Miscellanea.  — Personalia. 


O.G.  und  U.G.  nicht  von  dem  verschiedenen  Alter  der  beiden 
Moränen  am  Emmerleff-Kliff  und  am  Roten  Kliff  überzeugt  ist,  für 
den  ist  tatsächlich  der  Beweis  für  das  höhere  Alter  der  Roten 
Kliff-Moräne  überhaupt  nicht  zu  führen,  der  muß  sie  dann  auch 
folgerichtig  beide  für  dasselbe,  für  Oberes  Diluvium  halten  bezw. 
kann  das  ganze  Diluvium  für  eine  einheitliche  Ablagerung  ansehen. 

Berlin,  den  16.  November  1912. 


Besprechungen. 

Karl  Anton  Henniger:  Die  Metalle  nach  York  om- 
ni e n . G e w innu  n g , Y e r w e n d u n g und  wirtschaftliche r 
Bedeutung.  Leipzig  bei  Theod.  Thomas,  o.  .T.  223  p.  Mit 
22  Abbildungen  im  Text. 

Das  Bändchen,  No.  17 — 21  der  naturwissenschaftlich-tech- 
nischen Yolksbücherei  der  deutschen  Naturwissenschaftlichen  Ge- 
sellschaft gibt  eine  kurze  Darstellung  der  bekannteren  Metalle  und 
ihrer  wichtigsten  Yerbindungen  hinsichtlich  ihres  Yorkommens, 
ihrer  Gewinnung  und  ihrer  Verwendung.  Es  ist  für  das  große 
Publikum  bestimmt  und  daher  in  allgemein  verständlicher  Weise 
abgefaßt,  ohne  eingehendere  und  spezielle  naturwissenschaftliche 
Kenntnisse  vorauszusetzen.  Auch  die  Glasfabrikation , das  Löten 
der  Metalle  und  das  Färben  und  Patinieren  derselben  sind  in  be- 
sonderen Abschnitten  berücksichtigt.  Einige  statistische  Mitteilungen 
bilden  den  Schluß.  Max  Bauer. 


Miscellanea. 

Ferienkurse  Jena.  Vom  4. — 16.  Aug.  1913.  (Für  Damen 
und  Herren.) 

Diese  Kurse  finden  in  diesem  Jahre  zum  25.  Mal  statt. 

Es  werden  im  ganzen  mehr  als  50  verschiedene  Kurse  ge- 
halten, meist  zwölfstündige. 

Naturwissenschaftliche  Abteilung:  Naturphilosophie; 
Botanik;  botanisch-mikroskopisches  Praktikum;  Zoologie;  zoo- 
logisches Praktikum;  Astronomie;  Mineralogie;  Chemie;  Physik; 
Physiologie ; physiologische  Psychologie. 

Ferner  sei  auf  die  pädagogischen , literaturgeschichtlichen, 
religionswissenschaftlichen  und  staatswissenschaftlichen  Kurse  hin- 
gewiesen. 

Ausführliche  Programme  sind  kostenfrei  durch  das  Sekretariat 
der  Ferienkurse  (Jena,  Gartenstraße  4)  zu  haben. 

Personalia. 

Gestorben:  Prof.  Dr.  Georg  Böhm  in  Freiburg  i.  Br.  am 
18.  März  1913. 


F.  Grünling,  Maucherit  Ni,  As,,  ein  neues  Nickelmineral  etc.  225 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Maucherit  Ni3  As,,  ein  neues  Nickelmineral  aus  den  Kobalt- 
rucken des  Mansfelder  Kupferschiefers. 

Von  F.  Grünling,  München. 

(Vorläufige  Mitteilung.) 

Im  Januar  vorigen  Jahres  erhielt  das  mineralogische  Institut 
■der  Ivgl.  Universität  hier  vom  Inhaber  der  süddeutschen  Mineralien- 
zentrale, Henm  Dipl. -Ing.  W.  Maucher,  hier,  eine  Anzahl  Stufen 
I eines  unbekannten  Minerals  zur  näheren  Untersuchung.  Herr 
Maucher  hielt  das  Mineral  zuerst  für  Bammelsbergit,  da  die 
äußeren  Merkmale  mit  dessen  Beschreibung  völlig  übereinstimmen. 
Bald  erkannte  er  aber  auf  Grund  des  anderen  Lötrohrverhaltens, 
daß  ein  neues  Mineral  vorliegen  müsse.  Er  veranlaßte  zunächst 
im  hüttenmännischen  Institut  der  Kgl.  Technischen  Hochschule  zu 
Breslau  durch  Herrn  Professor  C.  Friedrich  eine  Bestimmung  der 
Hauptbestandteile  und  hierauf  im  Kgl.  Bayer.  Staatslaboratorium 
hier  durch  Herrn  Professor  Dr.  Prandtl  eine  Gesamtanalyse  des 
Minerals,  wodurch  mit  Sicherheit  festgestellt  war,  daß  es  sich 
um  eine  bisher  im  Mineralreich  nicht  bekannte  Nickelverbindung 
handle.  — Wegen  dringender  anderer  Arbeiten  konnte  die  nicht 
ganz  einfache  kristallographische  Untersuchung  des  Minerals  bisher 
nicht  ausgeführt  werden,  weshalb  ich  im  Nachstehenden  eine  Be- 
schreibung des  Minerals,  das  ich  mit  dem  Namen  seines  Entdeckers 
belege  und  Maucherit  nenne,  unter  Zurückstellung  der  Kristall- 
beschreibung folgen  lasse. 

Als  Fundort  für  das  neue  Mineral  wird  Eisleben  in  Thüringen 
angegeben.  Die  Mineralvergesellschaftung  läßt  erkennen,  daß  man 
es  mit  einem  Vorkommen  der  bekannten  Kobaltrücken  des  Kupfer- 
schiefergebiets zu  tun  hat.  Die  Begleiter  des  Maucherits  sind  nämlich 
Nickelin,  Chloanthit,  gediegen  Wismut,  Manganit,  Calcit,  Baryt, 
Anhydrit  und  Gips.  Das  Nebengestein  ist  Kupferschiefer,  z.  T. 
auch  Weißliegendes  oder  Fäule.  Als  älteste  Bildung  dieser  Bücken, 
das  sind  Gänge  von  kurzer  Erstreckung  im  Streichen  und  Fallen 
bei  einer  Mächtigkeit  von  wenigen  Millimetern  bis  etwa  20  cm, 
erweist  sich  Nickelin  in  dünnen  Krusten  zarter  spitzpyramidaler 
Kriställchen.  Dieser  Nickelin  erfüllt  auch  die  feinsten  Klüftclien 
des  Nebengesteins.  Hierauf  folgt  Calcit  in  Skaleuoedern,  mit  deren 
letzter  Wachstumsphase  die  Bildung  des  Maucherits  zusammenfällt, 
so  daß  beim  Auslösen  des  Calcits  die  Negative  der  Skalenoeder 
in  der  Maucheritmasse  sichtbar  werden.  Dann  folgt  rötlicher 
Baryt  in  rechteckigen  Tafeln,  die  auch  etwas  in  den  Maucherit 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  15 


226  F.  Grünling,  Maucherit  Ni3As2,  ein  neues  Nickelmineral  etc. 


hineinragen  und  deren  letzte  Bildungsphase  von  der  Ausscheidung 
der  Hauptmasse  des  Nickelins  begleitet  wird.  Dieser  jüngere 
Nickelin  tritt  in  parallelfaserigen  Krusten  und  in  stumpf- 
pyramidalen  Kristallen  auf,  die  nicht  selten  Durchkreuzungs- 
zwillinge nach  einer  Pyramidenfläche  oder,  wenn  rhombisch,  nach 
einer  Domenfläche  erkennen  lassen.  Auf  dem  Nickelin  findet  sich 
selten  gediegen  Wismut  in  kleinen  undeutlichen  Kriställchen  und 
manchmal  auch  dünne  Krusten  eines  zinnweißen  undeutlich  kri- 
stallisierten Minerals,  das  seinen  Lötrohrverhalten  nach  als  Chlo- 
anthit  anzusprechen  ist.  Auf  dem  Baryt  sitzen  manchmal  zarte 
Kristallbündel  von  Manganit.  Hierauf  folgt  wieder  Calcit  und  röt- 
licher, blätteriger  Anhydrit,  der  stellenweise  in  Gips  umgewandelt 
ist.  Die  Gänge  sind  fast  stets  völlig  geschlossen,  so  daß  die  Kri- 
stalle der  Erze  erst  nach  dem  Auslösen  des  Kalkspats  mit  H CI 
und  Ausstechen  des  Baryts  und  Anhydrits  sichtbar  werden. 

Der  Maucherit  zeigt  im  frischen  Bruch  rötlich  silberweiße 
Farbe,  die  sich  nach  einiger  Zeit  in  ein  rötliches  Platingrau  oder 
in  ein  graues  Kupferrot  ändert.  Die  derben  Massen  zeigen  un- 
deutlich faserige,  dichte  oder  zellige  Struktur.  Nicht  selten  sind 
die  Räume  zwischen  den  Fasern  oder  Blättern  mit  Nickelin  erfüllt, 
wie  auch  oft  die  Kristallblätter  ganz  mit  Nickelin  überwachsen 
sind.  Die  Kristalle  bilden  dünne,  stark  glänzende,  rechteckige 
Täfelchen  mit  zugeschärften  Kanten  von  1 bis  10  mm  im  Geviert 
und  sind  fast  stets  zu  quirlförmigen  Viellingen  gruppiert  dergestalt, 
daß  die  einen  Kanten  der  Quadrate  in  eine  Ebene  fallen,  die 
anderen  sich  parallel  laufen.  Die  Kanten  der  Kristallblättchen 
zeigen  eine  scharfe  Riefung.  Das  Kristallsystem  konnte  noch  nicht 
festgestellt  werden  ; wahrscheinlich  ist  es  tetragonal  oder  rhombisch. 
Die  Härte  ist  5.  Die  Dichte  ist  nach  der  Bestimmung  des 
Herrn  Professors  Dr.  Prandtl  bei  19°  C 7,83.  Der  Strich  ist 
schwärzlich  grau,  der  Bruch  uneben,  spröde. 

Im  geschlossenen  Röhrchen  ein  ganz  schwaches  Sublimat  von 
arseniger  Säure  gebend,  dekrepitiert  nur  ganz  wenig,  verändert 
die  Farbe  kaum.  Auf  Kohle  schmilzt  er  unschwer  zur  blanken 
Kugel,  die  im  Oxydationsfeuer  Arsenrauch  ausstößt  und  die  Kohle 
mit  As.,  03  beschlägt. 

Mit  Boraxglas  erhält  man  zunächst  die  Kobalt-,  dann  die 
Nickelperle. 

Die  chemische  Zusammensetzung  ist  gemäß  den 
Analysen  von  Friedrich  (I)  und  Praxiitl  (II): 


As 

S 

Ni 

Co 

Pb 

Fe 

Gangart  Summe 

Ni,  As, 

. . 46,00 

— 

54.00 

— 

— 

— 

— 100,00 

I . 

. . 45,66 

— 

49,51 

0.93 

— 

— 

- 96.10 

11  . . 

. . 43,67 

0,17 

52,71 

2,15 

0,20 

0,40 

0,40  99,70 

Sie 

entspricht 

also 

fast 

genau 

der 

Formel 

(Ni,  Co)3As,  und 

somit  der  Zusammensetzung  mancher  Nickelspeisen. 


V.  Schumoff-Deleano,  Einige  Versuche  etc. 


227 


Einige  Versuche  über  das  Zusammenkristallisieren  von 
Diopsid  und  Jadeit. 

Von  Vera  Schumoff-Deleano  (St.  Petersburg). 

Mit  1 Textfigur. 

C.  Hintze1  führt  in  seinem  Handbuche  Analysen  von  Jadeiten 
an,  deren  Gehalt  an  CaO  und  MgO  im  Maximum  bis  zu  14  bis 
15°/o  bezw.  8,62  o/0  beträgt.  Nur  wenige  Jadeite  scheinen  Ca-frei, 
aber  alle  enthalten  Mg  und  dieses  Element  in  um  so  größerer 
Menge,  je  geringer  der  Ca-Gehalt  wird.  MgO  wird  isomorph 
durch  FeO  vertreten.  Würde  man  aus  dem  CaO-  und  MgO-Gehalt 
auf  Beimengung  der  Diopsidkomponente  schließen,  so  käme  man 
mit  Vernachlässigung  der  Alkalien,  wenn  man  die  Rechnung  durch- 
führt, bei  z.B.  Analyse  XXII  auf  einen  Diopsidgehalt  von  4U — 42  °/o2, 
bei  Analyse  IX  auf  einen  Diopsidgehalt  von  nahezu  50°/o3. 

Schon  Kenngott4  wies  darauf  hin,  daß  der  Jadeit  sich  als 
ein  mit  Diopsid  gemengtes  Silikat  berechnen  lasse.  Die  Anwesen- 
heit von  Ca  0 und  Mg  0 dürfe  nicht  immer  auf  mechanische 
Beimengungen  zurückgeführt  werden. 

E.  Cohen  5 fand  stets  einen  Überschuß  an  Si  02  in  Jadeiten, 
auch  dann,  wenn  er  die  MgO  als  MgAl2Si06  und  RO  Si02  in 
Rechnung  brachte.  E.  Cohen  glaubte  daher,  daß  im  Jadeit  noch 
eine  kieselsäurereichere  Verbindung  existieren  müsse,  wie  etwa 
MgAl2Si40)2  oder  CaAl2Si4Ol2,  Verbindungen,  wie  sie  auch  zur 
Erklärung  des  Ägirinsilikates  angenommen  werden.  C.  Doelter6 
versuchte  zuerst  Jadeit  rein  darzustellen,  aber  ohne  Erfolg. 
Auch  Mischungen  von  NaFeSi206  mit  dem  Jadeitsilikat  kamen 
nicht  zur  Kristallisation.  Auch  bei  großem  Na-Gehalt  der  künst- 
lichen Pyroxenmischungeu  kristallisiert  nur  ein  Na-armer  oder  -freier 
Augit  aus.  Im  allgemeinen  beobachtete  C.  Doelter  ein  Anwachsen 
der  Auslöschungsschiefe  im  Diopsid  mit  Zunahme  des  A1203- 
Gehaltes. 

Die  monoklinen  Pyroxene  lassen  aus  ihren  optischen  Eigen- 
schaften Unterschiede  in  ihrer  chemischen  Zusammensetzung  erkennen. 
Der  Zusammenhang  ist  ein  sehr  verwickelter  und  es  ist  bisher  nicht 
gelungen,  alle  Grundverbindungen  mit  Sicherheit  zu  erkennen7. 

Die  Beimengung  des  MgO-  und  Fe  O-Gehaltes  im  Jadeitmolekül 
und  ihr  Einfluß  auf  die  optischen  Eigenschaften  des  letzteren 

1 C.  Hintze,  Handbuch  der  Mineralogie.  1897. 

3 Ca  0 = 1 1 °/o,  Mg  0 (+  Fe  0)  = 7,24  “/„. 

3 CaO  = 14,57 °/0,  MgO  (+  FeO)  = 14,11  o/o. 

4 Kenngott  (Übers,  min.  Forsch.  1862—65.  p.  199)  und  Hintze 
(Mineralogie.  II.  1898). 

5 E.  Cohen.  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1884.  II.  p.  52. 

6 C.  Doelter,  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1884.  II.  p.  63;  1885.  I.  p.  48. 

7 Fr.  Becke,  Optische  Eigenschaften  der  Silikate  in  C.  Doelter, 
i Handbuch  der  Mineralchemie.  II.  1.  1912. 


15* 


228 


V.  Sclmmoff-Deleano,  Einige  Versuche  über  das 


Minerals  sind  noch  nicht  studiert  und  eine  Abhängigkeit  ist  bisher 
noch  nicht  festgestellt  worden. 

Zwischen  Diopsid  und  gemeinem  Augit,  also  einem 
tonerdehaltigen  Gliede,  existieren  Mischungsglieder,  welche  durch 
Zunahme  des  Winkels  cy  von  40  — 90°  und  Verstärkung 
der  Doppelbrechung  ausgezeichnet  sind.  Ein  gesetzmäßiger 
Zusammenhang  fehlt  jedoch. 

Mischkristalle  von  Diopsid  und  Jadeit  herzustellen,  ist  noch 
nicht  versucht  worden,  obwohl  das  nahe  übereinstimmende  Mol. -Volu- 
men 72  bei  Diopsid  und  68  bei  Jadeit,  sowie  die  durch  Spaltbar- 
keit und  optische  Verhältnisse  bedingte  Verwandtschaft  der  beiden 
Pyroxene  die  Möglichkeit  einer  Mischkristallbildung  vermuten  ließ. 

Es  wurde  reinster  Jadeit  von  Tibet  gepulvert  und  in  kleinen 
Portionen  mit  künstlichem  Diopsid  aus  dem  Schmelzflüsse  aus- 
kristallisieren gelassen.  Der  zu  den  Versuchen  verwendete  Jadeit 
zeigte  in  einem  orientierten  Dünnschliff  010  eine  Auslöschungs- 
schiefe c y 33°  76'.  Bis  zu  einem  Zusatz  von  5°/'o  Jadeitsilikat 
zum  Diopsid  ergaben  sich  nach  zwölfstündiger  Auskristallisation 
nahezu  glasfreie  Kristalle  mit  einer  Auslöschungsschiefe  c y‘  39°; 
die  Doppelbrechung  der  Pyroxene  war  positiv.  Die  Lichtbrechung 
in  Jodmethylen  gemessen  nach  n,„  = 1,689.  Für  reinen  Diopsid 
wird  für  n„  = 1,70  angegeben.  Bei  mehr  als  5%  Jadeit  finden 
sich  zwischen  den  großen  Kristallen  noch  körnige  Kristalle  mit 
einer  Maximalauslösclmng  von  c y‘  zu  35°  und  38°  in  unregel- 
mäßiger Durchwachsung.  Die  Schmelzpunktbestimmung  ergab  In- 
homogenität, indem  sich  nach  der  C.  DoELTER’sclien  Methode  im 
Heizmikroskop  fand : 

Intervall  I 1150 — 1200°  für  die  kleinen  Kristalle, 

Intervall  II  1260 — 13"0°  für  die  großen  Individuen. 

Das  letztere  Intervall  stimmt  überein  mit  den  von  C.  Doelxer 
angegebenen  Schmelzpunkten  für  Diopsid  12s0 — 1310°  L 

Auch  die  folgenden  Versuche:  Diopsid  mit  10%  und  15% 
natürlichem  Jadeit,  ergaben  ein  ähnliches  Besultat.  Immer  fanden 
sich  (teilweise  neben  schon  viel  Glas  bei  Mischung  3)  neben  fast 
reinem  Diopsid  Kristalle  mit  einer  beträchtlich  kleineren  Aus- 
löschungsschiefe cy‘  bis  zu  35°,  welche  offenbar  als  Mischkristalle 
von  Diopsid  und  Jadeit  gedeutet  werden  müssen.  Diese  Misch- 
kristalle sind  später  erstarrt  als  die  Diopside  und  bilden  eine  Art 
Eutektikum ; denn  das  Schmelzintervall  der  leichter  schmelzbaren 
Zwischenmasse  war  wie  bei  Mischung  1 1150 — 1200°. 

Bei  einem  Mehrzusatz  von  Jadeit  als  15°/o  erstarrten  die 
Schmelzen  vollkommen  glasig.  Reiner  Jadeit  schmilzt  bei  1000 
bis  1060° 1  2.  Bei  einem  Versuch,  die  Kurve  zu  konstruieren  und 

1 C.  Doelter,  Zeitschr.  f.  Elektrochemie.  12.  (1906.) 

2 C.  Doelter,  Tschermak’s  Min.-petr.  Mitt.  22.  (1903.) 


Zusammenkristallisieren  von  Diopsid  und  Jadeit. 


229 


die  erhaltenen  Zahlen  in  dieselbe  einzutragen,  würde  sich  ungefähr 
folgendes  etwas  schematisierte  Bild  ergeben : 


Fig.  1. 


Die  Kurve  ist  nur  bis  zur  Mischung  mit  1 5 °/o  Jadeitsilikat- 
zusatz gezeichnet  und  deutet  sehr  beschränkte  Mischbarkeit  (inner- 
halb weniger  Prozente)  an.  Bei  mehr  als  5 % Jadeitsilikat  ent- 
stehen neben  Mischkristallen  Diopsid  — wenig  Jadeit  eutek- 
tische Schmelzen  mit  Diopsid  als  erstes  Ausscheidungsprodukt. 
Nachfolgend  die  Belege  1 : 

1.  Diopsid  + 1 °/o  Jadeit 

ein  Schmelzintervall  1260 — 1300 u; 

2.  Diopsid  + 3°/o  Jadeit 

ein  Schmelzintervall  1240 — 1260°; 

3.  Diopsid  -f-  4%  Jadeit 

ein  Schmelzintervall  1200 — 1220°; 

4.  Diopsid  -j-  5°/o  Jadeit 

zwei  Intervalle:  I.  1150—1200°, 

U.  1260—1300°; 

5.  Diopsid  + 10  °/o  Jadeit 

zwei  Intervalle:  I.  1140  — 1200°, 

II.  1250—1280°; 

6.  Diopsid  -f-  15%  Jadeit 

zwei  Intervalle:  I.  1150  — 1190°, 

II.  1250—1290°. 

Das  hier  gegebene  Bild  ist  nur  ein  vorläufiges,  es  soll  vor- 
nehmlich zeigen,  daß  künstlich  homogene  Diopsidmischungen  mit 
mehr  als  5%  Jadeit  nicht  hergestellt  werden  können. 

Um  den  Einfluß  des  Al2  Oä-Gehaltes  auf  das  Diopsidmolekül 
festzustellen,  wurde  folgender  Versuch  ausgeführt: 

1 Die  Erhitzungsdauer  im  Heizmikroskop  betrug  3 Stunden.  Die 
Vergrößerung  war  250  fach. 


230 


J.  Soellner,  Ueber  das  Auftreten 


NaA102  wird  von  Diopsid  in  geringer  Menge  aufgenommen, 
wie  folgender  Versuch  beweist: 

Zu  19.5  g CaMgSi206  wurden  5 g käufliches  Na  A102  (=  25°/o) 
gemischt  und  einer  Temperatur  von  zuerst  l 300  °,  dann  800  0 durch 
10  Stunden  hindurch  ausgesetzt.  Es  entstanden  neben  stark  doppel- 
brechenden Kristallskeletten,  welche  durch  Ausziehen  mit  heißem 
Wasser  leicht  sich  entfernen  ließen , Diopside  mit  einem  Aus- 
löschungsmaximum c y‘  von  39  — 41°.  Der  Tonerdegehalt  drückte 
die  Schiefe  der  Auslöschung  offenbar  hinauf.  In  dem  wässerigen 
Auszug  befand  sich  noch  feines  NaA102.  Die  Versuche  hierüber 
wären  fortzusetzen. 

Resultat: 

1.  Diopsid  kann  aus  dem  Schmelzfluß  bis  etwa  5°/o  Jadeit 
aufnehmen,  ohne  daß  eine  wesentliche  Änderung  der  optischen  Eigen- 
schaften (Auslöschungsschiefe,  Lichtbrechung)  eintritt. 

2.  Jadeit  kristallisiert  „frei“  nicht  ans,  auch  nicht  bei 
Zusatz  von  Kristallisatoren,  wie  Wolfram  säure,  molybdän- 
saures  Na  t r i u m u.  a. 

3.  Bei  mehr  als  5°/o  Jadeitzusatz  zur  Diopsidmischuug  kri- 
stallisiert Diopsid  und  daneben  bildet  sich  eine  kleinkörnige  Grund- 
masse, bestehend  aus  Diopsid  und  Jadeit  (+  Diopsid)  mit 
Glas.  Das  Glas  drückt  die  Schmelzpunkte  herab , so  daß  die 
Kurven  in  Wirklichkeit  um  etwa  20  0 höher  zu  liegen  kämen. 

4.  Aus  einer  Na  Al  0,-Schmelze  scheint  Diopsid  A1203  auf- 
zunehmen und  kristallisiert  dann  in  Nadeln  mit  einer  etwas  höheren 
Auslöschungsschiefe  als  39°. 

Mineralogisches  Institut  des  Hofrats  C.  Doelter  der  k.  k.  Univer- 
sität Wien. 


Ueber  das  Auftreten  von  Essexit  im  Kaiserstuhl. 

Von  J.  Soellner  in  Freiburg  i.  Br. 

Die  Essexite  wei’den  von  Rosenbusch  1 definiert  als  „liypidio- 
morphkörnige  Tiefengesteine,  welche  bei  beträchtlichem  Gehalt  an 
farbigen  Gemengteilen  durch  die  Vorherrschaft  eines  basischen 
Kalknatronfeldspates  in  Verbindung  mit  einem  Pyroxenmineral  bei 
völliger  Abwesenheit  des  Quarzes  und  einem  der  Menge  nach 
wechselnden  Gehalt  an  Orthoklas  und  Mineralien  der  Nephelin- 
gruppe neben  dem  Kalknatronfeldspat,  von  barkevikitischem  Am- 
phibol und  braunem  Biotit  neben  dem  Pyroxen  stofflich  charakte- 
risiert sind.  Titanhaltiger  Magnetit  und  Apatit  liefern  die  reich- 
lichen Nebengemengteile.  Olivin  ist  ein  sehr,  fast  allgemein  ver- 
breiteter, Titanit  ein  nicht  gerade  seltener  Übergemengteil“. 


1 Rosenbusch,  H.,  Mikr.  Physiogr.  IV.  Aufl.  II,  1.  p.  391. 


von  Essexit  im  Kaiserstuhl. 


231 


Gesteine  dieses  Charakters  sind  bisher  aus  Mitteleuropa  nur 
sehr  wenig  bekannt  geworden.  Berühmt  ist  der  von  Hibsch  1 näher 
untersuchte  Essexit  von  Bongstock  in  Böhmen.  Das  einzige  deutsche 
Vorkommnis  war  bisher  der  sogenannte  Dolerit  von  der  Löwen- 
burg im  Siebengebirge,  der  von  Busz2  und  Rosexbusch3  zu  den 
Essexiten  gestellt  wird.  Um  so  interessanter  ist  es,  daß  im  Kaiser- 
stuhl, einer  Gesteinsprovinz  von  ausgesprochen  foyaitisch-thera- 
lithischem  Charakter  in  größerer  Ausdehnung  ein  Gestein  vorkommt, 
das  der  oben  angeführten  Definition  des  Essexits  vollständig  ent- 
spricht und  das  auch  seinem  ganzen  geologischen  Verhalten  nach 
den  Eindruck  eines  Tiefengesteins  erweckt.  Das  Auftreten  von 
Essexit  im  Kaiserstuhl  ist  um  so  bedeutungsvoller,  weil  man  von 
hier  schon  seit  längerer  Zeit  Ergußgesteine  wie  Tephrite,  Trachy- 
dolerit  etc.  und  Ganggesteine  wie  Monchiquite,  Mondhaldeit  etc. 
kennt,  die  auf  ein  essexitisch-theralitliisches  Tiefengestein  schließen 
lassen.  Von  Graeff4  ist  vor  20  Jahren  ein  Stück  körnigen 
Tephrits  (Theralith)  kurz  beschrieben  worden,  das  sich  unter  den 
älteren  Beständen  der  Freiburger  Sammlung  vorfand.  Nach  der 
alten  FrscHEn’schen  Etikette  stammt  dasselbe  vom  Horberig  bei 
Oberbergen.  Anstehend  konnte  das  Gestein  daselbst  nicht  aufge- 
funden werden.  Nach  Graeff  handelt  es  sich  bei  diesem  Vor- 
kommnis allem  Anschein  nach  nur  um  einen  körnigen  Einschluß 
aus  einem  porphvrischen  Gestein  (wahrscheinlich  Tephrit).  Das 
hier  zu  beschreibende  Gestein  dagegen  ist  auf  größere  Strecken  an- 
stehend aufgeschlossen,  und  zwar  hauptsächlich  in  dem  sogenannten 
, Krummen  Graben“  zwischen  Oberbergen  und  Oberrotweil.  Der 
Krumme  Graben  ist  ein  tiefeingeschnittenes  Tal  im  zentralen  Teile 
des  Kaiserstuhls,  das  auf  der  Nordwestseite  des  Todtenkopfes 5 
zwischen  Scheibenbuck  und  Strümpfekopf  in  nordwestlicher  Dich- 
tung verläuft  und  zwischen  Oberrotweil  und  Obei’bergen  in  das 
Haupttal,  das  Krottenbachtal,  einmiindet.  Die  Ausmündung  des 
Tales  liegt  ca.  240 — 245  m ii.  d.  M.  und  50  — 55  m höher  als 
die  Sohle  des  Bheintales  westlich  von  Niederrotweil.  Geht  man 
das  Tal  des  „Krummen  Grabens“  nach  Südosten  aufwärts,  so  steigt 

1 Hibsch,  J.  E.,  Erläuterungen  zu  Blatt  Bongstock-Bodenbach  der 
geol.  Karte  des  Böhm.  Mittelgebirges.  Min.  u.  petr.  Mitt.  19.  1900.  p.  1. — 
Erläuterungen  zu  Blatt  Großpriesen  d.  geol.  Karte  des  Böhm.  Mittelgebirges. 
Ibid.  21.  1902.  p.  465. 

2 Busz,  K.,  Essexit  von  der  Löwenburg  im  Siebengebirge  a.  Rh.  Ver- 
handl.  naturhist.  Ver.  d.  preuß.  Rheinlande  u.  Westf.  62.  Jahrg.  173. 
Bonn  1905. 

3 Rosenbüsch,  H..  Mikrosk.  Phys.  IV.  Aufl.  II,  1.  p.  404. 

* Graeff,  Fr.,  Über  körnigen  Tephrit  (Theralith)  aus  dem  Kaiser- 
stuhl. Bericht  über  d.  XXVI.  Versammlg.  des  oberrhein.  geol.  Vereins.  1893. 

3 Siehe  die  Blätter  Breisach  und  Eichstetten  der  topograph.  Karte 
1:25000  des  Großherzogtums  Baden  oder  die  Karte  in  Knop,  Der  Kaiser- 
stuhl i.  Br.  Leipzig  1892. 


232 


.1.  Soellner,  Feber  das  Auftreten 


dasselbe  auf  eiue  Entfernung-  von  ca.  1 400  m nur  sehr  schwach 
unter  3 — 4°  an.  Im  Hintergrund  des  Tälchens,  ehe  der  steilere 
Anstieg  beginnt,  steht  nun  in  ca.  340  m Höhe  ü.  d.  M.  uud  rund 
220  m unter  dem  Gipfel  des  Todtenkopfes  (558,7  m),  der  höchsten 
Erhebung  des  Kaiserstuhls,  am  geographisch  rechten  Talhang  nahe 
der  Talsohle  ein  mittel-  bis  feinkörniges,  schwarz  und  weiß  ge- 
sprenkeltes festes  Gestein  an,  das  in  seinem  Aussehen  den  mittel- 
bis  feinkörnigen  Varietäten  des  Rongstocker  Essexits  so  täuschend 
ähnlich  sieht,  daß  Stücke  von  beiden  Fundorten  fast  miteinander 
verwechselt  werden  könnten.  Das  Gestein  ist  längs  des  Weges 
und  Waldrandes  auf  eine  Strecke  von  ca.  120  m gut  aufgeschlossen. 
Überlagert  wird  es  am  Hang  vou  Löß.  In  geringer  Menge  finde! 
man  den  Essexit  auch  in  unmittelbarer  Umgebung  von  Oberbergen, 
am  Südfuß  des  Heßleterbucks  und  in  losen  Stücken  auf  der  Höhe 
des  Scheibenbucks  südlich  von  Oberbergen.  In  beiden  letzteren 
Fällen  handelt  es  sich  wahrscheinlich  nur  um  Apophysen  des  in 
der  Tiefe  anstehenden  Essexitstockes,  während  im  Krummen  Graben 
dieser  selbst  angeschnitten  sein  muß.  Wie  groß  die  Ausdehnung 
des  Essexitstockes  im  zentralen  Teile  des  Kaiserstuhles  ist,  steht 
noch  nicht  fest.  Die  weitere  Kartierung  wird  das  Nähere  ergeben. 

Gut  aufgeschlossen  und  bekannt  ist  er  zurzeit  nur  an  der 
vorerwähnten  Stelle  im  Hintergrund  des  Krummen  Grabens.  Hier 
wird  der  Essexit  auch  deutlich  von  Gängen  von  Mondhaldeit  und 
von  Tracliydolerit  durchsetzt. 

Der  Essexit  ist  z.  T.  außerordentlich  frisch,  erscheint  schwarz 
und  weiß  gesprenkelt  und  hat  eine  mittlere  Korngröße  von  ca.  1 mm. 
Schon  makroskopisch  sind  zahlreiche  dunkle  Kriställcheu  von 
Pyroxen  und  schwarze  Biotitblättchen  zu  erkennen.  Unter  den 
weißen  Partien  ragen  zuweilen  frische,  glasige  Orthoklaskriställchen 
hervor.  U.  d.  M.  erweist  sich  das  Gestein  als  bestehend  aus : 
A u g i t , Biotit,  Hornblende,  basischem  Plagioklas, 
Orthoklas,  einem  Mineral  der  Nephelin-  oder  Soda- 
1 ithgruppe,  Magnet  eisen,  Apatit  und  Titan  it  in  hyp- 
i d i o m o r p h - k ö r n i g e r Ausbildung. 

Unter  den  dunklen  Gemengteilen  ist  der  wichtigste  und  ver- 
breitetste ein  blaßrötlich-violetter  Titanaugit  in  zahlreichen, 
zuweilen  bis  2,5  mm  großen  idiomorphen  Kristallen.  Er  ist  tafelig 
nach  { 1 0()J  entwickelt,  zeigt  zuweilen  Zonarstruktur  und  poly- 
synthetische  Zwillingslamellierung  nach  JlOO).  Die  Auslösclmngs- 
schiefe  beträgt  C : c im  stumpfen  Winkel  ß ca.  50  °.  Der  Augit 
enthält  reichlich  Einschlüsse  von  Magneteisen,  Apatitsäulchen  und 
Biotitfetzen. 

Neben  Pyroxen  tritt  allgemein  rotbrauner  Biotit  in  bis 
1 mm  großen  Blättchen  auf.  Dieselben  sind  nicht  regelmäßig 
umgrenzt,  sondern  in  der  Regel  in  Fetzen  und  Lappen  entwickelt. 
Der  Pleochroismus  desselben  ist  kräftig,  zwischen  blaßgelb  und 


von  Essexit  im  Kaiserstulil. 


233 


dunkelrotbraun , auf  (00 1)  kleiner,  aber  deutlicher  Achsenwinkel 
sichtbar,  die  Achsenebene  verläuft  parallel  (oio},  also  Glimmer 
zweiter  Art.  Aufschnitten  nach  (010)  ist  eine  kleine  Auslöschungs- 
schiefe wahrnehmbar.  Die  Biotitfetzen  umschließen  häufig  Augit, 
Plagioklas,  Apatit  und  Eisenerze.  Umgekehrt  Biotit  auch  als  Ein- 
schluß in  Augit. 

Hornblende  tritt  in  dem  Gestein  vom  Krummen  Graben 
nur  spärlich  auf,  dagegen  ist  sie  in  Stücken  vom  Südfuß  des 
Heßleterbucks  und  von  der  Höhe  des  Scheibenbucks  reichlicher 
entwickelt.  Es  ist  eine  braune,  anscheinend  barkevikitische  Horn- 
blende mit  starkem  Pleochroismus  a blaßgelb,  b und  c annähernd 
gleich  braun.  Die  Auslöschungsschiefe  c : c auf  {010}  = ca.  10°. 
Zwillingsbildung  nach  (100}  zuweilen  wahrnehmbar.  Sehr  ver- 
breitet ist  auch  hier  die  bei  Essexit  fast  konstante  Verwachsung* 
von  Pyroxen,  Amphibol  und  Biotit.  Fetzen  von  Hornblende  sind 
in  paralleler  Orientierung  und  ohne  eigene  Umgrenzung  dem  Augit 
eingewachsen,  das  gleiche  gilt  für  Biotit.  Bei  Biotit  läßt  sich 
zuweilen  beobachten , daß  die  Spalttracen  desselben  denen  der 
Hornblende  oder  des  Augits  parallel  liegen.  Hornblende  und  Biotit 
erscheinen  auch  beide  als  regelmäßige  Umhüllungen  von  Pyroxen. 
Unter  den  wesentlichen  farblosen  Gemengteilen  ist  der  älteste  ein 
basischer  Plagioklas.  Derselbe  ist  tafelig  nach  (oioj  ent- 
wickelt mit  vorwiegend  idiomorpher  Ausbildung.  Zwillingsbildung' 
nach  Albit-  und  Karlsbader  Gesetz  ist  verbreitet.  Seinem  optischen 
Verhalten  nach  gehört  er  in  die  Labradorreihe  mit  geringen 
Schwankungen  im  Kalkgehalt.  Eine  deutliche  Zonarstruktur  fehlt 
.jedoch.  Durch  Verwitterung  sind  die  Kristalle  in  manchen  Stücken 
schon  stark  getrübt  unter  Ausscheidung  eines  farblosen  Glimmer- 
minerals und  von  Calcit. 

Orthoklas  kommt  neben  Plagioklas  teils  als  schmaler  Saum 
um  diesen,  teils  als  regelrechte  Füllmasse  vor.  Wenn  die  Menge 
des  Orthoklases  sehr  beträchtlich  ist,  hat  er  häufig  die  Form  von 
hypidiomorphen  Täfelchen.  Diese,  tafelig  nach  (Oll],  werden  bis 
3 mm  lang  und  1 mm  dick  und  zeigen  in  der  Kegel  Zwillings- 
bildung nach  dem  Karlsbader  Gesetz.  Der  Orthoklas  besitzt 
normalsymmetrische  Achsenlage  mit  kleinem  Achsenwinkel.  Ist  die 
Orthoklasfüllmasse  auf  größere  Strecken  einheitlich  orientiert,  so 
hält  sie  zahlreiche  andere  Mineralien,  vor  allem  idiomorphe  Plagio- 
klaskristalle, umschlossen.  Das  Mengenverhältnis  zwischen  Plagio- 
klas und  Orthoklas  schwankt  recht  beträchtlich.  Manche  Stücke 
sind  reich  an  Orthoklas  neben  zurücktretendem  Plagioklas , in 
andern  Stücken  ist  Orthoklas  stark  in  der  Minderheit.  Bemerkens- 
wert ist  der  völlig  frische  Habitus  des  Orthoklases  selbst  dann, 
wenn  der  Plagioklas  schon  ziemlich  stark  verwittert  ist.  Neben 
den  Feldspäten  kommt  als  letztes  Kristallisationsprodukt  teils  eine 
trübe  isotrope  Füllmasse  mit  geringer  Lichtbrechung,  teils  schwach 


234 


M.  Semper,  Zur  eocänen  Geographie 


doppelbrechende  zeolithische  Aggregate,  untermengt  mit  Carbonaten, 
in  den  Zwickeln  des  Gesteins  vor.  Die  trübe  isotrope  Füllmasse, 
wahrscheinlich  Analcim,  ist  vermutlich  aus  ursprünglichem 
Nephelin  hervorgegangen.  Frischer  Nephelin  konnte  aller- 
dings nicht  mit  Sicherheit  nachgewiesen  werden.  Ob  die  doppel- 
brechenden Aggregate  auf  Zersetzung  eines  Minerals  der  Sodalith- 
gruppe  zurückzuführen  sind,  steht  dahin.  Die  Menge  dieser 
Füllmassen  ist  ebenfalls  eine  sehr  wechselnde.  In  orthoklasreichen 
Partien  treten  sie  sehr  stark  zurück,  in  orthoklasarmen  Stücken, 
wie  z.  B.  in  denen  von  der  Höhe  des  Scheibenbucks,  wird  dagegen 
ihre  Menge  eine  recht  beträchtliche.  Als  akzessorische  Gemeng- 
teile kommen  in  Betracht:  Magnet  eisen  in  größeren,  schlecht 
ausgebildeten  Kristallen,  häufig  von  einem  Kranz  von  Biotit  um- 
geben, Apatit  in  ziemlich  dicken  Säulchen  und  schließlich 
Titanit  in  blaßgelben,  bis  0,5  mm  großen  spitzrhombischen 
Durchschnitten  mit  kleinem  Achsenwinkel.  Olivin,  der  in  manchen 
Essexiten  eine  Rolle  spielt,  fehlt  hier  vollständig. 

Die  eingehende  Untersuchung  dieses  interessanten  Vorkommens, 
insbesondere  auch  in  chemischer  Beziehung,  erfolgt  sobald  als 
möglich,  sowie  die  Verbreitung  des  Essexits  im  Kaiserstuhl  etwas 
näher  festgelegt  ist. 

Freiburg  i.  Br.,  den  11.  März  1913. 


Zur  eocänen  Geographie  des  nordatlantischen  Gebiets. 

Von  Max  Semper,  Aachen. 

Wenn  die  folgenden  Bemerkungen  an  die  Darstellung  geknüpft 
sind,  die  E.  Haug  in  seinem  Traite  de  geologie  über  die  paläo- 
geographischen  Verhältnisse  des  Eocän  gegeben  hat1,  so  muß 
gleich  von  vorneherein  der  Verdacht  polemischer  Absichten  ab- 
gewehrt werden.  Ich  beabsichtige  viel  weniger  eine  dort  über- 
sehene Einzelheit  zu  verbessern,  als  an  einem  besonders  prägnanten 
Beispiel  eine  in  der  heutigen  Geologie  übliche  Anschauungsweise 
zu  charakterisieren  und  daran  anschließend  die  Frage  zu  berühren, 
ob  hier  nicht  für  manche  in  neuerer  Zeit  lebhaft  verfolgte  Zwecke 
ein  bedeutsames  Hindernis  verborgen  liegt. 

Die  geographische  Beschaffenheit  des  nordatlantischen  Gebiets 
wird  nämlich  an  genannter  Stelle  in  dreifachem  Zusammenhang 
beschrieben , erstens  auf  Grund  der  Verbreitung  der  unter-  und 
mitteleocänen  Säugetierfaunen,  zweitens  auf  Grund  der  Verbreitung 
der  neritischen  Meeresbewohner,  drittens  auf  Grund  gewisser  Eigen- 
tümlichkeiten im  Auftreten  der  Nummuliten.  Hieraus  ergäbe  sich 
— in  der  gleichen  Reihenfolge  aufgezählt  — erstens,  daß  die  im 


1 E.  Haug,  Traite  de  geologie.  Bd.  II.  p.  1397 — 1598.  1911. 


des  nordatlantischen  Gebiets. 


235 


Untereocän  bestehende  Landverbindung  im  Mitteleocän  unterbrochen 
worden  sei  ',  zweitens,  daß  während  des  ganzen  Eocäns,  besonders 
aber  im  Mitteleocän,  eine  zusammenhängende  Küstenlinie  Europa 
nnd  Nordamerika  verband1 2,  drittens,  daß  während  des  ganzen 
Eocän  boreale  Meeresströme  die  amerikanische  Ostkttste  bespült 
und  für  die  (erst  im  Oligocän  einwandernden)  Nummuliten  un- 
bewohnbar gemacht  hätten 3.  Diese  borealen  Meeresströme  können 
nur  angenommen  werden,  wenn  man  sich  den  Atlantischen  Ozean 
mit  einem  arktischen  Meer  verbunden  denkt.  Es  besteht  also  ein 
scharfer  Widerspruch  zwischen  den  Ergebnissen  dieser  drei  Schluß- 
reihen, um  so  mehr,  als  die  sich  zunächst  einstellende  Vermutung, 
es  möchten  sich  diese  Angaben  doch  auf  irgend  eine  Weise  ver- 
einigen lassen,  sich  bei  genauerer  Betrachtung  als  nicht  stichhaltig 
erweist. 

Man  könnte  der  weiteren  Betrachtung  entgegenhalten , daß 
eben  die  bisherige  Kenntnis  der  Tatsachen  nicht  ausreiche,  um  zu 
einer  klaren  Vorstellung  über  die  Paläogeographie  des  eocänen 
Atlantik  zu  gelangen,  und  daß  hier  nur  ein  neuer  Beweis  für  die 
Unmöglichkeit  einer  wirklichen  Paläogeographie  vorläge.  Doch 
wäre  die  hierin  sich  aussprechende  Resignation  erst  zulässig,  wenn 
es  erweislich  gar  keine  Möglichkeit  gäbe,  diese  Widersprüche  zu 
beseitigen.  Jedenfalls  sind  sie  unauflöslich,  solange  die  oben- 
genannten Aussprüche  unverändert  stehen  bleiben.  Woher  sollten 
die  borealen  Meeresströme  ausgegangen  sein , die  im  Untereocän 
den  Nummuliten  die  Besiedlung  der  ostamerikanischen  Gewässer 
verboten,  wenn  der  Atlantische  Ozean  vom  arktischen  durch  eine 
Landbrücke  getrennt  war?  Wie  konnten  im  Mitteleocän  diese 
Ströme  auf  die  Wassertemperaturen  im  Golf  von  Mexiko  einwirken, 
wenn  sie  doch  weiter  im  Norden  nicht  imstande  waren,  den  da- 
mals gerade  besonders  engen  Zusammenhang  der  neritischen  Faunen 
zu  unterbrechen?  Wie  konnte  schließlich  dieser  Zusammenhang 
so  deutlich  sein,  wenn  der  nordatlantische  Kontinent  durch  einen 
(natürlich  als  breit  vorzustellenden)  Meeresarm  in  eine  europäische 
und  eine  amerikanische  Hälfte  zerlegt  war4,  also  schon  durch  die 
räumliche  Entfernung  zwischen  den  neritischen  Zonen  der  außer- 
dem noch  klimatisch  ungleichartigen  Küstengebiete  tiergeographische 
Verschiedenheiten  bewirkt  oder  begünstigt  werden  mußten? 

Läßt  sich  nun  keine  Beschaffenheit  dieses  Gebiets  ausdenken, 
welche  all  diesen  Anforderungen  genug  täte , so  sind  doch  diese 
Anforderungen  selbst  keineswegs  unvermeidlich.  Am  auffälligsten 

1 Ebenda,  p.  1553,  1558. 

2 Ebenda,  p.  1523,  1559. 

3 Ebenda,  p.  1567. 

4 Haüg  spricht  zwar  nur  ohne  nähere  Angabe  von  „Unterbrechung 
des  Zusammenhangs“,  gemeint  ist  aber  offenbar  „Unterbrechung  durch 
einen  Meeresteil“. 


236 


M.  Semper,  Zur  eocänen  Geographie 


ist  dieses  bei  den  au  die  Nummuliten  geknüpften  Schlüssen.  Für 
das  Untereocän  kann  das  Bestehen  einer  landfesten  Verbindung 
zwischen  Afrika  und  Südamerika  noch  mit  den  verhältnismäßig 
triftigsten  Gründen  behauptet  werden  darf  man  mit  ihr  rechnen, 
so  bleibt  es  unverständlich,  weshalb  die  Nummuliten  nicht  schon 
damals  entlang  dieser  Küstenlinie  überwanderten,  da  zu  dieser  Zeit 
der  Atlantik  vom  arktischen  Meer  entschieden  abgeschnitten  war. 
Freilich  kennen  wir  auch  keine  mit  Bestimmtheit  dem  Untereocän 
augehörigen  Bildungen  in  den  Antillen  oder  sonst  im  amerikanischen 
marinen  Tertiär1 2.  Im  Mittel-  und  Obereocän  liegt  für  die  Annahme 
der  südlichen  Landbrücke  kein  direkter  Anhaltspunkt  mehr  vor; 
im  Gegenteil  widersprechen  ihr  andere  Tatsachen , nämlich  die 
Verwandtschaften  zwischen  den  Eocänfaunen  von  Kamerun  und 
Angola3  und  den  entsprechenden  Westeuropas  und  des  Mittelmeers. 
Trotzdem  begannen  damals  mediterrane  Formen  nach  Mittelamerika 
überzuwandern4,  die  Nummuliten  als  die  letzten,  im  Oligocän.  Sie 
treten  dort  in  kleinen  Formen  auf,  wie  sie  in  Europa  stets  sich 
vorfinden,  wenn  die  übrigen  Merkmale  der  Faunen  auf  den  Einfluß 
kühlerer  Meeresströme  deuten  5 *,  jedoch  sind  andere  übergewanderte 
Foraminiferen , denen  sonst  größere  Empfindlichkeit  gegen  Tem- 
peraturerniedrigung zugeschrieben  wird M,  in  Amerika  ihre  Vorläufer 
und  Begleiter ; auch  zeigt  die  sonstige  Fauna,  die  unverändert  aus 
den  unteren,  nummulitenfreien  Vicksburg-Schicliten  in  die  oberen, 
nummulitenführenden  übergeht,  keine  Spur,  daß  irgend  eine  Ver- 
änderung in  den  Lebensbedingungen  eingetreten  sei 7.  Unzweifel- 
haft setzten  zu  niedrige  Meerestemperaturen  der  Nummuliten- 
verbreitung  eine  Grenze,  und  wohl  mit  Recht  beruft  sich  Stromek 
hierauf,  um  das  Fehlen  dieses  Typus  in  den  Eocänbildungen  an 
der  Westküste  Südafrikas  zu  erklären8,  aber  da  die  Existenz 
der  Nummuliten  außerdem  an  Seichtwasser  gebunden  war,  so  würde 
ein  Afrika  und  Südamerika  trennender  Meeresteil  ebenfalls  ihre 
Ansiedlung  an  den  amerikanischen  Küsten  verhindert  haben.  Dieses 
alles  spricht  mehr  für  die  ältere  Annahme,  wonach  im  Mittel-  und 
Obereocän  kein  brasilianisch-afrikanisches  Festland  mehr  bestand, 
sondern  nur  eine  Inselkette  zwischen  Nordafrika  und  den  Antillen, 
die  sich  — vielleicht  im  Zusammenhang  mit  naclx-mitteleocänen 

1 Hai’g,  1.  c.  p.  1558,  1559  ff. 

2 Ebenda,  p.  1528,  1525. 

s Ebenda,  p.  1526. 

4 Ebenda,  p.  1525,  1560. 

ä Ebenda,  p.  1567. 

3 Ebenda,  p.  1567. 

7 Dall  und  Harris,  Neocene.  Bull.  U.  8.  geol.  Surv.  No  84.  1892. 

p.  181,  182,  185. 

3 Stromer,  Die  Geschichte  des  afrikanischen  Festlandes  nach  neueren 

Forschungen.  Xaturwiss.  Wochenschrift.  1910.  p.  163. 


des  nordatlantischen  Gebiets. 


237 


Gebirgsbildungen  in  Marokko 1 — gegen  Ende  des  Eocäns  erhob 
und  sich  erst  zu  Beginn  des  Oligocäns  so  dicht  schloß , daß  die 
Nummuliten  eine  Brücke  geschlagen  fanden,  zu  freilich  anderweitig 
nicht  besonders  günstigen  Lebensbezirken. 

Scheint  demnach  die  Verbreitung  der  Nummuliten  verständlich 
zu  werden  auch  ohne  Annahme  borealer  Meeresströme  an  der 
amerikanisch-atlantischen  Küste,  so  wird  die  Existenz  solcher 
Ströme  aus  andern  Erwägungen  direkt  unwahrscheinlich.  Nach 
j>e  Geer  brach  der  nordatlantische  Kontinent  im  späteren  Tertiär 
nieder2:  mit  diesem  Ereignis,  das  den  arktischen  Gewässern  den 
Zutritt  zum  Atlantischen  Ozean  eröffnete  und  dort  den  heutigen 
ähnliche  Zirkulationsverhältnisse  hervorrufen  mußte,  läßt  sich  das 
plötzliche  Vordringen  der  Chesapeakefauna  kühlen  Charakters  bis 
in  den  Golf  von  Mexiko3  ungezwungen  in  Zusammenhang  setzen. 
Ein  ähnlich  scharfer  Fauneuwechsel  hätte  auch  durch  die  ver- 
mutete mitteleocäne  Meeresverbindung  hervorgebracht  werden  müssen, 
jedoch  findet  sich  davon  nicht  die  mindeste  Spur.  Auf  der  europä- 
ischen Seite  läßt  sich  eocäner  Laterit  in  Irland4  wenig  mit  der 
Annahme  eines  benachbarten  kühlen  Meeres  vereinen  und  bei  Be- 
trachtung der  marinen  Faunen  zeigt  sich , daß  der  im  Pariser 
Becken  zur  Mitteleocänzeit  sehr  auffällige  tropische,  speziell  indo- 
pazifische Einschlag  sich  au  benachbarten , aber  unmittelbar  am 
Atlantik  gelegenen  Äquivalenten  noch  verstärkt5 6.  Man  kann  also 
nirgendwo  eine  Spur  der  vermuteten  arktischen  Meeres  Verbindung 
in  der  Zusammensetzung  der  Faunen  entdecken.  Vielmehr  ging 
die  einzige  Verbindung  beider  Ozeane,  die  sich  erkennen  läßt, 
durch  das  Pariser  Becken  hindurch , und  sie  bestand  in  einem 
Meeresarni , dessen  weiterer  Verlauf  nach  den  Darstellungen 
de  Geer’s  und  nach  der  Verbreitung  der  diluvialen  Eocängeschiebe5 
vermutlich  nicht  im  Gebiet  der  Nordsee  und  westlich  von  Skan- 
dinavien zu  denken  ist 7 8,  sondern  im  Gegenteil  östlich  von  Skan- 
dinavien, quer  durch  das  später  vereiste  Gebiet  hindurch s. 

Soweit  also  marine  Organismen  in  Betracht  kommen,  spricht 
alles  mehr  für  die  während  des  ganzen  Eocän  unveränderte  Exi- 
stenz eines  nordatlantischen  Kontinents.  Die  gegenteilige  Annahme 


1 Haug,  1.  c.  p.  1573. 

1 G.  de  Geer,  Kontinentale  Niveauveränderungen  im  Norden  Europas. 
Compte  rendu  intern.  Geol.  Congr.  1910.  p.  849  ff. 

3 Dali,  und  Harris,  1.  c.  p.  186. 

4 Cole.  The  red  zone  in  the  basaltic  series  of  the  County  of  Antrim. 
Geol.  Mag.  1908.  p.  341. 

5 Hadg,  1.  c.  p.  1457. 

6 Ebenda  p 1444. 

7 Ebenda  p.  1559. 

8 M.  Semper,  Das  paläothermale  Problem.  II.  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol. 
Ges.  1899.  p.  202. 


238 


M.  Semper,  Zur  eocänen  Geographie 


führt  nur  zu  Schwierigkeiten  und  Unverständlichkeiten,  und  so  ist 
zu  fragen,  oh  das  ihr  hauptsächlich  zugrunde  liegende  Argument, 
die  Verbreitung  der  eocänen  Säugetiere  Europas  und  Amerikas, 
ihre  Übereinstimmung  im  unteren,  ihre  Verschiedenheit  im  mitt- 
leren und  oberen  Eocän,  nicht  einer  gleichberechtigten  Umdeutung 
zugänglich  ist. 

Die  nordamerikanischen  Fundorte  eocäner  Säugetiere  liegen 
ganz  im  Westen  des  Kontinents  ; der  gesuchte,  von  Europa  trennende 
Meeresarm  braucht  nicht  im  atlantischen  Gebiet , sondern  konnte 
auch  weiter  westlich  gelegen  sein , in  demselben  nord-südlichen 
Streifen,  der  schon  in  der  Kreidezeit  einmal  überflutet  war.  Die 
eocänen  Sedimente  im  Mississippital  enden  fast  genau  an  der  Stelle, 
bis  zu  der  von  Norden  her  das  diluviale  Inlandeis  reichte.  Man 
könnte  vermuten,  daß  die  nördliche  Fortsetzung  der  Eocängebilde 
zerstückelt  und  daher  übersehen  worden  sei,  ähnlich  wie  das  nord- 
deutsche Eocän  größtenteils  vernichtet  wurde  und  sich  bis  zum 
Beginn  der  Detailaufnahmen  der  Beobachtung  so  gut  wie  ganz 
entzog.  Jedoch  weisen  die  Eocänbildungen  von  Kentacky  und 
Missouri,  sowie  die  südlicheren  von  Texas  und  Arkansas  deutlich 
auf  unmittelbare  Nähe  des  Landes  und  scheinen  sämtlich  in  einem 
breiten  Flußästuar  gebildet  zu  sein  '. 

Dafür  gelangt  man  im  Verfolg  einiger  Andeutungen  in 
Osborn’s  zusammenfassender  Schilderung  der  eocänen  Säuger1  2 3 auf 
einen  aussichtsreicheren  Weg.  Obwohl  die  von  ihm  übernommene 
paläogeographische  Karte  Matthew’s  für  das  Mitteleocän  den 
Atlantischen  Ozean  ungefähr  in  der  gegenwärtigen  Umgrenzung 
zeigt,  erwähnt  der  Text,  daß  die  damalige  Isolation  von  Europa 
und  Amerika  auch  durch  klimatische  Verschiedenheiten  hervor- 
gebracht sein  könne,  daß  zwischen  den  Faunen  beider  Erdteile 
ähnliche  Unterschiede  beständen,  wie  allgemein  zwischen  „konti- 
nentalen“ und  „peninsularen“  Faunen  usw.  Wenn  sich  nun  be- 
legen läßt,  daß  im  Untereocän  und  im  Oligocän  die  Lebensverhält- 
nisse in  Europa  und  Amerika  sich  ähnlich,  im  Mittel-  und  Ober- 
eocän  aber  unähnlich  waren , so  ist  damit  manches  für  die  Ent- 
scheidung obigen  Problems  erreicht,  vielleicht  sogar  mehr,  als  einer 
umständlichen  Analyse  von  Gattungs-  und  Artmerkmalen  mit  Aus- 
deutung auf  klimatische  oder  sonstige  bionomische  Anpassung  über- 
haupt in  Aussicht  steht. 

Europa  bildete  im  Untereocän  nach  Ausweis  der  zahlreichen 
Siißwasserablagerungen  ein  zusammenhängendes,  freilich  wohl  ebenes 
und  reich  bewässertes  Festland,  war  also  darin,  wie  auch  in  der 
Flora  zum  Ausdruck  kommt8,  dem  Westen  Nordamerikas  sehr 
ähnlich.  Das  Meer  drang  nur  in  ziemlich  schmalen  und  flachen 

1 W.  B.  Clark,  Eocene.  Bull.  U.  S.  geol.  Surv.  No.  83.  1891.  p.  202. 

2 Osborn,  The  age  of  mammals.  1910.  p.  137  ff. 

3 Haug,  1.  c.  p.  1530. 


des  nordatlantischen  Gebiets. 


239 


Buchten  ein,  überflutete  aber  durch  die  mitteleocäne  Transgression 
die  ganze  Fläche  bis  auf  eine  Anzahl  alter  Gebirgskerne,  die 
wenig  umfangreiche  Inseln  bildeten.  Damit  zugleich  trat  eine 
völlige  Umwandlung  der  Floren  und  marinen  Faunen  ein  durch 
Zuwanderung  von  jetzt  indischen  Elementen,  deren  Heimat  auch 
für  damals  im  indopazifischen  Gebiet  zu  suchen  ist,  und  zwar 
weisen  nicht  nur  Meeresbewohner,  sondern  auch  Landbewohner, 
offenbar  verschleppt  durch  Meeresströmungen,  auf  solche  Herkunft1. 
Im  Oligocän  ward  die  Meeresbedeckung  in  Europa  zwar  nicht  wesent- 
lich geringer,  eher  in  manchen  Teilen  noch  verbreitert;  da  aber 
die  Meere  nunmehr  ihre  Hauptzuflüsse  nicht  mehr  aus  tropischen, 
sondern  aus  nördlichen  kühleren  Regionen  erhielten,  so  entstand  ein 
klimatischer  Typus,  der  sich  vom  kontinentalen  weniger  stark  unter- 
schied, als  der  ozeanisch-warme  der  vorhergehenden  Epochen. 

Zu  solchen  Schwankungen  findet  sich  in  Nordamerika  keine 
Parallele 2.  Die  Verschiedenheiten , welche  zwischen  den  sich 
folgenden  Faunen  bemerkbar  werden,  erklären  sich  z.  T.  daraus, 
daß  durch  die  Zufälle  der  Erhaltung  andere  Ausschnitte  aus  der 
Gesamtfauna  überliefert  worden  sind;  in  vielen  Fällen  aber  ver- 
folgte, durch  äußere  Einflüsse  ungestört,  die  Entwicklung  die  an- 
fänglich eingeschlagenen  Bahnen  weite]1.  Die  Zeiten  der  faunistischen 
Übereinstimmung  weisen  also  nach  andern  Erwägungen  zugleich 
eine  Annäherung  der  allgemeinen  Lebensverhältnisse  in  Europa 
und  Amerika  auf;  umgekehrt  sind  zu  andern  Zeiten  faunistische 
und  bionomische  Verschiedenheiten  miteinander  verbunden.  Man 
ist  also  auch  nicht  gezwungen,  für  diese  letzteren  Fälle,  aller 
sonstiger  Argumente  zum  Trotz,  auf  räumliche  Trennung  der  Kon- 
tinente zu  schließen,  kann  auch  unkontrollierbare  Annahmen  über 
die  Beschaffenheit  des  unbekannten  nordatlantischen  Landes,  Un- 
passierbarkeit infolge  von  Wüstenbildung  oder  Hinweise  auf  die 
Tse-tse-Fliege  und  Ähnliches  3 beiseite  lassen  und  wird  bei  der  An- 
sicht stehen  bleiben  müssen,  daß  Europa  im  Mittel-  und  Obereocän 
maringeographisch  und  fioristisch , aber  auch  in  bezug  auf  die 
Säugetierfauna  zu  einer  östlichen,  indischen  Provinz  gehörte,  daß 
diese  nur  so  weit  auf  das  nordatlantische  Festland  Übergriff,  als 
der  klimatische  Einfluß  des  mediterran-indischen  Meeres  reichte, 
daß  aber  die  Grenzgebiete  unbekannt  und  wahrscheinlich  jetzt 
unter  dem  Atlantischen  Ozean  begraben  sind. 

Es  ist  also  keineswegs  unmöglich,  in  dieser  Weise  eine  in 
sich  widerspruchslose  Auffassung  von  den  tiergeographischen  und 
maringeographischen  Zuständen  des  atlantischen  Gebiets  im  Eocän 
zu  entwickeln;  nur  bleibt  diese  Auffassung  zu  einem  wesentlichen 
Teil,  wie  man  sagt,  „hypothetisch“,  d.  h.  es  fehlt  ein  Beweis,  und 


1 Haus,  1.  c.  p.  1549. 

2 Osbokn,  1.  c.  p.  138,  181,  208. 

3 Osborn,  1,  c.  p 38,  285. 


240 


51.  Semper.  Zur  eocänen  Geographie 


es  läßt  sich  auch  wohl  kaum  beweisen,  daß  z.  B.  die  Gattungs- 
und Artmerkmale  der  mitteleocänen  Säuger  außer  für  begrenzt- 
lokale auch  für  allgemein-regionale  Lebensbedingungen  charak- 
teristisch sind,  also  liier  für  ozeanisch-warmes,  dort  für  kontinen- 
tales Klima.  Es  bliebe  auch  nach  Durchforschung  eines  denkbar 
reichen  Materials  doch  nur  ein  Glaube,  eine  durch  Willensakt 
übernommene  Überzeugung,  wenn  man  den  von  Osborn,  wie  er- 
wähnt, in  zweiter  Linie  angeführten,  von  Haug  ganz  in  den  Hinter- 
grund geschobenen  Faktoren  der  tiergeographischeu  Begrenzung 
den  Vorrang  zuschreibt  und  die  von  ihnen  dargebotene  Erklärung 
für  ausreichend  erachtet.  Demgegenüber  machen  die  zu  Anfang 
wiedergegebenen  Schlüsse  Haug’s,  solange  man  jeden  für  sich  allein 
betrachtet,  den  Eindruck  positiver  Beweisbarkeit  und  Bestimmtheit, 
und  es  ist  kein  Zweifel,  daß  sie,  isoliert  genommen,  den  einzelnen 
hier  entgegengestellten  weit  überlegen  scheinen.  Die  Schwäche 
jener  ersteren  tritt  erst  hervor,  wenn  man  sie  zu  einem  Gesamt- 
bild vereinigt;  umgekehrt  leiten  diese  letzteren  ihre  Berechtigung 
hauptsächlich  daraus  ab,  daß  sich  mit  ihrer  Hilfe  ein  widerspruch- 
loses Gesamtbild  gewinnen  läßt. 

Wie  man  sich  aber  auch  gegen  diese  Sätze  im  einzelnen 
verhalten  möge,  so  viel  ist  doch  unzweifelhaft:  daß  eine  wider- 
spruchsvolle Gesamtanschauuug  auch  im  einzelnen  nichts  erklärt 
und  nicht  aufrecht  erhalten  werden  kann.  Dadurch  wird  man  vor 
die  schwierig  zu  handhabende  Frage  gestellt:  wie  ist  es  zu  er- 
klären, daß  Haug  das  Vorhandensein  dieser  Widersprüche  nicht 
bemerkte,  oder  es,  was  wahrscheinlicher  ist,  absichtlich  mit  Still- 
schweigen überging?  An  einer  andern  Stelle  des  Traite  wird  ein 
ähnlicher  Widerspruch  angemerkt,  als  nämlich  das  Auftreten  nah- 
verwandter permischer  Landbewohner  auf  der  nördlichen  und  süd- 
lichen Halbkugel  zur  Annahme  eines  die  Tethys  überquerenden 
Landweges  zwang,  während  die  marinen  Fossilien  für  ungestörten 
Zusammenhang  der  westlichen  und  östlichen  Meere  zu  sprechen 
schienen '.  Nun  handelt  es  sich  beim  Eocän  um  verschiedene, 
untereinander  unabhängige  Tatsachenreihen ; Widersprüche  ent- 
stehen erst,  wenn  aus  den  Beobachtungen  mit  Hilfe  hypothetischer 
Prämissen  (Annahmen  über  die  Ursachen  der  Tierverbreitung  und 
Faunenbegrenzung)  Schlüsse  gezogen  werden;  im  Perm  aber  sind 
es  viel  unmittelbarer  die  Tatsachen,  die  sich  kreuzen.  Die  Be- 
reicherung der  geologischen  Erfahrung,  die  im  letzten  Jahrhundert 
errungen  wurde,  ist  wesentlich  dadurch  geschaffen,  daß  sich  die 
Forschung  mit  ausschließlicher  Energie  der  ersten  Aufgabe  der 
Geologie  und  Paläontologie,  der  Beschreibung  des  gegenwärtigen 
Befundes,  zuwandte.  Hierbei  war  nur  geringes  Handwerkszeug  an 
Hypothesen  erforderlich  und  dieses  brauchte  niemals  in  Diskussion 


1 Haug,  1.  c.  p.  821. 


des  nordatlantischen  Gebiets. 


241 


gezogen  zu  werden.  In  der  Gegenwart  aber  wird  auch  die  andere 
Aufgabe:  Rekonstruktion  der  vorzeitlichen  Zustände,  immer  um- 
fassender in  Angriff  genommen.  Bei  ihr  ist  ein  beträchtliches 
Rüstzeug  an  Hypothesen  unentbehrlich,  wenn  man  überhaupt  zu 
Schlüssen  gelangen  will,  aber  die  Forschung  verhält  sich  ihrem 
gedanklichen  und  begrifflichen  Material  gegenüber  mit  wenigen 
Ausnahmen  genau  so,  wie  sie  es  in  der  vorhergehenden  Tätigkeit 
mit  Erfolg  geübt  hatte:  sie  diskutiert  es  so  wenig  wie  möglich, 
ja,  in  manchen  Fällen  scheint  es,  als  suche  sie  es  völlig  zu 
ignorieren,  und  als  habe  sie  das  Bewußtsein  dafür  verloren,  daß 
Tatsachen  einerseits  und  andererseits  Schlüsse,  die  liier  notwendig 
immer  mindestens  zur  Hälfte  Hypothesen  als  Prämissen  haben,  zu 
unterscheiden  sind1  und  wissenschaftlich  ganz  verschiedene  Be- 
handlungsweisen  erfordern . 

Wenn  also  in  dem  hier  besprochenen  Werk  und  bei  diesem 
Thema  entweder  die  Aufmerksamkeit  erlahmte  oder  die  Diskussion 
abgebrochen  wurde,  sobald  es  auf  eine  Prüfung  der  verwendeten 
Hypothesen  ankam,  so  ist  das  nicht  für  den  Autor,  sondern  für 
das  heute  in  der  Geologie  als  maßgebend  anerkannte  Verhalten 
bezeichnend,  ein  prägnantes  Beispiel  und  nicht  bloß  eine  zufällige 
Einzelheit.  Es  verrät  sich  darin  der  Wunsch  und  die  Überzeugung, 
positiv  gesicherte,  exakt  gewonnene  Ergebnisse  zu  besitzen  und 
sich  auf  solche  zu  beschränken.  Widersprechen  sich  dann  bei  der 
Rekonstruktion  der  Vorzeit  die  als  exakt  und  Tatsaclien-gleich 
gewerteten  Schlüsse,  so  wird  man  dem  nur  geringe  Bedeutung  bei- 
messen, weil  man  von  diesem  Standpunkt  aus  die  Fehlerquelle  nur 
in  unvermeidlichen  Lücken  der  Tatsachenkenntnis  suchen  kann. 
Das  Aufsuchen  von  Widersprüchen  und  Unstimmigkeiten  erscheint 
dann  überflüssig  oder  gar  irreführend ; in  Wirklichkeit  ist  es  aber 
für  die  rekonstruierende  Geologie  als  eine  mit  Hypothesen  arbei- 
tende Wissenschaft  weit  wichtiger  als  das  Herbeischaffen  von  Be- 
stätigungen, denn  es  ist  das  einzig  vorhandene  Mittel  um  Wahrheit 
und  Irrtum  der  Hypothesen,  ursprünglich  reiner  Phantasiegebilde, 
aber  von  entscheidendem  Einfluß  auf  die  Resultate,  zu  prüfen  und 
Notwendigkeiten  zur  Abänderung  oder  Verbesserung  aufzuflnden. 

Gegen  Hypothesenänderungen,  die  unter  Berücksichtigung  be- 
kannter, aber  bisher  beiseite  gelassener  Tatsachen  Widersprüche 
hinwegräumen,  wird  sich  niemand  wehren.  Eine  andere  Frage  ist, 
wie  man  sich  Widersprächen  gegenüber  verhalten  solle,  wenn  zur 
Veränderung  der  mitwirkenden  Hypothesen,  anders  wie  in  vor- 

1 Zu  vergleichen  ist  u.  a.  die  Diskussion  zwischen  G.  Andersson  und 
H.  Brockmann-Jerosch  (Compte  rendu  intern.  Geol.  Congr.  1910.  p.  373. 
413)  über  „Tatsachen“  und  „Hypothesen“  betr.  das  Klima  der  Eiszeit  und 
Nacheiszeit,  d.  h.  also  über  Schlüsse,  die  aus  Prämissen  von  teils  Tatsachen, 
teils  Hypothesen  gezogen  sind  und  daher  niemals  reine  Tatsachenfeststel- 
lungen werden  künneri. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913 


16 


242 


A.  Monsen,  Ueber  die  Packung 


liegendem  Fall,  aus  Mangel  einschlägiger  Beobachtungen  keine 
Handhaben  gegeben  sind.  Man  wird  sich  dann  darauf  beschränken 
müssen,  solche  Hypothesen  als  reine  „Arbeitshypothesen“,  nur 
gültig  zu  bestimmten  Zwecken  und  in  begrenztem  Bereich,  stehen 
zu  lassen.  Im  übrigen  aber  darf  man  sich  vielleicht  auf  einen 
Ausspruch  Goethe’s  beziehen,  der  an  Cuvier’s  Neigung  zu  positiv- 
bestimmter Ausdrucksweise  Anstoß  nahm  und  im  Anschluß  an 
dessen  discours  sur  le  revolutions  de  la  surface  du  globe  bemerkte: 
„Der  Mensch  gibt  überall  Probleme  zu  und  kann  doch  keines 
ruhen  und  liegen  lassen;  und  dieses  ist  auch  ganz  recht,  denn 
sonst  würde  die  Forschung  aufhören;  aber  mit  dem  Positiven  muß 
man  es  nicht  so  ernsthaft  nehmen,  sondern  sich  durch  Ironie 
darüber  erheben  und  ihm  dadurch  die  Eigenschaft  des  Problems 
erhalten;  denn  sonst  wird  man  bei  jedem  geschichtlichen  Rückblick 
konfus  und  ärgert  sich  über  sich  selbst.“ 

Die  Geologie  ist  schon  oft  in  der  Lage  gewesen,  sich  in  dieser 
Weise  ärgern  zu  müssen,  und  es  steht  bis  jetzt  zu  befürchten, 
daß  gleiches  ihr  in  Zukunft  nicht  erspart  bleiben  wird. 


Ueber  die  Packung  tertiärer,  diluvialer  und  rezenter  Sande 
und  das  Porenvolumen  von  Sandsteinen. 

Von  stud.  geol.  Astrid  Monsen  in  Königsberg  Pr. 

In  seiner  Abhandlung:  „Die  Annahme  der  submarinen  Erhebung 
des  Alpenzuges  und  über  Versuche,  Vorstellungen  über  submarine 
Gebirgsbewegung  zu  erlangen“,  zeigt  Professor  Tornquist  auf  Grund 
eingehender  Versuche,  die  mit  Seesand  ausgeführt  wurden,  wie 
außerordentlich  verschieden  locker  und  fest  sedimentierte  Sande 
in  ihren  physikalischen  Eigenschaften  sind  und  weist  darauf  hin, 
daß  diese  Tatsache  für  Lösung  wichtiger,  geologischer  Probleme 
in  Betracht  zu  ziehen  ist. 

Das  verschiedene  physikalische  Verhalten  des  Sandes  ist  durch 
die  verschiedenen  Porositätsverhältnisse  des  Sandes  bedingt.  Die 
Porosität,  d.  h.  das  Volumen  der  Poren  des  Sedimentes  zum  Gesamt- 
volumen desselben,  oder  die  Packung  des  Sedimentes  schwankt 
in  sehr  weiten  Grenzen,  je  nachdem  die  Sandkörner  sich  mit 
größeren  Flächen  oder  an  den  Kanten  berühren.  Als  Maximum 
der  Porosität  kann  47,54  Volumenprozent  Poren,  als  Minimum 
25,95  ü/o  Poren  eines  Sandes  angesehen  werden. 

Es  schien  von  Bedeutung,  die  in  der  Natur  vorkommenden 
Sande  an  Ort  und  Stelle  ihrer  natürlichen  Ablagerung  auf  ihre 
Porosität  und  Packung  hin  zu  untersuchen.  Es  wurden  zu  diesem 
Zwecke  die  in  der  Umgegend  von  Königsberg  anstehenden  Sande 
von  mir  einer  Prüfung  unterzogen,  über  die  ich  hier  vorläufig  kurz 


tertiärer,  diluvialer  und  rezenter  Sande  etc. 


243 


berichte,  da  ich  den  Abschluß  der  Arbeit  noch  eine  Zeitlang  hinaus- 
schieben  muß. 

Es  kamen  hierfür  Sande  des  Tertiär,  Diluvium,  Alluvium 
und  die  rezenten  Diinensande  in  Betracht,  deren  einzelne  Elemente 
durch  kein  Zement  verbunden  sind,  was  in  älteren  Formationen 
nur  ausnahmsweise  der  Fall  ist,  wie  z.  B.  bei  den  untersilurischen 
Glaukonitsanden  der  russischen  Ostseeprovinzen  und  den  im  Unter- 
gründe Ostpreußens  erbohrten  Jurasanden. 

A.  Tertiäre  Sande 

a)  des  Zipfelberges  bei  Groß-Kuhren,  Samland: 

1.  Unteroligocänes  Sediment  der  fernei’en Uferzone  des  Oligocän- 
meeres. 

2.  Grober  Quarzsand,  Grenzschicht  zwischen  Unter-Oligocän 
und  Miocän.  Litoralsediment. 

3.  Miocäner  Quarzsand  zwischen  unteren  und  oberen  Letten. 
Limnisches  Flach wassersediment. 

b)  der  Seeberge  zwischen  Palmnicken  und  Dirschkeim: 
Miocäner,  feinkörniger  Sand.  Limnisches  Flachwassersediment. 

c)  Tertiärer  Quarzsand,  etwa  10  cm  breiter  Streifen,  anstehend 
in  der  Bernsteingrube  von  Palmnicken. 

B.  Diluviale  Sande. 

a)  Diluvialer  Sand,  anstehend  in  Palmnicken,  Tagebau  der  Bern- 
steinwerke. 

C.  Alluviale  Sande. 

a)  Diinensande  der  Wanderdüne  der  Kurischen  Nehrung  zwischen 
Eossitten  und  Pilikoppen. 

1.  Sand  der  Sturzdüne  des  Predinberges. 

2.  Sand  des  Dünenkammes  des  Predinberges. 

3.  Sand  der  Luvseite  des  Predinberges. 

4.  Sand  des  Perwellberges  bei  Eossitten. 

5.  Sand  der  Kunzener  Berge  bei  Alt  Kunzen. 

b)  Seesand. 

1.  Seesand  am  Strande  der  Kurischen  Nehrung  bei  Eossitten. 

2.  am  Strande  bei  Groß-Kuhren. 
a ) Seesand  in  der  Schälung. 

(3)  Sand  in  der  See. 

y)  Strandsand  an  Schälung. 

Das  Porenvolum,  d.  h.  die  Summe  der  Hohlräume  (Poren)  in 
einem  bestimmten,  zumeist  lockeren  oder  verkitteten  Sediment, 
wurde  durch  Prüfung  der  genannten  Sande  am  Orte  ihrer  Ablagerung 
mit  eigens  dazu  konstruierten  Apparaten  wie  folgt  ermittelt  und 
in  Volumprozenten  berechnet: 


16* 


244 


A.  Monsen,  Ueber  die  Packung 


Tertiäre  Sande. 
Fundort 

Mittelwerte  des 
Porenvolums  d.  h. 
Porenvolumen  durch 
Sedimentvolumen 

1.  Zipfelberg  bei  Groß-Kuhren,  Samland:  Unter- 
oligocäner  glaukonitischer  Quarzsand. 

40,5  °/o. 

2.  Zipfelberg : grober  Quarzsand.  Grenzschicht 
zwischen  Unteroligocän  und  Miocän. 

40  °/o. 

Zipfelberg:  Gestreifter,  miocäner Quarzsand  zwischen 
unteren  und  oberen  Letten. 

36,5  °/c. 

Seeberge  zwischen  Palmnicken  und  Dirschkeim: 
Miocäner  Glimmersand. 

33  #/o. 

Palmnicken:  Kgl.  Bernsteinwerke,  in  der  Grube, 
etwa  10  cm  mächtiger,  zwischen  blauer  Erde 
anstehender  Streifen  groben  Quarzsandes. 

Diluviale  Sande. 

35,9  °/o. 

Fundort 

Mittelwerte 
des  Porenvolums 

Palmnicken,  Bernstein  werke,  Tagebau:  Diluvialer 
Quarzsand  unter  Geschiebemergel. 

32  o/o. 

Alluviale  Sande. 
Fundort 

Dünensande  der  Wanderdüne  der  Kurischen  Nehrung 
zwischen  Bossitten  und  Pilikoppen. 

1.  Rezenter  Dünensand  der  Sturzdüne  des  Predin- 
berges : 

«)  Ganz  unten  am  Fuß  der  Sturzdüne. 

37.5  o/o. 

ß)  An  verschiedenen  Höhen  des  Abhanges 
der  Sturzdüne. 

42  o,'o. 

Sand  des  frisch  aufgewehten  Dünenkammes. 

46  °/o. 

y)  An  der  Luvseite. 

2.  Sand  des  Perwellberges  bei  Rositten : 

40  o/o. 

«)  Ganz  am  Fuße  der  Düne. 
ß)  In  verschiedenen  Höhen. 

37,6  o/o. 
40  o/o. 

Rezenter  Dünensand  der  Kunzener  Berge  bei  Kunzen. 
Sturzdüne. 

43,5o/o. 

Seesand. 

1.  Seesand  am  Strande  der  Kurischen  Nehrung 
bei  Rossitten. 

40°  0. 

2.  Am  Strande  bei  Groß-Kuhren: 
«)  Sand  in  der  See. 

43  «/o. 

ß)  Straudsand  an  der  Schälung. 

35  0/0. 

y)  Lockerer,  trockener  Strandsand. 

42,8  0/0. 

tertiärer,  diluvialer  und  rezenter  Sande  etc. 


245 


Die  Untersuchung  ergab  demnach,  daß  marine  Saude,  die  nicht 
der  uferfernen  Litoralzone  angehören,  feste  Packung  besitzeu.  Da- 
gegen gehen  die  Sande  des  oberen  Unter-Oligocän  häutig  in  lockere, 
offenbar  litorale,  ufernahe  Packung  über. 

Dagegen  sind  Süßwasserablagerungen  fester  gepackt,  ebenso 
die  diluvialen.  Dünensande  zeigen  direkt  anstehend  lose,  aber 
unter  dem  Druck  der  darauflagernden  Düne  festere  Packung. 

Hiermit  stehen  Beobachtungen  über  Porosität  in  Sandsteinen 
im  Einklang. 

Ich  untersuchte  bisher  folgende  Sandsteine: 

A.  Kreidesandsteine. 

1.  Quadersandsteine  aus  dem  Cenoman,  Turon,  Senon. 

a)  Über-Quader  von  Herrenleite. 

b)  Sandstein  von  Quedlinburg,  Senon. 

c)  Cenomaner  Sandstein,  Unter-Quader,  Götzenbruch  bei 
Kabenau. 

d)  Quadersandstein,  Kommunebruch  bei  Königstein. 

e)  Labiatus-Qnadev , Bildhauersandstein,  Groß-Cotta  bei 
Pirna,  Turon. 

f)  Zflbiafws-Quader,  Bildhauersandstein,  Bosen  (?)  Bosen- 
dorf bei  Pirna,  Turon. 

g)  Unter-Quader,  untere  Schicht,  Dohna,  Branamiihle. 

h)  Oberer  Quader,  Ucketaler  Grund. 

i)  Unter-Quader,  obere  Schicht,  Dohna,  Branamiihle. 

j)  Muschelquader,  Coschütz  bei  Dresden. 

k)  Elbsandstein,  Bodenbach. 

l)  Unterer  Quadersandstein  von  Bannewitz  bei  Dresden. 

2.  Bunter  Sandstein,  Heidelberg  am  Neckar. 

3.  Bunter  Sandstein,  Casseley  in  der  Eifel. 

Die  Prüfung  der  erwähnten  Sandsteine  hatte  zur  Aufgabe, 
das  ursprüngliche  Porenvolum  der  Sandsteine  festzustellen,  d.  h. 
das  absolute  Poren  volum  ohne  Ce  ment  zu  bestimmen,  um  da- 
durch der  Frage  über  die  natürliche  Ablagerung  des  Sediments 
näher  zu  kommen.  Wie  zwei  Beispiele  zeigen  mögen : 

1.  Ldbiatus- Quader,  Bosendorf  bei  Pirna,  Turon,  mit  ur- 
sprünglichem Porenvolum  38,6  °/o; 

2.  Unter  Quader  und  Schicht,  Dohna,  Brauamülile,  mit  ur- 
sprünglichem Porenvolum  32,7  %, 

steht  hier  das  Porenvolum  mit  dem  bei  den  fossilen  und  rezenten 
litoralen,  küstenfernen  und  küstennahen  Sanden  ermittelten  im 
Einklang. 

Meine  weitere  Arbeit  soll  sich  auf  die  Betrachtung  möglichst 
vieler  Sandsteine,  besonders  auf  deu  Buntsandstein,  beziehen. 

Königsberg  Pr.,  28.  Januar  1913,  Geologisches  Institut. 


246 


H.  P.  Cornelius,  Geologische  Beobachtungen 


Geologische  Beobachtungen  im  Gebiete  des  Fornogletschers 

(Engadin). 

Von  H.  P.  Cornelius. 

Auf  der  Exkursion  in  die  Alpen , welche  die  Geologische 
Vereinigung  im  Sommer  1912  veranstaltete,  erfuhr  ich  zu  meiner 
großen  Überraschung  aus  dem  Munde  von  Herrn  Geheimrat 
G.  Steinmann  dessen  Ansicht,  nach  welcher  die  Granitmasse  der 
Albigna-Disgrazia-Gruppe  tertiären  Alters  wäre.  Steinmann  gründete 
diese  Ansicht  auf  das  Auftreten  des  Granits  im  allgemeinen,  sowie 
auf  dessen  petrograpliische  Beschaffenheit,  welche  keinerlei  An- 
zeichen einer  stärkeren  mechanischen  Beanspruchung  erkennen  läßt. 
Ich  unternahm  darauf,  um  über  diese  Frage  ins  klare  zu  kommen, 
zu  Anfang  September  des  letzten  Jahres  einige  Exkursionen  in 
das  Fornogebiet.  Dieselben  lieferten  Resultate , welche  mir  in 
mancher  Beziehung  interessant  genug  scheinen,  um  die  Bekannt- 
gabe eines  kurzen  vorläufigen  Berichts  zu  rechtfertigen. 

Fassen  wir  zunächst  die  tektonische  Situation  unseres  Gebietes 
ins  Auge!  Wie  ich  kürzlich1  mitgeteilt  habe,  wird  der  aus 
Gneisen  und  Phylliten  der  Malojaserie  bestehende  kristalline  Kern 
der  rhätischen  Decke  in  Val  Maroz , unmittelbar  westlich  von 
Casaccia , von  Grünschiefern  unterlagert , welche  dem  verkehrten 
Schenkel  der  nämlichen  Decke  angehören.  Desgleichen  bilden  die 
Grünschiefer  und  Serpentine  von  Val  Malenco  die  Unterlage  der 
Gneise  der  rhätischen  Decke  in  der  Kette  Piz  Fora — Sasso  d’Entova, 
wie  aus  den  Untersuchungen  F.  Zyndel’s2  und  des  Verfassers 
hervorgeht.  Wir  haben  also  zu  erwarten,  daß  die  Kontaktfläche, 
welche  jene  beiden  Gesteinsgruppen  trennt,  auch  zwischen  Casaccia 
und  den  Bergen  östlich  des  Murettopasses  ausstreicht.  Und  in  der 
Tat:  steigen  wir  von  Maloja  südwärts  hinauf  nach  der  Terrasse 
Salacina  (nördlich  des  gleichnamigen  Gipfels),  so  erreichen  wir 
dort  die  Südgrenze  der  E-W  streichenden  und  steil  (bis  50°)  N 
fallenden  Malojagneise.  Den  im  Süden  sich  erhebenden,  felsigen 
Grat,  welcher  vom  Piz  Salacina  gegen  NE  zieht,  bauen  die  unter- 
lagernden Grünschiefer  auf.  Sie  ziehen  gegen  NE  hinab  nach 
dem  Knie  der  Ordlegna , ca.  1 km  nördlich  des  Lej  da  Cavlocc, 
und  treten  dort  noch  auf  die  Nordseite  jenes  Flusses.  Der  Kontakt 
mit  den  hangenden  Gneisen  ist  leider  auf  dieser  ganzen  Strecke 

1 H.  P.  Cornelius,  Über  die  rhätische  Decke  im  Oberengadin  und 
den  südlich  benachbarten  Gegenden.  Dies.  Centralbl.  1912.  p.  632  ff.  — 
Petrograpliische  Untersuchungen  in  den  Bergen  zwischen  Septimer-  und 
Julierpaß.  N.  Jalirb  f.  Min.  etc.  Beil. -Bd  XXXV.  1918.  Karte  Tafel  XIX. 

2 F.  Zyniiel,  Über  den  Gebirgsbau  Mittelbündens.  Beitr.  z.  geol. 
Karte  d.  Schweiz.  Neue  Folge  XLI.  1912.  p.  25.  — Die  Ergebnisse 
Zyndel’s  stimmen  bezüglich  der  Tektonik  von  Val  Malenco  (wie  auch  in 
vielen  anderen  Punkten)  vollkommen  mit  den  meinigen  überein. 


im  Gebiete  des  Fornogletschers  (Engadin). 


247 


nirgends  aufgeschlossen,  doch  läßt  sich  leicht  erkennen,  daß  letztere 
stets  von  dem  Grünschiefer  weg,  nach  N bis  NW  einfallen.  An 
dein  erwähnten  Ordlegnaknie  nun  erfährt  die  Grenze  der  beiden 
Gesteinsgruppen  einen  scharfen  Knick:  sie  wendet  sich,  ungefähr 
dem  Tallaufe  folgend,  fast  genau  gegen  Süden.  Die  unterste  Fels- 
mauer  auf  der  Ostseite  besteht  bereits  aus  Gesteinen  der  Gneis- 
serie; Grünschiefer  stehen  zusammenhängend  bis  zum  Lej  da  Cavlocc 
an,  dann  noch  in  einzelnen  Aufschlüssen ; den  südlichsten  fand  ich 
am  N-Fuß  des  Pizzo  dei  Rossi.  Auf  dieser  ganzen  Strecke  herrscht 
im  Norden  flacheres  (20  — 30°),  gegen  Süden  immer  steileres  Ge- 
fälle nach  ENE  bis  E ; am  Murettopaß  steht  der  Gneis  sogar 
vertikal,  ja,  etwas  südlich  der  Paßhöhe  ist  derselbe,  wenigstens 
lokal,  ein  wenig  gegen  E überkippt. 

In  die  Grün  schiefer  ist  jedoch  nochmals  eine  Gneisschuppe 
eingebettet.  Dieselbe  bildet  den  Gipfelkopf  des  Piz  Salacina, 
sowie  (infolge  des  ENE-Gefälles)  fast  das  ganze  Gehänge  westlich 
der  Strecke  Lej  da  Cavlocc — Plancanin ; ich  möchte  sie  der  Kürze 
halber  als  Cavloccschuppe  bezeichnen.  Sie  schießt  überall 
unter  die  bisher  betrachteten  Grünschiefer  (vom  P.  Salacina-NE- 
Grat  etc.)  ein : ihr  Liegendes  wird  wiederum  von  Grünschiefern 
gebildet,  welche  ich  indessen  nur  am  Südgrat  des  Piz  Salacina, 
sowie  zwischen  Plancanin  und  dem  Ende  des  Fornogletschers  an- 
stehend kenne.  An  ersterer  Lokalität  enthalten  dieselben  ein 
kleines  Lager  von  hochkristallinem , schieferigem  Kalk  — teils 
grau,  ziemlich  homogen,  teils  hell,  mit  Bänderung  durch  erhaben 
herauswitternde  Lagen ; in  ersterer  Varietät  könnte  man  vielleicht 
ein  hochmetamorphes  Äquivalent  der  Liasschiefer,  in  letzterer  ein 
solches  des  -Hyänenmarmors“  des  Septimer-Juliergebiets  erblicken. 

Über  die  tektonischen  Beziehungen  zwischen  der  Cavlocc- 
schuppe und  der  Gneismasse  der  rhätischen  Decke  habe  ich  noch 
keine  Klarheit  erlangen  können.  Wahrscheinlich  ist  die  erstere 
nur  eine  lokale  Digitation  des  Kerns  der  rhätischen  Decke ; ich 
vermute  einen  Zusammenhang  beider  am  Pizzo  dei  Rossi,  dessen 
Hochregion  ich  noch  nicht  besuchen  konnte;  die  vollkommene 
Identität  vieler  Gesteinstypen  der  Cavloccschuppe  mit  solchen  der 
Murettogegend  verdient  jedenfalls  hervorgehoben  zu  werden. 

Bei  den  bisherigen  Betrachtungen  haben  wir  das  orographisch 
wie  geologisch  wichtigste  Element,  das  sich  am  Aufbau  des  Forno- 
gebiets  beteiligt,  noch  gar  nicht  erwähnt:  den  Granit,  der  die 
zahlreichen  prachtvollen  Hochgipfel  auf  der  Süd-  und  Westseite 
■des  gewaltigen  Gletschers  wohl  ausschließlich  aufbaut.  Längs  einer 
Linie,  welche  von  P 2562  südlich  des  Piz  Salacina  gegen  SE 
nach  dem  Tal  unterhalb  der  Zunge  des  Fornogletschers  läuft,  stößt 
er  an  die  kristallinen  Schiefer  des  Cavloccgebiets.  Am  besten 
sind  die  Kontaktverhältnisse  im  Tale  des  Fornogletschers  zu  be- 
obachten. Bei  Plancanin  stehen  wir  auf  den  ca.  30°  NE  fallenden 


248 


H.  P.  Cornelius,  Geologische  Beobachtungen 


Gneisen  der  Cavloccschuppe.  Dieselben  nehmen  gegen  SW  erst 
noch  steilere,  dann  ganz  flache  Lage  an ; südlich  lassen  sie , im 
Tal  des  Fornogletscliers , die  unterlagernden  Grünschiefer  hervor- 
treten. Am  ersten  bedeutenden  Couloir  (von  Plancaniu  aus  ge- 
rechnet) , das  von  W herabzieht , werden  beide  Gesteine 
gegen  SW  vom  Granit  scharf  abgeschnitten;  die  Grenze 
steht  saiger.  — Gehen  wir  von  hier  weiter  taleinwärts,  so  treffen 
wir  nach  Durchschreitung  von  ca.  */1 2  km  Granit,  nahe  dem  Ende 
des  Fornogletscliers,  abermals  Schiefergesteine  «an:  eine  nördliche 
Zone  von  Gneis,  eine  südliche  von  Grünschiefer,  alles  mit  vertikaler 
Schieferung.  Diese  Gesteine  sind  nach  allen  Lichtungen  durch- 
adert von  großen  und  kleinen  Granitgängen  !,  vollständig  in 
Schollen  aufgelöst,  deren  Dimensionen  von  ganz  kleinen  bis  zu 
Hausgröße  schwanken.  Injektions-  und  Einschmelzphänomene  sind 
namentlich  an  kleinen  Einschlüssen  vielfach  zu  beobachten.  Gegen 
W setzt  diese  Schollenzone  hinauf  an  den  Grat  südlich  der  Cima 
di  Murtaira;  gegen  SE  findet  sie  eine  Fortsetzung  in  größtem 
Maßstabe  im  Pizzo  dei  Eossi,  auf  dessen  E-Seite  besonders  die 
Durchaderung  der  dunklen  Schiefergesteine  durch  helle  Granit- 
gänge schon  aus  der  Ferne  prächtig  sichtbar  ist.  — Auch  nörd- 
lich der  Granitgrenze  setzen  bereits  einzelne  Gänge  auf,  wohl 
der  bedeutendste  im  Gneis  des  Salacinagipfels ; au  dessen  Süd 
grat  sind  mehrere  kleinere  gut  aufgeschlossen , welche  sowohl 
die  Grünschiefer,  «als  auch  die  oben  erwähnten  Kalke  dureli- 
dringen.  An  allen  diesen  Gängen  läßt  sich  die  Beobachtung 
machen,  daß  sie  im  Gneis  Neigung  zur  Lagergangbildung  zeigen, 
während  sie  den  Grünschiefer  senkrecht  zur  Schieferung  zu  durch- 
setzen pflegen  und  dabei  parallel  zu  derselben  einzelne  Apophyseu 
abgeben. 

Der  Granit  besteht  aus  Orthoklas  (bezw.  Mikroperthit)  und 
saurem  Plagioklas  in  wechselnden  Mengenverhältnissen , reichlich 
Quarz  und  im  allgemeinen  spärlichem  dunklem  Glimmer.  Das 
Gestein  ist  seiner  überwiegenden  Masse  nach  porphyrartig  aus- 
gebildet — die  Orthoklase  können  mehrere  Centimeter  Länge  er- 
reichen — - und  erinnert  im  Handstück  stark  an  Vorkommnisse  des 
südlichen  Schwarzwaldes.  Im  Dünnschliff  erkennt  man  häufig 
beginnende  Umwandlung  der  Feldspäte  zu  Serizit , des  Biotits  zu 
Chlorit,  sowie  gelegentlich  undulöse  Auslöschung  am  Quarz,  doch 
nie  in  starkem  Grade.  Die  Textur  des  Gesteins  ist  stets  voll- 
kommen massig;  nur  ausnahmsweise  findet  man  in  Granitgängen 
Parallelorientierung  der  Glimmerblätter,  welche  ungezwungen  als 
primäre  Fluidalerscheinung  gedeutet  werden  kaun.  — Nach  dem 

1 Wie  dies  schon  Theobald  beobachtet  hat;  vergl.  Beitr.  z.  geol. 

Kurte  d.  Schweiz.  III.  1866.  p.  245.  Über  die  Fortsetzung  dieser  Er- 
scheinungen gegen  W siehe  ebendort  p.  265  ff. 


im  Gebiete  des  Fornogletschers  (Engadin). 


249 


Gesagten  kann  icli  mich  nicht  der  Ansicht  G.  Melzi’s  1 anschließen, 
welcher  das  (nach  seiner  wie  Thkobald’s  Beschreibung  mit  dem 
Granit  vom  Fornogletscher  vollkommen  übereinstimmende)  Gestein 
des  Hintergrundes  von  Yal  Masino  als  Gneis  („gneiss  porßroide“) 
bezeichnet.  Eine  Begründung  dieser  Bezeichnung  habe  ich  in  der 
im  übrigen  schönen  Arbeit  Melzi’s  vergebens  gesucht;  im  Gegen- 
teil geht  ans  dem  Text  wie  aus  den  beigegebenen  Mikrophoto- 
graphien hervor,  daß  das  fragliche  Gestein  eine  ganz  normale 
granitische  Struktur  besitzt,  bei  vollkommen  massiger  Textur. 

Bei  einem  Granitmassiv  von  solchen  Dimensionen  wie  sie  das 
in  Rede  stehende  besitzt  — ca.  20  km  Länge,  12  km  Breite  — 
darf  man  von  vornherein  Kontakterscheinungen  in  beträcht- 
lichem Maße  erwarten.  Und  solche  sind  in  der  Tat  vorhanden. 
Während  nämlich  die  Gneise  der  Malojaserie  bis  auf  Salacina  ihr 
normales  Gepräge  tragen , wie  wir  es  bei  Maloja  und  auf  der 
Xordseite  des  Silsersees  kennen  lernten2,  ändert  sich  ihr  Gepräge 
sehr  wesentlich,  wenn  wir  weiter  nach  Südosten  gehen : die  typo- 
morphen  Mineralien  der  obersten  Zone  der  kristallinen  Schiefer 
(nach  Becke  und  Grubenmann),  Sericit  bezw.  Phengit  und  Chlorit, 
welche  die  normale  Ausbildungsweise  der  Malojagesteine  charak- 
terisieren, verschwinden  vollständig;  Biotit  und  manchmal  etwas 
Muskovit  treten  an  ihre  Stelle.  Dazu  kommen  in  vielen  Gqsteinen 
noch  typische  Kontaktmineralien:  Granat  und  Andalusit,  im  un- 
mittelbaren Kontakt  auch  Sillimanit.  Quarz  und  Feldspäte  fehlen 
selbstverständlich  auch  nicht  im  Mineralbestand.  Wir  erhalten 
also  als  wichtigste  Gesteinstypen : Biotitlagengneise  (Piz  Fadöz, 
S-Seite),  porphyroblastische  Biotit-Granatgneise  (Murettopaß;  Forno- 
gletscher); granatführende  Andalusit-Biotitgesteine  (Lej  da  Cavlocc, 
mit  bis  3 cm  langen  Andalusitprisinen) ; hinzu  treten  noch  fein- 
schieferige , sehr  graphitreiche  Gesteine , ähnlich  den  Graphit- 
phylliten  von  der  Xordseite  des  Silsersees,  doch  in  unserem  Falle 
auch  reichlich  Biotit  führend  (Piz  Salacina),  sowie  Quarzite  mit 
z.  T.  hohem  Gehalt  an  diopsidartigem  Pyroxen  (Murettopaß ; Lej 
da  Cavlocc).  Vollständig  massige  Texturen , Hornfels-  und  Sieb- 
struktur sind  vielen  dieser  Gesteine  eigen.  Mit  den  Grünschiefern 
vollzieht  sich  eine  analoge  Veränderung:  die  normalen  Epidot- 
chloritschiefer  der  obersten  Zone,  wie  sie  westlich  von  Casaccia 
herrschen,  treffen  wir  noch  am  XE-Grat  des  Piz  Salacina;  von 
dort  gegen  S und  SE  gehen  sie  sehr  rasch  über  in  Ampliibolite, 
die  im  wesentlichen  aus  grüner  Hornblende  und  Plagioklas  be- 
stehen; letzteren  konnte  ich  in  vielen  Fällen  als  Labrador  bestimmen. 
Ein  bedeutender  Gehalt  an  Biotit  ündet  sich  in  vielen,  ein  geringer 

1 G.  Melzi,  Ricercbe  geologiche  e petrografiche  sulla  Valle  dcl 
Masino.  Giorn.  di  Min.  IV.  1893.  p.  120  f. 

2 H.  P.  Cornelius,  a.  a.  0.  N.  Jalirb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXV, 
p.  389  ff. 


250 


H.  P.  Cornelius,  Geologische  Beobachtungen 


an  monoklinem  Pyroxen  in  manchen  dieser  Gesteine;  vereinzelt 
trifft  man  auch  Granatfiihrung.  Ehemalige  porphyrische  und 
Gabbrostrukturen  sind  in  manchen  Fällen  noch  erkennbar  (Lej 
da  Cavlocc).  Die  kristallinen  Kalke  vom  Südgrat  des  Piz  Salacina 
geben  sich  unter  dem  Mikroskop  ebenfalls  als  reichlich  Diopsid 
führend  zu  erkennen. 

Wenn  es  auch  bei  vielen  dieser  Gesteine  zurzeit,  und  ohne 
chemische  Untersuchung  wohl  überhaupt  nicht  möglich  ist,  die  stoff- 
liche Identität  mit  bestimmten , nicht  veränderten  Typen  nachzu- 
weisen, so  ist  doch  eines  sicher:  alle  erwähnten  Gesteine  aus  dem 
Raum  zwischen  der  Granitgrenze  und  der  Linie  Murettopaß — Lej 
da  Cavlocc  enthalten  Mineralien , welche  zu  ihrer  Bildung  einer 
hohen  Temperatur  bedürfen  (Andalusit,  Sillimanit,  Biotit, 
Diopsid,  basischer  Plagioklas).  Und  da  die  fraglichen  Gesteine  in 
ihrer  Verbreitung  an  die  Nachbarschaft  des  Granits  gebunden  sind, 
werden  wir  nicht  fehlgehen , wenn  wir  denselben  für  die  statt- 
gehabte Hitzezufuhr  verantwortlich  machen  — jene  Gesteine  mit- 
hin als  Kontaktprodukte  des  Granits  betrachten.  Die  Breite 
des  Kontakthofs  ist  freilich  eine  außergewöhnliche:  die  liochmeta- 
morphen  Andalusitgneise  am  Lej  da  Cavlocc  sind  über  1 1 /2  km 
vom  nächsten  anstehenden  Granit  entfernt;  die  äußersten  Ausläufer 
der  Umwandlung  dürften  noch  erheblich  weiter  reichen.  Immerhin 
siud  Kontakthöfe  von  ähnlichen  Dimensionen  auch  schon  aus  anderen 
Gebieten  bekannt  geworden. 

Was  lassen  sich  nun  für  Schlüsse  bezüglich  des  Alters  der 
Granitintrusion  aus  den  bisher  beschriebenen  Verhältnissen  ableiten  ? 

In  dieser  Beziehung  steht  zunächst  eines  fest:  Der  Granit 
durchsetzt  in  Gangform  alle  Gesteine  seiner  Umgebung  ohne  Aus- 
nahme, und  muß  folglich  jünger  sein  als  dieselben,  wie  schon 
E.  Bonakdi  1 geschlossen  hat,  der  freilich,  den  zu  jener  Zeit, 
herrschenden  Anschauungen  entsprechend , sämtliche  kristalline 
Gesteine  ins  Archaikum  stellt.  Für  die  Gneise  etc.  unseres  Ge- 
bietes ist  nun  tatsächlich,  wenn  auch  nicht  ein  archäisches,  so 
doch  ein  vortriadisches  Alter  sicher;  die  Kalke  vom  Piz  Salacina 
dürften  dagegen  mit  großer  Wahrscheinlichkeit  ins  Mesozoikum  zu 
stellen  sein,  wenn  ich  auch  einen  direkten  Beweis  für  diese  An- 
sicht einstweilen  nicht  erbringen  kann.  Eine  größere  Sicherheit 
haben  wir  bezüglich  des  Alters  der  grünen  Gesteine.  G.  Stein- 
mann 2 hat  ein  mindestens  postjurassisches  Alter  derselben  für 
Graubünden  im  allgemeinen  nachgewiesen;  und  ich  glaube  a.  a.  0. 
gezeigt  zu  haben,  daß  ihre  Intrusion  in  eine  Zeit  gefallen  ist,  zu 
welcher  eine  erste  Phase  der  gebirgsbildenden  Tätigkeit  bereits 

1 E.  Bonardi,  II  gruppo  cristallino  delU  Albigna  e della  Disgrazia 
Rendiconti  del  R.  istituto  Lombardo  di  scienze  e lettere.  Serie  II.  Vol  XV. 
1882.  p.  554. 

s G.  Steinmann,  Ber.  naturf.  Ges.  Freiburg  i.  B.  XVI.  1906. 


im  Gebiete  des  Fornogletschers  (Engadin). 


251 


begonnen  hatte.  Der  Granit  der  Albigna — Disgraziagruppe,  welcher 
die  Grünschiefer  seinerseits  durchbricht,  muß  demnach  auch  jünger 
sein  als  jene  erste  Phase  der  faltenden  Bewegung.  Wir  können 
jedoch  noch  einen  Schritt  weiter  gehen:  Zur  Zeit  der  Granit- 
intrusion müssen  sich  auch  die  Grünschiefer  schon  in  ihrer  jetzigen 
Stellung  zu  den  Gneisen  des  Kerns  der  rhätischen  Decke,  sowie 
der  Cavloccschuppe  befunden  haben.  Dies  geht  hervor  einmal  aus 
der  Tatsache,  daß  die  Gesteine  der  genannten  tektonischen  Elemente 
sämtlich  in  der  Nachbarschaft  des  Granites  kontaktmetamorpli  um- 
gewandelt sind,  sowie  aus  der  weiteren,  daß  der  Granit  den  Gneis 
der  Cavloccschuppe  mitsamt  dem  unterliegenden  Grünschiefer  ein- 
heitlich abschneidet.  Mag  man  auch,  da  die  tektonische  Bedeutung 
der  Cavloccschuppe  noch  nicht  mit  Sicherheit  feststeht,  den  Wert 
jener  zweiten  Tatsache  für  die  Altersbestimmung  des  Granits 
minder  hoch  einschätzen , die  Beweiskraft  der  erstgenannten  läßt 
sich  nicht  einschränken : die  Auflagerung  der  Gneise  der  rhätischen 
Decke  auf  die  grünen  Gesteine  ist,  wie  die  Verhältnisse  bei  Casaccia 
und  in  Val  Malenco  beweisen , durch  Überfaltung  zustande  ge- 
kommen ; im  Bereich  des  Granites  zeigen  beide  Gesteinskomplexe 
Kontaktmetamorphose,  folglich  muß  die  Überfaltung  voll- 
zogen gewesen  sein,  als  das  Aufdringen  des  Granits 
sta  ttf  and. 

Unterstützt  wird  dieser  Schluß  durch  die  petrographisclie 
Beschaffenheit  des  Granits , auf  welche  Steinmann  auf  der  oben 
erwähnten  Exkursion  hingewiesen  hat.  Wenn  auch  im  Dünnschliff 
mancherlei  Erscheinungen  sichtbar  werden,  die  man  als  Wirkungen 
des  Gebirgsdrucks  deuten  kann,  so  ist  doch  der  Unterschied 
zwischen  dem  mikroskopischen  Bilde  dieses  Granits  und  demjenigen 
etwa  des  Juliergranits  ein  ganz  enormer.  Daß  der  erstere  stärkere 
faltende  Bewegungen  mitgemacht  haben  könnte,  erscheint  demnach 
ganz  ausgeschlossen.  Auch  die  vertikalen  Grenzen  der  Granit- 
masse und  zahlreicher  Gänge  sprechen  dagegen , daß  nach  dem 
Empordringen  des  Granits  noch  horizontale  Bewegungen  einzelner 
Teile  seiner  Umgebung  stattgefunden  haben  könnten ; solche  hätten 
zu  Knickungen  und  Verbiegungen  der  Granitgänge  führen  müssen, 
welche  ich  nie  beobachten  konnte.  Höchstens  an  einer  Block- 
bewegung des  gesamten  lepontinischen  Gebiets  (von  nicht  zu  großem 
Ausmaß)  könnte  der  Granit  noch  teilgenommen  haben. 

Wir  gelangen  also  auf  verschiedenen  Wegen  stets  zu  dem 
nämlichen  Besultat:  die  Intrusion  unseres  Granitmassivs 
ist  jünger  als  die  Deckenbewegungen  in  diesem 
Teile  der  Alpen,  jünger  als  der  lepontinische  Schub 
F.  Heritsch’s  j,  nach  der  Zeitbestimmung  dieses  Autors  für  die 
einzelnen  Deckenschiibe  also  jünger  als  Oligocän. 

1 F.  Heritsch.  Das  Alter  des  Deckenschubes  in  den  Ostalpen.  Sitzgsb. 
lc.  Akad.  Wien.  CXXI.  Abt.  I.  1912.  p.  622  f. 


252 


H.  Mylius, 


Eine  obere  Altersgrenze  ist  meiner  bisherigen  Erfahrung  nach 
erst  durch  die  glazialeii  Ablagerungen  gegeben , in  welchen  sich 
Blöcke  unseres  Granits  sehr  häufig  finden. 

Ein  Vergleich  der  periadriatischen  Massen  Salomon’s  1 (und 
der  vermutlich  tertiären1 2  piemontesischen  Stöcke)  mit  dem  Disgrazia- 
massiv  führt  uns  einige  Unterschiede  gegenüber  den  ersteren  vor 
Augen.  Erstens  eiuen  petrographischen  : dort  handelt  es  sich  meist 
um  ziemlich  basische  Gesteine  (Tonalite  bis  Diorite),  während  in 
unserem  Falle  wenigstens  die  Hauptpartie  des  Massivs  von  einem 
zweifellosen  Granit  gebildet  wird.  Ein  weiterer  Unterschied  besteht 
hinsichtlich  der  tektonischen  Stellung:  alle  jene  Massen  — die 
Kerne  des  Rieserferner  ausgenommen  — befinden  sich  teils  un- 
mittelbar an  der  alpin-dinarischen  Grenze,  teils  ganz  auf  dinarischem 
Gebiet;  das  Disgrazia  massiv  hingegen  liegt  voll- 
ständig im  alpinen  Deckenland.  Dieser  Umstand  macht 
es  hier  leichter  als  es  vielleicht  irgendwo  sonst  in  den  Alpen  ist. 
das  der  Gebirgsbildung  gegenüber  jüngere  Alter  des  Intrusiv- 
komplexes  nachzuweisen. 

Zürich,  Ende  Januar  1913. 


Entgegnung  an  A.  Tornquist. 

Von  H.  Mylius. 

Mit  1 Textfigur. 

Prof.  Dr.  A.  Tornquist  hat  in  No.  24  des  vorigen  Jahrganges- 
dies.  Centralbl.  gegen  meine  Entgegnung  Einspruch  erhoben  und 
denselben  in  vier  Punkten  zusammengefaßt,  auf  die  ich  folgendes 
zu  erwidern  habe: 

Zu  Punkt  1 der  „außerordentlichen  Zerknitterung  der  Klippen- 
gesteine im  Gegensatz  zu  den  meist  unzerdrückten  Schichten  der 
aus  dem  Untergrund  aufgefalteten  Kreide“.  Zugegeben,  daß  dem 
so  ist,  daun  kann  es  einem  durchaus  nicht  wundern,  wenn  der 
massige,  oft  gänzlich  ungeschichtete  Schrattenkalk,  wie  er  an  den 
Gauchenwänden  zwischen  Flysch  verkeilt  ist,  sich  bei  den  gebirgs- 
bildenden  Vorgängen  anders,  d.  h.  widerstandsfähiger  verhielt  als 
wie  die  sich  durch  schnellste  Wechsellagerung  der  verschiedensten 
Gesteinssorten  auszeichnenden  Klippengesteine,  unter  denen  weiche 
Mergelschiefer  eine  wesentliche  Rolle  spielen.  Jener  hat  sich  daher 

1 W.  Salomon,  Über  Alter,  Lagerungsform  u.  Entstehungsart  d.  peri- 
adriatischen, granitischkörnigen  Massen.  Min.  u.  petr.  Mitt.  XVII.  1898. 

2 Vergl.  V.  Novarese,  Zt.  f.  prakt.  Geol.  X.  1902.  p.  179,  sowie 
E.  Aröand,  Spezialkarte  64  der  geol.  Karte  der  Schweiz.  1911.  — ln  der 
Legende  zu  der  genannten  Karte  stellt  Akgand  die  fraglichen  Intrusiv- 
massen  mit  den  jüngsten  Sedimenten  zusammen! 


Entgegnung  an  A.  Tornquist. 


253 


in  seiner  Massigkeit  erhalten ; diese  sind  mehr  oder  weniger  intensiv 
gefaltet  worden. 

Von  einer  „ Zerknitterung“  der  Klippengesteine  kann  indes 
überhaupt  nicht  die  Rede  seiu.  Man  betrachte  Tornquists  Tafeln  V 
bis  IX;  wo  ist  da  etwas  von  Zerknitterung  zu  sehen  ? Kulissen- 
artig ragen  auf  der  Tafel  VII  die  Aptyclienkalke  in  die  Luft; 
was  man  auf  den  Tafeln  V und  VI  im  Vordergrund  sieht,  Ge- 
Tobnquist  inzwischen  selbst  zugegeben,  ist  keine  dynamische  hat 
steinszerknitterung,  keine  „Überschiebungsbreccie“  mehr,  sondern 
Gehängeschutt;  nur  Tafel  IX  läßt  „Fältelungen“  in  der  Kalkklippe 
erkennen. 


Skizze  der  Allgäuer  und  Vorarlberger  Juraklippen  nach  A.Tornquisf. 


ObJurakh'ppe.  Flysch  Kalkiger  Krystallinische  Alluvium, 

meist  sandig , Chondriten-  Conglomerate  u. 
conglomeratisch.  Ft y sch.  Blöcke  im  Flysch. 


Zu  Punkt  2 „die  enge  Verbindung  der  Klippen  mit  den 
kristallinen  Exotica“  betreffend,  „die  bisher  noch  niemand  aus  dem 
Untergrund  hergeleitet  hat“.  — Warum  soll  icli  nicht  eine  An- 
sicht äußern  dürfen,  die  „bisher  noch  niemand“  hatte? 

Was  die  „enge  Verbindung  der  Klippen  mit  kristallinen 
Exotica“  betrifft,  so  verstehe  ich  nicht  recht,  welche  Erklärung 
Tornquist  eigentlich  von  mir  verlangt.  Beide  Erscheinungen  einer- 
seits der  kristallinen  Exotica,  andererseits  der  Klippen  werden  von 
ihm  selbst  getrennt  behandelt.  Jene  sollen  sedimentäre  Einlage- 
rungen im  Flysch  sein,  die  in  diesem  sogar  ein  bestimmtes  „strati- 
graphisches Niveau“  einnehmen  und  später  mit  ihm  alle  Phasen  der 
Gebirgsbildung  mitmachten.  Diese  hingegen  sollen  auf  dynamischem 
Wege  und  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  von  oben  in  den  schon 
gefalteten  Flysch  hinabgestoßen  worden  sein. 

Um  die  Polemik  zum  Abschluß  zu  bringen  und  die  Erledigung 
dieses  mir  unklaren  Punktes  'nicht  auf  eine  spätere  Erwiderung 
verschieben  zu  müssen,  gehe  ich  hier  auf  die  von  Tornquist  „ent- 
deckten und  im  Flysch  weit  verbreiteten  Breccien  und  Konglo- 
merate“ etwas  ausführlicher  ein. 


254 


H.  Mylius, 


Tornquists  geologische  Karte  seiner  Arbeit  über  „die  Allgäu- 
Vorarlberger  Flyschzone  usw.“  verzeichnet  an  vier  Stellen  das  Vor- 
kommen kristallinischer  Gesteine  im  Flysch : bei  den  Grämpl- Alpen, 
der  Lenzenberg- Alp,  der  Grasgern-Alp  (Böigen)  und  der  Mittel-Alp 
am  Riedberghorn. 

An  der  Grämpl- Alp  konnte  ich  von  einer  kristallinen  Breccie 
nichts  finden;  statt  ihrer  in  weiter  Verbreitung  nur  die  übliche 
Flyscharkose,  die  bekanntlich  viel  kristallines  Material,  besonders 
Glimmer  und  Quarz  und  auch  Gneis  und  Granit  in  kleinen  Par- 
tikelchen enthält. 

An  der  Lenzenberg-Alp  machte  ich  die  gleiche  Erfahrung. 

Am  Böigen  tritt  bekanntlich  ein  mächtiger  Granitblock  von 
mindestens  1000  Kubikmeter  Volumen  auf;  von  einer  kristallinen 
Breccie  oder  einem  Konglomerat  ist  auch  hier  nichts  zu  sehen. 

Das  Riedberghorn'  zu  besuchen,  langte  mir  die  Zeit  nicht 
mehr,  und  ich  glaube  auch  nicht,  daß  ich  zu  einem  wesentlich 
anderen  Resultat  gekommen  wäre,  als  wie  an  den  genannten  Alpen. 

Da  nun  Tornquist  auf  die  „enge  Verbindung“  der  kristallinen 
Gesteine  mit  den  Klippen  Wert  legt,  will  ich  derselben  hier  einige 
Worte  widmen,  ohne  auf  die  'soeben  genannten,  nicht  zu  Torn- 
quists  Gunsten  sprechenden  Beobachtungen  Rücksicht  zu  nehmen. 

Ich  beleuchte  dieselbe  zunächst  im  Sinne  von  Tornquist. 
Die  kristallinen  Breccien  und  Konglomerate  sollen  Einlagerungen 
im  Flysch  sein,  ein  bestimmtes  „stratigraphisches  Niveau“  in  ihm 
bezeichnen.  Da  nun  der  Flysch  gefaltet  war,  ehe  die  Klippen  in 
ihn  hinabgestoßen  wurden,  sollen  seine  Schichten  ungestört,  d.  h. 
mit  gleichem  Streichen  und  Fallen  unter  jenen  hindurchziehen. 
Was  vom  Flysch  im  allgemeinen  gilt,  gilt  naturgemäß  auch  von 
seinen  „kristallinen  Einlagerungen“.  Die  interessante  Erscheinung 
soll  besonders  auffällig  an  der  Neu-Grämpl-Alp,  im  Ränktobel  und 
am  Schelpen  sein. 

Der  Leser  betrachte  Tornquists  Karte  in  der  Umgebung  der 
Grämpl-Alp,  die  ich  nebenstehend  in  Fig.  1 wiedergebe  und  frage 
sich,  wie  es  dort  mit  der  Beziehung  der  kristallinen  Gesteine  zur 
Klippe  bestellt  ist.  Ich  komme  um  folgenden  von  Tornquist  be- 
gangenen kartographischen  AViderspruch  nicht  herum : entweder 
ist  die  zur  Klippe  spitzwinkelige  Streichrichtung  des  Flysch  richtig, 
wie  sie  ausdrücklich  betont  und  in  der  Karte  durch  den  Verlauf 
des  kalkigen  Chondritenflyschstreifens  gekennzeichnet  wird;  dann 
können  die  kristallinen  Gesteine  im  Flysch  kein  stratigraphisches 
Niveau  einnehmen,  sondern  müssen  wie  die  Klippe,  die  sie  begleiten, 
tektonischer  Herkunft  sein.  Oder  aber  die  kristallinen  Gesteine 
bezeichnen  doch  ein  stratigraphisches  Niveau,  dann  ist  es  wieder 
mit  der  zur  Klippe  spitzwinkeligen  Streichrichtung  des  Flysch  nichts. 

Dasselbe  was  von  der  Grämpl-Alp  gesagt  wurde,  gilt  vom 
Schelpen  und  dem  Ränktobel.  Man  betrachte  wieder  Tornquists 


Entgegnung  an  A.  Tornquist. 


255 


Karte  aus  dieser  Umgebung,  und  abermals  wird  sich  der  Leser 
sagen  müssen:  Entweder  stimmt  es  nicht  mit  der  „stratigraphischen 
Einlagerung“  oder  nicht  mit  der  so  oft  betonten,  „zur  Klippe  spitz- 
winkeligen Streichrichtung  des  Flysch“. 

Meine  Stellung  zu  der  von  Tornquist  behaupteten  „engen 
Verbindung  der  kristallinen  Exotica  mit  den  Klippen“  muß  ich. 
da  ich  erstere  bei  den  Grärnpl-  und  Lenzberg-Alpen  nur  als 
Flyscharkosen  entwickelt  fand,  auf  den  Böigen  beschränken ; und 
an  diesem  trage  ich  bei  der  Frage  nach  der  Herkunft  seines 
Granits  der  auffälligen  Erscheinung  Rechnung,  daß  dieser  haar- 
scharf auf  der  Linie  der  Schelpenklippen  liegt  und  daher  am  besten 
durch  sie  erklärt  wird.  Wo  die  Juraklippe  des  Schelpen  her- 
kommt, da  kommt  auch  der  Boigengranit  her. 

Die  Gründe,  die  mich  veranlassen,  an  einen  Weg  aus  dem 
Erdinnern  zu  glauben,  habe  ich  in  meinem  Buch  auf  den  p.  86—90 
anseinandergesetzt. 

Zu  Punkt  3 „die  Fazies  der  Klippen“  betreffend,  „welche 
im  Mynus’schen  , sekundär  tektonischen'  Fjord  nicht  erklärt  ist“. 
Man  muß  glauben,  daß  Tornquist  nicht  einmal  dasjenige  Kapitel 
meiner  Arbeit  gelesen  hat,  gegen  das  seine  Kritiken  gerichtet  sind. 

Wenn  ich  in  meiner  Arbeit  auf  den  p.  73 — 75  eigens  einen 
Abschnitt  des  „die  Algäuer-  und  Vorarlberger  Juraklippen“  be- 
treffenden Kapitels  als  „die  Fazies  der  Klippen“  bezeichne  und 
in  demselben  zu  dem  Schluß  komme: 

„Da  nach  diesen  Gesteinslisten  in  den  Klippen  nur  solche 
Gesteine  auftreten,  die,  gleichgültig  welcher  Formation  sie 
angehören,  entweder  ostalpinen  oder  helvetischen  Charakter 
tragen,  oder  solchen,  der  zwischen  diesen  steht,  aber  niemals 
solchen,  der  den  Klippen  allein  eigen  ist,  so  muß  der  Schluß 
gezogen  werden : die  Sedimente  der  Klippen  wurden  au  der 
Grenze  zwischen  dem  ostalpinen  und  dem  helvetischen  Meer 
abgesetzt“, 

und  wenn  ich  ferner  einem  dritten  Abschnitt1  des  gleichen  Ka- 
pitels (p.  80 — 82)  für  die  Erklärung  der  heutigen  „Lage  der 
Klippen“  eigens  eine  Tafel  beifüge,  in  der  einerseits  zu  sehen  ist, 
in  was  für  einer  breiten  Bucht  die  Gesteine  der  Klippen  ursprüng- 
lich sedimentiert  wurden,  andererseits  wie  diese  Bucht  durch  tek- 
tonische Vorgänge  sekundär  „fjordartige“  Gestalt  annahm,  dann 
bin  ich  der  Mehrzahl  meiner  Leser  keine  weitere  Erklärung  schuldig, 
um  gewiß  zu  sein,  daß  meine  Ansicht  von  ihnen  eindeutig  und 
sogar  sehr  leicht  verstanden  wird.  Tornquist  kann  ich  nur  bitten, 
die  p.  72  — 83  meiner  Arbeit  nochmals  zu  lesen. 

Zu  Punkt  4 über  „die  Verjüngung  und  das  wahrscheinliche 
Auskeilen  der  Klippen  nach  unten  in  den  Flysch  hinein“.  Wiese 


1 Der  zweite  Abschnitt  behandelt  den  „Bau  der  Klippen“. 


256 


Personalia. 


Tornquist  das  scharfe  Auskeilen  der  .Juraklippen  nach  unten  in 
den  Flyscli  hinein  als  ein  Argument  auf  fassen  kann,  das  für  seine 
Ansicht  der  Herkunft  der  Klippen  von  oben,  aus  dem  Hangenden 
der  Algäuer  Schubmasse  und  gegen  meine  Ansicht  ihrer  Herkunft 
aus  der  Tiefe  sprechen  soll,  ist  mir  unbegreiflich.  Stammen  nicht 
in  jedem  Gebirge,  das  sich  durch  Schuppenstruktur  auszeiclmet, 
und  in  welchem  man  ältere  Schuppen  zwischen  jüngeren  verkeilt 
findet,  erstere  nicht  auch  aus  der  Tiefe? 

Tornquist  hätte  besser  getan,  gerade  an  diesem  Punkt  nicht 
zu  rühren,  denn  er  spricht  am  meisten  gegen  seine  Auffassung. 
Wie  soll  man  sich  vorstellen  können,  daß  ein  Gestein,  das  von 
oben  auf  ein  anderes  hinabgestoßen  wird,  statt  bei  seinem  Aufprall 
zu  einer  breiten  Masse  flachgedrückt  zu  werden,  scharf  in  jenes 
eindringt?  Mögen  die  Gesteine  der  Klippen  auch  um  einen  wesent- 
lichen Betrag  härter  sein  wie  die  des  umgebenden  Flyscli,  so  groß 
ist  der  Unterschied  zwischen  ihnen  doch  nicht,  daß  sich  der  Vor- 
gang mit  einem  Spaten  vergleichen  ließe,  den  man  in  weichen 
Erdboden  stößt.  — Im  Einverständnis  mit  den  beiden  Herren  Ver- 
fassern schließt  die  Redaktion  hiermit  die  Erörterung. 

M ü n c li  e n , im  J anuar  1913. 


Personalia. 

Berufen  wurde:  der  Privatdozent  für  Geologie  und  Mineralogie 
au  der  Technischen  Hochschule  in  Dresden  Dr.  K.  Riemann  als 
Nachfolger  von  E.  Hussak  an  die  Geologische  und  Mineralogische 
Landesanstalt  in  Rio  de  Janeiro , wo  er  den  Posten  des  Chef- 
mineralogen übernehmen  wird. 

Ernannt  wurden:  der  Landesgeologe  Dr.  W.  Koert  zum 
Vorsteher  der  seit  1.  April  1912  bei  der  Geologischen  Landes- 
anstalt errichteten  Geologischen  Zentralstelle  für  die  deutschen 
Schutzgebiete ; 

der  außeretatmäßige  Geologe  Dr.  A.  Fuchs-Berlin  zum  Be- 
zirksgeologen bei  der  Geologischen  Landesanstalt; 

Prof.  Dr.  K.  Redlich  von  der  Montan.  Hochschule  Loeben  zum 
ord.  Professor  für  Geologie  und  Mineralogie  an  der  Deutschen 
Technischen  Hochschule  in  Prag; 

a.  o.  Professor  für  Kristallographie,  Mineralogie  und  Petro- 
graphie P P.  Sustschinsky  zum  ord.  Professor  an  der  Tech- 
nischen Hochschule  in  Novotcherkassk. 


A.  L.  W.  E.  van  der  Veen,  Die  Beweglichkeit  des  Silbers  etc.  257 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Die  Beweglichkeit  des  Silbers  in  Zinnobererde. 

Von  A.  L.  W.  E.  van  der  Veen  in  Leiden.  (März  1913.) 

Einige  Belegstücke  aus  der  Leidener  mineralogischen  Exposi- 
tionssammlung  veranlaßten  mich,  einen  Satz  aus  dem  bekannten 
Werke  „Die  Erzlagerstätten“  1 näher  zu  verfolgen.  Es  handelt 
sich  um  einige  Proben  vom  Stahlberg  bei  Rockenhausen  (Pfalz). 
Die  drei  zu  besprechenden  Mineralien  sind  alle  in  einem  sandig- 
porösen,  weißen  bis  grauweißen  erhärteten  Ton  eingebettet. 

No.  442  der  Sammlung : Zinnober  in  roten,  in  der  Form  denen 
von  Mangan  ähnelnden  Dendriten,  und  als  feine  Imprägnation  in 
einem  porösen  nicht  gesprungenen  Gesteine. 

No.  235:  Amalgam  in  der  Umwandlung  zu  gediegenem  Silber 
begriffen,  auf  Kluftflächen  eines  weißen  feinkörnigen,  sich  fettig 
anfühlenden,  erhärteten  Tones.  Nach  Stei.zxek-Bergeat  kommt 
diese  Form  des  Amalgams  in  den  Gruben  St.  Philipp  und  Erz- 
engel vor. 

No.  185:  Silberblech  auf  einer  geriefelten  Rutschfläche.  Auf 
der  Rutschfläche  ist  die  Richtung  der  Bewegung  noch  in  dem 
plötzlichen  Einsetzen  und  allmählichen  Abschwächen  jeder  Riefe 
zu  erkennen.  Das  Gestein  ist  mit  Zinnober  bis  zu  einer  pfirsich- 
blütenroten  gleichmäßigen  Färbung  imprägniert,  jedoch  bis  etwa 
1 cm  hinter  der  Rutschfläche  verblaßt.  Der  Zinnober  wurde  so 
längs  der  Kluftfläche  oxydiert  und  sein  Silbergehalt  (vielleicht  als 
Sulfid  mechanisch  oder  chemisch  beigemischt)  von  dem  freiwerdenden 
Quecksilber  mitgenommen.  Das  Quecksilber  verflüchtigte  sich  und 
eiue  Silberplatte  blieb  zurück.  Diese  wurde  auf  der  Rutschfläche 
noch  etwas  ausgei-ieben. 

Der  Prozeß  wird  gehemmt,  sobald  Kieselsäurelösungen  dem 
Ton  eine  jaspisähnliche  Konsistenz  zu  verleihen  anfangen  und  jede 
Zirkulation  aufhört  No.  230:  Frischenmutgrube  auf  dem  Stahlberg). 

Später  finden  wir  das  Silber  auf  sekundärer  Lagerstätte  in 
dem  erhärteten  steatitischen  Zement  einer  Jaspisbreccie  bei  Ims- 
bach (No.  2 1 6 der  Sammlung). 

1 Stelzner-Bergeat  II.  p.  892.  Leipzig  1905—06.  „Die  Sublimier- 
barkeit  des  gediegenen  Quecksilbers  sowie  des  Schwefelquecksilbers  legte 
schon  frühzeitig  den  Gedanken  an  eine  Bildung  seiner  Lagerstätten  durch 
Sublimation  nahe.“ 


Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


17 


258 


M.  Lazarevic. 


Zu  Tucans  Bauxitfrage“. 

Von  M.  Lazarevic. 

In  dem  jüngst  erschienenen  Heft  dieser  Zeitschrift  sprach 
F.  Tucan  1 aus,  daß  die  von  E.  Dittlek  und  C.  Doeltek1 2  veröffent- 
lichten Untersuchungen  über  Bauxit  seiner  Meinung  nach  „einer 
Berichtigung  bedürfen“  ferner,  daß  die  Ansichten  von  Cornu  und 
Lazarevic3  „über  den  Bauxit  und  seine  Adsorptionsverbindungen“ 
nicht  weniger  als  hinfällig  sein  sollten. 

In  der  ersten  Angelegenheit  wird  Tucan  von  berufener  Stelle 
das  Entsprechende  demnächst  mitgeteilt,  ich  aber  werde  mir  er- 
lauben, die  durch  das  sehr  autoritative  „hinfällig“  Tucans  nieder- 
gerissenen Ansichten  Cornus  und  Lazarevic  trotzdem  aufrecht  zu 
erhalten  versuchen. 

Vor  allem  handelt  es  sich  hier  nicht  „um  den  Bauxit  und 
seine  Adsorptionsverbindungen“,  sondern  um  Bauxit  als  eine  Ad- 
sorptionsverbindung und  einige  Stoffe,  die  Bauxit  zu  adsorbieren 
vermag. 

Tucan  behauptet,  daß  die  nach  Cornu  nnd  Lazarevic  als 
von  Bauxit  adsorbiert  betrachteten  Substanzen  nicht  als  solche  in 
dem  Bauxit  vorhanden  sind,  sondern  als  Apatit,  Calcit,  G3rps  nnd 
Anhydrit,  welche  Minerale  Tucan  „im  unlöslichen  Rückstände  der 
Kalke  und  Dolomite  und  in  der  Terra  rossa“  gefunden  haben  will. 

Ich  habe  seinerzeit  die  Bauxite  vom  Tollingraben  bei  Leoben 
untersucht  und  in  der  Substanz  ließ  sich  nach  kurzem  Umrühren 
mit  warmem  Wasser  im  Filtrate  freie  Schwefelsäure  nachweisen. 
Cornu,  der  die  Prüfungen  auf  Phosphorsäure  vorgenommen  hatte, 
untersuchte  unter  anderen  auch  einige  Stufen  von  dem  nämlichen 
Fundorte  und  konnte  die  Anwesenheit  der  Phosphorsäure  ebenfalls 
durch  Behandlung  mit  warmem  Wasser  allein  feststellen.  Oft 
wurden  von  uns  gelegentlich  der  Untersuchungen  fremde  Einschlüsse 
von  ausgesprochen  kristalliner  Natur  beobachtet,  da  aber  Cornu 
und  icli  im  Gegensatz  zu  Tucan  zwischen  einfach  mechanischem 
Gemenge  (Inhomogenität  im  engeren  Sinne)  und  einem  Gelgemenge 
einen  Unterschied  machten,  so  war  auch  ein  besonderes  Hervor- 
heben dieser  Erscheinung  durchaus  nicht  erforderlich.  Eins  würde 
jedenfalls  Cornu  und  mir  unmöglich  sein  und  das  dürfte  außer 
Tucan  kaum  einem  anderen  gelingen,  nämlich  aus  Kalk  und 
Dolomit  unter  anderen  Mineralen  auch  Calcit  „im  unlös- 
lichen Rückstände“  zu  erhalten.  Es  wäre  denn  genau  so, 
wie  wenn  man  Kupferkies  auflösen  würde  und  im  unlöslichen 
Rückstände  Chalkopyrit  erhalten  würde.  Bezüglich  der  Vana- 

1 Dies.  Centralbl.  1913.  p.  fi5. 

2 Dies.  Centralbl.  1912.  p.  19.  — Zeitschr.  f.  Chem.  u.  Ind.  d.  Koll. 
IX.  1911.  Heft  6.  p.  282. 

3 Zeitschr.  f.  Chem.  u.  Ind.  d.  Koll.  IV.  1909.  Heft  6.  p.  295. 


Zu  Tucans  „Bauxilfrage“. 


259 


dinsäure,  die  in  Bauxiten  konstatiert  wurde,  führt  Tucax  an,  daß 
sie  von  Vanadinmineralen  stammen  .kann“  (?). 

Außerdem  konnte  Cornu  nachträglich  in  einer  bauxitischen 
Substanz  noch  Molybdänsäure  nachweisen. 

Es  kann  nun  mit  Rücksicht  auf  unsere  Untersuchungsmethode 
kein  Zweifel  bestehen,  daß  die  genannten  Stoffe  vom  Bauxit  auf- 
genommen  werden  können. 


Als  Untersuchungsmerkmale 
gaben  Cornu  und  Lazarevic  im 
Jahre  1909  folgendes  an: 

1.  Bauxit  ist  eine  Substanz, 
die  im  wesentlichen  aus  einem 
Gemenge  von  Aluminiumhydro- 
xydgelen nebst  den  entsprechen- 
den kristalloiden  Verbindungen 
besteht. 

2.  U.  d.  M.  erweisen  sich 
eisenreiche  Bauxite  als  eine 
vollkommen  homogene  und  iso- 
trope Masse. 


KiSpatic  und  Tucax  geben 
diesbezüglich  im  Jahre  1912  an: 

1.  Bauxit  ist  eine  Gesteins- 
art, deren  Hauptgemengteil  aus 
Tonerdehydrat  besteht,  welches 
in  den  meisten  Fällen  eine 
kolloide  Modifikation  des  Dia- 
spors  ist. 

2.  U.  d.  M.  erweist  sich 
Bauxit  von  Grgin  brieg  in  Kroa- 
tien als  eine  vollkommen  homo- 
gene und  isotrope  Masse.  (Die 
Angabe  von  Tucax.) 


Und  dennoch  sind  unsere  (Corxus  und  meine)  Ansichten  hin- 
lällig  (! !).  Warum?  Weil  dazwischen  eine  große  Entdeckung 

Tue  ans  fällt,  nämlich  die  eines  mikrokörnigen  kristallisierten  Si  O2, 
deren  tatsächliche  Existenz  nebenbei  bemerkt  noch  sehr  problema- 
tisch ist.  In  Nr.  10,  p.  296  — 299,  1912  d.  Centralbl.  ver- 

öffentlichte Tucax  eine  Arbeit  über  ein  „mehliges  Siliciumdioxyd “ 
und,  soweit  Tucax  die  mineralogische  Literatur  kennt,  ist  eine  solche 
Varietät  des  kristallinischen  Siliciumdioxydes  nicht  bekannt,  allen- 
falls sehr  richtig,  aber  nur  insoferne  als  es  bisher  niemanden  ein- 
gefallen ist,  die  mineralogische  Systematik  nach  der  Korngröße 
einzelner  Minerale  zu  richten. 


Als  Merkmale  dieses  neu  entdeckten  Siliciumdioxydes  gibt 
Tucax  an:  unlöslich  in  kaustischen  Alkalien,  wenig  löslich  in 
Alkalikarbonaten  (4°/ 0)  und  aufschließbar  durch  Kochen  in  kon- 
zentrierter Schwefelsäure,  indem  es  dabei  in  einen  flockigen  Zu- 
stand übergeht.  Dieses  letzte,  gleichzeitig  für  die  neuentdeckte 
Substanz  kennzeichnende  Verhalten  ist  jedenfalls  sehr  merkwürdig. 
Wenu  man  aber  bedenkt,  daß  Tucax  imstande  ist,  aus  dem  Kalk 
und  Dolomit  im  unlöslichen  Rückstände  Calcit  zu  erhalten,  so  wird 
man  freilich  auch  hier  gegen  die  Richtigkeit  dieser  Angaben  be- 
rechtigte Bedenken  tragen  müssen. 

Und  nun  meint  Tucax,  daß  es  dieses  Siliciumdioxyd  ist,  das 
den  Kieselsäuregehalt  der  Bauxite  bildet. 


17* 


260  G.  Wulff,  Grundlagen  der  Kristallröntgenogrammetrie. 


Wenn  man  Bauxit  mit  Terra  rossa  identifiziert,  wenn  man 
sich  ferner  der  Existenz  einer  sehr  hypothetischen  Substanz  als 
Unterlage  zu  gewissen  Schlußfolgerungen  bedient  und  schließlich 
einer  ganz  willkürlich  aufgestellten  Nomenklatur  ohne  weiteres 
eine  allgemeine  Anerkennung  erzwingen  will,  so  kann  man  endlich 
ohne  Schwierigkeiten  zu  einer  so  verallgemeinerten  „Eigenmeinung“  : 
„Daß  viele  amorphe  Minerale,  welche  man  heute  als  wasserhaltige 
Aluminiumsilikate  betrachtet,  nichts  anders  sind  als  Tonerdehydrate 
mit  verschiedenen  mechanisch  adsorbierten  Gelgemengen“  gelangen. 
Die  Untersuchung  der  Wahrscheinlichkeit,  wie  weit  man  dazu  oder 
wie  wenig  man  dazu  berechtigt  ist,  fällt  jedoch  außer  den  Bahmen 
dieser  Bemerkungen. 

Wien,  15.  Februar  1913. 

Mineralogisches  Institut  der  Universität. 


Grundlagen  der  Kristallröntgenogrammetrie. 

Von  Georg  Wulff  in  Moskau. 

Mit  2 Textfiguren. 

In  meinem  iu  der  „Physikalischen  Zeitschrift“  14.  p.  217.  1913 
veröffentlichten  Aufsatze  beweise  ich,  daß  man  die  Erscheinung1, 
die  sich  beim  Durchgänge  der  X-Strahlen  durch  die  Kristalle 
photographieren  läßt,  auf  die  Spiegelung  der  X-Strahlen  auf  den 
inneren  Netzebenen  der  Kristalle  zurückführen  kann  und  daß 

nicht  alle  Netzebenen  spiegelnd  auf 
P/t  0 p m X-Strahlen  wirken , sondern  solche , 

für  die  das  Produkt  aus  dem  Abstande 
der  benachbarten  parallelen  Netzebenen 
und  dem  Kosinus  des  Inzidenzwinkels  der 
ganzen  Zahl  von  halben  Wellenlängen 
der  Strahlung  gleich  ist.  Nun  kann  man 
leicht  ein  Kristallröntgenogramm  iu  die 
Projektion  der  Netzebenen  verwandeln, 
die  diejenigen  Strahlen  reflektieren,  die 
die  schwarzen  Punkte  des  Photogramms 
geben. 

Es  sei  (Fig  1)  K der  Kristall,  SO 
der  primäre  Strahl,  0 der  zentrale  Punkt 
des  Photogramms  Ph,  m ein  schwarzer 
Punkt  des  Photogramms,  Km  der  diesen  Punkt  bildende  sekun- 
däre Strahl,  so  halbiert  die  den  Strahl  SK  in  Km  reflektierende 
Netzebene  E den  Winkel  OKm.  Indem  wir  den  Abstand  Z 


Fig.  1. 


1 M.  Friedrich,  P.  Knipping  und  M.  Laue,  Interferenzersclieinungen 
bei  Böntgenstrahlen.  Sitzungsber.  der  K.  Bayerisch.  Akad.  d.  Wiss.  1912. 


P.  Kaemmerer,  Weitere  Studien  etc. 


261 


zwischen  dem  Kristall  und  dem  Photogramm  kennen , finden 
wir  leicht 

„ Om  . 
tg2  <p  = , Op  = Ztg <p. 

Ziehen  wir  auf  dem  Pliotogramm 
eine  in  p zu  Om  (Fig.  2)  senk- 
rechte Gerade,  so  stellt  diese  Gerade 
die  lineare  Projektion  der  Netz- 
ebene  E dar.  So  kann  man  leicht 
das  Photogramm  in  eine  lineare  Pro- 
jektion des  Kristalls  verwandeln  und 
den  Kristall  vollständig  bestimmen. 

Das  ist  insofern  wichtig , als  für 
die  Herstellung  eines  Kristallrönt- 
gen ogramms  ein  Bruchstück  eines 
Kristalls  genügen  kann.  Damit  ist 
eine  neue  Methode  der  Kristallbestimmung 
, Kristallröntgenogrammetrie “ nennen  möchte. 

Moskau,  Kristallographisches  Laboratorium  der  Städtischen 
Schaniawski-Universität,  14.  März  1913. 


gegeben , die  ich 


Weitere  Studien  über  die  Struktur  des  Meteoreisens  von 
Carthage  (Tennessee). 

Von  Paul  Kaemmerer  in  Dresden. 

Mit  6 Textfiguren. 

A.  Allgemeiner  Überblick. 

An  deu  im  Kgl.  Mineralog.  Museum  zu  Dresden  befindlichen 
Stücken  des  Meteoreisens  von  Carthage  (Tennessee) 
hatte  sich  die  merkwürdige  Tatsache  herausgestellt,  daß  die  Ka- 
mazitlamellen nicht  parallel  den  Flächen  des  Oktaeders  gehen. 
Bei  ihnen  fand  sich  vielmehr  die  Annahme  gut  bestätigt,  daß 
sie  nach  zwei  Zonen  des  Dodekaeders  angeordnet  sind1. 
Durch  das  äußerst  dankenswerte  Entgegenkommen  des  Herrn  Geh. 
Bergrat  Prof.  Dr.  Liebisch  wurde  es  mir  ermöglicht,  die  Studien 
über  die  Struktur  des  Eisens  an  den  im  Kgl.  Mineral. -petr.  Museum 
zu  Berlin  aufbewahrten  Stücken  desselben  fortzusetzen,  indem 
mir  diese  Stücke  für  längere  Zeit  zur  Verfügung  gestellt  wurden. 

Das  Hauptergebnis  der  Untersuchungen  war,  daß  sich  die 
beiden  Berliner  Stücke  der  gleichen  Annahme  unterordnen  lassen, 
die  ich  zur  Erklärung  der  Struktur  der  Dresdener  Stücke  machte, 

1 P.  Kaemmerer,  Versuch  zu  einer  neuen  Deutung  der  Struktur  des 
Meteoreisens  von  Carthage  (Tennessee).  Dies.  Centralbl.  1913.  p.  17. 


262 


P.  Kaemmerer,  Weitere  Studien  über  die  Struktur 


d.  li.  auch  in  diesem  vierten  und  fünften  Stück  des 
M e t e o r ei s en s von  C a rt h ag e haben  die  Kamazitlamellen 
nichteine  oktaedrische  Anordnung,  sondern  scharen 
sich  nach  zwei  Zonen  des  Rhombendodekaeders. 

Merkwürdig  bleibt  ja  immer,  daß  die  dritte  Zone  des 
Dodekaeders  vollständig  unterdrückt  erscheint.  Nur  an  einer  ein- 
zigen Stelle  wurden  Lamellenspuren  gefunden,  die  als  der  dritten 
Zone  angehörig  gedeutet  werden  könnten.  Sie  treten  als  Um- 
grenzung eines  Troiliteinschlusses  auf.  (Vergl.  T in  Fig.  1.)  Da- 
gegen spricht,  daß  andere  Troiliteinschlüsse  ganz  unregelmäßig 
von  Kamazit  umgrenzt  sind. 

Wenn  man  nun  bedenkt,  daß  die  Anordnung  von  zwei  Zonen 
des  Dodekaeders  der  Anordnung  nach  Oktaeder  flächen 
nicht  unähnlich  ist,  so  könnte  etwa  noch  der  Vermutung 
Raum  gegeben  werden,  daß  die  Oktaedritstruktur  durch  eine  De- 
formation des  gesamten  Eisenkörpers  in  die  dodekaedrische 
übergegangen  wäre.  Dann  wäre  allerdings  erstaunlich,  wie  gleich- 
mäßig und  störungsfrei  die  neue  Strukturform  sich  gebildet  hätte, 
und  daß  sie  sich  so  gut  gerade  durch  das  Dodekaeder  erklären  läßt. 

Während  die  bisherigen  einschlägigen  Arbeiten  meist  nur 
mit  der  Orientierung  der  Schnittflächen  bei  voraus- 
gesetzter Oktaeder  Struktur  zu  tun  hatten,  wurde  bei  den 
gegenwärtigen  Untersuchungen  eine  Methode  gebraucht,  nach  der 
aus  den  Spurenwinkeln  auf  den  Schnittflächen  die  gegenseitige 
Lage  der  Kamazitlamellen,  also  die  Kristallform  bestimmt 
werden  kann,  die  der  Struktur  zugrunde  liegt.  Eine  dahingehende 
Anregung  war  mir  schon  bei  der  Untersuchung  der  Dresdener  Stücke 
von  Herrn  Cfeheimrat  Prof.  Dr.  Kalkowsky  gegeben  worden.  Es 
wurde  ein  rechnerisches,  sowie  ein  parallel  gehendes  gra- 
phisches Verfahren  benützt,  worüber  im  folgenden  Näheres 
berichtet  werden  wird. 

ß.  Einzelheiten  (1er  Strukturstudien. 

1.  Das  Eisen  IV. 

a)  Beobachtungen.  Das  größere  der  Berliner  Stücke 
des  Meteoreisens  von  Carthage  soll  als  Eisen  IV  bezeichnet 
werden.  Es  ist  771,5  g schwer  und  hat  ungefähr  die  Form  eines 
dreiseitigen  steilen  Pyramidenstumpfes  von  12,6  cm  Höhe.  Eine 
Seitenfläche  ist  eine  natürliche  Begrenzungsfläche,  an  der  be- 
sonders eine  ihr  parallel  angelagerte  rhombusförmige  La- 
melle auffällt.  Die  beiden  anderen  Seitenflächen  F2  und  F3, 
sowie  die  größere  Grundfläche  Fj  wurden  in  Fig.  1 als  Netz  dar- 
gestellt. Die  fünfte  Begrenzungsfläche  ist  annähernd  parallel  zu  Ft. 
In  Fig.  1 sind  auf  jeder  Fläche  die  Spurenrichtungen  der  vier 
Lamellenscharen  a,  b,  c,  d eingezeichnet.  Unter  Beachtung  der 


des  Meteoreisens  von  Carthage  (Tennessee). 


268 


Zusammengehörigkeit  der  Spuren  auf  benachbarten  Flächen  ergab 
die  Messung  der  Winkel  zwischen  den  Spuren  im  Mittel  folgende 
Werte  : 


F, 

f2 

f3 

a.  b . ■ . 

. . 62° 

19° 

33° 

b,  d . . . 

. . 30 

78 

60 

d.  c ■ . . . 

. . 58 

13 

2 

Fig.  1.  Netz  von  drei  Flächen  des  Eisens  IF  mit  Lamellenspuren  a,  b.  c,  d.  — 
T ein  Troiliteinschluß,  von  Kamazit  umgeben. 

Auf  F„  fanden  sich  außerdem  noch  zwei  Richtungen  x und  3r 
als  Umgrenzung  eines  Troiliteinschlusses : x liegt  zwischen  b und  d. 
so  daß  b,  x = 45  °,  v zwischen  a und  c,  wobei  a,  y = 3 3°  ist. 

Auf  F3  schienen  zunächst  nur  drei  Spurenrichtungen  vorhanden 
zu  sein.  Doch  bestätigte  sich  sehr  gut  die  Annahme,  daß  hier 
c und  d nahe  zusammenfallen. 

b)  Graphische  Bestimmung  der  Orientierung  der 
Schnittflächen.  Unter  Zugrundelegung  der  Polfigur  des 
Rhombendodekaeders  wurd  e nach  dem  Isoklinen  verfahren 
von  A.  Himmelbauer  *,  das  ich  schon  bei  der  Untersuchung  der 
Dresdener  Stücke  auf  das  Rhombendodekaeder  übertragen  hatte1  2, 


1 A.  Himmelbauer,  Orientierung  von  Schnittflächen  an  Meteoreisen. 
Min.  u.  petr.  Mitt.  28.  p.  153.  1909. 

2 P.  Kaemmerer,  a.  a.  0.  p.  23. 


264 


P.  Kaemmerer,  Weitere  Studien  über  die  Struktur 


die  Lage  der  Flächen  F,,  F2,  F3  bestimmt.  Sie  sind  in  Fig.  2 
durch  die  Großkreise  f,,  f2,  f3  dargestellt.  F,  liegt  sehr  nahe 
einer  Oktaeder  fläche,  wie  die  Hauptschnittflächen  der  Dres- 
dener Eisen  I und  II.  Der  Pol  von  f,  ist  P, . Bei  den  Polen 
P2  und  P3  von  f„  und  f3  ist  der  Verlauf  der  Isoklinen,  durch  die 
sie  bestimmt  werden,  durch  punktierte  Linien  angedeutet. 


Fig.  2.  Polfigur  des  Rhombendodekaeders  (a,  b,  c,  d,  x,  y),  geschnitten 
durch  die  am  Eisen  IV  vorkommenden  Flächen  f,,  f2,  f3. 

Auf  dem  Kreis  f2  sind  die  Punkte  Tx  und  T2  markiert.  Sie 
bedeuten  die  Richtungen,  die  die  rhombusförmige  Begrenzung 
des  Troiliteinschlusses  (T  in  Fig.  1)  zeigt  und  haben  nahezu 
die  Lage,  die  den  Spuren  der  gewöhnlich  fehlenden  Zone  des 
Dodekaeders  mit  den  Flächen  x und  y auf  F2  zukommt. 

Jedenfalls  lassen  sich  alle  geometrischen  Einzel- 
heiten des  Eisens  IV  ebenfalls  mit  der  für  die  Dres- 
dener Eisen  I — III  angenommenen  dodekaed rischen 
Struktur  in  Einklang  bringen. 

Aus  der  Lage  der  Pole  Pj , P2  und  P3  gegen  die  Koordinaten- 
achsen X,  Y,  Z wurden  noch  die  Parameterverhältnisse 
der  Schnittflächen  F,,  F2  und  F3  berechnet.  Es  wurde 
gefunden : 

1,11  : 1:1  für  F,  , 

1,19:  — 1 : 1,56  „ F2, 

- 0,52 : 1:1  „ F3. 


des  Meteoreisens  von  Cartliage  (Tennessee). 


265 


2.  Das  Eisen  V. 

a)  Beobachtungen.  Das  zweite  untersuchte  Stück  soll  als 
Eisen  Y bezeichnet  werden.  Es  wiegt  33  g,  ist  tafelförmig,  etwa 
0.5  cm  dick  und  hat  als  Grundfläche  ungefähr  ein  Trapez.  In 
Fig.  3 sind  fünf  Flächen  des  Eisens  als 
Netz  gezeichnet.  Die  Größe  geht  aus  dem 
beigefügten  Maß  hervor.  Der  Verlauf  der 
Lamellenspuren  ist  eingetragen.  Man  sieht, 
daß  auf  der  Vorderfläche  Fv,  sowie  auf 
den  Seitenflächen  Fi  und  Fr  nur  je  drei 
Spuren  vorhanden  sind.  Auf  Fv  rührt  das 
daher,  daß  c und  d sehr  nahe  zusammen- 
fallen, bei  Fi  und  Fr  ist  es  in  der  Lage 
der  Flächen  begründet,  indem  sie  bezw. 
parallel  zu  den  Lamellen  b und  d ge- 
schnitten sind.  Übrigens  waren  die  Flächen 
z.  T.  etwas  gekrümmt,  so  daß  die  Winkelmessung  darunter 
litt,  die  außerdem  auch  durch  die  ziemlich  kleinen  Flächen 
beeinträchtigt  wurde. 

Folgende  Winkel  der  Spuren  wurden  festgestellt  : 

| a,  c = 20 0 

auf  F0  c,  b = 90 

| b,  d = 22 

[ a,  b = 44  0 

auf  Fv  | b,  d = 54 

[ d,  c nicht  vorhanden,  oder  sehr  klein 

auf  F,  — b f a’  c = 00  ° 

( c,  d = 55 

auf  Fr  = d ( a>  b = 05  ° 
r ( b,  c = 70 

b)  Allgemeine  Methoden  zur  Bestimmung  der 
Lamellenstruktur  aus  Winkelmessungen  auf  zwei 
Schnittflächen.  Da  das  Eisen  V bei  der  Annahme  von  Dode- 
kaederstruktur zunächst  gewisse  Schwierigkeiten  bot,  schien  es 
nützlich,  eine  Methode  zu  besitzen,  nach  der  man  aus  den 
Spuren  auf  den  Schnittflächen  die  gegenseitige 
räumliche  Lage  der  Lamellen,  m.  a.  W.  den  Winkel 
ihrer  Ebenen,  bestimmen  kann.  Ich  folgte  hierbei  gleichzeitig 
einer  schon  früher  gegebenen  Anregung  von  Herrn  Geheimrat 
Prof.  Dr.  Kai.kowsky. 

I.  Rechnerische  Methode. 

Man  habe  an  einem  Eisen  zwei  zueinander  senkrechte  Schnitt- 
flächen, und  die  Schnittkante  sei  OX  (Fig.  4).  In  jeder  Fläche 


Fig.  3.  Netz  von  fünf 
Flächen  des  Eisens  V 
mit  Lamellenspuren  a, 
b,  c,  d. 


266 


P.  Kaemmerer,  Weitere  Studien  über  die  Struktur 


sei  eine  zur  Kaute  senkrechte  Gerade  0 Y bezw.  0 Z gedacht, 
so  daß  OX,  OY,  OZ  das  Achsenkreuz  eines  rechtwinkligen 
Koordinatensystems  bilden,  das  in  Fig.  4 in  einer  Ebene  gezeichnet 
ist.  Haben  zwei  Lamellenebenen  L,  und  L2  die  Spuren  a}  und  a2 
in  der  XY-Ebene,  die  Spuren  b,  und  b„  in  der  X Z-Ebene,  und 
werden  die  Winkel  gj,  tpv  q>2  der  Spuren  gegen  die  X-Achse 
in  dem  aus  der  Figur  ersichtlichen  Sinne  gerechnet,  so  ergibt  die 
analytische  Geometrie  für  den  Winkel  <1>  der  Ebenen  L,  und  L2 
die  Formel 


cos  <t>  = 


+ 


tk>,  tg*-  + G 7 , tg«/s  + tgft  tgf„  tg  7,  tg,/., 

V (tgO,  + tgG/,  + tg2f,tg >,)  (tg2 12  + tg2  7 2 + tg2 12 tg* (f2) 


Hiernach  k a n n 


Fig.  4.  Zur  Berechnung 
des  Winkels  zweier  La- 
mellenebenen L,  und  Lo. 


man  den  Winkel  zweier  Lamellen- 
eben e n berechnen,  deren  Spuren 
auf  zwei  zueinander  senkrechten 
Schnittflächen  des  Eisens  man 
kenn  t.  Damit  wird  dann  die  vor- 
liegende Kristallform  bestimmt 
sein. 

Sind  die  Schnittflächen  nicht  senkrecht 
zueinander , so  kann  man  ebenfalls  eine 
Fonnel  für  cos  O finden.  Auf  deren  Ab- 
leitung habe  ich  verzichtet,  da  schon  die 
obige  kompliziert  genug  und  für  die  loga- 
rithmische  Rechnung  nicht  sehr  bequem 
ist.  Übrigens  hat  man  in  dem  allgemeinen 
Falle  nicht  senkrechter  Schnittflächen 
einen  Ersatz  in  der  graphische  n 
Methode. 


II.  Graphische  Methode. 

Statt  mit  den  Winkeln  qq  und  q>2  der  Lamellenspuren 

gegen  die  Schnittkante  in  die  Formel  für  cos  <I>  einzugehen,  kann 
man  mit  ihrer  Hilfe  die  Lage  der  Lamellenspuren  in  eine  stereo- 
graphische Projektion  eintragen , in  der  die  Schnitt- 
flächen die  Koordinatenebenen  sind.  Danach  sind  die 
durch  die  Spuren  bestimmten  Ebenen  als  Großkreise  der  Projektion 
einzuzeichnen,  etwa  mit  Hilfe  des  auch  bei  der  Isoklinenmethode 
verwandten  Wur.Fr’schen  Netzes  unter  durchsichtigem  Papier.  Die 
Winkel  zwischen  diesen  Großkreisen  kann  man  dann  aus  der  Figur 
entnehmen  und  hiernach  die  Kristallform  festlegen. 

Es  leuchtet  ein,  daß  das  graphische  Verfahren  auch  ohne 
Schwierigkeit  sofort  auf  den  allgemeinsten  Fall  zweier  beliebigen 
Schnittflächen  am  Eisen  übertragen  werden  kann,  wenn  man  nur 
den  Winkel  dieser  Flächen  und  die  Winkel  zusammengehöriger 
Lamellenspuren  gegen  die  Schnittkante  kennt. 


des  Meteoreisens  von  Cartbage  (Tennessee). 


267 


Das  graphische  Verfahren  geht  bei  einiger  Übung  und 
Verwendung  des  WixFF’schen  Netzes  so  leicht  von  der  Hand, 
daß  ihm  der  Vorzug  vor  der  Rechnung  gegeben  werden 
muß,  um  so  mehr,  als  es  auf  äußerste  Genauigkeit  nicht  ankommt. 


c.  Anwendung  auf  das  Eisen  V. 


I.  Berechnung  der  Winkel  zwischen  den  Lamellen. 


Die  Fluchen  F„  und  Fv  am  Eisen  V sind  nahezu  senkrecht 
zueinander  und  boten  sich  daher  zur  Durchführung  der  Methode 
dar.  Die  Spuren  der  Lamelle  a haben  die  Winkel  eA=  25°, 
ff a = 36°,  die  der  Lamelle  b die  Winkel  ab  = 70°,  ffb  = 106° 
gegen  die  Schnittkante.  Hieraus  wurde  nach  der  Formel  für  cos  <1> 
berechnet : 


cos 


= - 4.499 
a'  b + 9,794  ' 


woraus 


<#>^  b = 62°  39'  bezw.  117"  21'. 


folgt. 

Für  die  Lamellen  d und  b erhält  man.  da  für  d die  Winkel 
fd=120°,  <fA—8b°  sind, 


cos  «/' 


o,  d 


145.1 

242.1 


und 


*/>b  d = 53°  11'  bezw.  126°  49'. 


Diese  Winkel  deuten  unzweifelhaft  auf  das  Dodekaeder. 
Die  Ungenauigkeit  ist  wohl  mit  der  etwas  unsicheren  Winkel- 
messung, besonders  auf  Fv , und  der  nicht  genau  senkrechten  Lage 
von  F0  und  Fv  genügend  erklärt.  Wie  die  graphische  Methode 
zeigt,  beträgt  übrigens  der  Winkel  d ungefähr  90°.  Das  ist 
eine  weitere  Stütze  für  die  Annahme  der  Dodekaeder- 
struktur. 


II.  Ermittelung  der  Winkel  zwischen  den  Lamellen  durch 

Zeichnung. 

In  Fig.  5 ist  dargestellt,  wie  die  Lage  der  Lamellen  a,  b 
und  d graphisch  ermittelt  wurde.  Die  Fläche  F0  ist  durch  die 
XZ-Ebene  (f„),  Fv  durch  die  XY-Ebene  (fv),  den  Grundkreis  der 
Projektion,  dargestellt.  In  diesen  Ebenen  wurden  mit  Hilfe  der 
gemessenen  Winkel  ea  und  ff  der  a-Spuren  gegen  die  Schnitt- 
kante (die  X-Achse)  die  Punkte  E und  F bestimmt.  Dann  wurde 
der  Großkreis  E Q P F = a gezogen.  Analog  sind  die  Kreise  b (fO 
und  d (fr)  gefunden.  In  dem  sphärischen  Dreieck  PQR  ist  Q 


der  vorhin  berechnete  (ß,  b,  ^ E der  <1> 


b,  d- 


während 


268 


P.  Kaemmerer,  Weitere  Studien  etc. 


Fig.  5. 

Graphische  Ermittelung  der  Lage  der  Lamellen  a,  b und  d im  Eisen  Y. 


P 


X 

Fig.  6. 

Polligur  von  zwei  Zonen  des  Dodekaeders  (a,  b,  c,  d)  mit  den  am 
Eisen  V vorkommenden  Schnittflächen  f0,  fv,  f„  fr. 


H.  Quiring.  Eifeldolomit  und  alttriadische  Verebnung. 


269 


P = ^ <1>A  ist  und,  wie  sich  hier  zeigt,  annähernd  'JO 0 be- 
trägt. Damit  ist  entschieden,  daß  die  drei  Lamellen 
a,  b.  d die  Lage  von  drei  Flächen  des  Rhombendode- 
kaeders zueinander  haben. 

Die  Fig.  5 wurde  weiter  in  die  Fig.  6 umgewandelt,  wo  die 
Pölfigur  des  Dodekaeders  in  der  gewöhnlichen  Form  erscheint  und 
die  vierte  Fläche  c noch  hinzugefügt  ist.  Im  übrigen  stellt  sie 
dasselbe  dar  wie  Fig.  5.  Natürlich  sind  jetzt  die  Koordinaten- 
ebenen nicht  mehr  die  Schnittflächen.  Diese  sind  f0  und  fv  mit 
den  Polen  P0  und  Pv.  Aus  deren  Lage  gegen  X,  Y,  Z wurde 
ermittelt,  daß  die  Flächen  F0  und  FT  folgende  Parameter- 
verhältnisse besitzen: 


F0  0.43  : 1 : 7,47. 

Fv 3.3  : — 1:1,47. 


Fi  und  Fr  sind  zwei  Dodekaederflächen. 

C.  Zusammenfassung. 

1.  Die  im  Kgl.  Mineral. -petr.  Museum  zu  Berlin  befind- 
lichen beiden  Stücke  des  Meteoreisens  von  Carthage 
(Tennessee)  zeigen  dieselbe  Anordnung  der  Kamazit- 
lamellen wie  die  früher  untersuchten  Stücke  aus  dem  Kgl. 
Mineralogischen  Museum  zu  Dresden  und  aus  der  Sammlung  der 
Kgl.  Technischen  Hochschule  zu  Dresden.  Es  gilt  also  für  diese 
fünf  Stücke  und  wahrscheinlich  wohl  auch  für  das  ganze  Eisen, 
daß  seine  Struktur  nicht  oktaedrisch  ist,  sondern  daß  die 
Anordnung  der  Kamazitlamellen  am  besten  durch  zwei  Zonen 
des  Rhombendodekaeders  dargestellt  wird. 

2.  Da  also  außer  der  Oktaedritstruktur  bei  Meteoreisen  auch 
die  Struktur  uach  zwei  Zonen  des  Rhombendodekaeders  Vorkommen 
kann  und  beide  Strukturen  viel  Ähnlichkeit  miteinander  haben, 
so  wird  es  nicht  zulässig  sein,  ein  Eisen,  das  auf 
manchen  Schnittflächen  vier,  auf  manchen  drei  ver- 
schiedene Spuren  rieht  ungen  von  Lamellen  zeigt, 
ohne  weiteres  zu  den  Oktaedriten  zu  rechnen.  Viel- 
mehr ist  erst  auf  rechnerischem,  oder  ampraktisch- 
sten  auf  graphischem  Wege  (vergl.  p.  266)  die  Ent- 
scheidung über  die  Strukturart  zu  fällen. 

Dresden  - A,  März  1913. 


Eifeldolomit  und  alttriadische  Verebnung. 

Von  H.  Quiring.  Breslau. 

Die  höheren  Schichtenglieder  des  Mitteldevons  der  Eifelkalk- 
mulden sind  bekanntlich  dolomitisch  ausgebildet,  doch  hat  bereits 


270 


H.  Quiring, 


E.  Kayskr  1 und  zuletzt  H.  Raufe1 2  darauf  aufmerksam  gemacht, 
daß  auch  tiefere  Schichten  ganz  verschiedener  stratigraphischer 
Stellung  — selbst  bis  hinunter  zur  Cultrijugatus-Stxxfe  — von  der 
Dolomitisierung  ergriffen  worden  sind. 

Arbeiten  des  Verfassers3  über  die  stratigrapliischen  Verhält- 
nisse der  Eifelkalkmulde  von  Sötenich  haben  nun  zu  einigen  Be- 
obachtungen geführt,  die  zur  Deutung  diesir  eigenartigen  Dolomit- 
bildungen des  Eifler  Mitteldevons,  insonderheit  ihrer  Verbreitung 
und  ihrer  Entstehung,  einen  Beitrag  geliefert  haben  dürften. 

Auch  in  der  Sötenicher  Mulde  war  festzustellen,  daß  zwar 
der  Dolomit  in  der  Hauptsache  den  oberen  Teil  der  Schichtenfolge 
bildete,  daß  andererseits  aber  auch  im  allgemeinen  kalkig  ent- 
wickelte Stufen  des  Unteren  Mitteldevous  dolomitisch  ausgebildet 
waren.  Daneben  hatte  ein  dem  Dolomitisierungsprozeß  vergleich- 
barer Auslaugevorgang  sogar  Sandsteine  des  Mittel-  und  Unter- 
devons — z.  T.  unter  Erteilung  eines  quarzitischen  Habitus  — 
ergriffen  und  umgewandelt. 

Ohne  im  einzelnen  auf  die  gefundenen  Verhältnisse  einzugehen, 
mögen  hier  nur  die  Schlußfolgerungen  Platz  finden,  die  aus  diesen 
Beobachtungen  gezogen  worden  sind. 

Wie  es  scheint,  haben  wir  im  Gebiete  der  Sötenicher  Mulde 
mit  zwei  Dolomitbildungen  zu  rechnen,  die  sich  nach  Ent- 
stehungsart und  -zeit  voneinander  trennen  lassen.  Es  erschien 
angängig,  den  älteren  Dolomit,  der  nur  Schichten  des  Oberen 
Mitteldevons  umfaßte,  in  seiner  Bildung  — es  war  zweifelhaft,  ob 
es  sich  um  einen  primären  Dolomit  oder  das  Produkt  eines  späteren 
Dolomitisierungsprozesses  handelte  — der  Zeit  vor  der  varistischen 
Faltung  zuzuweisen  und  ihm,  mit  gewissen  Einschränkungen,  die 
Bedeutung  eines  stratigraphischen  Horizonts  beizulegen. 

Die  Entstehung  des  jüngeren  Dolomits,  der  zweifellos 
ein  sekundäres  Umwandlungsprodukt  ursprünglich  kalkiger  Schichten 
darstellte,  konnte  dagegen  in  die  Zeit  nach  der  Faltung  gelegt 
werden.  Zu  diesem  Schlüsse  berechtigte  nicht  nur  die  Tatsache, 
daß  an  einzelnen  Stellen  Glieder  des  tiefsten  Mitteldevon,  ja  selbst 
des  Unterdevons  beeinflußt  waren,  sondern  vor  allem  der  Umstand, 
daß  gerade  in  der  Nähe  der  die  Mulde  und  ihr  Bandgebiet 
diskordant  überlagernden  Buntsandsteininseln  diese  nach- 
trägliche Dolomitisierung  festgestellt  werden  konnte.  Auch  an  den 
Punkten,  wo  allem  Anschein  nach  die  Buntsandsteinbedeckung  erst 
in  jüngster  Zeit  der  Denudation  und  Erosion  zum  Opfer  gefallen 

1 E.  Kayser,  Studien  aus  dem  Gebiete  de'  Rh<  inischen  Devon.  Ztschr. 
d.  Deutsch,  geol.  Ges.  23.  p.  289— 37H  U.  i .in  1871. 

* H.  Raufe,  Entwurf  zu  einem  Fü  ie  dmch  die  Gerolsteiner  Mulde. 
Berlin  1911 

3 H.  Quiring,  Zur  Stratigraphie  de  Nordosthälfte  der  Sötenicher 
Mulde.  Berlin  1913. 


Eifeldolomit  und  alttriadisehe  Verebnnng. 


271 


war,  ließ  das  anstehende  Gestein  Einwirkungen  dieses  jüngeren  (post- 
varistischen)  Auslaugungs-  bezvv.  Dolomitisierungsprozesses  erkennen. 

Der  Verfasser  hält  demnach,  ohne  die  eigenartige  Erscheinung 
weiter  zn  belegen  — bedeutet  sie  doch  nur  eine  Xebenbeobachtung 
seiner  Arbeit  — , es  für  sehr  wahrscheinlich,  ja  gewiß,  daß  die 
p o s t v a r i s t i s c li  e Auslaugung  und  Dolomitisierung- 
der  Schichten  des  Unterdevons  und  der  tieferen  Schich- 
ten des  Mitteldevons  an  die  Auflagerungsfläche  des 
Buntsandsteins  geknüpft  ist  und  eine  tiefgründige  — 
bis  50m  e i n w i r k e n d e — Umwandlung  des  in  der 
permischen  oder  alttriadischen  Verebnnngsperiodc 
anstehenden  Gesteins  hervorgerufen  hat. 

Mit  großer  Entschiedenheit  deuten  weiter  die  gefundenen  Ver- 
hältnisse, namentlich  die  Auslaugung  der  Sandsteine  daraufhin, 
daß  lediglich  ein  oberflächlicher  Verwitterungsvorgang  in 
Frage  kommen  kann,  ohne  daß  eine  untermeerische  Zufuhr  nennens- 
werter Mengen  von  Magnesiumkarbonat  stattgefunden  hat.  Die 
nachträgliche  Dolomitisierung  der  Kalke  des  Unteren  Mitteldevons 
wäre  demnach  fast  ausschließlich  auf  eine  Auslaugung  des  leichter 
löslichen  Calciumcarbonats  und  eine  Anreicherung  des  mehr  oder 
weniger  zurückbleibenden  Mangesiumcarbonats  zurückzuführen. 

Das  gewonnene  Kesultat  ist  jedoch  auch  aus  dem  Grunde  von 
Bedeutung,  als  es  die  Frage  der  Beantwortung  nähert,  ob  wir  die 
Auflagerungsfläche  des  Buntsandsteins  der  Eifel  als  das  Ergebnis 
eines  Denndations-  oder  Abrasionsvorganges  zu  betrachten  haben. 

Diese  Frage  dürfte  dahin  zu  beantworten  sein,  daß  es  sich 
aller  Wahrscheinlichkeit  nach  bei  der  permischen  bezw.  alttriadischen 
Verebnung  um  eine  langandauernde  Phase  der  Denudation 
handelte,  welche  die  Erhebungen  des  varistischen  Gebirges  mor- 
phologisch ausgelöscht  und  eine  tiefgehende  Verwitterung  der 
damaligen  Landoberfläche  bewirkt  hat. 

Auch  aut'  die  sich  hierbei  aufdrängende  zweite  Frage,  ob  der 
Buntsandslein  der  Eifel  als  marine  oder  terrestre  Bildung  anzu- 
sprechen ist,  wirft  dieses  Ergebnis  ein  gewisses  Streiflicht,  sodaß 
es  sich  wohl  verlohnen  dürfte,  den  hier  mitgeteilten  und  noch 
recht  dürftigen  Beobachtungen  nachzugehen. 

Ergebnisse: 

1.  Die  Bildung  des  mitteldevonischen  Eifeldolomits  hat  in 
zwei  getrennten  Zeiträumen  stattgefunden. 

1 Die  beobachtete  Auslaugung  und  eigenartige  Umwandlung  der 
Sandsteine  steht  in  einer  bemerkenswerten  Übereinstimmung  zu  der  von 
Bornhardt  (Zur  Oberflächengestaltung  Deutsch-Ostafrikas.  Berlin  1900) 
beschriebenen  Umwandlung  (Uhalzedonisiernng)  von  Kreidesedimenten 
(„Newalasandstein-)  im  Siidosten  Deutsch-Ostafrikas  unter  dem  Einfluß 
einer  langandauernden  Denudations(Yerwitterungs-)periode. 


272 


E.  Spengler, 


2.  Der  ältere  Dolomit  ist  vor  Beginn  der  varistischen  Faltungs- 
periode gebildet  worden.  Der  jüngere  ist  postvaristisch  und  durch 
Auslaugung  mitteldevonischer  Kalke  entstanden. 

3.  Der  Auslaugeprozeß  hat  auch  mitteldevonische  und  unter- 
devonische Sandsteine  beeinflußt  und  umgewandelt. 

4.  Die  Auslaugung  ist  an  die  Auflagerungsfläche  des  den 
paläozoischen  Rumpf  überlagernden  Mittleren  Buntsandsteins  ge- 
knüpft und  wahrscheinlich  auf  einen  Verwitterungsvorgang  zurück- 
zuführen, der  in  der  Phase  der  permisch-alttriadischen  Verebnung 
das  in  der  damaligen  Landoberfläche  anstehenden  Gestein  er- 
griffen hat. 


Einige  Bemerkungen  zu  E.  Haug:  Les  nappes  de  charriage 
des  Alpes  calcaires  septentrionales,  3eme  partie,  le  Salz- 
kammergut. 

Von  E.  Spengler  in  Graz. 

In  dem  „Bulletin  de  la  societe  geologique  de  France“,  1912, 
p.  105,  ist  der  schon  lange  angekündigte  3.  Teil  der  epoche- 
machenden Arbeit  E.  Haug’s  über  die  Decken  der  nördlichen  Kalk- 
alpen erschienen.  Leider  war  es  mir  wegen  der  verspäteten 
Lieferung  der  Hefte  durch  die  „Societe  geologique  de  France“ 
und  infolge  der  Gewohnheit  E.  Haug’s,  keine  Sonderabdrücke  zu 
versenden,  nicht  mehr  möglich,  in  meiner  in  den  Sitzungsberichten 
der  Wiener  Akademie  im  Drucke  befindlichen  Arbeit1  zu  den  hoch- 
interessanten Ausführungen  Haug’s  Stellung  zu  nehmen ; ich  möchte 
dies  daher  an  dieser  Stelle  nachtragen. 

E.  Haug  begründet  in  seiner  Arbeit  in  eingehenderer  Weise 
als  in  einem  1908  erschienenen  Vorberichte2  die  Aufstellung  der 
„Decke  des  Toten  Gebirges“,  welche  zwischen  die  „bayrische 
Decke“  und  die  „Salzdecke"  eingeschaltet  ist.  Im  Toten  Gebirge 
selbst  ist  diese  Decke  sehr  gut  begründet;  auf  weite  Strecken 
läßt  sich  der  schmale,  meist  von  steil  stehenden  Liasfleckenmergeln 
gebildete  Streifen  an  der  Nordwestseite  des  Toten  Gebirges  ver- 
folgen, der  die  nördlich  vorgelagerte  „bayrische“  Trias  von  der 
gewaltigen  Dachsteinkalkmasse  des  Toten  Gebirges  trennt.  Die 
Erscheinung,  daß  unterhalb  der  Hallstätter  Decke  eine  Decke  von 
ausgesprochener  Dachsteinfazies  (Berchtesgadener  oder  hochalpiner 
Fazies)  liegt,  braucht  uns  nicht  zu  befremden:  Wir  haben  die- 
selbe Erscheinung  im  Westen , da  die  unter  die  Hallstätter  Ge- 

1 E.  Spengler,  Untersuchungen  über  die  tektonische  Stellung  der 
Gosauschichten.  I.  Teil : Die  Gosauzone  Ischl — Strobl — Abtenau.  Sitzungs- 
berichte der  Wiener  Akademie.  1912. 

2 E.  Haug,  Sur  les  nappes  du  charriage  du  Salzkammergut  C.  R. 
Academie  des  Sciences.  1908.  p.  1428 — 1430. 


Einige  Bemerkungen  etc. 


273 


steine  bei  Berchtesgaden  einfallende  Watzmannmasse,  wenigstens 
in  der  Trias,  ausgesprochen  Berchtesgadener  Fa2ies  zeigt  und  doch 
der  bayrischen  Decke  aD gehört  (vergl.  E.  Haug,  J.  Nowak,  F.  Hahn); 
eine  analoge  Erscheinung  haben  wir  aber  auch  im  Osten : die 
oberste  Teildecke  des  unteren  ostalpinen  Deckensystems  Kober’s, 
die  „Ötscherdecke“,  zeigt  in  ihrer  Fazies  bereits  außerordentlich 
starke  Anklänge  an  die  hochalpine  Entwicklung1.  Überhaupt  sind 
die  „Ötscherdecke“  Kober’s  und  die  „Decke  des  Toten  Gebirges“ 
Haug’s  zwei  durchaus  vergleichbare  Gebilde,  wenn  auch  die  Frage, 
ob  sie  zu  parallelisieren  sind,  erst  dann  wird  entschieden  werden 
können,  bis  die  dazwischen  gelegenen  Gebiete  untersucht  worden  sind. 

Hingegen  kann  ich  mich  für  die  Gleichstellung  der  Schafberg- 
gruppe mit  der  Decke  des  Toten  Gebirges2 *  durchaus  nicht  er- 
wärmen. Denn  abgesehen  davon,  daß,  wie  Haug  selbst  hervor- 
hebt, die  Fazies  der  Trias  der  Schafberggruppe  gar 
nicht  mit  dem  Toten  Gebirge  übereinstimmt,  läßt  sich 
auch  Haug’s  Annahme , daß  die  Schafberggruppe  eine  tektonisch 
höhere  Einheit  als  die  Osterhorngrnppe  darstellt , mit  den  zu 
beobachtenden  Lagernugsverhältnissen  nicht  in  Einklang  bringen. 
Nach  der  Darstellung  auf  Taf.  I Fig.  1 in  Haug’s  Arbeit  ist  die 
Schafberggruppe  über  die  Osterhorngruppe  deckenförmig  über- 
schoben. Der  Ausbiß  dieser  Überschiebung  wird  durch  eine  Linie: 
Elsenwang — Sattelalm  auf  der  Südseite  des  Felblingberges  — 
Tiefbrunnau — Lueg — Südivestfuß  der  Blechwand  gebildet.  Dem- 
gegenüber habe  ich  in  meiner  Schafbergarbeit  angenommen,  daß 
sich  an  einer  mit  der  Linie  Haug’s  nicht  vollständig  zusammen- 
fallenden Dislokationslinie  (Elsenwang — Nordseite  des  Felbling- 
berges— Tiefbninnau — Lueg — Fitz  am  Berg — Nordseite  der 
Blechwand  — Sattel  zwischen  Blechwand  und  Sparberhorn  [Nessner 
Scharte] — Weißenbachtal)  die  Oberalmer  Schichten  der  Osterhorn- 
gruppe über  den  Hauptdolomit,  der  weiter  im  Norden  den  Lias 
und  Jura  der  Schafberggruppe  trägt , hinweggeschoben  haben s. 
In  meiner  späteren  Arbeit  brachte  ich  die  „Plassenkalküber- 
schiebung“  in  der  Schafberggruppe  mit  diesem  Vorschub  der  Oster- 
horngruppe in  Verbindung4.  Die  Osterhorngruppe  liegt  daher 
nach  meiner  Auffasssung  tektonisch  höher  als  die  Schafberggruppe. 

Nach  Haug  spricht  für  seine  Auffassung:  Das  Neocom  des 
Schmiedhorn-Nordhanges  kommt  mit  dem  Hanptdolomit  des  Felb- 
linggipfels  in  Kontakt,  Oberalmer  Schichten  mit  dem  Hauptdolomit 

1 L_  Kober,  Der  Deckenbau  der  östlichen  Nordalpen.  Denkschriften 
der  Wiener  Akademie.  1912.  p.  20. 

* E.  Hatto,  1.  c.  p.  129. 

! E.  Spengler,  Die  Schafberggruppe.  Mitt.  der  Geologischen  Gesell- 
schaft in  Wien.  1911.  p.  263. 

* E.  Spengler,  Untersuchungen  über  die  tektonische  Stellung  der 
Gos&uschichten.  I.  Sitz.-Ber.  der  Wiener  Akademie.  1912.  p.  28. 

CentralblaU  f.  Mineralogie  etc.  1913  18 


274 


E.  Spengler, 


des  Sonnberges  *.  Tatsächlich  scheinen  nach  der  geologischen 
Spezialkarte , Blatt  Salzburg , die  Jura-  und  Neocomgesteine  der 
Osterhorngruppe  unter  die  nördlich  vorgelagerten  Triasmassen  ein- 
zufallen. 

Dagegen  konnte  ich  mich  auf  meinen  Exkursionen  von 
folgendem  überzeugen : Der  Gipfel  des  Felblingbergs  besteht  nicht, 
wie  die  geologische  Karte  angibt,  aus  Hauptdolomit,  sondern  aus 
steil  südfallenden,  Hornstein  führenden  Kalken  (Oberalmer  Schichten). 
Der  Neocomzug  Elsenwang — Sattelalm  liegt  daher  hier  in  einer 
regelmäßigen , von  Oberalmer  Schichten  gebildeten  Mulde.  Erst 
die  tieferen  Gehänge  des  Felblingberges  bestehen  tatsächlich  aus 
Hauptdolomit,  der  von  den  überlagernden  Oberalmer  Schichten 
durch  Spuren  roter  Kalke  (Lias?)  getrennt  ist.  Dieses  Vorkommen 
erinnert  sehr  stark  an  die  zerdrückten  Juravorkommnisse  an  der 
Südseite  des  Wolfgangsees 2 und  ist  sicherlich  deren  westliche  Fort- 
setzung. Wir  müssen  dabei  die  Schafberg  und  Osterhorn  trennende 
Linie  auf  die  Nordseite  des  Felbling  verlegen.  Für  die  Über- 
lagerung des  Hauptdolomits  durch  die  Juragesteine  der  Osterhorn- 
gruppe sprechen  vor  allem  folgende  Punkte:  1.  An  der  Südseite 
des  Sonnberges  fallen  triadisclie  Plattenkalke  60°  gegen  SW  ein 
und  werden  von  Fleckenmergeln  überlagert  (Neocom  oder  Lias, 
jedenfalls  ein  Gestein  der  Osterhorngruppe).  2.  Auf  der  Höhe  der 
Kühleiten  (Sattel  zwischen  Tiefbrunnau  und  Wolfgangsee)  stehen 
ähnliche  Mergel , ferner  Oberalmer  Schichten  an , welche  deutlich 
10° — 45°  gegen  Südwesten  einfallen.  3.  Die  auch  von  Haug3 
erwähnte  Hauptdolomitzone  südlich  von  St.  Gilgen  bildet  eine 
senkrechte  Wand  von  etwa  250  m Höhe  (Gamswand;  auf  ihrer 
Höhe  führt  der  Maria-Lenkweg);  der  darüber  folgende,  weniger 
steile  Abhang  .besteht  bis  auf  den  Gipfel  des  Zwölferhorns  aus 
Oberalmer  Schichten.  Es  ist  daher  schon  aus  topographisch- 
morphologischen Gründen  ausgeschlossen,  daß  diese  Oberalmer 
Schichten  unter  die  w an  db  i 1 d e n den  Hauptdolomite 
am  Fuße  des  Berges  ein  fallen,  zumal  da  man  am  Maria- 
Lenkweg,  unmittelbar  dem  Hauptdolomit  auflagernd,  sehr  stark 
reduzierte  rote  Adneter  Schichten  und  Hornsteinkalke  * trifft,  deren 
Einfallen  etwa  60°  gegen  SSW  gerichtet  ist.  4.  Diese  Zone 
erreicht  das  Ufer  des  Wolfgangsees  östlicli  von  Lueg  bei  der 
sogenannten  Franzosen  schanze.  Hier  und  weiter  östlich  ist  an 
vielen  Stellen  das  SSW-Fallen  sämtlicher  Schichten  deutlich  zu 
erkennen5.  Nur  an  zwei  Stellen  kann  es  den  Anschein  haben, 
daß  die  Osterhorngesteine  die  nördlich  vorliegende  Hauptdolomit- 

1 E.  Haug,  1.  c.  p.  109. 

2 E.  Spengler,  Die  Schafberggruppe,  p.  263. 

3 E.  Haug,  1.  c.  p.  110. 

4 E.  Spengler,  Die  Schaf  berggruppe,  p.  263. 

6 Vergl.  E.  Spengler,  Die  Schafberggruppe,  p.  262  u.  p.  263. 


Einige  Bemerkungen  etc. 


275 


masse  unterteufen.  Am  Eingänge  des  Grabens , welcher  bei  der 
Brunnbauermühle  in  die  Tiefbrunnau  mündet,  fallen  Oberalmer 
Schichten  unter  einem  Winkel  von  etwa  30°  gegen  NNW,  also 
gegen  den  Hauptdolomit  des  Felblingzuges  ein,  ferner  scheint  der 
Hauptdolomit  beim  Gasthaus  Gsch wandt  am  WTolfgangsee  steil  nach 
N einzufallen,  doch  kann  hier  das  Fallen  wegen  der  Undeutlich- 
keit der  Schichtung  nicht  sicher  festgestellt  werden.  Die  zwei 
räumlich  sehr  beschränkten  Aufschlüsse  können  keinesfalls  gegen 
die  überwiegende  Anzahl  von  Punkten  sprechen  (insbesondere  nicht 
gegen  die  unter  3 angeführten  Verhältnisse),  w'elche  mit  Sicherheit 
ein  Einfallen  des  Hauptdolomits  und  somit  der  Schafberggesteine 
unter  die  Osterhorngruppe  erkennen  lassen.  Wir  können  also 
die  Schafberggruppe  nicht  als  eine  höhere  Decke 
als  die  Oster  horngruppe,  sondern  eher  noch  für  eine 
tiefere  erklären;  doch  spricht,  wie  ich  in  der  „Schafberg- 
gruppe“  gezeigt  habe,  trotz  des  außerordentlich  großen  Fazies- 
kontrastes, einiges  gegen  die  Annahme  einer  großen  Decken- 
überschiebung an  dieser  Stelle.  Das  Nordfallen  der  Schichten  in 
den  Bergen  der  nördlichen  Osterhorngruppe  südlich  der  Tief- 
brunnau kann  vielleicht  als  Andeutung  einer  Stirnbildung  gelten. 
Die  Erscheinung,  daß  nördlich  der  Adneter  Entwicklung  nochmals 
Hierlatzfazies  folgt,  braucht  uns  nicht  zu  verwundern;  denn  in 
den  niederösterreichischen  Kalkalpen  haben  wir  eine  ganz  ähnliche 
Erscheinung  (Hierlatzkalk  von  Gießhiibl  bei  Mödling1. 

Ferner  widerspricht  es  den  Faziesverhältnissen , wenn  man 
mit  Haug  die  Blechwand  in  die  Schafbergserie  einbezieht.  Denn 
die  Blechwand  stellt  eine  gegen  SW  geneigte  Schichtserie  von 
typischer  Osterhornfazies  vor;  vom  mittleren  Strobl-Weißenbach- 
tale aus  möchte  man  glauben , daß  sich  sogar  dieselben  fels- 
bildenden Bänke  in  den  Oberalmer  Schichten  der  Blechwand  und 
in  dem  südlich  sich  anschließenden  Zwechenberge  verfolgen  lassen. 
Die  Blechwand  ist  auf  ihrer  Südwestseite  sicherlich  von  einer 
Dislokation  begrenzt,  doch  ist  dies  eine  Parallelstörung  zu  der 
Grenzdislokation  zwischen  Schafberg-  und  Osterhorngruppe,  die 
zwischen  Sparberhorn  und  Blechwand  verläuft. 

Nach  Haug  gehört  ferner  nur  der  südliche  Teil  und  das 
Gipfelgebiet  der  Schaf  berggruppe  zur  Decke  des  Toten  Gebirges, 
die  Nordhänge  hingegen  unterhalb  der  „Grünseescherfläche“  wiederum 
zur  bayrischen  Decke2.  Diese  Trennung  trifft  im  Westen  auf 
Schwierigkeiten,  da  sich  hier  die  nach  Haug  zwei  verschiedenen 
Decken  angehörigen  Hauptdolomite  der  Nord-  und  Südseite  des 
Schafberges  zu  einer  untrennbaren  Masse  vereinigen.  Ferner 

1 A.  Spitz,  Der  Höllensteinzug  bei  Wien.  Mitt.  der  Wiener  geolog. 
Gesellschaft.  1910.  p.  375.  — L.  Kober,  Der  Deckenbau  der  östlichen 
Nordalpen.  Denkschriften  der  Wiener  Akademie.  1912.  p.  17,  18. 

2 E.  Haug,  1.  c.  p.  111. 

18* 


276 


E.  Spengler, 


sucht  Haug  das  plötzliche  Aufhören  der  Schafbergfalten  an  der 
Westseite  des  Leonsberges  dadurch  zu  erklären,  daß  sich  hier  die 
an  der  Basis  der  Schafbergdecke  gelegene  Schubfläche  gegen  Osten 
heraushebt1.  Dagegen  ist  einzuwenden,  daß  das  nach  Haug  der 
höhereu  Decke  angehörige  Gebiet  der  Schafbergfalten  meist  oro- 
graphisch  bedeutend  tiefer  liegt  als  das  Gebiet  der  tieferen  Decke 
(der  Gipfel  des  Leonsberges,  der  aus  dem  Hauptdolomit  der  tieferen 
Decke  besteht,  liegt  um  700  m höher  als  die  nur  1 km  weiter 
westlich  liegende  Schlucht  des  Kühnbaches , die  in  Hierlatzkalk 
und  Spongienlias  der  höheren  Decke  eingeschnitten  ist) ; wir  müßten 
daher  hier  ein  außerordentlich  steiles  Aufsteigen  der  Schubfläche 
an  der  Basis  der  Schafbergdecke  im  Streichen  annehmen.  Daher 
erscheint  die  Annahme  einer  vertikalen,  N — S verlaufenden 
Dislokation  in  den  Westhängen  des  Leonsberges 
ungleich  wahrscheinlicher;  doch  möchte  ich  hier  zu  dem  in  der 
„Schaf berggruppe“  Gesagten  noch  folgendes  nachtragen:  Ich  stelle 
mir  vor,  daß  nur  westlich  der  Leonsberglinie  die  Schichten  bei 
der  vorgosauischen  Faltung  durch  einen  von  Süden  wirkenden 
Tangentialdruck  in  Falten  gelegt  wurden,  östlich  hingegen  nicht. 
Daher  müssen  an  der  Leonsberglinie  die  Falten  des  Schafbergs 
gegen  die  ungestörte  Hauptdolomitmasse  des  Leonsbergs  abstoßen; 
die  Leonsberglinie  muß  naturgemäß  bei  den  Leonsberger  Almen 
ihr  nördliches  Ende  finden;  der  Hauptdolomit  des  Leonsberges  ist 
mit  demjenigen  auf  der  Nordseite  des  Schafberges  in  ungestörter 
Verbindung2. 

Ferner  muß  ich  mich  gegen  die  Annahme  des  vor- 
gosauischen Aufschubes  der  Gamsfeldgruppe  auf  die 
Osterhorn  gruppe  aussprechen3 *,  eine  Annahme,  in  der  E.  Haug 
CI.  Lebling  4 gefolgt  ist ; doch  kann  ich  hier  auf  meine  oben 
erwähnte  Arbeit  in  den  Sitzungsberichten  der  Wiener  Akademie 
verweisen.  Das  Bild  des  Kontaktes  zwischen  dem  Gosaustreifen 
Strobl — Abtenau  und  dem  Dolomit  der  Gamsfeldgruppe  ist  dem 
Kontakt  zwischen  den  Gosauschichten  und  den  Triasgesteinen  des 
Buchbergriedels  bei  der  Zwieselalpe  vollkommen  analog,  für 
welchen  auch  E.  Haug  nachgosauisches  Alter  annimmt5 6. 


1 E.  Haug,  1.  c.  p.  111. 

2 Zur  Veranschaulichung  dieser  Lagerungsverhältnisse  diene  folgender 
Versuch : Man  nehme  eine  Karte  des  Schafberggebietes  und  führe  von 
Süden  her  längs  der  Leonsberglinie  einen  Schnitt  bis  zu  den  Leonsberger 
Almen ; hierauf  lege  man  durch  einen  Druck  von  Süden  nur  das  westlich 
(links)  des  Schnittes  gelegene  Stück  der  Karte  in  Falten,  wodurch  man 
ein  der  Natur  entsprechendes  Bild  erhält. 

3 E.  Haug,  1.  c.  p.  114. 

“ Cl.  Lebling,  Beobachtungen  an  der  Querstörung  „Abtenau— Strobl“ 

im  Salzkammergut.  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXI.  p.  570. 

6 E.  Haug,  1.  c.  p.  121. 


Einige  Bemerkungen  etc. 


277 


Die  tektonische  Auflösung  der  Umgebung  des  Gosautales  durcli 
Haug  scheint  mir  wenigstens  nach  meinen  bisherigen  Beobachtungen 
eine  außerordentlich  glückliche  zu  sein ; doch  möchte  ich  bei  der 
Zugehörigkeit  des  Plassen  zur  Dachsteindecke  glauben,  daß  dieser 
nicht  dem  verkehrten  Mittelschenkel  der  Dachsteindecke  angehört 
— denn  Mittelschenkel  treten  bei  den  wohl  nicht  als  liegende 
Falten  zu  deutenden  Decken  des  Salzkammergutes  niemals  auf  — , 
sondern  annehmen,  daß  der  Plassen  als  Stirnpartie  der  von  Haug 
aufgestellten  nachgosauischen  Schubmasse  zu  deuten  ist.  Übrigens 
scheint  sich  hier  in  den  Darstellungen  E.  Haug’s  ein  Widerspruch 
zu  befinden:  Auf  p.  425,  Zeile  16,  erklärt  er  den  Plassen  sowie 
den  Lias  bei  Waldbach  — Strub  als  verkehrten  Mittelschenkel  der 
Dachsteindecke1,  also  einer  vorgosauischen  Schubmasse2;  dieser 
Darstellung  entspricht  auch  das  Profil  Taf.  I,  Fig.  2.  Wenige 
Zeilen  später  hält  er  jedoch  die  Aufschiebung  des  Jura  auf  die 
Triasgesteine  des  Salzbergfensters  für  ein  Produkt  der  nach- 
gosauischen Überschiebung 3 ; letzterer  Ansicht  habe  ich  mich  oben 
im  wesentlichen  angeschlossen. 

Anschließend  an  die  Ausführungen  über  Haug’s  Arbeit  sei 
mir  an  dieser  Stelle  noch  eine  Bemerkung  zu  der  kürzlich  er- 
schienenen Arbeit  meines  Freundes  J.  v.  PtA4  gestattet.  Pia 
spricht  hier  den  Gedanken  aus,  daß  zwischen  den  Falten  des 
Schafberges  und  der  Höllengebirgsüberschiebung  eine  Art  Kompen- 
sationsverhältnis bestehe.  Mir  scheint  gegen  diesen  sonst  sehr 
plausiblen  Erklärungsversuch  vor  allem  die  in  der  „Schafberg- 
gruppe“ p.  233,  Zeile  2 — 7 besprochene  und  auf  Profil  I,  Taf.  V 
dargestellte  5 6 Erscheinung  zu  sprechen,  die  ein  höheres  Alter  der 
Grünseescherfläche  gegenüber  der  Höllengebirgsstirn  mit  Sicherheit 
erkennen  läßt. 

1 . . . mais  il  me  paralt  plus  vraisemblable  de  l’attribuer  ä la  nappe 
D.  Dans  cette  hypothöse,  eile  (der  Plassen)  appartiendrait  au  flanc  ren- 
verse  de  cette  nappe. 

2 Les  quatre  nappes  etaient  döjä  empilöes,  — lorsque  la  mer  neo- 
crötacöe  a envahi  la  rögion. 

* J’ajouterai  cependant  que , posterieurement  on  döpöt  des  couches 
de  Gosau,  le  bord  sud  de  la  fenßtre  a etö  pousse  vers  le  Nord  et  charrie 
sur  le  Cretace , en  se  renversant  partiellement , sur  les  terrains  de  la 
fenßtre,  si  bien  que  le  Jurassique  du  flanc  inverse  est  venu  reposer  directe- 
ment  sur  divers  termes  de  la  Serie  triasique. 

4 J.  v.  Pia:  Geologische  Studien  im  Höllengebirge  und  seinen  nörd- 

lichen Vorlagen.  Jahrb.  der  geol.  Reichsanstalt.  Wien  1912.  p.  557 — 612. 

6 Das  Profil  ist  zwischen  Eibenberg  und  Schärfling  sehr  stark  schiel 
aufs  Streichen  geführt  und  läßt  daher  das  kuppelförmige  Abfallen  der 
Schichten  gegen  den  Mondsee  weniger  deutlich  erkennen. 


278 


H.  Ändert, 


Inoceramus  inconetans  Woode  und  verwandte  Arten. 

Von  Hermann  Ändert,  Ebersbach  i.  S. 

Mit  2 Textfiguren. 

Eine  von  Herrn  Dr.  Seemann  in  Aussig  mir  freundlichst  zur 
Bearbeitung  überlassene  Kollektion  von  Inoceramen  aus  den  Kalk- 
mergeln  von  Leitmeritz  und  Teplitz  im  böhmischen  Mittelgebirge 
sowie  anderes  reiches  Material  von  Originalen  oder  deren  getreuen 
Abgüssen,  das  mir  zur  Beui’teilung  vorlag,  geben  mir  Veranlassung, 
die  von  Woods  aufgestellte  Formengruppe  des  Inoceramus  inconstans 1 
näher  ins  Auge  zu  fassen.  Zum  größten  Teil  kann  ich  mich  in 
meiner  hier  vertretenen  Auffassung  auf  authentisches  Material 
stützen  und  nicht  nur  auf  Abbildungen,  bei  denen  selbst  gute  irre 
führen  können. 

Bereits  in  der  Festschrift  des  Humboldtvereins  zu  Ebersbach 
vom  Jahre  1911 2 3 habe  ich  mehrere  dieser  Gruppe  zuzurechnende 
Arten  eingehend  behandelt  und  u.  a.  daselbst  p.  44/45  erwähnt, 
daß  die  in  der  böhmischen  Kreide  aus  den  Priesener  und  noch 
tieferen  Schichten  zu  I.  Cuvieri  gestellten  Exemplare  meist  sehr  platt 
gedrückt  sind,  an  denen  einer  der  Hauptcharaktere  der  Art,  das 
Dickenwachstum,  nicht  nachgewiesen  werden  kann,  und  daß  wohl 
ein  großer  Teil  dieser  Stücke  als  I.  latus  Mantell  wird  angesprochen 
werden  müssen. 

Währenddessen  ist  der  zweite  Teil  der  Monographie  von 
Woods  3 über  die  englischen  Inoceramen  erschienen  und  hat  die 
lang  ersehnte  Aufklärung  über  die  bisher  so  zweifelhaften  alten 
englischen  Originale  gebracht.  Nur  wird  die  Durchführung  einiger 
von  dem  Autor  angewendeter  Sammelnamen,  die  erst  künftig  wieder 
in  Varietäten  gespalten  werden  sollen4,  für  die  deutschen  Ver- 
hältnisse auf  große  Schwierigkeiten  stoßen.  Die  Stratigraphie  der 
oberen  deutschen  Kreide  stützt  sich  zu  einem  guten  Teil  auf  das 
Auftreten  oder  Fehlen  bestimmter  Inoceramenformen.  Deshalb  er- 
scheint es  dringend  geboten,  die  Inoceramen,  soweit  sie  charakteri- 
stische Unterscheidungsmerkmale  besitzen,  aus  diesen  Kollektiv- 
namen herauszulösen.  Die  Fassung  des  Begriffes  als  Art  oder  als 
Varietät  ist  bei  der  vorliegenden  Gattung,  da  die  Unterschiede  oft 
nur  durch  die  äußere  Form  bedingt  sind  und  der  Schloßapparat 
selten  vollständig  bekannt  ist,  wenig  von  Bedeutung.  Die  vor- 
handenen Bezeichnungen  möchten  jedoch,  da  sie  mit  der  Strati- 
graphie eng  verknüpft  sind,  möglichst  gewahrt  bleiben. 

1 Woods,  A Monograph  of  the  cretaceous  Lamellibranchia  of  England. 
2.  Palaeont.  Soc.  1912  p.  285. 

a Andekt,  Die  Inoceramen  des  Kreibitz-Zittauer  Sandsteingebirges. 
Sonderabdruck  bei  Max  Weg  in  Leipzig  in  Kommission. 

3 Woods,  a.  a.  0. 

1 Woods,  a.  a.  0.  p.  288. 


Inoceramus  inconstans  Woods  und  verwandte  Arten. 


279 


Ein  großer  Teil  der  herrschenden  Verwirrung  in  den  Inoceramen- 
bezeiclinungen  ist  den  alten  englischen  Antoren  zuzuschreiben,  deren 
Abbildungen,  zum  Teil  von  minderwertigen  Originalen,  zur  sicheren 
Wiedererkennung  ziemlich  unbrauchbar  sind,  und  die  gegenseitig 
durch  Trennung  gleicher  bezw.  Zusammenlegung  verschiedener  Arten 
von  Anfang  an  große  Unstimmigkeiten  in  die  Literatur  hinein- 
g;etragen  haben.  Eine  Nachprüfung  der  Originale  ist  in  dieser 
langen  Zeit  nicht  erfolgt.  Unsere  deutschen  Autoren  mußten  bei  dem 
Versuch,  ihre  einheimischen  Formen,  die  zudem  sehr  oft  in  mangel- 
haftem Erhaltungszustände  waren,  mit  den  englischen  zu  identi- 
fizieren, unter  diesen  Umständen  zu  einer  Menge  Fehlschlüsse  ge- 
langen. Trotzdem  habe  ich  in  den  von  mir  besuchten  deutschen 
Sammlungen  eine  ziemlich  einheitliche  Auffassung  der  wichtigsten 
Formen  des  Turon  gefunden,  so  daß,  wenn  man  die  verschiedenen 
Deutungen  in  der  früheren  Literatur  nicht  berücksichtigt,  die  gegen- 
wärtige Lage  für  unsere  Leitfossilien  aus  der  Inoceramengruppe 
durchaus  nicht  so  trostlos  ist,  als  wie  man  nach  den  weitaus- 
greifenden Zusammenlegungen  von  Woods  wieder  annehmen  sollte. 
Im  Emscher  und  Senon  liegt  die  Angelegenheit  in  Rücksicht  auf  die 
größere  Zahl  der  noch  wenig  bekannten  Formen  nicht  so  günstig, 
nach  meinen  Erfahrungen  wird  aber  auch  hier  Klarheit  hinein- 
zubringen sein.  Bei  der  Eigenart  der  Gattung  wird  jedoch  kaum, 
wenn  man  nicht  große  Formeukreise  zusammenfassen  will,  wodurch 
jeder  stratigraphische  Wert  unnütz  verloren  gehen  würde,  die 
Klärung  soweit  durchzuführen  sein,  daß  der  zufällig  vor  die  Be- 
stimmung einiger  mangelhaft  erhaltener  Stücke  Gestellte  ohne  viel 
Mühe  das  Richtige  herausfindet. 

Durch  Überlassung  von  Originalen,  Gipsabgüssen  und  sonstigem 
Material  aus  den  ihnen  unterstellten  Sammlungen  sowie  durch  wert- 
volle Mitteilungen  fühle  ich  mich  zu  Dank  verpflichtet  den  Herren 
Dr.  A.  Smith  Woodwakd  und  Bullen  Newton  am  British  Museum 
in  London,  Herrn  Professor  Dr.  J.  Böhm,  Kustos  an  der  König- 
lichen Geologischen  Landesanstalt  in  Berlin , Herrn  Professor 
Dr.  Hibsgh  in  Tetschen,  Herrn  Dr.  Seemann  in  Aussig  und  Herrn 
Dr.  Wanderer  in  Dresden. 

I.  Lamarcki  und  I.  Cuvieri  sind  bereits  von  Herrn  Professor 
Böhm  1 einer  kritischen  Bearbeitung  unterzogen  worden.  Nach  dem 
mir  ebenfalls  von  Herrn  Dr.  A.  Smith  Woodward  freundlichst  über- 
lassenen Gipsabguß  möchte  ich  jedoch  die  Längsfurche  am  Original 
des  1.  Lamarcki  Park.1 2  als  ein  morphologisches  Merkmal  der  Art 
ansehen.  Die  Schale  ist  lediglich  zwischen  der  höchsten  Rücken- 
wölbung und  dem  Vorderrande  zerdrückt;  die  hintere  Partie,  in 

1 J.  Böhm,  I.  Lamarcki  auct.  und  I.  Cuvieri  auct.  Zeitschrift  der 
deutschen  geol.  Ges.  64.  1912.  Monatsbericht  No.  7.  p.  399. 

1 Woods,  a.  a.  0.  p.  312.  Textfig.  63;  J.  Böhm,  a.  a.  0.  p.  401. 


280 


H.  Ändert,' 


der  auch  die  Längsfurche  gelegen  ist,  erscheint  nach  dem  Gips- 
abguß vollständig  unbeschädigt.  Auch  ist  die  Form  ganz  besonders 
schlank  und  der  Flügel  vom  Rücken  sehr  tief  abgesetzt.  Das 
Exemplar  dürfte  wohl  in  die  Nähe  des  I.  percostatus  G.  Müller1 
gehören,  mit  dem  auch  die  von  Woods  angegebene  Fundzone  un- 
gefähr übereinstimmen  würde.  Auch  das  Original  des  I.  Brongniarti 
Mantell2,  von  dem  mir  ebenfalls  ein  Gipsabguß  zur  Verfügung 
steht,  ist  verschieden  von  den  Formen  der  sogenannten  Brongniarti- 
Stufe,  wie  sie  von  Woods  in  Textfig.  65  und  67  auf  p.  313  dar- 
gestellt werden.  Die  engen,  mehr  scharfkantigen,  auf  dem  Flügel 
sich  gegen  den  Wirbel  hin  biegenden  Rippen  und  Falten,  sowie 
der  kurze,  vom  Rücken  nicht  abgesetzte  Flügel  geben  der  Muschel 
ein  ganz  anderes  Gepräge.  Woods  stellt  sie  zu  der  Varietät 
Websteri 3,  die  von  dem  mittelturonen  I.  Lamarclti  entschieden  zu 
trennen  ist.  Wenn  er  auch  p.  318  Übergangsformen  erwähnt,  so 
ändert  das  wenig  an  meiner  Ansicht,  denn  Taf.  53  Fig.  2 bei 
Woods,  von  dem  mir  ein  Gipsabguß  vorliegt,  und  vielleicht  auch 
Fig.  1 auf  dieser  Tafel  sind  mit  Textfig.  72  und  68  kaum  identisch. 
Ähnlichkeit  besitzt  auch  I.  Glatziac  Flegel4  aus  dem  Emscher. 
Solange  man  so  zweifelhafte  Formen,  wie  besonders  die  hier  zuerst 
angeführte,  als  Originale  zu  behandeln  gezwungen  ist,  wird  eine 
sichere  Grundlage  für  die  Inoceramen  nie  erreicht  werden.  Es 
erscheint  mir  für  die  Praxis  viel  richtiger,  bei  den  ohnedies 
schwierigen  Verhältnissen  der  Inoceramen  derartige  Originalstücke 
bei  ferneren  Arbeiten  unberücksichtigt  zu  lassen  und  das  eine 
oder  andere  gut  ausgebildete  Stück  späterer  Autoren,  wenn  ein 
solches  vorhanden  ist,  als  maßgebendes  Original  festzulegen. 

I.  Cuvicri  Sturm  5 = I.  Sturmi  Ändert  6,  der  von  Woods  eben- 
falls der  Lamarcki-Gnvppe  zugeteilt  wird,  besitzt  die  gleiche  Flügel- 
ausbildung wie  Woods  Textüg.  68  und  ist  von  I.  Lamarcki  zu 
trennen.  I.  Koegleri  Ändert  7 gehört  hingegen  wohl  der  Gruppe 
an,  bewahrt  aber  durch  seine  steil  abgestutzte  Vorderseite,  deren 
kantiges  Umbiegen  zur  Rückenwölbung  und  die  scharfen  konzen- 
trischen Rippen  seine  Sonderstellung  als  Art. 

Ein  weiteres  Eingehen  auf  den  I.  Lamarcki  muß  hier  unter- 
bleiben, jedoch  dürfte  die  Benützung  der  Synonymenliste  bei  Woods 
in  jedem  Falle  mit  Vorsicht  zu  geschehen  haben.  Nur  durch 

1 G.  Müller,  Beitrag  zur  Kenntnis  der  oberen  Kreide  am  nördlichen 
Harzrande.  Jahrb.  d.  Kgl.  preuß.  geol.  L.-A.  1887.  Taf.  17  Fig.  3a — c.  p.  413. 

3 Woons,  a.  a.  0.  p.  314.  Textfig.  68. 

8 Wooes,  a.  a.  0.  p.  315.  Textfig.  72. 

4 Ändert,  a.  a.  0.,  Taf.  1 Fig.  3. 

5 Woods,  a.  a.  0.  p.  310;  Stürm,  Der  Sandstein  von  Kießlingswalde  usw. 
Jahrb.  d.  Kgl.  preuß.  geol.  L.-A.  1900.  21.  p.  92.  Taf.  10  Fig.  1. 

6 Ändert,  a.  a.  0.  p.  58. 

7 Ändert,  a.  a.  0.  p.  57.  Taf.  1 Fig.  6,  Taf.  5 Fig.  6,  Taf.  7 Fig.  4 : 
Woods,  a.  a.  0.  p.  310. 


Inoceramus  inconstans  Woods  und  verwandte  Arten. 


281 


Heranziehung  der  Originalstücke  ist  es  bei  dem  Chaos  in  der 
Inoceramensystematik  möglich,  mit  annehmbarer  Sicherheit  die  Zu- 
sammengehörigkeit der  Formen  festzustellen.  Trotzdem  sind  auch 
dann  noch,  da  die  Exemplare  selten  normal  oder  vollständig  er- 
halten sind,  Irrtümer  nicht  ausgeschlossen1. 

Unter  I.  inconstans  Woods  2 vereinigt  der  Autor  ebenfalls  eine 
Gruppe  von  Inoceramen  mit  sehr  charakteristischen  gegenseitigen 
Unterscheidungsmerkmalen.  Der  Charakter  der  Gruppe  tritt  beson- 
ders in  dem  schwach  gewölbten  oder  fast  flachen  Wachstum  der 
Schale  in  der  Jugend  und  einem  hierzu  mehr  oder  weniger  senk- 
rechten Umbiegen  derselben  nach  innen  in  der  späteren  Wachstums- 
periode hervor.  Hierdurch  erhalten  die  Exemplare  ein  aufgeblähtes 
Aussehen.  Der  erste  Teil  der  Muschel  ist  gewöhnlich  annähernd 
regelmäßig  mit  An  wachsstreifen,  Rippen  oder  Falten  versehen,  die 
nach  dem  Umbiegen  der  Schale  nach  innen  im  allgemeinen  sehr 
unregelmäßig  und  verschieden  vom  früheren  Wachstum  aufzutreten 
pflegen.  Länge  und  Höhe  sind  annähernd  gleich,  es  kann  aber 
auch  erstere  ganz  bedeutend  überwiegen.  Sehr  selten  sind  Exem- 
plare, bei  denen  die  Höhe  die  Länge  in  geringem  Maße  übertrifft. 
Die  Schalen  sind  nur  wenig  ungleichklappig,  die  Wirbel  klein, 
wenig  hervortretend  und  nur  schwach  gebogen.  Ein  hinteres  Ohr 
(Flügel)  ist  meist  vorhanden. 

Die  Formen  ans  der  Zone  des  Actinocamax  quadratus,  wie  sie 
in  den  Textfig.  47.  48,  49  und  50,  sowie  auf  Taf.  51  Fig.  3 
und  4 und  Taf.  52  Fig.  2 und  3 bei  Woods  dargestellt  sind, 
sollen,  da  weiteres  Vergleichsmaterial  nicht  zur  Verfügung  steht, 
hier  unberücksichtigt  bleiben.  Sie  unterscheiden  sich  aber  auch 
vom  allgemeinen  Charakter  der  Formengruppe  teils  durch  mehr 
dickglobige  Wölbung  der  gesamten  Schale,  teils  durch  Andeutung 
einer  flachen  Furche  auf  der  hinteren  Schalenhälfte  oder  auch  durch 
Verlängerung  des  Schloßrandes  über  den  Wirbel  hinaus  nach  vorn. 
Die  von  Woods  gezeichnete  Entwicklung  dieser  Formen  aus  den 
hier  behandelten  soll  hierdurch  jedoch  keinen  Widerspruch  erfahren. 

Nach  dieser  Abtrennung  lassen  sich  folgende  Arten  unter- 
scheiden : 

Inoceramus  inconstans  Woods 

„ inconstans  var.  planus  Elbert 

„ ScMoenbachi  J.  Böhm 

„ Scldoenbachi  var.  cripsioides  Elbert 

„ crassus  Petrascheck 

, Weisei  Ändert 

„ Waltersdorf ensis  Ändert 

„ balticus  J.  Böhm. 

1 Vergl.  auch  Hennig,  Zur  Inoceramenfrage.  Zeitschr.  d.  deutschen 
geoL  Ges.  1912.  Monatsber.  No.  11.  p.  527/528. 

* Woods,  a.  a.  0.  p.  285. 


282 


H.  Ändert, 


1.  Inoceramus  inconstans  Woods. 

Zu  I.  inconstans  Woods  ziehe  ich  die  Formen  aus  der  Zone 
des  Holaster  planus,  wie  sie  von  Woods  (a.  a.  0.)  in  Textfig.  39, 
42,  43  und  46,  auf  Taf.  51  Fig.  2 und  Taf.  52  Fig.  1 dargestellt 
sind.  Das  Exemplar  Taf.  51  Fig.  1,  das  als  fraglich  aus  der  Zone 
der  Terebratulina  lata  aufgeführt,  wird,  gehört  ebenfalls  unzweifel- 
haft hierher,  wie  mir  eine  von  Herrn  Bullen  Newton  übersandte 
Photographie  der  Vorderansicht  bezeugt. 

Die  Art  ist  durch  die  dem  kreisförmig  abgerundeten  Fünfeck 
sich  nähernde  Form,  die  deutlichen  Anwachsstreifen  und  flach- 
welligen Falten  im  .Jugendstadium  gekennzeichnet.  Die  Falten 
sind  zuweilen  sehr  schwach  und  nähern  sich  dann  der  Form  Taf.  52 
Fig.  1 bei  Woods,  die  von  ihm  als  Inoceramus  inconstans  var.  striatus 
unterschieden  wird.  Nach  dem  mir  vorliegenden  Material  halte  ich 
jedoch  eine  Trennung  für  undurchführbar.  Hingegen  dürfte  das 
Exemplar  Taf.  51  Fig.  5,  das  ebenfalls  als  I.  inconstans  var.  striatus 
bezeichnet  ist , auf  Grund  seiner  Flügelausbildung  (kein  Flügel 
oder  scharf  abgesetzt?)  eine  Sonderstellung  einnehmen.  Von  diesem 
Stück  liegt  mir  ein  Gipsabguß  vor.  Im  späteren  Wachstum  zeigt 
die  Schale  des  I.  inconstans  gewöhnlich  unregelmäßige  Falten,  die 
aber  auch  ganz  verschwinden  können.  Der  Flügel  ist  nicht  scharf 
abgesetzt.  In  dieser  Art  lassen  sich  Übergangsformen  vom  flachen 
I.  labiatus  var.  latus  Sowerby  zu  der  Gruppe  mit  einem  späteren 
Wachstum  mehr  oder  weniger  senkrecht  zum  früheren  verfolgen. 

I.  latus  Mantell  ist  nach  Woods  1 und  wie  ich  auch  an  dem 
von  Herrn  Professor  Böhm  mir  gütigst  zur  Verfügung  gestellten 
Gipsabguß  des  englischen  Originales  ersehen  konnte,  eine  Form  der 
Gruppe  des  I.  Lamarcki  Park.,  deren  Flügel  abgebrochen  ist  und 
die  mit  dem,  was  bisher  in  der  deutschen  Kreideliteratur  als  I.  latus 
geführt  worden  ist,  nichts  gemein  hat.  Von  Böhm  2 wird  die  Auf- 
rechterhaltung der  Art  befürwortet. 

I.  latus  Sowerby,  von  Woods  als  I.  labiatus  var.  latus  Sow. 
bezeichnet1 2 3,  ist  schwach  gewölbt.  Besonders  die  Partien  des 
unteren  Randes  sind  sehr  flach  gegenüber  dem  mehr  oder  weniger 
stark  gewölbten  und  nach  innen  gebogenen  Unterrande  des  1.  in- 
constans. Nach  den  Abbildungen  bei  Woods  ist  man  versucht,  die 
als  I.  latus  bezw.  I.  Cuvieri  aus  der  böhmischen  Kreide  bisher 
gedeuteten  Formen  zu  I.  labiatus  var.  latus  Sow.  zu  stellen.  Auch 
die  für  die  Bearbeitung  von  Blatt  Leitmeritz  der  Karte  des  böh- 
mischen Mittelgebirges  von  Herrn  Dr.  Seemann  mir  freundlichst 
überlassenen  Inoceramen  sind  von  mir  als  I.  latus  Sow.  bestimmt 


1 Woods,  a.  a.  0.  Textfig.  76. 

2 J.  Böhm,  a.  a.  0.  p.  403. 

3 Woods,  a.  a.  0.  p.  284.  Textfig.  38  und  40.  Fig.  41  könnte  vielleicht 
auch  noch  zu  Inoceramus  inconstans  gehören. 


Inoceramus  inconstans  Woods  und  verwandte  Arten. 


283 


worden.  Seitdem  erhielt  ich  aber  durch  Herrn  Bullen  Newton 
eine  Photographie  der  Vorderansicht  des  Originals  von  Textfig.  38 
bei  Woods,  an  dem  der  Unterschied  gut  ersichtlich  ist.  Ferner 
teilte  er  mir  mit,  daß  das  kalkige  Muttergestein  normalen  Charakter 
besitzt,  sodaß  eine  Verdrückung  der  Exemplare  ausgeschlossen  ist. 
Leider  sind  die  Originale  sonst  nicht  besonders  gut  erhalten. 

Da  nun  beide  Formen,  I.  läbiatus  var.  latus  Sow.  und  I.  in- 
constans Woods,  in  England  der  Zone  des  Holaster  planus  an- 
gehören, müssen  wir  bei  uns  mit  demselben  Auftreten  rechnen. 
Für  die  in  den  Priesener  Tonen  und  Mergeln  zusammengedrückten 
Inoceramen  wird  deshalb  auch  eine  genaue  Bestimmung  schwierig 
werden,  ja  oft  unmöglich  sein.  Wie  später  noch  ausgeführt  werden 
soll,  scheint  Inoceramus  labiatus  var.  latus  Sow.  mehr  den  unteren 
Lagen  anzugehören.  Daran  schließen  sich  Formen  des  I incon- 
stans Woods,  an  denen  das  Umbiegen  der  Schale  im  späteren 
Wachstum  nur  gering  ist.  Zu  diesen  gehören  fast  sämtliche 
Stücke  aus  dem  Gebiet  von  Leitmeritz  im  böhmischen  Mittelgebirge, 
wie  sie  mir  SO.  von  Kamaik,  Tattermann,  Trnovan,  Dreihäuseln. 
Lopata,  Biela,  Mirschowitz,  Vysoka,  Heidenstern  und  auch  einige 
von  Hundorf  bei  Teplitz  vorliegen,  und  z.  T.  im  Besitze  des  Stadt- 
museums zu  Aussig,  zum  anderen  in  dem  der  k.  k.  böhmischen 
landwirtschaftlichen  Akademie  zu  Tetschen-Liebwerd  sind.  Sie 
vereinigen  sich  alle  in  die  Form,  wie  sie  bei  Woods  Textfig.  39 
dargestellt  ist  und  die  wohl  allgemein  für  die  oberste  Scaphiten- 
zone1  in  Sachsen  und  Böhmen  als  charakteristisch  gelten  kann. 
Die  Übereinstimmung  besteht  besonders  in  dem  stumpfen  Winkel, 
den  die  spätere  Waclistumsrichtung  gegenüber  der  früheren  bildet, 
wodurch  sich  diese  Formen  sehr  dem  I.  labiatus  var.  latus  Sow. 
nähern. 

Hieran  schließen  sich  die  Stücke,  die  von  mir  unter  I.  latus 
Mantell2  von  Kreibitz  aufgeführt  sind.  Sie  scheinen  alle  eine 
Scheidung  zwischen  früherem  und  späterem  Wachstum  zu  besitzen 
oder  vor  der  Deformierung  besessen  zu  haben,  was  mir  durch  das 
gegenwärtige  Material  von  Leitmeritz  und  Teplitz  wahrscheinlich 
geworden  ist.  Nahe  treten  einige  aber  auch  dem  I.  labiatus  var. 
latus  Sow.  Die  zwei  aus  480  m Höhe  im  Kreibitzer  Tale  auf- 
geführten, dem  Emscher  angehörenden  Stücke  sind,  da  mangelhaft 
erhalten,  unsicher.  Bei  den  an  dieser  Stelle  weiter  zitierten  Exem- 
plaren, die  nicht  aus  dem  Kreibitzer  Gebiet  stammen,  muß  es  vor- 
läufig offen  bleiben,  ob  sie  zu  I.  inconstans  oder  zu  I.  labiatus 
var.  latus  gehören. 

Gelegentlich  einer  Ende  1911  in  Niederkreibitz  bei  Herrn 
F abrikbesitzer  Fritsclie  vorgenommenen  Brunnengrabung  erbeutete  ich 


1 In  der  Auffassung  wie  bei  Ändert,  a.  a.  0.  p.  42.  Fußnote  3. 

’ Ändert,  a.  a.  0.  p.  43.  Taf.  4 Fig.  4. 


284 


H.  Ändert,  Inoceramus  inconstans  Woods  etc. 


in  325  m Höhenlage  unter  anderen  Fossilien  auch  einige  Inoceramen, 
die  sich,  obwohl  sie  dem  I.  inconstans  Woods  noch  zuzureclmen 
sind,  im  allgemeinen  sehr  dem  I.  labiatus  var.  latus  Sow.  nähern. 
Der  tiefste  Fundort  im  Kreibitzer  Tale,  der  mir  bis  dahin  Ino- 
ceramen geliefert  hatte,  liegt  in  352  m Höhe  (2  Stück),  die  anderen 
Exemplare  stammen  aus  ca.  390  m Höhe.  Sie  müssen  alle  als 
I.  inconstans  Woods  bezeichnet  werden.  Nach  diesem  Auftreten 
scheint  sich  sonach  die  von  Woods  angenommene  Abstammung  des 
I.  inconstans  Woods  von  I.  labiatus  var.  latus  Sow.  zu  bestätigen1 2. 

Weiter  gehört  zu  I.  inconstans  Woods  das  eine  der  Exem- 
plare, die  von  mir  zu  I.  Cuvieri  var.  planus  Münster  2 gezogen 
worden  sind.  Die  daselbst  von  Salder  und  Liebenburg  mit  dem 
genannten  identifizierten  Stücke  sind  auch  hierher  zu  stellen.  Die 
Vermutung  von  Woods  3,  daß  das  Kreibitzer  Exemplar  ein  Zwischen- 
glied zwischen  I.  labiatus  und  I.  labiatus  var.  latus  darstellen 
könne,  ist  irrtümlich,  denn  dieses  Stück  besitzt  im  späteren  Wachs- 
tumsstadium eine  ausgeprägte  Umbiegung  der  Schale  nach  innen. 

Schließlich  liegt  mir  die  Art  in  einem  schönen  Gipsabguß  der 
geologischen  Landesanstalt  Berlin  von  Salder  vor.  Er  stellt  sie 
in  ihrer  vollkommensten  Ausbildung  mit  vollständig  rechtwinkeligem 
Umbiegen  des  späteren  Schalenteiles  zum  früheren  Wachstum  dar. 
Der  umgebogene  Schalenteil  zeigt  keine  Falten,  sondern  nur  kräftige 
An  wachsstreifen.  Das  Exemplar  besitzt  Größe  und  Form  von 

Taf.  51  Fig.  2 bei  Woods,  jedoch  erreicht  das  umgebogene  Schalen- 
stück einer  Klappe  die  Höhe  von  3 cm.  Bei  reichlicliex'em  Material 
von  dieser  Form  wäre  es  vielleicht  möglich,  sie  von  den  Leit- 
meritz-Kreibitzer  Stücken  und  den  diesen  sonst  entsprechenden 
abzutrennen. 

Die  Art  ist  charakteristisch  für  die  obere  Scaphitenzone  in 
der  erwähnten  Auffassung,  sie  steigt  aber  auch  in  den  schärfer 
charakterisierten  Formen  wie  die  zuletzt  aufgeführte  in  die  Zone 
des  I.  Schloenbachi  hinauf.  Das  Auftreten  im  unteren  Emscher 
ist  unsicher,  aber  nach  den  Funden  nicht  ausgeschlossen. 

Nach  unserer  gegenwärtigen  Kenntnis  und  bei  dem  meist 
mangelhaften  Erhaltungszustände  der  Stücke  bleibt  es  sehr  schwierig, 
die  Unterscheidung  zwischen  I.  labiatus  var.  latus  Sow.  und  I.  incon- 
stans Woods  zu  treffen. 

. 2.  Inoceramus  inconstans  var.  planus  Elbkrt. 

Diese  Varietät  könnte  ebensowohl  als  selbständige  Art  be- 
zeichnet werden.  In  meiner  mehrfach  zitierten  Arbeit4  ist  sie  als 

1 Woods,  The  evolution  of  Inoceramus  in  the  cretaceous  period. 
Quart.  Journ.  Geol.  Soc.  68.  1912,  February.  p.  16. 

2 Ändert,  a.  a.  0.  p.  45  z.  T.,  Taf.  1 Fig.  5. 

3 Woods,  Monograph,  a.  a.  0.  p.  288.  Anmerkung  1. 

4 Ändert,  a.  a.  O.  p.  45  z.  T.,  Taf.  1 Fig.  2,  Taf.  7 Fig.  8. 


Besprechungen. 


285 


I.  Cuvieri  var.  planus  Münster  (Elbert)1  aufgeführt.  Hiervon 
sind  jedoch  das  daselbst  Taf.  1 Fig.  5 dargestellte  Exemplar  und 
die  beiden  mit  diesem  identifizierten  Stücke  von  Salder  und  Lieben- 
burg abzutrennen  und  wie  vorstehend  bemerkt,  dem  I.  inconstans 
Wooos  zuzurechnen.  Der  Varietätsname  erscheint  mit  Rücksicht 
auf  die  bisherige  Bearbeitung  empfehlenswerter,  wenn  auch  die 
regelmäßige,  genähert  bis  enge,  kräftige  Berippung  im  ersten 
Wachstumsstadium  die  Form  sehr  charakteristisch  hervorhebt. 

Im  Umriß  gleicht  die  Varietät  wie  I.  inconstans  Woods  einem 
dem  Kreis  genäherten  Fünfeck.  Nach  der  Umbiegung  zeigt  die 
Schale  im  späteren  Wachstum  nur  einige  unregelmäßige  schwache 
Falten.  Ein  Flügel  fehlt  vollständig  (Steinkerne),  oder,  wenn  das 
eine  Exemplar  von  Leitmeritz 2,  das  an  der  Flügelpartie  ein  Stück 
dicker  Schale  aufweist,  zu  dieser  Art  zu  rechnen  ist,  es  ist  ein 
sehr  schmaler  Flügel  vorhanden. 

I.  inconstans  Woods  Textfig.  44 3 ist,  wenn  nicht  etwa  bloß 
ein  Bruchstück  eines  viel  größeren  Exemplars,  auch  hierher  zu 
stellen.  Der  von  Woods  p.  288  erwähnte  Unterschied  betreffs 
Wachstumsachse  und  Schloßlinie  erscheint  mir  unwesentlich,  da 
an  meinen  Steinkernen  die  Stellung  der  Achse  zur  Schloßlinie 
nicht  sicher  nachzuweisen  ist  und  auch  bei  dem  Original  von 
Woods  die  Partie  gegen  den  Schloßrand  beschädigt  zu  sein  scheint. 
Ich  halte  die  von  mir  angenommene  Stellung,  die  auch  dem  Leit- 
meritzer  Stück  entsprechen  würde,  für  richtiger. 

Die  von  mir  zu  der  Varietät  gestellten  Exemplare  stammen 
aus  der  Zone  des  I.  Schloenbachi  von  Kreibitz  und  dem  unweit 
davon  gelegenen  Nassendorf  in  Nordböhmen.  Ferner  befinden  sich 
an  der  geologischen  Landesanstalt  Berlin  Stücke  dieser  Varietät 
aus  dem  Bahneinschnitt  östlich  von  Burgdorf  bei  Börßum  und  vom 
Windmühlenberge  bei  Salzgitter  aus  der  gleichen  Zone.  Da  das 
von  Woods  dargestellte  Exemplar  unsicherer  Herkunft  ist  und  nur 
mutmaßlich  der  Zone  des  Micraster  cor-anguinum  zugerechnet  wird, 
kann  bis  auf  weiteres  als  Lager  dieser  Varietät  die  Zone  des 
Inoceratnus  Schloenbachi  angesehen  werden.  (Schluß  folgt.) 


Besprechungen. 

Ernst  Cohen:  Jacobus  Henricus  van’t  Hoff.  Sein  Leben 
und  Wirken.  (Leipzig,  Akademische  Verlagsgesellschaft  m.  b.  H. 
1912.  638  p.  Mit  2 Gravüren  und  90  Abbildungen  im  Text.) 
(Vergl.  auch  das  nächstfolgende  Referat.) 

1 Elbert,  Das  untere  Angoumien  in  den  Osningbergketten  des  Teuto- 
burger Waldes.  Verh.  d.  preuß.  Rheinlande.  38.  p.  112. 

2 Im  Stadtmuseum  zu  Aussig. 

3 Woons,  Monograph,  a.  a.  0.  p.  287. 


286 


Besprechungen. 


Obwohl  van’t  Hoff  nicht  Mineraloge  von  Fach  war,  hat  er 
doch  die  Mineralogie  in  mehr  als  einer  Hinsicht  so  wesentlich 
gefördert,  daß  auch  von  diesem  Gesichtspunkt  aus  sein  zu  früher 
Hingang  als  ein  herber  Verlust  für  die  Wissenschaft  empfunden 
werden  muß.  Vor  allem  durch  die  Untersuchung  der  ozeanischen 
Steinsalzablagerungen  mit  ihren  Abraumsalzen  und  durch  die 
mustergültige  und  vorbildliche  Anwendung  seiner  eigentlichen 
Wissenschaft,  der  physikalischen  Chemie,  auf  dieses  wichtige  Pro- 
blem hat  er  der  mineralogischen  Wissenschaft  neue  Wege  gewiesen, 
deren  konsequente  Verfolgung  zu  den  bedeutungsvollsten  Ergebnissen 
geführt  hat  und  noch  weiter  führen  wird.  Sein  Leben  und  sein 
Wirken  ist  in  dem  vorliegenden  Buche  von  einem  seiner  Freunde 
und  Fachgenossen  nach  der  rein  menschlichen,  wie  nach  der  wissen- 
schaftlichen Seite  sehr  anziehend  geschildert,  so  daß  niemand  es 
unbefriedigt  aus  der  Hand  legen  wird.  Es  enthält  zwei  Bildnisse 
des  Verstorbenen  in  Gravüre  und  in  den  Textfiguren  außer  einigen 
.Jugendbildnissen  die  Portraits  aller  der  Gelehrten,  die  mit  ihm  in 
irgendwelcher  Beziehung  gestanden  haben , die  Örtlichkeiten , in 
denen  er  gelebt  und  gewirkt  hat  und  manches  andere.  Dem  be- 
rühmten Toten  ist  hier  ein  seiner  würdiges  Denkmal  gesetzt  worden. 

Max  Bauer. 

J.  H.  van’t  Hoff:  Untersuchungen  über  die  Bildungs- 
verhältnisse der  ozeanischen  Salzablagerungen,  ins- 
besondere des  Staßfurter  Salzlagers.  Herausgegeben 
von  H.  Precht  (Neustaßfurt)  und  Ernst  Cohen  (Utrecht).  Leipzig, 
Akademische  Verlagsgesellschaft  m.  b.  H.  1912.  XX  u.  374  p. 
Mit  8 Tafeln  und  39  Textfiguren. 

Der  stattliche,  gut  ausgestattete  Band  enthält  einen  Wieder- 
abdruck der  bekannten  52  Abhandlungen,  die  van’t  Hoff  und 
seine  Mitarbeiter,  von  denen  vor  allen  der  leider  zu  früh  ver- 
storbene W.  Meyerhoffer  zu  nennen  ist,  verfaßt  haben,  um  die 
Bildungsverhältnisse  der  ozeanischen  Salzablagerungen  aufzuklären. 
Bis  zu  welchem  Grade  dies  gelungen  ist,  braucht  hier  nicht  weiter 
auseinandergesetzt  zu  werden,  jeder  der  sich  mit  Mineralogie  und 
Geologie  beschäftigt,  muß  davon  eingehend  Notiz  nehmen.  Detail- 
schilderungen sind  hier  um  so  weniger  erforderlich,  als  dies.  Jahr- 
buch über  den  Gang  dieser  wichtigen  Untersuchungen  von  Anfang- 
an  bis  zum  Schluß  (1897 — 1908)  fortlaufend  durch  Referate  Be- 
richt erstattet  hat  (1898.  II.  -380-  und  folgende  Bände).  Heraus- 
geber und  Verleger  haben  sich  durch  ihr  Werk  ein  großes  Ver- 
dienst erworben,  da  die  Sitzungsberichte  der  Berliner  Akademie, 
in  denen  die  hierhergehörigen  und  hier  wiedergegebenen  Arbeiten 
erschienen  sind,  immerhin  nicht  zu  den  überall  vorhandenen  und 
jedem  leicht  zugänglichen  Zeitschriften  gehören  und  da  die  zu- 
sammenfassende  Darstellung  von  van’t  Hoff  : Zur  Bildung  der 


Besprechungen. 


287 


ozeanischen  Salzablagerungen  (1.  Heft  1905.  2.  Heft  1909)  doch 
die  Originale  nicht  vollständig  ersetzen  können.  Es  wird  auf  diese 
Weise  auch  leichter  sein,  das  von  van’t  Hoff  begonnene  Werk 
fortsusetzen  und  zu  vervollständigen  und  die  noch  vorhandenen 
Lücken  auszufüllen.  Zu  diesem  Zweck  hat  sich  im  Dezember  1905 
ein  Verband  zur  wissenschaftlichen  Erforschung  der  deutschen 
Kalisalzlagerstätten  gebildet,  an  dessen  Gründung  (in  Verbindung 
mit  H.  Precht  und  F.  Rinne)  auch  van’t  Hoff  selbst  noch  teil- 
genommen und  über  dessen  Ziele  und  Absichten  er  selbst  noch 
zwei  Berichte  veröffentlicht  hat.  Auf  die  Veranlassung  dieses 
Verbands,  der  sich  schon  in  der  verdienstvollsten  Weise  durch 
zahlreiche  wichtige  Untersuchungen  betätigte,  hat  Prof.  A.  Gutbier, 
jetzt  in  Stuttgart,  es  übernommen,  mit  Hilfe  von  Assistenten  die 
van’t  HoFF’schen  Arbeiten  fortzuführen.  Dem  Abdruck  der  letzteren 
ist  außer  einem  kurzen  Vorwort  die  Gedächtnisrede  von  Emil 
Fischer  auf  van’t  Hoff  vorangesetzt,  so  daß  der  Leser  in  Stand 
gesetzt  ist,  sich  auch  über  die  sonstige  wissenschaftliche  Tätigkeit 
unseres  berühmten  Forschers  in  ausgezeichneter  Weise  zu  unter- 
richten. Vielleicht  wäre  es  bei  einer  weiteren  Auflage  nicht  un- 
zweckmäßig, für  jeden  einzelnen  der  abgedruckten  Aufsätze  genau 
anzugeben,  wo  er  in  den  Berliner  Sitzungsberichten  zu  finden  ist, 
auch  ein  alphabetisches  Register  wäre  sehr  wünschenswert.  Ebenso 
könnten  vielleicht  noch  einige  anderwärts  erschienene  einschlägige 
Arbeiten  van’t  Hoff’s  zur  Ergänzung  mit  abgedruckt  werden 
(siehe  auch  das  vorhergehende  Referat).  Max  Bauer. 


Detlev  Lienau:  Die  Entstehung  der  Ackerböden,  er- 
läutert an  den  geologisch-agronomischen  Verhält- 
nissen in  der  Provinz  Sachsen,  im  Herzogtum  Anhalt 
und  in  den  Thüringischen  Staaten.  Halle  a.  S.  bei  Ludw. 
Hofstetter,  1912.  223  p.  Mit  5 Textfig.,  3 farbigen  Karten  und 
einer  Übersichtstabelle. 

Verf.,  Abteilungs Vorsteher  an  der  Laudwirtschaftskammer  für 
die  Provinz  Sachsen,  will  in  diesem  in  erster  Linie  für  Landwirte 
bestimmten  Buche  eine  allgemeine,  auch  für  Leser  ohne  eingehendere 
geologische  Kenntnisse  verständliche  Bodenkunde  auf  geologischer 
Grundlage  schaffen,  da  das  Grenzgebiet  zwischen  Geologie  und 
Bodenkunde  in  den  Büchern  beider  Wissenschaften  stets  stark  ver- 
nachlässigt wird.  Die  Darstellung  des  Stoffs  geschieht  in  Form 
einer  kurzen  erläuternden  Übersicht.  Er  ist  in  folgender  Weise 
eingeteilt:  1.  Wechselbeziehung  zwischen  Gestein,  Boden  und  Lebe- 
wesen. 2.  Entstellung  und  Beschaffenheit  der  bodenbildenden  Mutter- 
gesteine. 3.  Geologische  Geschichte  der  Provinz  Sachsen,  des 
Herzogtums  Anhalt  und  der  Thüringischen  Staaten.  4.  Die  Boden- 
bildung.  5.  Die  geologisch-agronomische  Kartierung  und  ihre  Be- 


288 


Besprechungen.  — Berichtigung.  — Personalia. 


deutung  für  den  Landbau.  In  einem  zahlreiche  Anmerkungen  zum 
Text  enthaltenden  Anhang  wird  u.  a.  auch  die  wichtigste  ein- 
schlägige Literatur  angeführt,  für  Leser,  die  sich  auf  der  Grund- 
lage des  Buchs  weiter  bilden  wollen.  Die  drei  Karten  geben  eine 
geologische  Übersicht  über  das  im  Titel  genannte  Gebiet  und  eine 
Verteilung  der  Bodenarten  auf  demselben,  beidemal  im  Maßstab 
1 : 1 OOO  000,  sowie  eine  Darstellung  der  geognostisch-agronomischen 
Verhältnisse  der  Gegend  nördlich  von  Tangermünde  im  Maßstab 
1 : 25  000  nach  der  Aufnahme  der  geologischen  Landesanstalt  in 
Berlin.  Auf  der  Übersichtstabelle  sind  die  geologischen  Formationen, 
ihre  Verbreitung  und  das  Klima  der  einzelnen  Perioden,  die  in 
den  verschiedenen  Perioden  gebildeten  Gesteine  und  deren  Ver- 
breitung in  dem  hier  behandelten  Gebiet,  sowie  die  aus  den  ver- 
schiedenen Gesteinen  entstandenen  Hauptbodenarten  übersichtlich 
zusammengestellt.  Max  Bauer. 

R.  Brauns:  Mineralogie.  4.  Aufl.  Sammlung  Göschen. 
1911.  142  p.  Mit  132  Textfiguren. 

Die  weit  verbreitete,  zuerst  1894  erschienene  kleine  Mineralogie 
von  R.  Brauns  ist  jetzt  in  um  einige  Seiten  erweiterter,  vierter 
Auflage  mit  derselben  Figurenzahl  herausgekommen.  (3.  Aufl. 
vergl.  dies.  Centralbl.  1905.  p.  281.)  Diese  neue  Auflage  ist  in 
vielen  Punkten  nach  den  neuesten  Anschauungen  berichtigt  und 
ergänzt.  Im  allgemeinen  Teil  sind  die  Abschnitte  über  Anwachs- 
pyramiden, Schichtenbau  und  Ätzfiguren  neu  hinzngekommen.  Unter 
den  Mineralien  wird  jetzt  auch  das  wegen  seines  Radiumgehalts 
wichtige  Uranpecherz  erwähnt  und  die  künstliche  Darstellung  des 
Rubins  usw.  besprochen,  sowie  bei  vielen  Mineralien  neue  wichtige 
Fundorte  beigefügt.  Auch  in  dieser  neuen  Form  wird  das  Büchlein 
viele  Freunde  finden.  Max  Bauer. 


Berichtigung. 

In  dem  Aufsatze  von  K.  Walther  „Über  ein  Vorkommen  von 
Epidotadinole  und  gefritteten  Sandsteinen  aus  dem  Süden  der  Re- 
publik Uruguay“  (dies.  Centralbl.  1913.  p.  68)  wurden  die  beiden 
Abbildungen  unrichtig  gestellt,  ein  Versehen,  das  schon  aus  dem 
Text  (p.  76)  hervorgeht.  Die  Figuren  sind  90  Grad  um  ihren 
Mittelpunkt  nach  rechts  zu  drehen. 


Personalia. 

Habilitiert  für  Mineralogie  an  der  tschechischen  Univer- 
sität in  Prag  Dr.  Boh.  Jezek,  Assistent  des  Min.  Institutes  der 
Universität  und  Adjunkt  der  Min.-Petrographischen  Abteilung  dep 
Museums  für  das  Königreich  Böhmen.  — An  derselben  Universität 
wurde  der  bisherige  Titularprofessor  Dr.  F.  Slavik  zum  wirklichen 
außerordentlichen  Professor  für  Mineralogie  ernannt. 


Georg  Böhm  f. 


289 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion, 

Georg  Böhm,  f 

Ganz  unerwartet  erlag  am  18.  März  mein  lieber  Freund  und 
Kollege  Professor  Dr.  Georg  Böhm  einer  akuten  Gehirnentzündung, 
als  er  gerade  im  Begriff  war,  für  eine  Ferienreise  in  die  Schweiz 
sich  zu  rüsten.  Wiederum  ist  ein  Wirken  vorzeitig  zu  Ende 
gegangen  und  so  mancherlei  nicht  abgeschlossen,  was  zu  der 
Lebensarbeit  des  Verstorbenen  gehört  hätte. 

Georg  Böhm  wurde  am  21.  Dezember  1854  in  Frankfurt  a.  0. 
geboren,  ist  also  nur  etwas  über  58  Jahre  alt  geworden.  Er 
studierte  in  Berlin,  Straßburg  und  Göttingen  und  promovierte  187  7 
mit  einer  Dissertation  über  die  Geologie  der  Hilsmulde  in  Göttingen 
unter  Prof.  Seebach.  In  Straßburg  gehörte  er  zu  der  ersten 
Gruppe  von  Geologen  und  Paläontologen,  die  am  Ende  der  sieben- 
ziger  Jahre  des  vorigen  Jahrhunderts  die  Blüte  der  BENECKE’sclien 
Schule  bezeichnen.  Er  wandte  sich  aber  bald  nach  München  und 
blieb  dort  bis  1885,  von  Zittel  und  von  einem  großen,  mannig- 
fach zusammengesetzten  Freundeskreise  festgehalten.  Auch  genügte 
er  dort  seiner  Militärpflicht  im  Artillerie-Regiment  Prinz  Luitpold, 
zu  dessen  Reserveoffizieren  er  später  zählte.  Ein  heiteres  Leben 
in  den  anregenden  Münchener  Künstlerkreisen  erfüllte  diese  Jahre. 
Aber  gleichzeitig  widmete  sich  Böhm,  von  Zittel  veranlaßt,  der 
Beschreibung  der  Bivalven  des  Kelheimer  Zhceras-Kalkes,  einer 
Monographie,  (He  1879  in  der  Palaeontographica  erschien.  Diese 
führte  weiter  zu  einer  zweiten  ähnlichen  Arbeit,  einer  Revision 
der  Stramberger  Bivalven,  welche  mit  vielen  Tafeln  in  den  Ab- 
handlungen des  Museums  des  Kgl.  Bayer.  Staates  gedruckt  wurde. 
So  bildete  sich  Böhm  zu  einem  Spezialisten  der  fossilen  Bivalven 
aus,  und  es  ist  nicht  zu  verwundern,  daß  er,  durch  das  Material 
der  Münchener  Sammlung  verlockt,  sich  ferner  der  Untersuchung 
ähnlicher,  nur  schwierigerer  Faunen,  denen  der  Grauen  Kalke  in 
Yenetien  und  der  Südtiroler  Oberkreide  zuwandte.  Zahlreiche 
Aufsätze  und  Notizen  befassen  sich  in  dem  nächsten  Jahrzehnt 
mit  Durga,  Pachymegalodon,  Lilhiotis,  Caprina,  Coralliocliama , Bi- 
hippurites  etc.,  bis  im  51.  Bande  der  Palaeontographica  in  der  Be- 
arbeitung der  Faunen  von  Col  dei  Schiosi  und  von  Calloneghe 
gewissermaßen  der  Abschluß  dieser  Untersuchungen  erfolgte. 

Inzwischen  hatte  er  sich  1885  in  Freiburg  i.  Br.  habilitiert 
und  begann  1 886  gleichzeitig  mit  dem  als  Nachfolger  von  Prof. 
Fischer  berufenen  Prof.  G.  Steinmann  seine  Lehrtätigkeit.  Diese 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  19 


290 


Georg  Böhm  f. 


erstreckte  sich  auf  Paläontologie  und  einzelne  Kapitel  aus  der 
Geologie.  Am  Institutsunterricht  nahm  Böhm  regen  Anteil,  vor 
allem  stellte  er  seine  Sammlungen  und  seine  Lehrmittel  zur  Ver- 
fügung, was  um  so  nötiger  war,  als  in  Freiburg  damals  für  die 
genannten  Fächer  nur  sehr  wenig  Unterrichts-  und  Sammlungs- 
material vorhanden  war.  Auf  vielen  Reisen  ergänzte  Böhm  seine 
Sammlungen  und  zugleich  beschaffte  er  sich  Vergleichsstücke  für 
seine  eben  erwähnten  Tiroler  Arbeiten.  Er  besuchte  Frankreich, 
England,  reiste  nach  Sicilien,  Algier,  Spanien  und  fand  bei  einem 
Besuche  in  der  Ecole  des  Mines  zu  Paris  seine  Durga- Fauna  in 
Stücken  aus  dem  Dept.  de  la  Sarthe  wieder.  Es  hat  ihn  sehr 
gefreut,  daß  Herr  Wanner  in  neuester  Zeit  diese  bezeichnende 
Fossilgruppe  auch  in  Timor  entdeckte. 

Nachdem  die  Großh.  Bad.  Geologische  Landesanstalt  gegründet 
war,  widmete  er  sich  als  Mitarbeiter  auch  der  geologischen  Auf- 
nahme, und  zwar  auf  dem  Blatte  Kandern.  Indessen  lag  ihm  diese 
Art  der  Arbeit  nicht  recht,  er  gab  sie  bald  wieder  auf;  aber  seine 
Beobachtungen  sind  bei  der  nunmehr  vollendeten  Aufnahme  des 
Blattes  durch  Herrn  Dr.  Schnarrenberger  verwertet  worden. 
Einige  kleine  Aufsätze  über  die  Geologie  seines  Aufnahmegebietes, 
über  einige  sehr  schöne  Opliiuren  aus  dem  oberen  Dogger  von  Vögis- 
lieim,  über  Tapir-Fährten  im  Tertiär  und  über  einen  Strudelkessel 
in  den  Beiiggeri-T onen  von  Kandern  bezeichnen  diesen  Lebens- 
abschnitt. 

Juli  1890  hat  er  geheiratet;  der  Ehe  sind  zwei  Söhne  und 
eine  Tochter  entsprossen,  von  denen  der  älteste  frühzeitig  starb. 
Mit  dem  Jahre  1897  beginnt  in  seinem  Leben  ein  neuer  Abschnitt, 
nämlich  eine  Folge  außereuropäischer  Reisen.  Im  Anschluß  an 
den  Internationalen  Geologenkongreß  in  Rußland  besuchte  er  Trans- 
kaspien  und  Turkestan  zusammen  mit  Joh.  Waltheu  und  entdeckte 
dort  mehrere  Vorkommen  von  mariner  Unterkreide.  1899  nahm 
er  auf  5 Semester  Urlaub  und  reiste  über  Ägypten  nach  Indien, 
vor  allem  nach  Niederländisch-Indien  und  Neu-Seeland.  Die  ver- 
einzelten Funde  mesozoischer  Fossilien,  die  Verbeek  ihm  zeigte, 
veranlaßten  ihn,  diesen  Vorkommen  näher  nachzugehen,  und  es 
glückte  ihm,  auf  den  Sula-Inseln,  auf  Misöl  und  in  Buru  fast  alle 
Abteilungen  des  mittleren  Mesozoicums  teils  direkt  anstehend  zu 
beobachten,  teils  durch  lose  Versteinerungen  nachzuweisen.  Eine 
Anzahl  von  Reisenotizen  gaben  1900  und  1901  von  seinen  Ent- 
deckungen und  Forschungen  den  Fachgenosseu  Kunde  und  riefen 
große  Ueberraschung  hervor,  weil  man  mesozoische  marine  Sedi- 
mente in  diesem  Umfange  im  Molukkengebiete  nicht  erwartet  hatte. 
Er  brachte  sehr  reichhaltige  Sammlungen  mit  und  hat  einen  Teil 
derselben  auf  dem  9.  Geologenkongreß  zu  Wien  weiteren  Kreisen 
vorgeführt.  Von  1903  bis  zu  seinem  Tode  widmete  er  sich  nun 
der  gründlichen  und  sorgfältigen  Durcharbeitung  dieser  paläonto- 


Georg  Böhm  f. 


291 


logischen  Ausbeute,  von  allen  Seiten  durch  Vergleichsmaterial  und 
von  seinem  Freunde  Wichmann  in  Utrecht  durch  viele  neue  Funde 
aus  den  Nachbargebieten  unterstützt.  So  entstanden  die  Mono- 
graphien zur  Geologie  von  Niederländiscli-Indien  als  Supplementband 
zur  Palaeontographica,  und  die  Mitteilungen  aus  Indo-Australien 
im  Neuen  Jahrbuch,  die  beide  von  Böhm  mit  einigen  Fachgenossen 
herausgegeben  wurden.  Er  selbst  beschrieb  die  Titlion-  und  Cal- 
lovienfaunen  der  Sula-Inseln  und  von  Misöl,  beai’beitete  ferner  für 
das  große  Sammelwerk  „Nova  Guinea“  die  Ammoniten  der  Macro- 
cephalus-  und  Sphaeroceras - Schichten , welche  die  holländische 
Expedition  auf  jener  Insel  entdeckt  hatte.  Die  Herren  Kossmat, 
John,  Waxner,  Richarz,  Krumbeck,  Sörgel,  v.  Seidlitz  haben 
unter  redaktioneller  Leitung  von  Böhm  dann  andere  Vorkommen 
und  Gruppen  beschrieben  oder  besprochen.  Alle  diese  von  ihm 
verfaßten  Monographien  sind  mit  größter  Sorgfalt  gearbeitet  ; be- 
sonderer Wert  ist  auf  eine  mustergültige  Darstellung  auf  den 
Tafeln  gelegt,  wobei  Böhm  keine  Mühe  und  keine  Kosten  scheute, 
bis  diese  seinen  hochgestellten  Ansprüchen  genügten.  Leider  hat 
ihm  der  Tod  die  Feder  aus  der  Hand  genommen;  denn  die  letzte 
Monographie  über  den  Dogger  der  Molukken  hat  er  nicht  fertig 
machen  können  und  somit  sein  Lebenswerk  über  Niederländisch- 
Indien  nicht  wirklich  voll  zum  Abschluß  gebracht.  Trotzdem  wird 
niemand  leugnen,  daß  wir  Böhm  eine  der  bedeutendsten  Erweite- 
rungen unserer  Kenntnisse  mesozoischer  Meere  und  Faunen  ver- 
danken und  daß  wir  bei  allen  weitergreifenden  Betrachtungen 
paläogeographischer  Natur  auf  seine  Forschungen  immer  wieder 
zurückgehen  müssen. 

Von  seiner  großen  Reise  heimgekehrt,  wurde  Böhm  1902  zum 
ordentlichen  Honorarprofessor  ernannt,  etwas  später  erhielt  er  das 
Offizierkreuz  des  Ordens  von  Oranien  und  Nassau;  auch  war  er 
Ritter  des  Zähringer  Löwenordens  I.  Kl.  Seine  Entdeckungen 
veranlaßten  bald  neue  Expeditionen  in  jene  Gebiete,  so  die  Reisen 
von  Wanner  und  Deninger;  seine  Arbeiten  aber  bewirkten,  daß 
die  Geological  Survey  of  New-Zealand  an  ihn  herantrat  mit  der 
Bitte,  das  aus  der  Juraformation  stammende  Neuseeländer  Fossil- 
material monographisch  zu  behandeln.  Auf  diese  neue  ehrenvolle 
Aufgabe,  welche  die  nächsten  Jahre  ausfüllen  sollte,  hatte  Böhm 
sich  besonders  gefreut.  Er  hat  nur  einen  kleinen  Teil  noch  selbst 
gesehen;  an  die  Arbeit  direkt  heranzutreten,  ist  ihm  nicht  mehr 
vergönnt  gewesen. 

Wie  die  nachstehende  Liste  seiner  Veröffentlichungen  zeigt, 
hat  G.  Böhm  viel  geschrieben,  aber  sich  doch  nur  auf  ein  ver- 
hältnismäßig enges  Gebiet  beschränkt.  Mesozoische  Mollusken- 
faunen, besonders  Bivalven  und.  Ammoniten,  waren  sein  Spezial- 
gebiet; auch  hat  sich  die  Methode  kaum  geändert;  nur  in  seiner 
Auffassung  der  Speziesgrenzen  war  er  etwas  weitherziger  geworden. 


19* 


292 


Georg  Böhm  f. 


Für  die  mannigfaltigen  geologischen  Probleme  besaß  er  zwar  reges 
Interesse,  jedoch  nicht  derart,  daß  er  selbsttätig  in  den  Kampf 
der  Meinungen  eingegriffen  hätte. 

In  Freiburg  hat  er  das  Wachsen  der  Universität,  die  be- 
deutende Erweiterung  des  Geologischen  Instituts  und  das  Aufblühen 
des  Institutsunterrichtes  miterlebt.  Seine  allgemeine  paläonto- 
logische  Sammlung  ging  in  den  Besitz  des  Instituts  über.  Obwohl 
Böhm  sich  vom  Unterrichte  und  von  den  Exkui'sionen  in  den  letzten 
Jahren  mehr  zurückgezogen  hatte,  bewahrte  er  sich  doch  reges 
Interesse  für  das  Colloquium  und  für  die  älteren  Praktikanten. 
Auch  hat  er  wiederholt  jungen  strebsamen  Leuten  die  Erfüllung 
bestimmter  Aufgaben  erleichtert  und  dem  Institut  manche  wert- 
vollen Bücher  und  Sammlungsstücke  zugewandt.  Alle,  die  mit 
dem  liebenswürdigen  weltgewandten  Kollegen  in  irgend  eine  Be- 
ziehung getreten  sind,  werden  ihm  ein  freundliches  Gedenken  be- 
wahren, und  seine  indischen  Arbeiten  werden  für  viele  Forschungen 
die  Grundlage  bleiben ! 

Freiburg,  21.  März  1913.  ___  , 

ö ’ W.  Deecke. 

Liste  der  von  Georg  Böhm  verfaßten  Druckschriften. 

1877.  Beiträge  zur  geognostischen  Kenntnis  der  Hilsmulde.  Zeitschr.  d. 
D.  Geol.  Ges.  29.  p.  215—251. 

1881.  Die  Bivalven  der  Schichten  des  Diceras  Münsteri  (Diceras- Kalk)  von 
Kelheim.  Zeitschr.  d.  I).  Geol.  Ges.  33.  67 — 74. 

1882.  Die  Fauna  des  Kelheimer  ZH'ceras-Kalkes.  II.  Abt.  Bivalven.  Pa- 
laeontographica.  28.  p.  141 — 192.  Taf.  23 — 40. 

— Über  die  Bivalven-Fauna  des  Zhcerns-Kalkes  von  Kelheim.  Zeitschr. 
d.  D.  Geol.  Ges.  34.  p.  200—201. 

— Über  die  Beziehungen  von  Pachyrisma,  Megalodon,  Diceras 
und  Caprina.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  34.  p.  602 — 627.  Taf.  22 
und  23. 

— Zur  Kritik  der  Gattung  Praeconia.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  34. 
p.  618—628.  Taf.  24-27. 

1883.  Die  Bivalven  der  Stramberger  Schichten.  Paläont.  Mitt.  aus  d. 
Mus.  d.  Kgl.  Bayer.  Staates.  Abt.  II.  H.  4.  I — IV.  p.  493 — 680. 
Taf.  53—70. 

1884.  Geologisches  aus  Oberitalien.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  36.  p.  180 
—181. 

— Über  neue  Versteinerungen  aus  den  Grauen  Kalken  von  Ober- 
italien.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  36.  p.  190 — 191. 

— Beiträge  zur  Kenntnis  der  Grauen  Kalke  in  Venetien.  Zeitschr. 
d.  D.  Geol.  Ges.  36.  p.  737—782.  Taf.  15—26. 

1885.  Über  südalpine  Kreideablagerungen.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  37. 
Sitz.-Ber.  p.  544 — 549. 

1886.  Die  Gattungen  Pachymegalodon  und  Durga.  Zeitschr.  d.  D.  Geol. 
Ges.  38.  p.  727—734. 


Georg  Böhm  f. 


293 


1887.  Das  Alter  der  Kalke  des  Col  dei  Schiosi.  Zeitsclir.  d.  D.  Geol. 
Ges.  39.  p.  203 — 204. 

— Die  Facies  der  venetianischen  Grauen  Kalke  im  Departement  de 
la  Sarthe.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  39.  p.  204 — 211. 

— Note  sur  les  calcaires  ä Penia  et  Megalodon  du  Moulin  de 
Jupilles  pres  Fve  (Sarthe)  [zusammen  mit  E.  Ciielot],  Bull.  d.  1. 
Soc.  Geol.  de  France.  3e  Ser.  15.  p.  403 — 414. 

1888.  Neues  Liasvorkommen  auf  dem  Dinkelberge  bei  Basel.  Ber.  d. 
Naturf.  Ges.  Freiburg  i.  Br.  3.  p.  129 — 132. 

— Über  die  Fauna  der  Schichten  mit  Durga  im  Departement  der 
Sarthe.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  40.  p.  657 — 665.  Tat'.  27. 

1889.  Ein  Beitrag  zur  Kenntnis  fossiler  Ophiuren.  Ber.  d.  Natuif.  Ges. 
Freiburg  i.  Br.  4.  p.  232—287.  Taf.  4-5. 

1891.  Über  Lithiotis  problematica  Gümbel.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  43. 
p.  531—532. 

— Megalodon,  Pachgrisma  und  Diceras.  Ber.  Naturf.  Ges.  Frei- 
burg i.  Br.  4.  H.  2.  p.  33 — 56. 

1892.  Über  die  Zugehörigkeit  von  Rothpletzia  zu  Hippongx.  Zeitschr.  d. 
D.  Geol.  Ges.  44.  p.  557 — 561. 

— Lithiotis  problematica.  Ber.  Naturf.  Ges.  Freiburg.  4.  H.  3.  p.  65 
bis  80.  Taf.  2—4. 

— Über  Coralliochama.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  44.  p.  560. 

— Über  Rudisten  vom  Col  dei  Schiosi.  Ibid.  p.  561. 

— Über  den  Fußmuskeleindruck  bei  Pachgrisma.  Ber.  d.  Naturf.  Ges. 
Freiburg  i.  Br.  4.  p.  119 — 120. 

— Über  eine  Anomalie  im  Kelche  von  Millericrinus  mespiliformis. 
Zeitschi-,  d.  D.  Geol.  Ges.  43.  p.  741 — 743. 

1893.  Über  Cornucaprina.  Neues  Jahrb.  f.  Min.  etc.  II.  p.  129 — 130. 

— Über  fossile  Ophiuren.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  45.  p.  158 — 161. 

— Coelastarte  und  Heteropis.  Ber.  d.  Naturf.  Ges.  Freiburg  i.  Br.  7. 
H.  2.  p.  169—178.  Taf.  8. 

1895.  Beiträge  zur  Kenntnis  der  Kreide  in  den  Siidalpen  I.  Die  Schiosi- 
und  Calloneghe-Fauna.  Palaeontographica.  41.  p.  81 — 148.  Taf.  8 — 15. 

1896.  Tierfährten  im  Tertiär  des  badischen  Oberlandes.  Freib.  Univ.- 
Festprogr.  zum  70.  Geb.  S.  K.  H.  d.  Großli.  Friedrich,  p.  229—238. 
Mit  Tafel. 

— Über  Bihipparites.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  48.  p.  687—688. 

1897.  Geologische  Beobachtungen  zwischen  Badenweiler  und  Kandern. 
Ber.  d.  30.  Vers.  d.  Oberrhein.  Geol.  Yer.  zu  Mülhausen  i.  E. 

— Beitrag  zur  Gliederung  der  Kreide  in  den  Venetianer  Alpen. 
Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  49.  p.  160 — 181.  Taf.  4 — 6. 

— Geologische  Bemerkungen  aus  Transkaspien.  Ibid.  p.  696 — 697. 

1898.  Über  das  fossile  Trittpaar  im  Tertiär  des  badischen  Oberlandes. 
Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  50.  p.  204 — 206. 

— Über  Caprinidenkalke  aus  Mexiko.  Ibid.  p.  323  — 332. 

— Geologische  Beobachtungen  am  Lago  di  Santa  Croce.  Ibid.  p.  430 — 434. 


294 


Georg  Böhm  f. 


1898.  Zur  Kenntnis  der  Gattung  Joufia.  Ibid.  p.  591 — 592. 

— Mitteilungen  aus  dem  Aufnahmegebiete  des  Blattes  Kandern. 
Mitteil.  d.  Großh.  Bad.  Geol.  Landes-Anst.  3.  p.  667 — 687. 

1899.  Beiträge  zur  Kenntnis  mexikanischer  Caprinidenkalke  in:  Felix 
& Lenk.  Geologie  und  Paläontologie  von  Mexiko.  2.  No.  4.  Leipzig 
p.  143—154. 

— Aptien  und  Hauterivien  im  Kleinen  Balchan.  Zeitschr.  d.  D.  Geol. 
Ges.  51.  p.  335-340. 

— Über  einige  Fossilien  aus  Buchara.  Ibid.  p.  455— 470.  Taf.  29 — 30. 

1900.  Reisenotizen  aus  Neu-Seeland.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  52. 
p.  169—177. 

— Reisenotizen  aus  Ostasien.  Ibid.  p.  554 — 558. 

1901.  Aus  den  Molukken.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  53.  p.  4 — 10. 

1902.  Weiteres  aus  den  Molukken.  Ibid.  54.  p.  74—78. 

— Zur  venetianischen  Kreide.  Ibid.  p.  72 — 73. 

1903.  Eurydesma  und  Leiomyalina.  Dies.  Centralbl.  p.  296 — 300. 

— Geologische  Ergebnisse  einer  Reise  in  den  Molukken.  Compt. 
Rend.  d.  Congr.  Geol.  Intern.  9e  Sess.  Vienne,  p.  657—662. 

1904.  Über  tertiäre  Brachiopoden  von  Oamaru.  Südinsel  Neuseeland. 
Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  56.  Monatsber.  p.  146 — 150.  Taf.  15. 

1905.  Ein  Strudelkessel  im  Renggeri- Tone  von  Kandern.  Mitt.  d.  Großh. 
Bad.  Geol.  Landes-Anst.  5.  p.  35 — 38.  Taf.  2. 

1906.  Neues  aus  dem  Jndo- Australischen  Archipel.  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc. 
Beil.B.  XXII.  p.  385-412.  Mit  Karte. 

— - Zur  Stellung  von  Lithiotis.  Dies.  Centralbl.  p.  161 — 167. 

— Apicalhöhlung  bei  Ostrea  und  Lage  des  Muskeleindruckes  bei 
Lithiotis.  Ibid.  p.  458—461. 

1907.  Vorjurassische  Brachiopoden  von  Ambon.  — Jüngeres  Palaeozoicum 
von  Timor.  — Jura  von  Rotti,  Timor,  Babar  und  Buru.  N.  .Tahrb. 
f.  Min.  Beil.B.  XXV.  p.  293-343.  Taf.  9—13. 

1908.  Zur  Geologie  des  Indo-Australischen  Archipels.  Nachträge  I.  Dies. 
Centralbl.  p.  503 — 504. 

1909.  Über  Macrocephalites  und  die  Längen  seiner  Wohnkammer.  Dies. 
Centralbl.  p.  174 — 179. 

— Über  „Absoluti"  und  ihre  paläogeographische  Verwendbarkeit.  Ibid. 
p.  563—566. 

1910.  Zur  neuen  obertriadischen  Fauna  aus  den  Molukken.  Dies.  Cen- 
tralbl. p.  161 — 163. 

— Zur  Kenntnis  der  Südküste  von  Misöl.  Ibid.  p.  197 — 209,. 

Über  Korallenriffe.  Ibid.  p.  504. 

— Fossilien  aus  der  oberen  Trias  von  der  Südinsel  Neu-Seelands. 
Ibid.  p.  632—636. 

1911.  Posidonomya  Becheri  in  Niederländisch-Indien  ? Dies.  Centralbl. 
p.  350—352. 

— Grenzschichten  zwischen  Jura  und  Kreide  von  Kawhia  (Nordinsel 
Neu-Seelands).  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  I.  p.  1 — 24.  Taf.  1 — 2. 


H.  Ändert,  Inoceramus  inconstans  Woods  etc. 


295 


1912.  Unteres  Callovien  und  Coronatenschichten  zwischen  Mac  Cluer-Golf 
und  Geelvink-Bai,  „Nova  Guinea.“  4.  Abschn.  1.  Leiden,  p.  1—20. 
Taf.  1—5. 

1904.  Die  Südküsten  der  Sulainseln  Taliabu  und  Mangoli : 

1.  Abschnitt:  Grenzschichten  zwischen  Jura  und  Kreide,  p.  1 — 46. 
Taf.  1—7. 

1907.  2.  Abschnitt:  Der  Fundpunkt  am  oberen  Lagoi  auf  Taliabu.  p.  47 — 58. 
Taf.  8. 

1912.  3.  Abschnitt:  Oxford  des  Wai  Galo.  p.  59 — 120.  Taf.  9 — 31. 

— 4.  Abschnitt:  Unteres  Callovien.  p.  121 — 179.  Taf.  32 — 44. 

In : Beiträge  zur  Geologie  von  Niederländisch  Indien.  Suppl.  Palaeonto- 
graphica. 

Inoceramus  inconstans  Woods  und  verwandte  Arten. 

Von  Hermann  Ändert,  Ebersbach  i.  S. 

Mit  2 Textfiguren. 

(Schluß.) 

3.  Inoceramus  Schloenbachi  J.  Böhm. 

Diese  von  Goldfuss1  zuerst  als  I.  Cuvieri  Sowerby  beschrie- 
bene und  abgebildete  Art  hat  nach  J.  Böhm  2 ebenfalls  ihre  selb- 
ständige Stellung  zu  behalten.  Woods  hat  sie  in  die  Synonymen- 
liste  seines  I.  Lamarcki  Park.  3 aufgenommen , wohin  sie  ganz 
entschieden  nicht  gehört.  Ihrem  Wesen  nach  muß  sie  der  hier 
behandelten  Gruppe  zugeteilt  werden. 

Der  Flügel  besteht  in  einem  schmalen,  in  scharfer  Biegung 
abgesetzten  Bande.  Auch  der  Umriß  dieser  Art  bildet  ein  Fünfeck, 
das  sich  dem  Kreise  nähert  oder  auch  etwas  in  die  Länge  gezogen 
ist.  Die  Schale  ist  im  Jugendstadium  mit  groben,  kräftigen,  ent- 
fernt stehenden  Falten  bedeckt,  zwischen  denen  gewöhnlich  zwei 
bis  drei  schwächere  sichtbar  sind.  Während  des  späteren  Wachs- 
tums, nach  der  Umbiegung  der  Schale  nach  innen,  besteht  die 
Verzierung  aus  mehr  gleichmäßigen  schwächeren  bis  schwachen 
Bippen.  Die  Abbildung  Taf.  2 Fig.  2 in  meiner  Abhandlung4 
gibt  ebenfalls  eine  gute  Darstellung  der  Berippung  im  ersten 
Wachstum.  Woods5  hält  mein  Stück  für  eine  flache  Form  des 
I.  inconstans  Woods.  Wenn  auch  das  Dickenwachstum  in  der  Ab- 
bildung nicht  ersichtlich  ist,  so  weist  es  doch  der  Text  p.  44  nach. 
Die  Anwachsstreifen  erscheinen  bei  der  Art  sehr  verschwommen 
oder  sind  nicht  sichtbar. 

1 A.  Goldfuss,  Petrefacta  Germiniae.  Düsseldorf  1834 — 40.  II.  p.  114 
Taf.  111  Fig.  1. 

5 Joh.  Böhm,  a.  a.  0.  p.  403. 

3 Woods,  Monograph,  a.  a.  0.  p.  308. 

4 Ändert,  a.  a.  0. 

s Woods,  Monograph,  a.  a.  0.  p.  288.  Anmerkung  2. 


296 


H.  Ändert, 


Die  Art  charakterisiert  die  Zone  des  I.  Schloenbaclii  in  Deutsch- 
land. Unter  den  von  Woods  aufgeführten  Formen  vermag  icli  sie 
nicht  zu  erkennen. 

4.  Ino  ceramus  Schloenbaclii  var.  cripsioides  Elbert. 

Textfig.  1 und  2. 

Der  Freundlichkeit  von  Herrn  Professor  J.  Böhm  verdanke 
ich  einen  Gipsabguß  des  Originals  von  Elbert1.  Die  seither  als 
I.  Cuvieri  var.  cripsioides  Elbert  geführte  Varietät  dürfte  wohl 
nunmehr  an  I.  Sclüoenbaclü  anzugliedern  sein.  Der  Umriß  hat  die 


Fig.  1.  Inoceramus  Schloenbaclii  var.  cripsioides  Elbert. 
Original  von  Elbert,  nach  einem  Gipsabguß  an  der  Künigl.  Geologischen 
Landesanstalt  Berlin. 

Rechte  Klappe,  Seitenansicht.  Natürliche  Größe. 

Form  eines  Rechtecks,  Unter-  und  Hinterrand  sind  schwach  konvex. 
Die  Schalenverzierung  besteht  an  dem  Original  im  ersten  Wachs- 
tum aus  nicht  allzu  kräftigen  Rippen,  die  fast  regelmäßig  durch 
eine  Mittelfurche  geteilt  sind.  Feinere  Anwachsstreifen  sind  nicht 
sichtbar.  Die  Rippen  biegen  vom  Unter-  zum  Hinterrande  in  einer 
deutlichen  Ecke  um.  Nach  dem  Umbiegen  der  Schale  nach  innen 
im  späteren  Wachstum  behalten  die  Rippen  die  gleiche  Ausbildung, 
sind  aber  weniger  kräftig.  Die  Ausfüllung  des  Steinkernes  besitzt 
an  dieser  Stelle  nur  schwache  Falten.  Der  Flügel  ist  au  dem  von 
mir  vom  Hochwald 2 mit  dieser  Varietät  identifizierten  schlecht 

1 Elbert,  a.  a.  0.  p.  111. 

2 Ändert,  a.  a.  0.  p.  46. 


Inoceramus  inconstans  Woods  und  verwandte  Arten. 


297 


erhaltenen  Stücke  schmal  und  scharf  abgesetzt,  an  dem  Gipsabguß 
des  ELBERT’schen  Originals  ist  die  Beobachtung  des  Fliigelansatzes 


Fig.  2.  Inoceramus  Schloenbachi  var.  cripsioides  Elbert. 
Original  von  Elbert,  nach  einem  Gipsabguß  an  der  Königl.  Geologischen 
Landesanstalt  Berlin. 

Rechte  Klappe  von  vorn.  Natürliche  Größe. 

nicht  möglich  (fehlt?).  Mein  Exemplar  hat  sich  in  der  Zone  des 
I.  Schloenbachi  gefunden.  Das  Original  von  Elbert  stammt  aus 
dem  Breviporuspläner  von  Halle  i.  W. 

5.  Inoceramus  crassus  Petrascheck. 

Diese  Art,  die  in  meiner  Schrift 1 eingehend  behandelt  worden 
ist,  schließt  sich  ebenfalls  hier  an.  Sie  ist  stark  nach  hinten  aus- 
gezogen, im  Grundriß  rechteckig,  Vorder-  und  Unterrand  schwach 
konvex , Hinterrand  gegen  den  Flügel  stark  eingezogen.  Der 
Flügel  ist  schmal,  bei  der  verschiedenartigen  Wölbung  der  Exem- 
plare teils  wenig,  teils  schärfer  abgesetzt.  Die  Schale  ist  im 
Jugendstadium  mit  gut  ausgeprägten , engen  und  regelmäßigen 
Rippen  und  Falten  bedeckt,  die  später  immer  kräftiger  und  ent- 
fernter voneinander  auftreten  und  sogar  scharfe  Kämme  bilden. 
Auf  dem  nach  innen  gebogenen  Schalenstück  fehlen  Rippen  und 
Falten  fast  vollständig  und  sind  da,  wo  sie  auftreten,  nur  schwach 
angedeutet. 

Textfig.  45  auf  p.  287  bei  Woods2  gehört  ebenfalls  dieser 
Art  an  und  ist  von  ihm  zu  I.  inconstans  Woods  gezogen.  Das 
Stück  stellt  ein  kleineres,  mäßig  nach  hinten  ausgezogenes  Schalen- 
exemplar dar.  Der  mir  von  diesem  vorliegende  Gipsabguß  zeigt 
deutliche  Anwachsstreifen.  Die  Schale  ist  gemäß  diesem  Stück  in 
der  Flügelpartie  nicht  außerordentlich  dick,  was  in  meiner 
erwähnten  Abhandlung  zu  berichtigen  wäre. 


1 Ändert,  a.  a.  0.  p.  46.  Taf.  3 Fig.  4;  Taf.  6 Fig.  1,  2. 

2 Woods,  Monograph,  a.  a.  0. 


298 


H.  Ändert, 


Die  Art  findet  sich  besonders  im  Emscher  von  Kreibitz  und 
Innozenzendorf  in  Nordböhmen,  erscheint  aber  im  Kreibitzer  Tale 
auch  schon  in  der  obersten  Scaphitenzone  und  in  der  Zone  des 
I.  Schloenbaclii  in  einzelnen  Exemplaren.  Wahrscheinlich  schließt 
sie  ohne  Zwischenglied  an  I.  labiatus  var.  latus  Soav.  an. 

6.  I noc  er  amu  s Weiset  Ändert. 

Auch  diese  Art  hat  von  mir  bereits  eine  ergiebige  Behand- 
lung erfahren1.  In  der  Form  erscheint  sie  als  unregelmäßiges 
Vier-  bis  Fünfeck,  das  eine  ausgeprägte  schnauzenförmige  Ver- 
längerung nach  vorn  besitzt.  Sie  unterscheidet  sich  hierdurch  von 
allen  anderen  Arten.  Der  Flügel  ist  schmal  und  abgesetzt.  Die 
Verzierung  der  Schale  im  Jugendstadium  gleicht  vollständig  der 
des  I.  inconstans  A'ar.  planus  Elbert,  und  zwar  besteht  sie  aus 
engen,  kräftigen  und  regelmäßigen  Rippen.  Die  Ausdehnung  der 
ersten  Wachstumsrichtung  ist  jedoch  geringer  als  die  der  späteren, 
was  die  Art  ebenfalls  gut  unterscheidet.  Im  späteren  Wachstum 
nach  dem  Umbiegen  der  Schale  ist  letztere  von  unregelmäßigen, 
teils  kräftigen  bis  kammförmigen  Falten  bedeckt  und  besitzt  gegen 
den  Unterrand  eine  kielförmige  Einschnürung. 

Die  Art  ist  bisher  nur  im  Emscher  des  Kreibitz-Zittauer 
Sandsteingebirges  in  einer  Anzahl  Steinkerue  gefunden  worden. 

7.  Inoceramus  Walter sd orfensis  Ändert. 

Diese  von  mir  vom  Sonnenberg  bei  Waltersdorf  i.  Sa.  be- 
schriebene Art 2 ist  auch  dieser  Gruppe  zuzurechnen.  Der  Umriß 
ist  quadratisch  bis  rhombisch,  Vorder-,  Unter-  und  Hinterrand  sind 
gerundet.  Der  Rücken  der  Schale  dacht  sich  allmählich  zu  dem 
kleinen  Flügel  ab.  Im  ersten  Wachstum  ist  die  Schale  nur  mit 
schwach-rippeuartigen  An  wachsstreifen  verziert,  Falten  fehlen  voll- 
ständig oder  es  sind  eine  oder  zwei  derselben  schwach  angedeutet. 
Nach  dem  Umbiegen  der  Schale  nach  innen  im  späteren  Alter 
gewahrt  man  auf  dem  Steinkern  mehr  oder  Aveniger  unregelmäßige 
flache  Falten.  Sie  können  aber  auch  fast  A'ollständig  fehlen.  In 
meiner  zitierten  Abhandlung  muß  es  im  Text  heißen,  daß  Fig.  5 
die  Charaktere  am  besten  Aviedergibt,  Avährend  Fig.  2 Aveniger  gut 
gelungen  ist.  An  Fig.  2 ist  der  Vorderrand  bei  der  Reproduktion 
abgeschnitten  Avorden.  Auch  die  nachgetuschte  Zeichnung  der 
Oberflächenverzierung  entspricht  nicht  der  Wirklichkeit. 

Die  Art  ist  nur  in  Avenigen  Exemplaren  im  Emscher  des 
Kreibitz-Zittauer  Sandsteingebirges,  und  ZAvar  bei  Waltersdorf  i.  Sa. 
gefunden  Avorden.  Im  letzten  Sommer  habe  ich  Avieder  ZAvei  neue 
Stücke  erhalten. 

1 Ändert,  a.  a.  0.  p.  47.  Taf.  4 Fig.  2 und  3:  Taf.  6 Fig.  3. 

2 Ändert,  a.  a.  0.  p.  53.  Taf.  5 Fig.  5. 


Inoceramus  latus  Mantell  Ändert  : Inoceramen  des  IV  4 43  (11):  — Inoceramus  inconstans  Woods.  283 

Kreibitz-Zittauer  Sand-  ! z.  Teil  j 


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300 


H.  Ändert, 


Tabelle  II. 


Name 

Form 

Flügel 

No.  1 
Seite  282 

Inoeeramus  inconstans 
Woods 

fünfeckig  kreisförmig 

vorhanden,  nicht 
abgesetzt 

No.  2 
Seite  284 

Inoeeramus  inconstans 
var.  planus  Elbert 

fünfeckig  kreisförmig 

fehlend  (?)  oder 
schmaler  Band 

No.  3 
Seite  295 

Inoeeramus  Schloen- 
bachi  J.  Böhm 

fünfeckig , kreisförmig 
bis  etwas  in  die  Länge 
gezogen 

schmal,  abgesetzt 

No.  4 
Seite  296 

In  ocera  m us  Sch  loen- 
bachi  var.  cripsioides 
Elbert 

rechteckig,  Unter-  und 
Hinterrand  schwach 
konvex 

schmal,  (abge- 

setzt ?) 

No.  5 
Seite  297 

Inoeeramus  crassus 
Petrascheck 

rechteckig,  stark  nach 
hinten  ausgezogen , 
Vorder-  und  Unter- 
rand schwach  konvex, 
Hinterrand  gegen  den 
Flügel  stark  einge- 
zogen 

schmal,  teils  we- 
niger, teils  schär- 
fer ahgesetzt 

No.  6 
Seite  298 

Inoeeramus  Weisei 
Ändert 

unregelmäßiges  Vier-  bis 
Fünfeck , nach  vorn 
schnauzenförmig  ver- 
längert 

schmal,  abgesetzt 

No.  7 
Seite  299 

Inoeeramus  Walters- 
dorf ensis  Ändert 

quadratisch  bis  rhom- 
bisch, Vorder-,  Unter- 
u.Hinterrand  gerundet 

vorhanden,  nicht 
ahgesetzt 

No.  8 
Seite  303 

Inoeeramus  balticus 
J.  Böhm 

rechteckig  gerundet , 

stark  nach  hinten  aus- 
gezogen 

fehlend  oder  nur 
schwach  ange- 
deutet 

Inoceramus  inconstans  Woods  und  verwandte  Arten. 


301 


Tabelle  TI. 


Verzierung 

in  der  ersten  Wachstumsrichtung  in  der  späteren  Wachstums- 


(Jugend) 

richtung 

flachwellige,  annähernd  regelmäßige  Falten, 
deutliche  Anwachsstreifen 

Falten  unregelmäßig  bis  fehlend. 
Anwachsstreifen  bei  den  älteren 
Formen  wenig  deutlich 

regelmäßige,  genähert  bis  enge,  kräftige 
Rippen 

einige  unregelmäßige  schwache 
Falten 

grobe,  kräftige,  entfernt  stehende  Falten, 
zwischen  denen  gewöhnlich  2 — 3 schwä- 
chere Rippen  sichtbar  sind.  Anwachs- 
streifen sehr  undeutlich 

gleichmäßigere,  schwächere  bis 
schwache  Rippen 

schmale,  nicht  allzu  kräftige  Rippen,  meist 
durch  eine  Mittelfurche  geteilt 

wie  in  der  Jugend,  aber  weniger 
kräftig 

Rippen  deutlich , zuerst  eng  und  regel- 
mäßig, später  immer  kräftiger  bis  kamm- 
förmig und  entfernter  voneinander,  auf 
dem  Flügel  fast  verschwindend , vom 
Unter-  zum  Hinterrand  eckig  umbiegend. 
Anwachsstreifen  sichtbar 

Falten  fehlen  fast  ganz,  einzelne 
schwache  Rippen  zuweilen  vor- 
handen, ziemlich  glatt 

Rippen  deutlich,  eng,  regelmäßig.  Jugend- 
wachstum von  geringerer  Ausdehnung 
als  der  im  späteren  Wachstum 

Falten  zahlreich  vorhanden,  un- 
regelmäßig, teils  kräftig  bis 
kammförmig,  gegen  den  Unter- 
rand eine  Einschnürung  der 
Schale  vorhanden 

Anwachsstreifen  schwachrippenartig,  Falten 
fehlend  oder  nur  eine  oder  zwei  schwach 
angedeutet 

unregelmäßige  Falten  vorhanden 
oder  fehlend 

starke  kräftige  Rippen,  bis  an  die  Band- 
grubenleiste reichend,  vom  Unter-  zum 
Hinterrande  in  rundem  Bogen  umbiegend 

Falten  fehlen  fast  vollständig, 
meist  glatt 

302 


H.  Ändert,  Inoceramus  inconstans  Woods  etc. 


Tabelle  111. 


Name 

Auftreten 

Typus 

No.  1 
Seite  282 

Inoceramus  inconstans 
Woods. 

obere  Scaphitenzone, 
Zone  des  Inocera- 
mus Schloenbachi, 
unterster  Emscher  ? 

Woods  Monograph : 
Texttig.  39.  42,  43,  46 
Taf.  51  Fig.  1,  2 

No.  2 
Seite  284 

Inoceramus  inconstans 
var.  planus  Elbf.rt 

Zone  des  Inoceramus 
Schloenbachi 

Ändert,  Inoc.  Kreibitz 
Zitt.  Sandsteingeb.: 
Taf.  1 Fig.  2,  Taf.  ' 
Fig.  8 

Woods,  Monograph : 
Texttig.  44 

No.  3 
Seite  295 

Inoceramus  Schloen- 
bachi J.  Böhm 

Zone  des  Inoceramus 
Schloenbachi 

Goldfubs,  Petr.  Germ. 

Taf.  111  Fig.  1 
Ändert,  Inoc.  Kreibitz 
Zitt.  Sandsteingeb. : 
Taf.  2 Fig.  2 

No.  4 
Seite  296 

Inoceramus  Schloen- 
bachi  var.  cripsioides 
Elbert 

Zone  des  Inoceramus 
Schloenbachi , Bre- 
ciporus-P\ä,r\er 

Texttig.  1.  p.  296 
2.  p.  297 

No.  5 
Seite  297 

Inoceramus  crassus 
Petrascheck 

oberste  Scaphiten- 
zone, Zone  des  Ino- 
ceramus Schloen- 
bachi, Emscher 

Ändert,  Inoc.  Kreibitz 
Zitt.  Sandsteingeb.: 
Taf.  3 Fig.  4, 

Taf.  6 Fig.  1,  2 
Woods,  Monograph: 
Texttig.  45 

No.  6 
Seite  298 

Inoceramus  Weisei 
Ändert 

Emscher 

Ändert,  Inoc.  Kreibitz 
Zitt.  Sandsteingeb. : 
Taf.  4 Fig.  2,  3, 

Taf.  6 Fig.  3 

No.  7 
Seite  299 

i Inoceramus  Walters- 
dorfensis  Ändert 

Emscher 

Ändert,  Inoc.  Kreibitz 
Zitt,  Sandsteingeb. : 
Taf.  5 Fig.  5 

No.  8 
Seite  303 

Inoceramus  balticus 
.T.  Böhm 

im  Senon  weit  ver- 
breitet 

J.  Böhm,  subhercyne 
Kreidemulde : 

Taf.  11  Fig.  2, 
Taf.  12  Fig.  1 

Woods,  Monograph : 
Texttig.  51 — 53 


Fr.  Heritsch,  Melongena  Deschmanni  R.  Hoernes  etc. 


303 


8.  Inoccr a m u s balticus  J.  Böhm. 

Dieser  von  ,T.  Böhm 1 und  Woods  2 gut  beschriebenen  Art 
vermag  ich,  da  mir  Vergleichsmaterial  fehlt,  nichts  hinzuzufügen. 
Der  Umriß  ist  rechteckig  gerundet,  die  Muschel  stark  nach  hinten 
ausgezogen.  Ein  Flügel  fehlt  vollständig  oder  ist  nur  ganz  schwach 
angedeutet.  Starke  kräftige  Rippen  mit  breiten  Zwischenräumen 
bedecken  die  Schale  im  Jugendstadium.  Sie  reichen  bis  an  die 
Bandgrubenleiste  hinauf  und  biegen  vom  Unter-  zum  Hinterrande 
in  einem  runden  Bogen  um,  im  Gegensatz  zu  I.  crassus  Petkascheck, 
da  sie  auf  dem  Flügel  fast  verschwinden  und  vom  Unter-  zum 
Hinterrande  eine  deutliche  Ecke  bilden 1 *  3.  Nach  dem  Umbiegen  der 
Schale  nach  innen  ist  diese  meist  glatt  und  zeigt  nur  selten  An- 
deutungen von  schwachen  Falten. 

Die  Art  ist  im  Senon  weit  verbreitet. 

Die  Bezeichnung  der  Inoceramen  in  meiner  mehrfach  zitierten 
Schrift  über  die  Inoceramen  des  Kreibitz-Zittauer  Sandsteingebirges 
sowie  in  der  Monographie  von  Woods  erleidet  somit  die  Verände- 
rungen, wie  sie  in  Tabelle  I noch  einmal  übersichtlich  zusammen- 
gestellt sind. 

Für  die  Unterscheidung  der  Arten  und  Varietäten  möge  Ta- 
belle II  eine  Gegenüberstellung  bieten.  Eine  Entwicklungstabelle 
derselben  ließe  sich  nach  verschiedenen  Gesichtspunkten  hin  ver- 
schieden aufstellen  und  soll  deshalb  fortbleiben.  Schließlich  soll 
noch  Tabelle  III  einer  schnellen  Orientierung  über  Lager  und 
Literatur  der  hier  behandelten  Arten  dienen. 


Melongena  Deschmanni  R.  Hoernes  — Melongena  Rotkyana 

J.  Knett. 

Von  Dr.  Franz  Heritsch  (Graz). 

In  den  Beiträgen  zur  Paläontologie  und  Geologie  Österreich- 
Ungarns  und  des  Orients,  25.  1912.  Heft  II  u.  III,  beschreibt 
.1.  Knett  eine  neue  Melongena  als  Melongena  Rotkyana.  Es  ist 
festzustellen,  daß  diese  in  jeder  Beziehung  mit  der  von  R.  Hoernes 
als  Melongena  Deschmanni  (Sitzungsberichte  der  Kais.  Akademie  der 
Wissenschaften  in  Wien,  Mathematisch-naturwissenschaftliche  Klasse, 
115.  Abt.  I.  1906)  beschriebenen  und  abgebildeten  Form  iiberein- 

1 J.  Böhm,  Geologie  und  Paläontologie  der  subhercynen  Kreidemulde. 
Abhandl.  d.  kgl.  preuß.  geol.  L.-A.  Neue  Folge.  Heft  56.  p.  47.  Taf.  11 
Fig.  2 ; Taf.  12  Fig.  1. 

5 Woods,  a.  a.  0,  Monograph.  p.  293.  Textfig.  51  — 53. 

3 Woods,  a.  a.  0.  Monograph,  p.  296.  Anmerkung  2,  vereinigt  der 
Autor  beide  Arten. 


304 


H.  Baumhauer. 


stimmt.  Der  Fundort  der  von  J.  Knett  irrtümlich  als  neu  be- 
schriebenen Melongena  wird  von  diesem  Autor  als  fraglich  (Maljek- 
graben  beiPreska,  nordwestlich  von  Laibach)  bezeichnet.  R.  Hoernes 
hat  festgestellt , daß  die  Melongena  von  Soteska , nördlich  von 
Moräutsch,  herstammt,  und  zwar  aus  aquitanisclien  Schichten.  Be- 
züglich des  Vergleiches  von  Melongena  Deschmanni  mit  den  anderen 
Formen  sei  auf  R.  Hoernes  Abhandlung  hingewiesen.  Es  ist 
klar,  daß  weiterhin  von  einer  Melongena  liotky aua 
J.  Knett  nicht  mehr  die  Rede  sein  kann. 


Ueber  die  goniometrischen  Verhältnisse,  Aetzerscheinungen 
und  Symmetrie  des  Natroliths. 

Von  H.  Baumhauer  in  Freiburg  (Schweiz). 

Mit  7 Textfiguren. 

a)  Vizinalflächen.  Für  den  rhombischen  Natrolith  wurden 
von  einer  Reihe  von  Forschern  (Cf.  Rose,  Haidinger,  v.  Lang, 
Seligmann,  Brögger,  Palla,  Gonnard,  Artini,  Negri  u.  a.) 
ziemlich  abweichende  Fundamentalwerte  bezw.  Achsen  Verhältnisse 
angegeben,  deren  Zusammenstellung  nach  den  verschiedenen  Fund- 
orten in  Hintze’s  Handbuch  der  Mineralogie  zu  finden  ist.  Hintze 
bemerkt  mit  Recht,  daß  die  Kristallwinkel  des  Natroliths  nicht 
nur  bei  verschiedenen  Vorkommen,  sondern  auch  bei  verschiedenen 
Typen  desselben  Vorkommens  verschieden  seien.  Dabei  führt  er 
als  im  allgemeinen  anzunehmendes  Achsenverhältnis  das  von 
Brögger  an  wahrscheinlich  von  Arö  stammenden  Kristallen  ermittelte 
an:  a : b : c = 0,97852  : 1 : 0,35362  , entsprechend  (111) : (1T1) 

= 36°47|',  (111):  (1 11)  = 37“  37f',  (110) : (HO)  = 88°  45^'. 
Die  betreffenden  Kristalle,  wie  auch  solche  von  Salesl  und  aus 
der  Auvergne,  weisen  nun  außer  {lll}  eine  oder  mehrere  dazu 
vizinale  Pyramiden  auf.  Solche  vizinale  Formen  wurden  nament- 
lich von  Brögger,  Palla,  Negri  und  Gonnard  beobachtet ; es 
werden  angeführt:  (li.10.ll),  {21.20.21),  (31.31.30), 

(44 . 40 . 43),  (27  . 25 . 27),  {40 . 40 . 39).  Ihr  Auftreten  ist  wohl 
die  Ursache,  weshalb  für  den  Natrolith  abweichende  Achsen  Ver- 
hältnisse angegeben  werden;  zuweilen  stimmen  auch  die  berechneten 
Winkelwerte  mit  den  beobachteten  nur  mangelhaft  überein.  Ja, 
es  kann  zweifelhaft  erscheinen,  ob  in  der  Regel  die  eigentlichen 
Flächen  von  (lll)  zur  Messung  gelangten  und  nicht  vielmehr 
solche,  welche  als  vizinale  zur  Grundform  zu  betrachten  sind. 
Oft  weicht  der  aus  den  Polkanten  winkeln  von  {lll)  berechnete 
Prismenwinkel  ziemlich  von  dem  beobachteten  ab.  Eine  gute 
Übereinstimmung  zwischen  Messung  und  Rechnung  fand  jedoch 
Negri  (Zeitschr.  f.  Krist.  20.  p.  629)  für  Kristalle  vom  Monte 
Baldo  (Tirol ) : 


lieber  die  goniometrischen  Verhältnisse  etc. 


305 


beob. 

36°  43' 

37  28  40" 
53  28  40 
88  54  42 


ber. 

36u  44'  4" 
37  28  2 
53  28  44 
88  54  28 


(111):  (111)  • 

(111) : (TU)  . 

(111):  (III)  . 

(110):  (110)  . 

Hieraus  folgt  a:  b : c = 0,981 118:1:  0,352837.  Die Polyedrie 
bezw.  die  Vizinalflächen  auf  { 1 1 1 } und  (110}  der  Kristalle  von 
Salcedo  (Italien)  sucht  Negri  durch  Zwillingsbildung  nach  (110} 
zu  erklären.  Ich  selbst  untersuchte  zunächst  goniometrisch  eine 
Reihe  von  ca.  3 — 10  mm  langen,  wasserhellen  Natrolitlikristallen 
aus  der  Auvergne  (Pu3r  de  Marman),  welche  einer  einzigen  schönen 
Stufe  entnommen  waren  und  sich  durch  gute  Beschaffenheit  der 
Pyramideuflächen  auszeichnen,  ferner  ein  paar  Kristalle  von  anderen 
Handstiicken,  aber  vom  nämlichen  Fundorte.  Weitere,  mir  zur 
Verfügung  stehende  Kristalle  gleicher  Herkunft,  sowie  von  Salesl, 
vom  Neubauerberg  bei  Bühmisch-Leipa,  von  Moß  in  Norwegen, 
Bergen  Hill  N.  J.,  Cape  Blomidon  Kings  Co.  Nova  Scotia  eigneten 
sich  leider  nicht  zu  genaueren  Messungen  h Bei  der  goniometrischen 
"Untersuchung  der  Kristalle  war  es  nicht  meine  Absicht,  die  ver- 
schiedenen von  anderen  Forschern  angegebenen  vizinalen  Pyramiden 
auf  ihre  Realität  zu  prüfen  oder  eventuell  neue  zu  ermitteln, 
sondern  Einsicht  in  die  allgemeine  Entwicklung  solcher  Flächen 
zu  gewinnen.  Dabei  zeigte  sich  nun,  daß  die  Flächen  der  Grund- 
pyramide ( 1 1 1 } im  allgemeinen  in  je  drei  Felder  zerfallen,  welche 
mehr  oder  weniger  von  der  Lage 
der  Grundform  ab  weichen,  so-  so- 

weit man  von  einer  solchen 
Grundform  als  wirklich  existie- 
rend sprechen  kann.  Denn  ich 
selbst  fand  niemals  Flächen, 
welche  nach  den  erhaltenen 
Winkelwerteu  unzweifelhaft  & 

ihren  Charakter  als  solche  der 
Grundform  zu  erkennen  gaben. 

Fig.  1 (schematisch)  zeigt  als 
Ergebnis  meiner  Beobachtungen 
eine  Projektion  der  vier,  im 
ganzen  als  (111),  (111),  (111) 
und  (1  11)  zu  deutenden  Flächen 
mit  ihrer  Teilung  in  je  drei 

Felder,  welche  miteinander  sehr  stumpfe  ausspringende  Winkel 
bilden;  dieselben  sind  mit  Xj — x4,  p, — p4  und  y, — y4  bezeichnet, 
in, — m4  sind  die  anstoßenden  Flächen  von  (llt»J,  a,  und  a2  die 


1 Für  freundliche  Überlassung  von  Material  zu  nachstehenden 
goniometrischen  Studien  und  zur  Beobachtung  der  Ätzerscheinungen  bin 
ich  den  Herren  v.  Groth  und  Seligmanx  zu  Dank  verpflichtet. 

Centralhlatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  20 


306 


H.  Baumhauer, 


von  (100),  bj  und  b2  von  {010}.  Do,ch  wurde  niemals  die 
vollständige  polyedrische  Entwicklung,  wie  Fig.  1 sie  darstellt, 
in  allen  vier  Oktanten  zugleich  beobachtet  (die  Kristalle  waren 
zudem  immer  nur  an  einem  Ende  frei  ausgebildet).  Häufig 
fand  ich  die  Dreiteilung  auf  drei  Pyramidenflächen,  dann  waren 
aber  auf  der  vierten  nur  zwei  Teile,  wohl  x und  p entsprechend, 
zu  erkennen,  oder  die  vierte  Fläche  war  nur  winzig  klein  und 
ließ,  vielleicht  infolgedessen,  eine  Knickung  überhaupt  nicht  wahr- 
nehmen. Insgesamt  aber  führen  meine  Beobachtungen  zu  dem 
Resultat,  daß  im  vollkommensten  Falle  im  ganzeu  zwölf  (zu  je 
vier  gleichartige)  Vizinalflächen  vorhanden  sind;  andernfalls  sind 
dieselben,  soweit  man  dies  sagen  darf,  zufällig  nicht  alle  deutlich 
ausgebildet '.  Die  goniometrisclie  Untersuchung  von  sieben,  der 
zuerst  erwähnten  Stufe  entnommenen  Kristallen  ergab  folgendes. 

1>.  Der  Winkel  Pj  : p2  (resp.  p3  : p4)  schwankt  nur  innerhalb 
r-elativ  enger  Grenzen,  nämlich  zwischen  36°48|'  und  36°  56'; 
die  zuverlässigsten  Werte  bewegten  sich  sogar  nur  zwischen 
36  0 48|'  und  36  0 52'  (Mittelwert  36  0 50J').  Desgleichen  schwanken 
die  Werte  für  p2 : p3  (resp.  p,  : p4)  nur  sehr  wenig,  im  ganzen 
zwischen  37 0 23  *'  und  37°28',  die  besten  zwischen  37° 26|' 
und  28'  (Mittel  37°  27').  Der  Winkel  m,  : m2,  an  Spaltflächen 
bestimmt,  wurde  an  drei  Kristallen  zu  88°  53'  — 58',  im  Mittel 
zu  88°55|'  gefunden.  Letzterer  Wert  stimmt  gut  mit  dem  oben 
angeführten  von  Negri,  nicht  so  gut  hingegen  mit  dem  aus  dem 
BRÖGGER’schen  Achsenverhältnis  berechneten  überein;  Brögger 
gibt  aber  zugleich  an,  diesen  Winkel  an  mehreren  Spaltungs- 
prismen eines  großen  Kristalls  übereinstimmend  zu  88°  50'  50" 
gefunden  zu  haben.  Der  brachydiagonale  Winkel  des  zu  p als 
Grundpyramide  gehörenden  vertikalen  Prismas  berechnet  sich  aber 
aus  obigen  Mittelwerten  36°  50|'  und  37°  27'  zu  89°  5f',  also 
um  etwa  10'  zu  groß  gegenüber  dem  für  {l  10}  gefundenen  Werte 
88°  55-2-'.  Hieraus  ist  zu  schließen,  daß  die  an  meinen  Kristallen 
auftretenden  Flächen  p in  Wirklichkeit  nicht  die  Grundform  { 1 1 1 } 
darstellen,  vielmehr  einer  dieser  Form  sehr  nahestehenden  vizinalen 
Pyramide  angehören.  Eine  Verkleinerung  des  Winkels  p,  : p2  und 
eine  Vergrößerung  von  p2 : p3  um  wenige,  etwa  nur  drei  Minuten 
würde  zur  vollkommenen  Übereinstimmung  zwischen  dem  hieraus 
berechneten  und  dem  beobachteten  Prismenwinkel  führen.  Als 
kleinsten  Wert  für  pt : p2  erhielt  ich  einmal  (an  Kristall  V)  36°  48|' 
und  (an  einem  anderen  Kristall,  VI)  als  größten  für  p., : p3  37  ° 28', 

1 Wie  ich  nachträglich  sah,  wies  F.  Gonnard  in  einer  jüngsten  Ab- 
handlung (Bull.  soc.  min.  Paris  1910.  33.  p.  280)  schon  auf  diesen  Flächen- 
bau der  Kristalle  von  Marman  hin : „j’ai  mesurö  de  nouveau,  sur  de  petits 
cristaux  tres  miroitants,  les  angles  des  trois  faces  (40.40.39),  (111) 
et  (11  . 10.  11),  dont  la  reunion  constitue,  sur  chaque  quart  de  la  section 
perpendiculaire  ä l axe  principal,  une  pyrainide  tres  surbaissee.“ 


Ueber  die  goniometrisclien  Verhältnisse  etc. 


307 


woraus  sich  für  den  Prismenwinkel  nur  mehr  89°  1^'  berechnet. 
Dennoch  glaube  ich  daran  festhalten  zu  müssen,  daß  die  in  Rede 
stehenden  P}rramidenflächen  p hier  nur  als  sehr  nahe  vizinale  zur 
eigentlichen  Grundpyramide  zu  betrachten  sind1. 

x.  Je  zwei  Flächen  x, , x2  bezw.  x3,  x4  liegen  mit  den  beiden 
an  sie  anstoßenden  p4,  p2  bezw.  p3,  p4  mehr  oder  weniger  genau 
oder  doch  annähernd  in  einer  Zone.  Für  x,  : x2  (oder  x3 : x4) 
wurden  Werte  von  34°  16'  bis  34°47A'  gefunden.  Die  zuver- 
lässigsten Zahlen  schwanken  zwischen  34°  17^'  und  47^'.  Diese 
großen  Differenzen  erlauben  es  nicht,  einfach  einen  Mittelwert  als 
im  allgemeinen  gültig  anzunehmen,  denn  sie  sind  darauf  zurück- 
zuführen , daß  die  Neigungen  x,  : p,  und  x2  : p2 , ebenso  x3  : p3 
und  x4  : p4  nicht,  wie  es  die  rhombische  Symmetrie  verlangt,  stets 
einander  gleich  sind.  So  wurden  z.  B.  folgende  Winkel  gefunden : 

Kristall  II  . . x,  : p,  = 1°  184';  x, : p,  = 1°  21'  ; x .:  x,  = 34°  17p 

. V.  . x,':pP;  = l 2IU:p!  = 1 Bel 

„ VI  . . x,  : Pj  = 0 50| ; x2  : p,  = 1 13f ; x,  : x2  = 34  474 

„ X . . xt  : p,  = 1 2\  ; x2  : p,  = 1 12f ; x,  : x2  = 34  364 

Im  ganzen  schwanken  die  hier  erhaltenen  Werte  x : p zwischen 
0°  50^'  und  1 0 28'.  Setzt  man  sowohl  x,  : p,  als  auch  x2 : p2 
gleich  diesen  beiden  Werten,  so  würden  für  x,  : x2  (unter  Zugrunde- 
legung des  obigen  Mittelwertes  für  p,  : p2  = 36u50|')  folgen  die 
Winkel  35°  10'  und  33°  5444.  Die  Flächen  x würden  nach  dem 
Gesagten  mehr  oder  weniger  genau  solche  von  Makropyramiden 
Pn  {h  1 li}  sein,  deren  Symbol  indes  von  Kristall  zu  Kristall  wechseln 
kann,  wie  es  bei  vizinalen  Formen  zu  erwarten  ist.  Dabei  schwanken 
andererseits  die  makrodiagonalen  Polkantenwinkel  x4 : x4  und  x2  : x3 
bei  verschiedenen  Kristallen  nur  innei’halb  sehr  enger  Grenzen. 
Ich  fand  in  sechs  Fällen  Werte  von  37°  49' — 51^',  bei  den  besten 
Messungen  nur  solche  zwischen  37°  49^'  und  50^'.  Von  mehreren 
Forschern  sind  diesen  Flächen  bestimmte  Symbole  beigelegt 
woi’den.  So  wird  insbesondere  {l  1 . 10 . 11}  P-j^  mehrfach  an- 
gegeben, wie  von  Preis  und  Vrba2  (Kuchelbad  bei  Prag);  Negri3 
(Monte  Baldo,  (1 1 1)  : (l  1 . 10 . 1 1)  = 1 0 27^',  berechnet  nach 
obigem  Achsenverhältnis  zu  1°34/),  Gonnard4  (Puy  de  Marman, 
(1 1 . 10 . 11)  : (11  : 1Ö  . 11)  = 33 0 43' , berechnet  aus  a:b:c 
= 0,98270: 1 : 0,35201  zu  33°  32',  (1 1 1)  : (1 1 . 10 . 1 1)  = 1°37',  be- 

1 Palla  bemerkte  schon:  „Die  Messungen,  welche  ich  am  Natrolith 
von  Salesl  ausgeführt  habe,  zeigen,  daß  die  Zahl  der  vizinalen  Pyramiden- 
Üächen  an  jener  Spezies  viel  größer  ist,  als  man  vermutet,  ja,  daß  die- 
selben eigentlich  die  wirkliche  Grundpyramide  fast  immer  verdrängen  und 
statt  derselben  Vorkommen.“ 

2 Zeitschr.  f.  Krist.  4.  p.  628. 

3 Ebenda.  20.  p.  629. 

4 Bull.  soc.  min.  Paris  1885.  8.  123;  1892.  15.  p.  221;  1910.  33.  p.  279. 

20* 


308 


H.  Baumhauer, 


rechnet  1°  33'), Brögger  1 (Arö,  (11 . 10. 11):  (11  -3Ö.  11)  aus  dem 
von  dem  genannten  Autor  angenommenen  Aclisenverliältnis  (s.  oben) 
berechnet  zu  33°  38;}',  woraus  folgt  (1  1 1) : (1  1 . 10 . 1 1)  = 1 0 34^'). 
Brögger  und  Palla  1 führen  ferner,  letzterer  für  Salesl,  die 
vizinale  Makropyramide  {21 . 20 . 2l}p§£  an,  wobei  Palla  das 
Achsenverhältuis  b : a : c = 1,01820  : 1 : 0,35909  , also  a:b:c 
= 0,98212:1:0,35267  zugrunde  legt.  Brögger  berechnet  für 
die  brachydiagonale  Polkante  dieser  Form  35°  9'  (beobachtet 
35°  10'),  für  (21  : 20  : 21) : (1 11)  0°  49£'  (beobachtet  0°  480;  Palla 
erhalt  durch  Eechnung  für  ersteren  Winkel  35°  6',  für  die 
makrodiagonale  Polkante  37°  35'  (beobachtet  37°  480,  für 
(21 . 20 . 21) : ( 1 1 1)  0°  49'.  Die  von  mir  erhaltenen  Zahlen  stehen 
nun  allerdings  hier  und  da  den  für  {11  . 10  . 11}  und  {21  .20.21} 
geforderten  mehr  oder  weniger  nahe,  dennoch  macht  die  starke 
Schwankung  derselben,  wie  auch  die  oft  ungleiche  Neigung  zweier 
sonst  als  zusammengehörig  aufzufassender  Flächen  (x,  und  x2) 
zum  brachydiagonalen  Hauptschnitt  es  wenigstens  für  meine 
Kristalle  bedenklich,  hier  bestimmte  Symbole  anzunehmen.  Damit 
ist  natürlich  nicht  ausgeschlossen,  daß  solche  Flächen  in  gewissen 
Fällen  eine  fast  vollkommene  Übereinstimmung  mit  einem  relativ 
einfachen  Symbol  ergeben. 

y.  Die  dritte  vizinale  Pyramide3  y lieferte  für  die  beiden 
Polkantenwinkel  nur  wenig  schwankende  Werte.  Ich  erhielt  für 
y,  :y2  37  0 3'— 14A'  (Mittel  37°  7$'),  für  y2  : y3  37°42'— 49£' 
(Mittel  37°  46|2)*  Hieraus  berechnet  sich  für  den  Prismenwinkel 
89°  2'.  Geht  man,  wie  es  auch  oben  einmal  entsprechend  für  p 
geschehen,  von  dem  kleinsten  Werte  y,  : y,  und  dem -größten  y0  :y3 
aus,  also  von  37°  3'  und  37°49|'  — welche  an  demselben 
Kristall  VI  gemessen  wurden  — , so  erhält  man  für  den  Prismen- 
winkel 88°51|'.  Wenn  auch  die  so  berechneten  Prismen winkel 
den  aus  den  Winkeln  von  p abgeleiteten  nahe  kommen  — also 
hier  für  y:  89°  2'  bezw.  88°  5 1^',  für  p:  89°  53-'  bezw.  89°  — , 

so  dürfen  sie  doch  damit  nicht  etwa  gleichgesetzt  werden,  weil, 
wie  Fig.  1 zeigt , die  Richtung  der  Kanten  p : y,  verglichen  mit 
den  Kanten  y : m,  darauf  hindeutet,  daß  bei  y die  Makrodiagonale 
etwas  länger,  der  vordere  innere  Prismenwinkel  also  entsprechend 
größer  ist  als  bei  p.  Ja,  bei  Betrachtung  der  einzelnen  Kristalle 
kommt  man  leicht  zu  der  Ansicht,  es  müsse  dieser  Unterschied 
noch  größer  sein,  doch  ist  dies  vielleicht  auf  eine,  wenn  auch 
sehr  schwache  Krümmung  der  Flächen  y zurückzuführen. 

Da  der  oben  für  y bei  Kristall  VI  berechnete  Prismenwinkel 

1 Zeitschr.  f.  Frist.  3.  p.  479. 

2 Ebenda.  9.  p.  386. 

3 Der  Lage  nach  wohl  dieselbe,  welche  Gonk^rd  als  b §§  = (40 . 40 . 39) 
bezeichnet  und  für  die  er  auch  mit  diesem  Symbol  meist  gut  stimmende 
Winkelwerte  erhielt. 


lieber  die  goniometrischen  Verhältnisse  etc. 


309 


88°5l£'  dem  wirklichen  Winkel  des  Protoprismas  88°  55j'  sein- 
nahe  kommt,  so  könnte  man  y hier  wohl  als  eine  Protopyramide 
auffassen,  welche  ein  wenig  steiler  wäre  als  die  Grundform.  Es 
ergibt  sich  nämlich  aus  y,  : y2  = 37  0 3'  und  y2  : y3  = 37  0 4 9 .(' 
das  Achsenverhältnis 

a : b : c = 0.980233  : 1 : 0,356559, 

welches,  verglichen  mit  dem  oben  angeführten  nach  Negiu, 
a : b : c = 0,981118:  1 : 0,352837 

auf  das  angenäherte  Symbol  {89 .89 . 88}  |-|  P führt.  Die  Mittel- 
werte (yl  : v2  = 37  0 y2 : y3  — 37  0 46f')  führen  natürlich  wieder 
auf  ein  etwas  abweichendes  Achsenverhältnis : 


a : b : c :=  0.983273  : 1 : 0,357273, 

demnach  auch  auf  ein  anderes,  kompliziertes  Symbol.  Doch  ist 
diesen  Symbolen  kein  besonderer  Wert  beizumessen,  sie  können 
nur  zur  Orientierung  über  die  allgemeine  Lage  solcher  Vizinal- 
flächen dienen.  Überdies  ist  hier  mit  der  Schwierigkeit  zu  rechnen, 
die  Winkel  der  Grundform  bezw.  das  wirkliche  Achsenverhältnis 
für  die  jedesmal  untersuchten  Kristalle  festzustellen,  woher  es 
kommt,  daß  für  weitere  Vergleiche  und  Ableitungen  die  sichere 
Grundlage  fehlt. 

An  zwei  von  andern  Stufen  des 
menen  Kristallen  fand  ich  noch : p, 

! : x2  = 33°  51'; 

(am  gleichen  Kristall) 


gleichen  Fundortes  entnom 
= 36°  47',  18' 


16f 


: P, 
x,  : 

==  1 


284-': 


37°  544'; 


Pi 

Pi 


27  V 


ui, 


P* 

Xj 

nu 


==  37°  16', 
resp.  p2  : x2 
= 88°  554'. 

b)  Natürliche  Ätz- 
figuren. Bei  genauerer, 
eventuell  mikroskopischer 
Betrachtung  der  Pyramiden- 
und  Prismenflächen  mancher 
Natrolithkristalle  findet  man, 
daß  dieselben  mit  natürlichen 
Ätzfiguren  bedeckt  sind.  Von 
vollkommenster  Ausbildung 
sind  letztere  auf  den  Pyra- 
midenflächen , wo  sie  auf 
Teilen  p (Fig.  2)  als  äußere 
Begrenzung  die  Form  gleich- 
schenkliger Dreiecke  zeigen, 
während  ihre  vertieften  Kan- 
ten hierzu  unsymmetrisch 
liegen.  Doch  sind  die  Eindrücke  benachbarter  Pyramidenflächen 
nach  (100)  und  (010)  symmetrisch  angeordnet.  Etwas  abweichend 
gestaltet  erscheinen  sie  auf  Teilen  x.  Solche  Ätzeindrücke,  oft  von 


Fig. 


310 


H.  Baumhauer 


großer  Schärfe,  beobachtete  ich  an  mehreren  Kristallen  vom  Puy  de 
Marman.  Daneben  bemerkt  man  auch  schmale,  glänzende  Pi’ärosions- 
flächen  an  den  makrodiagonalen  Polkanten  der  Pyramide,  sowie 
breitere,  rauhe  an  den  Kanten  (111):  (III)  und  (lll)  : ( 1 1 1 ), 
falls  solche  ausgebildet  sind.  Schmale  Prärosionsflächen  erscheinen 
endlich  an  den  Kanten  (110) : (lll),  (HO) : (III),  bezw.  (110) : (1 11) 
und  (HO)  : (lll). 

Von  besonderem  Interesse  sind  die  natürlichen  Ätzfiguren  auf 
den  Prismenflächen.  Sie  sind  nämlich  nicht,  wie  es  der  rhom- 
bischen Holoedrie  entsprechen  würde,  nach  oben  und  unten  sym- 
metrisch, sondern  ganz  unsymmetrisch  gestaltet  und  deuten  deshalb 

und  wegen  ihrer  An- 
ordnung auf  benach- 
barten Prismenflächen 
bestimmt  auf  Hemi- 
morphismus  nach 
der  Vertikalachse 
hin.  Fig.  3 zeigt  solche 
Ätzfiguren,  welche  an 
einem  Kristall  vom 


y») 


(Hl) 

Oii) 

CH“) 

(Hl) 

CO 

i 

Cä 

CO 

(Ho) 

Oio) 

0M 

(HO) 

( i io) 

Fig.  3. 


Puy  de  Marman  beobachtet  wurden.  Sie  sind  mikroskopisch  klein, 
aber  recht  gut  ausgebildet.  Auf  den  Flächen  von  a { 1 00) , in  Fig.  3 
mit  denen  von  {110}  in  der  Ebene  der  Zeichnung  ausgebreitet,  be- 
merkt man  nur  feine  und  dicht  gedrängte,  vertikal  verlaufende  Streifen. 

c)  Künstliche  Ätzfiguren.  Zur  Erzeugung  künstlicher 
Ätzfiguren  wurden  die  Kristalle  während  einiger  Sekunden  der 

Einwirkung  sehr  stark  ver- 
dünnter wässeriger  Fluß- 
säure ausgesetzt.  Dabei  wur- 
den sowohl  auf  den  Pyra- 
miden- als  auch  auf  den  Pris- 
menflächen deutliche  Ein- 
drücke erhalten.  Fig.  4 stellt 
einen  so  geätzten  Kristall 
vom  Puy  de  Marman,  in  der 
Richtung  der  Vertikalachse 
gesehen,  dar.  Neben  den  vier- 
seitigen unsymmetrischen 
und  flacheren  Eindrücken, 
wie  sie  diese  Figur  zeigt, 
treten  aber  auch  solche  auf, 
welche  sich  durch  Vertiefung 
gewisser  Flächen  schlauch- 
förmig ins  Innere  des  Kristalls  fortsetzen  und  an  ihrer  Öffnung 
als  dunkle  Vierecke  erscheinen  (s.  Fig.  4 bei  a),  eine  bekanntlich 
auch  sonst  an  Ätzfiguren  häufig  zu  beobachtende  Erscheinung.  Die 


ir 


Ueber  die  goniometrischen  Verhältnisse  etc. 


311 


(Hi) 

(<L) 

(111) 

(il<) 

G 

0 

G 

0 

_ Qi°) 

0 «)_ 

(110) 

(110) 

Fig.  5. 


in  der  Figur  punktierten  Linien  treten  im  durchfallenden  Lichte 
u.  d.  M.  scharf  hervor  und  hängen  gewiß  mit  der  Entwicklung  und 
Begrenzung  der  auch  oberflächlich  zu  beobachtenden  vizinalen 
Flächen  zusammen.  Auf 
den  Prismenflächen  er- 
scheinen Ätzfiguren,  wie 
sie  Fig.  5 darstellt.  Die- 
selben sind  manchmal 
von  guter , manchmal 
von  weniger  guter  Aus- 
bildung; sie  beweisen, 
ebenso  wie  die  natür- 
lichen (Fig.  3),  die  hemi- 
morphe  Natur  unseres  Minerals.  Ganz  ähnlich  gestaltete,  aber 
natürliche  Ätzfiguren  beobachtete  ich  übrigens  auch  auf  deu  Pris- 
menflächen gewisser  Kristalle  vom  Puy  de  Marman  und  von  Bergen 
Hill,  N.  J. 

Die  mit  verdünnter  Flußsäure  auf  (l  10)  erhaltenen  Eindrücke 
variieren  — wohl  infolge  ungleich  starker  Verdünnung  der  an- 
gewandten Säure  — bei  verschiedenen  Prä- 
paraten mehr  oder  weniger  in  ihrer  Form. 

Fig.  6 zeigt  einige  derartige  Formen  in  der- 
jenigen Stellung,  welche  der  ersten  Fläche  (110) 
in  Fig.  5 entspricht;  stets  ist  ihr  unsym- 
metrischer Bau  deutlich  zu  erkennen.  Manch- 
mal sind  die  Ätzfiguren  auch  weniger  deutlich, 
indem  sie  dicht  zusammengedrängt  liegen  oder 
durch  Verzerrung , Rundung  oder  Schlauch- 
bildung deformiert  sind.  Überhaupt  gehören 
die  Natrolithkristalle  zu  denjenigen,  welche  im 
ganzen  nur  mäßig  gut  entwickelte  künstliche 
Ätzfiguren  liefern.  Auffallend  ist  der  Umstand, 
daß  man  auf  Spaltungsflächen  (110)  meist  nur  vereinzelte  und 
relativ  wenig  gut  ausgebildete  Ätzfiguren  erhält,  doch  entsprechen 
auch  diese  dem  Hemimorphismus  nach  der  Vertikalachse. 

d)  Z willings bil düng.  Nach  Stadtländer1  erscheinen 
an  garbenförmigen  Kristallgebilden  vou  Natrolith  (vom  Stempel 
bei  Marburg)  zuweilen  die  Pyramiden-Polkanten  an  den  beiden 
Enden  gegeneinander  verwendet,  was  auf  eine  Zwillingsverwachsung 
deute  nach  dem  Gesetz:  „Zwillingsachse  die  Normale  auf  (110), 
Zusammensetzungfläche  die  Basis“.  Lacroix2  beschreibt  diese 
Zwillingsbildung  folgendermaßen:  „J’ai  constate  que  les  cristaux 
du  Puy  de  Marman  et  de  Parentignat,  malgre  leur  apparente  homo- 


Fig.  6. 


1 N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1885.  II.  p.  113. 

2 Mineralogie  de  la  France.  1897.  2.  p.  264  ff. 


312  H.  Baumhauer,  Ueber  die  goniometrischen  Verhältnisse  etc. 

geneite,  presentent  d’une  fagon  presque  constante  des  macles  eit 
rappört  avee  leur  symetrie  pseudo-quadratique.  Quand  en  effet  on 
examine  en  Inmiere  polarisee  parallele  une  section  parallele  ä 
p (001),  on  la  croit  homogene,  mais  si  on  1 ui  superpose  un  mica 
qnart  d’onde,  on  constate,  que  la  bordure  de  la  plaque  est  criblee 
de  bandes  ou  de  petites  plages  irregulieres,  dans  lesquelles  le  plan 
des  axes  optiques  est  situe  sensiblement  ä 90°  de  celni  du  reste 
de  la  preparation.  — Ces  groupements  s’expliquent  aisement  par 
une  macle  snivant  in  (HO),  avec  rotation  de  90°  autour  de  Taxe 
vertical,  qui  est  presque  une  axe  pseudoquaternaire“. 

Wie  sogleich  gezeigt  werden  soll,  verhält  es  sich  mit  dieser 
Zwillingsbildung  in  Wirklichkeit  etwas  anders;  auch  würde  eine 
Drehung  des  einen  Individuums  gegen  das  andere  um  die  c- Achse 
um  90°  nicht  genau  zu  einer  Verbindung  nach  (110)  führen,  da 
der  Prismenwinkel  um  etwa  1°  von  90°  abweicht. 

Die  bisherige  Annahme,  wonach  der  Natrolith  der  holoedrischen 
(bipyramidalen)  Klasse  des  rhombischen  Systems  angehört,  würde 
nur  zu  einem  einzigen  derartigen  Zwillingsgesetze  führen,  nach 
welchem  die  beiden  miteinander  verwachsenen  Kristalle  nach  (HO) 
zueinander  symmetrisch  liegen  und  gleichzeitig  der  eine  zum 
anderen  hemitrop  ist.  Wenn  aber,  wie 
gezeigt  wurde,  der  Natrolith  dem  Hemi- 
morphismus  nach  der  Vertikalachse  unter- 
liegt, so  sind  zwei  Fälle  zu  unterscheiden  : 
1.  Spiegelung  nach  (110)  (ohne  Hemi- 
tropie)  und  2.  Hemitropie  um  die  Nor- 
male zu  (110)  (ohne  Spiegelung).  Die 
Beobachtung  der  Ätzfiguren,  wie  ich  sie 
an  mehreren  mit  sehr  verdünnter  Flußsäure 
behandelten  Kristallen  anstellen  konnte, 
entscheidet  die  Frage  nach  der  Art  der 
Zwillingsverwachsung  im  letzteren  Sinne. 
Die  betreffenden  Präparate  zeigen  sehr 
kleine,  aber  stellenweise  relativ  gut  aus- 
gebildete Eindrücke  auf  {l  10},  welche  in 
zwei  verwendeten  Stellungen  auftreten , wie  es  Fig.  7 darstellt. 
Die  Ätzfiguren  sind  daselbst  bei  ß gegen  die  bei  a um  die  Normale 
zur  Prismenfläche  um  1 80  0 gedreht.  Dabei  liegen  die  Ätzfiguren  ß 
auf  solchen  Stellen,  welche  sich  in  Form  schmaler  oder  breiterer, 
vertikal  verlaufender  Streifen  über  die  Prismenflächen  hinziehen. 

Obgleich  in  den  beiden  verbundenen  Individuen  die  Pole  der 
Vertikalachse  entgegengesetzt  liegen,  sind  erstere  doch  nicht 
symmetrisch  nach  der  Basis  orientiert,  wie  sich  aus  der  gegen- 
seitigen Lage  der  Ätztiguren  bei  a und  ß ergibt.  Soviel  mir 

bekannt,  liegt  hier  der  erste  Fall  einer  derartigen 
Zwillingsverwachsung  rhombisch-hemimorpher  K r i - 


Fig.  7. 


H.  Stremme,  Ueber  das  Verhalten  des  Cimolits  etc. 


313 


stalle  vor,  während  symmetrische  Verwachsungen  nach  der  Basis 
z.  B.  am  Kieselzinkerz  schon  beobachtet  wurden. 

Mit  dem  Hemimorphismus  steht  vielleicht  noch  die  Tatsache 
im  Zusammenhang,  daß  die  sonst  klaren  Natrolithkristalle  manch- 
mal am  aufgewachsenen  Ende  trüb,  die  Prismenflächen  daselbst 
auch  am  wenigsten  glatt  erscheinen,  im  Gegensatz  zu  der  Be- 
schaffenheit am  frei  ausgebildeten  Ende.  Ein  ähnlicher  Unterschied 
macht  sich  auch  beim  Atzen  sehr  bemerklich : die  deutlichsten 
Atzflguren  auf  { 1 1 1)}  liegen  stets  mehr  nach  dem  freien  Ende  hin. 
oft  dicht  an  den  betreffenden  Pyramidenflächen,  während  das  andere 
Ende  nur  selten  gute,  distinkte  Ätzeindrücke,  vielmehr  meist  eine 
eigentümlich  rauhe  Beschaffenheit  der  Prismenflächen  aufweist, 
wodurch  der  Kristall  daselbst  nur  noch  durchscheinend  ist  und 
weißliche  Färbung  zeigt. 

Ueber  das  Verhalten  des  Cimolits  vor  dem  Lötrohr  mit 
Kobaltsolution. 

Entgegnung  an  St.  J.  Thugutt  '. 

Von  H.  Stremme  in  Berlin. 

In  seiner  ersten  Kritik1  2 der  von  mir  übernommenen  Ansicht 
Groth’s  von  der  Gemengenatur  der  Mineralien  aus  der  Allophan- 
gruppe  fand  St.  J.  Thugutt  die  Anfärbung  der  Allopkanoide  mit 
organischen  Farbstoffen,  ebenso  wie  ihr  Verhalten  vor  dem  Lötrohr 
mit  Kobaltsolution,  so  individuell  geartet,  daß  ihm  eine  Anzahl 
verschiedener  Verbindungen  zwischen  Tonerde  und  Kieselsäure  vor- 
zuliegen schien.  In  meiner  Entgegnung 3 hatte  ich  die  Abhängig- 
keit der  scheinbar  so  individuellen  Anfärbung  von  Allophanoideu. 
mit  organischen  Farbstoffen  einerseits  vom  Alter  dieser  Mineralien 
bezw.  dem  Grade  ihrer  Austrocknung,  andererseits  von  den  ab- 
sorbierten Basen  erwiesen.  Diese  meine  Befunde  bestätigt  Thugutt 
mit  Ausnahme  des  an  einem  frischen  Allophan  von  Untersdorf 
erhaltenen,  der  ihm  nicht  zur  Verfügung  stand.  Nicht  bestätigt 
i wird  dagegen  von  Thugutt  meine  Deutung  des  Verhaltens  vor 
dem  Lötrohr  mit  Kobaltsolution.  Thugutt  hatte  bei  einem  Cimolit 
von  Bilin  und  bei  einem  Razumoffskin  vou  Kosemütz  anstatt  der 
sonst  bei  Allophanoiden  gefundenen  Reaktion  auf  Kobaltlösung 
(Thenards-Blau)  deren  Fehlen  beobachtet.  Bei  dem  Razumoffskin  von 
Kosemütz  konnte  ich  selbst  sie  feststellen,  nicht  dagegen  bei  dem 

1 St.  J.  Thugutt,  Über  Allophanoide.  Dies.  Centralbl.  1912.  p.  35. 

2 St.  .1.  Thugutt,  Sind  wirklich  Allophan  etc.?  Dies.  Centralbl.  1911. 
p.  97 — 103. 

3 H.  Stremme,  Allophan,  Hallovsit  usw.  Entgegnung  an  St.  J.  Thü- 
GT'TT.  1911.  p.  205. 


314 


H.  Stremme,  Ueber  das  Verhalten 


Cimolit  von  Bilin,  während  Ivlaproth’s  Cimolite  von  Kimolos  und 
Milo  ebenfalls  die  Blaufärbung  gaben.  Aus  dein  Vergleich  der 
Analysen  und  den  Angaben  der  Literatur  batte  ich  gezeigt,  daß 
das  abweichende  Verhalten  des  Cimolites  von  Bilin  auf  seinen  be- 
trächtlicheren Gehalt  an  störenden  Oxyden,  namentlich  Eisenoxyd, 
zurückzuführen  sei.  Thugutt  teilt  in  seiner  Entgegnung  Analysen 
seines  Razumoffskins  und  des  von  ihm  untersuchten  Cimolites  mit. 
Der  Razumoffskin  war  in  Wirklichkeit  ein  tonerdefreier  Garnierit. 
Rammelsberg’s  Cimolit  von  Bilin  hat  Thugutt  durch  Behandeln 
mit  Bromoform  in  fünf  Fraktionen  zerlegt,  von  denen  er  die 
leichteste,  eine  amorphe  erdige,  schmutziggelb  gefärbte,  „Cimolit, 
dem  noch  etwas  Anauxit  beigemengt  war“,  nennt,  während  „die 
allerschwerste  weiße,  aus  doppelbrechenden,  perlmutterglänzenden 
Körnchen  und  Blättchen  bestehende  Fraktion  aus  mit  Cimolit  noch 
ziemlich  stark  verunreinigtem  Anauxit  bestand“. 

Fraktion  1 hatte  eine  wesentlich  andere  Zusammensetzung  (A) 
als  die  von  Rammeusbehg  (B)  und  v.  Hauer  (C)  analysierten  Cimo- 
lite von  Bilin : 


A 

B 

C 

SiO, 

54,24 

60,626 

A1203  

. 19,92 

25,02 

23.085 

Fe,  03 

— 

5,22 

4.207 

FeO 

2,49 

— 

— 

CaO 

0,87 

1,275 

Mg  0 

Spur 

0,56 

0,910 

Hj  0 

. 12.56 

14,37 

9,124 

Summe  . . 

. 100,60 

100,28 

99,227 

Also  mehr  Kieselsäure,  weniger  Tonerde  und  namentlich  kein 
Eisenoxyd,  sondern  beträchtlich  weniger  Eisen  als  Eisenoxydul, 
auch  kein  CaO  und  Mg 0.  Obwohl  die  schmutziggelbe  Farbe  auch 
in  Thugutt’s  Cimolitfraktion  die  Anwesenheit  von  Fe203  vermuten 
läßt,  wird  dennoch  das  Eisen  als  FeO  angegeben  und  ausdrück- 
lich bemerkt,  es  träte  entweder  als  FeC03  oder  als  FeSi03  auf. 
Woher  soll  aber  die  gelbe  Farbe  kommen?  Als  Carbonat  kann 
das  Eisen  nicht  vorhanden  sein,  da  Thugutt  keine  Kohlensäure 
festgestellt  hat.  Das  Vorhandensein  einer  Verbindung  Fe  Si03  hat 
Thugutt  nicht  bewiesen. 

Bei  der  Lötrohrprobe  färbte  sich  nach  Thugutt  die  Anauxit- 
fraktion  mit  Kobaltsolution  schön  blau,  der  starkgeglühte  Cimolit 
blieb  dagegen  unverändert;  „schwach  erhitzt,  mit  Kobaltsolution 
benetzt  und  wiederum  geglüht,  färbte  sich  der  Cimolit  bläulich- 
grau, welche  Färbung  möglicherweise  auf  Rechnung  des  beigemengten 
Anauxits  zu  setzen  ist“.  Während  ich  selbst  das  Ausbleiben  der 
Reaktion  bei  der  Biliner  Augitpseudomorphose  auf  die  Beimengung 
von  störenden  Oxyden  zurückführte,  bestreitet  Thugutt,  daß  bei 


des  C'imolits  vor  dem  Lötrohr  mit  Kobaltsolution. 


315 


Gemengen  von  Tonerde  und  Kieselsäure  selbst  bedeutende  Bei- 
mengungen von  MgO,  FeO,  CaO  die  Reaktion  störten,  und  daß 

iaucli  natürliche  Gemenge  von  Tonerde  und  Eisenoxyd  Thenards- 
Blau  ergäben.  Letzteres  wird  in  auffallendem  Licht  unter  der 
Lupe  an  eisenoxydreichen  Bauxiten  von  Beaux  Arles,  vom  Yogels- 
■ berg,  von  Wochein  und  an  Latenten  von  St.  Thomas  und  von 
j Ceylon  festgestellt.  Nicht  zu  erkennen  war  die  Blaufärbung  da- 
gegen bei  einem  sehr  feinkörnigen,  tiefbraungefärbten  Beauxit  von 
Brignolles  und  „bei  einer,  wie  es  scheint,  gibbsitfreien  Probe  des 
I Laterits  von  Mungo 14 . 

Daraus  folgert  Thugutt,  das  Fehlen  der  Kobaltreaktion  beim 
I Cimolit  sei  nicht  auf  die  Metalloxyde,  sondern  auf  die  Bindung 
j von  Tonerde  und  Kieselsäure  in  ihm  zurückzuführen.  „Lockert 
man  diese  Bindung,  indem  man  z.  B.  den  Cimolit  mit  ein  wenig 
Soda  aufschließt,  so  kommt  sofort  die  intensivste  Blaufärbung  zum 
Vorschein.“ 

Bewegt  sich  hier  Thugutt  nicht  in  einem  Zirkel?  Er  sagt, 
Beimengungen  machen  bei  Gemengen  nichts  aus,  wohl  aber  bei 
Verbindungen.  Sein  Cimolit  soll  eine  Verbindung  sein,  müßten 
da  nicht  die  Beimengungen  wirken  ? 

Wenn  nun  auch  nach  Thugutt's  Angaben  „selbst  bedeutende 
i Beimengung  von  Metalloxyden  für  das  Auskommen  der  Kobalt- 

Ireaktion,  absolut  irrelevant“  sind,  so  teilt  doch  Thugutt  nicht 
mit,  wie  sich  eine  Mengung  der  einzelnen  Bestandteile  entsprechend 
der  empirischen  Zusammensetzung  im  Cimolit  vor  dem  Lötrohr 
verhält.  Ich  habe  diesen  Versuch  unternommen  und  bei  den  Ge- 
mengen die  gleichen  Erscheinungen  wahrgenommen,  die  Thugutt 
von  seinem  Cimolit  beschreibt. 

0,0785  g KAHUBAUM’sclies  chemisch  reines  Kieselsäurehydrat, 
enthaltend  0,0656  g SiO„;  0,0306  g KAHLBAUM’sches  chemisch 
reines  Aluminiumhydroxyd,  enthaltend  0,0199  g A1203;  0,0025  g 
FeO,  frisch  bereitet  durch  Glühen  von  oxalsaurem  Eisenoxydul, 
wurden  im  Achatmörser  innig  miteinander  verrieben.  Es  entstand 
ein  graues  Gemenge,  dessen  Zusammensetzung  war: 

65,6  °/o  Si  0 
19,9  „ A10 
2,5  „ FeO 
23,6  „ HO 

11 1,6  °/o, 

also  bis  auf  den  höheren  Wassergehalt  genau  die  von  Thugutt’s 
Cimolit.  Dieses  Gemenge  wurde  zuerst  ohne  Befeuchtung  mit 
Kobaltsolution  vor  dem  Lötrohr  geglüht,  wobei  in  der  Oxydations- 
flamme ein  rötlicher  Farbenton  auftrat,  der  in  der  Reduktions- 
flamme wieder  verschwand;  sodann  wurde  das  Gemenge  mit  der 
Kobaltlösung  befeuchtet  und  abermals  geglüht.  Bei  schwachem 


H.  Stremrae,  Ueber  das  Verhalten 


316 

Glühen  erhielt  ich  eine  bläulichgraue,  zusannuengesinterte  Masse, 
bei  starkem  Glühen  eine  schwarze  glänzende  Schlacke.  Die  gleichen 
Erscheinungen  traten  ein,  wenn  ich  das  Gemenge  gleich  mit  Kobalt- 
lösung befeuchtete  und  erst  dann  glühte,  oder  wenn  ich  statt  des 
EisenoxjMuls  die  entsprechende  Menge  Eisenoxyd  nahm.  Als  ich 
die  bläulichgraue  Masse  mit  etwas  Soda  aufschloß,  erhielt  ich  wie 
Thugutt  eine  iutensiv  blaugefärbte  Schmelze.  Die  gleiche  Farbe 
erhielt  ich  jedoch  auch,  als  ich  das  reine,  tonerdefreie  Kieselsäure- 
hydrat nach  dem  erfolglosen  Glühen  mit  Kobaltsolution  mit  etwas 
Soda  aufschloß.  Das  Verhalten  bei  Gegenwart  von  Soda  hat  also 
nichts  mehr  mit  der  Reaktion  auf  Tonerde  zu  tun. 

Wenn  ich  etwas  mehr  Eisenoxyd  nahm,  z.  B.  im  Verhältnis 
der  Zusammensetzung  von  Rammelsberg’s  Cimolit,  so  erhielt  ich 
ebenfalls  keine  Blaufärbung,  sondern  graue  Sinterungen  oder 
schwarzglänzende  Schlacken.  Angesichts  dieser  Befunde  will  es 
nichts  besagen,  daß  Thugutt  in  seiner  Entgegnung  keinen  Bezug 
auf  meine  Prüfung  der  Cimolite  Klaproth’s  nimmt.  Der  typische 
Cimolit  von  Kimolos  gab  die  Blaufärbung.  Wenn  nun  ein  Biliner 
Cimolit  keine  Blaufärbung  erkennen  läßt  und  nach  Thugutt’s 
irriger  Ansicht  nicht  die  Anwesenheit  von  Metalloxyden  diese  Ab- 
weichung verursacht  haben  soll,  so  wäre  — vorausgesetzt  daß 
Thugutt  recht  behalten  hätte  — hieraus  zu  schließen,  daß  Thu- 
gutt’s Cimolit  kein  Cimolit  sein  könnte.  Wie  man  also  auch 
Thugutt’s  Befunde  betrachten  mag,  sein  Schluß,  daß  er  den 
Cimolit  aus  der  Reihe  der  Allophanoide  streichen  müsse , ist  ein 
Trugschluß. 

ln  diesem  Zusammenhang  interessierte  mich  auch  das  Ver- 
halten von  anderen  Cimoliten.  Nach  Knop  1 sind  Augitkristalle 
des  Limburgites  der  Limburg  unter  der  Einwirkung  postvulkanischer 
Dämpfe  ebenfalls  in  Cimolit  verwandelt.  Dessen  Zusammen- 


setzung ist: 

Si02 51,37 

Ti  02 9,61 

A1203 12,70 

Fe2Os 12,50 

Ca  0 0,00 

Mg  0 3,09 

K20 0,51 

Na2  0 0,90 

H20  . . . ■ ■ 9,21 

Summe  . . . 99,89. 


M.  HENGLEix-Karlsruhe  war  so  liebenswürdig,  das  Verhalten  von 
Knop’s  Originalmaterial  mit  Kobaltsolution  zu  untersuchen.  Auch 


1 A.  Knop,  Der  Kaiserstuhl  im  Breisgau.  1892.  p.  76. 


des  Cimolits  vor  dem  Lötrohr  mit  Kobaltsolution. 


317 


hier  war  nicht  Blaufärbung,  sondern  schwarze  Schlackenbildung 
- zu  beobachten.  Nach  Henglein’s  Ansicht  ist  das  Fehlen  der 
Blaufärbung  auf  die  hohen  Mengen  störender  Substanzen  in  diesem 
Gimolit  zuriickzuführen.  Meine  Prüfung  mit  einem  Gemenge  von 
Si,  0,  A1203  und  Fe203  in  entsprechenden  Mengen  bestätigte  diese 
Ausiclit.  Auf  Titansäure  hatte  übrigens  Thugutt  bei  seinem 
Cimolit  nicht  geprüft.  Nach  einer  freundlichen  Untersuchung  von 
0.  HÄHN’EL-Berlin  enthielt  eine  Biliner  Pseudomorphose  1,2  °/o  TiO.,. 

Wenn  so  Thugütt’s  Versuche  mit  dem  Cimolit  als  wenig- 
einwandfrei  nachgewiesen  werden  konnten,  so  vermag  ich  auch 
seinen  übrigen  Einwendungen  gegen  die  Zusammengehörigkeit  der 
von  mir  zusamuieugestellten  Alloplianoide  nicht  beizustimmen. 
Nicht  weil  die  Alloplianoide  Kieselsäure  und  Tonerde  an  Wasser 
abgeben,  wie  Thugutt  mich  fälschlich  sagen  läßt,  können  in  ihnen 
Säure  uud  Base  nur  absorbiert  und  nicht  chemisch  gebunden  sein, 
sondern  weil  es  möglich  ist,  aus  ihnen  die  Alkalien  mit  Wasser 
auszuwaschen.  Aus  kristallisiertem  Nephelin , Sodalith  usw.  ist 
dies  nicht  möglich.  Diese  Mineralien  geben  nur  geringe  Mengen 
Alkali  an  Wasser  ab.  Daß  ich  die  Möglichkeit  der  Existenz  freier 
Tonerdekieselsäuren  verneine,  ist  ein  Irrtum  Thugutt’s.  Ich  habe 
mich  selbst  bemüht,  den  Kaolin  als  eine  freie  Tonerdekieselsäure 
zu  erweisen1 . Aber  hier  haben  wir  den  Beweis  der  Bindung 
zwischen  Tonerde  und  Kieselsäure  in  seiner  Schwerzersetzlichkeit 
durch  Säuren. 

Daß  auch  Alloplianoide  durch  Säuren  schwer  zersetzt  würden, 
wie  Thugutt  sagt,  ist  quantitativ  in  keinem  Falle  nachgewiesen. 
Thugutt  gibt  speziell  deu  Steargillit  an,  der  nach  Dana’s  Angabe 
„von  Säuren  überhaupt  nicht  angegriffen“  würde.  Dana  sagt 
jedoch  lediglich  „insoluble  in  acids“.  Auf  die  Löslichkeit  in 
Säuren  kommt  es  bei  den  Mineralien,  die  gegenüber  den  Kunst- 
produkten ihre  geologischen  Schicksale  haben,  nicht  an,  sondern 
auf  die  Aufschließbarkeit.  Nach  seinem  hohen  Wassergehalt  (27° Io 
und  mehr,  davon  der  größte  Teil  bei  100°  flüchtig)  zu  urteilen, 
wird  Steargillit  von  Salzsäure  aufgeschlossen.  Aber  mit  dem 
Augenschein  darf  man  sich  bei  einer  solchen  Untersuchung  nicht 
begnügen,  wie  dies  Thugutt  1 bei  seiuer  Darstellung  angeblich 
salzsäureunlöslichen  Kaolins  aus  salzsäurelöslichem,  künstlichem, 
nur  z.  T.  kristallisiertem  Kalinephelin  mit  Hilfe  von  Carbolsäure 
tat.  Seit  der  Veröffentlichung  meiner  von  Thugutt  angegriffenen 
Arbeit  im  Jahre  190S  habe  ich  selbst  in  Gemeinschaft  mit  yan 
der  Leeden  und  Aarnio  und  namentlich  auch  van  der  Leeden 
allein  1910  und  1911  wiederholte  quantitative  Löslichkeitsbestim- 
mungen  von  Allophanoiden  veröffentlicht  und  auf  die  merkwürdigen 
Veränderungen  der  Löslichkeit  mit  dem  Altern  und  Austrocknen 

1 H.  Stremme,  Die  Chemie  des  Kaolins.  Fortschritte  der  Minera- 
logie. 1912. 


318 


Besprechungen. 


dieser  Gele  liingewiesen.  Von  diesen  Mitteilungen  hat  jedoch 
Tiiugutt  in  seiner  Kritik  keine  Notiz  genommen. 

Was  die  angeblich  stärkeren  Schwankungen  der  Naturkörper 
in  bezug  auf  Härte,  spez.  Gew.  und  Verhalten  unter  dem  Mikro- 
skop gegenüber  den  Kunstprodukten  angeht,  so  ist  ein  solches  an- 
gesichts der  außerordentlichen  Variation  ihrer  Zusammensetzung, 
ihrer  vielfach  abweichenden  Entstehung  und  ihres  oft  eigenartigen 
Vorkommens  gewiß  zu  erwarten.  Während  ich  jedoch  über  50 
dieser  Körper  in  meiner  Tabelle  angegeben  hatte,  nennt  Thugutt 
nur  9 in  der  einen  oder  anderen  Hinsicht  abweichende,  von  denen 
ich  einen,  den  Termierit,  nicht  mit  aufgeführt  hatte.  Im  einzelnen 
ist  oft  leicht  die  Ursache  der  Abweichung  zu  linden.  So  wird 
von  Ivollyrit  die  Härte  1 (bei  Dana  1 — 2)  angegeben,  gegen 
2,5  — 3 bei  künstlichen  Stoffen.  Von  letzteren  habe  ich  glatte, 
ausgetrocknete,  horn-  oder  glasartige  Stücke  von  ca.  cm  Größe 
untersucht.  Der  Kollvrit  mit  der  Härte  1 ist  dagegen  tonig,  fein- 
erdig. Ein  Ivunstprodukt  von  ähnlicher  Beschaffenheit  hat  die 
gleiche  Härte.  Von  Samoit  wird  eine  besonders  große  Härte  und 
der  Mangel  an  Plastizität  angegeben.  Dana  schildert  dieses 
Mineral  als  stalaktitisch , mit  Lamellarstruktur.  Dies  ist  eine 
Form,  die  man  im  Laboratorium  kaum  hersteilen  kann.  Auch 
Opal  und  Hyalith  wären  nach  Cornu  und  anderen  Autoren  Gele, 
ohne  plastisch  zu  sein  und  die  geringe  Härte  des  Kieselsäuregels 
zu  besitzen.  Gele  sind  übrigens  auch  nicht  stets  plastisch. 

Thugutt  wiederholt  die  Ansicht,  es  könnten  in  den  Allopha- 
noiden  Alumokieselsäuren  vorhanden  sein.  Demgegenüber  ist  fest- 
zustellen, daß  ein  Vorkommen  durch  Salzsäure  leicht  zersetzbarer 
Alumokieselsäuren  bisher  nicht  bewiesen  ist.  Diese  leichte  Zer- 
setzbarkeit läßt  eher  den  Mangel  einer  Bindung  zwischen  Tonerde 
und  Kieselsäure  vermuten,  auch  bei  kristallisierten  Mineralien,  für 
die  Doelter’s  1 Annahme  von  festen  Lösungen  wahrscheinlicher 
ist.  Ungeachtet  der  großen  Verschiedenheit  in  der  Zersetzbarkeit 
schreibt  Thugutt  Nephelin,  Anorthit,  Glimmer,  Kaolin,  Sanidin, 
Natrolith  die  gleiche  Alumokieselsäure  zu. 

Berlin,  17.  März  1913. 


Besprechungen. 

F.  Rinne:  Elementare  Anleitung  zu  k ristallogra- 
phisch-optischen Untersuchungen  vornehmlich  mit 
Hilfe  des  Polarisationsmikroskops.  2.  Aufl.  Leipzig  bei 
Max  Jänecke.  1912.  161  p.  Mit  4 Taf.  und  36  Textfig.  (Vergl. 
dies.  Centralbl.  1901.  p.  19.) 

1 C.  Doelter,  Handbuch  der  Mineralchemie.  2.  p.  35. 


Besprechungen. 


319 


Wir  haben  hier  die  zweite  Auflage  des  1900  erschienenen 
und  längst  vergriffenen  Buches  desselben  Verfassers:  Das  Mikro- 
skop im  chemischen  Laboratorium,  vor  uns,  auf  mehr  als  die 
doppelte  Zahl  von  allerdings  erheblich  kleineren,  das  Format  hand- 
licher machende  Seiten  ausgedehnt  und  mit  zahlreicheren  Ab- 
bildungen ausgestattet.  Eine  nicht  unerhebliche  Erweiterung  hat 
i die  geometrische  Kristallographie  als  Grundlage  für  die  kristallo- 
graphisch-optischen  Untersuchungen  erfahren  und  es  wurde  dabei, 
sowie  für  die  Darstellung  auch  der  letzteren  die  stei’eographische 
Projektion  in  größerem  Umfang  herangezogen.  Auch  die  Über- 
sicht über  die  optischen  Verhältnisse  wurde  erweitert  und  die  In- 
I st r Hinente,  Mikroskop  mit  Nebenapparaten  eingehender  beschrieben 
, und  durch  zahlreichere  Abbildungen  erläutert,  auch  eine  kurze 
' Anweisung  zu  metallograpischen  Untersuchungen  hinzugefügt.  Bei 
l der  Auswahl  der  Methoden  wurden  die  für  Anfänger  am  meisten 
zu  empfehlenden  besonders  bevorzugt  und  den  älteren  mehrere 
neue  Untersuchungsarten  beigefügt  (Abkühlungsmethode,  BECKE’sche 
Linie  und  Einbettung  von  Schröder  van  der  Kolk,  Totalreflekto- 
meter, Längen-  und  Dickenmessung,  Ultramikroskop,  Herstellung 
der  Präparate  und  Schleifapparat  von  Wülfing  etc.).  Der  gegen 
I früher  etwas  abweichend  eingeteilte  Inhalt  ist  in  die  folgenden 
Hauptabschnitte  zerlegt : I.  Geometrische  Kristallographie  als 

, Grundlage  für  kristallographisch-optische  Untersuchungen.  II.  Be- 
merkungen über  das  kristallographische  Mikroskop.  III.  Hilfs- 
apparate zum  Mikroskop.  IV.  Präparate.  V.  Gebrauch  des  Mikro- 
skops. VI.  Längen-  und  Dickenmessung.  VII.  Winkelmessung. 
VIII.  Beziehungen  zwischen  geometrischer  und  optischer  Symmetrie 
i der  Kristalle.  IX.  Methoden  der  optischen  Untersuchung  von 
Kristallen,  und  zwar  Untersuchungen  im  parallelen  polarisierten 
Licht  und  im  konvergenten  polarisierten  Licht.  Den  Schluß  machen 
Ubungsbeispiele  für  optische  Untersuchungen  und  ein  Sachregister. 
In  seinem  neuen  Gewände  steht  Rinnf.’s  Buch  ganz  auf  dem  neuesten 
Standpunkt,  den  er  dem  Anfänger  in  klarer,  leicht  verständlicher 
Weise  vermittelt.  Es  ist  also  zu  erwarten  und  zu  hoffen,  daß 
die  neue  Auflage  sich  bald  derselben  Beliebtheit  zu  erfreuen  haben 
wird,  wie  seinerzeit  die  alte.  Max  Bauer. 


O.  Dreher:  Das  Färben  des  Achats.  Idar  bei  E. Keßler. 
1913.  20  p. 

Verf.  stellt  die  bisher  bekannt  gewordenen  Methoden  der 
Achatfärbung  kurz  zusammen  und  gibt  so  einen  interessanten  Ein- 
blick in  dieses  für  die  Schleifereien  in  Idar  so  wichtige  Verfahren. 

Max  Bauer. 


320 


Besprechungen.  — Berichtigung.  — Personalia. 


J.  Volney  Lewis:  Determinative  Hineralogy  vvith 
T a b 1 e s f o r t h e Determination  o f Minerals  b y Means 
of  t lieir  Chemical  and  Physical  Cliaracters.  New  York 
bei  John  Wiley  and  Sons,  1913.  VI  151  p.  Mit  68  Figuren 
im  Text. 

Dieses  Buch  ist  zum  Bestimmen  der  Mineralien  hauptsächlich 
mittels  der  Lötrohrreaktionen  sehr  gut  geeignet,  und  da  ein  reiches 
Material  mittels  mehreren  Tabellen  in  knapper  Form  gegeben  ist, 
wird  dasselbe  sehr  wahrscheinlich  viel  von  Studenten  der  Mineralogie 
und  Geologie  und  des  Bergbaus  benutzt  werden. 

Zuerst  werden  die  gewöhnlich  angewandten  Apparate,  Rea- 
geutien,  Lötrohroperationen  und  chemische  Reaktionen  beschrieben. 
Dann  folgt  ein  kurzer  Abschnitt  von  sechs  Seiten  über  Krystall- 
formen.  Beschreibende  und  technische  Ausdrücke  und  Nomenklaturen 
werden  dann  erläutert.  Die  Tabellen  zum  Bestimmen  der  Mineralien 
sind  auf  den  wohlbekannten  und  vielfach  in  Amerika  benutzten 
Tabellen  von  Brush  und  Peniueld  basiert,  jedoch  viel  vereinfacht, 
und  können  zum  Bestimmen  von  380  Mineralien  gebraucht  werden, 
deren  Wichtigkeit  bequem  durch  Verschiedenheiten  in  der  Größe 
des  Druckes  angedeutet  ist.  Außer  den  charakteristischen  Lötrohr- 
und chemischen  Reaktionen  werden  auch  Zusammensetzung,  Farbe, 
Glanz,  Härte,  Dichte,  Schmelzbarkeit,  Krystallisation,  Blätterbruch 
und  Bruch  in  den  Tabellen  angeführt.  Um  das  Nachschlageu  von 
eingehenden  Beschreibungen  der  verschiedenen  Mineralien  zu  er- 
leichtern werden  unter  den  Mineralnamen  Seitenangaben  zu  dem 
Textbook  of  Mineralogy  von  E.  S.  Dana  und  zu  der  sechsten  Auf- 
lage des  DANA’schen  System  of  Mineralogy  gegeben. 

Das  Material  ist  gut  angeordnet,  auch  der  Druck  ist  gut. 
Zweifelsohne  werden  diese  neuen  Tabellen  viele  Freunde  finden. 

E.  H.  Kraus. 


Berichtigung. 

Auf  p.  194  dies.  Centralbl.  1913.  Heft  7,  Bauxit  oder  Sporo- 
gelit?  von  C.  Doelter  und  E.  Dittler  soll  statt  Al203  xH20 
Al203xH20  gelesen  werden. 


Personalia. 

Ernannt:  Der  etatsmäßige  a.  o.  Professor  der  Mineralogie, 
Geologie  und  Paläontologie  Dr.  Wilhelm  Salomon  in  Heidelberg 
zum  Ordinarius  daselbst. 


H.  E.  Boeke,  Bemerkung  etc. 


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Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 


Bemerkung  über  die  Theorie  von  J.  Johnston  bezüglich  des 
Verhaltens  fester  Stoffe  unter  ungleichförmigem  Druck.